Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

fursorge der Fall. Auch der Senatsausscutß fur Gewer be⸗ 
nndVersicherungswesen habe mitgeteilt, dah der Geneh— 
migung der Ausbreitung der Kasse wohl nichts im Wege— 
stehen werde. Endlich sei noch mit den Gemeinden Vorwerk 
nb Siems-Danischburg ein Vertrag über die Neuregelung der 
Verhältnisse geschlossen worden. 
ANus der nun folgenden Aussprache ist hervorzuheben. daß 
angefragt wurde, ob es richtig sei, daß die Vorwerker Bauern 
ich von dem Anschluß an die Drtskrankenkasse ausgeschlossen 
haätten. Darauf erwiderte Herr Inspektor Ob erländer, das 
dies unzutreffend sei. Nur Knechte und Dienstmã dchen würden 
nach wie vor in der Gemeindekrankenkasse verbleiben, weil 
sie der Gesindeordnung unterständen und nicht der Gewerbe⸗ 
rdnung. Sodann wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, 
daß die Aerzte nach Ablauf eines Jahres mit Mehrforderungen 
n' die Kasse treten würden, was man ihnen bei der Aus— 
dehnung der Kasse auf die Landgebiete auch nicht verübeln 
rönne. Auch müßten die Verhältnisse in Siems⸗ Dãnijchhurg 
boch wohl recht ungefunde sein, da sonst eine Krankenkasse 
dort hätie müssen bestehen können. Auch hieraus wer de der 
Sriskrantenkasse möglicherweise ein Nachteil erwachsen können. 
Dlese Bedenten wurden jedoch vom Vorstande als unbegründet 
ertlart. Ferner wurde die Frage aufgeworfen. ob es nicht 
möglich sei, den Bezirk der Ortskrankenkasse auf das ganzo 
Slcalagebiet duszudehnen. Darauf wurde pom Vorstande 
Auͤgeonet, daß sich das im Augenblick nicht übersehen lasse. 
Der Kafsenvorstand habe bei früheren Verhandlungen versucht, 
der Kasse einen möglichst großen Bezirk zu geben. Das sei 
aber an dem Widerstand der Gemeindevorstände gescheitert. 
Weiter wurde angeregt, ob es nicht möglich sei, langfristigere 
Veriraäge mit den WMerzten abzuschließen, und nicht die 
Moglichkeit vorliege, eventuelle Mehrforderungen der Aerzte 
auf die Gemeinden abzuwälzen. Seitens des Vorstandes wur de 
erwidert, daß er natürlich versucht habe, mit den Aerzten 
Verträge auf längere Zeit abzuschließen, was die Aerzte aber 
abgelehnt hätten, da sie sich im Hinblick auf die Reichs- 
versicherungsordnung die Hände möglichst frei halten wollten. 
Uebrigens sei eine Mehrausgabe an Aerztehonorar aus der 
Ausdehnung des Kassengebietes nicht zu erwarten, da mehr 
als die Hälfte der in Frage kommenden Arbeiter schon jetzt 
m Kassenbezirk wohnten. Endlich komme hinzu, daß das 
Stadt- und Landamt in allerneuester Zeit erklärt habe, daß 
die Eingemeindung von Vorwerk und Siems-Dänischburg noch 
in diesem Jahre zustande kommen werde. Hierauf wurde der 
Antrag des Vorstandes auf Ausdehnung des Kassenbezirkes 
auf die beiden obengenannten Orte einstimmig ange— 
nommen. * * 
Das gleiche geschah mit verschiedenen Aenderungen der 
Satzungen der Kasse, die teils durch die Ausdehnung des 
Kassenbezirks erforderlich geworden sind, teils das festlegen, 
was bisher hinsichtlich der Aufnahme der Mitglieder bereits 
üblich war und tkeils eine Uebereinstimmung mit dem Invaliden⸗ 
bersicherungsgesetz herbeiführen. 
Genehmigt wurde auch der Antrag des Vorstandes auf 
Erhöhung der Herrn Inspektor Oberländer für die Führung 
der Kassengeschäfte gewährten Vergütung von 1000 Mauf 
1500 M, damit er mit den staatlichen Beamten, mit denen 
r bisher im Gehalt gleichgestanden habe, auch ferner aleich— 
gestellt bleiben werde. 
