Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Ausgabe 4. 
ericht 
Tagesbericht. 
Lübec, 18. Jull. 
x Vertretunmgen. Während der gleichzeitigen Abwesenheit 
der Herren Senatoren H. Evers und Dr. Stooss hat 
Zerr Senator Dr. Eschenburg den Vorsitz in der Bau— 
deputation übernommen. — Während der Abwesenheit des 
Herrn Senators H. Evers hat Herr Senator Dr. Lienau 
den Vorsit in der Allgemeinen Armenanstalt übernommen, 
— In der Vorsteherschaft des Allgemeinen Krankenhauses hat 
Herr Senalor D.. Vermehren, während der gleichteitigen 
Abwesenheit der Herren Senatoren Strack und Dr. Kalk⸗ 
brenner den Vorsitz übernommen. 
Zur Rou!e Fehmarn⸗Rödbn (auf Laaland) hat jetzt auch. 
wie der Kieler Zei ung geschrieben wircd, Heiligenhafen 
Stelklung genommen. Der Bürgermeister hat nämlich an 
die Interessenten des Proijektes (u. a. an die städtische 
Vertretung von Rödby) Schreiben gerichtet, in denen er 
um Sitz in der dänisch-deutschen Kommission des 
Planes ersucht. In diesem Schreiben vertrikt der Bürger⸗ 
meister nach stattgehabter Beratung mit Mitgliedern des 
Stadtkollegiums die Ansicht, daß die Bahn⸗ Brücken⸗ und 
Fähranlagen über Fehmarn sich als zu kostspielig heraus⸗ 
slellen werden. Es empfehle sich im Gegenteil die Route, die 
Fähre um Fehmarn herumzuführen nach der holsteinischen 
Küste, mit Bahnverbindung über Neustadt-Oldesloe— 
Hamburg. Ein solches Projiekt biete außerdem, jedenfalls; 
da es sich viel besser für den Personenverkehr eigne, gün—⸗ 
stigere Aussichten in finanzieller Hinsicht. Wie mitgeteilt 
wird, hat die Rödbyer Stadtvertretung es abgelehnt, 
zurzeit Stellung zu der Frage zu nehmen. 
In die Standesamtsregister wurden vom 9. bis 
15. Juli eingetragen: 42 Geburten (27 Knaben und 15 
Mädchen), 18 Aufgebote, 23 Eheschließungen und 22 Ste. be⸗ 
fälle, darunter 10 Kinder unter 6 Jahren. 
»Der Hof Lauen, ein an der lübeckischen Grenze belegenes 
mecklenburg⸗strelitzsches Erbpachtsgut im Fürstentum Ratzeburg, 
ist vom Besitzer, Herrn G. Schütt, der es 1907 einschließlich 
Inventar und Ernte für 140 000 Mekaufte, für 190 000 M 
an einen Hamburger Herrn verkauft worden. 
M Volksfest. Im Gegensatz zu dem fast völlig verreg— 
neten ersten Festtage war dem zweiten erfreulicherweise eine 
zwar windiges und nur mäßig warmes, aber doch trockenes 
Wetter beschieden, so daß der Besuch des Festplatzes gestern 
nichts zu wünschen übrig ließ und die Budenbesitzer doch noch 
ein leidliches Geschäft gemacht haben dürften. Die Illumination 
der Festhalle, die am Sonntag abend des stürmischen Wetters 
wegen etwas hatte eingeschränkt werden müssen, kam am 
gestrigen Abend bedeutend besser zur Geltung. Bald nach 8 Uhr 
verkündete der Vorsitzende des Festkomitees, Herr R. Möller, 
von der Tribüne herab die Namen der besten Schützen. Unter 
diesen war die Würde eines Schützenkönigs auf Herrn W. 
Wengenroth gefallen, der auf den allgemeinen Scheiben 
156 Teiler geschossen hatte. Der glückliche Gewinner des Königs⸗ 
preises ist dagegen Herr Gastwirt Weiß, Schwartauer Allee, für 
den Herr Wengenroth geschossen hat. Bester Schütze auf den 
Konkurrenzscheiben ist Herr Lehrer Kock⸗-Schlutup geworden. 
