Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Weshalb laboriert die Türkei so schwer am Albaner⸗ 
aufstand? 
Der Deutschen Orient-Korrespondenz wird aus Konstantinopel 
gzeschrieben: Die Türkei durchlebt jietzt gefährliche Stunden 
Die albanische Wunde frißt immer weiter um 
sich und vergiftet den ganzen inneren und äußeren Organismus 
des Staates. Die Haltung Montenegros würde zwar das unver 
gleichlich machtvollere Reich nicht sonderlich bekümmern, aber 
die Tatsache, daß andere groze Mächte hinter ihm stehen, 
macht die Sache bedenklich. Man sieht jetzt in Konstantinopel 
ganz klar oder man glaubt wenigstens ganz klar zu sehen, 
daß man in der österreichisch-italienisch-russischen 
Entente eine feindlicheKombination sichgegen— 
über hat und täglich erwartet man von ihr das Schlimmfte. 
Daß England und Frankreich die Verteidigung 
der Türkei nicht übernehmen werden, ist ia aus— 
gemacht. Aber selbst Deutschland traut man nicht 
recht: wenn Deutschland wirklich unser Freund wäre, so heiß! 
es, dann hätte es nicht schweigend Oesterreichs Vorgehen mit— 
angesehen, sondern seinen getreuen Bundesgenossen in entgegen⸗ 
gesetztem Sinne zu beeinflussen verstanden. 
Wenn die Presse dieser Stimmung nicht offen genug Aus⸗ 
druk gibt, so liegt das wohl einerseits an dem Besuch der 
türkischen Studienkommission in Deutschland, dem man sich für 
die warme Aufnahme verpflichtet fühlt, andererseits daran, 
daß man überhaupt sich scheut, der Sache auf den Grund zu 
gehen. Manche, wie der „Sabah“, klammern sich wie an den 
letzten Strohhalm der Rettung an den Gedanken einer endlichen 
festen Allianz mit Deutschland, die nach ihnen das einzige 
Mittel wäre, sich vor den zahllosen Angriffen zu schützen. 
Allgemeinherrschteineßztimmungverzweifelter 
Wut; man weiß genau, daß die Malissoren, um die der ganze 
Sexensabbat sich dreht, nur ein kleines Häuflein sind und nicht 
entfernt das ganze Albanien vertreten. Dabei sieht man aber, 
daß daraus vom Auslande her gewaltsam eine großalbanische 
Frage gemacht wird, an der die Türkei verbluten kann. 
zZu schwache Besetzung mittelamerikanischer 
Küftenfstationen. 
Die auffällige Tahache, daß Deutsche salt gleichzeitig 
in zwei Ortschaften Mitteramerikas überfal— 
len, getötet oder schwer verwundet worden sind, 
gibt Anlaß, auf die überaus schwache Beseßzung beider amerika— 
nischer Stationen hinzuweisen. Namentlich der Vorfall in Tri— 
nidad auf Kuba ist geeignet, die Forderung der ständigen Sta— 
tionietung eines Kreuzers Ooder Kenonenboots zum Schutz un⸗ 
serer Landsleute in Westindien erneut zu betonen, zumal die 
Lage in den mittelamerikanischen Staaten (Mexiko, Venezuela 
ufw.) nicht befriedigend ist. Das einzige Kriegsschiff, die 
„Bremen“, weilt im hohen Norden, vor Halifax, wo feit langem 
die deutsche Flagge nicht gezeigt werden konnte. Schon 1890 
wurde für Ost- und Westamerika die Stationierung eines großen 
und drei kleiner Kreuzer als notwendig erklärt und gesetzlich 
festgelegt. Im Anfang des vergangenen Jahrzehnts hatten die 
Stationen diese Besetzung; es führten damals der große Kreuzer 
„Vineta“, die kleinen Kreuzer „Gazelle“ und „Falke“ sowie 
das Kanonenboot „Panther“ den politischen Dienst aus. All⸗ 
mählich in der Schutz vermindert worden. Seit mehreren Jahren 
ist der kleine Kreuzer „Bremen“ der einzige Stationär. Zwei 
Schultreuzer befahren außerdem jährlich auf wenige Monate 
die amerikanischen Gewässer. Was die Marineverwaltung vor 
13 Jahren als notwendig bezeichnete, muß bei der großen Stei—⸗ 
gerung der wirtschaftlichen Intereisen Deutschlands in Amerika 
heute erst recht gefordert werden. 
