Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

b. Stadthallen⸗-Theater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
man uns: Donnerstag (6 Uhr): Wiederholung von , Die re⸗ 
legierten Studenten“ und „In Zivit“ 
b. Der Liederabend von Sufanne Dessoir im Logensaal 
dürfte als Abschieds-Liederabend bezeichnet werden, da, wie 
bereits berichtet, die Sängerin mit Schluß der Saison 1912 
sich aus der Oeffentlichkeit gänzlich zurückzuziehen gedenkt. 
b. Verein der Musiksreunde. Für das am Mittwoch 
bevorstehende vollstümliche Konzert des Vereins der Musik 
freunde hat Herr Kapellmeister Abendroth ein Programm 
von selten gehörten Musikstücken zusammengestellt. Die Ouver⸗ 
türe zu „Iphigenie in Aulis“ von Gluck wird den Abend 
eröffnen. Als weitere Ouvertüre üt eire solche zum Barbier 
von Bagdad“ von Cornellus in Aussicht genommen. Daneben 
wird Gelegenheit sein zu hören von Rameau⸗Gepaert ,Ri— 
godon de Dardanus“, von Grieg zwei Melodien fur Streicher, 
von Kienzl Volksszenen aus „Evangelimann“, von Lacombe 
Féto galante, Suite für Orchester, von Mascagni Intermezzo 
aus „Cavalleria rusticana“. Ferner werden als Solisten mit 
einem Geigenduett von J. S. Bach die Herren Konzertmeister 
de Ruyter-Korver und Wilhelm Stumpf auftreten. 
b. Die All Abroad Cy wird im Hansatheater zu Lübedck 
ein 14tägiges Gastspiel absolvieren, ehe sie sich auf ihre 
große transozeanische Tournee begibt. Sie bringt die neuen 
Spezies des Sketches und der dariserischen und wienerischen 
kinakter in strahlender Vollendung und in einem Rahmen 
der die Eleganz der mondainen Welt glauben machen läßt. 
„Bis hierher und nicht weiter“, „Der Detektiv“, „Das Loch 
im Strumpf“, „Disßziplinararrest“. Die Titel lassen kaum ahnen,. 
welche Fülle barocker Einfälle und kexquisiter Pikanterien sie 
umschliehen. 
b. Die Gewerbetammer ladet alle Interessenten zu einer 
Besprechung über das Submissionswesen am Mittwoch, dem 
22. Febr. abends 852 Uhr, im Bärgerverein ein. 
C) Schlutup, 14. Febr. Der hiesige Zweigver— 
eiln des Ev. Bundes hielt Freitag seine ordentliche 
ßeneralversammlung ab. Nach dem Jahresbericht fand am 
12. Juli eine Protestversammlung gegen die Enzyklika des 
Papstes statt, in derselben sprach Herr Pastor Mildenftein, 
Sülfeld. Im November berichtete Herr Hauptlehrer Pech— 
mann, Lübechk, über die Hauptversammlung des Evd. Bundes 
in Chemnitz. Im Dezember hielt Herr Dr. Pabst, Libed 
einen Vortrag über Reiseeindrüde und Erlebnisse in dem 
Gebiet der Los⸗von⸗-Nom-Bewegung in Oesterreich, und im 
Januar d. J. sprach Herr Pafstor Röese, Edesheim, nochmals 
zegen die Enzyklika des Papstes. Nach dem Kasisenberichte 
betrugen Einnahme und Ausgabe rund 320 M. Wie alliähr⸗ 
lich findet am Sonntag,. dem 19. Febr. in der hiesigen 
Kirche eine Lutherfeier statt; Herr Pastor Vietig, Stodels- 
dorf, hält die Festpredigt. 
j. Behlendorf, 14. Febt. Die Kriegerkamerad⸗ 
schaft von St. Georgsberg und Umgegend hielt 
Sonntag hier eine Versammlung ab. Der Vorsitzende, Kamerad 
Denlet, berichtete über den würdigen Verlauf der Feier des 
beburtstages des Kaisers. Es wurde besonders betont, dah 
der Orisgeistliche die Festpredigt ganz auf den Ton des 
Tages gestimmt hatte. Der Vorsitzende wurde ermaͤchtigt, dem 
heistlichen dafür den Dank des Vereins auszusprechen. In 
»en Vorstand des Kreiskriegerverbandes wurde für den aus— 
zeschiedenen Kameraden Dr. Harries der 1. Vorsfitzende, Kam. 