Nachdem der Vorsitzende auf den Schützenkönig ein Hoch aus— 
gebracht hatte, schloß er das Fest mit einer kurzen Ansprache, 
in der er allen, die an der Veranstaltung und Verschönexrung 
des Festes mitgewirkt haben, dankte, seiner Freude über das 
durch den Regen am Sonntag zwar vorübergehend etwas be— 
einträchtigte, aber sonst in schönster Harmonie verlaufene 
Fest Ausdruck gab und allen Festteilnehmern einen recht ver— 
gnügten Abend sowie glückliches Wiedersehen am nächsten Volks— 
fest wünschte. — Bei der Ziehung der Tombola fiel der 
Hauptgewinn (eine elegante Zimmereinrichtung) auf Nr. 1419, 
der zweite Gewinn (eine Standuhr) auf Nr. 504, der dritte Ge—⸗ 
winn (ein Dutzend silberne Eßlöffel) auf 7317, der vierte Ge— 
winn (eine goldene Damenuhr) auf Nr. 8190, der fünfte 
Gewinn (ein Spiegel) auf Nr. 12193, der sechste Gewinn 
(eine Nähmaschine) auf Nr. 15796 usp. — Um 10 Uhr leiteten 
drei Kanonenschläge das alliährlich offiziell das Fest abschließende 
Feuerwerk ein. Es bot wieder mancherlei prächtige und 
abwechselungsreiche figürliche Farbenspiele, während die Ra— 
lketen, Leuchtkugeln und Schwärmer in der Höhe durch den Wind 
etwas abgetrieben wurden und infolgedessen nicht voll zur 
Geltung kamen. — Nach dem Feuerwerk nahm der Festtrubel 
wieder seinen Fortgang; was man am Sonntag infolge des 
Regens im Genuß der Festfreuden hatte einbühen müssen, 
wurde gestern abend nach Kräften nachzuholen versucht. Wann 
die letzten Festteilnehmer ihre Schritte heimwärts lenkten, dar⸗ 
über schweigt des Sängers Höflichkeit. 
Zur Teilnahme am 6. Sängerbundesfest der vereinigten 
Bäderliedertafein des Zwcigrerbandes Norden trafen Montag 
früh in Flensburg ca. 250 Bäcermeister aus Schles— 
wig⸗Holstein, Hamburg und Lübeck ein. Nach einem Früh— 
schoppen im Kolosseum fand mittags in der Neuen Harmonie 
die Hauptprobe statt. Um 4 Uhr begann im Kolosseum das 
große Konzert, auf dem die Bäderliedertafeln aus Flens— 
burg, Kiel, Neumunster, Altona, Wandsbek, Hamburg. Har—⸗ 
burg und Lübech sangen. 
0.- Verhaftet wurde auf dem Volksfestplatze ein Arbeiter 
aus Neuteich, der einem anderen Acbeiter ein Jackett, ein 
Paar langschäftige Stiefel und eine Hose gestohlen hat. 
cr0. Vom Leschenfund in der Trave. Von der Bekleidung, 
der vor einigen“ Tagen bri der Iscaelsdorfer Brücke geborgenen 
Leiche, wurde nur ein Hemd gefunden. Es sehlen folgende 
Gegenstände: 1 Winterpaletot mit Sammetkragen, 1 grauer 
Vackettanzug, 1 weißleinenes Hemd, 1 Hut, 1 rotbrauner Stock 
mit gebogener silberner Krücke und dem Monogramm „H. V.“ 
und dem Datum 8. 12. 1910, 1 goldene Schlipsnadel mit einer 
Perle, 1 Trauring, gez. „J. V.“. Es wird vermutet, daß 
diese Sachen icils gestohlen und teils von dem Verstorbenen 
irgendwo verkauft sind, wie z. B. der Winterpaletot, der 
Handstock und die Goldsachen. 
0.· Pflan endiebstahl. In der Nacht zum Sonntag, den 
16. Juli, ist aus dem Vorgarten eines Hauses am Moltkeplatze 
eine Hortenlia mit s5 bis 6 etwa faustaroken Blüten pon 
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Dienstag, den 18. Juli 191. 
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Moragen⸗Blatt Kr. 357. 
