Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

ste nicht ausgelibt wird in einer Weise, die den Absichten 
des Gefetzes durchaus Hohn spricht. Der Wahlun⸗—⸗ 
lustige, der gezwungen zur Wahl geht, wird natür⸗ 
ich nicht von freundlichen Gefühlen gegen den 
Staat, der ihn aus seiner politischen Gleichgültigkeit auf⸗ 
tört, erfüllt sein. Oft genug werden die kleinlichen Rache— 
sefühle des Augenblicks zur Wahl des Regierungsgegners 
ühren“. Diese Darlegungen sind beachtenswert. Auch die 
Fragen nach der Höhe der Bestrafung der Wahlsäumigen 
und nach den Behörden, die die Strafen einziehen sollen, 
lenken auf die Schlußfolgerung hin, daß durch die Wahl⸗ 
oflicht mehr Verbitterung und damit zugleich mehr oppo⸗ 
itionelle Stimmen geschaffen werden, als man durch sie 
beseitigen zu können glaubt. Die praktischen Er— 
fahrungen, die man mit der Wahlpflicht in Belgien- 
in Braunschweig, in verschiedenen Schweizer Kantonen 
und in einigen niederösterreichischen Landtagen gemacht hat, 
prechen nicht durchaus für die Einführung 
der Wahlpflicht in Deutschland. 
——— 
die geftrige Kommissionsberatung des 
schiffahrtsabgabengesetzes. 
Die Kommission zur Beratung des Schiffahrtsabgaben⸗ 
jesetzes trat gestern zu ihrer zweiten Sitzung zusammen. 
Die namentlich von nationalliberaler Seite an die 
degierung gerichteten Fragen hatten durch eine ganze An—⸗ 
ahl von Denkschriften, von denen die letzte erst Montag 
abend eingegangen war, ausführliche Beantwortung erfahren. 
der Gesetzentwurf beginnt nunmehr diejenige Begründung zu 
mpfangen, die bisher von verschiedenen Seiten herzlich ver⸗ 
nißt worden war. Was die Verwertung des nunmehr bei— 
gebrachten Materials anlangt, so wurde vom Minister für 
zffentliche Arbeiten erklärt, daß der Mitteilung der Denk⸗ 
chriften an interessierte und sachverständige Kreise außer—⸗ 
halb des Reichstages nichts im Wege stehe. Die Sitzung 
vurde im wesentlichen durch eine Debatite darüber ausgefüllt, 
yb sofort mit Artikel 1, der sich mit der bekannten Nende⸗ 
rung der Reichsverfassung beschäftigt, begonnen oder 
unächst mit einer Besprechung der Denkschriften und 
»es sachlichen Inhaltes der Vorlage begonnen werden solle. 
Ddie Kommission beschloß jedoch, in der nächsten Sitzung 
Freitag, 10. d. M.) mit der Beratung des Artikels 1 zu be⸗ 
zinnen. Weiter beschloß die Kommission, den Herrn Staats⸗ 
ekretär des Auswärtigen Amtes zu ersuchen, 
n der nächsten Sitzung Aufschluß zu geben über dieBeziehungen 
des Reiches zu denjenigen auswärtigen Staaten (HGolland 
uind Oesterreich), deren Zustimmung nach bestehenden 
Berträgen erforderlich ist, wenn die Erhebung von Abgaben 
uuf Rhein und Elbe möglich sein soll. Herr von Kiderlen⸗ 
WPächter hat auch zugesagt, in der nächsten Sitzung zu 
rscheinen. Die Frage, ob und inwieweit die zu erwartende 
MNitteilung des Herrn v. Kiderlen-Wächter als vertraulich zu 
ehandeln sein wurde, blieb offen. Ferner wurde aus der 
Mitte der Kommission eine Besichtigung von Rheinhäfen 
Ruhrort, Köln, Frankfurt?) angeregt. Ein Beschluß hierüber 
wurde noch nicht gefaht. 
— — 
Inland und Ausland. 
