Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

— 686 —93 1 —V b ⏑ * P 44 
Ausgabe A. —XEXL 
Abend⸗Blatt Ur. 43. 
— 
„Schreiber hat in der Aufruhrsache Wedding die Festnahme 
eines Menschen veranlaßt, der eine Laterne zertrümmert hat. 
Er wird bestimmt in dieser Sache als Zeuge geladen werden. 
Er möchte nun nicht bei der Verhandlung aus der Strafhaft 
yorgeführt werden und bittet, die Vollstreckung der Strafe 
von einem Jahr bis zur Erledigung der Verhandlung in 
Zache „Strike Wedding“ hinauszuschieben.“ Es kann zweifel⸗ 
jaft sein, so fährt Rechtsanwalt Dr. Cohn fort, ob der 
Wunsch, den Belastungszeugen nicht aus der Strafhaft vor⸗ 
jeführt zu sehen, in erster Linie ein Wunsch dieses Zeugen 
ind nicht vielmehr ein Wunsch der Kriminalpolizei war. 
Jedenfalls glaubte der Kriminalkommissar Kuhn, dieses Ein—⸗ 
reten für Schreiber noch besonders begründen zu müssen. 
fkr tut dies nämlich in dem amtlichen Vermerk mit den 
Worten: „Schreiber ist auch sonst für die Polizei 
ätig“. Die Rücksichtnahme der Polizei auf den Zeugen 
Zchreiber geht sogar noch weiter. Auch der Dirigent der 
driminalpolizei, Oberregierungsrat Hoppe, verdannte nicht, wie 
er Jurist sich ausdrückt, die moralische Verpflichtung der 
riminalpolizei, für ihren Diensthelfer Schreiber einzutreten. 
der Kriminalkommissar Kuhn übersandte nämlich diesen Ver— 
nerk mit dem Zusatz: „nach Rücksprache mit dem 
zerrn Dirigenten“, und unter der Firma: „Der Polizei⸗ 
räsident. Abteilung 4“ dem Ersten Staatsanwalt beim Land- 
gzericht J und bat ihn, „falls besondere Bedenden nicht be— 
tehen, dem Strafaufschubsgesuch des Schreiber zu entsprechen.“ 
lußerdem wurde dem neunmal vorbestrasten Zeugen Schreiber 
zas Vertrauen geschenkt, daß er diesen Brief mit dem amt— 
ichen Vermerk persönlich dem Ersten Staatsanwalt überbringen 
urfte, während sonst nur der amtliche Aktenwagen oder die 
zost benutzt wird. Der letzte Aktenvermerk in der 
zache Schreiber ist von dem betreffenden Staatsanwalt mit 
olgendem Zusatz versehen: 1. Die Verhandlungen wegen der 
Veddingtrawalle schweben noch. 2. Vorzu egen am 1. Febr. 
911. — Das ganze Verfahren interessiert uns wegen der 
ßzlaubwürdig!eit des Zeugen Schreiser. Ih ste le desheld den 
lntrag, diesen nochmals zu laden, ebenso auch den Gastwirt 
zuchs. — Das Gericht gibt nach kurzer Beratung diesem 
Intrage statt. Der Zeuge Schreiber soll sosort telephonisch 
jeladen werden. — Staatsanwalt Brüning erklärt, daß er 
die Anklage gegen Tietz fallen lasse 
Aus d Nachbargebieten. 
Sansestäͤdte. Vasst F 
men, 24. Jan. In einem afsfin ⸗ 
ructe ist der 13 Jahre alte Sohn eines Landmannes in 
der Woltmershauser Vorstadt. Der Knabe war beim Spielen 
n ein auf der Diele befindliches, etwa 32 cm tiefes Wasser⸗ 
hassin gefallen. — Von der Transmilsion erfaßt 
nde dein Riemenauflegen in einer Muhle ein Müller. Er 
de Iber die Transmission geschleudert und ihm der linke 
Tnterarm unterhalb des Ellenbogens ausgerissen. -. Das 
e der butigen Messerstechered, die lüch hier. 
