Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

träges. Am kommenden Sonntag, wie gewöhnlich7 Uhr abends 
beginnend, wird SHerr Warncke einen Vortrag über „Zunft⸗ 
wesen“ halten. 
Der St. Lorenz⸗ Verein konnte in seiner gestrigen ersten 
Bersammlung im neuen Jahre 4 neue Mitglieder aufnehmen. 
Hon neuen Kommunalverein Hüxtertor⸗Marli war ein Schreiben 
eingegangen, in dem die Gründung des Vereins angezeigt wurde. 
zeir Dr. Wichmann, der in Vertretung des Vorsitzenden, 
zerrn Dr. Weske, die Versammlung leitete, sprach seine 
Freude uber die Vereinsgründung aus und gab der voffnung 
Jusdrud, daß die Wünsche des jungen Vereins alle in Erfüllung 
Jehen mögen. Herr Rudolf Gosch nahm hierauf das Wort 
u seinem Vortrage uüber „Die Verbreiterung der Moislinger 
Allee“. Wie der Referent einleitend bemerkte, hat ihm die Senats⸗ 
rorlage, die sich mit der Pflasterung und Neuregulierung der 
Mois nger Allee beschäftiat, Veranlassung gegeben, diesen Vortrag 
u halten. Die Pflasterung der Moislinger Allee sei ja schon 
unge geplant, denn das diesbezügliche Dekret des Senats an die 
Bürgerschaft datiere schon vom 19. Sept. 1908; die Buürger⸗ 
haft hätte jedoch damals beschlossen, die Pflasterung 
Ihzurückzustellen und diesen Beschluß damit 
hegründet, daß noch nicht abzusehen sei, ob eine Straßenbahn 
urch die Moislinger Allee gelegt werden solle. Geschehe 
ies, so müsse dann das neue Straßenpflaster wieder aufgerissen 
verden. Diesem Beschluß der Bürgerschaft sei der Senat da— 
snals beigetreten. Inzwischen sei aber das Proielit einer 
Streßenbahn durch die Möjslinger Allee in greifbare Nähe 
erüdt; in einigen Monaten würde eine Straßenbahnlinie Lin⸗ 
enplaß — Moislinger Allee bis zum inneren Wegebezirk oder, 
vas sehr wahrscheinlich sei, sogar bis zum Moislinger Baum er⸗ 
saut werden. Hiermit würde ein lang gehegter Wunsch der 
hewohner von St. Lorenz in Erfüllung gehen. Redner verbrei— 
ete sich dann ausführlich über die erneute Senatsvorlage, nach 
der der Burgerschaft zur Mitgenehmigung empfohlen werde, der 
haudeputation zur Pflasterung und Neuregulierung der Mois— 
inger Allee auf der Strecke von der Meierstraße bis 
sur Grenze des inneren Wegebezirks 76000 M 
vorschußweise zur Verfügung zu stellen. Ueber das Strahen— 
zahnprojekt konnte Herr Gosch mitteilen, daß die Strede vom 
dindenplatz bis zur Dornestraße zweigleisig und der übrige 
deil der Linie eingleisig ausgebaut werden solle. Die Dorne— 
traßze bekomme einen toten Strang, der die Resecvewagen für 
das Hansatheater aufzunehmen habe; das neue Depot werde 
zin der Finkenstraße errichtet werden. Auf der ganzen Strede 
seien zwei Weichen vorgesehen, eine am Hansatheater, die an—⸗ 
dere an der Margaretenstraße. Nach Darlegung der ganzen 
Verhaltnisse kam dann Herr Gosch auf den eigentlichen Kern— 
punkt und den Zweck seines Vortrages zu sprechen. Er betonte, 
daß gegen die Senatsvorlage an und für sich wohl niemand 
etwas einzuwenden habe; im Gegenteil, mit der Verwirklichung 
des Planes ginge nur ein allgemeiner Wunsch der Vorstadt- 
bewohner und der Städter in Erfüllung. Zu bemängeln sei 
nur, dah der erste Teil der Moislinger Allee, also diie 
Strecke vom Lindenplas bis zur Meierstrabe 
m der Senatsvorlage gar nicht berücksichtigt sei. Wäh— 
end man die Notwendigkeit der Regulierung des letzten Teiles 
der Allee (von der Meierstratze an) ohne weiteres einsehe, 
wolle man an der ersten Strecke dieser anerkannt verkehrs⸗ 
reichsten Vorstadtstraße gar nichts tun. Redner bezeichnete 
dies als halbe Arbeit; nach seiner Meinung seien hierbei 
iediglich Sparsamkeitsrücksichten Schuld, denn auch in maß— 
zebenden Kreisen erkenne man die Notwendigkeit der Verbrei— 
erung des ersten Teils der Moislinger Allee an. Die Breite 
des Fahrdammes betrage hier jetzt 7,5058 m, die Straßen- 
bahn (2 Gleise) erfordere insgesamt 5 m, so daß für den 
übrigen Wagenverkehr nur 2 mn zur Verfügung stehen würden. 