Deutsches Rach 
Der Kaiser besuchte gestern vormittag den Staatssekretär 
des Auswärtigen Amts v. Kiderlen-Waechter und hörte 
vort auch den Vortrag des Reichskanzlers Dr. v. Bethmann 
dollweg. In das Schloß zurückgekehrt, nahm der Kaiser die 
Vorträge des Chefs des Militärkabtinetts, Generals der 
Infanterie Freiherrn v. Lynder, des Chefs des Admiral⸗ 
tabs der Marine, Admirals v. Fischel und des Chefs 
es Marinekabinetts, Admirals v. Müller, entgegen. 
Die gesftrige Reichstagssitzung. Im Reichssstag wurde 
jestern die zweite Lesung der Novelle zum Gerichts⸗ 
»erfassungsgeletz fortgesetzt. Die Debatte drehte sich 
russchließlich um rein juristische Fragen. Im großen und 
janzen wurden, nachdem Staatssekretär des Reichs⸗ 
fustiza mis Dr. Lisco und seine Kommissare zahlreiche 
Anträge der Sozialdemokraten und der Volklspartei be— 
ämpft hatten, die Kommissionsbeschlüsse aufrecht erhalten. 
Insbesondere war die arohe Meßrheit des Reichstaas eins 
— — ——————— 
mann bedächtig. „Jetzt ist es wirklich bier ganz hell ge—⸗ 
gorden, Dorret.“ 
Einen Augenblick sah er sie voll heimlicher Zärtlichkeit 
in, dann sagte er, verschämt mit dem Aermel seiner großen 
Friesjade über die erhitzte Stirn sireichend: 
„Ich möchte dir etwas sagen, Dorret.“ 
„Aber bitte, recht schuell. Ich muß aleich wieder zurüch 
den Gorlinagshof.“ 
„So schnell geht das nun nicht,“ wandte Olaf verlegen 
in, „weil ich die Worte nicht so fein und zierlich setzen 
sann, wie deine hochgeborenen Herren Grafen. Nein, das 
tann ich nicht. Aber ich wollte es dir schon lange sagen. 
»ch habe dich lieb, und ich wollte dich fragen, ob du meine 
zrau werden willst. Ja oder nein? Potz Blitz, sieh mich 
ochh nicht so verängstigt an. Bin ich denn ein Mörder? 
Willst du es mit mir versuchen?“ 
„Nein, nein!“ rief Dorret, die Hände zur Abwehr erhoben, 
neit von ihm forttretend. „Nie, Ohm, werde ich Eure Frau!“ 
„Warum nicht?“ fragte er hart, ihren Arm ergreifend und 
hn in seiner eisernen Faust fest zusammenpressend. „Warum 
ticht? Ist dir etwa das bleiche Milchsuppengesicht lieber, 
das du Tag und Nacht pflegtest, als wäre es das kostbarste 
ßut? Gestehe es, und ich schlage dem Kerl jeden Knochen 
einzeln entzwei. Es ist ein Glück, daß er hier den Staub 
»on den Füßen schüttelte, sonst hätte ich ihn laufen gelehrt“ 
(Far⸗ bung folgt.) 
Kunst und Wissenschaft. 
Der Kasfer wohnte mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm 
und dessen Gemahlin einem Konzert des Phil— 
darmonischen Chors bei, das Prof. Siegfried Ochs 
uuf kaiserlichen Befehl im grohßen Saale der Kgl. Hoch— 
chule für Musik zu Berlin veranstaltete. Aufgesührt wurden 
unf Cantaten von Joh. Seb. Bach. Nach Schluß des 
Konzerts beschiedd der Kaiser Prof. Ochs zu sich in die 
Loge, drückte ihm seine Anerkennung für die Leitung und 
die Leistungen des Philharmonischen Chors aus und über—⸗ 
ceichte ihm eine kostbare Brillantnadel. Das Publikum 
zrachte dem Dirigenten lebhafte Ovationen dar. 
Willv Langefeld x. Am Ende der vorigen Woche starb, 
schaen bherichtet gszülich n hben Talsen einer Rluf, 
nüutig der Ansicht, daß die Unabhäaängigkeit der 
veutschen Richter durchaus genügend gesichert 
sei und keiner weiteren Kautelen beduürfe. 