die schon kurz gemeldet, am Brill ereignet hat, ist der erst 
ags zuwor von einer Seereise zu seinen Eltern heimgekehrte 
Jahre alte Matrose Heinrich Schmidt geworden. Der Messer⸗ 
lecher ist der Schlosser Poersch. — Die Verhandlungen 
der Strafkammer wegen der Straßenkrawalle 
haben Sonnabend ihren Fortgang genommen. Vormittags 
urden ber Schuhmacherlehrling Friedrich Wolthusen und der 
Klempnerlehrling Friedrich Kuttuerot, beide 17 Jahre alt, von 
der Anschuld'gung, sich an den Zusammenrottungen vom 18. Ott. 
beteiligt und sich durch Pfui- und Oho⸗Rufe bemerkbar ge⸗ 
nacht zu haben, freigesprochen. In der Nachmittagsverhand⸗ 
ung wurde der 21 Jahre alte Arbeiter de Boer, weil er 
den Schutzleuten, die die wegen Aufruhrs verurteilte Arb eiterin 
Bohne zur Wache transportierten, mehrfach „Pfuil“ zugerufen 
jat, zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. 
Lauenburg. 
Lauenburg, 24. Jan. Ordensverleihung. Der 
Kgl. Kronenorden 4. Klasse wurde dem Kaufmann und Stadt⸗ 
herordneten⸗Vorsteher Kampff, Lauenburg; das Kreuz des All⸗ 
Jemeinen Ehrenzeichens dem Privatmann Stöhlcke, Lauenbura, 
verliehen. 
Raßeburg, 24. Jan. Ein Feiertag weniger. 
Bom Oberpräsidenten der Provinz ist im Einverständnis mit 
»em Provinzialrat in Aussicht genommen, den 8 1 der 
Bolizeiverordnung vom 20. Febr. 1896 außer Kraft zu setzen. 
damit wird der Gründonnerstag als Feiertag für die Provinz 
Zchleswig⸗Holstein vom Staate aufgehoben. — Im Stadt⸗ 
verordnetenkollegium wurden Kaufmann Scheidling zum 
Vorsteher und Buchbindermeister Fr. Peters zum stellvertreten⸗ 
o»en Vorsteher einstimmig wiedergexäält. — Gestorben ist, 
31 Jahre alt, Frau Caroline Wagner, Witwe des früheren 
Bürgermeisters Wagner in Mölln. Mit der Dame verliert 
insere Stadt ihre älteste Einwohnerin. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Schwerin, 24. Jan. Der Großherzog begab sich 
Sonntag mittag, wie schon angekündigt, nach Rostock, fuhr 
vort zunächst ins großherzogliche Palais und später ins Stadt⸗ 
heater und wohnte der Plautus⸗Aufführung von Studierenden 
der klassischen Philologie an der Rostocker Universität bei. Nach 
)er Vorstellung nahm der Großherzog an einem Diner in 
der Offiziersmesse des Füsilierregiments Nr. 90 teil und traf 
abends hier wieder ein. 
Röbel, 24. Jan. Niedergebrannt ist der Stall 
ind das Wohnhaus des Ackerbürgers Müller, sowie das Wohn⸗ 
jaus und die Stallungen des Ackerbürgers Töwe. 
88 Grevesmühlen, 24. Jan. Im Bürgerverein 
gab der Vorsitzende, Schuhmachermeister Ehlers, einen Rücdblick 
auf das verflossene Vereinsiahr. Die Kasse weist einen Be⸗ 
tand von etwa 180 Meäauf. In den Vorstand wurden ge— 
wählt Tischlermeister Rieck und Maurer Kletzien, in den Fest⸗ 
usschußß Photograph Ehlers, Schmiedemeister Wulf und 
Schlachter Hinrichs jun. Die Mitgliederzahl beträgt 178. — 
Ddie Hanseatischen Siemens⸗Schuckert-Werke in 
ßamburg, die den Bau der Ueberlandzentrale in 
Zdübeck ausführen, haben unter Leitung des Ingenieurs 
Schaper ein Baubureau errichtet, das sich den Interessenten 
ur Nuskunftserteislung und aur Ausarbeitung von Kosten- 
inschlägen zur Verfügung stellt. — Eine Treibjagd ver—⸗ 
nstaltele Graf v. Platen auf der Mummendorfer Feldmark, 
uf der von 14 Schützen 49 Hasen und 12 Fasanen erlegt 
hürden. — Die Ortskrankenkasse hat ihren wõchent⸗ 
schen Beitrag vom 1. Febr. an für die 1. Klasse auf 30 Pf. 
