Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

3 —— p —* 2 
— 6 5 — D — 
— — —364 71 J * 438 19 4 —SB4 128— 78 * 
32 333 * t 88 * F 3 * * 9 7 7 9 * — * 5— — 282 æ * * 
A—— Ir —833 —3 ——3 —* — 39739 
* AB 9 1 283 AV 1* A—A4 —368 
—8* — * — * ã * — * * 5* — — —53 — —— e 
—2 — — *̃ —X4 9*0 —VWVM— 4 
Ausgahe S. 
sonntag, den 12. Februar 1911. 
Morgen⸗Blatt Kr. 178. 
CTagesbericht. 
ztudienreise der Vereinigung für staatswissenschaftliche 
Fortbildung zu Berlin. 
JIAaoc. 
— — 
„Ich schätze, Sie sind auß Ihrer Fahrt an die Waterkant wohl 
uerst nach Lübeck gekommen, weil Sie die alte Hansestadt mit 
hren historischen Erinnerungen alter Seeherrlichkeit, alten han⸗ 
eatischen Wagemuts und alter Städtepracht an den Anfang 
er Besichtigung der Stätten der neuen Entwickelung der seefah⸗ 
enden deutschen Nation setzen wollten. Ich hoffe, Sie werden 
n Ihren Erwartungen nicht getäuscht sein, Sie werden mit 
jeistigem und auch dem wirklichen Auge Vieles von der Herrlich- 
eit der alten Hanse schauen können. Wenn Ihnen da—⸗ 
eben dann auch dies und jenes Zeugnis aufstoßen sollte, daß 
er alte hanseatische Geist nicht ganz verschwunden ist, daß doch 
n manchen Stellen auch heute wieder Kräfte an der Arbeit sind. 
en alten Ruhm Lübedcks, der in den letzten Jahrhunderten so 
ief gesunken war, neu zu beleben, so wird uns das mit beson⸗ 
erer Freude erfüllen.“ (Lebhafter Beifall.) 
Den Schluß des Abends bildete ein gemütliches Beisammen— 
ein in dem durch Kerzen prächtig erleuchteten alten historischen 
—chankraum im Hause der Schiffergesellschaft. 
— — 
ug größerer Frequenz als der Lloyd-Expreß zu erfreuen haben. 
Die beteiligten inländischen und ausländischen Eisenbahnverwal—⸗ 
ungen sowie die Handelshäuser von Lübeck, Rostock, Kopen⸗ 
hagen, Stockholm werden sicherlich versuchen, auf die Eisen— 
hahnverwaltungen einzuwirken. daß diese Anschlüsse geschaffen 
verden. 7 
x Die Gesuche um Aufnahme in das Waisenhaus sind am 
Fastnachtsmontag, dem 27. d. M. morgens 9 Uhr, von den 
Muüttern oder Angehörigen der Kinder in Begleitung der—⸗ 
elben im Waisenhause anzubringen. Das letzte Schulzeug⸗ 
nis sowie Tauf- und Impfschein sind mitzubringen. 
Promenaden⸗Konzert der Kapelle des Inf.⸗Regts. 
Lübed““ (3. Hans. Nr. 162) auf dem Marktplatz am Sonntag, 
dem 12. Febr., mittags von 12 —31 Uhr. Das Programm 
autet: 1. Versailler Sieges-Festmarsch (18. Jan. 1871) p. 
Voigt. 2. Ouvertüre zur Oper „Das Glödchen des Eremiten“ 
o. Maillart. 3. Ein Mendelssohn-Album v. Reindel. 4. Melo— 
dien a. „Rigoletto“ v. Verdi. 5. Bröllops Gochseits⸗) Marsch 
. Södermann. 6. Schlittschuhläufer-Walzer v. Waldteufel. 
vLäürbeck, 11. Febr. 
