Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Ausgabe A. 
4— 
Abend⸗Blatt Nr. 45. 
— 
Sportnachrichten. 
Wintersport in Bayern. Der Wintersportklub Schlier⸗ 
see häct Sonntag,. den 29. Jan. ein großes Wintersport- 
fest mit Eisschiehen, Kunstlaufen und Rodelrennen von der 
Schliersbergalm ab, abends italienische Nacht, Feuerwerk und 
Zeleuchtung des Eisplatzes sowie Fadelzug und Lampion⸗ 
reigen unter Musikbegleitung. — Der Staffelsee bei 
Dturnau ist vollständig zugefroren; prächtige Eisbahnen, 
jür deren Instandhaltung der Wintersportverein Murnau 
hdestens sorgt. — Die Wintersportvereinigung der Sektion 
Nürnberg des deutschen und dsterr. Alpenvereins veranstaltet 
am 65. und 12. Febr. in Warmensteinach i. Fichtel⸗ 
zebirge mehrere Skiwettläufe. — In Zwiesel finden am 
29. Jan gleichfalls mehrere Skiwettläufe statt. — In 
31ischofsheim i. Rhön wurde auf dem Ostabhange der 
Ofterburg eine 124 Km lange vorzügliche und gefahrlose Rodel⸗ 
bahn neu angele— 
Aus den Nachbargebieten. 
Hanseftãdte. agen ku 
svambut. 28. Jan. 878 Ginaheer z mn 
ZFamburger Krematorium im Jah an der Spitze 
dieser Ziffer stett das Damburget Wematorhman een 
Aler deutschen Krematorien im verflossenen Ihe ehme 
wurden 1910 in deutschen Krematorien 6074 Le 
geäschert. n 
Kleine Nachrichten.) —— —— 
türzie der Kreuzweg wohnhafte Lagermeister 2 
bieser Stratze ineine Kellervertiefung des Sax ei 
zwar so unglücklich, daß er das Genich brach und vor 
treffen eines Arztes starb. 
ien —A 28. Jan. Eine merkwurdige an 
delegenheit. In der Nacht zum Dienstas erschien * 
riner Polizeiwache ein Mann mit durchnäßten 
Areidern und hab an, er sei zwei gutgekleideten Männern 
begegnet, die ihm eine Tasche mit zwei Dosen, einer arößeren 
und einer kleineren, zeigten. Beide Dosen waren mit Zũnd⸗ 
schnüren versehen. Die beiden forderten ihn auf, die große 
Dose am Dom, die kleinere am Ratscafs niederzulegen und 
die Zundschnüre anzuzünden. Er solle 3000 Meuerhalten. Auf 
seine Weigerung wurde er von den beiden Männern in die 
Weser veworfen. Nach Erkundigung bei der hiesigen 
Polizel haͤben sich die Angaben, die von dem Mann über 
die Bombenangelegenheit gemacht worden sind, als fallfch 
herausgestellt. Was den Mann trotzdem ins Wasser getrieben, 
hat sich bisher nicht aufklären lassen. 
Schles wig⸗ Holftein. 
—A 
bes Schlesw.⸗Holst. Sängerbundes wird hier am 17., 18. 
und 19. Juni begangen werden. Zu Ehrenvorsitzenden des Festes 
wurden Bürgermeister Steinbruck und zweiter Burgermeister 
Salomon ernannt. Vorsitzender des Hauptausschusses ist Stadt⸗ 
rat Düring, dessen Stellvertreter C. Kunert. Es wird mit einem 
Besuch von 700-800 Sängern gerechnet. 
Neustadt, 25. Jan. Mit der Erhebung einer 
Kurtaxre erklärten sich die Kollegien einverstanden. 
Stapelholm, 25. Jan. Viehseuche. In der 
Mästerei des Landmannes Wilh. Ick, Wohlde, der etwa 
400 Schweine haͤlt, ist die Lungenseuche amtlich festgestellt 
worden. Das Gehöft wurde gesperrt, mehrere Tiere sind 
bereits gestorben. Auch in der Mästerei des Landmannes 
Bielfeldt auf Brunsholm (Kirchspiel Bargenhufen) gaingen fieben 
Tiere an einem Tage ein. 
Schleswig, 25. Jan. Stiftung. Der kürzlich in 
sßamburg verstorbene Graf Attems hat der Stadt Schleswig 
3400 Mizur Unterhaltung der öjsterreichischen Kapelle vermacht. 
Neumünster, 2585. Jan. Die goldene Hochzeir 
reiern heute, Mittwoch, Reichsbankvorsteher a. D. Fritz 
Messtorff und Frau. Der Jubilar ist 81 Jahre alt und Kampf— 
genosse von 1848/51. 