ur die 2. Kiasfe auf 241 Pf. und fur die 3. Klasse auf 18 Pf 
estgesetzt. 
ISchönberg, 24. Jan. Ihren Anschluß an 
ie Ueberlandzentrale in Lübed haben die Ort— 
chaf en Boitin⸗Resdorf. Kl. Mist, Sabow, Schlagsdorf und 
z'e'hen angemeldet. — Das Werk der Flurnamen— 
o rschung im Fürstentum, das hier vom Altertums⸗ 
erein in die Hand genommen ist, nähert sich seinem 
ziele. Von 47 Dörfern sind die Flurkarten mit Namen 
ersehen, und die fertiggestellten Arbeiten sind an die Flur⸗ 
amentommission in Rostock weiterbefördert. Der Alter- 
umsverein beabsichtigt, das Gebiet des Färstentums Ratze⸗ 
urg von einem Fachgelehrten besonders bearbeiten zu 
issen — Der Kavalleristenverein feierte schon Sonn⸗ 
zg Kalsers Geburts?ag durch einen Festball. Die Ansprache 
zezt der Vorsitzende Färbermeister Stecker. — Einen 
rurngang nach Selmsdorf veranstaltete Sonntag der 
Turnerbund. In Selmsdorf fand ein Zusammentreffen mit 
em Schlutuper Turnverein statt 
die weddinakrawalle vror der Strafkam mer 
Berlin, 23. Januar. 
Aus der heutigen Verhandlung teilt die Tägl. Rund'chau 
achstehendes mit: Rechtsanwalt Dr. O. Cohm führte u a. 
us: Die Verteidigung behauptet, daß der Zeuge 
zchreiber, der als „freiwilliger Poliijt“ e'nen der Ange⸗ 
lagten festgenommen hat, mit einem ganz boesti amten Austrag 
n die Krawalle hineingegangen sei, nämlich dem, Unruhen 
u stiften, d. h. um als „agent provoeateur“ tätig 
uu sein. Ferner wird behauptet, daß Shreiber seit etwa 
ehn Jahren gegen feste Vergütung in dem Dienst der Polẽ:zei 
ehe und bei den Unruhen selbst „Bluthunde“ geschimpft 
abe. Das Gericht hat auf Antrag der Verteidigung festge⸗ 
ellt, daß Schreiber wegen Diebstahls zu einem Jahr Ge— 
jingnis verurteilt worden ist. Die Verteidizung behauptet, 
aß Schreiber außerdem noch achtmal wegen Dieb⸗— 
tahls und anderer Vergehen vorbestraft ist. Daß 
cchreiber trotz dieser Vorstrafen ein Wer zeug der Polizei 
ꝛi und von dieser in Schutz genommen sei, beweise folgen⸗ 
es: Nachdem Schreiber Ende November 1909 das Urteil 
rhalten hatte und seine Revision zurückgewiesen war, reigte 
x am 7. Mai 1910 ein Gesuch um Strafaufschub ein. Dieses 
durde zurückgewiesen mit dem Bescheid, daß Srribver bis 
um 1. Juni die Strafe anzutreten habe. Als ein zweites 
zesuch von dem Oberstaatsanwalt bei dem Kammergericht 
oenfalls abgelehnt wurde, erfolgte am 13. Juni gegen 
ichreiber Haftbefehl, der aber von der Volizei nicht 
usgeführt wurde. Vielmehr wurde am 19. Juni in 
en Akten vermerkt, daß Schreiber nach Angabe eines Pol'zei⸗ 
eamten lungenkrank sei. Es wurde daraufhin bis zum 
sugust nichts unternommen. Erst nachdem Schreiber durch 
en Gerichtsarzt, Professor Dr. Straßmann untersucht worden 
ar, lehnte die Staatsanwaltschast durch Bescheid vom 9. Nov. 
