Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

und Tilgung zührlich 8316 000 Merforderlich sind. Daege— 
sfamfen Unterhaltungskosten der bestehenden 
Strombauwerke — einschließlich der Ausgaben für Lan⸗ 
deskulturzwecke — betrugen 8488 676 M. Im Jahre 1909 
hälte der Gesamtertrag der Schiffahrtsabgaben innerhalb der 
drei Strombauverbände 414 Millionen betragen, wovon 
2735 000 Mauf den Rheinverband, 91000 Muauf den 
Weferverband und 1676 000 Maauf den Elbperband entfällen 
wären. Die Erhebung der Abgaben soll nach Artikel 288 
für alle drei Verbände nach einem Tarife zu erfolgen haben, 
der fünf Güterklassen mit den Söchstsätzen 0,1, 0,08, 0,06, 0,04 
0, o2 unterscheidet und auch hinsichtlich der Verteilung der Güter 
auf die einzelnen Klassen voraussichtlich im wesentlichen gleich⸗ 
artig sein kann. Wenn ein solcher Tarif für den Rhein 
eine andere Durchschnittsbelastung des Tonnenkilometers er⸗ 
gibt als für die beiden anderen gemeinsamen Ströme, so hat 
das seine Ursache darin, daß die geringwertigen Massengüter 
in der Rheinschiffahrt eine größere Rolle spielen. Von den 
für das finanzielle Ergebnis der Tarife besonders wichtigen 
Guͤterarten würden Kohlen, Erze und Steine in der nied— 
rigsten, Getreide, Petroleum und sogenannte Stückgüter in 
der höchsten, Roheisen und Halbsabrikate in den Mittelklassen 
erscheinen. 
Die Kommifsion süür das Sirafgeleßbuch. Die 
Neichskommission zur Bearbeitung und Aufstellung eines neuen 
Strafgesetzbuchs wird aus etwa 18 Mitgliedern bestehen, 
die von den Justizverwaltungen der Einzelstaaten berufen 
werden. Der Kommission werden, wie wir aus Bundesratskreisen 
hören, auch der Berliner Justizrat Leonhard Friedmann und 
der Seuatspräsident beim Kammergericht Lindenberg augehören. 
Die Forderung des Budgetausschusses des Reichstages, statt 
eines Rechtsanwalts drei in die Kommission zu berufen, dürfte 
vom Reichskanzler genehmigt werden. 
Verbesserte Wohnungsverhältnisse für staatliche Ar⸗ 
beiter. Dem preußischen Abgeordnetenhaus ist ein Ge— 
setzentwurf wegen Bewilligung weiterer Staatsmittel zur 
Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der in staatlichen Be— 
trieben beschäftigten Arbeiter und von gering besoldeten Stuats 
beamten zugegangen. Von der Staatsregierung wird hier 
zu ein weiterer Betrag von zwölf Millionen M zur Verfügung 
gestellt. 
Zur SHaftopflicht der Klein⸗ und Strazenbahuen. 
Wie wir aus Bundesratskreisen hören, ist die Nach— 
richt unbegründet, dem Bundesrat sei bereits der in Aussicht ge— 
nymmene Entwurf eines Haftpflichtgeseßes für 
Sachschaden, die durch Klein-⸗ und Straßenbahnen 
verursacht werden, zugegangen. Im Reichsjustizamt 
sind einstweilen nur Grundsätze zur Regelung dieser 
Frage ausgearbeitet, und zunächst sollen Sachverständige aus 
den Interessentenkreisen berufen werden, um ihr Urteil darüber 
uabzugeben. Dann beginnen die Verhandlungen zwischen den 
beteiligten Ressorts, worauf das Reichsjustizamt erst init der 
Aufstellung eines Entwurfes vorgehen kann. In dieser Sesston 
wird möglicherweise aus der ganzen Sache noch nichts werden. 
Reͤchs tagswahlen. Zwischen der nationalliberalen 
und der fortschrittlichen Partei in Schlesien haben im 
engeren Kreise Verhandlungen über ein gemeinsames 
Vorgehen bei den kommenden Reichstagswahlen stattge— 
funden. Die Verhandlungen haben über die Verteilung der 
echlesischen Wahlkreise ein Uebereinkommen ergeben, das den 
Wahlkreisorganisationen beider Parteien zur Zustimmung vor— 
gelegt werden soll. 