Das sei ein ganz unhaltbarer Zustand. Die Moislinger Allee 
weise schon jetzt einen außerordentlich starken Verkehr auf, der 
sich natürlich mit der Straßenbahnanlage noch steigeen werde. 
kr habe daher eine Eingabe ausgearbeitet, in der eine aus— 
reichende Verbreiterung der Moiclinger Allee (Lindenplatz- 
Vleierstrahße) gefordert werde. Auch der Verein der Fuhr—⸗ 
herrn sei in diesem Sinne vorstellig geworden. — In der sich 
dem Vortrage anschließenden Aussprache trat man den Aus⸗ 
führungen des Referenten in der Mehrzahl bei und es wurde 
schließlich eine Eingabe des Vereins an die Baudeputation, 
in der die Verbreiterung der Moislinger Allee, und zwar von 
Baumreihe zu Baumreihe, gefordert werden soll, zum Beschluß 
erbpben. — Reschlossen wurde ferner, an die Diretltion der 
i — 2—— 
Caruso, wozu dessen Gattin sinnig bemerkt: „auf daß mein 
Haus voll werde!“ In dieser Wohnung verlobt unter an—⸗ 
bderem Knibbel seinen eigenen Schwiegersohn, nein Stiefsohn, 
mit der Tochter des Kapitäns Lorenz, des richtigen, nicht des 
falschen, dieser selbige Kapitän Lorenz heiratet schließlich seine 
eigene Tochter; und Knibbels Schwiegersohn ist eigentlich sein 
Sohn erster Ehe mit einer Frau, die nie existiert hat, und er 
nuß, weil er den Falstaff nicht singen will, nein, weil Caruso 
eifersüchtig ist, in den Wäschekorb flüchten, wo hinein der 
Rasende auch seinen Stief-, nein Schwiegersohn wirst, weil 
er mit Carusos Frau in unerlaubter Situation — auch nein, 
das war ja der Kapitän, der später den Sänger ohrfeigt, 
wofür der sich herzlichst bedankt. — Aber welcher Kapitän? 
Der echte oder der mit dem Punschlkopp? — Hör' auf, sonst 
gehsle FJaport! 8.0. B. 
Zum Theaterkrieg in Kiel. Der Vorstand und Ausschaß 
ves Vereins der Musikfreunde haben an den Magistrat und die 
Stadtloliegien in näherer Begründung und Ausführung der Ein⸗ 
rabe vom 13. Dezember v. J. die Bitte gerichtet: 
.Die Vereinigten Theater nicht zur Verpachtung aus— 
zuschreiben, sondern mit Herrn Theaterdirektor Otto 
in Verhandlung treten zu wollen, um mit diesem einen dem 
Kern des Regiegedankens entsprechenden, zugleich 
aber der Finanzlage der Stadt Rechnung tragenden. 
bis 1917 geltenden Vertrag zu schließen; 
2. das mit dem Verein der Musikfreunde bestehende 
Vertragsverhältnis für die gleiche Zeit uu ver⸗ 
längern. 132*3 
Feriner wird empfohlen, mit dem derzeitigen Direktor Otto, 
ber bestens akkreditiert ist, und niemand in diesem Augenblick 
eine bessere Kenntnis der in Betracht kommenden Verhältnisse 
besitzt ols er, einen revidierten Vertrag abzuschließen. 
