Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Fedeihlichen Abschluß dieser schwierigen gesetzgeberischen Arbeit 
iußerst wünschenswert, so groß auch die Hindernisse sind, 
die ihm entgegenstehen. 
Die große Landwirtschaftswoche hat mit den 
Verhandlungen des preußischen Landes-Oekonomiekollegiums 
hren Aufang genommen. Der neue Landwirtschaftsminister 
Freißerr von Schorlemer, der auch hier ein Vertrauens⸗ 
zotum erhielt, kündigte die baldige Aussührung von Re— 
ormen an, deren landwirischaftliche Notwendigkeit im Grund⸗ 
atz längst feststeht. 
Die Thronrede zur Eröffnung des englischen Parla⸗ 
nents hat die auswärtige Politik mit noch größerer Zurück⸗ 
zaltung behandelt, als sie in den letzten Jahren üblich 
seworden war. Allein die Adreßdebatten in Unter⸗ und 
Iberhaus ließen trotzdem auf die Auslandspolitik einige 
Streiflichter fallen. Augenscheinlich bereitet die deutsch⸗ 
russische Annäherung in London ebenso Beschwerden 
vie in Paris. Während jedoch Minister Pichon den Eindruck 
u erwecken suchte, als ob sich auf dem Welttheater gar nichts 
»erändert habe, deuteten die Sprecher des englischen Ka⸗ 
zinetts an, wie lästig ihnen jene Annäherung vor allem 
vegen der Bagdadbahn und der persischen Bahnfrage ist. 
Die Verhinderungs- und Ausschließungtaktik, die ehedem 
don der Triple-Entente Deutschland gegenüber gerade auf 
ziesem Gebiet befolgt worden ist, droht ihren Urhebern 
nicht den erhofften Nutzen zu bringen, sondern das Gegen⸗ 
eil. Nachdem Rußland in der Orientpolitik diese Erfahrung 
zemacht und daraus die Folgerung gezogen hat, die seinem 
VLorteil entspricht, stehen die beiden anderen Mitglieder 
zer Triple-Entente vor einer ähnlichen Entscheidung. Bei 
SDr Bereitwilligkeit Deutschlande, sich mit Großbritannien 
reundschaftlich zu verständigen, könnte betreffs der asiatischen 
Eisenbahnfragen bald eine Uebereinkunft erzielt werden, wenn 
nicht — wie die englischen Adreßdebatten von neuem gezeigt 
haben — die deutsche Flottenrüstung jenseits des Kanals 
mmer noch ein Stein des Anstoßes und der britische 
Anspruch auf eine unbedingt bevorzugte Stellung zur See 
unausrottbar wäre. Der Besuch deutscher Theologen 
rägt hoffentlich dazu bei, das Mißtrauen unserer englischen 
Lettern weiter zu vermindern. Da im Laufe der Adreß—⸗ 
ebatten sowohl aus der Mitte des Parlaments wie auf 
der Ministerbank die mazedonische Frage in einer für 
die Türkei noch unfreundlichen Weise berührt und als 
Anlaß benützt wurde, dem neuen Regime in der Türkei 
»as Mißtrauen Englands auszusprechen, fühlt man sich 
im Goldenen Horn nicht ohne Grund verlezt. War 
iese türkenfeindlich? Geste Großbritanniens als Einschüchte-⸗ 
ungsversuch gegenüber dem ottomanischen Reich gedacht, so 
leibt ihr Erfolg abzuwarten. Was über die Wirkung 
ieses englischen Verhaltens aus Konstantinopel gemeldet 
vird, spricht nicht dafür, daß man in London richtig 
erechnet hat. Dazu ist das kürkische Selbstbewuhtsein zu 
tark entwickelt; die Mißachsung dieser Tatsache hat Frank⸗— 
eich zu seiner vwerktehrten Anleihepolitit perleitet 
— — — 
Inland und Ausland. 
Deutsches Noeich. 
Der Kaißer überstand eine dreitägige fieberhafte Grippe. 
die letzte Nacht war gut. Die Temperatur hat sich nicht mehr 
esteigert. Die Beseitigung der katarrhalischen Erscheinungen wird 
och eine Reihe von Tagen erfordern. 