Die geftrige Sitzung im preußischen Abgeordnetenhaus. 
Im Abgeordnetenhause stand gestern das allgemeine Gesetz 
ber die Bildung von Zweckverbänden zur Debatte. 
die Ansichten des Hauses über die Vorlage, die, wie der 
Ninister des Inmnern nachdrücklich erklärt hatte, auf 
em Boden der Selbstverwaltung steht, waren sehr geteilt. 
uf der einen Seite wurde der Stärkung der Sicher⸗ 
eitsmaßregeln gegen zwangsweise Bildung 
»on Zweckverbänden und größere Vorsicht bei 
zwangsbildungen empfohlen. Auf der andern Seite 
purden derartige Besorgnisse als unbegründet bezeichnet. 
Aie Weglassung der Kreise aus der Vorlage, die 
emängelt worden war, wurde vom Minister vertreten. Der 
Ninister stellte auch fest, daß der Stadt Berlin, auch 
venn der Verband Groß-Berlin gebildet sei, die Möglichkeit 
erbleibe, einen Zweckderband auf Grund des allgemeinen 
vesetzes zu bilden. 
Neue wpüpstliche Erlasse. Zwei neue päpstliche Er— 
asse stehen bevor: Geistliche sollen künftig keine anderé 
dleidung als die Soutane tragen, der Besuch von 
Zheatern und Restaurants soll nur mit bischöf— 
icher Erlaubnis gestattet sein; ferner sollen geistliche 
zeiräte fsar Zeitungsredaktionen als Aufsichts⸗ 
zehörden errichtet werden, und das Verbot fuür Geistliche, 
un wirtschaftlichen Unternehmungen teilzuneh— 
ien, soll strenger durchgeführt werden. 
Fälschung eines Erlasses des Statthalters von Elsaßz⸗Loth⸗ 
ingen. Zu Beginn der Sitzung des Landesausschusses gab 
5taatssekretär Freiherr Zorn v. Bulach eine Mitteilung des 
„tatthalters bekannt. aus der hervorgeht, daß der Abge⸗ 
»rdnete Wetterls dem Unterstaatssekretär Petri in 
origer Woche Einsicht gestattete in die angebliche Ab⸗ 
chrift eines Teiles des vertraulichen Erlasses, 
en der Statthalter am 28. September 1910 an das kaiserliche 
Ninisterium gerichtet hat. In dem nur durch einen groben 
dertrauensbruch eines pflichtvergessenen Be— 
mten vermutlich auf anonymem Wege an 
Betterlé gelangten Schriftstücke sind, wie die Zuschrift 
es Statthalters feststellt, gewisse tendenziöse, geradezu 
erfide Fälschungen enthalten. So werden die Landesaus— 
hußmitglieder als meist auf niederer Bildungs- und Gesell⸗ 
haftsstufe stehend bezeichnet und die Sache wird so dar— 
estellt, als ob der Statthalter von den Vertretern des 
andesausschusses eine abfällige, geringschätzige Meinung 
ätte. Demgegenüber gibt die gestrige Zuschrift des Statt⸗ 
alters den authentischen Wortlaut des Erlasses an die Be 
irkspräsidenten unter gebührender Brandmarkung der verächt⸗ 
ichen Machenschaften, die das Brandmal der Pflichtverletzung 
nd niederen Gesinnung an der Stirn tragen. Nach der Rede 
es Staatssekretärs ergriff Wetterls das Wort. Er gab zu, 
»aß er von vornherein der Ansicht gewesen sei, daß es sich 
uim eine Fälschung handle. Er habe aber geglaubt, korrekt 
zu handeln, wenn er Interessenten Einsicht in den Wortlaut 
»er anonymen Zuschrift gebe. (Tel.) 