Dder Kampf um den persischen Thron. 
(Telegramme.) 
Asterabad, 22. Juli. Heute morgen zehn Uhr ist Mo— 
hammed Ali unter Geschützzdonner und Volksiubel in Asterabad 
eingezogen. 
London, 22. Zuli. Aus Teheran wird gemeldet: Hier 
herricht eine fieberhafte Tätigkeit, um die Abwehr gegen den 
ehemaligen Schah vorzubereiten. Sardar Assad, das Ober— 
haupt der Bachtiaren, hat diese teicgraphisch aufgefordert, eher 
den letzten Tropfen Blut zu lassen, als die Rückkehr des Schahs 
zu dulden. Eine bedeutende Abteilung Bachtiaren soll bereits 
nach der Hauptstadt unterwegs sein. Die Regierung ist über— 
zeugt, daß es sich um einen Kampf auf Leben und Tod handelt. 
Das Volk ist jedoch geneigt, an den Erfolg Mohammed Alis 
zu glauben. 
Von Ispahan wird telegraphiert: Bei Schiras hat eine 
Schlacht stattgefunden, in der die Regierungstruppen aroße Ver— 
luste erlitten haben. 
Petersburg, 22. Juli. Die Rossija bringt folgende Mel— 
dung: Während des Aufenthalts des Schahs Mohammed Ali 
in Odessa, der offenbar inkognito, mit einem fremden Pah 
versehen, den Weg nach Persien über Rußland genommen hat, 
sedte die persische Regierung das russische auswärtige Amt von 
den Umtrieben Mohammed Alis in Kenntnis, ohne tatsächlich 
Beweise afür zu haben. Dessen ungeachtet richtete die russi— 
sche Regierung mehrfach die Aufmertsamkeit Mohammed Alis 
auf die Notwendigkeit, sich jeder Agitation zu enthalten. Als 
dann in Persien Unruhen entstanden und eine Bewegung zu— 
dunsten Mohammed Alis zutage trat, wurde im Einvernehmen 
mit England beabsichtigt, den früberen Schah nochmals vor 
der Teilnahme an dem Kampf mit der persischen Regierung 
zu warnen. Dieser Schritt mußte jedoch wegen der plötzlichen 
Abroiso Mohammen Mliz nach Mion unferhleihon 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Lloyd George über din Weltfrieden. 
W. London, 22. Juli. Lloyd George schloß seine Rede beim 
Festmahl im Manfionhouse folgendermaßen von einem Manu— 
stribt ablesend: Es ist viel wahrscheinlicher, daß der Welt— 
frieden gesichert wird, wenn alle Völker sich klar vergegen— 
wärtigen, welche Bedingungen für den Frieden gegeben sein 
müssen. Weil ich überzeugt bin, daß die Völler einander besser 
zu verstehen beginnen, die gegenseitigen Gesichtspunkte gründ— 
licher abschätzen und bereitwilliger sind, die Meinungsverschieden⸗ 
heiten in Ruhe und ohne Leidenschaft zu erörtern, habe ich die 
Ueberzeugung, daß sich zwischen heute und dem nächsten Jahr 
nichts ereignet, das es dem Kanzler des Schatzamtes schwer 
machen wird, auf einen Toast für das fortgesetzte Wachsen 
des Staatsschatzes von dieser Stelle aus zu antkworten. 
Wt. London, 22. Juli. Die Westminster Gazette schreibt? 
Schatzkanzler Lloyd George befliß sich in seiner gestrigen Rede 
größter Versöhnlichkeit. Er sagte nichts, was irgendwelchen 
Finspruch gegen einen dilligen Ausgleich andeutete. der hoffent⸗ 
lich auch eintreten wird. Die Rede ist ein Sinweis darauf 
daß wir treu zur Entente stehen, aber eigene Interessen haben, 
die wir bei jedem Marokkoausgleich berüchsichtigt haben wollen. 