Das liberale Wahlabkommen für die Provinz 
Hannover ist gefährdet. Nach den Abmachungen, die 
nur noch von den Wahlkreisorganisationen bestätigt werden 
sollten, war der Wahlkreis Hannover-Linden der Fort—⸗ 
schrittlichen Volkspartei zugesprochen worden. Gestern hat nun 
der nationalliberale Verein in Hannover zur Kan— 
didatenfrage Stellung genommen und dabei die Aufstellung 
eines eigenen Kandidaten in der Person des Flei— 
scherobermeisters Willy Sémidt beschlossen. 
Im Wahlkreise Kattbus-⸗Spremberg hat das Kreis— 
wahlkomitee der Fortschrittlichen Volkspartei den Handschuh— 
machermeister, Stadtverordneten Ewald Haase in Kott— 
bus als liberalen Kandidaten vorgeschlagen. Die Natio⸗ 
nalliberalen stimmen in Gemäßheit des brandenbur—⸗ 
rischen Provinzialabkommens dieser Kandidatur zu. 
Im Interelse der Etinigung des Liberalismus ist im Wahl— 
kreise Asnabräck der nationalliberale Kandidat 
ßößmann zurückgetreten. Ein neuer nationalliberaler 
candidat wird gemeinfam von den Fortschrittlern und Na— 
cionalliberalen aufgestellt werden. 
Für die Reichstagswahl in Nordhausen haben die 
Sozialdemokraten den Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn-Berlin 
als Reichstagskandidaten aufgestellt. Der Vorstand des Nor d⸗ 
häuser nationalliberalen Vereins veröffentlicht 
eine Erklärung, worin es heißt, daß er nicht daran denke, 
die Kandidatur des Prosessors Trittel zugun— 
sten des Freisinnigen Dr Wiemer 4zurätzau 
zxielhen. 
Der Börsfenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig 
hat zu dem Entwurfe des Gesetzes gegen Mißstände im Heil— 
gewerbe unterm 26. Januar d. J. eine Eingabe an den Reichs— 
tag gerichtet, in welcher er besonders zu den Gefahren Stellung 
nimmt, die dem deutschen Buch- und Zeitschriftenhandel aus 
den 88 6, 7, 8, 13, Ziffer 2, 14 und 15 des Entwurfs drohen. 
Aus einer ganzen Reihe von Vorschriften des Entwurfs 
werden schwere Gefahren für den Buch- und Zeitschriftenhandel 
befürchtet. Es wird gebeten, deutlich zum Ausdruck zu bringen, 
daß Bücher nicht zu den „Gegenständen“ gehören sollen, mit 
denen nach 8 6 der Verkehr untersagt werden kann. Wie in 
allen bisherigen Eingaben, wird die Zusammensetzung der Prü— 
fungskommission bemängelt und gefordert, daß Schutzmaßregeln 
gegen einseitige Auffaffungen dieset Kommission geschaffen 
werden. Die Strafen bei fahrlässigen Uebertretungen des Ge— 
letzes werden als drakonische bezeichnet, es wird ihre gänzliche 
Streichung verlangt. Ause8 8 wird eine mögliche Beschränkung 
des Verlagsbuchhandels befürchtet, der zum Verlust ganzer Ver⸗ 
lagsartikel, wenn nicht sogar zum Untergang ganzer geschäft: 
licher Unternehmungen führen bönne. Im Buch⸗ wie im Zeit— 
schriftenverlag müßte eine allgemeine Unsicherheit und Aengst⸗ 
lichkeit und eine wesentliche Beschränkung der literarischen Pro— 
dultion eintreten. Zum Schluß wird gebeten, dem Entwurf in 
der vorliegenden Fassung die Genehmigung zu versagen. Gegen 
den Grundgedanken des Entwurfs sei nichts einzuwenden, es 
müßten aber alle Bestimmungen entfernt werden, die eine 
gesunde Entwicklung des deutschen Verlags- und Sortiments⸗ 
buchhandels wie auch des Zeitschriftenhandels hindern. 
