Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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MMIVERAIILVBMIVVE AIII EI D— 3 ) 14 
Ausgabe A. Abend⸗Blatt Ur. 67. 
E 
Aus den Nachbargebieten. 
Hanßestãdte. 
Bremen, 6. Febt. Die finanziellen Be⸗ 
Mehungen der hafenstädtischen Gemeinden 
um Staate Bremen haben schon viel Kopfzerbrechen gemacht. 
zenn sie sind hächst eigenartiger Natur. Die Stadt Bremen 
at teine gesonderie Gemeindeverwaltung. alle Kommunal-Eim⸗ 
iahmen gehen in die Staatskasse, die auch alle Ausgaben be⸗ 
reitet. Die Hafenstädte tragen einen Teil der allgemeinen 
Staatssteuern, von einem Teil (zum Beispiel Erleuchtungs⸗, 
Waßsser· Kanalsteuer usw) sind sie befreit. Auch zahlen sie 
osb Einkommensteuer weniger als die Stadt Bremen. Nun 
lagen Bremerhaven und Vegesad, der Unterschied sei zu 
ering. Sie müßten ihre kommunalen Lasten durch gesonderte 
Abgaben decken. Diese aber seien höher als die analogen 
Lasten in Bremen. Weiter klagen sie Über die anschwellen den 
Budgets und hohe Fehlbeträge, für deren Decung sie keinen 
Rat schaffen könnten. Die geschäftlichen Verhältnisse in beiden 
Städten sind nicht günstig. Vegesack kann sich gar nicht aus—⸗ 
»ehnen, weil sein kleines Areal bereits vollkommen bebaut 
st; vor den Toren liegen die preußischen Orte Grohn und 
zlumenthal. Bremerhaven hat zwar noch Stadtflur genug, 
iber es hat ebenfalls die preußischen Nachbarorte Lehe und 
heestemünde. Dort soll das Wohnen billiger sein, so dahß 
iele Steuerzahler angeblich dorthin ziehen. Bei der letzten 
Abtretung preußischen Bodens an Bremen wurde Bremerhaven 
ruferlegt, sein Schulgeld für die Volksschulen aufzuheben. Auf 
zürgerlicher Antrag wurde eine Deputation zur Beratung 
niedergesetzt. Diese berichtet jezt und bringt eine Frage 
zorweg zur Entscheidung: den staatlichen Zuschuß zu den 
zchulen Bremerhavens. Er beträgt jetzt 50000 M. Nach 
hrem Vorschlag soll er auf 120 000 Merhöht werden. Den 
anderen Fragen soll damit nicht präjudiziert werden. — Ein 
derirrter Marokkaner. An der Contrescarpe irrte 
ibends ein 12jähriger Marokkaner umher. Soweit aus dem 
leinen Afrikaner, der nur arabisch spricht, herauszubekommen 
var, ist er mit einem englischen Dampfer in Hamburg ange⸗ 
ommen. In Hamburg hat er seine Kameraden verloren und 
st in der Annahme, daß das Schiff nach Bremen gedampft 
ei, dorthin gereist. Der Hilflose wurde einstweilen in Pflege 
genommen. 
Schles wig⸗ Holstein. 
Kiel, 6. Febr. Das Vermögen der Stadt hne 
»as der Spar⸗- und Leihkasse) belief sich am 31. März 1910 
uf 106 276 562 M, wovon 78 690 910 Meals Finanzwoermögen, 
zaas Üübrige als Verwaltungsvermögen anzusehen war. Die 
5ch Ul den der Stadt beliefen sich auf 68361613 M. Gegen⸗ 
ber dem Vorjahre hat sich das Vermögen um rund 8 Mill. M 
rhöht. — Die andauernde Steigerung der 
ommunalen Steuerzuschläge führt zu einer Flucht 
ber Kieler in die neuen Stadtteile, da dort die Zuschläge 
wesentlich geringer sind und nach dem Eingemeindungsvertrag 
m nächsten Jahrzehnt nur um 25 06 erhöht werden dürfen. — 
Die gerichtliche Obduktion der Leiche des Dienst⸗ 
nädchens J. hat ergeben, daß das junge Mädchen eines 
iatürlichen Todes gestorben ist. Die Leiche wurde infolgedessen 
vom Gericht freigegeben. Der Obermaat J. und sein Be— 
zleiter sind noch nicht ermittelt. 3. hat sich in Zivilkleidern 
entfernt. 