ndgültig einen weiteren Strafaufschub ab, bewilligte dem 
—chreiber aber, daß er erst am 28. Nov. die Strafe antreten 
nüsse. Dies war also schon nach den jetzt zur Anklage 
ehenden Vorfällen. Nunmehr ereignete sich etwas, das, wie 
ie Verteidigung behauptet, nicht ganz alltäglich ist. Zu 
»n Akten gelangte ein amtlicher Vermerk des 
riminalkommissars Kuhn, der, wie schon bei den 
doabiter Fällen, so auch bei den Vorfällen auf dem Wedding, 
iie kriminalpolizeiliche Leitung hatte. In diesem Vermerk 
»*74rte angeblich der Kriminalkommissar Kuhn wörtlich? 
Vermischtes. 
Zu den Moabter Krawailproce sen. In der Begründung 
es Urteils des Schwurgerichts wird ausgeführt: „Die An— 
eklagten sind in Ausständige und solche, die nicht dazu⸗ 
ehören. zu scheiden; ersteren ist der Lohnkampf und ihr 
jeringer Bildungsgrad mildernd anzurechnen, andecseus aber 
nü'sen die schweren Folgen ihrer Haändlungen berüchichtigt 
berden. Für die zweite Grupoe der Angeklagten fallen die 
Nuderungsgründe fort. Im übrigen haben die Verhand— 
ungen ergeben, daß die Polizei zunächst mit Besonnenheit 
orging; sräter, als infolge des Verhallens der Tumul⸗ 
uanten der Waffengebrauch freigegeben werden mußte, sind 
lusschreitungen einzener Beamten vorgecommen, sür die 
ber die Verwaltung als solche nicht verantwortlich zu 
zachen sei.“ — Gegen das Urteil im ersten Moabiiter 
Frawallprozeßß; das, wie mitgeteill, am 11. Jan. d. J. 
jon der vierten Strafkammer des Landgerichts J gefällt 
vorden ist, haben 9 Angeklagte Revision beim Reiqhesge⸗— 
richt eingelegt. Dazu gehören u. a. der Schlosser Paul 
Boch, der wegen schwerer Körperverlezung und Beleidi— 
zung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, 
)»er Arbeiter Otto Tiedemann, der wegen Landfriedens— 
hruchs 1 Jahr 6 Monate Gefängnis erhielt, und der Ar— 
beiter Heide, der mit neun Monaten Gefängnis bestraft 
vurde. Die Staatsanwaltschaft hat ihrerseits auf das 
nechtsmittel der Repision verzichtet 
„der Rosenkava lier“.“) 
Musikalische Kemödie in 3 Aufzügen von Hugo 
v. Hofmanusthal. Musit von Richard Strauß. 
Araufführung im Königl. Opernhause zu Dresden, Donnerstag, 
den 26. Januar.) 
241. Das neue Bühnenwerk Der Rosenkavalier“ wird 
ins auch seine Schöpfer, den Komponisten und den Dichter, von 
riner neuen Seite zeigen, wie es nach der „Elektra“ mancher 
nicht für möglich gehalten hätte. Wer den köstlichen Humor 
des Komponisten der Jugendsinfonie,,Aus Italien“, seines, Don 
Quixote“, seiner „Domestica“ kennt, wer der erotischen Kraft 
ieler seiner Lieder nachspürte, dem war es von vornherein 
lar, daß Strauß gerade für das musikalische Lustspiel alle 
Farben der melodischen, wie der instrumentalen Illustration 
ur Verfügung stehen. Ihm fehlte nur bislang das seiner 
Begebung zusagende Textbuch. Hugo v. Hofmannsthal ver⸗ 
ieugnet sich auch im „Rosenkavalier“ nicht, allein er hat in 
eine Musikkomödie eine solche Fülle heiterer Situation ver— 
lochten, daß ihn manch findiger Schwankfabrikant darum be— 
ieiden wird. Das einzig Nachteilige, was bei Durchsicht des 
tlavierauszuges auffällt, ist die behagliche Breite verschie— 
ener Szenen. 
