Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

rafrt adfieht. Dann gwöt eso reine Umgehung ves Ge⸗ 
eves und auch keine Scheinverträge. — J 
Abo. Dr. Jäger (Zentr.), befülrwortet den Antrag seiner 
Pariei auf Festlegung der Höchsigrenze für die Gemeindezu⸗ 
ichlãge. JF 
g. Böhle (Soz.): Das ganze Gesetz ist ein stãdtefeindliches 
Fase aip — —A Gemeinden zugee 
andenen TDrozent der Steuern reichen nicht aus, ihren berech⸗ 
idlen Wünschen zu genügen. Eine ganze Reihe von — 
haben mit erheblichem Schaden zu rechnen. Der größte Tei 
eser Sleuer muß den Gemeinden zufallen, Schuld daran, 
aß die Veteranen immer noch nicht zu ihrem Rechte gekommen 
nd, find einzig und allein die Konservativen. Weber 
Abg. Giesberts (Ztr.) erklärt, sich für den Antrag Werer, 
daß die —31 edi Grundftuckarien verschie⸗ 
en festgeseizt werden dürfen. —W 
Abg. Erzberger —5 — —A d e 
setz ncht, der Rheinische Zanernverein bekämpft. 8 g 
als agrarfeindlich. Eine bestimmte Summe für die 8 Ianen 
einzusetzen, ist nicht angängig, eine Zwecksteuer haßt ü Togupt 
—9 in unsere Finanz-Gefetzgebung. Im Etat,ist e e —*— 
Beihilfe borgesehen? sorhen wir dasir, daß die Jahresbe 
hon 120.x aen Veteranen zugute kommt. F 
Abq. Dr. v. Savigny Gud Den 490 über die Art der 
Vemeindezuschlaäge sollte gestrichen werden. 
neea e he en vert Cyyo h deg 
ber beschwerte, de e nd das Zatrum die — 
ener dewissermaßen illuforisch gemacht habe, so mag — * 
demen, daß die meisten Lbschwächungsauträge von ihm amn 
wWenn auch einige Gemeinden Nachteile haben wögen, so —5— 
wir doch durch diefes Gesetz sehr vielen Städten enerh 
hen Gewinn den sie von ich aus sich micht verschaffen dnnten. 
Die Sozialdemokraten suchen mit ihrem Antrag nur einen Vor⸗ 
vand, um gegen das ganze Gesetz stimmen zu können. 4 
Abg. Trimborn (Zir): Ein Verhleich der Lasten, die e 
Jestin gesta dee ie doas Reich zu tragen haben, mit n 
Zasten anderer Staͤdte ist micht moglich. Vavon will ich garnich 
Eden, daß wir eventuell einmal' zusammengeschossen werden 
önnen. (Gr. Heiterkeit.) 
Siaatsfetretar Wermuth: Es ist nicht einzusehen, weshalg 
die Fehu eee erhöhte Zuwendungen haben sollien, und 
die in gleicher Lage befindlichen Vororte nicht. Ob befestigte 
oder ofsene Staͤdte im Kriegsfall den größeren Vorteil hahen. 
ich dahingestellt. Im Rayongesetz sind die Fälle genau fest⸗ 
Jekegt, in denen Entschädigungen gegeben werden können. Ich 
zitse Sie, den Antrag Trmbornabzulehnen. 
Abg. Leber (Soz.): Wir können nichts dafür, dag das Ge⸗ 
tetz verfchändelt würde, daß wir dagegen stimmen 
nüfsen. Unser Antrag sollte im Interesse der Veteranen sel⸗ 
zer angenommen werden. 
Unterstaatssekretär Kühn sagt weitgehende Rücksichtnahme auf 
die Steuerordnungen der Gemeinden zu— 
Mit einer westeren Bemerkung des Abg. Cunsv (Fortschr. 
Vp.) schließt die Debatte. 
