Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

daher die strategische Aufgabe der englischen Flotte in der 
Nordsee. Für die Verwirklichung dieser Aufgabe hat ihr künf⸗ 
tliger Basispunkt Rosith eine ideale zentrale Lage. 
Dem nächstliegenden Kriegsziel englischer Seekriegführung 
freilich der engen Blockade der deutschen Nordseeküste, liegt 
diese Mittelpunktstellung nicht günstig. Rund 150 bis 200 
Seemeilen halten die englischen Fachschriftsteller für die Gren« 
zen der nötigen und möglichen Entfernung zwischen Basisstütz- 
punkt und Blockadelinie. Dem würden selbst die der deutschen 
Küste nächsten zweitklassigen Flottenplätze an Englands Ostküste, 
The Wash und die Humber-Mündung, nicht entsprechen. Daraus 
erklärt sich auch die Notwendigkeit für die englische Flotten- 
eitung, Stützyvunkte für eine Blockade unserer Flußmündungen 
uuf unseren Nordseeinseln zu suchen, ein Bestreben, das jüngst 
wieder in den Verhandlungen des Leipziger Prozesses besonders 
deutlich hervorgetreten ist. Dazu kommen weitere Schwierig- 
eiten dort, wo die Külste des Blociierten eine natürliche Stei— 
zerung aller Defensiowerte mit offensiver Entwickelungsmög- 
ichkeit vereint. Das ist aber an Deutschlands Nordseeküste 
»er Fall. Die rund 60 Seemeilen langen Schenkel ihres 110 
Grad offenen Küstenwinkels werden von der befestigten zentralen 
Weser⸗Elbestellung mit dem nordwestlich 20 Seemeilen vorge⸗ 
chobenen Helgoland beherrscht. Die Sunde und Watten, die 
iavigatorischen Fährnisse wechselnder Strömungen geben ihnen 
eine weitere Verteidigungsstärke. Die Weiterentwickelung der 
IAnterseebootswaffen hat die Lage des Blocierten zweifellos 
erneut erheblich mehr gestärkt als die seines offensiven Gegners. 
Aus diesen Erwägungen scheint der in der englischen Fach⸗ 
iteratur immer mehr behandelte Gedanke der weiten Nordsee⸗ 
lockade entstanden zu sein. Die Lösung auch dieser schwierigen 
Iufgabe, die 250 bis 300 Seemeilen breite schottisch⸗norwegische 
dür zu schließen, erscheint bei einer starken strategischen 
Themse —Rosyth—Scapa Flow⸗Stellung militärisch durchführ⸗ 
»ar. Fraglich jedoch bleibt, welches Endziel den Fürsprechern 
olcher Strategie ohne gleichzeitige Handelsblodade der Nord⸗ 
ee vorschwebt. Die Handelsblockade der ganzen Nordsee wäre 
uber gleichbedeutend mit der Hineinziehung Neutraler in einen 
englischdeutschen Nordseekrieg. Will England das, dann könnte 
es besser, das Nordseeabkommen brechend, unter Ausnutzung 
neutraler dänischer oder holländischer Küstenplätze seine historische 
enge Blockadestrategie neu zur Geltung bringen. Sie würde 
hmuwenigstens die Verletzung der Rechte der aubßerhalb der 
RNordsee ostwärts von ihren Eingängen liegenden Neutralen 
ersparen. 
Nur ein England, das sich zu schwach fühlt; um eine stärkere 
»ffensive Kriegführung zu wagen, wird solche politischen Nach- 
eile in Kauf nehmen wollen. Solange das nicht der Fall 
st, muß trotz der Erörterungen strategischer enger oder weiter 
Nordseeblockadestellungen mit der noch in letzter Zeit in der 
mglischen Presse neu geforderten Strategie, die die gigene 
Basis trotz aller damit verbundenen Gefahren an der Küste 
des Feindes sieht, gerechnet werden. Möglichste Stärke und 
höchste Kriegsbereitschaft der deutschen Seestreitkräfte und der 
zeuischen Nordseebüste ist die einzige Parade dagegen 
Inland und Ausland. 
Deu isches Rosch. 
W. Poͤe Intervellation der sortfchritilichen Vollsparte 
jeir. Aufhebung des Zündwarenfteuergesetzes, die an erster 
Zztelle er Tagesordnung der am 10. Januar stattfindenden 
Zitzung des Reichstages steht, wird, wie die Nordd. Allg. 
