Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

und in der fünften 36 Pfg. betragen. Sie werden künftig, 
und zwar zunächst bis zum Jahre 18920, in gleicher Reihen⸗ 
folge 16, 24, 32, 40, 48 Pfꝗ. ausmachen. Man darf damit 
rechnen, daß die neuen Versicherungsmarken schon vor dem 
Ende des laufenden Kalenderjahres von der Post zu be— 
iehen sein werden. Die bisherigen haben bis zum 31. De⸗ 
ember Gültigkeit. 
*ITV. Internationales Lamn⸗Tennis⸗Turnier zu Trave⸗ 
nünde. Infolge des gestrigen regnerischen Wetters mußten 
zie Schlußkämpfe auf heute verschoben werden. Gestern ge— 
langte zunächst das Herreneinzelspiel um den Han— 
seatenpreis zum Austrag. Als Kämpfer standen sich 
F. Ph. Haselden und H. Beisterbergkl-Hamburg gegenüber. 
daselden siegte mit 6:1, 4:0, worauf der Gegner Verzicht 
reistete. Haselden muß nun noch gegen den vorjährigen Sieger 
dieses Preises, L. M. Grandy, spielen. — Ein äußerst hart- 
näckiger Kampf, der von dem zahlreichen Publikum mit 
urößter Spannung verfolgt wurde, war der um die end⸗ 
zültige Meisterschaft von Travemünde im Herren— 
Finzelspiel. Es standen sich F. W. Rahe⸗Rostock und 
der vorjährige Sieger Uhl (Dornach-Berlin gegenüber. Rahe⸗ 
Rostock gewann die Meisterschaft mit 620, 6:2, 6:2. — Im 
ßerren-Doppelspielohne Vorgabe wurde noch die 
russtehende Schlußrunde gespielt. Es standen sich gegenüber 
W. Rahe-Rostock und Dornack (Uhl)⸗Berlin gegen die beiden 
Schweden, F. Möller und C. Benckert⸗Stockholm. Das Spiel 
endete zugunsten Rahe und Dornack mit 6:24, 6:2. Weiter 
wielten L. M. Grandy und G. E. Köpcke⸗-Hamburg gegen 
C. Ph. Haselden und H. Müller⸗-Hamburg. Grandy-Köpcke 
8:26, 5:7, 6:4. Zum Schluß standen in diesem Spiel Rahe— 
Rostock und Dornack-Berlin noch Grandy und Köpcke-Hamburgs 
gegenüber. Den Sieg trugen Rahe und Dornack mit 7:5, 
3:2, 6:24 davon. — Gleichfalls zu Ende gespielt wurde das 
Herreneinzelspiel mit Vorgabe, Abteilung B. Es 
kämpfte K. HeisterbergkHamburg gegen J. Risch-Hamburg. 
Sieger blieb Risch mit 6:1, 6:23. — Im Serren-Doppel— 
spiel mit Vorgabe, Abteilung A, gewannen die Schluß⸗ 
runde C. Bencert⸗Stockholm und Dornack-Berlin gegen VPoppe⸗ 
Heiligendamm und F. W. Rahe-Rostock, da die letzteren Ver⸗ 
zicht leisteten. — Gemischtes Doppelspiéel mit Vor— 
gabe. Vorrunde: Frl. R. Bolbrügge und O. Vermehren—⸗ 
Lübeck gegen Frau K. Severin-Lübeck und Dr. Ahlers-Hamburg. 
Die ersteren 6233, 6:3. 1. Runde: Frl. R. Bolbrügge und O. 
Vermehren⸗Lübeck gegen Frl. Kleinschmidt und H. Müller-Ham⸗ 
burg. Die letzteren 621, 3:6, 6:4. Schlußrunde: Frl. G. 
Blumenthal⸗Lübeck und R. Samson-Hamburg gegen Frl. Klein⸗ 
schmidt und Müller-Hamburg. Die letzteren 6:3, 6:0. 