Burg (Fehmarn), 25. Jan. Im Vordergrunde des 
Interesses stehen hier augenblicklich die Auseinander⸗ 
setzungen und Meinungsverschiedenheiten, die unter 
den Theologen unserer Insel entstanden sind. Der hier 
amtierende Pastor Heydorn hat während der Jahre 1909 
aund 1910 die Zeitung „Leben im Licht“ herausgegeben. Der 
Verfasser vertritt in diesem Blatte freireligiöse Anschauungen. 
Seit dem 31. Dez. ist das Erscheinen der Zeitung eingestellt. 
In der zuletzt erschienenen Nummer veröffentlichte der Ver—⸗ 
fasser 100 Thesen. Er bespricht hierin 1. die Grundlagen der 
religiösen Erkenntnis, 2. unsern Glauben, 3. die Konsequenzen 
für verschiedene Einrichtungen (Kultus, Priestertum, Kirche, 
Schule). In einem hiesigen Blatte nimmt nun Pastor Henning, 
Retersdorf, Stellung zu den 100 Thesen. Er tritt warm 
für die Sache ein. Einen entgegengesetzten Standpunkt nehmen 
die übrigen fünf Pastoren der Insel ein; sie haben in einem 
Aufsatze in demselben Lakalhlatte ihre Meinung zur Sach⸗ 
sargelegt. Eine religiöse Versammlung gestaltete sich zu einer 
» Kundgebung far den Einberufer, Pastor Hey⸗ 
dorn. 1800 Personen hatten Plat gefunden, sehr viele mubten 
imkehren. dattnifte Der 
Sonderburg, 26. Jan. Finanzver 
Boranschlag für 1910/11 beträgt rund 780 000 W. für 1900 /01 
baren es 267 000 M. An Gemeindesteuern sind 1910 einge⸗ 
lesit 243 000 Mugegen 81000 1900. Die Zuschläge betrugen 
00o0 200 und 1010 2286 960. Diese ungeheure Steigerung des 
Lats ist im allgemeinen auf die Marine zurückzuführen. 
Großherzogtum Oldenburg. Fürstentum Lũbed. 
SSchwartau, 25. Jan. Verein zur Hebung 
zes Fremdenverkehrs. Der Voranschlag für 1911 
ieht feststehende Einnahmen von 6300 Ut vor. Bei den 
lusgaben sind besonders hervorzuheben rund 3000 Mefür 
zen meuen Führer sowie 1600 Mfür Reklame. Durch 
Inserate in dem neuen Führer und durch freiwillige Bei⸗ 
räge sind dem Reklamefonds 4000 M zugeflossen, infolge⸗ 
essen konnte die Position für Reklame auf 1500 M 
rhöht werden. — Der Frauenverein hat auch im 
herflossenen Jahre segensreich gewirkt. Die Einnahmen be⸗ 
rugen 682 M. Es wurden 1140 Liter Milch und an 
rme Kranke 336 Mahlzeiten verabreicht. Weiter wurden 
röhere Aufwendungen gemacht für die Weihnachtsbescherung 
ind sonstige Unterftützungen. — Verkauft hat Privatier 
Rissen dasß Sotel und Penfionshaus „Hammonia“, La—⸗ 
bederstr, an Schönewald, Hamburg. 
Lauenburg. 
Ratzeburg, 25. Jan. Die Diphtheriekrankheit 
meift in der Umgegend weiter um sich. Nachdem kürzlich 
die Schule in Schlagsdorf geschlossen worden ist, hat nun auch 
die Schule in Mustin wegen der tückischen Krankheit de⸗ 
chlossen werden müssen. 
Schwarzenbek, 25. Jan. Jagdverpachtung. Für 
die 470 ha große Jagdnutzung der Gemeinde Grabau wurden 
olgende Höchstgebote abgegeben: Resardt, Schwarzenbek. 33260 
Mark, Lederfabrikant Westphal, Hamburg, 3950 M und Kauf⸗ 
nann Haach, Hamburg, 3000 M. Bisher wurden nur 900 M 
zahrespacht gezahlt. 