Zum Schluß wurde aus der Versammlung bemängelt, daß 
»er Kassenvorstand einem Beschluß der letzten Generalversamm- 
lung, eine Versammluͤng zwecks Stellungnahme zur Reichsver⸗ 
iche rungsordnung zu verqnstalten, nicht nachgekommen sei, son⸗ 
dern diese Versammlung von den Arbeitnehmerbeisitzern des Vor— 
sandes und dem, Gewerhschaftskartell habe abgehalten werden 
müssen. Darauf wurde seitens des Vorstandes erwidert, daß 
kein Beschluß, sondern nur ein Ersuchen der Generalversammlung 
borgelegen habe und die Arbeitgeberbeisitzer des Vorstandes 
die Einberufung der Versammlung abgelehnt hätten. 
— —— — 
Die Auslegung einer zwelien Tonne an der Südost⸗ 
Ae von Staberhuk wird der Nautische Verein zu Lübeck 
uf dem III. Deutschen Seeschiffahrtstage beantragen, und 
war in folgender Form: „Der Deutsche Seeschiffahrtstag 
wolle die Reichsregierung ersuchen, daß baldigst an der 
Südostecke von Staberhuk etwa in der Richtung N. z. 
). d Sml. Abstand von der jetzigen Staberhuktonne an 
ser 10 meGrenze eine zweite Tonne ausgelegt 
werde“. — In der Begraündung des Antrages wird 
usgeführt: Die steinigen Gründe vor der Südostecke von 
ztaberhuk auf Fehmarn lind durch eine Tonne bezeich— 
et, die in der Richtung 80., 0,35 Sml. 648 m vom 
zand entfernt liegt. Diese Tonne befindet sich ganz hart 
m Ausläuser der unreinen, steinigen Gründe; die geringste 
ztromversetzung genügt, um die Fahrzeuge in Gefahr zu 
ringen, hier auf Grund zu stoßen. Das ist bei dem 
egen Schiffsverkehr an dieser Stelle als ein erheblicher 
mangel zu bezeichnen. Mit dem Lot sind die Steine des Grundes 
chwer zu finden. Bei unsichtigem Wetter und stärkerer Strom— 
»ersetzung landwärts tritt der Aebelstand besonders hervor. 
Zoweit festzustellen, sind seit dem Jahre 1893 nachfolgende 
S„trandungen bei Staberhuk bezw. in der Nähe von Staberhur 
orgekommen: 10. Nov. 1893 deutsches Schiff, Gloria“ hinter 
Heeschendorf, 30. Nov. 1806 schwedischer Schoner Oiga“ da⸗— 
»Bst, 2 April 1887 schwedisches Schiff „Irene“, Staberhut, 
Odht. 1900 holländische Tialk Emmaoud“, Staberhuk, 
. Maärz 1901 schwedische Schaluppe „Soan'“, Staberhuk, 
8. Olt. 1001 schwedische Bark Ine“, Staberhuk, 21. Dez. 
g0ol deutscher Ever, Delphin“, Katharinenhof, 16. Sept. 1908 
hwedische Brigg, Hinrich Moll“, Staberhuk, 14. Nov. 1009 
qhwedische Bark, John“, westlich von Staberhuk, 14. Rov. 
g09 finnischer Schoner „Suonia“, westlich von Staberhuk. Daß 
as Riff eine zu große Ausdehnung hat, um durch ein See— 
eichen genügend gekennzeichnet zu werden, macht sich auch bei 
en sährlichen Kaiser⸗Regatten bemerkbar. In früheren Jahren 
ind 3. B. bei den Regalten von Kiel nach Trabemande die 
Jacht „Carina“ und andere Jachten unmittabe hinter der 
Staberhuktonne aufgelaufen. Noch im lehten Jahre peruhrte 
die „Germania“ hinter der Tonne den Grund und mußie einer 
Bodenbesichtigung unterzogen werden Zur Beseitigung der Ge 
ahr dürfte es aem prattischsten fein, eiwa in vder Richtins 
P. z. Q. von der Staberhukionne, Su. Abstand aufder 
lO m·Grenze eine zwe ite Boje auszulegen. Doe— ist das min⸗ 
deste, was gefordert werden muß.“ 
2 Der Verein Suͤrtertor⸗Marli hielt Mittwoch in der 
SHoffnung“ seine erste Hauptversammlung ab, die sehr zn 
ʒesucht war. Wie der Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Gr ube, 
mitteilte. zahlt der junge Verein bereils 286 Mitglieder; auch 
die Kassenverhaltnisse sind gute: trotz einer Ausgabe von 
02. Miist ein Barbestand von eiwa 220 Mvorhanben. 3— 
mnebreren Sitzungen bat der Vorstand bereits das vorlsäufige 
Arbeilsprogramm festgelegt. Wie der Vorsitzende hierüber 
* Iah der Eingabe des Vereins betr. die Beibe hal⸗ 
ung des Abonnements auf der Marlibahn auch alle an— 
deren Lübecher Kommumalvereine beigetreten. Es sei zu 
hoffen, daß die gemeinsame Eingabe Berũdsichtigung finde. 