Schweden. 
Der sruhere Marineminister Chrenspard soll wegen erheb⸗ 
ücher Etatsberschreitungen vom Parlament gerichtlich belanat 
—Wie gus Stocklrolm telegraphilert wird, wird der 
Verfassungsausschuh des schwedischen Reichsstages im Plenum 
nen Antrag einbringen, den früheren Marineminister Ehren 
pard vor einen Staatsgerichtshof zu stellen, 
veil er im vorigen Budget die von dem Reichstag bewilligten 
Ausgaben eigenmächtig um über eine Million Kronen über— 
chritten hat. 
Rußlandß. 
WVorwürfe gegen das Marineministerium. Die Landes⸗ 
zerteidigungskommission übergab der Reichsduma 
hren Bericht, in dem sie darauf hinweist, dah in den Jahren 
908 und 1909 dem Marineministerium zur Verstärkung der 
Bontusflotte 7 Millionen Rubeél angewiesen worden 
varen. Das Marineministerium kaufte aber nur einen 
Dinenfucher. Das Geld sei demnach für ander 
zweche ausgegeben worden. Währenddessen rüsten die 
kürkei und die Dreibundstaaten mit großer Energie. Dhie 
dürkei habe ihre Streitkräfte enorm entwickelt. Ihre Flotte 
erfüge über Schiffe, die den russischen in jeder Beziehung 
werlegen sind. An dieser Sachlage sei ausschließlich 
das Ministerium schuld. 
Kangalsation in Petersburg. In der Resischs du ma wurde 
er den Antrag des Oktobristen Matjunin verhandelt, in 
Artikel 25s der Vorlage betreffend die Kanalisation 
n Petersburg zu bestimmen, daß, falls die Stadtverwal⸗ 
ung in einer bestimmten Frist der ihr auferlegten Verpflich— 
ung nicht nachlkomme, der Minister des Innern durch Ein— 
zringung eines Antrages die Durchführung der Ka⸗ 
talisation für die Regierung zu beanspruchen berechtigt 
ein soll. Der Antrag wurde zunächst mit 128 gegen 124 
Stimmen abgelehnt und in wiederholter Abstimmung, die unter 
Auszählung erfolgte, mit 131 gegen 130 Stimmen ange— 
nommen. 
Amerika. 
Diee deutsche Reglerung iBer die Kalisrage. Die deutsche 
Reichs regierung schlägt der amerikanischen Regierung in der 
ZTalifrage vor, daß die Rechtsfrage, wer die Ab— 
abe für das Ueberkontingent zu tragen habe, durch das 
norgesehene Schiedsgericht ausgetragen wird. Bei 
inem für die Amerikaner ungünstigen Spruch ist Deutschland 
zu weiteren Verhandlungen bereit. 
300 Müllionen für Eisenbahnbauien in Amerika. Aus 
Newyork wird berichtet: Ein gewaltiger Eisenbahnbauplan, 
vessen Aussührung sofort in Angriff genommen werden soll 
vird soeben von der Union-Pacific-Eisenbahn der Oeffent— 
ichleit bekannt gemacht. Ein großer Teil der einglei— 
igen Sschienstränge der Union soll sofort zweigleifig 
rusgebaut werden, so die Lin ien vom Missouri-River 
rach San Francisco, die Strecke vom Columbia- 
diver und zahlreiche andere. Es handelt sich insgesamt 
imm Schienenlagen von nicht weniger als 1673 
nalifchen Meilen Länge. Die Gesamtkosten werden auf 
und 300 Millionen Mugelchätzt, die auf fünf Jahre verteilt 
werden sollen. 
Flotlenbau in Kanada. Die kanadische Regierung hat 
im Ausschreiben auf 10 neue Schiffe für die 
Manrine Kanadas ausgeschrieben, nämlich 4 Kreuzer und 
z Torpedozerstörer. Das Schreiben ging an die füh— 
renden englischen und lkanadischen Firmen. Bedingung iit, 
daß die Schiffe in Kanada gebaut werden und daß die An— 
gebote bis zum 10. April eingereicht sind. 