3tg. erfährt, sofort beantwortet werden. (Tel.) 
Die Todesstrafe. Im April d. J. wird die Kommission 
ur Aufstellung eines Regierungsentwurfs zum Strafgesetzbuch 
inter Vorsitz des Wirkl. Geh. Rats Dr. Lucas zusammen⸗ 
reten. Im allgemeinen ist die Aufnahme des Vorentwurfs 
eines neuen Strafrechts günstig. Nur an einem Punkte könnte 
noch die Vorlage scheitern. Es ist dies die Frage wegen der 
Beibehaltung der Todesstrafe. Noch sind die Vor⸗ 
zänge auf dem letzten Deutschen Juristentage in Danzig (1910) 
bekanni. Es wurde dort von einigen Mitgliedern die Frage auf⸗ 
geworsen, ob die Todesstrafe im künftigen deutschen Strafgesetz⸗ 
zuch abzuschaffen sei. Daraufhin sind in einem großen Teil 
»er Tagespresse Stimmen zur Geltung gelangt, die die Ab—⸗ 
chaffung der Todesstrafe verlangen. Von um so größerem 
Hewicht ist jetzt eine Enquete, die die Deutsche Juristen⸗Zeitung 
ingeleitet und in ihrer Neujahrsnummer veröffentlicht hat. Im 
Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit hat das juristische Zen⸗ 
ralorgan, nachdem in der öffentlichen Meinung zunächst Stim⸗ 
nen gegen die Todesstrafe sich geltend gemacht haben, nun auch 
jne Anzahl Stimmen zugunsten der Todesstrafe gesammelt. Die 
zuristen⸗Zeitung hat dabei keineswegs nur Juristen, sondern, 
»a es sich um eine ethische, soziale, psychologische und politische 
Frage, also eine allgemeine Kulturfrage, handelt, einige wenige, 
weithin bekannte Männer zu einer Meinungsäußerung veranlaßt, 
»eren Stimmen als Ausdruch der öffentlichen Meinung entschei⸗ 
dend ins Gewicht fallen. Den Anfang der Enquete macht Paul 
Seme; dann folgen Ludwig Fulda, der Staatssekretär a. D. 
Dernkurg, der die Institution des Heeres und der Marine mit 
zer der Todesstrafe in Parallele stellt und hervorhebt, daß, 
wenn es nötig ist, die Nation in ihrer Stellung und ihrem Be⸗— 
land nach außen zu verteidigen, auch geschossen werden muß, so 
lange die Gegner des gleichen Mittels sich bedienen. Es folgen 
Hustav v. Schmoller, Berliner Volkswirtschaftslehrer, v. Wila⸗ 
nmowitz- Möllendorff, der Philologe, Wilhelm Wundt, der 
ksychologe, Ernst Haedel, Erich Schmidt, der Jubiläumsrektor 
»er Berliner Universität — sie alle machen, je nach ihrem 
Wirkungskreise, die sich zugunsten der Todesstrafe ergebenden 
Gründe geltend. Und Männer von überragender juristischer Be—⸗ 
deutung, wie der greise Bekker, Adolf Wach und andere vervoll⸗ 
tändigen dieses Bild und zeigen, daß überragend gewichtige 
Fründe zugunsten der Beibehaltung der Todesstrafe sprechen. 
Wer ist Baron de Mathies?, mit dessen Werk „Wir 
Katholiken und — die Anderen“ sowie die darin enthaltene 
Beleidigung des Königs von Sachsen wir uns wiederholt be— 
chäftigt haben. Die Frage wird in der „Voss. Ztg.“ in 
ner Zuschrift aus Italien beantwortet: „Vor etwa zehn 
Jahren tauchte in Rom in Begleitung einer Tante der 
»reußische Referendar a. D. Paul Mathies auf, 
»er, aus lutherischer, sehr begüterter Hamburger Kaufmanns⸗ 
amilie stammend, sich zum Katholizismus bekehrt hatte und 
ils Schrifisteller unter dem Pseudonym „Ansgar Albin“ ver⸗ 
chiedene katholische Tendenzromane verösfentlicht hatte. 