Mit dieser Eingabe habe der Verein gleich ein anderes Ge⸗ 
uch bdetr. die Einführung des 6-Minuten-Verkehrs auf der 
Marlibahn verknüpft. Eine weitere Eingabe betreffe die elek⸗ 
rische Bahnverbindung Marli—Roedstraße. An die Ver— 
zaltungsbehörde hat man sich schließlich mit einem Gesuch 
m Wasserversorgung des Gebietes der Laubenkolonien ge⸗ 
»andt. Die Angelegenhett mit der Wakenitzfähre sei noch 
icht zum Abschluß gekommen; jiedenfalls könne der Zustand, 
oie er heute bestehe, nicht mehr von Dauer sein. Nach dem 
chließlich noch auf die Legung eines elektrischen Kabels durch 
ie Falkenstraße, die in etwa 4 Wochen vor sich gehen soll, 
aufmerksam gemacht war, ergriff Herr Professor Dr. Grube 
das Wort zu dem angekündigten Vortrage „Gedanken über 
ie weitere Entwicklung der Vorstadt“. Wie der Referent 
inleitend bemerkte, solle der ganz allgemein gehaltene Vor⸗ 
rag dazu dienen, die Ziele des Vereins, die zu verfolgen 
eien, klar zu legen und hieran aug einige Phantasiebilder 
u knüpfen. Zunächst erwähnte er die starke Bevölkerungs⸗ 
unahme, die Lübeck seit den letzten zwei Jahrzehnten auf—⸗ 
uweisen habe. Naturgemäß vergröhßerten sich nur die Vor— 
tädte; und es würde eine Zeit kommen, wo die vüxtertor⸗ 
ind Marli⸗-Vorstadt sich über das jetzt abgesteckte Gebiet 
sinaus ausdehnen werde. Redner griff dann auf die schon 
eäußerten Wünsche einer besseren Bahnverbindung mit der 
5tadt und dem Hauptbahnhof sowie den anderen Vorstädten 
Atück. Weiter betonte er, daß die Naturschönheiten des 
Bakenitzgebietes unbedingt zu schützen und zu erhalten seien. 
herschiedene Straßenzüge müßten ausgebaut werden. Die 
zrage der Wakenitzfähre sei unbedingt im Auge zu behalten. 
— Die folgende Aussprache gestaltete sich sehr rege. Außer 
zen schon von dem Referenten vorgebrachten Wünschen wurden 
wus der Versammlung noch verschiedene andere Angelegen⸗ 
jeiten zur Sprache gebracht. Besonders geklagt wurde über 
ie mißlichen postalischen Verhältnisse in der Vorstadt. Der 
Zriefkasten an der „Fortuna“ würde z. B. abends das 
etztemal um 7854 Uhr geleert und die Kästen um Marli 
ereits um 754 Ahr; die erste Briefabholung finde 'aber erst 
in 454 Uhr morgens statt. Auch zwischen den einzelnen 
'eerungszeiten der Kästen liege eine viel zu große Frist. 
der rege Verkehr mit Hamburg hätte hierunter am meisten zu 
eiden. Man wünschte eine Posthilfstelle in der Vor⸗ 
tadt. Bezüglich des geäußerten Wunsches einer Normaluhr 
will sich der Vorstand zunächst hei den anderen Vorstadtver— 
inen über deren Erfahrungen mit einer derartigen Ahr er— 
iundigen. Hingewiesen wurde schließlich noch auf die am 
l. Febr. eintretende Umsteigeberechtigung auf der Straßenbahn 
an der Ecke der Sürstrahße nach dem Kohlmarkt (bis zum 
Bahnhof). 