Aufstand in Mexico. Einem Telegramm aus El Paso 
zufolge fand gestern in der Nähe von Juarez ein 
Kampf zwischen Kavallerie der Bundestruppen und den 
Rufständischen statt. Von den Bundestruppensind 
z3z und von den Aufständischen ß Manngefallen 
Liele Einwohner sind von Juarez nach El Paso geflohen. Man 
fürchtet, daß 1500 Aufständische die Stadt jeden Augenblick 
angreifen. Der Führer der Revolutionäre benachrichtigte den 
Bürgermeister und die fremden Konsuln in Juarez, daß Frei⸗— 
tag nachmittag ein Bombardement auf die 
Stadt eröffnet werde, falls sie sich bis dabin nicht über—⸗ 
geben hat. 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Die Kronprinzenreise. 
Wt. Kallutta, 3. Febr. Der deutsche Konprinz ist 
heute nachmittag 4 Uhr auf der Station Haura eingetroffen. 
Auf dem mit deutschen und englischen Flaggen geschmückten 
Bahnhof fand ein festlicher Empfang statt, zu dem sich der 
Bizekönig mit seinem gesamten Stabe, der Gouverneur von 
hengalen, der Magistrat von Haura, die Spitzen der Zivil- und 
Militärbehörden, sowie der deutsche Generalkonful in Kal— 
utta, Prinz Heinrich XXXI. von Reuß, eingefunden hatten 
Anter Salutschüssen schritt der Kronprinz in der Unisorm 
der Palewalker Kürassiere die von englischer Infanterie und 
Eingeborenen-Freiwilligen gestellten Ehrenkompagnien ab und 
fuhr dann, zur Rechten des Vizekönigs sitzend, zu dessen Palais. 
Die Tausenden, die die Einzugsstraße besetzt hielten, begrüßten 
den Kronprinzen mit lebhaften Hurrarufen. Vor dem Palast 
tanden ebenfalls Ehrentruppen. Auf der Freitreppe waren 
ahlreiche Geladene, darunter die Mitglieder des gesetzgebenden 
Rates, die diplomatischen Vertreter fremder Nationen, zahl⸗ 
reiche eingeborene Fürsten in ihren prunkoollen Festgewändern 
owie Offiziere und Beamte in großer Gala versammelt. Für 
„ie Mitglieder der deutschen Kolonie war ein besonderer Raum 
reigehalten. Der Kronprinz, bei dessen Ankunft die Musif 
Heil Dir im Siegerkranz“ spielte, nahan die Vorstellung 
ahlreicher Anwesender entgegen. Als er die Freitreppe hin 
rufschritt, brachte die deutsche Kolonie ein dreifaches Hurra 
us, wofür er erfreut dankte. Ein kleines deutsches Mädchen 
berreichts einen Blumenstrauß. Nachdem der Vizekönig die 
Damen des Hauses vorgestellt hatte, empfing der Kronprinz 
mm Festsaal den Magistrat von Colombo, der eine kunstvoll 
rusgeführte Begrüfßungsadresse überreichte. Heute abend findet 
ein Festbankett statt. 
Der Kronprinz hat heute an die Höse von Bangkok, 
Peling und Tokio Telegramme gesandt, im denen er sein 
ebhaftes Bedauern ausspricht, die geplanten Besuche aufgeben 
u muüssen, 
Neue Erfindung. 
Eberswalde, 3. Febr. Dem Prinszen Heinrich wurde 
gestern auf der radioelektrischen Station der Aktiengesellschaft 
F. Lorenz eine Ersindung des Privatdozenten Dr. Ing. Rudolf 
Foldschmidt von der Technischen Hochschule in Darmstadt vor⸗ 
gefütrt, von der große Fortschritte auf dem Gebiete der 
rahtlosen Telegraphie erwartet werden. Die Ver—⸗ 
uche, wobei ungedämpfte, auf maschinellem Wege heraestellte 
Wellen verwandt wurden, gelangen ausgezeichnet. 
Berlin, 8. Febr. Im Abgeordnetenhaus beurteilt man 
bas Zustandekommen des Lumeburger Naturschutzparkes äuherft 
aunstig, da die Regüerung dem Plane freundlich 
Jegenübersteht. 