Die Anträge auf Festsetzung einer Maximalgrenze für die 
dommunalzuschlage werden mit , dem Antrag 
8 angenommen. Der Antrag Trimborn wird abge⸗ 
ehnt. 
Bei 8 490 sollen diejenigen Gemeinden besonders bedacht 
verden, die vor dem 12. April 1910 eine Wertzuwachssteuer ge— 
jabt haben. 
Jufolge eines Antrags Müller-Fulda (Ztr.) wird als Ter⸗ 
nin hierfür der 1. Oktober 1910 eingesetzt. 
Die 88 49 bis 50 werden mit diesen Aenderungen ange— 
rommen. 
Darauf wird ein Antrag des Abg. Tr. v. Savigny (Gentr.) 
auf Vertagung angenommen. 
Nächste Sitzung Mittwoch, 1 Uhr (Fortsetzung, Reichsbestene⸗ 
ungsgesetz, Fernsprechgebührenordnung.) 
Prafident Dr. Giaf v. Schwerin Löwitz siellt für morgen eine 
Abendsitzung in Aussicht, falls die Tagesordnung auch morgen nach— 
niitag noch nicht erledigt werden sollie. (Lebh. Bewegunga.ß 
Schluß 64 Uhr. 
PreulBischer Landtag. 
Abgeordnetenhaus. 
(11. Sitzung.) 
Berlin, den 24. Januar. 
Am Ministertisch: Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schor⸗ 
emer⸗Lieser. 
Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Mi-— 
uinten. 
Die zweite Etatsberatung 
vird fortgesetzt beim Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung, 
ind zwar beim Ausgabetitel Ministergehalt. 
Abg. v. Kressel (kons.): Von einer besonders hohen Renta⸗ 
ꝛilität der Landwirtschaft kann nicht die Rede sein. Die der 
andwirtschaft auferlegten Lasteen wachsen von Jahr zu 
Jahr; gauz besonders sind es die Kommunallasten, die fast die 
Brenze der Leistungsfähigkeit für die Landwirtschaft 
iberschreiten. Wir hoffen, daß das Wassergesetz dem Hause 
ald vorgelegt werden möse. Die gegen uns erhobenen Vorwürfe, 
daß w7 der inneren Kolonisation Hindernisse hereiten, sind un⸗ 
gründet. 
Abg. Wallenborn (Zentr.): Beim Abschluß künftiger Han⸗ 
elsverträge muß der Landwirtschaft mindestens derjenige Zohi⸗ 
chutz gewährt werden, den sie jetzt hat. (Die Bemerkungen des 
stedners beiben in übrigen auf der Tribüne unverständlich) 
Abg. v. Kardorff (freikons.): Meine poliuischen Freunde 
verden an dem Schutzaällernatibnalen Arbeitin Stadt 
ind Land festhalten. Wir halten eine in maßigen Grenzen sich 
xwegende Bindung des landwirtschaftlichen Besihes durch Fi— 
eikomisse nicht nur für zwedmaßig sondern für notwen- 
dig. Wir halten eine energische zielbewuhte Ofimurkenpoütit fuür 
erförderlich. Ein weiterer Ausbau des Winterschulwesens 
virde sehr zur Förderung des Bauernstandes beitragen. Um der 
Entvolkerung des platten Landes im Osten entgegenzuarbeite:, 
müssen wir die innere Kolonifation energisch fördern. 
das liegt auch ganz besonders im Inleresse der Arbeiterfrage, die 
ür die Landwirtschaft des Ostens von der größten Bedeutung ist. 
Deshalb muß auch die Ansiedlung von Arbeitern ge— 
ordert werden. Wir haben das Verirauen zum neuen Minister, 
aß er, für den Schutz der nationalen Arbeit eimteten g 
Beifall rechts) 
.Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer⸗Lieser: Ich bin 
dankbar für die freundlichen Worte des Vorredners. Ich bin mir 
ewußt. daß ich nur erfoloteich meinen Ames wallen kann nenn ich 
e Unlerstuͤtzung und das Vertrauen der Mehrheit des Haufes habe 
belm Wagsseraese h handelt e sich nu sehr schwierigen imd 
msangreichen Entwurf der hoffenilich der cten Session dem 
hause vorgelegt werden wird. Die Bildung der Wassergenossenschaf⸗ 
zn soll in Zdem neuen Cesetz nach Möglichkeit gefördert werden. 