Wie im vorigen Jahre die Kölner Vereinigung sür staats⸗ 
vissenschaftliche Fortildung, hat in diesem Jahre die gleiche 
Berliner Vereinigung Lübeck in ihre Studienreise augenommen, 
jine für Lübed gewiß äuhßerit erfreuliche Tatlache, zeigt sie 
doch, daß Lübeck wie unter den kunst- und kulturhistorischen 
Städten des Reiches schon lange, jetzt auch unter den beach⸗ 
enswerten und großen Handels- und Industriestätten Deutsch— 
ands wieder einen hervorragenden Platz eingenommen hat. 
An der Studienfahrt nehmen 91 Herren aus allen Gegenden 
Deutschlands teil. Die Abfahrt von Berlin erfolgte heute 
nittag 1 Uhr 4 Min., die Ankunst in Lübeck 4 Uhr 59 Min. 
die Herren haben in den Hotels Stadt Hamburg, Altdeutscher 
hof, Zentralhotel und Kaiserhof Wohnung genommen. 
Um 6 Uhr abends versammelten sich die Teilnehmer zu 
inem gemeinsamen Essen im Hause der Gesellschaft zur Be⸗ 
örderung gemeinnütziger Tätigkeit. Im Verlaufe des Males 
jieß Herr Senator Dr. Vermehren die Herren namens des 
Senates und der Stadt in Lübedk herzlich willkommen. 
Nach beendeter Tafel folgten zwei Vorträge. Herr Staats⸗ 
archivar Archivrat Dr. Kretzschmar schilderte den Gästen 
ie bemerkenswertesten Abschnitte aus der Ge— 
chichte Lübecks. Der erste Abschnitt behandelt die Zeit 
don der Gründung der Stadt bis zur Hansa. Redner stizzierte 
urz die fast an moderne amerikanische Verhältnisse erinnernde 
ingemein rasche Entwicklung der Stadt infolge ihrer günstigen 
virtschaftsgeographischen Lage und ihre zuwandernden Kauf⸗ 
euten und Handwerkern vorteilhaften Rechtsverhältnise, ihr ihre 
Entwicklung nicht beeinträchtigendes wechselvolles Schicksal und 
»ie Erlagung der Reichsfreiheit. Der zweite Abschnitt gab 
ine Darstellung Lübeds als das Haupt der Sansa. Dar— 
jelegt wurden die Umstände, die Lübecks Vormachtstellung in 
jer Hansa begründeten, die wirtschaftliche und nationale Be— 
eutung der Hansa, ihre Blütezeit und endlich ihr Niedergang 
insolge Erstarkens der Macht der Fürsten und Vernichtung der 
ausschliehlichen Handelsprivilegien der Hansa durch England 
uind Holland, wobei Redner besonders der weitverbreiteten irri— 
gen Ansicht entgegentrat, daß die Entdechung Amerikas und 
die Auffindung eines Seeweges nach Indien den Untergang 
der Hansa verschuldet hätten. Der dritte Abschnitt des Vor⸗ 
trages schilderte Lübecks Wiederausblühen zu neuem wirtschaft— 
iichem Leben im neue Deutschen Reiche, die Schwierigkeiten 
mit denen Lübeck zu kämpfen hatte, um seine wichtigsten Lebens— 
ragen gegen die mächtigeren Nachbarn durchzusetzen, sowie 
die großen Unternehmungen Gertiefung und Korrektion der 
Trave, Ausbau der Häfen, Bau des Elbe-Trave-Kanals, Schaf⸗ 
sung von Industriegelände, Beteiligung und Anschluß an indu— 
trielle Unternehmungen usw.) die Lübeck in nerester Zeit im 
Interesse der Hebung seiner wirtschaftlichen Lage durchgeführt 
jat. — Der Vortrag fand lebhasten Beifall. 