Denker, St. Georgsberg, gewählt. Nachdenm noch einige klei 
nere Vereinssachen besprochen waren, trat die Gemütlichket 
in ihre Rechte, welche die Kameraden noch lange zusammenhielt. 
Hanfeftãdte. 
PHamburg, 14. Febr. Die neue Gesellschaft zur 
Verteilung von Lebensbedürfnissen von 1856 hat 
im Jahre 1910 bei einem Umsatz von falt 9 Mill. M. einen 
Hewinn von 700 000 Meerzielt. Kaufende Mitglieder sind zirla 
39 000 vorhanden, außerdem eine große Anzahl sog. „Papier⸗ 
oldaten“, die wenig oder gar nichts laufen. 
Eine Hamburger Terraingesellschaft hat das 
94 000 qm grohe vormals Wullenwebersche Grundstuck in Nieder⸗ 
georgswärder (Wilhelmsburg) sur 280 000 Mugekauft. Das 
qganze Terrain soll zu Straßen gessaltet und mit Wohnhäusern 
debaut werden. 
Schles wig⸗Holsst ein. 
Kiel, 14. Febr. Unsere alten 48er. Die schlesw. 
holit. Landeskampfgenossenschaft wird am 11. Juni ihren Tele⸗ 
giertentag abhalten. Es wäre ein Zeichen echtet Kameradschaft, 
wenu die Krieger- und Militärvereine, unterstützt von der ge⸗ 
amten Bürgerschett. A203 annehmen möchten. 
bBersammlung der Vürgerschaft 
am Montag, dem 13. Februar. 
Auf der Tagesordnung der um 6 Uhr 20 Minuten vom 
Wortführer Konsul Dimpker eröffneten Sitzung stand zu⸗ 
nãchst der 
Wiederholte Antragbetreffend Revision des 
Beamtenbesoldungsetats u. w.da. 
Der Senat beantragt erneut im Interesse des endlichen 
Zustandekommens des Beamtenbesoldungsetats bei der Bürger⸗ 
chaft: 
dahß die Besoldung 
a. der Hafenmeistergehilfen und des Wasserschoutgehilfen, 
b. der Handarbeits-und Turnlehrerinnen (Klasse 0 y)) und 
der Lehrer (Klasse C U) 
gemäh der Vorlage des Senates vom 3. Dez. 10910 festge- 
jetzt werde. 
Zugleich wiederholt der Senat seine Erklärung vom 28. Jan. 
dleses Jahres, daß er, falls die Bürgerschaft diesem Antrage 
beitritt, die Bedingung der rechtzeitigen Erschließung neuer Ein— 
nahmequellen als ausreichender Deckungsmittel für die aus 
der Durchführung des neuen Beamtenbesoldungsetats erwachsen⸗ 
den Mehrausgaben als erfüllt betrachtet. 
Rechtsanwalt Fehling: Er habe dem Wortführer einen 
Antrag überreicht, in welcham die Bürgerschaft ersucht werde, 
ihre Beschlüsse hinsichtlich der Hafenmeistergehilfen, des Wasser⸗ 
schouigehilfen, der Handarbeits- und Turnlehrerinnen und der 
Lehrer aufrecht zu erhalten. Es habe wohl niemand erwartet. 
daß schon nach acht Tagen der Senat seinen Antrag von neuem 
an die Vürgerschaft bringen werde, da wohl damit habe ge— 
rechnet werden dürfen, daß der Senat nicht nur von den Be 
schlüssen, sondern aus dem stenographischen Bericht auch von 
deren Begründung Kenntnis nehmen werde. Dies sei leider 
nicht geschehen, und die Bürgerschaft müsse sich damit abfinden. 