Eenn zur Verhütung der Einschleppung der Maul-und 
klauenseuche eine Desinsektion der ausländischen Saison⸗ 
oe die zum 1. Apriked, Is zu uns ommen hescebert wird/ so 
ÿ—“ ich eine derartige Maßregel, die — und teuer ist, und 
n Erfolg nicht verbürgt ist, nicht in Aussicht stellen. Die Grund— 
ugr ines Gese ßes, betr die ar zeilrer gepee, 
ihaton sind ausgearbetet J4 hoffe, dah das Gesehß, das im 
Rbentchen den Zweck verfolgt ber Güterschlaͤhlerei entgegenzu⸗ 
reten (Bravo! rechts), dem Hause zugehen wird. Nach den von mir 
noedogenen Informationen können die gegen die Posener 
sJe ndwirt schaftskammer erhobenen Vorwürfe, daß sie 
eklame für,den Bund der Landwirrte gemacht habe, 
vohl nicht aufrecht erhalten werden. Die Förderung der land- 
wart shaftichen Winterschulen, werde ich durch Grün— 
ung weiterer Schulen mir angelegen sein laeffn. (Beifall rechts.) 
Abg. Glatzel (natlib.): Wir halten fest an unserer Schutz z oII- 
oliti In wirtschaftlichen Fragen. insbesondere Zoilfragen 
Innen wir mit der Rechien zusammengehen, aber in politischen Fra— 
en war uns dies in der letzten Zeit seder nicht e Wenn Eie 
nach rechtz) eine schutz zöhnerische Mehrheit im nächsten Reichssag 
vollen, so sorgen Sie dafür, daß recht vleie Nauonaniberal gewähli 
berden. Sehr richugl ber dein Nationallsberalen, Heiterkeit dechts) 
In der Frage der Bist markenpoliti“ miß die Regienms 
nergisch vorgehen. Vie ÿ der Generalkommission darf 
icht crfolgen, bis ein vollgilliger Ersatz gefunden ist. Ich halte 
8 für ein iee Omen für die Landwirtschaft, daß wir einen 
sandwirtschaftsmnister aus dem hochentwickelten Westen bekommen 
aben. Hoffentlich gelangen wir auch im Osten zu einer solch guten 
entwicklüig. In der Fursorge für, die Landwirtschaft wird der 
Rinister bei uüns immer ein freundliches Entgegenkommen finden. 
Weifall bei den Nationalliberalen. 
vbg. Or. Cruüger (fortscht. Vp.): Abg. v, Kardorff tritt für 
en Schutz der nationalen Arbeit ein. Der bisherige Schug der 
ationgien Arbeit war aber vielfach recht einseitig zum Schaden 
ines aroben Teils der nationalen Arbeit. Unsere gange politische 
Eseßgebung steht unter dem Zeichen des agrarpo itigchen 
finflusses des Der eifrige Befür⸗ 
borler der inneren Kolonisalion, Professor Sehring, ist der Ansicht 
ah das Neberwiegen der großen Güter ein Schaden, für die Land- 
irtschaft ist. Durch die doine des Großgrundbesitzes wird das 
Zand entpöltert. Das ist ein Grund mit dafür, daß wix die weitere 
dusdehnung der Fideikommißbildungnicht billi— 
en. Die Liebe des Herrn v. Kessel und seiner Freunde für die 
nnere Kolonisafion ist nur eine platonische. (Widerspruch 
echts.. Von der Entschuldungsaktion können wir uns 
ucht viel versprechen. Auch die Verquickung der Entschuldung mit 
er Lebensversicherung halten wir nicht für zweckmäßig und richtig; 
as würde ein bedentlicher Eingriff, in die, Privattätigkeit sein. 