Sodann hielt Herr Baudirektor Baltzer einen Vortrag 
iber Lübecks Baukunst, in welchem er ausführte, die alte 
Schönheit und der alte Charalter der Stadt, die Lübecks Ruf 
ils Stadt weit durch alle Lande getragen hätten, seien nicht 
nehr in vollem Umfange vorhanden. Die Neuzeit habe das 
te Bild wenig geschont und oft verständnislos in das Vor— 
handene eingegriffen, aber zerstört worden sei der Charakter 
der Stadt trotzdem nicht. Sodann zeigte Redner, wie die Ent—⸗ 
vickelung der lübeckischen Baukunst begründet sei in der Lage der 
Stadt in Norddeutschland und seinen klimatischen Verhältnissen. 
in seinen besonderen örtlichen Eigentümlichkeiten. in der histori— 
chen Entwickelung der Stadt und ihrem Aufbau seit ihrer Grün— 
dung und endlich, damit zusammenhängend, in den sozialen Ver— 
zältnissen des Mittelalters als der Grundlage des Hausbaues. 
illes dieses hernach näher erläuternd an einer größeren Anzahl 
dichtbilder. die verschiedene alte und neue Gesamtansichten von 
der Stadt. Kirchen, Straßenbilder, Bürgerhäuser, Gänge und 
döfe und die Einfügung neuer Bauten in das alte Stadtbild 
viedergaben und einen vortrefflichen Einblick und Ueberblick in 
rübecks Baukunst gewährten. Redner schloß mit den Worten; 
—— — e 
Berliner Stimmungsbilder. 
Von Paul Lindenberg. J 
Machdrud verboten.) 
Durch eine kürzlich veröffentlichte Kabinettsorder hat der Kaiser 
»erfügt, daß nicht zuviel besichtigt werden darf! Nur gut, daß 
ich dies bloß auf militärische Verhältnisse bezieht, sonst könnten 
vir einen Strich durch das blühende Vergnügungsleben Berlins 
nachen. Sind doch jetzt die Tage, nein Naͤchte der „Besichti— 
zungen“ gekommen, die im Kerzenscheine der Salons und 
Ballsäle stattfinden, oft lohnend, oft auch Bedauern erwedend, 
b der nutzlos verschwendeten Zeit. Letzteres traf beim Alpen— 
»all nicht zu, dem Winterfest der hiesigen Sektion des Deutsch— 
Desterreichischen Alpenvereins, der wiederum in den Räumen 
ves Neuen Königlichen Opernhauses stattfand. Auch diesmal 
var der dekorative Rahmen des Festes wundervoll, uns groß—⸗ 
ertige Gebirgsszenerien, dunkle Waldungen, lächelnde Triften, 
rauliche Tirolerdörfer vorspiegelnd, in so echter Stimmung, 
baß sich diese auch den Tausenden von Besuchern mitteilte, die 
n drangvoll fürchterlicher Enge die Säle füllten. Das alles 
iieß die Wogen des Frohsinns ojt recht hoch schlagen und 
nanchen guten Vorsatz in die Brüche gehen, denn zahllose 
Berliner und Berlinerinnen, die sonst höchst „ete-peteete“ 
ind, betrachten dieses Fest als die einzige Gelegenheit, sich 
nal gehörig austoben zu können — es ist ihr Karneval! 
Karnevalistische Laune, wenn auch in anderer Weise, herrschte 
ei den „Alaaf-Fest“ der Rheinländer in den Ausstellungs— 
allen am Zoo. Auch diese erkannte man nicht wieder, die 
üchternen Wände verdeckt durch die altertümlichen Giebel— 
äuser des liebenswürdigen Köln, und dort der schimmernde 
hein mit seinen von frohsinnigstem Leben erfüllten Ufern. 
ohsinnig ging's aber auch sonst zu, und der gelungene Fast⸗ 
— — 
Lubeck, 12. Febr. 
Der Vertreter Lübeds im Deutschen Landwirtschaftisrat, 
borsitzender der Lübecher Landwirtschafts Kammer, Lauen⸗ 
kein, ist zu den Verhandlungen nach Berlin abgereist. 
X Zum Referendar ernannt hat der Senat den Rechtskan⸗ 
idaten Herrn Carl Berg aus Rostocl. 