Zum Berliner Prosessorenstreit. Im Preußischen Landes⸗ 
ftonomiekollegium erkllärte Professor Sering in einer per⸗ 
önlichen Bemerkung: „Sie haben gewiß von den gegen 
nich und meine Fachgenossen an der hiesigen Universität gerich⸗ 
eten Verdächtigungengelesen. Die Beschuldigungen fan⸗ 
zen durch eine gewisse Berliner Presse Verbreitung bis in die 
ausländische Presse hinein, als ob wir darauf ausgingen, auf⸗ 
trebende Talentegus Konkurrenzfurcht und pe⸗ 
tuniären Gründen zu unterdrücken. Dies geschah 
u einer Zeit, als wir wie der Urheber der Beschuldigungen zum 
Ztillschweigen verpflichtet waren, weil vom Rektor der Univerli⸗ 
ät eine Kommission von unparteiischen Gelehrten zur Unter⸗ 
uchung der Angelegenheit im Einverständnis mit den Parteien 
ingesetzt war. Diese Kommission hat ihr Urteil abgegeben und 
die gegen uns erhobenen Beschuldigungen für unbegründet 
erklärt. Der Urheber selbst hat die Unrichtigkeit erkannt und 
mit dem Ausdrudk des Bedauerns zurückgenommen. Er hat auch 
zie Berichte der genannten Presse desavouiert, aber diese hat 
s nicht für nötig gehalten, die Beschuldigungen zurückzunehmen. 
lus diesen Gründen war es notwendig, dem Landesökonomie⸗ 
ollegium Kenntnis von der Sachlage zu geben.“ (Diese Be— 
nerkungen Serinas bhetreffen seinen Streit mit Vrofessor 
hernhard.) 
Wichtige Kundgebung aus Eisaß⸗Lothringen zur Ver⸗ 
assungsfrage. Die Straßburger Polt veröffentlicht einen Leit⸗ 
artikel „Reichsland oder Kaiserland“, der mit dem in der Reichs⸗ 
agskommission für die elsaß-lothringische Verfassungsreform an⸗ 
enemmenen Zentrumsantrag auf Erhebung Elsaß-Lothringens 
u einem gleichberechtigten Bundesstaat sich beschäftigt. Der Ar⸗ 
ikel stellt vor allem fest, daß die Erhebung Elsaß— 
dothringens zum Bundesstaat, ganz einerlei in welcher 
Form, gegenwärtig vollkommen ausgeschlossen ist. Die 
Berbündeten Regierungen würden, darüber herrsche kein Zweifel, 
eher auf die Weiterberatung der Vorlage verzichten, als auf 
der Grundlage des jüngsten Kommissionsbeschlusses im Plenum 
veiter verhandeln. Dieser Beschluß der Kommission zu dem 
zrundlegenden ersten Paragraphen des Verfassungsentwurfes wird 
natürlich für die weitere Ausgestaltung der Vorlage seine Konse⸗ 
zuenzen haben und die völlige Ummodelung aller wichtigsten 
Zestimmungen nach sich ziehen. Alles wurde verlorene Arbeit 
ein, da auf dieser Grundlage eine Verfassung für Elsaß⸗Lothringen 
n abschbarer Jeit bestimmt nicht zustande kommt. Sicherlich sei 
er Bundesrat bereit, einer Vorlage für Elsaß-Lothringen zu⸗ 
ustimmen, die unter Wahrung der Reichsinteressen dem Lande 
wesentlich größere Selbständigkeit verleshe und dabei die Mög⸗ 
iichkeit der Zukunftsentwiclung zum Bundesstaat enthalte. Doch 
lönne dies nur auf dem Boden der Vorlage, wie sie aus dem 
Bundesrat hervorgegangen, geschehen. Ueler Einzelheiten werde 
ich dabei reden lassen. Insbesondere würde man die Frage 
»er Bundesratsstimmen stärker in den Vordergrund schieben 
ürsen, aber an dem staatsrech' lichen Charakter Elsaß-Lothrin⸗ 
sens als Reichsland werde man gegenwärtig nicht rütteln 
ürfen, wenn man überhaupt positives schaffen wolle. Alle 
Anträge, wenn sie mit noch so großer Mehrheit angenommen 
ieien, die an der Stellung des Kaisers als Träger der Staats⸗ 
Jewalt rütteln wollen, seien nur geeignet, das ganze Vecr—⸗ 
sassungswerk zu Fall zu bringen. Der Artikel schliebt: Die 
Verbündeten Regierungen verzichten vorläusig nicht auf ihr 
wBeinsames Besikrecht ans Reichzland. Daie Reichzdgesetzaebung 