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Lilafarbe, abhandengekommen, und entweder gestohlen, 
»der von unfugtreibenden Personen verschleppt worden. Die 
Bflanze befand sich in einem grüngestrichenen Solzkübel mit 
wei eisernen Reifen und zwei eisernen Handgriffen. 
o.· Großzer Diebstahl. Aus dem Hintergarten eines in 
»er Kaiser-Wilhelmstraße belegenen Hauses wurden 
'olgende Gegenstände, die in einer Laube untergebracht waren, 
zestohlen, und zwar in der Nacht vom 14. bis 15. b. M.: 
Fahrrad, Marke „Dürkop“ mit schwarzem Gestell, ebensolchen 
Felgen, kleiner Uebersetzung und der voni Polizeiamt ge— 
ieferten Erkennungsnummer 3254, 4 Garten-Rohrsefsel mit 
lanuer Borde, zwei der Sessel sind mit Seitenlehnen versehen, 
Reisedecke, deren eine Seile schwarz gesärbt und die andere 
Zeite die Farbe eines Tigerselles hat, 2 Tischdecken, die eine 
Ddecke ist grau geblümt und mit Spitzen versehen, während 
zie zweite rot- und blaukariert ist, 1 Kissen, etwa 60 cm 
roß, von grüner Farbe mit Veischenmuster; das zweite Kissen 
sst etwa 1m lang und 40 em breit und rot- und blaugemustert, 
Klappstühle, sogenannte Faulenzer. Der Rahmen ist aus 
jelblackiertem Holz hergestellt. An den Rückenlehnen befanden 
ich graue Läufer mit roten Streifen. 
Ferienstraflkammer II. Sitzung vom 15. Juli. Wegen 
ines vollendeten und eines versuchtenschweren 
Ddiebstahls hat sich der Laufbursche Oito Bl., 16 Jahre alt, 
u verantworten. Nicht zum erstenmal befindet sich der An— 
eklagte vor Gericht. Am 15. September 1910 wurde der An— 
ekiagte von der Ferlenstrafkammer des hiesigen Landgerichts 
vegen Diebstahls und Urkundenfälichung in vier Fällen zu 
3 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen dieser Strafe ist 
him ein Strasaufschub mit Aussicht auf Begnadigung gewährt. 
der Angeklagte stand in der Zeit vom 19. bis 25. Sept. 
910 bei dem Schlachtermeister Almer als Laufbursche im 
dienst. Er wohnte bei seinen Eltern. Während dieser Dienst—⸗ 
eit hat er eines Tages im Laden des Atmer die verschlossene 
adenkasse gewaltsam geöffnet und aus derselben 4,0 M 
ich angeeignet. 3,10 Muvernaschte er, ,40 Meüfand Atmer 
ach Entdeckung des Diebstahls noch in seinem Besitz, nahm 
hm das Geld ab und entließ ihn aus seinem Tienst. Seit dem 
. Okt. 1910 hatte der Angeklagte bei dem Fischhändler Peter 
S-„chmitz eine Laufburschenstelle inne. Am 27. April 1910, 
nittags, befand sich der Angekiagte kurze Zeit allein im 
daden seines Dienstherru. Er versuchte, die auf dem Ladentisch 
ehende Geldkassette dadurch gewaltsam zu öffnen, daß er 
nit einem Schraubenzieher die Zunge des Schlosses der Kassette 
erunterdrückte. Es gesang ihm das nicht gleich, auch mußte 
r sein Vorhaben auf zeben, weil die Ehefrau Schmitz hinzu— 
am. Der Angeklagte ist vom Physikus auf seinen Geistes— 
ustand untersucht. Des Gutachten des Physikus geht dahin, 
daßß der Angeklagte geistig minderwertig ist, für seine Hand⸗ 
ungen aber verantwortlich gemacht werden könne. In straf⸗ 
nindernder Berüchsichtigung der geistigen Minderwertigkeit wird 
der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten ver— 
tbteilt. 