Oldesloe, 6. Febr. Für den Posteneines Bei⸗ 
eordneten wurden präsentiert: Rentner Weiß, Drogist Louis 
Osten und Lohgerberei-Besitzer Georg Axt. Für den Stadtrats⸗ 
osten wurden präsentiert: Stadiverordneter Hirsch, Reniner 
beemüller und Landmann Heinrich Ramm. 
Wesselburen, 6 Febt. Für das Sebbel⸗Mu⸗ 
eum sind wieder viele wertvolle Originalbriefe angekauft worden. 
das Museum besitzt nunmehr die größite Sammlung von Original⸗ 
debbelbriefen. 
Wandsbek, 6. Febt. Der Entwurf des Saus⸗ 
jaltsplanes der Stadt für das Rechnungs⸗ 
ahr 1911 chließt im Ordentlichen mit 2946 000 M gegen 
2795 000 Mebezw. 2 462 000 Mein den Vorjahren in den Ein— 
nahmen und Ausgaben ab; das Mehr gegen das Voriahr beträgt 
i5l ooo M. Durch Steuern mühsen 1 140 000 Mausgebracht werden 
zegen 1 O8s 000 Me1010. Eine Erhöhung der Stieuern ist nicht er⸗ 
iorderlich. 
Elmshorn, 6. Febr. Im Lederarbeiterstreik ist 
nach wiederholten Verhandlungen durch beiderseitiges Entgegen⸗ 
ommen mit den Arbeitern verschiedener Abteilungen der Firma 
Knecht eine Einigung erzielt worden. Es steht zu erwarten, 
daß hinsichtlich der bestehenden Differenzen sehr bald eine 
kinigung herbeigeführt wird. 
Flensburg, 6. Febr. Durch Großfeuer wurde 
die Lederzurichterei des Lederfabrikanten Thamsen eingeäschert. 
Der Schaden ist bedeutend 
Lauenburq. 
2Molln, s. Febr. Vom Spar⸗- und Vorschuß⸗ 
verein wurde der Bericht uber das Rechmungsjahr 1910 
den Aktionären zugestellt. Man ersieht aus demselben, 
daß dies Institut sich von Jahr zu Jahr in ruhiger 
Weise weiterentwicelt. Nach den Vorschlägen des Vorstandes 
'ollen die einzelnen Reservefonds in diesem Jahre noch— 
erhebliche Zuschreibungen erhalten, so dah dieselben ins—⸗ 
desamt auf za. 62000 Manwachsen werden und somit 
52 960 des gesamten Altienkapttals bilden. Der 
Jahresumsatz* hat sich von 7976 294, a3 Maauf 
1987 635,75 M erhöht und die Spareinlagen von 
49 o34,32 Meauf 1023573,28 M. dDas Konto⸗Korrent⸗ 
Kreditoren-Konto hatte zu Anfang des Jahres einen Saldo⸗ 
Bestand von 260 855,68 Meund das Konto der Debitoren ein 
Debet von 253 795,72 M. Auf diese beiden Konten wurden 
im Laufe des Jahres Beträge von im ganzen 1720 771,60 M 
ingezahlt und 1708 73464 Mabgehoben. Das Debitoren⸗ 
Konto schloh einschl. der zugeschriebenen Zinfen mu einem Debet 
»on 228 877,20 Mäab, wahrend das Kreditoren-⸗Konto mit 
329 664, 10 Mezu Buch blieb. Der Wechselbestand ging von 
96 273,75 Mauf 384 707, 60 N zurnd. VDer Sypoiheken 
»eslend ist in dem letzten Jahre ziemlich unverändert geblieben, 
dagegen hat sich der Bestand an Effekten um reichlich 30 000 M 
rhöht. Von dem Geschäftsgewinn von 27 950,35 Muver⸗ 
leibt nach Abzug aller Unkosten ein Reingewinn von 15868,67 
MRark, über dessen Verteilung die Generalversammlung am 
8. Febr. zu beschließen haben vird. Im Vorjahre kamen 9 op 
dividende zur Verteilung, in diesem Sahre aber ist der Vorstand 
n der Lage, die Verteilung einer Dividende von 10 00 in Vor 
chlag bringen zu können. — Der Ausbruch der Maul— 
ind Klauenseuche ist unter dem Schweinebestande des 
zufners Hardekopf, Lankau, vom Kreistierarzt festgestellt wor⸗ 
en. Der Knecht des H. ist kürzlich in Sarau gewesen; es 
ist möglich, daß dadurch die Krankheit übertragen ist. 