Eine Reihe sozialdemokratischer Anträge sind zum Etat 
jes Ministeriums des Innern dem preußischen Abgeordneten⸗ 
sause zugegangen. Ein Antrag ersucht, ohne Verzug elnen 
Sesetzentwurf vorzulegen, durch den alle preußischen Ge⸗ 
indeordnungen und alle preußischen Gesetze, betreffend 
ie Verletzungen der Dienstpflichten des Gesindes und der länd⸗ 
ichen Arbeiter aufgehoben werden. Die anderen Anträge 
oünschen eine gruündliche Umgestaltung des Forstdiebstahls- 
ind des Feld- und Forstpolizeigesetzes, ferner die 
Bschaffung der politischen Geheimpolizei, die 
iufhebung des 522 des Vagabundengesetzes vom 
1. Dezember 1842, die Aufhebung derjenigen Paragraphen 
es preußischen Prebgesetzes von 1851, die sich mit An⸗ 
chlagzetteln und Plakaten, mit dem Verkauf und 
er Verteilung von Druchchriften auf öffentlichen Wegen be— 
assen. Schließlich verlangt ein Antrag die allgemeine Er—⸗ 
aubnis des Gebrauches fremder Sprachen in öffent⸗ 
ichen Versammlungen und den Ersatz der Genehmigung für 
ßersammlungen unter freiem Himmel und Aufzüqge durch 
ffentliche Bekanntmachung. 
Nationalliberale und Konservative im Gießener Reichstags⸗ 
Ayreis. Tur die Frsabmahs im Gießener Neichssstagswahl. 
nergiftung, die er sich durch eine geringfügige Beinwun— 
ils Escamillo in „Carmen“ vor wenigen Tagen zugezogen 
atte, in Würzburg der Heldenbariton Willy Lange— 
eld, der Bruder unseres Arnold Langefeld, erst 43 Jahre 
It, auf der Höhe seiner Kunst und Schaffenskraft. Seit vier 
jahren an der Würzburger Oper tätig, erfreute er sich größter 
serdienter Wertschätzung. Sein Sebastiano, sein Hans Sachs 
ind Wotan waren eindrucksvollste Leistungen. Im Januar 1902 
astierte er als Hans Sachs mehrfach in Lübeck am alten Stadt⸗ 
heater unter Direktor Gottscheid. Des Wanderers Worte 
m Siegfried: „Zieh hin, ich kann dich nicht halten“. waren 
ein Abschiedsgesang. 
Der Vorstand des Deutschen Künstlerbundes trat unter 
em Vorfitz seines Präsidenten, des Grafsen Leopold von 
talckreuth, dieser Tage in Berlin zu einer Beratung zu— 
ammen. Auf der Tagesordnung standen die nächsten Aus— 
ellungsunternehmungen des Bundes. Die Idee, in diesem 
tahre eine große Bundesausstellung in Berlin zu ver— 
nstalten, wurde sallen gelassen. Als nächste Pläne des 
eutschen Künstlerbundes kommen nunmehr eine Ausstellung 
n der Bremer Kunsthalle im Jahre 1912 und eine fsolche 
n Leipzig in Frage, die ir das Jabr 1913 porde- 
ehen wurde. 
Eine ftãd tische Gemäldegalerie in Berlin. Die Kunst⸗ 
eputation des Berliner Magistrats beschloß, das aus der 
zeit Friedrichs des Ersten stammende Palais Podewils, 
velches wertvolle Innenarchitektur birgt, allmählich zu einer 
ädtischen Gemäldesammlung einzurichten, deren Grundstodk 
ine Reihe von Schenkungen bilden wird, darunter 16 
zßemälde von Gustav Schnuer und Rilder van Walter 
deistikow. 