O Vortragsabend des Vereins zur Fürsorge für entasseneGe— 
angene und sittlich Verwahrloste. Gestern abend fand in der 
hemeinnützigen Gesellschaft ein Vortragsabend statt, in welchem 
das Thema Jugendfürsorge von den verschiedensten Gesichts— 
unkten aus erörtert wurde. Es reserierte Herr Asseshor Dr. 
Storck über die Organisation der öffentlichen 
Jugendfürsorge. Anschließend sprachen: Fräulein 
Martha Rösing über Jugendfürsorge und Kost— 
inderschutz, Serr Amtsrichter Schlachtberger über 
Jugendfürsorge und Jugendgericht, Serr Pastor 
hecker über Jugendfürsorge und Z3wangser— 
ziehung, und Herr Rat Dr. Link über Jugendfür— 
'orge und Berufsvormundschaft. Die Art, in wel— 
her die einzelnen Referenten ihre Ausführungen gegenseitig 
ergänzlen. war äußerst fruchtbringend und gab eine sehr 
nündliche Beleuchtung über soziale Reformbestrebungen, die 
nich in Lübeck neuerdings kräftig eingesetzt haben. Diese 
vollen in ihrem Kernpunkt eine Zentralisation der freien 
Fürsorge und die Berufsvormundschaft anstreben. Eine Vor— 
age, die dieses Gebiet gesetzlich regeln soll, fehlt bis jetzt in 
zübech, jedoch ist sie in nicht zu ferner Zeit zu erwarten. 
Sinsichtlich der Drganisationsfrage wurde der Wunsch ge— 
iuhßert, daß Armenpflege und Jugendfürsorge möglichst nicht 
niteinander verquickt werden mönten. 
Ueber Lübed schreibt Fedor Freund in seiner Einfüh— 
rungsbroschüre in die „Internationale Ausstellung 
ür Reise und Fremdenverkehr in Berlin“ vom 
April bis zum 20. Juni 1911 folgendermaßen: An der Ost— 
ee hat Lübed als wichtigster Verkehrsplaßz das Beispiel Ham— 
»urgas nachgeahmt. Von hier strahlen die Schiffsverbin— 
ungen nach Dänemark, Schweden, Finnland und Rußland 
lus, und wer sie benutzt, sollte nicht verabsäumen, die 
ünstige Gelegenheit einer Besichtigung Lübecs anzureihen. 
die alte Architektur dieser Stadt weist hervorragende Werke 
ergangener Kunstepochen auf, und die Signatiur Lübecks 
rückt sich in der geglückten Vereinigung der Pflege der 
cradition mit den Erfordernissen des modernen Lebens 
us. Das Ueberbleibsel der alten Wallanlage, Holstenkor 
neheißen, ist mit seinen dickbäuchigen, runden Türmen eine 
ieminiszenz aus der Kampfzeit Lübecks, während die vornehme 
hͤotik des Rathauses mit seinem von Gemutlichkeit durche 
auchten Weinkeller die Höhe der künstlerischen Entwick- 
ung der alten Stadt bezeichnet. Abwechslungsreiche Bilder 
bieten die hohen spitztürmigen Kirchen und die schmalen, 
zunt nebeneinander gereihten Speicher und Patrizierhäuser 
aim Bafen. Hier möchte man noch heute als malerische 
krgänzung einen schlanken Dreimaster oder eine schmuge 
brigg vorziehen. Die Verbindung mit dem Meere wird 
urch die Trave vermittelt, die sich zuweilen zu größeren 
Zeen ausbuchtet, und an deren Ufern waldreiches Huͤgel⸗ 
and, düstere Moore and heitere, durch Knids geteilte 
Feider an uns vorbeiziehen. Da, wo die Trave das 
Meer küßt, liegt Travemünde, das sich gaus einem Fischer. 
tädtchen mit kleinem Seehafen zu einem ftarbbesuchten Bade— 
»xt mit allem Komfort der Großstadt emporgeschwungen 
at. Auf der Internationalen Ausstellung für Reise⸗ und 
Fremdenverkehr werden die auhhitektonischen umd kunstoe— 
verblichen Schätze Lübecks, seine malerischen Straßen und 
höfe sowie die landschaftlichen Schönhetten deiner Umgebung 
zu ansprechender Geltung gebracht werden. 