Seines Erachtens habe sich für die Bürgerschaft die Sachlage 
seit vorigen Montag nicht im mindesten geändert. Er nehme 
an, daß die Burgerschaft in ihrer Mehrheit zu dem gefaßten 
Beschlusse gelangt sei, weil sie der Meinung gewesen wäre, 
daß die von dem Senat beantragten Gehaltsslätze nicht als 
angemessene angesehen werden könnten. Er glaube darum auch 
richt, daß die etwas kahlen Milteilungen des Propositionsdekrets 
»ie Ansicht der Bürgerschaftsmitglieder über die Angemessen— 
jeit der vom Senat beantragten Gehaltssätze zu ändern ver— 
nöchten. Der Ansicht des Senates, daß der Beschluß der 
zürgerschaft vom vorigen Montag hinsichtlich der Lehrer in 
einer finanziellen Wirkung dem vom Senate als unannehm⸗ 
zar bezeichneten Beschlusse der Bürgerschaft vom Dezember 
»origen Jahres nahezu gleichkomme, könne er nicht beistimmen, 
»a es sich um einen Unterschied von etwa 5000 Mehandle, ab— 
esehen davon, daß der Senat den ziffermäßigen Nachweis, 
aß der Beschluß der Bürgerschaft hinsichtlich der Lehrer 
ine Mehrausgabe von reichlich 19 000 Muverursachen werde, 
»er Bürgerschaft schuldig geblieben sei. Die Ansicht des Senates, 
r⁊ halte die von der Bürgerschaft beschlossenen Gehälter für 
zie Schiffahrtsbeamten und Lehrer für zu hoch, werde wohl 
aum irgendwelchen Eindruck auf die Bürgerschaft machen, da 
der Senat ja bei anderen Beamtenklafsen den Beschlüssen der 
Bürgerschaft zugestimmt habe, obgleich er auch hier der An— 
licht gewesen sein werde, daß er nach wie vor die von ihm bean— 
ragten Gehaltssätze für angemessen erachten müsse. Aber der 
Senat habe den abändernden Beschlüssen der Bürgerschaft zu— 
zestimmt, um nicht den Beamtenetat zu Fall zu bringen und 
»en Beamten lieber etwas zu viel zu geben als zu wenig, und 
r Medner) bedauere, dah der Senat bei den Hafenmeister— 
gehilfen und Lehrern nicht denselben Standpunkt eingenommen 
habe. Aus Bürgerschaftskreisen habe er nun gehört, daß man 
dielfach geneigt sei, im Interesse des Zustandekommens des 
Etats die Senatsanträge jetzt anzunehmen, zumal es sich auch um 
nicht erhebliche Meinungsverschiedenheiten handle. Letzterem 
önne er aber nicht zustimmen, denn von etwa einem Drittel 
iller lübedischen Beamten seien die Gehaltssätze bisher noch 
nicht feltgesetzt worden. Andererseits könne er sich aber nicht 
denken, daß Bürgerschaftsmitglieder bei Ablehnung der Senats- 
inträge damit rechneten, daß dann die Besoldungsreform als 
zescheitert betrachtet werden müsse. Die Besoldungsreform sei 
ein Akt der Freundlichkeit des Staates gegen die Beamten, 
ondern eine Notwendigkeit, die nicht übergangen werden könne. 