Die Ernst⸗ Abbe⸗Büfte. In der Aula der Universität 
u Jena fand Montag mittag die feierliche Enthüllung 
er vom Großherzog von Sachsen-Weimar, den Herzögen 
on Altenburg, Meiningen und Koburg für die Universität 
jena gestifteten Erzbüste Ernst Abbes, des hervorragenden 
zoziologen, statt. Die Büste ist ein Meisterwerk Adolf 
zildebrandse. Ansprachen hielten Staatsminister Dr. Rothe—⸗ 
Peimar und der Prorektor der Jenenser Universität Geb⸗ 
246GB 
reis hat der Bund der Landwirte sich für die Unter 
tützung der Kandidatur des antisemitischen Oberlehrers 
Berner ausgesprochen und damit der Kandidatut der * 
ionalliberalen, die den Professor Gisevius aufstellten 
Ibsage erteilt. eine 
Die Wahlprüfungslommission des Reichstages führte gestern 
die Prüfung des Wahleinspruches gegen die Wahl n 
Abg. Kochan (6 Gumbinnen, natl.) zu Ende. Es wurde 
Zeweiserhebungbeschlossen. Die Kommission wane 
ich dann dem Einspruch gegen die Wahl des Abg. Rieseber 
6 Mdodeburg, w. Vog.) zu. Die Debatte wird —— 
Das Weltwechselrecht. Die erneuten Verhandlungen wegen 
ʒchaffung eines Weltwecselrechts haben gestern im Reichssusg 
imte begonnen. Auch die Vereinheitlichung des Schedrechtes 
vird in die Beratung eingezogen werden. 
Gegen die Kandidatur Roerens. Gegen eine abermalige 
Fandidatur des Abgeordneten Roeren erheben die An 
Jeiterkreise seines jetzigen Reichstagswahlkreises Saar— 
burg scharfen Widerspruch. Sie werfen ihm man;⸗ 
relnde Arbeiterfreundlichkeit vor. Trotzdem er— 
lärte Roeren in Versammlungen, er wolle auf seiner Kan— 
vidatur bestehen. 
Aerztliche Silsskräfte gegen die Pestgefahr für Kiautschou. 
Mit Rückficht auf die Möglichkeit, daß die Pest auch das 
zchutzgebiet Kiaut schou berühren könnte, sind folgende 
ahnahmen von der Marineverwaltung getroffen worden: 
MNarineoberstabsarzt Dr. Martini, ein bekannter Bel. 
eriologe, und Marineoberstabsarzt Staby, die von 
Tsingtau aus eigentlich den heimischen Behörden überwiesen 
verden sollten, sind zurücbehalten worden. Ferner sei mit 
eteilt, daß sich in Tsinaufu der mit der Leitung der 
hinesischen Poliklinik betraute Marineoberstabsarzt Dr. 
dautz sch befindet. Auf diesem sanitären Vorposten wird 
r sehr wohl in der Lage sein, dem Schutzgebiet wertvolle 
dienste zu leisten. Im Landgebiet von Kiautschou 
efindet sich der Marineoberassistenzarzt Dr. Paul, zu 
essen besonderen Obliegenheitsen die Beobachtung der Grenze 
es Schutzgebietes gehört. Der Arzt hat seinen Sitz in Litsun. 
zu dieser Stellung werden besonders gerignete und tüchtigeé 
Narineärzte ausgesucht, denen es auch gelungen ist, in 
»en Kreisen der chinesischen Landbevöslkerung sesten Fuß 
u fassen. Es braucht nicht erst erwähnt zu werden, daß 
elbstverständlich für eine ausreichende Quarantäné 
Fürsorge getragen ist. 
Die wirtschaftliche Brdeutung der deutschen Moore und 
besdeböden. Durch die Thronrede zur Eröffnung 
ves preußischen Landtages ist die Frage der 
Erschließung der deutschen Moor- und Heide— 
flächen, die bisher fern von der Kultur in völlig 
ertraglosem Zustande gelegen haben, in den Vorder— 
rrund des Interesses gerückt worden. Die 
Thronrede verheißt die verstärkte Jnangriffnahmé 
ver Erschließung noch nicht Fultivierter Moor— 
und Seideflächen. 
