Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

GN. A X 
54 * 4O 328 9 9 J —— 4 * 5* 8 5 8 * 3 
JP J 3 J J 8630 61 —5;.7 
Montag, den 31. Juli 1911. 
* 
—P 
Ausgabe A. 
Abend⸗Blatt NRr. 382. 
Rennen in Travemünde. 
V Travemünde, 30. Jull, 
Ebenso schön wie am ersten war das Wetter auch 
am zweiten Tage des hiesigen Meetings. Infolgedessen war 
der Besuch ein ganz außerordentlich starker und zwar auf 
allen Plätzen, obgleich es heute leider kein einziges Herren⸗ 
reiten gab. Anfänglich wurde auch die Hitze stark empfunden, 
da die Brise fast östlich und daher vom Walde abgefangen 
vpurde. Später trat erfreulicherweise frischer, lühler See— 
vind auf. Sehr viel zu wünschen übrig ließ die Unterhal— 
ungsmusik. Sie wird sonft von der Kapelle des Regiments 
„Lübeck“ ausgeführt. Da diese sich zurzeit im Locstedter 
dager befindet, spielte am Freitag die Jacobsche Kapelle. 
Aber auch diese war heute nicht zu haben, so daß der 
Vorstand des Lübeck-Travemünder Rennklubs die Hauskapelle 
des Parkhotels verpflichtet hatte. Infolgedessen gab's Streich-, 
Klavier- und Harmonium-Musik. Wieviel von einer solchen 
Musikt im Freien und gar auf einer sehr stark belebten 
Rennbahn zu hören isst, kann wohl jeder selbst ermessen. 
Auch mußten die Musiker, um ihren Verpflichtungen im 
Parkhotel nachkommen zu können, bereits lange vor Schluß 
des Rennens die Bahn wieder verlassen. Andererseits wollen 
vir dagegen auch den guten Willen des Vorstandes des 
übed⸗Travemünder Rennklubs nicht verkennen, dem Publikum 
venigstens einige musikalische Unterhaltung zu bieten. Sie 
var auch an sich durchaus befriedigend, wenn auch die Herren 
Musiker anfänglich ihre Aufgabe völlig falsch auffaßten. 
Man hatte sie verpflichtet, während des Rennens zu 
pielen. Gemeint war damit natürlich, daß sie spielen sollten 
rur Unterhaltung des Publikums in den zwischen den einzelnen 
sdennen notwendigen Pausen. Die Herren Musiker hatten 
iber ihr Engagement dahin aufgefaßt, daß sie zu der—⸗ 
elben Zeit, wo die Pferde über die Bahn liefen, also wäh— 
rend der einzelnen Rennen, musizieren sollten, und taten 
zuch also. Auf freundliche Vorstellungen hin sahen die 
Herren das Mißverständnis ein, waren auch sofort bereit, 
ihre Verpflichtungen in dem vom Vorstand des Rennklubs 
gedachten Sinne zu erfüllen und spielten dann fsleikig heitere, 
rohe Melodien. 
Die Einteilung der Rennen war heute die gleiche wie 
im Freitag; die Besetzung der einzelnen Felder im allge— 
neinen eine recht befriedigende und der gebotene Sport in⸗ 
eressant und unterhaltend. Zunächst gab's drei Flachrennen. 
Im Kurhaus-Rennen war „Oos“ der Sieg von vornherein 
iemlich sicher; der Hengst wurde für 4000 Muvon Herrn 
zasperg junHamburg angekauft. Unerwartet kam da—⸗ 
zegen, daß statt „Ria“ der Hengst „Triglaw“ den zweiten 
Platz belegte; für ihn gab's daher am Totalisator ein 
echt nettes Geld. Im Lübecker Handikap hatte man im 
allgemeinen ein ganz anderes Ergebnis für wahrscheinlich 
gehalten. Es wurden infolgedessen auch hier verhältnismäßig 
hohe Summen am Totalisator gezahlt, vor allem für ,Eisen⸗ 
lönig“. Das Verlosungs⸗Rennen war im SHinblick auf die 
nur recht kurze Bahn ein sehr scharfes. Es wurde vom 
Favoriten „Flowerseller“ leicht gewonnen, während für 
das dritte Pferd 5u3faches Geld gezahlt wurde. Der Sieger 
vurde vom Inhaber des Loses 2748 gewonnen. Wer der 
zAldliche Gewenner ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. 