ks brauche aber deswegen noch nicht zu einem Konflikt zwischen 
Senat und Bürgerschaft zu kommen, sondern es könne die 
Angelegenheit einer in der Verfalsung vorgesehenen Entschei— 
ungskommission übertragen werden. Sierdurch werde auch 
ine wesentliche Verzögerung der Verabschiedung des Beamten— 
tats kaum eintreten, da die Kommission, wie das Beispiel 
on 1895 zeige, innerhalb drei Wochen ihren Spruch fällen 
önne. Daß die Ausrizien für die Bäürgerschaft besonders 
iümstig lägen, lönne man allerdings nicht behaupten, doch 
laube er, wenn die Bürgerschaft das Mittel der Entscheidungs⸗ 
ommifsion verschmähe, einem großen Teile der Beamtenschaft 
inrecht tun werde. Er bitte deswegen die Bürgerschaft, seinen 
Antrag anzunehmen und sich dahin auszusprechen, daß die 
Voraussetzungen für die Einletzung einer Entscheidungskom-⸗ 
nifsion gegeben seien. 
Senator Dr. Fehling: Der Herr Vorredner habe be— 
maängelt, daß der Senat, ohne das Stenogramm der Berhand⸗ 
ungen der Bürgerschaft abzuwarten, seine Aniräge sofort wieder 
in die Bürgerschaft gebracht habe, und angedeutet, daß der Senat 
icht genügend unterrichtet gewesen sei, als er diesen Beschluß 
efaßt äkabe. Demgegenüber mülsse er Le onen, daß die Kom 
nijsare des Senates es von jeher als ihre Aufgabe betrachtei 
hätten, nicht nur jür den Senat in der Versammlung der Bür— 
gerschaft zu sprechen, sondern auch zuzuhören und ungesäumt dem 
Senat, soweit es ihnen möglich sei, genau Bericht zu erstatten. 
Das sei auch in diesem Falle geschehen und dadurch der Senat in 
die Lage gekommen, über diejenigen Punkte, in denen die Bür— 
jerschaft nicht mit ihm übereinstimme, sich schlüssig zu werden. 
ks sei dann gesagt worden, es müsse die Bürgerschaftsmitglieder 
iberraschen, dah dier Senat so verfahren sei. Er müsse dem— 
zegenüber einfach erklären, daß der Senat sofort sein Unannehm- 
jar frei und offen der Bürgerschaft erklärt habe, und der Senat 
daher gar nicht anders habe handeln können, wie er getan 
jabe. Wie man darüber auch nur einen Augenblidk habe zweisel⸗ 
zaft sein können, verstehe er nicht. (Sehr richtig. Der Herr 
Borredner habe weiter auf die Konsequenzen hingewiesen, welche 
ie Stellungnahme des Senates nach sich ziehen werde, und die 
Bürgerschaft auf die Einsetzung einer Entscheidungskommission 
rufmerlsam gemacht. Demgegenüber müsse er auf die Bestim—⸗ 
nungen der Verfalsung hinweisen. Es sei keineswegs ohne 
veiteres klar, daß es sich hier um eine Angelegenheit des allge⸗ 
neinen Staatswohles handle. 8 75 der Verfassung sage ganz 
inzweideutig, daß sich beide Staatskörperschaften darüber einig 
ein müßten, daß die strittige Beschlußfassung im Interesse des 
igemeinen Staatswohles keinen Aufschub erleiden dürfte, so⸗ 
wie an einer anderen Stelle, daß Senat und Bürgerschaft sich 
iber die Voraussetzungen für die Cinsetzung einer gemeinsamen 
Kommission einig sein müßten, und vor allem auch über die 
Fragestellung, die an die Kommission zu leiten sei. Er sei der 
Meinung und bitte die Bürgerschaft, dieser beizutreten, daß sie 
nut tun werde, sich mit dem Senat über die Sache selbst zu 
unterhalten (Sehr richtig!) und vorläufig die Frage der Ein— 
setzung einer Entscheidungskommission außen vor zu lassen. Sollte 
dagegen, was er nicht hoffe, die Bürgerschaft an ihrem Beschlusse 
sesthalten, werde allerdings auch der Senat sich die Frage vor— 
zulegen haben, ob die Voraussetzungen für die Einsetzung einer 
Entscheidungslkommission gegeben seien. Komme der Senat zu 
dieser Aeberzeugung, werde er auf verfassungasmäßigem Mege 
in die Bürgerschaft heranzutreten haben. Auf den Hinweis 
der Einsetzung einer Entscheidungstommission im Jahre 1895 
rolle er nicht weiter eingehen, sondern nur bemerken, daß es sich 
derzeit um eine ganz andere Sache gehandelt habe (Sehr richtig!), 
iämlich um das Budget, das unter allen Umständen habe zu⸗ 
lande gebracht werden mülsen. Er bitte die Bürgerschaft um die 
Annohme der Senatsanträge. 