Marokko. 
Wt. Madrid, 22. Juli. Der Ministerpräsident und die 
hier gegenwärtig in Madrid weilenden Minister trafen heute 
»prmittag zu einer Erörterung der marokkanischen Fragen zu— 
ammen. Die Regierung erhielt noch keine andere Nachricht 
iber den Zwischenfall Thiriet, als ein Telegramm des Obersten 
Sylvestre. Die Minister beobachten strenge Zurückhaltung und 
stellen jede ihnen etwa zugeschriebene Aeußerung über die Zu— 
sammenkunft in Abrede. Canalejas telephonierte an den Mi— 
nister des Aeußern, die Minister wünschten und erhofften eine 
schnelle freundschaftliche Lösung. 
Wt. Sau Sebastian, 22. Jukli. Der Minister des Aeußern 
hatte heute mittag mit dem französischen und dem deutschen 
Botschafter sowie dem englischen Geschäftsträger Unterredungen. 
Wt. Paris, 22. Juli. Die Agence Havas meldet unterm 
21. Juli aus Elksar: Als der französische Leutnant Thiriet 
am Morgen nach dem gestrigen Zwischenfall in sein Lager zurück 
klehren wollte, wurde er auf dem Wege dorthin von dem Kaid 
des Polizeitabors in Larrasch, der von mehreren Soldaten 
»egleitet war, angehalten und gezwungen, in die alte den 
bendahan von den Spaniern abgenommene Kaserne bei 
Darghailan zu treten, wo er festgehalten wurde. Als der Kon 
ularagent Boisset von diesem neuen Zwischenfall erfuhr, begab 
r sich an Ort und Stelle und bat um Aufklärung. Leutnant 
ßzregalli, der Führer des Postens, erwiderte, man habe den 
IRffizier und seine Ordonnanzen verhaftet, weil man sie für 
Deserteure gehalten habe. Er fügte hinzu, daß er seinen 
hauptmann von dem Zwischenfall benachrichtigt habe. Nach 
iner Stunde des Wartens kam der Befehl des Hauptmanns 
Thiriet freizulassen. Während dieser Zeit hatte ein Soldat den 
Dolmetscher Boissets in dessen Gegenwart gestoßen und ge— 
schlagen. 
Verschiffung spanijcher Truppen. 
W. Larrasch, 22. Juli. Der spanische Kreuzer „Almirante 
Lobo“ schiffte gestern morgen vierhundert Mann Infanterie 
unter einem Oberstleutnant aus. 
Sabotage und kein Ende. 
W. Paris, 22. Juli. In der Nähe von Joinville bei 
Paris wurden fünfzehn Telephon- und sechs Signaldrähte durch— 
chnitten. Bei Toulouse auf der Eisenbahnstrecke wurde ein 
Maun verhaftet, der verschiedene Werkzeuge zum Sabotieren 
der Drähte und Schienen sowie einen Dolch bei sich hatte. 
Nach Mitteilungen der Polizeibehörden sind seit Ottober 1910 
neunzig Leute wegen Bahnsabotage festgenommen. 
Beilegung des Straßburgur Straseubahnerstreits. 
W. Straßburg, 22. Juli. Der Strahßbenbahnerstreik in 
jeute vormittag nach langen Verhandlungen zwischen dem 
Streikkomitee und der Straßenbahnkommission beigelegt wor— 
den. Alle Forderungen der Ausständigen wurden bewilligt. 
Der Betrieb ist heute mittag in vollem Umfange wieder auf— 
genommen morden. 
Zu den Ausständen in Englaud. 
W. London, 22. Juli. In den Docks von Barrn liegen 
54 Dampfer mit einem Tonnengehalt von 125 000. Achttausend 
Arbeiter befinden sich im Ausstand. Die Polizeiverstärkungen 
bon Swanfea sind gestern eingetroffen. Die Barry Railway 
Tompany, die um militärische Hilfe ansuchte, bereitet Truppen 
fuartiere in den Docksschuppen vor. Die Schwierigkeiten wer— 
den vermehrt durch Weigerung der Kohlenlader, die Arbeit auf— 
zunehmen, bevor ihre Forderung, einen halben freien Sonn— 
abend, bewilligt wird. 
