Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

vird ein Tanzkränzchen die Teilnehmer noch ein paar vergnügte 
Stunden zusammenhalten. 
b. Vergnügungsfahrt nach der Insel Bornholm. Wir wer« 
zen ersucht, darauf hinzuweisen, daß die am Dienstag, dem 
3. August, geplante Vergnügungsfahrt nach der Insel Born⸗ 
holm vermittels des finnländischen Salondampfers „Linnea“ 
ZHestimmt stattfindet. Es sind noch einige Plätze auf diesem 
dampfer zu vergeben und können eventuelle sofortige Anmel— 
»ungen noch Berückfichtigung finden. 
G. Travemünde, 6. Aug. Torpedoboote. Freitag 
iachmittag lief das Torpedoboot „V. 188“ in den Hafen ein, 
um hier bis Montag zu verbleiben, nachdem erst am Mittag 
das mit dem Fischereischutz in der Ostsee beauftragte Torpedo⸗ 
hoot wieder in See gegangen war. Es war das erstemal, daß 
wir Gelegenheit hatten, ein Fischereischußfahrzeug in den 
lübeckischen Gewässern zu verzeichnen. In diesem Falle han— 
delte es sich um Feststellungen, inwieweit die in die Trave 
inmündenden Abwässer der Fabriken die Fischerei im Bimen—⸗ 
vasser schädigen oder gar völlig zerstören. 
G. Trabemünde, 6. Aug. Ein Unglüdsfall ereig- 
iete sich gestern auf dem Sportpratz bei den Reitübungen zu 
jeute. Ein Reiter, der seine Uebungen beendet hatte, sprang 
ßom Pferde, hakte im Bügel fest und brach hierbei ein Bein. 
Der Verletzte wurde zunächst in das Kurhaus transportiert, 
woselbst ihm die erste ärztliche Hilfe zuteil wurde. 
Samfestãdite. 
Hamburg; 6. August. (KKleine Nacrichten.) 
Fifchsterben. Seit einigen Tagen treiben in der Elbe, Bille 
und in den Kanälen Tausende von toten Fischen. Medizinal⸗ 
und Polizeibehörde, sowie das hygienische Institut lassen nach 
der Ursache des Fischsterbens forschen. Auch Elbfischer be⸗ 
tichten, daß besonders Aale. die an der Südseite der Elbe ge⸗ 
sangen werden, eingehen, sobald sie mit den Aalbehältern an 
der Nordseite der Elbe anlangen. So gingen einem Elb⸗ 
fischer etwa 130 lebend an das Nordufer geschaffte Aale nach 
ünf Minuten ein. Die Annahme, daß das Fischfterben auf 
zie große Hitze zurückzuführen ist, dürfte kaum stichhaltig sein, 
hielmehr muß angenommen werden, daß das Wasser an der 
Nordseite der Elbe besonders stark verunreinigt ift 
Schles wig⸗ Holstein. 
Wandsbek, 6. Aug. Zur Kesselexplosion in 
finschenfelde. Die gerichtliche Inaugenscheinnahme der von 
einer Kesselexplosion betroffenen Hartsteinwerke von 
Wulf, Stavenow⸗Hinschenfelde, hat ergeben, daß der explodierte 
Kessel kaum 783 Atmosphären Druck hatte, während er einen 
solchen von 10 Atmosphären auszuhalten vecmochte. Die Be⸗ 
hörde nimmt an, daß der Verschlußdeckel des explodierten 
stessels schadhhaft war. Das Material desselben besteht aus 
Stahlguß. 
Blankenese, 6. Aug. Einen Selbstmordversuch 
verübte Donnerstag abend der 181ährige Handlungsgehilfe Otto 
Auf aus Hamburg, indem er sich am Strande von Witten⸗ 
zergen eine Kugel in die Brust schoß. Die Wunde war jedoch 
nicht tödlich und zu einem zweiten Schuß fehlte dem R. der 
Mut. Er schleppte sich während der Nacht bis Falkental, wo 
er Freitag früh bewußtlos aufgefunden wurde. Seine Ver— 
etzung ist nicht lebensgefährlich. 