ieibt abseßbar der entscheidende Faktor auch für die elsaß- 
othringische Verfassung. Es ist ein neuer Uebergangszustand, 
jer durch die Vorlage geschaffen ist, aber er bedeutet einen 
rroßen Fortschritt und trägt die Keime der weiteren Entwick⸗ 
ung in sich Diese Entwickelung kannnurein Ziel 
aben: Elsaß⸗-Lothringen muß ein vollberech— 
igter Bundesstaat werden neben den Abrigen, aber 
licht eine kleine Duodezmonarchie oder ein Statthalterländchen 
m Sinne der alten Kleinstaaten. Der Bundesstaat Elsaß— 
dothringen muß eine stolzere Zulunft haben. Als Kaiserland 
oll es sich einst dem Deutschen Reiche angliedern, selbständig 
die alle anderen Bundesstaaten mit eigener Gesetzgebung und 
nit dem Rechte, das man ihm aufdie Dauer nicht vorenthalten 
ann, auch über die eigene Verfassung auf dem Wege der 
randesgesetzgebung zu bestimmen. Aber an der Spitze des 
dandes wird dann Ils Landherr der deutsche Kaiser stehen, 
ils Kaiserland wird Elsaß-Lothringen würdig seinen Platz 
innasßwen unter den deutschen Bundesstgaten 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
W. Berlin. 11. Febr. Der Grobherzog von Olden—⸗ 
burg ist heute mittag nach Oldenburg abgereist. 
MWt. Berlin, 11. Febr. Vizeadmeral v. Heeringen ist 
ach einer Meldung des Lokalanzeigers als Nachsolger des 
ldmirals Fischel zum Chef des Admiralstabes ausersehen. 
Wt. Berkin, 11. Febr. Wie die Norddeutsche Allgemeine 
zeitung hört, tritt der Ministerresident in Port-au-Prince 
zesandter v. Zimmerer Ende April 1911 aus Gesundheits⸗ 
ücksichten in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger ist unter 
zeilegung des Titels und Ranges als Gesandter der bisherige 
ßeneralkonsul in Valpargiso, Regierungsrat De Perl be— 
timmt. 
W. Berken, 11. Febr. Dem Berliner Lokalanzeiger zufolge 
purde ein Vertrag wegen Lieferung eines weiteren 
ruftschiffes für die Militärverwaltung seitens des 
driegsministeriums und der Luftschiffbaugesel schaft un⸗ 
erzeichnet. Diese Meldung wird dem Wolffschen Tele— 
zraphenbureau von zuständiger Seite bestätigt. 
Wit. Berlin, 11. Febr. Die Norddeutsche Allgemeine 3tg. 
zemerkt zu den Indiskretionen über die vertraulichen 
krklärungen des Staatssekretärs des Auswärtigen in der gestri— 
en Kommissionssitzung sür das Schiffahrtsabgaben-— 
ehetz, daß die Vertreter der Verbündeten Regierungen. wenn 
io Gewohnheit solcher Indiskrationen sich fortsetzen sollte, 
n den Kommissionen sehr viel größhere Zurückhh altung 
»ei dem auferlegen mükten. was sie sonst au sagen bereft 
väãren. 
Vt. Dujseldorß. 11. Febr. In Anwesenkeit des Re— 
sierungspräsidenten Dr. Kruse, des Landeshauptmanns der 
sheinprovinz, Dr. v. Renvers, der Oberbürgermeister Dr. 
ßehler und Marx sowie weiterer Honoratioren und von Ver— 
retern der rheinischen Grohindustrie eröffnete heute mittag 
er Oberpräsident der Rheinprovinz Fr. v. Rheinbaben die 
Tusstellung der Modelle und Entwärfe für das 
Bßismarcknationaldenkmal auf der Elisenhöhe zu Bin⸗ 
erbrück. Er feierte Bismarck als den Einiger des deutschen 
keiches und betonte, das Denkmal solle in einfachen Formen 
zehalten sein, um auch dem schlichten Manne ohne weiteres 
u sagen, was es wolle. Er teilte weiter mit, daß bis zum 
. Mai die Entscheidung fallen solle, welcher Entwurf ausge—⸗ 
ührt werde. Kommerzienrat Kirdorf sprach dann den Mit— 
birkenden seinen herzlichsten Dank aus, worauf Regierungs⸗ 
at Professor Schmid-Aachen den Bericht des Preisgerichts 
rstattete. Der Eröffnung folgte ein Rundgang. 