Dieses und sein Reichtum öffneten ihm in Rom alle Türen, und 
zie Jesuiten, voran der verstorbene Kardinal Steinhuber, 
urren so eifrig in seiner Protektion, daß er beld den päpst⸗ 
iden Baronstitel erhielt. Besonders einflußreich wurde aber 
Mathies nach der Thronbesteigung Pius' X. Die von ihm 
ibernommenen Kolten efnes vatifanischen Hosfonzerts hrachten 
hin auch die ersehnte Ernennung zum Komthur. Baio aber sah 
Utathies, der auch die Geheimkämmererwürde erhalten hatte, 
aß er somit alles erreicht hatte, was man als „Laie“ im 
Zatikan erreichen konnte, und beschloß daher, Priester zu 
verden. Mit päpstliche Dispensation von den theo⸗ 
ogischen Studien vollzog sich die Wandlung in wenigen 
Vochen, und Pius X. beeilte sich, dem Neugeweihten auch 
en Monsignoretitel zu geben. Dann ging Mathies mit seiner 
kante nach Amerika, angeblich, weil er den Beruf zu einer 
ꝛelsorgerischen Tätigkeit in sich fühle. Aber der amerikanische 
zischof, der ihn als Katechet anstellte, war nichts weniger 
ls zufrieden mit dem aunnspruchsvollen Monsignore, und so 
ihrte dieser mit seiner sich ebenso vornehm gebärdenden Tante 
ald nach Rom zurück, wo ihr hochelegantes Haus das Zen— 
rum aller ultraintransigenten Elemente wurde. Insbesondere 
it es der deutsche Protestantismus, welchen Mathies mit echtem 
enegatenfanatismus unablässig angreift und beschimpft. Die 
etzige Aera im Vatikan ist seinem Treiben guünstig, und so 
pird er wohl noch hoch auf der Stufenleiter der Hierarchie em⸗ 
orklimmen, wozu alles andere eben Mittel zum Zweck it“ 
Deste rreich⸗ Ungaru. 
W. Die Nachrichten über das Befinden des Kaisers 
auten andauernd äußerst befriedigend. Der Monarch 
erbrachte eine ungestörte Nacht und erledigte heute vormittag 
„ie Staatsgeschäfte. Zu einer Beunruhigung Über die leichte 
ondisposition, in Schnupfen mit leichter Kehlkopfreizung be— 
iehend, liegt nicht der gerinaste Anlaß vor. (Tel.) 
Zürkei. 
W. Den Konstantinopeler Blättern zufolge bestellte das 
Narineministerium bei englischen Werften zehn Kanonen⸗ 
»od te, von denen acht für den Perfischen Golf und zwei für 
iie albanesische Küfte bestimmt sind. Demnächst erfolgt die 
lusschreibung einer Offerte für den Bau von dreißig 
deineren Kanonenbooten, die zur Ueberwachung der 
Küsten des Roten Meeres dienen sollen. (Tel.) 
Spamien. 
W. Der Madrider Imparcial meldet aus Vigo: Die Be— 
sörden von Monsao an der portugiesischen Grenze beschlag⸗ 
rahmten zwei Automobile mit Gewehren, die in 
zantugiesisches Gebiet zu kommen versuchten. Die Garnison Va— 
enta Dominho wurde auf Befehl der Regierung konsigniert und 
nält sich zum Abmarsch bereit. (Tel.) 
Portugal. 
Zu den einander widersprechenden Nachrichten aus Portugal 
erklärt der Marquis de Lavradio: „Die Lage in Portu⸗ 
ral ist auf alle Fälle ernst. Das Volk ist unzufrieden 
nd eine dauernde Spannung läßt für die Zukunft nichts Gutes 
hnen. Das Land ist seit der Revolution vom November nicht 
ur Ruhe gekommen. Die Revolution kam überraschend, viel⸗ 
eicht zu früh und hat dem Lande nicht das gebracht, was es 
von einer so schwerwiegenden Umwälzung erwartete. Daher 
st es unzufrieden.“ 
Das Direktortum der Jakobiner⸗Partei, an dessen Spitze 
der Marine⸗Offizier Santos steht, strebt eine Reorgani- 
ation der Zentralgewalt an, deren bisheriges La—⸗ 
ieren mit unzuverlässigen Elementen der Bourgeoisie eine Gefahr 
ür die Republik bedeute. In erster Linie wendet sich die Kritik 
es Direktoriums gegen den Präsidenten Braga, dem 
e Eigenschaften für seinen Posten abgesprochen werden. Dazu 
omme seine sprichwörtliche Zerstreutheit. Es wäre nach Ansicht 
es Direktoriums zunächst nicht notwendig, Braga zu ersetzen, bis 
ur Einberufung der Cortes könne man sich mit einem geschäfts⸗ 
hrenden Leiter begnügen. Dringend notwendig aber sei, daß 
»ie Ministerien der Justiz und des Innern sofort mit eneragischen 
Renublikanern besetzt würden. 