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anderen weit wichtigeren wrunden immer lauter bemerkbar macht, 
ist es gerade, die die Streikleitung am meisten befürchtet und 
der sie unter allen Umständen steuern möchte. Deshalb ent- 
behrt ein Gerücht, die Arbeiterführer gingen mit dem Plan um, 
alls sarugenblicklich noch in Beschäftigung befindlichen organi— 
sierten hiesigen Holzarbeiter aus den Betrieben herauszunehmen, 
nicht der Wahrscheinlichkeit. Den Holzgewerbetreibenden könnte 
diese Maßnahme nur recht sein. Sie werden sich ebenso wie 
mit den vielen andern verfehlten Maßnahmen der Streikleitung 
der Arbeiter abzufinden wissen. n ge e 
Schleswig⸗ Holstein. 4 
KRiel, 18. Jull. Selbstword eines Seeéoffiziers. 
Der seit 1904 dem aktiven Seeofsizierkorps angehörende Ober— 
eutnant z. S. Kurt v. Glasena pp hat sich an Bord des 
Linienschiffes „Lothringen“ aus unbekannten Gründen erschossen. 
Er stand längere Zeit bei der Unterseebootsflottille und war 
eitweilig Kommandant eines Unterseebootes. Vor kurzer Zeit 
chied er aus diesem Dienst aus, erhielt aber kein neues 
Konmando, sondern wurde der ersten Marineinspektion zu— 
geteillt 3 
Großherzogtümer Meclenburg. 
Gästrow, 17. Juli. Der Zusammenbruch des 
Ostseebades Brunshaupten vor dem Schwur⸗— 
gericht. Vor Eintritt in die Verhandlung am Sonnabend 
enfolgte eine ziemlich erregte Auseinandersetzung zwischen dem 
Vertreter der Anklage und der Verteidigung über die Tat— 
sache, daß der Erste Staatsanwalt den Rechtsanwalt Tr. 
zschimmer ohne Kenntnis der Verteidigung von neuem vorge— 
aden hat. Am Schluß dieser Erörterungen stellt Justizrat Dr. 
Wolf den Antrag, die Angeklagten Wilhelm und August Saß 
ius der Haft zu entlassen. Der Gcrichtshof setzt die Beschluß— 
assung über diesen Antrag vorläufig aus. Der Vorsitzende 
eilt dann dem Rechtsanwalt Dr. Zichimmer mit, daß am 
zchlusse der gestrigen Inaugenscheinnahme der bei den Ge— 
Indern Saß beschlagnahmten Gegenstände Justizrat Dr. Wolf 
nit Emphase behauptet habe, die Forderungen des Weinhänd⸗ 
ers Martens seien auf ihn, Zeugen, übergegangen und er hätte 
daraufhin den „armen“ Frauen das letzte, was sie besessen, 
abgenommen. Der Zeuge verwahrt sich mit aller Entschieden— 
heit gegen solche Behauptungen. Er habe nur dem Martens 
etaten, sich die vollstrekbaren Titel zu verschaffen, worauf er, 
zeuge, diese Titel dem Gerichtsvorlzieher zur Turchführung der 
zwangsvollstreckungen übergeben hätte. Was eigentlich gepfän— 
det sei, wisse er nicht. Justizrat Tr. Wolf gibt hierauf die 
xẽrklärung ab, daß er seine Behauptung zurücknehme. Er habe 
—ED0— 
inlassung, diesem zu mißtrauen. Im Verlaufe der Ver— 
iehmung des Rechtsanwalts Alm kam es zu einer dramatischen 
Zzene zwischen ihm und den Angeklagten. Der Zeuge hatte 
»ehauptet, daß die Verhandtungen über die Anstellung des Wil- 
helm Saß als Geschäftsführer erst nach der Unterzeichnung der 
volistreckbaren Urkunde am 25. Februar geführt worden seien. 