Jünschenswert, würde es sein, wenn die Regierung eine Aufklärung 
ber die Beziehungen des Kalisyndikats zu der Deutschen 
andwirtschaftsgeseilschaft und dem Bund der Landwirte geben 
ürde. Der Minister hat in der Kommission unter Bezugnahme 
uf Aachen und, Koblenz erklärt, die Aufhebung der städtischen 
ktrois sei lediglich den Händlern zugute gekommen. Auch hierüber 
itten wir den Minister um Auslkunft. Mit Freude begrüßen wir 
as lebhafte Interesse des Ministers für die landwirhschaftlichen 
ortbildungsschulen. Wir halten es für dringend wün— 
henswert, daß in diesen Schulen auch Bürgerkunde gelehrt 
ird. Wenn die Aahl der unabhängigen Familien auf dem Lande 
ermehrt werden soll, dann muß eine richtige Bauernpolitik und nicht 
we Foln der Fibeilommißbildung getrieben werden. GBeifall 
inks8. 
Abg, Leinert (Soz.); Mit dem System der bisherigen ZoIL⸗ 
o Iiterk, die nur den Agrariern genützt hat, muß im Interesse 
er Arbeiter gebrochen werden. Die Gefindeordnung, die ein 
sohn auf die Gerechtigkeit ist, muß beseitigt werden. Durch die 
zefindeordnung und das Geseß über den Kontraktbhruch 
erden die Landarbeier zu Heloten herabgedrückt. Die Unfall⸗ 
exhütungsvorschriften auf dem Lande, müssen strenger beohachtet 
erden. Die Außbeutung der Kinder in der Landwirt— 
haft hat schon oft den Zorn, und die Entrüstung aller s 
zimpfindenden erregt. Den Landarbeitern muß endlich das 
doalitionsrecht hestoen werden, sie müssen aus den 
resseln der Rittergutsbesitzer und der Ausnahmegesetze befreit 
verden. Geifall bei den Soezialdemokraten.) 
Hierauf wird die Weiterberatung anf Mittwoch 
2 Uhr vertagt. 
Schluß 44 Uhr. 
Die Zulagen und der Alkohol in der 
Marine. 
Die Budgetkommission des Reichstags setzte gestern die Be— 
atung des Marineetats bei KapSi (Geldvernflegung der Marine- 
eile) Titel 11 (Fachzulagen) fort. Auf Anfrage aus der Kom⸗ 
nission, wie sich die Marine zu den Streichungen an 
Zulagen und Tafelgeldern V 
estellt habe, und ob Verhandlungen zwischen dem Reichsmarine⸗ 
mt und den zuständigen Stellen der Front stattgefunden hätten, 
rwidert Staatssekretär v. Tirpitzz, daß sich die Marine naturge⸗ 
naäß gegen iede Verkürzung von Kompetenzen ausgesprochen 
abe. 