Großbritannien 
Hollands Verteidigungspläne lassen England nicht ruhen. 
zo ktommt der Daily Graphic auf die geplanten Befestigungs⸗ 
derke zurück, indem er schreibt: „Man ist in Holland darüber 
rregt, daß die Befestigungen, vor allem die von Vlissingen, in 
england und in Belgien nicht gern gesehen werden. Es ist jedoch 
tatsache. daß die neuen Werke Belgiens Unabhängigkeit be⸗ 
„rohen und infolgedessen England als Garantiemacht der belgi⸗ 
chen Neutralität zum Einschreiten gezwungen wird. Die holländi— 
he Regierung würde besser iun, die Schwierigkeit der Lage anzu⸗ 
rkennen, als entrüstet zu erklären. sie könne im eigenen Hause 
nachen, was sie wolle.“ 
Die Daily Mail bringt die seltsame Geschichte von einer 
jeutsch⸗russisch ijapanischen Verschwörung zur Aufteilung 
Lhinas. Es heißt darin u. a.: Wenn in China die Sturm⸗ 
locke der Revolution läutet, wird es sich zeigen, daß Deutsch⸗ 
and, Rußland und Japan ein geheimes Bündnis 
ibgeschlossen haben, um das Reich der Mitte aufzuteilen. Dieses 
ßerücht hat Glauben bei vielen Leuten gefunden. Die Aus—⸗ 
bättigen Aemter Englands und Frankreichs wissen nichts von 
em Abkommen und halten es für eine absurde Erfindung. Nun 
ersichert das Blatt trotzdem, daß der Ursprung des Gerüchts 
uf die Zusammenkunft des Deutschen Kaisers mit dem 
zaren in Potsdam zurücdzuführen sei, und greift dann 
uf die Zeit zurück, als der amerikanische Staatssekretär Knox 
urch seinen Vorschlag, die chinesischen Bahnen zu interna⸗ 
onalisieren, eine Verständigung zwischen Japan und Rußland 
eschleunigen wollte. Hier setzte das Gerücht mit der Be— 
auptung ein, dah damals schon Deutschland als Dritter in 
iesent Bunde aufgenommen worden wäre, dessen Endzweck die 
lufteilung Chinas set. Natürlich ist alles Erfindung, ver⸗ 
chert die Dailn Mail, aber es lohnt sich doch der Mühe, Deutsch⸗ 
inds schwarze Pläne nachzuweisen. Diese werden dann in einem 
eitartikel weiter besprochen. Hier tritt der Aerger über die Mit⸗ 
eilungen jenes liberalen Blattes zutage, das die Triple-⸗Entente 
in Möäörchen nannte. Diese Darlegungen haben in Frankreich 
ehr verstimmt, und dasür muß Deutschland büßen. Daher 
tiammt die ganze Nachricht von der Aufteilung Chinas durch die 
rei Machte 
Honduras. 
Der srähero Präsident Bonilla landete in der 
dähe von Puerto Cortis und protlamierte sich selbist 
um konstitutionellen Präsidenten von Honduras. Es 
oird jeden Augenblick ein komvinierter Angriff zu Land 
ind See auf Puerto Cortis erwartet. Der Dampfer „Hornet“ 
t bereit, die Stadt zu beschiehen, falls sie sich nicht ergibt. Der 
dampfer ist vor kurzem von New⸗Orleans nach Nikaragua ge⸗ 
ahren. Der Gesandte von Honduras in Washington erhob 
eim Staatsdepartement vorläufig Protest dagegen, daß das 
ztaatsdepartement die Erlaubnis zur Absahrt des Dampfers 
egeben habe. Dies wird damit begründet, dah das Fahrzeug 
u einer revolutionären Unternehmung gegen die Regierung von 
onduras Verwendung fsinde Tel.) 
heer und Flotte. 