Segeberg, 6. Aug. Sechs Ausgewachsene Kreuz⸗ 
»ttern mit 55 Jungen erschlugen zwei Segeberger Präpa-⸗ 
randen im Kisdorfer Wohld. In dem nahegelegenen Todes⸗ 
jelde tötete ein Kätner eine Kreuzotter mit 17 Jungen. 
Großherzogtümmer Mecklenburg. 
„ Rehna; 6. Aug. Orgelabnahme. Dieser Taze 
sst die in unserer Kirche neuerbaute Orgel durch Prof. Rom— 
zerg-Schwerin endgültig abgenommen worden. Das Werk ist 
aus der Rungeschen Orgelbauanstalt-Schwerin hervorgegangen, 
»er Kostenpunkt beträgt 3700 M. 
88 Grevesmühlen, 6. Aug. Verliehen ist die 
eit Michaelis 19810 unbesetzte Schulstelle zu Hungerstorf dem 
weiten Lehrer Roxin zu Alt⸗Meteln bei Schwerin. Zur Schul⸗ 
zemeinde Hungerstorf gehören die fünf Ortschaften Hungerstorf, 
damberge, Everstorf, Naschendorf und HSilgendorf. — Der 
Abst-, und Gartenbaubertein wird sich nur durch wenige 
Mitglieder an der Wanderversanmlung des Verbandes meckllen⸗ 
urgischer Obstbauvereine, die am 12. und 13. August in 
2udwigslust stattfindet, beteiligen. Mit der Versammlung ist 
ine Ausstellung verbunden 
Briefkasten der Redaktion. 
X. D., Roechsstraße. Die Lübecker Straßenbahn beförderte 
m Juni 1881 67378 Personen, im Jahre 1911, also 30 Jahre 
väter, 6s83 497 Personen, das sind fast zehnmal so viel Passa⸗ 
jiere. Im Jahre 1882, dem ersten vollen Betriebsjahr der 
Lübecker S:raßenbahn, betrug die Zahl der beförderten Personen, 
hne Abonnenten, in 12 Monaten, Januar bis Dezember 
373 011 ⸗-60 008 Abonnenten — 733019 Versonen. das sind 
1096 Konzerte. 
Eine scharfe Beleuchtung unserer öffentlichen Musikpflege 
nüpft der Türmer (Stuttgart, Greiner & Pfeiffer) in seinem 
zuliheft an folgende statistische Zahlen: „In Berlin wurden 
in der Konzertsaison 1910/11 1096 Konzerte veranstaltet. Da 
sie Saison vom 26. September bis 10. Mai währte, also 13 
anz konzertfreie Tage abgerechnet, 213 Konzerttage umfaßte, 
o kommen auf den Tag durchschnittlich 5 bis 6 Konzerte. 
Tas größte Kontingent stellten die Sänger und Sängerinnen, 
die fast ein Drittel der ganzen Summe, 328, erreicht haben. 
Datan reihen sich die Klavierspieler mit 240 Konzerten. In 
nüchiter Reihe stehen die orchestrazen Tarbietungen mit 173 an 
der Zahl, darunter 17 selbständige Tirigentenkonzerte. Sehr 
ꝛrireulich ist die verhältnismähßig bedeutende Anzahl der 125 
Kainmermusikabende. Weiter wurden 100 Chorkonzerte, 64 
Zoroviolinistenabende, 15 Violoncellabende, 12 Kompositions- 
konzerte und 12 Orgelabende reranstaltet. Sehr interessant 
ist dabei ein Blick auf Wien und München, die doch auch 
wichtige Musikzentren sind. Diese beiden Städte, Wien mit 
1339 und München mit 374 Konzerten erreichen zusammenge— 
nommen nicht die Anzahl der in Berlin gebotenen musika— 
ischen Darbietungen.“ 
Oer Mitarbeiter der genannten Monaisschrift, es ist der 
Miusikhistorikter Karl Storch sagt dazu folgendes: In rein 
nusikalischer Hinsicht fällt bei der Statistit die Eintönigkeit 
inseres Musiklebens auf. Außer Klavier und Geige kommt 
mwir noch etwas Cello. sonst keines der Instrumente solistisch 
iur 80 000 mehr im Jahr, als die Lübeder Straßenbahn jetzi 
n dem einen Monat Junt beförderte. Im Jahre 1888 über 
chritt die Zahl der beförderten Personen bei der Lübecker 
zferdebahn zum ersten Male die erste Million (1617 141), 
vährendß im Jahre 1910/11 (1. April 1810 bis 31. Aug. 1811) 
3709 747 Personen auf den Linien der Lübeder Straßenbahn 
»efördert worden sind. 