Zu Kapitel 52 (Indiensthaltungen) Titel 20 EStellenzulagen), 
vo ein Minderbetrag, von 709 000 M eingesetzt ist, liegt eine ge— 
neinsame Resplukion von Nationalliberalen und 
zentrumsabgeordneten,vor, die an diesem Titel 
0 0 οα use tzen und bei Titel s Getriebs⸗, Reinigungs- 
ßeleuchtungs⸗ und r Materiglien) sowie. bei Kapitel 60 
citel 8 (Instandhaltung der Schiffe und ihres Inventars) je 
00 A streichen will, da die Entziehung der Zulagen 
er igez als verfehlt zu erächten sei. — 
Nach Begründung des Antrags empfiehlt ein Sozialde- 
nokrat einen von seinen Parteifreunden gestellten Antrag, der 
infach die Herstellung des früheren Instandes fordere. Der 
Ztaats sedretär stellt dem Redner gegenuüͤher fest, daß die 
Lerkürzung der Zulagen des Heizerpersonals in keinerlei Zusam⸗ 
nenhang steht mit den Arbeiterentlassungen und der Höhe der 
röhne auf den kaiserlichen Werften. Fauls eine teilweise Wieder— 
erstellung der Heizerzulagen herbeigeführt werden sollte, werde 
ie Regelung der Verteilung der Zagen auf die einzelne Kate⸗ 
orie am besten dem Reichsmarineamt überlassen. Die Marine⸗ 
erwaltung würde selbstverständlich eine teilweise Wiederherstel⸗ 
ung der Heizerzulagen mit Freude begrüßen. Die ihr durch die 
3parsamkeitsbestrebungen des Reichssstags nahegelegten Strei— 
hungen vorzunehmen, sei ihr überhaupt, wie mehrfach erwähnt, 
ehr schwer geworden. Der Resolution von Fentrum und Na⸗ 
agihevalen aebe er den Vorzug, weil sie Rarere Verhältniffe 
affe. 
Der Reichsschatzsekretär meint, das Reichsschatzamt 
abe bei den Streichungen lediglich das Wohl der Reichs-— 
inganzen,im Auge behalten. Wo im einzeinen Streichungen 
weckmaßig seien, sei Sache des zuständigen Refforts Er habe 
eträchtliche Bedenken gegen die gemeinsanie Resolution, die er 
elbst dann nicht ganz zurückstellen könne, wenn tatsächlich bei 
en zu kürzenden Tileln versucht würde, dauernd Minderkosten 
urch Einschränkung der Ausgaben zu erzielen. Es bestände 
ann die Gefahr, daß eine Scheindeckung vornenommen würde 
Ein Sozialdemokratist der Ausicht, es önne fehr wohl 
ie Deckung der Mehrausgaben durch sparsameren Kohlenver⸗ 
rauch geschaffen werden. Ein Miiglied der Fortschrite 
ichen Volkspartei wendet sich gegen die gemeinsame Re⸗ 
olution. Man verstehe draußen nicht, daß das stolze Deutfche 
deich das erforderliche Geld nicht soile beschaffen ionnen Ein 
zentrumsredner hält die Decung, die in der Resolution 
orgesehen ist, für genügend. Sie stellte einer dauernden Mehr⸗ 
usgabe eine vorübergehende Minderausgabe gegenüber. Ein 
ep der Kohlenpreise werse die game Berechnung über den 
aufen. 
Staatssekretär v. Tirpitz erklaͤrt, der Reichsschatz⸗ 
ekretär sei doch wohl mißverstanden worden; die Sitmation hin— 
chtlich der Abstriche sei die gewesen, dah der Reschskanzler die 
nergische Hrüfung der Möglichkeit von Abstrichen angeordnet 
abe, der Marineverwaltung daher nur übriggeblieben sei, folche 
orschläge zu machen; das sei geschehen. Das Reichsschabamt 
ei bei den Verhandlungen mit seinen Wünschen auf Streichungen 
ber noch erheblich weitergegangen und habe eine große Anzahl 
tder Denkschrift noch enthaltener Zulagen für Offiziere und 
dannschaften zur Streichung in Vorschlac gebracht Did Marne, 
erwaltung habe in den weñeren Verhandlungen dann zu erhal⸗ 
en versucht, was nach Lage der Verb'ltnisse zu begründen und 
u erhalten möglich gewesen sei. Daß sie nach dieser Richtung 
in in gewisser Beziehuug im Siun der Maxine erfolgreich 
veriert habe trete erst dann in die Erfcheinung, wenn man im 
nzelnen die Wünsche des Reichsschatzamts auf zahlreiche weitere 
treichungen kenne. Man fei feilens der Marine nur gerade so 
veit gegangen, wie dies im Interesse des Großen und Ganzen 
ertretbar gewesen sei. Der Streichung“der Zulagen 
ür dienstpflichtige Heszer zuzuüstimmen, ser der Ra— 
meverwaltung nur unter dem Drude der Verhält⸗— 
ißse und deswegen möglich gewesen, weil die energische Ab⸗ 
icht hestanden habe, den Wuüͤnfchen des Paxrlaments 
unsentsprechen. Er habe daher auch den gemeinfamen Au⸗ 
rag, wie vorher erwähnt, mit 58— begrüßt. Dagegen müsse 
r sich gegen die Forderung des vzialdemokratischen Antrags auf 
treichungen bei Schießübungsmaundvern energisch aussprechen. 