* Gewerbegesellschaft. Mittwoch abend hielt in der Bau⸗ 
hütte Herr Hilfsbibliothekar H. Woblert über „Deeckes 
Ldübedische Geschichten und Sagen' einen intereffan— 
len Vortrag. In überaus verständnisvoller Weise besprach 
der Vortragende nacheinander die Orts⸗,, Wandersagen und 
sum Schluß die geschichtlichen Sagen. Eine Anzahl aus dem 
Deedeschen Geschichtenbuch vorgetragener Sagen fanden leb 
jaftes Interesse 
Seinen Verletzungen erlegen ist im hiesigen Krankenhauss 
der 77 Jahre alte Rentier Eduard Drexel aus Mölln, der 
in der Nacht zum 10. Jan. aus dem Fenster seiner in der 
ersten Etage belegenen Wohnung in Mölln auf den gepflafter⸗ 
den Hof binunterstürzte. 
— M222O — 
Bb. Vortrãge der Oberschulbehörde. Am 4.3 11. 18. v 
25. Febr. wird in der Aula des Johanneums der in den 
Kreisen der deutschen Turnerschaft allgemein bekannte Turn⸗ 
inspekltor Moeller⸗Altona seine Vorträge über; Moderne Strö— 
mungen im Turnwesen'“ halten. 
b. Oeffentliche Trinkerfürsorgestelle Lübeck (Parade Nr. 1). 
Die Sprechstunde fällt Kaisers Geburtstag wegen in dieser 
Woche aus. * 
— — — ——7 — — — 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
W. Berlin. 25. Jan. Der Leiter des Berliner Armen⸗ 
wesens Münsterberg ist geltorben. 
Hamburg, 25. Jan. Der Käufer des Bades Seili— 
gendamm, Adolf Glüuenstein aus Hamburg, ist ein 
in der hiesigen Geschäftswelt sehr angesehener Mann. Er 
ist Aufsichtsratsmitglied mehrerer großer Altiengesellschaften 
und u. a. Vorsitzender der Aktiengesellschaft Konventgarten. 
kEr hat mit drei Hamburger Herren zusammen das Bad 
Heiligendamm gekauft und ist selbst mit großen Kapitalien 
daran beteiligt. Die neuen Besitzer des Bades haben 
ganz besondere Absichten mit Heiligendamm vor, über die 
wer noch nichts verlautet. Es steht ein großes Kapital' 
zinter den vier Herren. Die anderen drei Käuser, deren 
Namen nicht genannt werden, zählen zu den kapitalkrästigsten 
Leuten Hamburgs. Eine hiesige Bank ist nicht an der Sache 
beteiligt. 
W. Bremen, 25. Jan. Der Dampfer „Schles wig“ 
des Norddeutschen Lloyd, welcher die neue Dampferlinie 
von Genua über Tunis und Syrakus nach Alexandrien 
und zurück eröffnet, traf am Montag zum eritenmal 
in Bizerta (Tunis) ein und landete eine größere 
Anzahl Passagiere. Dem Dampferwurde in Anwesenheit 
von Vertretern der Behörden uswp. ein großartiger 
Empfang bereitet. Nach etwa fünfstündigem Auf—- 
enthalt setzte der Dampfer „.Schleswia“ die Fabrt nach 
Syrakus fort. 
W. Hannover, 25. Jan. Die Studentenschaft der 
Tierärztlichen Hochschule beschloß in einer heute nachmittag 
wWgehaltenen Versammlung einstimmig, am Donnerstag die 
Vorlesungen und Aebungen an der Hochschule wie der 
zu vesuchen. Deer Streitk wurde als beendet 
erklärt. 
Franukfurt a. Mii., 26. Jan. Der Kommandeur des 
Infanterie-Regiments Nr. 81, Prinz Friedrich Karl voun 
Hessen, der Schwager des Kaisers, hat vor kurzem sein 
Abschiedsgesuch eingereicht. das ießt genehmigt 
worden ist. 
d. München, 285. Jan. Unser Münchener Kor— 
espondent telegraphiert uns: Der Dresdner Ur— 
rufführung des „Rosenkavaliers“ siellten sich im letzten 
Augenblick infolge der Erkrankung des Darstellers der Haupt— 
tolle, des Ochs auf Lerchenau, große Schwierigkeiten entgegen, 
vie im telegraphischen Wege dadurch behoben wurden, daß 
auf besonderen Wunsch des Komponisten der Münchener Kammer— 
änger Bender nach Dresden berufen wurde, um an Stelle des 
erkrankten Dresdner Kammersängers den Ochs auf Lerchenau 
zu singen. Der Generalintendant der Münchener Hofoper hat 
ich erst nach Längerem Zögern und nur mit Rücksicht auf Richard. 