E. M., Schwartau. Jeder Atlas sagt Ihnen, daß Neapel 
rördlicher liegt als Madrid. Madrid istz jene Großstadt 
des Kontinents, die uns den Begriff gibt, welche südliche Lage 
stewyork hat! 
A. F. Eutin. Die Uhr von J bis 24 eingeführt haben 
zereits Italien, Belgien, Spanien, Peru und der Staat Pa—⸗ 
iama. Jetzt will auch Frankreich die Stunden von 1 bis 24 
ãhlen. 
F. K. Breite Straßße. Die Bevölkerung der europäischen 
Staaten betrug in Millionen 
Frankreich 
deutschlant 
Jesterreich 
talien 
kngland 
Spanien 
Belgien 
bortugat 
Schweden 
hosland —* 
Schweiz 00 
Dãnemark 222,6 
Norwegen 02 22 1:32.08 
M 
1809 
39,2 
Wachstums⸗ 
perhältnis 
1:2,5 
1: 2,5 
1:2,0 
2219 
1392.5 
19 
Sieben Kinder durch Wespenstiche verletzt. Durch einen un⸗ 
ewöhnlichen Vorfall sind Montag nachmittag sieben Kinder 
erlezgt worden. Im Schöneberger Stadtpark stöberten, 
vie das Berliner Tageblatt meldet, mehrere Knaben ein großes 
Vespennest auf. Die Kinder stachen mit einem langen Stock 
n das Nest, als plötzlich Tausende von Wespen hervorkamen 
ind fich wütend auf die Ruhestörer stürzten. Die Kinder 
varen im Augenblick von Hunderten der gereizten Infekten 
ededt. Schreiend und vor Schmerz halb betäubt, warfen sie 
ich zu Boden. Einige Passanten eilten hinzu, die die Kinder 
nit ihren Kleidungsstücken bedeckten und durch Aufwerfen von 
dand und Lehm die Wespen zu verscheuchen suchten. Be— 
onders schwer verletzt wurde das 13jährige Mädchen Anna 
reuer. Man brachte die verletzten Kinder zu einem in der 
stähe wohnenden Arzt. Der Zustand der kleinen F. war 
edoch bereits so bedenklich, daß das Mädchen im Automobil 
iach dem Schöneberger Krankenhaus geschafft werden mußte, wo 
es hoffnungslos darniederliegt. Die übrigen Verletzten, sechs 
Knaben, die zum Teil 20 bis 30 Stiche erhielten, werden 
in den elterlichen Wohnungen behandelt. Die Schöneberger 
Feuerwehr sandte mehrere Beamte mit Rauchhelmen und Schutz⸗ 
Jandschuhen an die Unfallstelle, die das Nest mit Petroleum 
üllten und den nach Tausenden zählenden Wespenschwarm 
ernichteten. 
Die unsittlichen Wadenstrümpfe. Man schreibt der Welt 
eum Montag: Der Schulrat Bartold in Neustrelitz 
hat in diesen heißen Tagen einen Sittlichkeitsrekord aufge— 
tellt, den so leicht keiner überbieten wird. Der Klaffen- 
ehrer sandte ein paar Schüler aus der Schule heim, weil sie 
Wadenstrümpfe trugen. Sie sollten erst lange Strümpfe 
mziiehen! Der beschwerdesührende Vater wandte sich an den 
senannten Schulrat, und der wies ihn auf den 8 22 der 
Schulordnung hin, daß die Kinder seiner Schuse in ange⸗ 
nefsener Kleidung zu erscheinen hätten. Der Mann ist 
dheologe. Als solcher braucht er don gesunder Kinder— 
vekleidung keinen Schimmer zu haben, aber es dürfle doch 
ein ureigenstes Geheimnis bleiben, worin die Unsittlichkeit 
iner sichtbaren Knabenwade eigentlich besteht ... 