Derartige Moorflächen im Deutschen Reiche haben einen 
Umfang von 25, Millionen Heltar, die Heideödflächen von 
124 Millionen Hektar. Wird diese Gesamtfläche, was nach 
dem heutigen Stande unserer Kenntnisse keine Schwierigkeiten 
bietet. in genügend schnellem Tempo küultiviert? 
o wird, wie sich leicht nachweisen läßt, der Brot⸗und 
Fleischbedarf des deutschen Volkes im In— 
ande selbst erheblich besser gedeckt. Zur Förde— 
ung dieses Kulturwerkes, das für Deutschland von eminenter 
oltswirtschaftlicher Bedeutung ist, veranstaltet der Verein 
ur Förderung der Moorkultur im Deutschen Reiche am 
22. Febr. d. J. eine öffentliche Versammlung in Berlin— 
Großbritannien. 
W. London, 7. Febr. Unterhaus-Adreßdebatte. 
Jer größere Teil der Sitzung wurde durch die Erörterung 
er Fragen der inneren Politik ausgefüllt. Am 
zitzungsende bat der Unionist George Lloyd um er— 
eute Darlegung der Stellung, welche die Regierung bezüglich 
er Tripel-Entente einnehme und der StellungGroß⸗— 
zritanniens bezüglich des persischen Meerbusens. Der 
Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amte Me Kinnon Wood 
rwiderte, er sehe nicht ein, aus welchem Grund Lloyd diese 
erneuten Erklärungen wünscht. Es sei in dieser Hinsicht keine 
Aenderung in der Politik der Regierung zu verzeichnen und 
es seien keine neuen Umstände hervorgetreten, die eine er—⸗ 
neute Darlegung notwendig machten. Im weiteren Verlauf 
jeiner Rede erklärte McKinnon Wood, die Vereinbarung, 
die Rußland mit Deutschland zu treffen im— 
Begriff sei, bezöge sich nur auf Eisenbahnen in 
»er russischen Interessensphäre und berühredie 
»nglischen Interessen in Südpersien nicht. Er 
vnne Llond versichern, daß Englands Stellung bazüglich des 
hersischen Golfs dieselbe sei wie immer. Bezugnehmend auf 
ie von Lloyd gemachte Ausstellung meinte er, wasDemütigen⸗ 
des denn an dem Passus der Thronrede sei, in dem gesagt 
verde, daß die Regierung besonders darauf bedacht sei, daß 
ie persische Regierung die südlichen Straßen sichere, deren 
zandel und Verkehr von großem Interesse für Er-tand lei 
Taaesbericht. 
Lübed. 8. Febr. 
Der Jesuitenorden. 
In der sehr zahlreich besuchten Vortragsversammlung in der 
zesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit am Diens⸗ 
ag abend sprach Herr Professor Dr. Eschenburg über den 
resuitenorden. Beginnend mit einer kurzen Charakteri⸗ 
ierung des spanischen Katholizismus am Ende des 15. Jahr⸗ 
underts dahin, daß er sich gegenüber dem Katholizismus an⸗ 
erer Länder in den unausgesetzten Kämpfen gegen den Islam 
ine alte Begeisterungsfähiglkeit und glühenden Belehrungs⸗ 
fer blewahrt habe, schilderte Redner in khnappen Formen 
doyolas Lebensgeschichte und die Entitehung seines Ordens der 
zeseilschaft Jesu. Gegründet ur Ausbreitung des Katholizis⸗ 
nus unter den Heiden, änderte sich seine Bestimmung mit der 
ewaltigen Ausbreitung des Protestantismus zu einer Kampf—⸗ 
rganisation gegen diesen. In der dem Orden von Jakob Leines 
egebenen monarchisch-soldatischen Institution verpflichten sich die 
Idensmitglieder, ohne jede Widerrede, ohne jede Bedingung 
ind ohne jeden Lohn alles zu tun, was der jeweilige VPaps 
etlangt. Unter den Gelübden der Armut, Keuschheit, des Ge— 
orsams und der Unterwürfigkeit ist der Gehorsam die vor⸗ 
ehmste Pflicht. Die Ordensregeln unterscheiden 3 Grade des 
zehorsams, nämlich den Gehorsam dem Werke nach, den Ge—⸗ 
vorsam dem Willen nach und den Gehorsam dem Versiande 
aAchk Noerlonat wrd bder vasskommene blinde Gehorsam die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.