Der neue Vertrag müßte nach der Ansicht des Vereins der 
Musitsreunde zwei Gesichtspunkten Rechnung tragen: 
a) Der Theaterdirektor müßte an den von ihm er— 
zielten Ersparnissen und Mehreinnahmen be— 
teiligt werden. 
Die Befugnisse der Theaterkommission müßten auf 
ein allgemeines Aufsichts- und nur in dringenden Fällen 
einzusetzendes Interventionsrecht Peschränkt werden. 
dübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft die schrift— 
iche Bitte zu richten, in dem geschlossenen Vorraum des Bahn— 
sofes hinter der Sperre Bänke aufzustellen. 
Keine Nachricht vomn Ballon „Hildebrandt“. Ueber das 
Zchidsal des verschollenen Ballons „Hildebrandt“ und seiner 
znsassen, dies Rechtsan walts Dr. Kohrs und des Pro— 
uristen Keidel, ist bisher noch nichts bekannt geworden. Bei dem 
Zerliner Verein für Luftschiffahrt ist von einer Lotsenstation 
er Ostse⸗ ein Telegramm eingelaufen, nach dem in den letzten 
dager ein Ballon überhaupt nicht gesichtet worden ist. Es besteht 
ielleicht noch die Möglichkeit, daß der Ballon in Finnland ge— 
andet ist. Bedenklich ist allerdings, daß Rechtsanwalt Kohrs 
ie Absicht hatte, sich um den vom Berliner Verein für Luft- 
chiffahrt für die längste Fahrt des Jahres ausgesetzten Preis 
u bewerben, denn bei derartigen Rekordversuchen machen die 
zührer nur allzu oft den Versuch, ihren Ballon bis zum letzten 
sugenblid afuszufahren, wodurch das Gefahrenmoment natür— 
ich erheblich gesteigert wird. Der Führer, Rechtsanwalt Dr 
ZOohrs, bekanntlich ein Sohn des Bankiers W. Kohrs, Lübech, 
st 30 Jahre alt; er hatte sich seit ungefähr zwei Jahren dem 
Ballonsport gewidmet. Es war seine fünfte Fahrt, die erste 
iis Ballonführer, zu der er am Donnerstag aufgestiegen war 
der Vassagier des Ballons, Prokurist Keidel, der im 32. Jahre 
teht, hatte seine erste Ballonfahrt mit Dr. Kohrs unternommen. 
Er war bhei der Firma Gebr. Hammer, Berlin, seit 5 Jahren 
als Prokurist tätig. 
Verein gegen den Misibrauch geiftiger Geträuke. In 
den 6Verkaufsstellen wurden vom 1bis 31. Dezember 1910 
gegeben; 
Gläser Tassen Stück Gläser Ine 
Buͤlerm. Suppe Brot Milch Kaffe 
Markt — 584 1575 442 5852 
Struckfüähre — 455 2587 925 1620 
Lastadie 84 304 2912 1372 4697 
Markthalle — 259 1920 796 5014 
Antertrade — 253 712 361 3147 
Holstentor — 683 2323 220 1642 
84 3138 12029 4026 21872 
Außerdem wurden abgegeben: 369 Portionen Essen, 7506 Vor⸗ 
tionen Wurjt. 
Die Tragweise des Degens der Offiziere wird nach 
iner im Armeeverordnungsblatt bekanntgegebenen Bestim— 
nung derart abgeändert, daß au den Koppeln der Schwebe— 
jemen wegfällt und demgemäß am Degen das untere Ring⸗ 
and. Am Koppel wird am unteren Ende des Tragriemens 
Fröschehl) ein geschwärzter flacher Karabinerhaken aus Stahl 
ugebracht. Zum Tragriemen und Fröschel kann am Koppel 
ür Infanterie usw. auch Juchtenleder, zu dem Tragriemen 
ußerdem rotes, unten mit rotem Leder eingefaßtes Gurtband 
ind statt des Hilfstragriemens eine Kette verwendet werden. 
is wird dabei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich 
icht um die Einführung neuer Koppel handelt, daß vielmehr 
ie jetzigen Koppel nach Entfernung des Schweberiemens 
Schleppriemens) und Anbringung eines geschwärzten Kara⸗— 
inerhakens am Fröschel weiter getragen werden können. Die 
brigen angeführten Aenderungen an den Koppeln sind ledig— 
ich freigestellt. Auch bei den unberittenen Portepee-Unter⸗— 
ffizieren fällt der Schleppriemen an den Koppeln sowie das 
intere Ringband am Degen Säbel) fort. Degenscheiden mit 
interem Ringband können von den Offizieren usw. nach Ent⸗ 
ernung der unteren Ringbandöse aufgetragen werden. 