Wit. Hull, 22. Juli. Der Streik der Müller ist 
beigeleget. Die Arbeiter erbalten eine welsentliche Lohn— 
erhöhuna, 
Luftfahrt. 
Wit. London, 22. Juli. Der Start für die erste Etappe 
von Brooklands-Hendon in dem Rundflugffür den Daily 
Mail-Preis vön 10000 Lstrl. fand hrute nachmittag 4 Uhr 
statt. Beaumont traf um 4 Uhr 20 Miin. als Erster in Hem 
don ein, mit stürmischem Beifall begrüßt. 
Wt. Hendon, 22. Juli. Astley traf hier um 4 Uhr28 Min. 
als Zweiter ein. Kemp stürzte bei einem Probefiug, da die 
Verbindung zwischen den Trageflächen sich löste. Leutnant 
Porte stürzte bald nach dem Aufitieg aus 60 Meter Höhe herab. 
Beide Flieger blieben unverletzt. Ihre Flugzeuge wurden zer— 
trümmert. Prier trat wegen Beschädigung seines Flugzeuges 
von dem Wettbewerb zurück. Von den Eingetroffenen hat 
Vedrines mit 19 Minuten 48 Sek. die kürzeite Flugzeit. Der 
Qweitschnellsite ist Beaumont. 
Die Cholera. 
W. Triest, 22. Juli. Der an der Cholera erkrankte 
Knabe Mariani ist gestorben. 
WVt. Triest, 22. Juli. Bei einem auf einem am 9. Juli 
hier angekommenen italienischen Segesschiff eingetroffenen Ma— 
trosen wurde gestern asiatische Cholera festgestellt. 
Wt. Newyork, 22. Juli. Bei einem aus England in 
diesem Monat eingetroffenen spanischen Heizer, der im Bellevue⸗ 
Hospital lieat. wurde Cholera festaestellt. 
W. Posen, 22. Juli. Das Mitglied des Herren— 
hauses Josef von Koscielski ist auf dem Gute Mi— 
loslaw im Alter von 66 Jahren gestorben. 
WMt. Leipzig, 22. Juli. Aus der heutigen Rektorats— 
wahl der Universität Leipzig für das Universitätsiahr 1911/12 
ging der preußische Konsistorialrat sächsische Geh. Kirchenrat 
Brofessor Heintici als gewählt hervor. Er gehört der 
Aniversität Leipzig seit 1892 als Professor an. 
Wt. Waßhington,?2. Juli. Der Senat hat den Rez i⸗ 
prozitätsvertrag mit Canada ohne Zusätze mit 53 gegen 
27 Stimmen angenommen. 
W. Kiel, 22. Juli. Der Schlosser Aier erschoß 
die Frau des Torpedomaschinistenmaates Stolze vom 
„Sleipner“, die er mit Liebesanträgen verfolgte, in ihrer Woh— 
nung in Kiel-⸗Gaarden, wo der Täter als Einlogierer wohnte. 
Wit. Köln, 22. Juli. Heute vormittag wurden auf der 
Mülheimer Heide bei den Scheibenständen zwei Soldaten 
»es Pionierbataillons 7, die fich vorzeitig aus der Decung 
entfernten angeschossen. Einer wurde durch einen Schuß 
in die Brust schwer verletzt, dem anderen wurde ein Arm 
erschmettert. 
heer und Flotte. 
W. Berlin, 22. Juli. Das Militärwochenblatt meldet: 
Dberst von Glasenapp, Kommandeur der Schutztruppen im 
Reichskolonialamt, ist zum Generalmaior befördert. 