An diese drei Flachrennen schlossen sich zwei Jagd- und 
ein Hürdenrennen. Im Kauffahrtei-Jagdrennen ging der 
Sieger „Hermes II“ stines Preises verlustig, weil sein Reiter 
die vorgeschriebene Bahn nicht innegehalten hatte. „Eisenach“ 
türzte beim Sprung über die letzte Hürde, ohne daß aber 
Reiter und Pferd Schaden nahmen. Im Boltenhagener 
hürden-Rennen war „Schönbrunns“ Sieg ohne weiteres als 
icher anzunehmen, dagegen hat „Gruna“ nicht ganz befrie⸗ 
digt; den zweiten Platz hatte mqn der Stute mindestens 
zugerechnet. Im Rennen um den 1500.-M-Preis der Stadt 
Lübeck, im Ostsee-Jagd-Rennen, sah man leider nur 4 Pferde 
am Start, es wurde aber sonst sehr schön zum Austrag ge—⸗ 
pracht. Der Sieger „Frisco“ war mit dem Engagemen 
n diesem Rennen von Lt. de Osa an Herrn E. Jeyn verkauft 
uind lief unter dessen Farben. — Die Ergebnisse der Rennen 
m einzelnen lind folgende: 
——— — 
Internationale hygiene⸗Aussterung zu Dresden. 
Ausstellungsbriefe 
insetes Berichterstatters Otto BVromber, Dresden-Laubegalt. 
1. Kurhaus-⸗Rennen. 1600 m. 2150 M, hiervon 
500 Mdem ersten, 400 Müdem zweiten und 2850 M dem 
ritten Pferde. Der Sieger war für 4000 Mekaäuflich. 9 
interschriften; Reugeld für „Lobelia“. Am Start erschienen 
Pferde. —1 — 
Irn. E. Zeyns 51. br. H. „Oos“ GBlades) 1 
Major von Wuthenaus 4j. br. H. „Urigla w 
(GB. Teichman)) 7 —22 
Hrn. E. von Davids 51/2j. br. St. „Szeszely“ GBleuler) 3 
Obgleich „Ria“ einen sehr guten Start machte, mußte sie 
ie Führung doch recht bald an „Dos“ abgeben, der dann das 
zeld überlegen über die ganze Bahn führte. In der Geraden 
urde „Ria“ auch noch von „Trigkaw“ und „Szeszely“ be— 
wungen, allerdings nicht ohne lebhaftem Kampf. Ferner 
iefen noch „Imker“ und „Ria“. „Oos“ ging mit e Länge 
»or „Triglaw“, und dieser 1us Längen vor „Szeszeln“ durchs 
ziel. 
Tot.: Sieg 10: 16; Platz 10: 12: 24 
Gesamtumsatz in Siegwetten 82280 M. in Plakwetten 
940 M. 
II. Lübecker Handikap. 1400m. 2060 M, wovon 
500 Mudem ersten. 400 M dem zweiten und 160 Mudem 
ritten Pferde. 22 Unterschriften, von denen 12 angenommen. 
s starteten 6 Pferde. 
zrn. A. Webers alter br. H. „Bsulanger“ Goff) 1 
hrn. E. Walters 3i. br. St. „Bleibtreu II“ (Bleuler) 2 
drn. A. Wagners 3j. F.eH. „Eisenkönig“ (Deomans) 3 
Der Start zog sich iufolge mehrfachen Zurückrufens der 
zferde sehr in die Länge und gelang shließlich nur mäßig. 
der alte „Boulanger“ zeigte sich bald seinen 3- und viährigen 
donkurrenten merklich überlegen, wenngleich er auch kurz vorm 
ziel von „Bleibtreu II“ und „Eisenkönig“, die in der Geraden 
chatf vorgingen, nicht wenig bedrängt wurde. Der alte Hengst 
iegte mit dreiviertel Längen vor „Bleibtreu IIund dieser mit 
ünfviertel Längen vor „Eisenkönig“. Ferner liefen „Galvani“,. 
Geüch auf“ und „Bille“. 
Tot.: Sieg 10: 32; Viatz 10: 17: 36. — 
Gesamtumsatz in Siegwetten 12875 M, in Platzwetten 
zoño M. —— 
III. Verlosungs-Rennen. 1200 m. 3100 M, hier— 
ron 2500 Mu (wovon 1000 Maals Kaufpreis für das Pferd 
jenechnet wurden) dem ersten, 400 M dem zweiten und 200 M 
em dritten Pferde. Der Sieger wurde veriost. 11 Unter— 
chriften. Es liefen 6 Pferde. — 
orn. H. Höschs 6j. br. H. „Fuo werx selher“ Blades) 1 
brn. E. von Davids 3j. br. St. „Azizie“ GBleuler) 2 
din. H. Hasperg jun.'s alte bi. St. Khar bin “· 
Deomansss 3 
Infolge der Ungebärdigkeit-„Iknows“ zag sich der Start 
viederum sehr in die Länge. „Motte!s fübrte das Feld auf 
ie Bahn und hielt sich bis in die Gerade an der Spitze. Dann 
ber kamen die drei genannten SCieger stark auf und beim 
zassieren des Pfostens war „Motte“ auf den vierten Platz 
utücgedrängt worden. „Flower seiler“ siegte mit 2 Längen, 
2. Länge dahinter „Adgizie“, 4 Längen hinter dieder „Char- 
in“. Ferner liefen „Badminton“, Ilinow“ und „Motte“. 