Wähtend dieser Bekundung ist Wilheim Saß wiederholt von seinem 
Sitz aufgesprungen. Als Rechtsanwalt Alm geendet hat, hält 
Saß ihm in höchster Erregung die Abschrift einer eidesstattlichen 
Versicherung entgegen, die Rechtsanwalt Alm in einer Zivil— 
klage des Leutnants v. Kehler gegen Wilhelm Saß vor dem 
Landgericht Rostock abgegeben hatte. Nach dieser eidesstatt⸗ 
ichen Versicherung mußten die betreffenden Verhandlungen aber 
chon am 24. Februar vor der Unterzeichnung der Urkunde statt⸗ 
jefunden haben. Die Erregung des Wilhelm Saß erstreckt sich 
ann auch auf seine Frau, die dem Zeugen zuruft: „Sie sind 
in .....! Sie haben unsere Existenz vernichtet! Sie haben 
Nes zerstört, was wir in zehn Jahren aufgebaut haben!“ Ihre 
Schwägerin sekundiert ihr mit den Worten: „Unsere Kinder 
ind blamiert!“ Bei diesen Ausrufen schlägt die Frau Wilhelm 
Saß mit der Faust derart auf die Anklagebank, da ein in 
hrer Nähe stehendes Tablett mit Wasserkanne und Gläsern ins 
Schwanken gerät und ein Glas klirrend zu Boden sällt. Die 
Frregung der Frau äußert sich dann noch in gellenden, krampf— 
utigen Schreien. DTas Publium, Geschworene, Richter, alles 
springt von den Sihen auf. Die weiblichen Zuhörer brechen 
in Tränen aus. Die Angehörigen, Verteidiger und Gerichts- 
diener bemühen sich, die Bedauernswerte zu beruhigen. Sie 
tößt aber alle von sich und läßt sich nur von ihrer Schwägerin 
etwos Wasser einflößen. Dabei faßt sie in dem Gefühl des 
krstichens fortwährend nach dem Salse. Während Gendarmerie 
ind Gerichtsdiener Saal und Tribünen räumen, wird die Frau 
zon ihrer Schwägerin, die ununterbrochen eine Droschle ver⸗ 
angt. hinausgeleitet. Am Ende beruhigt sich die Erregte 
vieder einigermaßen, zu welchem Zweck auch eine zweistün— 
dige Mittagspause angeordnet wird. — In der Nachmittags⸗ 
itzung erfolgte u. a. die Vernehmung des Leutnants a. D. 
Kehler. Nach seinen Angaben hat er vom Ingenieur Schwie— 
deps Hypotheken über 36000 Me(2s5 000 M Kurhaus und 
.1000 MuEuropäischer Hof) für 31000 Rä erworben. Die 
lebernahme der Hypotheken ist vor dem Beginn des für das 
Furhaus angesetzten Zwangsversteigerungstermins erfolgt. Zeuge 
rwarb das Kurhaus, nachdem ihm versichert worden war, 
»aß das Inventar bis auf die Ligentumsvorbehalte sich 
n freier Verfügung der Gebrüder Saß befinde. Irgendwelche 
zersprechungen vor der Unterzeichnung der vollstrecbbaren Ur—⸗ 
unde habe er nicht gemacht. Tagegen hätten die Brüder dem 
ßesellschaftsvertrage nicht zustimmen wollen und einen anderen 
uufgestellt, in dem die Schwiegermutter und der Schwager 
»es Wilhelm Saß als Kontrahenten figurierten. Der Ent— 
ourf dieses Vertrages wäre nicht mehr aufzufinden gewesen. 
das Silber sei von vornherein nicht im Kurhause vorhanden 
zewesen, schließlich hätte es sich herausgestellt, daß das Silber 
»er Schwiegermutter des Withelm Saß verpsändet war. Außer- 
»em habe August Saß ihm bei der Abreise mit dem Finger 
gjedroht und gesagt: „Dafür werden wir sorgen, daß Sie 
hr ganzes Vermögen verlieren.“ Die Frage des Juistizrates 
Dr. Wolf, ob er für die Uebernahme einer auf dem Euro— 
ischen Hof ruhenden Hypothek von 45 000 Mäeine Prorision 
»on 2000 Mevon den Gebrüdern Sak erhalten habe, verneint 
der Zeuge. 
»Rehna;- 18. Juli. Der Geflügelzuchtver« 
rin beschloß Sonntag, wegen der Maul- und Klauenseuch⸗ 
oon einer geplanten Ausstellung in diesem Jahre abzu 
sehen, In der Auagustversammlung soll ein Satz reinrassiges 
VFeflael auf Kosten der Verxeinskgsse verlost werden 
— — —— 
b. Stadthallentheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
nan uns: Nochdenr viele sorgsällige Proben statgefunden, 
zeht heul!e, Diensas, brstiaimt die Jelte sche Operete „Der 
Zborsteiger“ mit dem Gait, Herrn Frißz Redwitz, in der Titel— 
ariie, in Stene. Für Mistwoch ist cize Wiederhslung der 
roßen Doppelvorstelkung „Im wrißen Reßl“, „As ich wirder— 
am“ vorgesehen. Der Ansang ist aucznahmsweise 7454 Uhb. 