W. Berlin. 22. Juli. Angekommen: „Victoria Luise“ 
am 21. Juli in Balestrand, „Panther“ am 31. Juli von Santa 
Cruz in Teneriffa, „Grille“ am 21. Juli von Wyl auf Föhr 
am 21. Juli in Sörnum. In See gegangen: „Vulkan“ am 
21. Juli von Edernförde und in Kiel eingetroffen, „Grille“ am 
22. Juli von Hörnum nach List, „Drache“ am 20. Juli von 
Helgoland und in Sonderburg eingetroffen. „Prinz Adalbert“ 
am 17. Juli von Kiel, „Danzig“ am 17. Juli von Sonderburg, 
beide am 20. Juli in Aalesund eingetroffen. Briefregelung 
für „Undine“ bis 23. Juli Warnemünde, vom 24. ab Sonder⸗ 
burg, „Schwaben“ bis 28. Juli Kiel, vom 29. ab Sonderburg. 
Sportnachrichten. 
Internationales Schachmeisterrurnier in Karlsbad. Die 
Teilnehmerliste des am 20 August d. J. beginnenden großen 
nternationalen Schachmeisterturniers in Karlsbad, zu dem die 
Stadtgemeinde eine Suübvention von 15 000 Kr. bewilligt hat, 
kiegt min vor. Sie enthält die Namen fast sämtlicher hervor⸗ 
ragendsten Meister aller Länder, so daß das Turn'er unter 
die großartigsten Veranstaltungen dieser Art zu zählen sein 
vird. Es beteiligen sich: Alapin (St. Petersburg), Alechin 
(Moskau), Burn (Liverpooh, Chaies (Ehikago), E. Cohn 
Berlin), Duras (Prag), Fahrni (Müũnchen), Jaffe (New⸗ 
jort). Janowsli (Paris), Johner (Newyork), Kostic (Budapest), 
Leonhardt (Hamburg), Loewenfisch (St. Petersburc), Mar— 
shall (Newyort), Niemzowissch (Riga). Dr. Perlis (Wien), Ru⸗ 
binstein (Warschau), Salwe (Lode), Schlechter (Winm), Spiel⸗ 
mann (München), Süchting (Valluhn) Dr. Tartalower 
(Rostow am Don), Teichmann (London), Dr. Vidmar (Weiz) 
und Wolf (Jägerndorf). Für Capablanca GGavannah) wird ein 
Platz freigebalten 
Buntes Allerlei. 
uc. Courbière. Am 23. Juli sind 100 Jahre verflossen, 
daß der vor etwa eineinhalb Jahrhunderten vielgenannte preußi⸗ 
sche Feldmarschall Guilleaume Rens Baron de Homme de 
Tourbière (spr. Kurbjär) starb. Nach ihm erhielt im Jahre 
1889 das zweite posensche Infanterieregiment Nr. 19 seinen 
Namen, während die alte Festung Graudenz durch Kabinetts— 
order vom 14. Dezember 18233 den Namen „Feste Courbière“ 
erhielt. Geboren den 25. Februar 1733 in Maagstrich, trat 
Courbière 1757 aus holländischen Diensten als Ingenieur— 
kapitän in preußische Dienste, kommandierte ab 17859 als Maior 
ein Freibataillon (an dessen Spitze er sich bei der Belagerung 
von Dresden 1760, sowei bei Liegnitz und Torgau rühmenswert 
hervottat) und war nach dem Hubertusburger Frieden in Emden 
als Hauslehrer tätig. 1787 Generalleutnant, führte Courbiere 
im Kriege gegen die französische Republik die Garden. 1797 
pvard er General der Infanterie, ein Jahr später Gouverneur 
»on Graudenz. Diese Festung verteidigte der wackere Stratege 
ehr heldenmütig im Jahre 1807, was ihm nach dem Frieden 
von Tilsit den Titel „Feldmarschall und Gouverneur von 
Westpreußen“ einbrachte. 