- Fahrraddiebstahl. Am Sonntag, 1. Jan., zwischen 
1 und 12 Uhr mittaäags, ist vor der Stehbierhalle in der 
Nühlensiraße ein Fahrrad, Marke „Diamant JI“, mit schwarzem 
Bestell, ebensolchen Felgen, Gloke mit dem Namen „Störzner“, 
Freilauf mit Rücktrittbremse abhanden gekommen und vermust— 
ich gestohlen worden. 
0c Ein Fahrrad im Chaufseegraben gesunden. Am Freitas, 
30. Dez., ist in der Nähe der Herrenbrücke im Chausseegraben 
in Fahrrad mit schwarzem Rahmenbau, ebensolchen Felgen und 
Sebirgsreifen am Hinterrade gefunden worden. Die Lenk— 
tange ist von dem Rade entfernt. Es ist nicht ausgeschlossen. 
daß das Rad gestohlen worden ist. 
Luftschiffahrt. 
sr. Die aviatischon Fortschritte inr Jahre 1910 sind gewaltig 
und zu Beginn des Jahres kaͤum erträumte. Immer und 
immer wieder wurden die Weltrekords für Distanz, Dauer 
ind Höhen verbessert und besonders gegen Schluß des Jahres 
jab es zahlreiche Ueberraschungen. Den wertvollsten der noch 
russtehenden Preise, den 100 000 Frs.Preis des französischen 
lutomebil⸗Klubs, für den beiten Passagierflug von Varis nach 
zrüssel und zurück, gewann der Belgier Wynmalen (enry 
zerman⸗Zweidecker), da es keinem der zahlreichen Konkurrenten 
relungen ist, den ganzen Flug durchzuführen, geschweige denn 
ie Zeit Wynmalens von 27 St. 58 Min. (resp. angerechnete 
zeit von 36 Stunden) zu verbessern. Als letzter bewarb sich 
ioch anm 31. Dez. der Belgier Lanser um den wertoollen 
Zreis. Trotz günstiger Vorbereitungen gelang es ihm aber 
richt, einen Erfolg zu erzielen. Der für den besten Dauerflug 
»es Jahres ausgesetzte Michelin-Preis von 20000 Frs. fiel 
m den Franzosen Tabuteau, der noch am 30. Dez. auf einem 
M. Farman⸗Zweidecker einen neuen Distanzweltrekord auf— 
tellte, indem er in 7: 48: 31 534,935 km zurücklegte und da⸗ 
nit den von Legagneux seit dem 21. Dez. gehaltenen Rekdord 
»on 515,9 kmein 5: 59 beträchtlich drückte. Der dritte große 
zreis von 25 000 Frs. um den Prix Lazare Weiller, der für 
»en besten Offiziersflug mit Passagier ausgesetzt worden war, 
vurde von Lt. Cammerman mit einer Flugleistung von 232 km 
n 4: 02: 30 gewonnen. Der suür den Kanalflug ausgesetzte 
nglische Preis des Barons de Forest von 80 000 Mifiel an 
Zopwitb, der von England aus nach Belgien flog und es auf 
281 kxw ebrachte. Der 25 000 Frs⸗Preis Doperduffin, für den 
chnellsten Flug über 100 km wurde von Laurens gewonnen, der 
zie Distanz in 1: 16 absolvierte. Den Coupe Femine gewann 
zrl. Dutrieux mit einem Flug von 167 kmein 2: 33. Der 
jeißumstrittene Höhenweltrekord wurde zu Beginn des Jah—⸗ 
es von Latham (Antoinette) mit einer Flughöhe von 500 m 
zehalten. Im Laufe des Jahres stieg er schnell auf 1000, 
2000 und im Dez. auf über 3000 m und der jetzige Inhaber 
»es Weltrekords Hoxsey brachte es am 26. Dez. auf 3474 m 
zöhe. Der Distanz-⸗Weltrekords, der, wie schon oben an— 
gegeben, von Tabuteau mit 1584,935 km gehalten wird (Flug⸗ 
eit 7:48: 31) stand zu Veginn des Jahres auf 234,212 Km, 
ie von Henry Farman in 4: 17: 83 absolviert worden waren. 