In Vorberei ung ist cite Lusts inln uheit des berannten Ber— 
iner Schriftstellers Richard Keßler, dessen.Mansöverregen“ 
dvor einigen Jahren hier cuch die Uraussührung erleble. In 
der Opereite wird „Don Cesar“ vorbereitet. 
Ein Sonder:ug nach Hamburg zu ermäßigten Fahrpreisen 
vird am Sonntag, dem 23. d. M. vorm. 8 Uhr 35 Min. 
don hier abgelassen werden. 
Lüuübecde⸗Travemünde-Wörnemünde. Auf die am Mitt— 
woch, 19. Juli, statfindende Fahrt Lübeck Travemünde-Warne— 
nünde mit dem Salondampfer „Primusa“ s'i an di ser Stelle 
nochmals hingewiesen. Die Abfahrt von Lübeck (Kaischuppen D, 
Bellevue) erfolgt um 8 Uhr morgens, von Travemünde (Kaiser—⸗ 
zrücke) um 955 Uhr morgens. 
b. Reschtsgus kunftssteile. Die Geschästsräume der Rechts— 
auskunftstelle sind während der Gerichtsferien — 16. Juli 
his 16. Sept. — nachmittags geschlossen. Sprechstunden finden 
in dieser Zeit nur vormittags von 11 Uhr statt. 
Hansestadte. 
Hamburg, 18. Juli. Der Kampf im Holzge— 
weürbe. Von unterrichteter Seite erhalten die Hamburger 
Zeitungen nachstehende Mitteilung: Die Arbeitgeber, mit denen 
der Folzarbeiterverband Einzelverträge abschließt, müssen, wie 
uns von verschiedenen Seiten glaubwürdig mitgeteilt wird, für 
eden angestellten Arbeiter 5 Mean die Streikkasse abführen. 
Damit ist die entwürdigende Knochtung der abtrünnigen Tischler- 
neister, für die als Milderungsgrund nur eine gewisse durch 
virtschaftliche Verhältnisse geschaffene Zwangslage gelten kann, 
aicht zu Ende. Sie müssen sich ihren eigenen Arbeitern gegenüber 
yerpflichten, aus dem Arbeitgeber⸗Schutzyerband der Holzindu—- 
tnrie, der natürlich dem Holzarbeiterverband ein Dorn im Auge 
st, auszutreten. Dann erhalten sie aber nicht etwa so viele Ar—⸗ 
zeitet, wie sie irgend fordern und die zur Fertigstellung ihrer 
Arbeiten nötig sind. Die Zuteisung und die Zahl der Arbeiter, 
die anfangen dürfen, regelt willkürlich der Holzarbeiterverband. 
Wenn man sich die Sache bei Licht besieht, ist diesen Arbeitgebern 
als einziges Recht die Erlaubnis geblieben, die Löhne zu zahlen, 
die die Arbeiter fordern. Bei Alkordarbeiten wird eine wöchent- 
iche Abschlagszahlung von 45 Mugceirordert und auch tatsächlich 
hezahlt. Was das bedeutet, weiß jeder Fachmann. Es ist er⸗ 
ärlich, daß die Streikleitung die verzweifeltsten Schritte ins 
Auge faßt, um aus der selbstgeschaffenen Zwangslage heraus— 
zukommen. Vor allem wird es ihr unbequem, daß sich ein, wenn 
auch verschwindend kleiner Teil ihrer Mitglieder wieder in loh⸗ 
nender Arbeit befindet. Die Unzufriedenheit der Masse der 
Streilenden, die nun bereits seit 17 Wochen brotlos ist und 
jetzt zusehen muß, wie die wieder beschäftigten Kollegen wöchent⸗ 
lich den dreifachen Lohn der Streikunterstuutzung einstreichen, muh 
dadurch ins Maßlose gesteigert werden.“ Und diese stets wach 
lende Unzufriedenheit der Streitenden. die sick guch gus vpieler
	        
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