D. Sandesneben, 6. Febr. Im Land wirtschaftl. 
Berein wurde die Jahresabrechnung vorgelegt. Die Ein— 
iahme betrug 423,73 Mund die Ausgabe 281,94 M, so 
zah ein Kassenbestand von 141,79 Mvorhanden ist. Außerdem 
ind 1800 Mebei der Steinhorster Spar⸗ und Leihkasse belegt 
omit beträgt augenblicklich das Gesamtvermögen 1941,70 M 
dann machte der Vorsitzende cinige Ausführungen über das 
eue Düngemittel Kalkstickstorf, über die Schleswig⸗ 
zolsteinische gemeinnützige Siedelungsgesellschaft, über die 
ßründung einer landwirtschaftlichen Haushaltungsschule 
n Lensterhof bei Cismar, über die Bekämpfung 
der Dasselfliege und über das Schwertfegersche feuersichere 
5trohdach. Darauf beschloß die Versammlung, in diesem 
SZommer eine große Jungviehschau hierselbst abzuhalten. 
sgeh. Kählstorf, 6. Febrt. Unfälle. Der Vächter 
kvers, Gr.Berkenthin, wurde von seinem Pferde an den 
dopf geschlagen. Er mußte sich sofort in ärztliche Behand⸗ 
ung begeben. — Als der Dienstknecht Hans Voß, Kl.Berkenthin, 
m landwirtschaftlichen Betriebe des Gastwirts Johs. Meyer 
nit Holzhacken beschäftigt war, wollte er den letzten Rest 
zolz über die Betriebswelle werfen. Hierbei verschob sich 
as Verdeck erfaßte Voß in der Jacke und schleuderte ihn 
nit. Nur durch den Umstand, daß die hinzukommende Frau 
Meyer den Betriebsriemen herunterriß, wurde ein größeres 
Anglück verhütet. Außer kleinen Verletzungen am Kopfe erlitt 
Voß einen Bruch des rechten Oberarmes — Der land⸗ 
virtschaftliche Verein Berkenthin hielt Sonnabend 
n Kl.Berkenthin eine Versammlung ab, in der der Vereins⸗ 
tedner, Dr. Waltemath,. Hamburg, einen Vortrag hielt. Es 
vurde beschlossen, im September in Berkenthin eine Jungvieh— 
chau zu veranstalten. Das Komitee besteht aus 8 Herren. — 
Die Schweineseuche ist unter dem Schweinebestande des 
Arbeiters Pütier, Wentorf, Amt Hohenhorn, ausgebrochen. 
Großherzogtümer Medlenburg. —— 
Schwerin, 6. Febr. Imgoldenen Saale desGroß— 
jerzoglichen Schlosses fand Sonnabend ein Ständediner 
tatt, zu dem ungefähr 75 Personen geladen waren. 
—Ludwigaslust, 6. Febr. Der älteste Geistliche in 
Medlenburg, Kirchenrat Otto Voß, Levin bei Dargun, ist ge⸗— 
torben. 