Die während der Regierung Maria Theresias in Wien 
pielende Handlung gliedert sich solgendermahen Die Feld⸗ 
marschallin Fürstin Werdenberg (Frl. Siems) scheutt dem iungen, 
istigen und lustigen Grafen Oktabian (Frl. v. d. Osten) ihre 
Hunst. Der Jüngling liebt die alternde Schöne mit dem ganzen 
Feuer der Jugend. Es ish fruüher Morgen. dDie Vögel jubi⸗ 
lieren „von den Wonneschauern der Nacht“. In den Vor— 
iimmern wird es lebendig. Kehrt etwa der Marschall un⸗ 
rwartet heim? Unndtige Sorge. Der weilt fern von Madrid“. 
Doch ein anderer kommt, der Baron Ochs von Lerchenau (Herr 
Perron), ein Verwandter. Er nuß seine Vermoögensverhältnisse 
angieren und will eben eine Mesalliance eingehen. Der frisch 
geadelte schwerreiche Armeelieferant v. Faninal Gerr Scheide⸗ 
nantel) hat eine bildhübsche Tochter Sophe (Frau Nasth. 
), Diesen Artikel veröffentlichen wir mit Genehmigung der 
Redaltion des Salonblattes in Dresden. 
Faninal nimmt den Schwiegersohn mit offenen Armen auf. 
die Etikette fordert jedoch, daß Baron Ochs einen jungen Ka— 
alier seiner Verwandtschaft zu der Braut sende, der ihr 
ine silberne Rose überbringe. Diesen „Rosenkavalier“ soll 
ie Marschallin dem Baron auswählen. Oktavian hat sich, 
ls der Baron zur Feldmarschallin kam, schnell als Kammer— 
ofe verkleidet und den alten Don Juan, der mit seinen 
iebeserfolgen ungeniert protzt, anz aus dem Häuschen ge⸗ 
racht. Das „Mariandl“ muß die Marschallin ihm überlassen. 
IMt fast bäuerischer Derbheit verlangt er nach einem Schäfer⸗ 
ündchen mit der vermeintlichen Zofe, zumal ihm die Fürstin 
it Hilfe eines Medaillonbildes Oktavians einredet,, Mariandl“ 
i (daher die frappante Aehnlichkeit zwischen beiden) die 
- unebenbürtige Schwester des jungen Edelmannes. Die Mar— 
hallin Fürstin Werdenberg schickt dem Baron nun ihren Ok— 
awian, der von seinen Freunden und Freundinnen auch den 
dosenamen „Quinquin“ empfing, als „Rosenkavalier“. Freilich 
erkt sie zu spät, dah der junge Graf wohl für sie ver—⸗ 
oren sein werde, wenn er erst die schöne Braut gesehen. Doch 
a sind noch der italienische Agent Valzacchi und seine Nichte 
Immina in der Nähe der Marschallin. Er bietet sich dem 
garon an, das Stelldichein mit „Mariandl“ (er hat die obige 
zzene belauscht) zu vermitteln und ihm auch sonst zur Hand 
u sein. Der zweite Akt spielt bei Herrn von Faninal. 
vᷣlänzende Auffahrt des Rosenkavaliers, später des Bräuti— 
ams, dessen Manieren sehr unvorteilhaft von der ruhigen 
leganz Oktavians abstechen. Während der Baron im Neben⸗ 
mmer mit dem Notar und Herrn v. Faninal das „Geschäft— 
iche“ erledigt und die Duenna Sophiens fur kurze Zeit ab⸗ 
vesend ist, fangen die jungen Herzen Feuer. Järtliches Duo. 