Der glatte Verlauf der Generalrersammlung erscheint 
manchem Vorstand oder Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft 
als eine der wichtigsten, nur im Interesse des Unternehmens 
iiegenden Angelegenheiten. Um dieses Ziel zu erreichen, wird 
den aus Abktionärkreisen stammenden Interpellationen nicht 
mmer die erforderliche Aufmerksamkeit erwiesen. Entweder 
vird eine Beantwortung mit größerem oder kleinerem Pathos 
berweigert oder es wird die Richtigkeit einer, der Anfrage 
zugrundeliegenden Behauptung, wenn hierin der Vorwurf einer 
unzutreffenden Berichterstattung durch die Verwaltung liegt, 
bom Vorstand mit allen Anzeichen der Entrüstung bestritten. 
Das Reichsgericht läht sich aber weder durch die Entrüstung, 
noch durch den Biedermannston gewissenloser Wirtschafter 
beirren und hat, als ein Vorstandsmitglied wegen der un—⸗ 
richtigen Beantwortung einer, von einem Aktionär in einer 
Generalversammlung vorgebrachten Interpellation glatt ent—⸗ 
assen wurde, diese Entlassung als durchaus berechtigt aner— 
annt und sehr scharfe Worte gegen die Methode gefunden, 
die Aktionäre durch unzutreffende oder nur halbrichtige Aus— 
künfte zu täuschen. Ausdrücklich wurde vom Reichsgericht 
erklärt, daß der Zweck nicht die Mittel heiligen dürfe, auch 
wenn der Zweck nur darin bestand, einen glatten Verlauf der 
Generalversammlung herbeizuführen, um so die Gesellschaft vor 
weiterer Erörterung ihrer Angelegenheiten zu schützen oder gar, 
um sie vor Beeinträchtigung ihres Ansehens zu bewahren. Um 
eine rechtswidrige Handlung anzunehmen, bedarf es ferner 
durchaus nicht der Absicht des Vorsitzenden, sich selbst irgend⸗ 
einen Vorteil durch die unrichtige Auskunft zu verschaffen: er 
kann gänz selbstlos gehandelt haben. Die Tatsache, daß der 
interpellierende Aktionär nicht befriedigt wird, genügt, um 
einen schweren Verstoß gegen die Pflicht des ordentlichen Kauf— 
manns anzunehmen. 8 
Die Wasserwürme in den städtischen Badeanstalten betrug 
am 18. Juli im Krähenteiche 19 Grad Celsius, auf dem Fallken⸗ 
damm 1814 Grad Celsius. 
— — 
Hanßest ãd te. J 
Hambuüurg, 19. Juli. Der Kampf im Bolzge— 
verbe. Nachdem erneute Einigungsverhandlungen wiederum 
zescheitert sind, wurde in einer am Dienstag abend stattge— 
undenen Versammlung von selbständigen Gewerbetreibenden 
oer Holzindustrie die Gründung eines neuen Arbeitgeber— 
vereins vorgenommen. Der Vorstand wurde ermächtigt, an 
den Holzarbeiterverband die Anfrage zu richten, ob er ge— 
willt sei, mit dem neuen Verein einen Tarifvertrag abzuschließen. 
Cuxhavpen, 19. Juli. Das Oberkriegsgericht 
der Marinestaätion der Nordsee, das hier tagte, 
oerurteilte J. wegen militärischen Aufruhrs den 
Matrosenartilleristen M. zu 6 Jahren 1 Monat Zuchthaus, Ver— 
lust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von sieben 
Jahren und Entfernung aus der Marine; die Matrosen- 
artilieristen O. B. und L. zu je 5 Jahren Gefängnis und Ver—⸗ 
Jetzung in die zweite Klafse des Soldatenstandes; 2. wegen 
militärischen Aufruhrs und tätlichen Angriffs gegen einen Vor⸗ 
gesetzten: Matrosenartillerist R. zu 6 Jahren Gefängnis, Ver—⸗ 
setzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes und Ent— 
fernung aus der Marine; Matrosenartillerist L. zu 6 Jahren 
Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten⸗ 
standes. Dieser Aufsehen erregenden Verurteilung liegt folgen⸗ 
der Vorgang zugrunde: In der Nordersteinstraße stand hier 
eines Abends ein Maat plaudernd mit einem jungen Mädchen, 
als mehree Matrosenartilleristen vorübergingen. Einer derselben 
blieb neben dem Maaten stehen und suchte eine Unterhaltung 
mit dem Mädchen anzuknüpfen. Als der Maat den Artilleristen 
zum Weitergehen aufforderte, widersetzte sich dieser mit der 
Motivierung, daß er auch das Mädchen gut kenne. Nun 
wollte der Maat dem widerspenstigen Matrosenartilleristen die 
Mütze vom Kopf nehmen, um den Namen festzuistellen. In 
diesem Augenblick aber versetzte der Matrosenartillerist dem 
Maaten eine Ohrfeige, und damit fielen auch die fünf anderen 
Matrosenartilleristen, die sich in der Begleitung des Zurück⸗ 
zewiesenen befunden hatten, über den Geohrfeigten her. Dieser 
Dwußkte sich schließlich nicht anders mehr zu helfen, als in ein 
n der Nähe befindliches Restauurant zu laufen, wohin ihn 
ber die sechs Matrosenartilleristen auchh noch weiter ver⸗ 
olgten. — Vor einigen Wochen hat bereits das Marine⸗ 
triegsgericht der Inspektion der Küstenartillerie und des 
Ninenwesens, Cuxhaven, ein Urteil in dieser Sache gefällt, 
»obei der Hauptangeklagte 8 Jahre Zuchthaus erhielt, während 
ich die Strafen der übrigen Angeklagten auf derselben Höhe 
vie jetzt bewegten. i 
Grrohßherzogtum Osbenburg, Fürstentunß Lübed. 
Oldenburg, 19. Juli. Brandstifter und Mord— 
u be. Die Baulichkeiten des Arbeiters Hoffbuhr in Torsholt 
ei Westerstede sind vor einiger Zeit, wie gemeldet, einer 
zrandstiftung zum Opfer gefallen. Dies wurde durch einen 
on dem Täter selbst geschriebenen anonymen Brief bestätigt. 
in einem neuen Schreiben teilte er mit, daß die Brandstiftung 
iicht dem Hoffbuhr selbst, sondern einem seiner Familien⸗ 
aitglieder gelte. Er werde an ihm seine Rache durch Er— 
nordung nehmen 
Prinz⸗Heinrich⸗ Fahrt. 
Windermere, 16. Juli. 
An rund 2000 km haben, wie dem Berliner Tageblatt 
jerichtet wird, die Prinz-Heinrich-Fahrer schon heruntergerissen, 
ind noch drei Etappen liegen vor ihnen, bis das Ziel winkt. 
s war vorauszusehen, daß diese lange Rundreise müde machen 
iußte bei einer Tour, die keinen persönlichen Ehrgeiz an—⸗ 
racheln kann, wo nur Klub gegen Klub in die Schranken tritt 
nd kein Rennen die Nerven anspannt. Das Tempo auf dieser 
tahrt schwankt zwischen 30 und 50 km, ist also nicht aufregend. 
ind wer schmorend im Sonnenbrand so langsam hingleitet, 
or sich und hinter sich Wolken von Staub, die der übrige 
roß aufwirbelt, kommt leicht in die Gefahr, einzuschlafen. 
as ist dem und jenem auch wassiert, und ohne den festen 
zriff des daneben sitzenden Chauffeurs wäre dieses Nicerchen 
ielen schlecht bekommen. Der Führer einer englischen Li— 
ausine lenkte im Halbschlaf seinen Wagen schnurstracks in einen 
shausseegraben, und es mußten erst Pferde kommen, 'um die 
Maschine herauszulotsen und auf die Beine zu stellen, die 
janz heil geblieben war 
7 47* 
Die Szenerie muß schadlos halten für das maßvolle Tempo 
ind gerade die letzte Strecke hat die Augen außer Staub 
zuch Wunder an Schönheit sehen lassen. Die Tour das öst— 
iche England entlang war mit der Zeit monoton geworden. 