Parchim, 6. Febr. Für die Errichtung des 
Moltke-Denkmals auf dem Ruhner Berge hat der Senat 
on Hamburg 500 Mean den Vorjitzenden des Denkmalskomitees, 
jen Drosten Bierstedt, Lübz, einzahlen lassen. 
588 Grevesmühlen, 5. Febrt. Der Frauenbil— 
ungsverein hatte einen Volksunterhaltungsabend veran— 
tlaitet, an dem Lehrer Awe, Schwerin, einen Lichtbildervortrag 
rnsten und heiteren Inhalts hiert. Vor und nach dem Vor— 
rag wurden Volkslieder zweistimmig gesungen von Schülerinnen 
er Nähschule des Vereins. — Heimlich entfernt hat sich 
n der Nacht auf den 4. Febr. der Arbeiter Karl Warnemünde, 
5 Jahre alt. Da er in letzter Zeit mehrfach ein auffallendes 
ßetragen gezeigt hat, wird Geistesrankheit vermutet. — Ein 
Luftballon flog Sonntag mittag um 1 Uhr in bedeu— 
ender Höhe nach Süden über unsere Stadt hinweg. 
Schönberg, 6. Febtr. Der Streit in der 
dlingelbeutelangelegenheit wurde bekanntlich zu 
ingunsten der Verklagten entschieden, die die Verpflichtung, 
nit dem Klingelbeutel in der Kirche zu gehen oder eine 
leine Summe von noch nicht 10 Muzu zahlen, nicht 
merlennen wollten. Im Gottesdienst am Sonntag ging 
iun zum erstenmal nach einer langen Reihe von Jahren 
nicht der Kirchenbeamte, sondern einer der Verklagten, 
in Handwerksmeister, mit dem Klingelbeutel, um das Opfer 
on den Kirchgängern einzuholen. Derselbe hat während 
weier Jahre an jedem dritten Sonntag dies Amt zu 
»errichten, wostr er alljährlich an einem Schmause im 
bfarrhause teilnehmen darf. 
Neustreligz, 6. Febr. An dem Hofballam Freitag 
m Großherzoglichen Schlosse nahmen der Großherzog und die 
ßroßherzogin, der Erbgroßherzog und Herzogin Marie teil. Als 
ürstliche Gäste waren erschienen Herzog Paul Friedrich zu Med— 
enburg und dessen Tochter Herzogin Marie Antoinette sowie 
Prinz Albert von Sachsen-Weimar. Die Großherzogin-Witwe 
wohnte gleichfalls dem Sofball bei. Der Ball war von etwa 
200 Daomen und Berren bBesut 
Sportnachrichten. 
Der Kieler Renn⸗ und Reiterverein schloß seine letzte Jahres⸗ 
echnung in Einnahme und Ausgabe mit 64179 Meab. Das Ver—⸗ 
insvermögen beläust sich auf 20 55609 M. Beschlossen wurde, in diesem 
Jahre 2 Rennen (3 Flach- und 9 Hürdenrennen) und ein Trabfahren, 
ind zwar am 2. Juli und 1. Olt., bezw. 8. Oklt. abzuhalten und für 
Zreise insgesamt 27 000 M auszuwerfen. An der Kieler Annahme⸗ 
telle von Wetten für auswärtige Rennen betrug der Umsatz 88 000 M, 
oer Ueberschuß 1170 M. Für seine Schnitzeljagden nahm der Verein 
die Beschaffung einer Meute in Aussicht. 
Zu dem Motorboot⸗Meeting von Monako hat der englische 
Zportsmann Edgard Maday ein großes Rennboot angemeldet, in 
dessen Rumpf von 12 Meter Länge ein Altell⸗Motor zu 24 Zylinder 
uingebaut werden wird 
Cuftschiffahrt. 