Tot.: Sieg 10:18; Piatz 10: 13: 58. 
Gesamtumsatz auf Siegwetten 9510 M. auf Platzwetten 
440 M. 
IV. Kauffahrtei-Jagd-Rennen. 3000m. 2000 M, 
zovon 1500 Mudem ersten, 350 Mudem zweiten und 150 M 
p itten Pferde. 10 Unterschriften. Am Start waren 5 
erde. 
Graf C. Schimmelmanns 4j. F.H. „HFermes II“ (G. 
Winkler) 1 
5tn. G. von Vierecks 51. br. W. „Satan“ (Kuttke jun.) 2 
hin. M. Schmidt-Schröders Aj. bꝛ. St. Macka“ (G. 
Lommatzsch) j 
Der Start konnte, da er im Walde stattfand, nicht beob⸗ 
chtet werden. Beim Austritt aus dem Walde lag „Macka“ 
in der Spitze. „Süßes Mädel“ machte ihr für kurze Zeit 
zen ersten Platz streitig, konnte sich aber nicht in Front halten. 
Zeim Einbiegen in die zweite Diagonale wurden drei von den 
z Pferden vor der Tribüne falsch gesteuert. darunter auch 
1 
„Hermes II“, der infolgedessen auf Protest von Herrn v. Ziered 
eines Preises verlustig ging, obgleich er mit 2 Längen v 
„Satan“ durchs Ziel gegangen war. 10 Längen hinter diesem 
„Mada“. Ferner liefen noch Eisenach“ und „Süßes Mädel“, 
Tot.: Sieg 10: 47; Platz 10: 18: 15. 
. Gesamtumsatz auf Siegwetten 9135 M, auf Platzwetten 
5630 MD. ei 
V. Boltenhagener Hürden-Rennen. 2400m. 
1650 M (wovon 1000 Mvom Union⸗Klub gegeben, hiervon 
000 Mudem ersten, 400 Mu dem zweiten und 250 M dem 
nitten Pferde. 25 Unterschriften. Am Start erschienen 5 
zferde. 6 I 
Hrn. W. Zeuners 5j. br. H. Schönbrunn“ (R. Franke) 1 
Suin. Balduins 3j. br. H. „Budissin“ (H. Hoffmann) 2 
srn. H. Höschs 4j. br. St. „Gruna“ (GKuttke) 3 
Das sehr schön gerittene Rennen gewann spielend „Schön- 
zrunn“, der vom Start an über die ganze Bahn führte und 
überlegen mit 6 Längen siegte; 6 Längen dahinter „Budissin“, 
32Längen zurück „Gruna“. Ferner liefen noch: „Ursel“, die 
das Rennen aber bakd aufgab, und „Holiday“. 
Tot.: Sieg 10: 17; Platz 10: 13: 31. 
Gesamtumsatz in Siegwetten 9515 M. in Platzwetten 
1680 M. 
VI. Ostsee-Jagd-Rennen. 3100 m. 2100 M, hier⸗ 
on 1500 Mu(gegeben von der freien Hansestadt Lübech 
»en ersten, 400 Mdem zweiten und 200 Mudem dritten 
zferde. Handikap. 409 Unterschriften, von denen 16 ange4- 
ommen. Am Start waren 4 Pferde. 
Lt. de Osas 4j. F.eH „Frisco“ (G. Winkler) 1 
herin H. Haspergs jun. alte F⸗-St „Gretchens Pet“ 
(Green) 2 
derrn R.Böhmes alter F. W. „Ranulphus“ 
(G. Lommatzsch) 3 
derrn E. P. G. Edners alter bt. W. Banagher Il—0 
Nach Start im Walde führte letztgenannter Wallach die 
tonkurrenten auf die Diagonaie, fiel dann aber langsam 
mmer mehr ab, während die übrigen drei bis in die Gerade 
riedlich nebeneinander liefen. Dann aber gab's einen schönen 
endspurt, in welchem „Frisco“ mit 13 Längen „Gretchens 
Bet“ abfertigte, 2 Längen hinter dieser „Ranulphus“. 