Zer Blich war immer auf dieselbe Landschaft, auf Park— 
elände und Weide, auf Jagdgründe und Aecer gerichtet. Als 
ie Prinz⸗Heinrich-Fahrer gestern Edinburg im Rücken hatten 
ind den Süden Schottlands durchwanderten, geleiteten sie zum 
usten Male alpine, wenn auch ganz kahle, nur von fetten 
S„chafen bevölkerte Hügel und bergauf und bergab ging es 
surch ärmliche schottische Dörfer mit schmutzigen Kindern, wo 
eine Freude zu wohnen scheint. Kinder bleiben sich immer 
leich, ob am frohen Rhein oder im schwarzen Westfalen, ob 
nn wohlhabenden Süden Englands oder in den schottischen 
zergdörfern. Ueberall jauchzten die Kleinen und schwenkten 
pild die Mütze oder ein Fähnchen. In Schottland ließen 
ie den Union Jack und die gelbe Flagge mit dem roten 
chottischen Löwen flattern, und einige Male grüßte gauch schwarz— 
veiß⸗rotes Fahnentuch und ein „Autoheil“. ⸗ 
„Wir fuhren zusammen nach Gretna Green“... Zwar 
hne Liliencrons kleine Komtesse, aber doch in forschem Galopp. 
zretna Green, wo bis vor 20 Jahren der alte Dorfschmied 
ins, zwei, drei die von der englischen Grenze herüber ge— 
üchteten Liebespaare zu einander gab. ist heute nur noch 
in Dörfchen mit drei Häusern und einem steingrauen Kirchlein. 
s lebt heute nur noch auf der Amsichtskarte fort, die in 
Nassen auf den Markt geworsen werden. Im nahen Carlisle, 
as die englische Hauptstadt von Cumberland ist, wurde ohne 
en zum Lord Douglas geladenen Prinzen Heinrich ge— 
rühstückt. Als dann der Prinz zurückkehrte, gab es auf 
em großen, mit Buden besetzten Marktplatz ein lebensgefähr— 
sches Gedränge von Menschen und Maschinen. Jeder wollte als 
rster hinter dem Prinzen herfahren, und ein wildes Ge— 
ruste, Johlen und Tuten ging an, ehe sich die Kolonne 
intereinander reihte. Ein Wunder, daß nichts auf der Strecke 
lieb, aber eine Lehre für den englischen Klub, der die Starts 
bgeschafft hat und es jedem freistellt, zu starten, wie und 
zann es ihm beliebt. Hinter Carlisle wurde die Strecke 
nmer bergiger und die Hügel sind hier nicht mehr so kahl 
zie in Südschottland. Die Berge sind tannenbewaldet. und 
oäre oben Schnee zu sehen, dann ließen sich die Berge 
zZayerns vortäuschen. Bald zieht sich ein meilenlanger See 
ur Linken hin. Wir sind mitten im Seengebiet des westlichen 
znglands. fahren durch kleine Oerter, die Schweizer Stil 
etmen, und vorüber rumpeln klapperige Mailcoaches mit 
Zutschern in rotem Rock und viere lang. Die Straße biegt 
ich in zahllosen Serpentinen und ist 504m lang, von einer 
ohen Steinmauer eingefaßt. die kein Baum und kein Strauch 
arniert. So rückt allmählich ein See nach dem anderen und 
ine ganze Hügelkette heran, bis der blaue See von Winder⸗ 
iere schimmert und blonde, vornehme Misses, die hier die 
zleichsucht verlieren wollen, der staubüberzogenen Autlerschar 
in freundliches Willkommen winken und am Ziel die Auf— 
chrift Jeuchtet: „Blut ist dicher als Wasser“. 
M. London, 19. Juli. Die Teilnehmer an der Prinz-Hein⸗ 
ich-Fahrt fuhren heute von Shrewsburg nach Cheltenham, 
ämtliche Wagen legten die Strecke ohne Unfall zurück. Heute 
ibend wurde zu Ehren der Teilnehmer in Cheltenham ein 
restmahl veranstaltet. 
Hermischtes. 
Das Eißenbahnunglück bei Müllheim. Die Aufräumungs— 
irbeiten auf der Unglücksstätte werden mit dem größten Eifer 
ortgesetzt. Man vermutet, daß unter den Trümmern noch 
nehrere Leichen liegen. Finanzminister Rheinbold, der lange 
zeit auf der Unfallstelle weilte, hat dem Großherzog einen 
usführlichen Bericht über die Katastrophe erstattet. Der Groß- 
erzog und die Großherzogin haben wiederholt telegraphisch 
hr Beileid ausgedrückt. Ueber die Beerdigung der Opfer 
ind noch keine Bestimmungen getroffen worden. Es fand 
ine große Leichenschau statt. Der größte Teil der Toten 
»ird voraussichtlich in ihren Heimatsorten beerdigt werden. 