seh. Berkenthin, 25. Jan. Die Schweinegilde 
ßöldenitz hielt Sonntag die Generalversammlung ab. Die 
dechnung 1910/11 schloh mit einer Einnahme von 600.74 M 
ind einer Ausgabe von 525,62 M, so daß mit dem Saldo 
in Kassenbestand von 1256,45 Mubleibt. Für Schäden wurden 
149,62 Mugezahlt. Die Gilde zählt 123 Mitglieder. In den 
Vorstand wurden die bisherigen Mitglieder fast alle wirder—⸗ 
jewählt. Der GEildeball soll Sonntag, 7. Mai, im Lolale 
des Gastwirts Schwarz, Göldenitz, stattfinden. Das Statut 
vurde ergänzt. — Spurlos verschwunden ist seit 
SZonnabend der Schüler Willy Kemp. Dieses ist schon das 
»rittemal. Gründe, welche denselben hierzu bewegen könnten, 
ind nicht laut geworden. Auch war alles Suchen bisher 
dergebens. 
)RKastorf, 25. Jan. Ein großer Silberdiebstahl 
vurde auf dem hiesigen Gut in der Nacht auf Sonntag aus⸗ 
jeführt. Der Gauner verschaffte sich durch Eindrücken eines 
densters Eingang in das Herrenhaus. Aus dem Eßzzimmern 
ntwendete er eine große Anzahl goldene und silberne Ezbestece. 
Llus dem Rauchzimmer entnahm er dem Schreibtisch zirka 
36ß Meund aus dem Wohnzimmer stahl er einige Briefmarken. 
Dder Dieb ist mit dem 8 Uhr hier abfahrenden Zuge nach 
Oldesloe gefahren und von dort jedenfalls nach Hamburg. 
kin aus Lübed herbeigeholter Polizeihund nahm die 
Spur auf und verfolgte dieselbe bis nach dem Bahnhof. 
d. Sandesneben, 25. Jan. Unfall. Beim Abladen 
von Tannen kam der Arbeiter Joh. Schott am Dienstag zu 
Fall und einer der schweren Bäume fiel ihm aufs Bein. 
lo daß er einen Beinbruch davontrug. 
Luftschiffahrt. 
Einen neuen Welt⸗Passagierrekord für Eindeder hat 
Grade, wie aus Bork gemeldet wird, aufgestellt, in⸗ 
dem er Über kurze Strecken mit vier Passagieren, zusammen 
also fünf Personen Belastung, flog. 
Der Militärlufttreuzer ‚P 2* wird in den nächsten Tagen 
eine ardßere Fernfahrt unternehmen. 
Der Reklameballon der Parseval⸗Gesellschaft, der Montag 
ubend seine erste Projektionsfahrt unternahm, erregte, als 
er über dem Weichbilde Berlins auftauchte, aroßes Auf⸗ 
sehen. 
C. K. Farmans Aerobus. Der Omnibus der Lüfte, der 
Aerobus, von dem schon mehrfach in der letzten Zeit die 
Rede war, ist nun aus dem Gebiet der Pläne endgültig 
n die Wirklichkeit eingetreten: am Sonntag hat der Omnibus 
der Lüfte seine erste Fahrt erfolgreich zu Ende geführt. Um 
1412 Uhr bestiegen die drei Vassagiere, van Gaber, Moͤri 
und Boucmy in Mourmelon die neue große Farmansche Flug⸗ 
maschine. die als Aerobus konstruiert worden ist, und kurz 
darauf nahm auch der Pilot, der Farmanschüler Weymann, 
seinen Sitz ein, 2412 Uhr erhob sich die mächtige Flug⸗ 
maschine in die Lüfte, umkreiste den Flugplatz und stieg 
dann zu einer Höhe von 350 Fuß empor. Der Apparat 
unktionierte vollkommen sicher, die zurüdbleibenden Zeugen 
ahen, wie die Maschine die Richtung nach Reims nahm und 
hald am Horizont entschwand. Um 12 Uhr landete man glüd—⸗ 
lich bei dem Aerodrom von Bétheny, und die Insassen 
fuühren nach Reims, um zu frühstücken. Nachmittags um 
3 Uhr wurde der Rüdflug angetreten, und trotz des bdigen 
Windes landete man glückich wieder in Mourmelon. Die 
Fahrt von Mourmelon nach Botheny, die 19 englische Meilen 
beträgt, wurde in 27 Minuten zurückgelegt, bei der Rüdfahrt 
machte man einen Umweg und kreuzte vor der Landungç 
noch eine Zeitlang in den Lüften 
Vermischtes. 