W. Kakfutta, 11. Febr. Wie bisher bekannt, wird der 
tdronprinz mit Gefolge sich am 14. Febr. mit dem Kreuzer 
Leipzig“ zu dem in Diamond Herbour liegenden Kreuzer 
Gneisenau“ begeben und sich dort verabschieden. „Gneisenau'“ 
ird hierauf die dienstmähßige Ausreise fortsetzen, während 
Leipzig“ bis zur Abreise des Kronprinzen im hiesigen Hafen 
erbleibt. Morgen vormittag wird der Kronprinz einem 
5ottesdienst beiwohnen und abends im Deutschen Klub die 
Nitglieder der hiesigen Kolonie empfangen. 
Wt. Kaltutta, 11. Febr. Der Kronprinz fuhr heute 
tu Begleitung des Vizekönigs, Lord Hardinge, eskortiert von 
er Leibgarde des Vizekönigs zu dem Staatsrennen. Abends 
ehrte der Kronprinz nach Barradpur zurück. Sowohl auf 
er Hinfahrt wie auf der Rückfahrt brachte eine ungeheure Men— 
henmenge dem Kronprinzen, der einen Vecher zu dem Rennen 
jestiftet hatte, herzliche Kundgebungen dar. 
Wt. El Paso, 11. Febr. Der Aviatiker Hamilton 
st gestern über die mexikanische Grenze geslogen, trotzdem er 
ewarnt war, daß die Mexikaner auf ihn feuern könnten. 
zr unternahm die erste Erkundung in Kriegszeiten 
om Aeroplan aus. Er umkreiste Juarez über der Verteidi— 
ungslinie und berichtete an das amerikanische Grenahe- 
vachungasdetachement. 
S 
A — 
Wt. Brüffel, 11. Febtr. Ein Unfallin der deutschen 
1bteilung der Weltausstellung ereignete sich in 
er großen Maschinenhalle beim Abbruch der Halle far land⸗ 
zirtschaftliche Maschinen. Die Holzverschalung stürzte ein, da⸗ 
ei wurde ein französischer Arbeiter getötet und drei Ar⸗ 
eiter leicht verletzt. Die deutsche Rezierung trifft kei— 
jerlei Verantwortung für den Unfall, da die Halle an einen 
Frivatunternehmer verkauft ist, der den Abbruch auf eigene« 
Hefafr und Necmuncg vornimmtf 
Deutscher Reichstag. 
W. Berlin,. 11. Februar. 
Auf der Tagesordnung steht die Interpellation des Grafen 
zanitz (kons.) betreffend Maßregeln gegen die Ueberschwem⸗- 
nung des deutschen Geldmarktes mit fremden 
Vertpapieren und gegen den übermäßigen Abfluk deutschen 
dapitals nach dem Auslande. 
Abg. Graf Kauitz: In der Presse wurden uns börsenfeind- 
iche Absichten unterschoben, als ob wir sogar die Zulassung aus⸗ 
andischer Werte ganz verbieten wollten. Zuzugeben ist, dahß 
ie Beteiligung des deutschen Kapitals an ausländischen Unter⸗ 
ehmungen der deutschen Industrie unter Umständen Vorteile 
ringen kann. Bei den amerikanischen Bahnen ist das aber bei⸗ 
pielsweise nicht der Fall. Wir meinen, daß das Börsengesetz 
mmehrfacher Hinsicht geändert werden muß. Vor allen Dingen 
Ilte ein Papier nicht zur Zeichnung ausgelegt werden dürsen, 
evor die Zulassung ausgesprochen resp. der Prospekt der emit⸗ 
ierenden Bank vorgelegt worden ist. Uns fehlt jede zuver⸗ 
ässige Emissionsstatistik. Sie werden meinen Wunsch 
erstehen. daß das deutsche Kapital nicht nur sicher angelegt 
verde, sondern auch, daß es in erster Linie dem deutschen E 
»erbsleben zugute kommen möge. Je länger man wartet, desto 
nehr Millionen fließen ins Ausland zum Nachteil der deutschen 
zapiere. Manchmal ist es geradezu erstaunlich, wie leichtfertia 
uslän dische Papiere in Deutschland aufgenommen werden, mi 
veil die betreffenden Kapitalisten möglichst hohe Zinsen aus ihret 
Inlage herauszuschlagen suchen. Die Zulassungsstellen für dus 
ändische Werte sollen daher die Solidität dieser Papiere sorg 
ältigst prüfen. Dadurch, daß wir eine brasiliagnische 
daffeevalorisation durch die Beteiligung des deulichen 
dapitals mit 40 Millionen an der Anleihe unterstützten, ist die 
krhöhung des Kaffeepreises erst möglich gewesen. Es liegt wir 
ern, gegen Nordamerika irgendwie unfreundlich zu werden. Aus 
urer Freundschaft brauchen wir aber die Eisenbahnpapiert 
ier nicht aufzunehmen. Es sollte eine Zentralemissionsbehörd. 