Eulersche Aeroblanue. Vertreter des Krlegsministeriums 
veilten. wie aus Frankfurt a. M. gemeldet wird, vor kurzem auf dem 
hriesheimer Flugplatz. um sich die EUulerschen Aeroplane an— 
usehen. Das Resultat ist. daß das Ministerium eine Unzahl diesen 
Augapparate in Auftrag gegeben hat, 
— — 
— — 
Dermischtes. 
Die Dynamitexvlosion in Newyork. Bisher sind die Namen 
von 16 Opfern der Dmmamitkataltrophhe von New-Jersen festgestellt. 
ktwa 16 Personen. meist Arbeiter des Hafens, werden noch vermihl. 
Wahrscheinlich sind sie auch alle der Explosion zum Opfer gefallen. 
Die Nachforschungen werden dadurch erschwert, daß die oft grähßlich 
verstümmelten Leichen in den Hudson geschleudert und ins Meer 
hinausgetrieben worden sind. Die Zahl der Schwerverletzten beläufl 
ich auf 300. Einige von ihnen dürften nicht mit dem Leben davon⸗ 
'ommen. Der Materialschaden wird auf über 10 Mil— 
ionen Dollar geschätzt. Man will die Jersey-Zentral-Bahn⸗— 
hesellschaft hierfür verantwortlich machen. Denn nach den gesetzlichen 
Bestimmungen dürfen nicht über 5000 Pfund Dynamit auf einmal 
ransportiert werden. Die Jersey⸗Zentral⸗Bahn hat aber ihre Wagen 
um Transport von zehnmak größeren Mengen hergegeben. Sind 
doch allein gegen 25 000 Pfund explodiert. Die Bahngelsellschaft ist 
ilio für allen entitandenen Schaden verantwortlich. Zur Feststellung 
der strafrichterlichen Verantworlung erließen die Untersuchungsbehörden 
Zaftbefehle gegen vier Beamte der Zentralbahn New⸗Jeriey, drei 
Beamte der Geiellschaft, die das Dynamit versandte, gegen den Eigen⸗ 
ümer des Leichterschiffes „Catharine“. Die Anklagen lauten aul 
MNichtbeachtung der gesetzlichen Vorschriften mit daraus resultierender 
Vernichtung von Menschenleben. 
C.K. Das Halsband der Hamilton. Aus London wird be— 
richtet: Durch das kürzlich erfolgte Ableben der Lady Meux 
wird der bekannte englische Admiral Lord Charles Beresford 
der Erbe der kostbaren Kollektion von Nelson⸗-Reliquien, die 
Lady Meux mit großen Opfern in langtähriger Sammelarbeit 
in ihrem Besitze vereinigen konnte. In dieser Sammlung be— 
tindet sich auch ein großer Teil der Juwelen der berühniten 
Lady Hamilton, der Geliebten Nelsons, darunter das viel⸗ 
genannte Hamilton-Halsband, das der Held von Träfalgar 
der Königin seines Herzens schenkte. Dies Schmudfstück ist 
ein Meisterwerk der Juwelierkunst und hat einen unschätzbaren 
Wert. Das Kollier besteht aus drei Reihen bewundernswert 
chöner VPerlen, die in Abständen von etwa einem Zoll regel— 
nähig durch eine ungewöhnlich große Perle gehoben werden, 
Der Verschluß ist in himmelblaufarbenem Email gearbeitet, 
aber von herrlichen Diamanten besetzt. Seit den Tagen. da 
das berühmte Kollier zum letztenmal. den Nacken der schönen 
Tänzerin schmückte, ist das kostbare Schmuckstück durch viele 
Hände gegangen, und bevor es Lady Meux endlich für eine 
Riesensumme erwarb, entspann sich ein heißer Wettkampf der 
Liebhaber. die alle danach trachteten, das Hamilton-Hals— 
band zu besitzen. 
Bunte Chronik. 