Auch der Dauerrekord ist um das Doppelte emporgeschnellt, 
»enn Henry Farman verbesserte seinen vorjährigen Rekord von 
1: 17353 selbst auf 8: 12:50 (463 km). Der Passagierrekord 
»on Orville Wright mit 1: 35: 46 (3wei Personen) ist jebt 
m Dea. von Amerigo auf Aviatik-Doppeldecker auf 23: 19: 39 
erbessert worden. Außerdem wurde auch 1910 zum ersrenmon 
ein Flug mit6 Personen, die zus. 419,4 kg wogen, aus« 
jeführt, und zwar von Breguet in Frankreich. Ganz gewaltig 
ind auch die Fluggeschwindigkeiten angewachsen. Während 
909 die schnellsten Apparate nur erst 60 und 70 kmin 
er Stunde zurücklegten, sind jetzt Geschwindigkeiten von 140 km 
Stundenleistung erzielt worden, so von Barrier Gleriot) im 
Dezember. Auch bei dem Bennett-Rennen der Flugmäschinen, 
wurden Schnelligkeiten von 120 St.ekm erzielt, und der 
Zieger des Rennens Graham White hielt eine durchschnitt« 
iche Stundengeschwindigkeit von 100 Km inne. 
xustige Ecune. 
Wahres Geschichtchen. In der untersten Klasse einer 
Schule wiederholt die Lehrerin das in der vorigen Stunde 
durchgenommene. Auf eine diesbezügliche Frage melden sich 
vich die meisten der einen A⸗BiC-Schützen. Sie nimmt aber 
inen, der augenscheinlich nicht zu den Helden des Wissens zählt. 
Entrüstet erklärt aber der Kleine: „Na, ick habe mir ja 
ar nich jemeldet!“ 
Aus der Schule. Lehrer: „Wir wollen jetzt vom 
AIrsprung des Menschen sprechen. Was wißt ihr darüber?“ 
— Der kleine Emil: „Mein Vater sagt, wir stammten vom 
Affen ab.“ — Lehrer: „Von solchen Ausnahmen brauchen 
wir nicht zu sprechen.“ 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
W. Berlin, 3. Jan. Das Privatbeamtenversiche— 
ungsgesetz wird dem Bundesrate in den nächsten 
Tagen zugehen; seine Hauptpunkte werden gleichzeitig ver— 
ffentlicht. Dem Reichstage dürfte das Gesetz gegen Ende 
Januar zugehen. 
Eine Frauenprotestversammlung, die gestern zu 
sen Vorkommnissen in Mieltschin Stellung nahm, war zahl—⸗ 
eich besucht. Schliehlich wurde für die Frauen Sitz und 
ztimme in der Stadtverordnetenversammlung, 
owie in allen Deputationen und Körperschaften 
oerlangt, die zur Durchsühcung des Fürsorgeer— 
ziehungsgesetzes berusen sind. 
W. Rom, 3. Jan. Das Königspaar empsfing gestern 
n feierlicher Audienz das diplomatische Korps und 
iahm die Neujahrs wüäümsche entgegen. Königin Mar—⸗ 
zherita empfängt die Diplomaten heute. 
W. Lendon, 3. Jan. Nach einer Blättermeldung aus 
donstantinopel sind die Reste der Druslen von den 
ürkischen Truppen nach vierdägigem Gefecht öltlich von Kerak 
m Sandschak Hauran in die Wüste zurückgetrieben 
oorden. Ueber tausend Ausständige sollen sich ergeben haben. 
die Türken sollen bei den Kämpfen drei Offiziere und 104 
Mann verloren haben. Die Verluste der Drusen sind nicht 
räher hekannt. 