W. Trauerseier für den verewigtlen Major Dominik. Gester 
»ormittag 10 Uhr fand im Schuppen 264 am Vetersenka 
n Samburg für den auf der Heimreise verstorbenen frühere 
rührer der Schutztruppen, Major Dominik, dessen Leiche mi— 
em Dampfer ,Eleonore Woermann“ hier eingetroffen ist, eine 
Lrauerfeier statt. Der Senat war durch Senatssekretär Hage 
orn vertreten. Anwesend waren ferner Vertreter der Kolo 
nialgesellschaft in Hamburg, der Geographischen Gesellschaft 
hertreter der Barnison Hamburg und Altona, außerdem Ver. 
reter der Fairmen. die von Hamburg aus mit Afrika ar 
eiten. Die 76er hatten eine Ehrenkonpagnie gestellt. Pro 
essor Pafssarge hielt im Ramen ver Kolonialgeselischaft 
n Hamburg eine Gedächtnisrede, in der er die Ver 
dienste des Verstorbenen hervorhob. Dann sprach Herr Alfret 
Stürken als Vertreter des Vereins westafrikanischer Kaufleute 
Er dankte dem Verstorbenen ür den Nuten, den seine Taälig 
eit dem westafrikanischen Handel gebracht habe. Dr. Friedrich 
en sprach im Auftrage der Geographischen Gesellschaft, fernen 
sauptpastor Dr. Bröcker, der das Leben und den Werdegang 
des Verstorbenen und seine Verdienste, die er sich um die Sach 
»es Vaterlandes erworben hat, schilderte und sodann die Ein 
segnung vornahm. Eine Abteilung der 76er brachte den Sarg 
unter Vorantragung der Orden und Ehrenzeichen und unter 
»en Klängen „Wie sie so sanft ruhen“ auf den Eisenbahn— 
vagen, der um 10 Uhr 58 Minuten nach Schöneberg abging. 
— Unter den zahlreichen Kranzspenden bemerkte man einen 
rrohen Lorbeerkranz vom Senat, ferner von der Woermann— 
Ainie, vom Verein westafrikanischer Kaufleute, vom Grenadier— 
kegiment Prinz Karl von Preuhßen Nr. 2, von der Firma 
Ruete E Co., von der Vereinigung afrikanischer Freunde, vom 
hamburger Kolonialinstitut, dom Offizierkorps des 1. See— 
bataillons und der Firma Pagenstecher KCo. Cel.) 
W. Berlin, 38. Jan. „Victoria Luise“ ist am 2. Jan. in 
Syrakus eingetroffen und geht am 16. Januar von dort nach 
Catania. Das Flußkanonenboot „Tsingtou“ ist am 2. Jan 
on Canton nach Honakond gegangen 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
W. Berlin, 3. Jan. Der hessische Gesandte Freihber— 
von Gagern ist heute gestorben. 
We Berlin, 3. Jan. Der Reichsanzeiger meldet die Ver—⸗ 
eihung des persönlichen Ranges eines Rats Erster Klasie 
ain Gouverneur Dr. Sols. 
Wt. Berliun, 83. Jan. Dem Vernehmen nach tritt Dr. 
Mosler am 1. April als Geschäftsinhaber in die Direktion 
der Diskontogesellschaft ein. 
Wt. Berlin, 3. Jan. Die Berliner Korrespondenz be— 
zeichnet es als erwünscht, daß die Stadtverwaltungen ihre 
Steuersahlstellen in den Postscheckkverkehr einbe— 
iiehen, damit die Inhaber von Postscheckkonten die Steuern 
auf das Konto der Steuerzahlstelle überweisen lassen und 
zie übrigen Steuerzahler die Steuern mit der Zahlkarte am 
Postschalter zahlen können. Zur Erleichterung für die Postscheck 
konteninhaber ist solgendes Verfahren eingeführt: Die Steuer— 
zahlstelle teilt dem Postschechamt die zu den Fälligkeitsterminen 
abzuschre ibenden Beträge mit, das Postscheckamt belastet die 
stonten der einzelnen Steuerzahler, die vorher schrisftlich sich 
amit einverstanden erklärt haben müssen und übersendet die 
Zettel den Teilnehmern mit dem nächsten Kontoauszuge. Die 
abgebuchten Beträge werden dem Konto der Steuerzahlitolle 
in einer Summe gutgeschrieben. 