Der gemeinsame Ansraßgauf Mehreinsteitung'von 
O OOA wird darauf mit großer Hiebeheit a n gee nb m man 
kr lautet wörtlich: 
.Unter, Beruͤcksichtigung des Umstandes, daß die Schiffe 
während ihrer — eet etwa die eine Hälfte der Zeit 
n See und die andere iin Saten verbringen. die Stellenzulagen 
es dienstpflichtigen Maschinen-⸗, F. T.e, Artilleriemechaniters, 
Rechaniker⸗, Feuermeister⸗ und Heizerpersonals auf die Hälfti 
er bisher gezahlten Beträge Gergleiche Dentschrift über das 
zulagewesen in der Kaiserlichen Marine 114 laufende Nummer 
8, Seite zu bemessen, und zu diesem Zweck die Forderung 
hei Kap. 82 Tit. 2a2 um 400 000 M zu erhöhen, dagegen zum Aus 
gleich dieses Mehrbetrags bei Kap. 582 Tit 3 und Kap. 60 Tit. 9 
e 200 000 A abzusetzen. 
Ein ie bemängelte die Einstellung einer In 
age von 1200 A für elnen Vortragenden Rat als dedakteur ber 
Narinerundschau, für die im ganzen 20 000 AM angefordert sind. 
ẽr beantragt, diese Zulage zu streichen. Der Staatssekre« 
är begründet den Nutzen und die Notwendigkeit einer derarti— 
gen Focczecrist für die Marine und für diejenige Oeffentlich⸗ 
eit, die Interesse an guten fachmännischen Artikeln habe. Auch 
on einem Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei wird in der 
debatte hervorgehoben, * die Marinerundschau eine für die 
Illgemeinheit sehr nützliche und für die Marine unentbehrliche 
Finrichtung sei. Der Antrag auf Streichung der Zulage wird 
nit großer Mehrheit abgelehnt. 
Bei Kapitel 52 (Indiensthaltungen) Tit. 1 (Verpflegungs- 
zulagen) schneidet ein Mitglied der Reichspartei 
die Frage des Alkoholgenuffes 
an und befürwortet die Verwendung von Kolonialprodukten bel 
der Verpflegung. Der, Staatssfekretär erklärt, daß sehr 
erhebliche Erfolge sowohl in der Marine als auch auf den 
ey Werften in bezug auf eine Einschränkung des 
Alkoholverbrauchs festzustellen Feien. Der dan⸗ 
kenswerten Anregung, daß sich bestimmte alkoholfreie Getränke 
und die Erzeugnisse unserer Kolonien für Verpflegungszwecke an 
Bord einbürgern möchten, stimmt der Staatssekretär zu. Ein 
nationalliberaler Redner wünscht, es sollen keine Ge⸗ 
rnke an Offiziere auf Kredit gegeben werden. Für junge Offi⸗ 
ziere werde dadurch eine große Gefahr beseitigt. Ein freisin⸗ 
niger Redmnex bestätigt, daß die Abstinenz in der, Marine in 
zeradezu erschrechender Weise zunehme. Jiagend welche weitere 
kinschränkungen der persönlichen Freiheit der Offiziere hinsicht⸗ 
ich des Getränkeverbrauchs an Bord seien absolut überflüssig. 