Sonntag sollte im Grunewald ein Pistolen-Duell 
zwischen Thyssen jun. und seinem früheren Rechtsvertreter 
Dr. Borchardt stattfinden. Die Polizei hatte jedoch Kenntnis 
davon bekommen und nahm Thyssen, als er ein Automobil 
ovesteigen wollte, um nach dem Grunewald zu fahren. in 
Schutzhaft. Veranlaßt wurde das Eingreifen der Polizei von 
Gläubigern Thyssens, die von ihm mehrere Millionen zu 
bekommen haben. 
Unter dem Verdacht, ihren biährigen Sohn zu Tode 
nißhandelt zu haben, wurden der 33jährige Fabrikarbeiter 
Sollanck und seine Geliebte, die 24jährige Fabrikarbeiterin 
Stauch, verhaftet. 
Bei Herrnstadt Echlesien) vergnügte sich eine Anzahl 
Kinder auf dem Eise, als plötzlich die Eisdecke nachgab und 
ämtliche Kinder in den Fluten versanken. Der Gbiährige 
Sohn eines Ackerbürgers und die 10jährige Tochter eines 
Landwirtes ertranken. Die übrigen konnten gerettet werden. 
Der bankerotte Weinhändler Max Hüsner aus Traben- 
Trarbach ist, wie aus Newyork gemeldet wird, auf Erluchen 
Deuischlands an Bord des Dampfers „St. Paul“ verhaftet 
worden. Seine Verbindlichkeiten sollen eine Million Mark 
betragen. 
Eine Anzahl kostbarer Teppiche des Sultans Abdul 
Samid, die vor einiger Zeit in Frankfurt a. M. ausgestellt 
waren und von dort zu einer Ausstellung nach Newyork be— 
fördert werden sollten, sind auf, dem Tranusport dorthin 
spurlos verschwunden. Der Verlust von 100 000 M 
ist durch Versicherung gedeckt. 
Aus Temesvar wird der Wiener Neuen Freien Presse 
gemeldet: In der hiesigen Artilleriekaserne bißz der plötzlich 
wütend gewordene Hund des Hauptmanns Adolf Auler 
reinen Herrn, rannte dann in die Korridore der Kaserne, wo 
er dem Leutnant Milan Sekula und vier Artilleristen gefähr— 
liche Bißwunden beibrachte. Der Hund wollte dann noch 
einen anderen Offizier beißen, dieser strekte ihn jedoch mit 
einem wohlgezielten Revolverschuß nieder. Der Zustand der 
Gebissenen ist besorgniserregend, sie wurden nach Budapest 
in das Pasteur⸗Institut übergeführt. 
In der Nacht zum Sonnabend ereignete sich ein schweres 
Eisenbahnunglücdk vor den Toren Konstantinopels. 
Der Personenzug von San Stefano stieß bei Makriköy mit 
einem Güterzug zusammen, der zwölf Waggons mit Heu ge— 
laden hatte. Durch den Anprall entzündete sich das Heu, 
so daß alle Waggons verbrannten. In Konstantinopel glaubte 
man an eine Feuersbrunst bei der Pulverfabrik. 14 Personen 
jind zum Teil sehr schwer verletzt; bis jetzt ist ein Toter 
unter den Trümmern hervorgezogen worden. 
Aus Lissabon wird gemeldet: Der Minister des Aeußeren 
erllärtei n einer Unterredung mit Pressevertretern, die Cholera 
anf Madeira sei so gut wie geschwuunden. In Funchal 
egannen die Schiffe vor Anker zu gehen. Die Tatsache, daß 
sich in größerem Umfange Freiwilligenbataillone bildeten, be— 
weise die Entwicklung des militärischen Geistes im Voltk. 
Im Verlauf eines von Segelbooten des englischen Ge— 
schwaders bei Villa⸗Garcia veranstalteten Wettsegelns 
schlua ein Boot um. Vier Leute der Bemannung sind 
ertrunken. 
Aus Penniscola wird gemeldet. daß von 50 Seeleuten, 
deren Untergang in den Sturmen der letzten Tage befürchtet 
wurde, 34 in den benachbarten Häfen gelandet arden, IJn 
Badalona werden noch mehrere Fischerbosl⸗ vermikt
	        
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