Die Erpressungsversuche gegen den Verlagsbud händlet 
Weber in Leipzig beschäftigsen Dienstag das Reichsgericht 
in Leipzig. Nachdem die Brüder Koppius ihre mit 
„Argus R.“ unterzeichneten Erpresserbriefe geschrieben hatten, 
kam der Vergolder Josephh Hommes auf den Gedanken, 
das gleiche zu tun. Er schrieb einen Brief an den Ver— 
lagsbuchhändler Weber und forderte ihn darin auf, für 
hn 5000 Muüim städtischen Museum hinter der Büite des 
Bürgermeisters Lotter niederzulegen. Für den Fall der Nicht— 
erfüllung dieser „Bitte“ drohte er mit Mord und Brand— 
tiftung. Bald darauf traf bei dem Verlagsbuchhändler 
Weber ein zweiter Brief ein, worin er aufgefordert wurde, 
im Grassimuseum an einer bestimméen Stelle zunächst 1000 
Mark niederzulegen, und später weitere 4000 Mi. Schließz-⸗ 
jich wurde Hommes verhaftet. Das Landgericht Leipzig ver⸗ 
irteilte ihn wegen versuchter schwerer Erpressung zu einem 
Jahre Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. In seiner 
kevision beschwerte sich sich der Angeklagte darüber. daß ihm 
richt gestattet worden sei, zu beweisen, daß ein gewisser 
zagemann ihm gesagt habe, er solle das Geld holen. Das 
Reichsgericht erkannte jedoch mangels einer Gesekesverletzung 
auf Verwerfung der Revision. 
Reiseabentener eines drurschen Ehepaars in Saͤw din. Der 
Kaufmann Karl Schäfer und seine Frau aus Ber in wur— 
den am Dienstag in Lulea in dem Augenblichk verhaftet, 
als sie im Begriff waren, nach Norwick abzureisen. Die 
rrtümlich vorgenommene Verhaftung war auf Anordnung 
der Stockholmer Polizei ersolgt, die das Ehepaar für die 
veiden noch nicht ergriffenen Mittäter an dem großen Dieb— 
stahl hielt, der am 10. Juli in der Slandinapischen Kredit— 
Altiengeselljschaft in Stockholm verübt worden war und bei 
dem den Dieben 31000 Kr. in die Hände fielen. Bisher 
var es der Polizei nur gelungen, zwei von den vier am 
Kaube beteiliglen Dieben festzurehmen, während es den bei— 
den andern Tätern, einem Mann und einer Frau, von denen 
die letztete bei ihrer Flucht einen blauen Scleier trug, 
Jeglüct war, sich den Nachsorschungen der Polisei zu ent⸗ 
iehen. Da auch Frau Schäser auf der Reise einen blauen 
Schleier trug, und im übrigen auch die Beschreibung des 
lüchtigen Diebes einigermaßen auf ihren Mann paßt, so 
zlaubte die Stodholmer Polizei, das gesuchte Verbrecher⸗ 
aar vor sich zu haben. Nach Aufllärung des Mißverständ⸗- 
risses setzte der Polizeipräsident selbst das Ehepaar unter 
bielen Entfchuldigungen in Freiheit. 
Ein Feuer im Lunapark der Industrie-Auestellung in Chate 
eroi hat großen Schaden angerichtet. Wie aus Brüssel 
zerichtet wird, sind verschiedene Vergnügungs-Etablissements! 
ugleich mit der Gebirgsbahn abgebrannt. Die Enttehungs⸗ 
ssache des Brandes ist nicht genau fest ustellen, wahr! heinlich 
st er in der unser der Gebiegsbahn heind!ichen Zimmermanns⸗ 
verkstätte ausgebrochen. Wenige Minuten später wälzten sich 
‚on den in Flammen stehenden Holzbauten gewaltige Rauch- 
aulen uber das Ausstellungsterrain und verursachten in Char— 
eroi überall eine erheblicke Panik. Glücklicherweise waren zur 
elben Slunde die Fererwehrmannschaften mit der Dampfspritze 
zur Uebung versammelt und konnten sofort zum Brandherd 
hrücken; so waren die Flammen in einer Stunde abgelöscht. 
Für die eigentliche Ausstellung, die Industrie- und Gewerbe— 
halle, bestand überhaupt keine Gefahr, trotzdem aber ist dem 
Brande ein Menschenleben zum Opfer gefallen: Ein junget 
Mann, der dem Brande von sern zusah, geriet darüber in 
eine so hochgradige Aufregung, daß er, von einem Hereschlage 
getroffen, tot zu Boden sank
	        
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