das Befinden der schwerverletzten Personen hat sich nicht 
erschlimmert, doch haben einige Personen derartige Verletzungen 
rlitten, daß es noch fraglich ist, ob es den Aerzten gelingt, 
ie am Leben zu erhalten. Das gesamte Zugpersonal des 
erunglüdten Zuges ist von der Staatsanwaltschaft nach der 
zeimat entlassen worden. Die vielfach verbreitete Nachricht 
on der Verhaftung des Lokomotivführers und Heizers be— 
zätigat sich nicht. Lokomotivführer Platten wurde einem Verhör 
nterzogen und dann entlassen. Er behauptet mit aller Ent. 
hiedenheit, daß die Bremse versagt habe. Ob diese Angaben 
ichtig sind, wird erst die genaue Untersuchung ergeben. Der 
zerkehr auf dem Bahnhof Müllheim ist umgeleitet worden 
ind wird eingleisig betrieben. Die vollständige Aufräumung 
er Unfallstelle wird frühestens Donnerstag beendet sein. 
Die Reise um die Erde. Der neue Phileas Fogg. 
dienstag um 7 Uhr 51 Min. früh traf in Berlin Jager— 
„chmidt aus Paris ein, der es unternommen hat, die „Reise 
m die Welt“ in der Hälfte der Zeit, die Jules Vernes Held be 
rötigte, zurückzulegen. Wie eilig er's hatte, geht daraus her— 
»or, daß er Berlin schon um 7 Uhr 52 Minuten wieder verließ, 
Die Reise, die im Auftrage eines Pariser Blattes gestern um 
Uhr 45 Minuten nachmittags in Paris angetreten wurde, 
on in vierzig Tagen, also am 26. August zu Ende gehen. Jager- 
Schmidt muß in dieser Zeit Moskau, Wiadiwoftok, Tsuruga, 
Jolohama, Vancouver, Quebec, Liverpool besucht haben. 
seueste Nachrichten und Telegramme. 
Sereikdauszschreitrngen in Antweipn 
W. Antwerpen, 19. Juli. Gestern abend kam es zu einen 
zusanimenstoß zwischen Ausständigen und Angestellten der Red 
Ztar Linie, die neuangeworbene Arbeitskräfte zu den Schiffen 
eleiteten. Einschreitende Polizeibeamte wurden von der Menge 
ingegriffen. Ein Beamter wurde verletzt. Die Polizei ge— 
rauchte die Schußwaffe. Mehrere Verhaftungen wurden vor—⸗ 
zenommen. 
Sturz des türlischen Großwesirs dementiert. 
W. Konstantinopel, 19. Juli. Der Führer der jungtürki— 
schen Kammerpartei dementiert die Gerüchte, nach welchen 
»ie Partei den Sturz des Großwesirs noch vor der Er— 
zffnung des Parlaments beabfichtigte, erklärt jedoch, die 
Aufmerksamkeit des Großwesirs auf verschiedene Fragen der 
nneren Politik gelenkt zu haben. 
Die Mali'soren zur Unterwerfung bereit. ** 
W. Konstantino pel, 18. Juli. Verläßlichen Informationen 
ufolge dürfte die Pforte die Unterwerfungsfrist für die 
Valissoren nicht erneuern. Nach den Nachrichten der Pforte 
cheinen die Malissoren willig, neue Vorschläge behufs eines 
hrenvollen Nachgebens zu unterbreiten, auch sollen sie nun— 
nehr keine weitere Garantie für die Erfüllung der ihnen 
ugestandenen Konzefssionen verlangen, als die Veröffent— 
ichung der Konzessionen im Amtsblatt der Vilaiets. 
Die spanische Geisandischaft uad der Fall Beisset. 
W. Madrid, 18. Juli. Eine halbamtliche Meldung be— 
agt, daß der Minister des Aeubern telegraphisch die spanische 
Besandtschaft in Tanger um Aeußerung über den Fall Boisset 
eisuchte. Ta der Gesandte Instrultionen habe, scheine die Tat— 
ache, daß die Regierung bisher von ihm über die 
Angelegenheit keine Mitteilung erhielt, darauf hin—⸗ 
udeuten, daß der Vorfall keine Bedeutung habe, entweder an 
und für sich nicht, oder weik die erforderlichen Aufklärungen 
Boisset gegeben worden seien. 