ür ausländische Papiere errichtet werden, die für alle deutschen 
Börsen zuständig ist. 
Staatssekretär Delbrück: Der Bundesrat hat auch keine 
ztellung zu dieser Frage genommen. Ein Miittel, die Banfk— 
welt zu verhindern, ihr Geld in fremden Werten anzulegen, gibt 
es nicht. Die Zulassungsstellen sind Organe der Börse. 
kine Einwirkung auf sie ist nur der Landesregierung möglich. 
Unter normalen Verhältnissen ist die Wnlegung inländi. 
chen Kapitalsinausländischen Papieren ein Vor. 
jang, der für wirtschaftliche und politische Zwecke notwendig oder 
»och mindestens zweckmähig ist. Die Industrie hat ein großes 
Interesse daran, andererseits sprechen auch vᷣolitische Momente 
»afür. Ausscheiden müssen wir die Papiere, die weder wirt 
chaftlich noch politisch uns Vorteile bieten. Eine allgemeine 
kmissionsstatistik muß hier ausgeschaltet werden, denn sie gibt 
ein vollständiges Bild. Bei dem großen Bedarf des inländischen 
Htarktes ist eine gewisse Reserve den ausländischen Pa— 
»ieren gegenüber notwendig. Der preußische Handels- 
ainist er hat wiederholt bei der Berliner Zulassungsstelle regu— 
ierend eingegriffen. Jedes Reglementieren hat aber seine 
chweren Bedenken. Die heutige Beratung mag die Bankwelt 
aran erinnern, daß sie die Ersparnisse des deutschen Volkes zu 
zerwalten hat und dabei nicht allein das eigene Geschäft wahr— 
iehmen, sondern auch nationale und wirtschaftliche Rücksichten 
ehmen muß. Geifall.) 
In der Besprechung führte Abg. Speck (Itr.) aus: Die ge— 
amte Presse hält den gegenwärtigen Stand für unhaltbar. Wenn 
iuch der preußische Handelsminister wiederholt eingegriffen hat, 
cheint er doch bei den Kaffeevalorisationen völlig versagt zu 
aben. Bemerkenswert ist die zögernde Herabsetzung des Reichs— 
ankdiskontes. Verlangt werden muß möglichste Einschränkung 
er ausländischen Anleihen, die die ausländische Industrie, unsere 
chärffte Konturrenz, stärlen. Die Anlage des deutschen Geldes 
nuß immer der nationalen Arbeit zugute kommen. DieSchaffung 
einer Zentralzulassungsbehörde würde uns sympathisch sein. Eine 
Aenderung des Börsengesetzes ist nicht nach unserem Wunsch. 
kine Interpellation dürfte genügen. Wandel zu schaͤffen. GBei⸗ 
'all im Zentrum.) 
Abg. Frauck-Mannheim (Soz.): Die Interpellanten rufen 
us Land: Kapitalisten Deutschlands, wahret eure heiligsten 
ßüter! — Die Anlegung inländischen Geldes im Auslande ist 
ine natürliche Begleiterscheinung der kdapitalistischen Entwicklung. 
Zie Sache läuft auf eine Aenderung des Börsengesetzes hinaus. 
der Abfluß deutschen Kapitals kann nicht verhindert werden, 
iber das Reich darf nichts tun zur Förderung dieses Abflusses, 
»eshalb verlangen wir ein Aufsichtsamt, das dem Volke und dem 
steichstage verantwortlich ist. (Beifall b. d. So3). 