Aus der Welt der Kleinen gibt auch die neuefte Nummer 
der Münchener Wochenschrift 5.Die Lese“ wieder einige Ge— 
chichtchen: Der Vater macht alltäglich sein Mittagsschläfchen 
ind die Kinder wissen, daß sie währenddem das berre fende 
Zimmer nicht betreten dürfen, um nicht zu stören. Eines Tages 
aun schlich sich das dreijährige Töchterchen auf den Fußspitzen 
leise ins Zimmer zum Vater heran, packte ihn bei der Hand 
und flüsterte ihm zu: „Papa, ich weck dich net auf, ich hol“ 
bloß was.“ — Die Lehrerin bemerkt während des Unterrichts, 
zaß ein ernstlicher Kampf auszubrechen droht zwischen zwei 
Jeinen Mädchen des dritten Jahrganges. Die bösen Blicke 
ie sie einander zuwerfen, das Ellbozenstoßen, Voneinanderab 
ücken — alles deuset darauf hin. Auf die Frage der Lehrerin, 
vas die beiden miteinander haben, antwortet de eine der 
leinen Sünderinnen, indem sie auf die andere wesst. ganz be— 
oächtig: z.Sie hat gesagt, ich hätte gesagt, sie hätte gesagt, 
ich wär 'ne alte Plaudertasche!“ 
Hermischtes. 
zu Gehör. Das war früher ganz anders. Freilich wäre es 
aum angebracht, einen ganzen Abend mit solistischen Vorfüh- 
ungen, etwa von Blasinstrumenten, anzufüllen; aber eine 
unter zusammengestellte Vortragssfolge wäre für die Auf— 
zahmefähigkeit der Hörer ein Giück und würde einer Fülle 
chönen Literatur, die jetzt in den Archiven modert, zum Leben 
erhelfen. — Die hohe Zahl der Kammermusikabende ist 
o lange nicht erfreulich, als z. B. eine so ausgezeichnete Ver⸗ 
inigung wie das Brülsseler Streichquartett, das seit mehr 
As einem Jahrzehnt in Berlin regelmäßig konzertiert, nicht 
o viele zahlende Hörer findet, um die Kosten dechen zu können. 
— Auch die berühmtesten Solisten wissen davon ein Lied zu 
singen. Der Meistergeiger Henri Marteau hat im letzten Winter 
in sechs Konzerten mit Orchester einen einzigartigen Ueberblid 
iber die gesamte Violinliteratur gegeben. Er mußte vor halb⸗ 
eeren Bänken spielen. Wer also von der hohen Zahl der 
096 Konzerte auf eine wirklich hefe Musikliebe der Berliner 
chtiehßt, befindet sich in einem betrübenden Irrtum. 
Lehrreiche Schlüsse sind aus dieler Statistik in sozialer und 
konomischer Hinsicht zu ziehen. Vorausgeschickt sei, daß in 
»er obengenannten Zahl natürlich nur die von den sogen. 
donzertdirektionen „betreuten“ Veranstaltungen inbegriffen sind, 
nicht Veranstaltungen wie z. B. die populären Konzerte des 
hilharmonischen Orchesters und deraleichen. Man erinnert sich 
ielleicht, daß bei den Protestversammlungen gegen die Lust- 
arkeitssteuer Siegfried Ochs mitteitte, daß nur bei 8 der 
Zerliner Konzerte die Konzertgeber nicht zusetzen. Es sind 
n der Statistik fürr die drei Städte Berlin, Wien und München 
900 derartige Konzerte herausgerechnet; nimmt man Leipzig. 