Tot.: Sieg: 10: 23; Platz 10: 13: 13. 
Gesamtumsatz auf Siegwetten 9885 M. auf Platz vetien 
1940 M 
* 
Totalisfatorumsatz beim Trademünder Renarn. 
Bei dem diesjährigen Rennen des Lübeck-Travemünder 
sennklubs war der Totalisatorumsatz infolge des starken Be— 
uches, der besser besetzten Felder und der Einrichtung 
on Wettannahmestellen in Lübeck ized Hamburg cin weit 
rößerer als im Vorijahre; 38847 Memehr als 1910 und 
32735 Mumehr als 1909. Der Gesamtumsaßt be ief sich 
in beiden Renntagen: 
im Jahre auf Freitag Sonn?ag 
M M M 
19113 162160 72780 89 780 
(6 Rennen) (6 Rennen) 
1910: 123 213 56828 66375 
(6 Rennen) (G6 Rennen) 
1909: 99 425 35 327 64088 
(6 Rennen) (7 Rennen) 
1908: 31 605 30 600 51005 
(6G'Rennen) (6 Rennen) 
1907: 76 440 26 440 50 000 
(6 Rennen) (8 Rennen) 
1900.0. 73850 26150 47 700 
(6 Rennen) (6 Rennen) 
1905: 42 580 17 530 25 050 
(6 Rennen) (6 Rennen) 
1904: 27910 9700 19210 
(6 Rennen) (7 Rennen) 
——— 
— — 
inrichtungen, moderne Kinderzimmer, fruersichere Decken, Bogen⸗ 
ampen. Flugmotoren und Unterseebootmotoren. Sprengwagen, 
heschirrspülmaschinen, Eis-und Kühlanlagen, Marmorholzwand⸗ 
latten, Messerputzmaschinen, Schreibmaschinen, Militärküchhen und 
ahrbare Feldküchen, Heizungsanlagen, Ventilatoren, Blitzableiter, 
oͤrabdenktmäler, Preßstoffmöbel, Straßenwaschmoschinen, Gas-, 
Vasser- und Dampfarmaturen, Filter für keimfreies Trink— 
basser, Trinkspringbrunnen, fugenlose Asbestfußbbönden und was 
lles sonst zieht an uns vorüber. 
Grohartige Eindrücke hintecläßt auch die wissenschaftliche 
Ubteilung mit ihren vielen Sonderabteilungen. So kann zum 
zeispiel der, der gern Modelle von Häusern, Straßen, Stadt- 
eilen und ganzen Städten sieht, in der Fülle schwelgen. 
ziel ist über „Städtebau“ zu sehen. Es kommen da 
zebauungspläne, Bauordnungen, Verkehrsangelegenheiten, 
Zodenpolitik von Staat und Gemeinden, Kreditverhältnisse 
nd andere wichtige Fragen in Betracht. Interessant ist auch 
as Kapitel „Beleuchtung“. Da erblicken wir das Oel— 
ämpchen der Römer und den Kienspan unserer Vorfahren. 
)as Pflanzenöl wurde vom Mineralöl verdrängt. Den Kerzen 
us Bienenwachs und Unschlitt folgten die aus Stearin und 
Zaraffin. Der gefährliche Brennspiritus bürgerte sich ein. 
dor ungefähr hundert Jahren kamen die Leuchtgase — zu⸗ 
ächst aus Steinkohlen, dann auch aus anderen Stoffen er— 
eugt — auf, bis die Elektrizität zur Leuchtquelle wurde. 
Außerordentlich zahlreich sind die Hilfsmittel der Beleuchtunas— 
inlagen; die Brenner, Glühkörper usw. 
Viel ist auch Uber „Städtereinigung“ (Kanalisation, Be⸗ 
eitigung gewerblicher Abwässer und der Abfallstoffe, Straßen⸗ 
taubbekämpfung), „Haus und Wohnung“ (statistische Erhebungen, 
deformbestrebungen im Kleinwohnungsbau, gesetzgeberische Maß— 
ahmen), über „Luüftung und Heizung“, „Wasserversorgung“, 
Boden und Wasser“ und „Bestattungswesen“ vorgeführt. 