Revolution auf Haiti. 
M. Köln, 19. Juli. Die Kölnische Zeitung berichtet aus 
Newyork: Nachrichten aus Portauprince zufolge schlugen die 
Aufständischen bei Trou die Regierungstruppen. Unter den 
lusländern herrscht große Beunruhigung. Das Kriegsschiff 
Antoine Simon“, vormals „Konsul Grotstueck“, ist kampf- 
infähig. Aus Kingston wird gemeldet, daß einige angesehene 
deutsche aus Haiti wegen angeblicher Förderung der Revo— 
ution ausgewiesen seien. 
Staatsstreich in Persien. 
W. Teheran, 19. Juli. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) 
die Landung des früheren Schahs Mohammeb 
LAli erfolgte bei Komeschteye am Kaspischen Meere in 
er Nähe von Asterabad. Er stand mit den dortigen 
urfmenen schon seit einiger Zeit in Verbindung, während der 
zeit, in welcher Hussein Kulikhan im vorigen Jahre Minister 
es Aeußeren war und wegen dieser Intrigen ernste Vor— 
iellungen bei den Gesandten Großbritanniens und Rußlands 
rhoben hat, die aber von diesen ignoriert wurden. Nach 
ei der persischen Regierung eingegangenen, den beiden Gesandt⸗ 
haften mitgeteilten Nachrichten ist der frühere Schah in der 
etzten Zeit mehr als je beschäftigt, Intrigen gegen die jehige 
jegierung anzuzetteln. Sein Günstling Mujalal es Sultan, 
er im Jahre 1909 ebenfalls als Schutzbefohlener in Rußland 
aisgenommen wurde, ist jetzt plötzlich in der Provinz Aserbeidian 
inter den Schahsewennen aufgetaucht und reizt diese zur 
vmpörung auf. Andere Anhänger des Schahs landeten mit 
inem großen Vorrat von Patrynen in Baku und erdhielten 
rotz der Vorstellungen der persischen Regiecung die Erlaubnis, 
ich nach Petrowsk zu begeben, mo sie eine Besprechung mit 
»en Turkmenenhäuptlingen hatten. 
Schwere Meuterti im Gefängnis. 
W. Veirut, 19. Juli. In einem Gefängnis zu Aleppo kam 
s zu einer schweren Meuterei, deren Ursachen noch unaufgeklärt 
ind. Ein großes Truppenaufgebot mußte das Gefängnis 
türmen. Zahlreiche Gefangene wurden getötet, über vierzig 
vurden verwundet.— 
W. Berlin, 19. Juli. Die Verhandlung gegen den 
keserveleuinant Freiherrn Oswald von Richthofen, 
der seinerzeit den Leutnant a. D. Wilhelm von Gaffron im 
Duell erschoß, findet heute vor dem Kriegsgericht der Land— 
vehrinspektion Schöneberg statt. 
.W. Betlin. 19. Juli. Dr Wilmersdorfer Ma— 
sistrat beschloß gestern auf Anregung des Reichskanzlers 
ich an den Kosten für den Bau eines Reichskrieger— 
»entmals für die in den Kolonien Gefallenen zu be⸗ 
eiligen. Der Magistrat will auch ein städtisches Terrain un⸗ 
ntgeltlich zur Verfügung stellen. 
W. Schwerin, 19. Juli. Bei einer Bootsfahrt;« 
»ie fünf unverheiratete Kellner des Kurhauses Zippendorf 
norgens in angeheitertem Zustande auf dem Großen See 
internahmen, kenterte das Boot und die Insasien fielen ins 
Wasser. Einer konnte sich durch Schwimmen retten, ein zweiter 
vurde rechtzeitig herausgeholt, die Kellner Hagen, 
Stäver und Salzer ertranken. 
W. Augeburg, 19. Juli. Eine historische Persön— 
ichkeit, der Oberaufseher a. D. Heinrich Funk, der im 
xeutsch-französischen Krieg bei der Batterie Anselm Bauer am 
*. August 1870 bei Weißenburg den ersten deutschen 
ZFanonenschuß des Krieges gelöst, ist, 75 Jahrt 
ilt, gestorben.
	        
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