Ein Cholerafall in Wien. Donnerstag erkranrté 
in Wien ein 61jähriger Mechaniker unter choleraverdächtigen 
Eischeinungen. Er und seine beiden Töchter wurden in das 
Isolierspital gebracht. Die bakteriologische Untersuchung hat 
asiatische Cholera ergeben. 
Die Cholera in Albanien. Im Gebiet von Ipel 
wurden, wie aus Saloniki gemeldet wird, 42 neue Cholera⸗ 
fälle festgestellt, von denen 32 18dlich verliefen. Die Aerzte 
erklären, daß sich strenge Maßnahmen wegen des Verhaltens 
»er Arnauten nicht durchführen lassen, die die Isolierung der 
xranken verhindern und die Annahme antiseptischer Mittel 
berweigern. Die Seuche könne nur erfolgreich bekämpft werden, 
venn die Bevölkerung durch Militär gezwungen werde, sich 
den sanilären Maßregeln zu unterwerfen. 
Das Kartell sächsischer Metallindustrieller 
hat nach einer Meldung aus Chemnitz beschlossen, eine 
gemeinsame Aussperrung vorzunehmen, falls es heute (Sonn⸗ 
äbend) in Leipzig zu der angedrohten Aussperrung lommen 
ollte. 5 *8 J 
Eine internationale Einbrecherbande wurde 
in Mährisch-Ostrau wegen Warendiebstahls im Werte von 30 000 
dronen verhaftet. 
—Eingestürzte, Mauer. In der Grube von Llanelly 
Wales) stürzte eine Mauer ein und begrub sechs Arbeiter 
inter sich Drei waren auf der Stelle tot, während die 
drei übrigen schwer verletzt unter den Trümmern hervor⸗ 
gezogen wurden. 
Vollständig niedergebrannt ist nach einer Mel—⸗ 
»ung aus Tarnowitz das russische Grenzdorf Weicin. Die 
Ursache ist darin zu suchen, daß mehrere Kinder in einer 
Zchcune mit Streichhölzern spielten. Im ganzen sind außer 
der Kirche dreißig Gutshöfe eingeäschert worden. Auch viel 
Vieh ist mitverbrannt. 
An Genicktstarre erkrankten in Ahlen (Westfalen) drei 
Kinder. Eins starb. Auch aus Rodevormwald wird ein Fall 
bon Genickftarre gemeldet. 
Geflüchtet ist laut Blättermeldungen aus Lemberg 
zer Advokat und langjährige Gemeinderat Dr. Eduard Lilien 
uinter Hinterlassung von Schulden in Höhe von einer Million 
dronen. Dr. Lilien soll diese Summe in unglücklichen Speku- 
ationen verloren haben. 
Eine Benzinexplosion erfolgte in einem Magazin 
ruf dem Corso Rosmini in Rovereto. Drei Arbeiter wurden 
zetötet. Das Magazin ist abgebrannt. 
Sechs Arbeiter schwer verketzt. In Nymwegen 
türzte ein im Umbau begriffenes Haus ein. Sechs Personen 
vurden dabei schwer verletzt. 
Verhaftung eines armenischen Studenten. 
Aus Leipzig wird berichtet: Doanerstag wurde ein armeni— 
scher Student verhaftet, weicher die Berliner Koöl. 
Bibliothek, eine private Berliner Vereinsbibliothek. die 
Bibliothek der Leipziger Handelskammer und der Leipziger 
Universität durch Ausschneiden ganzer Seiten aus 
vertvollen Werken schwer schädigte. Das Leipziger Abend- 
zlatt bringt diese Verhaftung anter völliger Entstellung der 
Tatsachen in Zusammenhang mit den Diebstählen von Büchern 
aus der Kgl. Bibliothek in Berlin. Demgegenüber legt die 
Leipziger Kriminalpolizei den größten Wert auf die Festel⸗ 
ung. daß der Verhaftete mit Bücherdiebstählen nicht 
das geringste zu tun hat. Es wäre höchst bedauerlich, 
wenn infolge derartiger Artikel auswärtige Behörden veran⸗ 
saht würden, die Nachforschungen in Sachen von Bücherdiebstählen 
einzustellen 
Reisen, Bäder und Sommerfrischen. 