Wir Überschreiten nun die Straßkenbahnglesse und betreten 
—D 
den zweiten Vergnügungspart der Internationalen Högiene— 
Ausstellung. Rechterhand befindet sich der gröhte Bicrpalast 
der Ausstellung mit 6000 Sitzplätzen: Gg. Langs Original— 
Oberlandler aus München. Die rote Ziegelbau-Imitation slicht 
birlungsvoll von dem Grün der BVäume, Sträucher und Rasen- 
lächen ab. Oberlandler Dirndl mit Mahßkrügen, Meerrettig, 
Zretzeln und Salzstangen laufen umanand', Burschen mit Knie— 
jsosen uUnd Wadenstrümpfen werfen die grünen Hütl in die 
zöh, schnalzen, juchzern, brüllen „Guffa!“. Dann vollführen 
die Geschwister Tappeiner aus Merin ihren wirklich schönen 
-chuhplattler. 
Das interessanteste des Vergnügungsecks ist wohl das 
Abessinische Dorf“. Ein wirkliches Dorf inmitten einer Schau—⸗ 
»ude, unter freien Himmel. Drinnen ist mancherlei In—⸗ 
eressantes zu sehen. Auf einem Podium hodt eine Anzahl 
bessinijscher Kinder mit ihrem sanftmütigen Schullehrer. Jedes 
er in (einstmals weiße) Tücher gehüllten schokoladenbraunen 
dnaben und Mädchen hält eine Art Schiefertafel (die aber 
nehr Aehnlichkeit mit einem weißen Brettchen hat) in den 
hdänden. Bald steht man vor einer Hütte, aus der Mutter 
ind Baby heraustreten, dann befindet man sich vor der 
zäckerei, wo eine schwarze Schöne in einem Tiegel eine 
RMmelette brät. Hier zeigt uns ein Töpfer, da ein Silber—⸗ 
chmied. dort ein Weber seine Kunst. Bald warten Musikanten, 
zchuhmacher und wer weiß was noch alles auf. Beinahe 
mmer hodt eine ganze schokoladenbraune Familie zusammen. 
Kinder gibts vom Säugling an bis zum heiratsfähigen Jungen 
ind Mädchen. Die hübsch gewachsenen Männer scharen sich 
zern zu einer Gruppe zusammen. Wie Kinder scherzen und 
achen sie. Man sieht gern in die intelligenten, meist hubschen 
ßesichter. Und der schön geformte Nacken, der ganze fein⸗ 
ꝛealiederte und doch kräftige Koörver! Verstedt euch, ihr 
Beiben mit euern Bierwampen, Halswülsten und aufgedunsenen 
Hesichtern! Versteckt euch vor diesen braunen Menicen! 
Daß auch durch eine „Hygiene“-Ausstellung der deutschen 
Industrie ein glänzendes Zeugnis ausgestellt werden kann, 
»eweist die Halle 54. Sie ist der „Ansiedlung und Wohnung“ 
zjewidmet und bededt eine Fläche, die 10 000 qm überragt. 
co einfach das Aeuhere dieser Riesenhalle ist, so prächtig 
st das, das man in ihrem Innern wahrnimmt. Der Besucher 
wird nicht fertig, die Schönheit und Reichhaltigkeit der Gegen⸗ 
tände zu bewundern, ob er nun wissenschaftliches Material 
der die Darbietungen der Industrie besichtiat Lestere ist 
tark berwiegend. 
Hier stehen wir vor einem prachtvollen Boudoir, einem 
jocheleganten Salon in Weiß-Blau-Gold, mit reizvollen Ed— 
»lätzchen und Nischen. Daneben befindet sich ein auf Weiß— 
Zartrosa-Gold gestimmtes Schlafgemach. Dort rauschen Brunnen 
ius der marmornen Pracht eines luxuriösen Badezimmers. 
Da wieder ladet ein mit erlesenstem Geschmack hergerichtetes 
Zpeisezimmer zum Niederlassen am gedeckten Tische ein. Wir 
jaben es nun doch gelernt, elegant zu sein! Weniger in 
»en Manieren beim persönlichen Verkehr als in der Aus— 
tattung unserer Wohnräume. Der plumpe Prunk einer 
sfrüheren Epoche besticht nur noch den halbaebisdeten Empor⸗ 
lommling. 
Indem wir die Gänge entlang schreiten, werden wir von 
mmer neuen Bildern überrascht. „Massenheizung: 3600 Liter 
ur 1100 Personen“ lesen wir über einer Reihe blinkender 
Dampfkochherde; dort läkt ein Harmonium ein Präludium 
erxschallen 
EStaubsauger für Hand⸗ und elektrischen Betrieb, Kehr⸗ 
maschinen, Ruß- und Funkenfänger. Gewächshausanlagen, Rüchen⸗
	        
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