Senator Dr. Sto oss: Wenn Herr Rechtsanwalt Fehling 
»emängelt habe, daß der Senat der Ansicht sei, daß der Beschluß 
»er Bürgerschaft in ihrer letzten Versammlung in seiner finan— 
iellen Wirkung demjenigen vom Dezember vorigen Jahres nahezu 
rieichlomme, so sei das unrichtig. Von den derzeitig beschlossenen 
Mehrausgaben von 24358 Muentiielen allein auf die Lehrer 
1600 M, nach dem letzten Beschluß der Bürgerschaft rund 
9000 M. Man köonne daher wohl sagen, daß die beiden Be— 
scchlüsse der Bürgerschaft sich in ihrer finanziellen Wirkung ziem⸗ 
ich gleichlämen. Herr Rechtsanwalt Fehling habe dann weiter 
emeint. die dem Senat zu erteilende Ermächtigung, etwaige 
härten im Etat auszugleichen, werde vielleicht dasselbe kosten, 
vie die von der Bürgerschaft beschlossenen Mehrausgaben. Ob 
vas der Fall sein werde, sei zum mindesten sehr zweifelhaft. Weiter 
habe Herr Rechtsanwalt Fehling gesagt, der Senat werde nicht 
behaupten wollen, dahß er den Beschlüssen der Bürgerschaft bei⸗ 
getreten lei, weib er seine Vorschläge als unangemessen habe an— 
erkennen müssen. Gewih nicht. Der Senat habe nur geprüft, 
ob er im Interesse des Zustandekommens des Etats den Be— 
chlüssen der Bürgerschaft zustimmen kbönne oder nicht. Der Senat 
zabe sich bemüht, sich den Beschlüssen der Bürgerschaft a 
»assen. Daraus folge aber noch nicht, daß der Senat nun nn 
Beschlüssen der Bürgerschaft zustimmen müsse. Einmal habe 9 
Nacheiebigkeit. auch ihre Grenze und, die sei jeblneihe 
darum sei jeßt Schluß; daran nrüsse der Senat festhate un 
B.“M. Böbs: Da der Senat sein Ersuchen beitt di 
Lotsen abgelehnt habe, erlaube cc sich, den Antrag zu — 
daß die dahnote Nr. 4 zu Klasse Aih des Etais den 3 
ꝛrhalte: „Die Lotsen erreichen ihr Höchstaehalt in 15 Jahren 
Er habe sich bei den Lotsen errundigt, warum sie micht ibre 
Versetzung in die nächste Gehaltzklasse beantragt hätten. Die 
VLotsen hätten darauf erwidert, sie wollten nicht unverschämt 
sein, denn wo solle all das Geld herkommen? Eine derartige 
Aeußerung habe er von anderen Beamten nicht gehört. Man 
ehe daraus, wie bescheiden die Lotsen gewesen seien. Es se 
ihnen übrigens auch gesagt worden, daß ihre Wünsche, Gleich 
tellung mit den preußischen Seerotsen, Anrechnung von einigen 
dahren ihrer Seefahrtszeit auf das Besoldungsdienslalter und 
krreichung des Höchstgehaltes in 15 Jahren, Berũchsichtigung 
inden würden. Besonders letzteres halte er für durchaus be 
cechtigt, weil der Hafenmeister und der Lotsenkommandeur, di 
nit den Lotsen in gleichem Alter ständen, auch ihr Höchstgehalt 
in 15 Jahren erreichten. Es sei gegen sein Ersuchen eingewandi 
worden, für das ausgesetzte Gehalt könne Lübech Lotsen genug 
bekommen. Das scheine ihm aber doch zweifelhaft zu sein, da 
nan kürzlich bei der Besetzung ciner Lotsenstelle einen Rostocke— 
jenommen habe. Die aus der Bewilligung des Höchstgehaltes 
in 15 Jahren entstehenden Mehrkosten würden nur unerhebliche 
ein, und er bitte deswegen um Annahme seines Antrages. 