lus geheimen Türen schleichen Valzaccht und Annina herbei 
ind machen Lärm. Der Baron kommt. Tableau. Oktavian 
erwundet ihn mit dem Degen, den der Lerchenauer nur not⸗ 
edrungen zog. Faninal und der Medikus trösten ihn mit 
Bein. Sophie traurig, Oktavian wütend ab. Annina erinnert 
en Baron an das Stelldichein mit ,‚Mariandl“. Das gibt 
hm neuen Lebensmut. Doch da die verschlagene Italienerin 
zald seinen schmutzigen Geiz erkennt, schwört sie ihm Rache. 
den dritten Akt leitet ein mehrstimmiges langeres Fugato ein, 
vährend die beiden ersten Akte Introduktionen haben. Extra—⸗ 
X 
immer in einem Gaschauze. Valzacchi und Annina, die Oktavian 
ür seinen Plan gewonnen hat. erscheinen zunächst auf der Bild⸗ 
läche, nach ihnen die Personen, die später den Baron entlarven 
ollen. Gerade ist „Mariandl“ eingetroffen, da naht auch 
chon der Lerchenauer. Er girrt wie ein Täuberich, doch 
nacht ihn die Aehnlichkeit der Zofe mit Oktavian irre. Den 
zeugen des Stelldicheins wird auf ihren Posten die Zeit 
ang. Zunächst taucht ein Mann aus der Versenkung auf, um 
ofort wieder zu verschwinden, dann erscheint Annina als 
ngeblich trauernd Verlassene. Nach ihr vier Kinder, die im 
zerlauf des Altes dem Baron mit ihrem zudringlichen, Papa!“ 
rge Verlegenheiten bereiten. Der Baron ruft in seiner Angst 
ach der Polizei, deren Kommissar ihm aber nicht hilft, 
ondern ihn nachdrücklich ins Gebet nimmt. Der Baron lügt 
ich immer mehr hinein. Nacheinander kommen Faninal mit 
einer Tochter und zuletzt die Marschallin. Ochs v. Lerchenau 
nusg abziehen. Ohne Braut und ohne Mitgift. Die Mar— 
challin vereinigt Oktavian mit Sophien und will dem von 
Faninal gefürchteten Standal dadurch vorbeugen, daß sie mit 
en Dreien im offenen Wagen zu ihrem Palais fahren wird. 
Richard Strauß hat den außerordentlich bühnenwirksamen 
kext mit blühender Melodik umgeben, klangschönen, prächtigen 
dantilenen und dann mit reizvoillen, einschmeichelnden Wal⸗ 
ern von echtem Wiener Schmelz, als kämen sie von Johann 
ztrauß Vater. Nicht minder fessein die prickelnden und humor⸗ 
ollen Charakteristika, die überall da angebracht sind, wo 
„ie Situation sie fordert. Es sei nur an den Auftritt des 
leinen schwarzen Schleppenträgers der Marschallin im ersten 
lkte und an seinen Abgang am Schlusse des Werkes erinnert. 
zesonders fein sind auch der „Wahnmonolog“ der Mar⸗ 
hallin, sodann die Verlegenheiten des Barons musikalisch illu⸗ 
riert. Und da die Ausstattung des Altwiener Milieus zwei⸗ 
ellos glänzend ist, wird bei der musterhaften Besetzung, die 
ich bis auf die kleinen und kleinsten Partien erstrecht, die 
lraufführung unter Herrn v. Schuchs Leitung zu einer Sen— 
ation werden. Das Haus ist schon laͤngst, trotz der hohen 
dreise, ausverkauft. Hunderte von auswärtigen Berichter⸗ 
lattern werden reichlich Gelegenheit haben, wieder einmal den 
kuhm unserer Hofoper in allen Landen zu künden. 
Heinr. Platzbecker.
	        
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