*Ein neuer Luxuszug, der Berlin⸗-Genua- (Gotthard-) Expreß, 
t zwischen der Schlafwagengesellschaft und den beteiligten Eisen⸗ 
ahnverwaltungen vereinbart worden und soll womöglich schon 
om 1. Mai an verkehren. Der Lloyd-Expreß, den der neue 
ug während des Sommers ersetzen soll, bleibt daneben im 
zinter nicht nur bestehen, sondern wird dann auch mit dem 
tiviera⸗Expreß kombiniert, sodaß dann von Berlin, Hamburg, 
Zremen, dem Rheinland und von Holland tägliche Luxusver⸗ 
sindungen sowohl nach Genuaga als auch nach dem Engadin und 
er Riviera bestehen werden. Für Beclin ergibt sich der weitere 
dorteil, daß während des ganzen Jahres eine tägliche Luxus— 
erbindung nach Genua und schon vom 1. Dez. an eine täg— 
iche Verbindung nach der Riviera besteht, während diese bis— 
yer erst zu Neujahr eingerichtet wurde. Der neue Genua— 
kxpreß geht von Berlin etwa 3 Uhr nachm. nach Frankfurt, 
yon hier aber nicht über das Elsaß, sondern durch Baden nach 
ßasel und Genuag, wo er etwa am andern Nachmittag um 
Uhr eintrifft. Der neue Zug soll auch Anschluß an den 
kngadin-Expreß oder wenigstens durchlaufende Wagen nach 
em Engadin erhalten. Die Rückfahrt erfolgt von Genuag gegen 
Uhr nachm. sodaß man etwa um Z24 Uhr nachm. wieder 
n Berlin eintrifft. Vom 1. Dez. bis 30. April verkehrtk 
leichzeitig der Riviera- und Lloyd-Expreß. Er geht von Berlin 
twa 3 Uhr nachm., von Hamburg etwa 1 Uhr nachm., von 
Imsterdam und dem Haag etwa 3 Uhr nachm. Der hollän⸗ 
ische und der hanseatische Teil vereinigen sich in Düssel— 
orf und fahren gemeinsam von hier über Koblenz und Mainz 
ach Ludwigshafen, wo fie mit dem Berliner Zug vereinigt 
derden, um als ein Zug über Straßburg bis Mülhausen 
urchgeführt zu werden. Von hier geht nach 4 Uhr früh der 
ine Teil nach Ventimiglia über Belsort und Lyon ab, während 
er andere Teil über Basel nach Genug fährt. Soweit es 
icht möglich ist, von allen vier nördlichen Endpunkten der 
eiden Züge durchlaufende Wagen nach den drei Endpunkten 
n Süden einzurichten, kann zwischen Ludwigshafen und Mül— 
ausen ein Austausch der Fahrgäste im Zuge stattfinden. Die 
dückfahrt erfolgt von Ventimiglia morgens etwa 8,43, von 
zenua gegen 2 Uhr ngchm., sodaß man in Ludwigshafen 
Uhr früh eintrifft. Von hier kommt man über Frankfurt 
twa 3252 Uhr nachm. nach Berlin. Elwa eine Viertelstunde 
räter geht der andere Teil von Ludwigshafen über Worms 
nd Wiebaden ndh Duisburg, an 1003 Uhr. Von hier geht 
1,40 der Zug nach Hamburg, 1154 Uhr nach Amsterdam 
ind dem Haag. Man ist in Hamburg gegen 6 Uhr abends, 
Imsterdam gegen 3 Uhr, im Haag gegen 34 Uhr. 
Hoffentlich wird dieser neue Luxuszug auch von Stod-⸗ 
olm und Kopenhagen, über Saßnitz, Trelleborg und Giedser, 
barnemünde, Lübed in beiden Richtungen guten Anschluß 
halten, wie von seiten der nordischen Interessenten schon für 
en Lloyd-Expreß angestrebt worden war. Wenn diese 
Anschlüsse hergestellt werden, so dürfte sich dieser neue Exprefß- 
— — 
b. Die Verficherungs⸗Abteilung der Dresdner Bank macht 
»urch Inserat bekannt, daß ihr Prämien-Tarif für Aus— 
osungs⸗ Versicherung für den Monat März 1911 erschienen 
ist. Derselbe enthält u. a. die Prämien⸗Sätze für Russische 
5 00 100 Rbl. Lose von 1866 und Mailänder 10 Lire-Lose von 
866. 
b. Samsatheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man 
ins: Heute findet das letzte Sonntagsgastspiel des Folies— 
aprice⸗Ensembles statt. Die mit Humor und Pikanterie ge— 
pürzten Einakter entfesseln rege Beifallsstürme; das Publikum 
ommt fast nicht aus dem Lachen heraus. Eine komische 
Situation löst die andere ab. Wer sich also nochmals herz— 
ich auslachen will, versäume nicht, die heutige Sonntaas— 
/orstellung zu besuchen. 
b. Die Geheimmisse der Magie, aber auch die Wunder 
»er Physik und Chemie wird uns der bekannte Zauberkünstlet 
ind Physiker Bellachini im Marmorsaal des städtischen Saal— 
„aus Dienstag, den 14. und Mittwoch, den 15. Febr. demon— 
trieren. Das hier wohl bekannte Künstlerpaar Bellachini hat 
ne einzige rechtmäßige Nachfolge des verstorbenen Hofkünstlers 
ßellachini angetreten. Die Berliner Presse giht dem Künstler— 
aar die glänzendsten Kritiken als Empfehlung mit auf 
den Weg. 
o. Im Kaiser⸗Panorama wird in dieser Woche die Reise 
es Afrikaforschers Frie zu den Judianern Südamer kas 
rusgestellt. Die Serie, die herrliche Bilder enthält, be— 
innt mit Tandil Proo Buenos Aires, weiter folgt dann 
Antonia, Varana, Kaingan, aus dem Innern des Gran 
haco usw. Besonders schielnd sind die verschdenen Auf— 
iahmen der Camakoko-Indianer, u. a. besonders berachtens⸗ 
vert: Ein Zauberer, ein Geistertanz, Camacoko-Indianer 
m Kriegsschmuck, beim Tapirfang, Badeistelle, usw. 
b. Jahrmarktsrummel 1911. Die Voranzeige zu dem mit 
zehnsucht erwarteten Fest der Bühnen- und Orchester-Meit— 
zllieder unseres Theaters finden unsere Leser im heutigen 
Innoncenteil. Das Fest findet am Dienstag, 7. März, abends 
3 Uhr in den Stadthallen statt und unsere Künstler werden 
vie in den Vorijahren alles aufbieten, um ihren Gästen ein 
aar köstliche und unvergeßliche Stunden zu bereiten. Im 
Interesse der Einheitlichkeit des Festes wird gebeten, mög— 
ichst im Bauernkostum — die Nationalitat ist gleichgültig 
— oder doch wenigstens in Touristenkleidung zu kommen. 
stach den Vorbereitungen zu schließen, wird das diesährige 
Fest nicht hinter denen der Vorjahre zurückstehen. Auch 
m Publikum gibt sich schon ein brennendes Interesse kund. Die 
kinzelheiten des Festes werden in den nächsten Tagen ver— 
ffentlicht. 
b. Der 6. Diskusstonsnachmittag des Neum Frauender?etus 
indet Dienstag, 5 Uhr nachm., im Evangel. Vereinshaule 
tatt. Die Reserentin wird in dem zur D'skussion gestellten 
Thema „Bühne und Welt“ die soziale Lage der Schau— 
pielerin behandeln und über die Schritte zur Hebung der 
Mibstände berichten. 
(Weiterer Tagesbericht siehe 3. Blatt.) 
e TT-ATASFv„- J 
rungen betrachtet werden. Die oerschiedenen Mißhelligkeiten 
jaben schon zu erregten Sitzungen in unserm Stadtparlament 
jeführt, bei welcher Gelegenheit an den Magistrat das Er— 
achen gestellt wurde, energische Vorkehrungen zu treffen, daß 
ie Polizei bei der Herstellung der öffentlichen Ordnung jeg⸗ 
iche Uebergriffe vermeiden solle — und in diesem Punkt fander 
ich alle Parteien zusammen. 