Strauß entschlossen, Bender für die Dresdner Uraufführung freizu—⸗ 
geben. 
Das Verhängnis scheint auch über der Münchener 
Eritaufführung zu walten, denn beide Verireterinnen 
der weiblichen Hauptrolle, der Marschallin, haben heute Krank—⸗ 
zeitsatteste eingereicht, Frl. Faßbender auf 8 Tage und Frau 
Matzenauer auf 4 Wochen. Die Erstaufführung ist wohl von 
der Intendanz auf den 1. Febr. angesetzt, aber es ist mehr als 
fraglich, ob dieser Termin eingehalten werden kann. Die In— 
cendanz hat für die Münchener Erstaufführung die Preise 
der Plätze um mehr als das Treifache erhöht. Es könnte, 
falls die Erstaufführung wiederum verlegt wird, der sen— 
ativnelle Fall eintreten, daß an Stelle von Felix Mottl, der 
unbedingt am 2. Febr. nach Rußland abreisen muß, der jüngfte 
Kapellmeister der Münchener Hofoper die Straußk-Erstauffüh- 
rung in München dirigiert. 
W. Budapest, 25. Jan. Nach der letzten Volkszihlung 
3 
beträgt die Einwohnerzahl von Budapest 881 601 gegenüber 
734 165 im Jahre 1900. 
Rom, 26. Jan. Im Vatikan wurde erklärt, der Brief 
des Papstes an den Kardinal Fischer beweise, daß der Papst 
n allen, besonders die deutschen Katholiken bewegenden Fragen 
eine seiner Positionen aufgebe und nicht gewillt sei, der 
Kritik der Opposition Rechnung zu tragen.. 
W. Veking, 28. Jan. (Meldung des Reuterschen Bureaus)- 
Es sind 5 neue Pestfälle vorgekommen. Das Gc 
sandtschaftsviertel im noch nicht abgesperrt. 
W. Berlin, 26. Jan. Der Geh. Kommerzienrat Arnold 
jat laut der Morgenpost der Verliner Akademie der Künste 
00 000 M zum Ankauf eines Terrains in Rom vor dem 
Porta Pia zum Bau von Atelierhäusern zur Verfügung ge— 
tellt. — Mit dem Rompreise ausgezeichneten Stipendiaten so wie 
inderen jüngeren Künstlern soll Gelegenheit gegeben werden, 
ängere Zeit sorgenlos in Rom zu arbeiten. 
Nach 33wöchiger Dauer wurde gestern der Streik der 
Fensterputzer bei der Fensterreinigungsanstalt der Berliner 
Blaser⸗Innungsmeister beendet. 
W. Neiße, 26. Jan. Im Neißer Stadtwäldchen gingen 
gestern abend zwei Kupferschmiedegesellen spazieren. Sie trafen 
einen Mann in Begleitung einer Dame. Einer der Gesellen 
nachte den Versuch, sich der Dame zu nähern. Darauf gab 
»er Begleiter einen Revolverschuß auf ihn ab, der ihn sofort 
otete. Das Paar ging schleuniast weiter und konnte bieher 
nicht ermittelt werden. 
W. Trier, 26. Jan. In Blasweiler wurden bei Dynamit⸗ 
prengungen zwei Arbeiter lebensgefährlich. ein Arbeiter leicht 
verletzt. 
W. Balenciennes, 26. Jan. Im benachbarten Bergwerk 
brach der Boden eines mit Steinen beladenen Förderkorbes. 
Der Inhalt stürzte auf die im Schacht befindlichen Arbeiter. 
kiner wurde getötet, zehn wurden schwer verletzt. 
W. Lissabon, 26. Jan. In der Nähe von Olhao ist 
ein Fischdampfer mit einer Bark zusammengestotzen. Die Bar? 
ist mit 11 Mann der Besatzung untergegangen.
	        
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