Er wolle an dieser Stelle nur noch eine Lanze für die deutschen 
Weinproduzenten brechen und den Verbrauch deutscher Erzeug⸗ 
nisse an Bord empfehlen. 
Der Staatssexkretär weist an der Hand bestehender 
Bestimmungen nach, daß das Privatmesseleben der jungen Offi⸗ 
dere an Bord bereits einer weitgehenden Kontrolle durch ihre 
Vorgesetzten unterliege und daher eine weitere Nusdehnung 
dieser Veget e re unangebracht, und mit den 
B.fugnissen über die notwendige persönliche Freiheit des erwach— 
enen Menschen unvereinbar sei. Nachdem der nationalliberale 
Zprecher, noch Verwahrung dagegen eingelegt hat, daß er eine 
Zeschränkung der persönlichen Freiheit der Offiziere befürwortet 
abe, nimmt der Staatssekretär noch einmal das Wort. Er hält 
vie jetzt bestehende Form der Kontrolle der jüngeren Offiziere 
ür ausreichend und könne einer weiteren Ausdehnung nicht zu⸗ 
timmen. Es scheine, daß der nationalliberale Abgeoroͤnete seine 
Infarmationen von einer Persönlichkeit habe, die als absoluter 
Abstinenzler auf einem, sehr extremen und vielleicht nicht ganz 
biektiven Standpunkt stände. 
Im Verlauf der Aussprache wird hervorgehoben, daß infolge 
des starken Rückgangs des Alkoholkonsunis z. B. in Kiel das 
Offizierkasino immer mehr auch an die Zibilbevölkerung seine 
Weine verkaufe. Das sei im Juteresse des Weinhandels zu be⸗— 
lagen. Der fortschrittliche Redner bittet, das zu unterlassen. 
Diese Anregung wird von Wilhelmshavei unterftützt. Weiter⸗ 
hertung Mittwoch. 
Enalands Hafenverkehr im Jahre 1910. 
Der Schiffahrtsverlehr der meisten englischen Hafenplätze und 
zamit auch der Gesamthafenverkehr des Vereinigten Königsreich hat. 
benso wie der Schiffahrtsverlehr der großen kontinenlolen Häsen, imi 
Jahre 1910 eine merkliche Zunahme gegenüber dem des Voriahres 
zu verzeichnen gehabt. Es suind nach dem Hafenstatistik Englands in 
den Häfen des britischen Inselreiches im Seevertehr insgesamt 
i ingekommen 
mit Ladung eing o10 109 gegen 1909 
RNettoregistertons 
im 1. Quartale, 8965 321 8820091 145 230 
22 * 11060 660025 9965 339 694 686 
3. 11272812 11091725 181087 
4 10717 478 10 438 648 278 830 
zusammen 41615 636 40 315 803 1299 833 
Eine Betrachtung dieser Jahlen könnte zu der Annahme führen. 
daß in der Aufwärtsbewegung des englischen Seeschiffahrtsverkehrs 
m letzten Halbjahr bereits wieder ein gewisser Stillstand eingetreten 
st. Diese Annahme krifft jedoch keinesweas zu sondern die gegen— 
iber dem 2. Vierteljahr wesenllich geringere Zunahme im 3. und 
. Quartal erklärt sich vielmehr darqus, daß fich im zweiten Semefter 
s Jahres 1909 bereits die ersien Anzeichen der beginnenden Besse— 
ung im Schiffahrtsverkehr Großbrilannienz und Irlands bemerkbar 
nachten, wogegen sich das erste Halbiahr 1909 noch durchweg im 
Zeichen der Depression befand. Denn während die Nahlen für die 
Zeriode Januar bis Juni 1909 gegenüher der gleichen Periode des 
Jahres 1808 noch ein größeres Defizit (tTund 400 000 Tonnen) auf⸗ 
viesen, war für das ganze Jahr 18009 bereit⸗ wieder ein Ueberschuß 
on 126 000 Nettoregisterions zu verzeichnen, das 2. Semesier allein 
hatte danach also einen Zuwachs von rund 525 000 Tons gebracht. 
und dieser Zuwachs ist in diesem FJaͤhre abermals um etwa 460 000 
Tons vermehrt worden. 