297. Schweiz. Aus dem Berner Oberland schreibt man: 
Die zweite Theaterspielzeit in Interlaken beginnt am 
15. August. In der Iwischenzeit wird je ein Operetenabend 
n der Woche veranstaltet, während an den anderen Abenden 
urze, gemischte Vorstellungen stattsinden werden. Das Kur— 
ausorchester, unter Leitung von Dr. Hartzem, der für Winter 
911/12 als Kapellmeister an die vereinigten Stadttheater 
u Lübeck verpflichtet wurde, wird seine täglichen Konzerte 
sach wie vor in gewohnter Weise geben, morgens auf der 
ßromenade, nachmittags und abends in der großen Kurjaal— 
alle. — Der Golfklub hat soeben das Programm für sein dies⸗ 
ähriges Turnier, welches am 22. August beginnti, herausge⸗ 
eben. — Wie immer zu dieser Jahreszeit, befinden sich 
egenwärtig zahlreiche hervorragende Perfönlichkeiten unter den 
fästen Interlakens. Unter den neuesten Ankömm ingen find 
Brinz Rolaud Bonaparte und Prinz und Prinzeffin Georges 
„on Griechenland mit ihren Kindern, welche im Holel Metro— 
»ole abgestiegen sind. Comte Lembessis aus Paris mit Familie 
st ebenfalls hier eingetroffen. — Beatenberg zählt bedeu— 
end mehr Gäste, als in der gleichen Periode des vorher— 
ehenden Jahres. Die Gäste im Horel Victoria sind meistens 
Oeutsche, Russen und Franzosen. Ein gutes Orchester spielt 
abwechselnd im Holtel Bellevue und im Grand Hotel Victoria: 
der Tennisplatz des letztgenannten wird viel in Anspruch ge— 
nommen 
Dresden, Hamburg, Köln und Frankfurt dazu, so ist eine 
Sesamtzahl von 3000 solcher Konzertdirektionskonzerte eher 
u niedrig. Niedrig bemessen sind auch die Kosten für solche 
Jonzerte mit durchschnittlich 500 Mi (Konzerte mit Orchesten 
osten 2000 Mund mehr). Das macht also 152 Millionen, 
ind wenn man den Gewinn auch noch so günstig rechnet, 
wenigstens 1 Million Mark, die die Konzertkünstler opfern, 
im überhaupt zu Gehör kommen zu können. Davon ist we— 
nigstens ein Fünftel geradezu ein Blutgeld. Denn wenigstens 
der fünfte Teil dieser Konzerte wird veranstaltet, um auf 
Frund der Kritiken sich Schüler werben zu können. Diese 
Konzerte und damit die meist sauer verdienten Opfer dafür 
pürden in demselben Augenblich wegfallen, in dem der Staat 
ine Musiklehrerprüfung einrichten würde, die auch für die 
Sache viel wertwoller wäre, als es jemals ein Konzert 
ein kann. 
Dann bleibt noch ein Punkt. Es ist sehr niedrig veran⸗ 
anschsagt, wenn man den Gewinn der Konzertdirektionen an 
den Konzerten mit durchschnittrich 100 Mannimmt. Das 
ind 300 000 M; dazu kommt noch falt ebensoviel für die 
Besorgung der Solisten usw. zu allen den zahllosen Ver—⸗ 
anstaltungen an kleineren Orten (Oratorienaufführungen, Ver⸗ 
einslonzerte und dergleichen). Jit es nun nicht eine Schande, 
dah man diese Summe nicht wieder der Gemeinslamkeit zu⸗ 
ührt? Eine Genossenschaft konzertierender Künstler könnte alles 
dieses Geschäftliche ebensogut besorgen, wie die Konzertagenten, 
uind eine Reihe segensvoller Einmichtungen ließen sich mit den 
Erträgnissen verwirklichen, die jietzt in die Taschen gewinne 
süchtiger Unternehmer fließen
	        
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