Zwei Lücken in unserer Bühnenwelt sind befriedigend aus 
efüllt worden, indem zum Nachfolger des verstorbenen Leiters 
er beiden Schiller-Theater Max Pategg und als Direktor der 
Komischen Oper“ Kammersänger Hermann Gura berufen wurde 
dategg hatte während der letzten Jahre schon an der Di⸗ 
ektionsführung der Schiller-Bühnen keilgenommen und sich als 
üchtiger Regisseur erwiesen. Das Gleiche darf man von Her—⸗ 
nann Gura sagen, der die in Mißkredit geratene Sommer-Oper 
im Neuen Könialichen Opernhause zu neuem Ansehen brachte. 
Wenn man dies doch auch vom Deutschen Theater sagen 
önnte! Was anläßlich der Komischen Oper erwähnt ward, 
rifft noch mehr beim Deutschen Theater zu, dessen verant⸗ 
vortlicher Leiter durch andere Sachen seinem Institut fernge⸗ 
jalten wird. Was Hauptsache ei. sollte, wird Nebensache! 
Denn sonst könnten nicht solch' unglaubliche Entgleisungen statt⸗ 
inden, wie wir es kurz hintereinander mit der Komödie von 
avid Pinski: „Der Schatz“ — eine Brutalität in „jiddischem“ 
argon — und noch viel schlimmer mit dem sogenannaten 
Märchen“ von Karl Vollmöller: „Wieland“ schaudernd er— 
ebt. Der erstere, dem Newyorker Ghetto angehörende Ver— 
asser brachte doch noch einzelne humoristische Wirkungen her⸗ 
or, sein deutscher Kollege aber, dessen in den Kammerspielen 
ufgeführte „Gräfin von Armagnac“ trotz allerhand Blut⸗ 
ünstigkeiten bestimmte Hosfnung erwedt hatte, versagle gämlich. 
iachtszug des Rosenmontags mit lunig aufgeputzten Wagen 
ind den mannigfaltigsten Gruppen, die manch Zeitereignis ver⸗ 
potteten, erhöhte noch die gute Laune der vergnügten Scharen, 
ie sich auch hier auf das „drängendste“ eingefunden. 
„Was die Männer können, können wir Frauen auch,“ 
gten sich mit vollem Recht die Mitglieder des Damen⸗ 
ymitees der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger und 
rranstalteten kürzlich ein nächtliches Fest, das erst kurz vor 
Nitternacht begann, dafür aber auch bis in den Morgen 
inein dauerte. Reich war die Külle der Vorträge, die unsere 
ckanntesten Bühnengrößen aussführten. Der Ertrag war für 
ohltätige Zwecke bestimmt, zum Teil, um unbemittelten Künst⸗ 
rinnen Kostüme unentgeltlich zu beschaffen, zum Teil für 
in Heim, das Kindern armer Bühnenmitglieder Aufnahme 
ewähren soll. Jene schmerzlich empfundenen Kostümsorgen 
offt man durch Begründung eines Leihinstituts für Kleider 
u heben, hierbei auf die freundliche Hilfe des Publikums 
ählend, das keine Ahnung hat, mit welch' bitteren Sorgen 
t die äußere Durchführung ziner „Glanzrolle“ für deren 
crägerin verknüpft ist. 
Da sind wir ja schon von den Freuden zu den Sorgen 
elangt, die gar häufig die trübe Kehrseite bilden'! Auch 
äür unsere Stadtväter sind sorgenvolle Stunden gekommen. 
zie wissen nicht, ob gleichzeitig mit dem oft zitierten Zwangs⸗ 
weckverband Groh⸗-Berlin auch der Spreepräfekt erscheinen wird, 
m der städtischen Selbständigkeit die Kandare anzulegen, und 
azu noch die Schmerzen mit der Polizei! Seit den Moabiter 
umulten ist das Verhältnis der Stadt zur Polizeibehörde 
»wieso kein gutes und hat noch eine weitere Trübung erfahren 
urch die neuen polizeilichen Verrehrsregelungen in der oberen 
riedrichstraße, die städtischerseits durchaus nicht als Verbesse—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.