Berlin, 3. Febr. Furst Wilthhelm von Sigmaringen 
stiftet bei Einweihung der staatlichen Naturschutzstelle Preußens 
ein Reservat im Böhmer Walde für wissenschaftlichs 
Zwede. 
We Darmstadt, 8. Febr. Die Erste Kammer nahm nach 
unwesentlicher Debatte die Wahlrechtsvorlage und die 
vadurch bedingte Aenderung der Artikel 67 und 785 der Ver— 
fassung und das Gesetz über die Wahlkreiseinteilung einstim— 
mig an. 
Mt. Mannheim 3. Febr. Pringz Seinrich von 
Preußen nahm das Proteltorat über den vom 2. bis 28. Mai 
tattsindenden südwestdeutschen Ueberlandflug an. 
Wt. Paris, 3. Febr. Kammer. Sixte Quenin (ge— 
einigter Sozialist) interpellierte über den Fall des in Algier 
kriegsgerichtlich erschossenen Soldaten Dulery, der einen Ser— 
geanten verwundete. Er protestierte gegen die Kriegsgerichte 
und gegen die bei ihnen übliche Anwendung der Todesstrafe. 
Quenin warf dem Kriegsminister General Brun vor, um die 
Gnade des Präsidenten nicht nachgesucht zu haben. Brun 
antwortete, er habe das Urteil ordnungsmäßig behandelt. 
Die Regierung werde gemän dem Kammerbeschluß in der Reform 
des Kriegsgerichts fortfahren. Darauf wurde die einfache 
Tagesordnung, der General Brun zustimmte, mit 290 gegen 
230 Stimmen angenommen. — 
W. London, 8. Febr. Der König wird am 5„. Febr, 
eine Abordnungder deutschen Geistlichen empfan— 
zen, die zu der von dem Komitee zur Pflege der Freund— 
ichaftsbeziehungen zwischen den Kirchen Englands und Deulsch- 
land. am 6. Februar anberaumten Beratung hier weilen. Die 
Aborbnung wird dem König eine Bibel überreichen, wie sie 
der deutsche Kaiser von der Abordnung englischer Geistlicher 
vor einigen Monaten entgegengenommen hat. 
Wit. Selfingsors, 3. Febr. Der Generalgouverneur eröff— 
iete im Namen des Kaißsers den finnischen Landtadg 
ind begrüßte die Abgeordneten. Nachdem der Vizepräsident des 
Senats die Worte in finnischer Sproche wiederholt hatte, 
—DDDDDD— 
der Generalgouverneur gab die dem Landtage vorzulegenden 
Entwürfe bekannt. 
Wi. Baiavbia, 3. Febr. Wie amtlich gemeldet wird, brachen 
auf der Manggarinsel Billiton von der chnesischen Bevölkerung 
angezettelte Unruhen aus. Truppen wurden dorthin entsandt. 
Wit. Berlin, 3. Febr. Nach hier eingetrosffenen Mel— 
Zuncen ist die Pest entlang der Schantungeisenbahn aufge— 
treten. Die Personenbefsrderung der zweiten und dritten 
Klasse ist zwischen Tsingtau und Tilinansu auf Veranlassung 
»er chinesischen und deutschen Behörden eingestellt. 
Wt. Rremen, 3. Febr. Laut einem Telegramm aus 
Fremantle ist der deutsche Dampfer „Barbarossa“ gestern 
1 Uhr morgens nach Adelaide weitergefahren. Soweit fest 
zustellen ist, verursachte der an Bord ausgebrochene und in— 
wischen gelöschte Brand geringen Schaden. 
Wt. Brale, 3. Jan. Der Oldenburger Lotsen⸗ 
choner „Peter“ ist heute abend vor der Weser infolge 
»ner Kollision gesunken. Ob und wieviel Mann von 
der Besatzung umgekommen sind, ist noch nicht bekannt. 
W. Sannover, 38. Febr. Miit zerschmnettertem Schädel 
tot aufgefunden wurde heute morgen auf der Land— 
traße bei Bennemühlen der Handlungsgehilfe Maibaum aus 
Brelingen. Geld und sonstige Werisachen sehlten. Nach ärzt⸗ 
ichem Bekunden, liegt Raubmord vor. Eine Gerichtskom— 
nission begab sich nach dem Tatorte. 