Elfeinhalb Tage verschüttet gewesen. Aus Rouen wird 
berichtet: Die nach elfeinhalb Tagen aus einem Lehmbruch 
befreiten Mergelarbeiter in Venesville erklären, sie 
hätten nicht allzuviel gelitten. Sie hatten Brot und Käse 
und hungerten bis zuletzt nicht, dagegen ging ihnen der 
Apfelwein aus, von dem sie zwei Krüge hatten. Sie 
tillten ihren Durst mit dem sypärlichen Sickerwasser der 
Wände ihres Gefängnisses. Besonders qualvoll waren; die 
Kãlte und die Nässe. Sie hatten keine Vorstellung von der 
Zeit und glaubten, sich höchstens eine Woche unter der 
Erde befunden zu haben. Es war sehr mühselig gewesen, 
bis zu ihnen vorzudringen, namentlich die Durchgrabung der 
letzten drei Meter bot besondere Schwierigkeiten und Gefahten 
Ein Millionärssohn im Konkurs. Ueber das Vermögen de—s 
Fursten Sergei Golyzin, den Sohn eines vielfachen Millionärs, 
ist der Konkurs verhänat worden. Die Schulden betrade 
mehrere Million⸗n 
Ordonnanzritte 1870/ 71. 
Gortsetzung.) 
Dann fsolgte der in dem schweren Boden der Sologne an⸗ 
rengende, wochenlang andauernde Vorpostendienst und allerlei 
bin⸗ und Hermärsche. Dann kam wieder die Periode der 
Kämpfe, die einen ganz anderen Charakter angenommen hatten. 
als wie ihn die Schlachten der ersten Zeit des Krieges aufge— 
wiesen hatten. Tagelang schleppten sich die Gefechte hin, und 
wenn sie die früh einbrechende Tunkelheit beendet hatte, so 
jolaten auf eine wenig Ruhe bringende Nacht meistens am 
anderen Morgen neue Kämpfe, neue Märsche, bis es wieder 
Nacht wurde, und so ging es ohne Unterbrechung weiter. Von 
zeregelter Verpflegung konnte dabei selten die Rede sein. Man 
ebte im eigentlichen Sinne von der Hand in den Mund. Auch 
die Bekleidung litt unter der fortwãhrenden Nässe und dem 
Mangel an Zeit zur Ausbessetung der Schäden ungeheuer. 
Waren die Kampfe auch im einzeinen nicht mehr so verlusireich 
wie die gegen die kaiserliche Armee, so zehrten doch die auf 
grohe Entfernung beginnenden, sich endlos hinschleppenden und 
elten klipp und klar mit einer endaultigen Entscheidung schlie- 
zenden Gefechte nicht weniger an dem Geist und an dem Körper 
der Truppe. Selten nahm der Feind den Angriff an,er 
entzog sich der Entscheidung durch fruhzeitigen Ruczug, setzte 
sich von neuem in der nachsten Stellung unv nötigle den An— 
greifer wieder zu ermudenden Entwigelungen, langwierigen 
Vorbereitungen und zeitraubenden Umgehungen, welche die 
Kräfte der angreifenden Truppe stark in Anspruch nahmen. 
Kaum verging seit langer Zeit ein Tag, an dem man nicht 
mit dem Feinde in direkter Berührung gestanden hätte, oder 
ohne dahß naher Kanonendonner auf die Wahrscheinlichteit be— 
vorstehenden Kampfes die Nerven in Anspruch nahm. 