Abg. Dove (Vpt.): Ich selber habe genau dieselben Abhilfe— 
mittel längst empfohlen, die heute die Redner hier verlangten. 
ßeld kann verloren werden in inländischen wie ausländischen 
Papieren, das läßt sich nicht vermeiden. Jetzt, wo der Diskonf 
— DDD0 
nit ausländischen Papieren sprechen. 
Abg. v. Gamp (Rpt.): Wir müssen für unseren Bevöl—⸗ 
erungszuwachs Beschäftigung schaffen, dazu ist nötig, daß Geld 
ind Produkte möglichst billig werden. (Zuruf links: Getreide! 
Wenn nicht die Staatspapiere stabilisiert werden, kann das Miß— 
trauen zu den deutschen Werten nicht beseitigt werden. Der Grün⸗ 
dung einer Depositenzentralstelle bei der Reichsbank sollte nun⸗ 
nehr baldigst näher getreten werden. Bei Zulassung der frem⸗ 
zen Papiere muß viel sorgfältiger verfahren werden. 
Abg. Stresemann (natlib.): Der einzige praktische Vor⸗ 
chlag zur Beseitigung des Uebelstandes ist die Errichtung 
iner Zentralzulassungsstelle an Stelle der einzelnen Zu—⸗ 
assungsstellen. Der Interpellant hat die Nachteile der Be— 
jebung deutschen Geldes nach dem Ausland zu grell bezeichnet, 
vährend er die Vorteile derselben völlig hat zurücktreten lassen. 
Wir wissen alle dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter Dank 
ür die Plazierung der türkischen Anleihe in Deutschland. 
Sehr richtig. Die Industrie betrachtet die Anlegung deutschen 
heldes in ausländischen Werten keineswegs so übermäßig pessi⸗ 
—D 
mischen Geldmarkt schädige, muß die Regierung von ihren 
Machtmitteln ausgiebig Gebrauch machen. Auch ohne grund— 
egende Aenderung des bestehenden Gesetzes können die In— 
teressen unserer heimischen Vossewirtschaft gesichert werden. Gei— 
all links.) 
Abg. Naab (w. Vgg.): Die Regierung ist verpflichtet, 
die Emission fremder Papaiere scharf zu überwachen. Der 
niedrige Zins- und Kursstand unserer Staatspapiere ist be— 
auerlich und unbegreiflich. 
Abg. Hahm (kons.): Mit der wirtschaftlichen Tätigkeit der 
Banken beschäftigt sich das deutsche Volk viel zu wenig. 
Sehr richtig!) Von der amerikanischen Baumwolle müssen 
vir uns unabhängig machen. Vor allen Dingen sollte mit 
er Steuerbegünstigung ausländischer Papiere gebrochen werden. 
Dadurch würde der übermähigen Emission ausländischer VPa— 
diere entgegengearbeitet. 
Darauf wird das Haus vertagt. 
Weiterheratung Montag 2 Uhr: Marineetat. 
Heer und Flotte. 
W. Berlin, 11. Febr. „Hansa“ ist am 10. Febr. in Las 
Palmas (Kanarische Inseln) eingetroffen und hat heute die Reise 
iach Vigo fortgesetzt. „Bremen“ ist am 10. Febr. in Coronel 
Chile) eingetroffen und geht am 13. Febr. nach Punta Arenas 
Magelhanstraße). „Iltis“ ist am 10. Febr. in Tsingtau einge⸗ 
roffen. „Tiger“ ist am 11. Febr. von Hong!ong nach Canton 
n See gegangen. „Brandenburg“ ist am 8. Febr. in Sonderburg 
ingetroffen, am 9. Febr. nach Kiel gegangen und am 10. Febr. 
»ort eingetroffen. Die 6. Halbflottille ist am 10. Febr. in 
lpenrade, die 12. in Kiel eingetroffen. Postregelung für a) Ver—⸗ 
land der Aufklärungsschiffe für den 16. bis 19. Febr. das Matine⸗ 
‚ostbureau Berlin, dann wieder Kiel, b) „Westfalen“ für den 
2. bis 17. Febr. Wilhelmshaven, c) „Augsburg“ sür den 13. bis 
6. Febr. Neufahrwasser, dann Kiel und d) „Danzia“ für der 
2hie 17 Fehr Kiel. dann Sonderbura
	        
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