We Esssen a. d. Ruhr, 3. Febr. Das hiesige Schwur⸗ 
zericht hat im Wiederaufnahmeverfahren des Meineids⸗ 
rozesses gegen Schröder und Genofsen sämt⸗ 
liche Angetlagten freigesprochen. Die Kosten wer⸗ 
den der Staaiskasse auferlegt. 
W. Wiesbaden, 3. Febr. Gestern abend gab der Steuer— 
mann Stürmer bei einem Wortwechsel auf die Pro— 
stit uierte Else Bod vier Revolverschüsse ab und ver— 
wundete sie lebensgefäbrlich. Der Täter er⸗— 
schon sich. 
Rom, 3. Fcbr. Enigegen der Blättermeldung, daß gestern 
in einer Pension in Neapel der an dem Mord in Sounds⸗ 
ditch beteiligte russishe Anarchist genannt Peter der 
Maler verhaftet worden ist, stellen heute mehrere Zeitungen 
sest, daß der Verhaftete nicht mit dem erwähnten 
NVRerbrecher idenfifchist 
hHeer und Flotte. 
W. Berliu, 3. Febr. „Scharnhorst“ ist am 3. Febr. 
in Hongkong eingetroffen. „Nautilus“ ist am 1. Febr. in 
Cuxhaven einaetroffen. 
* 2 24242 
Praktische Erfahrungen mit paritätischen 
und kommunalen Arbeitsnachweisen. 
Sn jseinem im Industrieverein gehaltenen Vortrag über dieses 
Thema führte Herr Thielkow weiter aus: Vor geraumeér Zeit 
zabe ich eine Broschüre mit großem tee über die 
atsächtiche Wirkung der parikätischen Arbeitsnachweise heraus 
gegeben, die von den Genossen wie aber auch von anderen Herren 
ehr angefeindet ist, da sich viele in den paritätischen Verwal⸗ 
ungen sitzende Herren durch meine Ausführungen beleidigt fühlten 
U. a. wurde vom, Kieler paritätischen dit be⸗ 
tritten, daß meine Anzweiflung der Parität des Kieler Arbeits 
nachweises irgendwie berechtigt sei, und doch F8 ich meii 
Zahlenmaterial, aus der von dem Verein deutscher paritätische 
difentlicher Arbeitsnachweise herausgegebenen Aufstellung ent 
nommen. Es bliebe fuͤglich nichts uͤbrig, als diese Zahlen für 
aisch zu, erklären. Wenn man aber solche Gegenbeweise ins 
Feuer jührt dann muß man selbstverständlich sagen, der Mann 
hat recht gehabt. Tas hahe ich denn guch getan. Und ich 
werde Gelegenheit nehmen, die neueren Aufstellungen des er— 
wähnten Verbandes etwas genauer nachzuprüfen. Denn wenn 
man bekämpft wird, ist, man ja leider in die Zwangslage, ge⸗ 
bracht, daß man fich wehren muß. Dann hat ein anderer hoch— 
tehender Herr ein Oberbürgermeister, einen offenen Brief an 
die Sosiale Praxis ergehen lassen, der sich guch mit meiner 
Person beschäftigt und an den Verein Teuticher Arbeitgeher— 
verbände gerichtet war. Aber der Herr Oherbürgermeister hat 
sich leider guch nicht gemüßigt gesehen, eine Entgegnung zu 
schreihen. Aus welchem Grunde das unterblieben,ist, ist bisher 
a bekannt geworden. Wenn aber die Genossen solche Anwälte 
aben. dann muß es aber doch um die Parität in manchen Ver— 
da.tungen wohl etwas flau bestellt sein. Schildern möchte ich 
hnen auch kurz die Zusammensetzung der Verwaltung des 
dolner !Jeßnð Arbeitsnachweises. In ihm sitzen auf seiten 
er Arbeitgeber ein katholischer und ein evangelischer Geist- 
icher, ein Magistratsbegmter und zwei kleine Handwerksmeister;: 
agegen findet man auf, seiten der Arbeitnehmer einen Gewerk- 
chafissektetär der datholischen, der christlichen und der Hirsch.
	        
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