We Stuttgart, 3. Jan. Der Staatsanzeiger meldet: Der 
Rönig verlieh Staatssekretär v. Tirpitz das Großkreuz des 
Drdens der württembergischen Krone und dem Chef des 
Marinekabinetts das Großkreuz des Friedrichsordeus 
nit der Krone. — Zum Prasidenten der Ersten Kam— 
mer während der nächsten Landtagsperiode ernannte der Könia 
den Fürsten v. Hohenlohe-Bartenstein-Jagstburg. 
Wt. Wien, 3. Jan. Da der Kaiser dem großen Hof— 
zall beiwohnen will, andererseits die Sprechorgane noch einiger 
Schonung bedürfen, findet der am 10. Januar anberaumi- 
dofball am 16. Januar statt. 
Wwe Rom, 3. Jan. Popolo Romano schreibt zu dem 
Artikel der Nordd. Allg. Ztg. er schließe sich der Ansicht der 
NRordd. Allg. Z3tg. völlig an, wenn diese betone, wie die 
Bedeutung des Dreibundes in der öffentlichen Mei— 
iung so sehr befestigt sei, daß nicht nur bei den verbündeten 
Nationen, sondern in der ganzen Welt jeder Zweifel an dem 
Zwech, der Aufrechterhaltung des Friedens, ausgeschlossen sei 
ind daß gerade der friedliche Charakter des Dreibundes es 
eder der Dreibundmächte gestatte. mit den Mächten ander⸗ 
Mächtegruppen freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. 
Wt. Lissabon, 3. Jan. Das Amitsblatt veröffentlicht 
rinen Regierungserlah, daß der Staatsvertrag zwischen Italien 
und Portugal über die Rente für Maria Pia erst 
iach dem Zusammentritt des portugiesischen Parlaments ab— 
schließbar ist. Einstweilen sollen der Königin-Wiiwe maöonatlik 
zwei Kontos Reis dezahlt merden. 
Filchners antarktischhe Erpedition. 
Wt. Berlin, 3. Jan. Unter dem Vorsitz des Prinzen 
zeinrich konstituierts sich im Generalstabsgebäude der Ar— 
eitsausschuß für die deutsche antarltische Expedition des Ober— 
eutnants Filchner. Der Prinz führte aus, es sei eine Freude, 
roch Männer zu finden, die bereit sind, für eine Idee ihre 
zaut zu Markte zu tragen bezw. Opfer für diese Idee zu 
jringen. Die Persönlichkeit des Führers der Expeditionsteil— 
nehmer bürge für einen Erfolg. In den Arbeiitsausschuß. 
vurde außer Filchner u. a. der banerische Gesandte Gras 
Lerchenfeld gewaͤhlt. J 
Nach dem heute entwickelten Pian des Oberleutnants Filch— 
ier soll das Schiff „Deutschland“ der antarktischen Expedition 
m kommenden Frühjahr die Heimat verlassen und zunächst 
iach Buenos Aires gehen. Von dort soll die Expedition Anfang 
»es Südsommers über Südgeorgien und den Sandwissinseln 
n den Weddelsee vorstohen. Auf der Ostseite des Weddel— 
ees in Coastland soll eine Basisstation für wissenschaftliche 
Arbeiten errichtet werden und als Ausgangspunkt für die 
Schlittenexpeditionen ins Innere dienen. Ein gröberer 
Schlittenvorstoß soll von vier Mann der Stationsbesatzung im 
Sommer 1812/13 in das Innere des Südpolarkontingents un— 
sernommen werden. Für diesen Fall kehrt das Schiff zur Vor—⸗ 
sahme von Küstenuntersuchungen und ozeanographischen Ar— 
deiten nach dem Atlantischen Ozean zurück. Für die Schlitten⸗ 
teise wird die Expedition nach dem Beispiel Shakletons fich man⸗ 
surischer Porys bedienen. Als neuestes Transvortmittel treten 
Rroftfabrzeudge dau—
	        
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