Magdeburg, 3. Jan. Ueber der Stadt erschien gestern 
iachmittag kurz nach 4 Uhzr, vom Biederitzer Busch kommend, 
n der Höhe von etwa 300 mmeine Flugmaschine. Der Aviatik- 
doppeldeder flog über die Elbe und den Alten Markt, dann 
»en Breiten Weg entlang bis zum Dom, umkreiste den 
dom und flog dann cuf demselben Weg zurücd nach dem 
Fracauer Anger, wo er im Gleitflug aus 1690 m Höshe glatt 
jandete. Die Insassen waren die Militärflieger Leutnant 
Mackenthun und Leutnant Foerster, die in Döberitz aufge— 
tiegen waren. Sie hatten zu der 120 km langen Strecke 
2 Stunden 10 Min. gebraucht, also eine Stundengeschwindigkeit 
bon durchschnittlich 60 Km erreicht. Das Wetter während 
der Fahrt war günstig, doch hatte der Führer die Soune 
mm Gesicht. Ein Militärautomobil mit mehreren Ofsizieren 
und dem militärischen Fluglehrer, das den Fliegern gefolgt 
war, traf etwa eine Viertelstunde nach ihnen ein. Der Apparat 
vurde in einem Schuppen auf dem Anger untergebracht. Wenn 
»as Wetter günstig bleibt, wollen die Herren heute früh den 
dückflug antreten. — Der Flug von Doberitz nach Magdeburg 
st der erste größere Ueberlandflug, den ein deut— 
cher Militärpilot ausgeführt hat. Einen kleineren Flug, 
der ihn bis Rathenow führte, hatte Leutnant Mackenthun, wie 
zerichtet, erst vor einigen Wochen gemacht. 
W. London, 3. Jan. Vor dem Totenschaugericht 
n Westminster fand gestern die Verhandlung über den Tod 
er 18jähr. Deutschen Charlotte Hannes, die sich von 
er Westminsterbrücke in die Themse stürzie, statt. Ihr Gatte, 
er 28jähr. Deutsche Georg Hannes, erklärte, er habe seine 
yrau vor dem Standesamto in Whitechapel geheiratet, weil 
ie die Einwilligung der Eltern nicht erlangen konnten. Nach 
er Trauung kehrten sie nach Deutschland zurück. Da beider 
skltern nicht verzeihen wollten, kehrten sie nach England 
urück, um Beschästtigung zu suchen, dies gelang ihnen aber 
richt, weshalb sie arohe Entbehrungen litten. Die Verstorbene 
chrieb iln ihren Vater, dieser erklärte aber, er habe käne 
Tochter mehr. 
W. Zoppot, 3. Jan. Bei einem Neujahrogexzeh 
wischen Zivil und der Polizei wurden zehn Personen und 
»ier Beamte durch Messerstiche und Steinwürfe 
ʒerletzt. 
W. Marburg, 3. Jan. In der Umgegend sind zwei 
Ztudenten durch das Umkippen eines Rodelschlite 
zens verunglückt, sie erlitten Beinbrüche und schwere 
dopf⸗- und innere Verletzungen. 
Emden. 3. Jan. Aus dem hiesigen Amtsgerichtsgefäng— 
lis entsprang der wegen Veiruges in Unterfuchungshaft 
efindliche, vielfach vorbestrafte 30jähr. August Thiede aus 
ztegen. Der Flüchtige wußte sich den Weg zum Dach zu 
ahnen und kletterte von dort aus an einem nebenstahenden 
Zaum hinab ins Freie. 
W. Aachen, 3. Jan. Zwei hiesige Damen, vermutlich 
Mutter und Tochter begingen Selbstmord, indem sie 
ich in den Stauweier der Talsperre stützten. Das Strombett 
der Sperre soll durchsucht werden. 
Moskau, 3. Jan. Die Insassen des von Altenburg 
iach Zuronun in Rißland geflogenen Ballons „Alten⸗ 
urg“, die von den russischen BehHörden sestgenommen waren, 
ind nunmehr freigelassen worden. 
W. Carasso (Calahrien), 3. Jan. Ein hiesiger Hirt wurde 
das Opfer eines Zweikampfes, der wegen eines Mädchens 
nit Beilen ausgetragen wirde. Den mit Wunden be⸗s 
deckten Leichnam fand man nachher auf Eilenbahnschienen, auf, 
velche er offenbar geleat wurde, damit er vom Zuage zer—⸗ 
nalmt mer do
	        
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