Ter Mannschaftsstand nahm in sorgenerregender Weise ab 
weniger direkt durch die Gefechtsverluste, als durch Krant— 
beiten, Zurücbbleiben von Maroden und Kommandierten aller 
Art. Eine wahre Kalamität war die Bewachung und Fort⸗ 
schaffung der Tausenden und Abertausenden von Kriegsgefan— 
genen geworden, die eine große Zahl von VBVewachungsmannschaftem 
der Truppe entzog. Und alie diese Zurüchgebliebenen, Ge— 
nesenen. Kommandierten erreichten bei der ununterbrochenen 
Borwärtsbewegung der Armee ihre Kompagnie usw. ebenso 
elten wieder, wie die aus der Heimat und aus den Etappen⸗ 
rten nachgesandten Nachschübe an Leuten, Bekleidung und 
Runition, die wir so sehr nötig hatten. Mit jedem Schritte 
en wir uns von der Heimat entfernten, wuchs dieser Uebel⸗ 
tand, während unsere Feinde immer mehr sich ihrer Heimat 
hren Stützpunkten näherten, wo sie die Lücken in Munition, 
horräten und Mannschaft ausfüllen konnten. Die Kaders 
inserer Verbände zählten die Fälfte und oft weniger, als 
hre Sollstärke betrug und bei Veurteilung der gegenseitigen 
Ztärkeverhältnisse tut man gut, sich zu vergegenwärtigen, 
»ah eine Division im Dezember 1870 das war, was eine 
drigade, ein Regiment nicht viel mehr als ein Bataillon beim 
zeginn des Krieges bedeutete. Charge und Dienststellung 
eckten sich in der Führung lange nicht mehr. Ganz junge 
Affiziere und Reserveoffiziere führten meist die Kompagnien — 
das lähmte die Führung und die Verwendbarkeit der Armee 
eträchtlich. Nun denke man an die Witterungsverhältnisse, 
in das meist naßlalte Wetter, das mit Ausnahme weniger 
rostllarer Tage seit der Mitte des November vorherrschte 
mn die aufreibenden Mühseligkeiten der Märsche in dem fetten, 
ufgeweichten Boden, in den man neben den Wegen oft knietief 
insank, an die Kläglichkeit des Bekleidungszustandes, zumal 
»es Schuhzeuges — man wird verllehen, daß eine bedenkliche 
Dudigkeit sich des Körpers und des Geistes zu bemächtigen 
zegann, daß, wenige starke Gemüter ausgenommen, jeder auch 
»er glücklichen Gefechte müde war, daß die Kriegsbegeisterung 
nur fladernd fortbrannte, daß die Sehnsucht nach Ruhe und 
IRdnung eine allgemeine war. 
Das alles hatte auch wohl die Seele unseres kriegs⸗ 
und truppenkundigen Prinzen während jener Stunden des 
harrens auf die Entscheidung am Loir auf dem Felde bei 
La Chapelle Vendomoise bewegt, als er sich entschied, der 
wveichenden Armee Chanzys nicht in die Fernen des französischen 
Wessens zu solgen. sondern in einer Zentralstelluna an ver 
— 
Loire seinen Truppen die notwendige Erholung und die Mög— 
lichkeit zu gewähren, sich für die Losung neuer an sie heran— 
tretender Aufgaben instandzusetzen. Freilich kamen die Vor— 
teile dieser in den Kriegshandlungen eingetretenen Pause auch 
dem Veinde zugute, der sie zurzeit wohl noch weit not 
wendiger gebrauchen konnte, als wir. 
Bei Vendome war dem 10. Armeekorps eine ganze Menge 
— 
respondenzen in die Hand gefallen, die das deutlich bewiesen. 
Auch hier war der Mannschaftsstand zeitweise bis auf die 
Sälfte des Sollbestandes herabgesunken. Wo sich die fran⸗ 
zösische Armee zurüczog, waren hinter den Marschkolonnen 
die Straßen bedeckt mit zurüdgebliebenen Leuten, die nicht 
mehr khonnten oder meistens nicht mehr wollten, die sich lieber 
jefangen gaben, als daß sie die Anstrengaungen der Märsche, 
das Elend der nassen Biwals, die Gefahren der Gefechte noch 
iänger ertrligen. Und unseren Leuten lag es dann ob, diese 
Bande zu bewachen, sie zu verpflegen und zurüchzuschaffen. 
Aber mit Staunen und Bewunderung muß man die Hin— 
jebung und die Arbeit der franzöfischen Regierung, deren 
Seele der Advokat Gambetta war, und der Behörden an— 
erkennen, die in kürzester Zeit die Reihen der Truppen wieder 
zu füllen, für gute Bekleidung zu sorgen, die Armee mit Ge⸗ 
wehren, Geschützen und Munition zu versorgen verstanden und 
so die zum Teil tüchtigen Generäle in den Stand setzten, die 
nationale Verteidigung fortzusetzen, neue Versuche, die Offen⸗ 
ive zur endlichen Befreiung der Houptstadt zu beginnen. Neue 
Armeekorps wurden den Armeen zugeführt, und so oft uns 
französische Heere in dieser Kriegsperiode gegenübertraten, waren 
lie jedesmal um das doppelte und mehr stärker als wir. Dabel 
war die Bewaffnung ihrer Infanterie mit ihren weittragen⸗ 
den, schnell schießenden Gewehren weit besser, als die der 
unsrigen mit dem nicht weit schießzenden Zundnadelgewehr, dessen 
Papierpatronen keine Nässe vertrugen und dessen Mechanismus 
bei kalter Witterung mit den tlamm gefrorenen Fingern nur 
schwer u bedienen war. 
(orfekung fosat
	        
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