In ganz ähnlicher Weise ist auch die Entwicklung der englischen 
düssenschiffahri dor sich gegangen. Hier halte' der eingebende 
berkehr in den ersten drei Monalen des letzten Jahres ein Mehr 
zegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres von 75 817 Tons gebracht, 
as zweite Quartal ein solches von 163 837. du8 dritte Quartal er⸗ 
sielte ein Plus von 110 066 uñd das letzte Vierteljahr endlich brachte 
eine Steigerung von 229638 Tons. Ddie zahlenmäßige Besserung 
nuf diesem Verkehrsgeblet waäbrend bes ganzen Jabres belief sich also 
egenüber dem Jahre 1909 auf 379 360 Nettoregistertons. 
Die Gesamtzunahme des einlommenden Schiffs— 
erkehrs während des berssoffenen Jabres gegenüber dem Jahre 
1909 betrug sonach 1879 209 Nettoregistertons Betrachtet man 
gegenüber dieser gewiß respeklablen Zunahme aber die Fortschritte, 
ie die drei großen kontinentalen Nordseehäsen: Hamburg. Rotled 
dam und Antwerpen. im verflossenen Jabte erzieft haben nämlich 
ein Plus von zusammen 2 144 676 Tons (Rotterdam 1062 844, vAnt 
Perben 608 832 und Hamburg 473 80 Nettoregistertons), und berück- 
ichtigt dabei ferner die große Anzahl der englischen Häsen, die sämt⸗ 
ich in den wiedergegebenen Zahlen enthallen sind, so mulel selbst 
iese Zunahme von nahezunn Jegh sninnen Tons recht bescheiden an. 
Vermischtes. 
Erxplosion. In der militaraeronautischen Anstalt in Wien er⸗ 
ignete sich Montag nachmittag eine Explofion, bei der drei Sol⸗ 
nten zum Teil sehr schwere Verletzungen erlitien. Sie wren 
damit beschäftigt, ein eisernes Faß, das Schwefelsänre enthalten 
Iatte und anscheinend leer war, zu öffnen. Da sich der Verschiuß 
iuf mechanischem Wege nicht öffnen ließ, benutzten sie eine Lot 
amme zur Lockerung der Schraubenmuler. Dadurch erplodetite 
Nne im Faß wider Erwarten noch vorhandene Schwefelfäure. 
Dabei wurde das eiserne Werschsifftück binnneeean 
nrchlöcherte das Dach. 
Ein betrunkener Automobilommibus⸗Chanffeur hat nachts 
n Paris verschiedenes Unheil angerichtet. Der Chauffeur Eugen 
revel führte, wie unser Parifer Korrespondent berichtet, einen 
er neuen großen Automovilomnibusse auf der Linie Ostbahn- 
of ·Trocadero, wobei ex auf andere Fahrzeuge auf dem Fahr⸗ 
amm nicht die mindeste Rücksicht nahm. Zwei Droschken und ein 
nderes Automobil wurden nacheinander in tollet Fahrt ange— 
embelt bis es dann an den Champs Elysces einen drnften Zu⸗ 
ammenstoß mit einer Droschke gab, deren Kutscher ernstlich ver— 
etzt wurde. Nun verloren die Infaffen des Automobilonnibus 
ie Geduld, stiegen aus und verprügelten den fotal betrunkenen 
Lhauffeur nach allen Regeln der Kunst. Einem hinzugekomme; 
sen Schutzmann wurde das Abemener erzühlt, worauf der 
hauffeur seinen Sitßz verlaften und sien an ie et 
egehen mußte
	        
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