B.⸗M. Dr. Zie hl: Man habe sich darüber gewundert, 
daß er in der vorigen Sitzung für den Senatsantrag ge— 
iprochen habe. Als ob er nur dazu da wäreé, Senatsvorlagen 
u bekämpfen! Man verlange immer eine freie, offene Mei— 
uingsäuherung, und eine Abstimmung nach der persönlichen 
Ueberzeugung. Demgemäkß kabe er sich verhal en, und er 
zefürworte deswegen auch heute wieder die Senatsanträge. 
kr habe nie daran gezweifelt, daß der Senat auch den letzten 
Beschlüssen der Bürgerschaft nicht beitreten werde. Er könne 
arum auch kein Umfallen darin sehen, wenn jetzt die Bürger— 
chaft den Senatsanträgen beitrete. Heutzutage würden in 
den Parlamenten Gesetze dutzendweise fabrikmäßig hergeltellt, 
auch von der lübedischen Bürgerschaft, und bei vielen dieser 
Gefetzentwürfe sei es ganz gleichgültig, ob sie perfelt würden 
oder nicht. Die gegenwärtige Senatsvorlage sei aber eine 
Sache, die unbedingt zustande kommen müsse. Nachdem der 
Senat in so vielen Punkten der Bürgerschaft entgegengekommen 
jei, habe diese auch die Verpflichtung, einmal nachzugeben. 
hebe der Senat immer nach, wäre er nur der Handlanger der 
zürgerschaft und auf seine Erklärung sei nichts mehr zu geben. 
Es sei dann gesagt worden, wenn die Bürgerschaft an ihrem 
Beschlusse festhalte, erledige sich die Meinungsverschiedenheit 
janz einfach durch die Einsetzung einer Entscheidungskommission. 
Ihm sei es bis jetzt noch sehr zweifelhaft, ob dieBürgerschaft in 
zieser Frage eine Entscheidungskommission einsetzen werde. Wenn 
man schon in einem Falle wie dem vorliegenden eine Entschei⸗ 
Ringskommifsion anrufen wolle, werde sicherlich die Folge die 
sein, daß alle zwei bis drei Jahre eine solche Kommission 
tage. (Sehr richtig.) Hierdurch werde aber die Entscheidungs- 
ommifsion in ihrem Werte erheblich heruntergesetzt. Er halte 
s auch für unwahrrscheinlich, daß der Senalt der Einsetzung 
einer Entscheidungskommission zustimmen werde. Wenn das 
iber geschehe, mühten die Beamsen noch sehr lange auf ihre 
ßehaltser höhung warten. Die Würde der Bürgerschaft leide 
richt darunter, wenn sie nachgebe. Davon könne man nur 
eden, wenn die Bürgerschaft ihre Beschlüsse mit ziemlicher 
Finstimmigkeit gefaßt hätte. Das sei aber nicht der Fall ge— 
vesen, sondern die Beschlüsse seien nur mit geringer Mehrheit 
gefaht worden. Gravo.) 
BM. Stelling kann der Auffassung des Herrn Dr. 
Ziehl nicht zustimmen, weil er glaubt, daß die Bürgerschaft 
siich aus Deuten zusammensetze, die wohlweislich erwägen und 
prüfen, was sie beschließen und diese Leute nicht mit Kindern 
u vergleichen seien, die heute so und morgen so wollten. 
Unruhe.) Er gebe sich der Hoffnung hin, daß der Senat 
mmer so schnell arbeiten werde wie in diesem Falle. Er 
volle, obgleich die Versuchung hierzu sehr nahe liege, nicht auf 
die Stellung des Senates weiter eingehen. Es scheine aber, 
as wemn der Senat durch sein Verhalten den Eindruck erwecken 
wolle, den Beamten die Gehaltserhöhung so bald als möglich 
ukommen au lassen, waährend es doch tatsächlich so liege, daß 
ver Senat die Schuld daran trage, daß die erhöhten Gehälter 
bisher nicht ausgezahlt worden seien. Er sei der Ansicht, 
daß es sich hier nicht um kleine Meinungsverschiedenheiten 
jandle und er es daher für ein Umfallen der Bürgerschaft 
malten mülse, wenn sie dem Senate nachgebe. Es heitze nun, 
»as allgemeine Staatswohl werde darunter leiden, wenn den 
zerechtigten Wunschen der Lehrer Rechnung getragen werde. 
Wäre man immer so penibel gewesen, wäre es um die lübedischen 
Finanzen heute vielleicht besser bestellt. Eine solche Sparsam- 
keit sei aber bei vielen anderen Senatsvorlagen nicht zu be— 
nerken. Es werde verlangt, die Bürgerschaft solle Entgegen⸗ 
lommen beweisen. Das habe sie seines Erachtens bereits ge 
an durch die Annahme des Antrages Dr. Görtz-Fehling. Er 
meine auch, daß, wenn die Mehrheit der Bürgerschaft einen 
Beschluß fasse, der Senat verpflichtet sein solle, den Beschluß an⸗ 
zuerkennen. (Lebhafter Widerspruch. Wenn die Senatswahl 
auf wirklich demokratischer Grundlage erfolge, würden Diffe— 
renzen wie die vorliegenden nicht möglich sein, aber bei dem 
Klassenwahlrecht und dem Wahlrecht zum Senat sei nichts 
anderes zu erwarten. Viele Bürgerschaftsmilglieder leien heute 
mit der Absicht in die Sitzung gekommen, dem Senate nach—⸗ 
uugeben und sich damit auszureden, daß sie nur schweren Herzens 
ihre Zustimmung gegeben hätten. Aber man könne versichert 
iein, wenn die Bürgerschaft fest bleibe. werde der Senat des— 
vegen nicht abdanken. Sollte eine Entscheidungskommission 
eingesetzt werden, könne man beruhigt sein, denn die Sozial— 
demokraten lämen ja doch nicht hinein. Im hiesigen fort— 
chrittlichen Organ sei gesagt worden, es sei bei der Abstim— 
nung in dieser Angelegenheit an die demnächstige Reichstags— 
wahl zu denken. Der Beamtenetat sei also Nebenslache, und 
die Hauptsache der Standpunkt, den man bei der Reichstags— 
wahl einzunehmen gedenle. Es sei also für das Blatt ein poli— 
tischer Grund ausschlaggebend, vielleicht auch für die Mehrheit 
der Bürgerschaft. Herr Senator Dr. Stooß habe gesagt, der 
Senat habe die Angelegenheit eingehend geprüft, es sei die 
Hrenze seiner Nachgiebigkeit erreicht und nun sei Schluß. Da 
der Senat zu einer solchen Haltung keine Ursache habe, protestiere 
r namens der Bürgerschaft gegen dieselbe (lebhafter Wider— 
pruch), da die Bürgerschaft keinen Anlaß habe, lich durch 
soche Redewendungen irgendwie einschüchtern zu lassen. Die 
Bürgerschaftsmitglieder hätten sich als Männer zu benehmen 
und nicht als Waschlappen.
	        
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