Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

J. W 
— 3 — — „—B8 *1* —— 
Ausgabe A. Donnerstag, den 15. Juli 191. Abend⸗Blatt Ur. 349. 
2 ¶ 
Aus den Nachbargebieten. 
Hansestãdte. 
Hamburs, 13. Juli. Ein geheimnisvoller 
Roman wird in einem an die hiesige Polizeibehörde ge⸗ 
langten Brief eines Polen mitgeteilt, der seinem gequälten 
Valerherzen in folgendem klassischen Schreiben Luft gemacht 
hat: „Nix Deitsch! Glosmocher Georg X. Pittet die lebliche 
Polizei Pitte um Penoch richtigung iber meine tochter marie X. 
unt sie sofort fest zunem siist mit eine leichte medl aus— 
derisen. Pitte um kie nachricht atrese Glosmocher G. X. 
Glosfabrig Weraes Westerwelt.“ 
Bremnen, 13. Juli. Die Bürgerschaft hat Mittwoch 
die Einführung von Wassermessern und die Errichtung eines 
Volksschullehrerinnenseminars beschlossen, und zwar soll der 
Besuch dieses Seminars — entgegen dem Antrage der Deputa⸗ 
tion — unentgeltlich sein. 
Cuxhaven, 13. Juli. In geheimnisvoller 
Weise verschwunden ist seit vergangenen Sonnabend 
der Heizer Bastian vom Lotsenversetzdampfer „Kapitän 
Karpfanger“. Der Mann war seit einiger Zeit krank. Am 
ESonnabend ging er, wie seine Wirtin bekundet hat, aus seiner 
Wohnung fort, angeblich, um nach Duhnen zu wandern. Am 
Abend desselben Tages will jemand zwischen 5 und 6 Uhr; B. 
noch beim Promenadenkonzert gesehen haben. Seitdem aber 
fehlt jede Nachricht von Bastian, und man muß wohl an— 
nehmen daß dem Vermißten ein Unglüd zugestoßen ist 
Lauenburg. 
S Ratzeburg, 13. Juli. Auf dem Sommer—⸗ 
markt waren Mittwoch nur wenig Buden vorhanden, von 
denen vielleicht noch die Kuchenzelte auf ihre Kosten ge— 
kommen sind. Leute aus den Dörfern waren wegen des 
ausgefallenen Viehmarktes fast gar nicht erschienen. Auch 
die immer noch zunehmende unerträgliche Hitze hat wohl 
manchen zurückgehalten. — Die Roggenernte hat in 
hiesiger Gegend begonnen. Der Ertrag ist wohl kaum 
mittelmäßig. Das Sommerkorn, nur sehr niedrig im Stroh, 
wird notreif, ebenso sieht es mit den Kartoffeln aus. In 
den Gärten ist alles verbrannt, so daß frisches Gemüse fast 
gar nicht zu haben ist, und die Obstbäume werfen die un—⸗ 
reifen Früchte ab, weil Nahrung fehlt. — Die Maul— 
und Klauenseuche greift jetzt auch in den mecklenburgi— 
schen Ortschaften immer mehr um sich. Da das Vieh der 
Weidesperre unterliegt, leidet es die größte Not. Die Land⸗ 
leute sind schon gezwungen, das für den Winter bestimmte 
Futter auf die Weide zu bringen und schon jetzt dem 
Vieh zu geben. So sieht der Landmann, wenn nicht bald 
Regen kommt, nicht gerade hoffnungsvoll in die Zukunft. 
Die Beerenernte hat begonnen. Himbeeren und Bickbeeren 
sind in den schattigen Wäldern reichlich gewachsen, so daß 
die Sammler gute Verdienste erzielen. 
Großherzogtümer Meckenburg. 
Rostock, 12. Juli. Zur Wahl eines besoldeten 
nichtrechtsgelehrten Ratsherrn, die am 20. Juli 
erfolgen soll, hat der Rat der Bürgervertretung präsentiert: 
Reg.Baumeister Fritz Beyer⸗Schneidemühl, Stadtingeneur Julius 
Bühring-Rostock und Handelskammer-Assistent Dr Walter Schmitz⸗ 
Teüsseldorf. Die Bürgervertretung hat beschlossen, durch ihren 
Vorsitzenden die drei Bewerber schriftlich ersuchen zu lassen, 
sich ehrenwortlich zu verpflichten, daß sie nach Ablauf von 
gehn Jahren ihr Amt freiwillig niederlegen wollen. Ferner 
beschloß die Bürgervertretung, dem Rate mitzuteilen, daß sie 
nmach Lage der ganzen Sache am 20. Juli die Wahl nicht 
vornehmen könne und um Vorlage der Akten ersuche, die wegen 
Erhöhung der Ratsherrngehälter erwachsen seien. 
Güstrow, 13. Juli. Der Zusammenbruch des 
Ostseebades Brunshaupten. Ein Seitenstück zu dem 
Zusammenbruch des Ostseebades Heiligendamm bidldete seinerzeit 
Der Bankrott des Ostseebades Brunshaupten, der jetzt der ge— 
richtlichen Aburteilung vor dem hiesigen Schwurgericht unter⸗ 
liegt. Die Affäre von Brunshaupten hat sowohl in Mecklen— 
burg als auch in Berlin großes Aufsehen erregt, da Berlin 
allijährlich einen großen Teil seiner Ferienreisenden nach Bruns⸗ 
haupten entsendet. Auf der Anklagebank sitzen: 1. der 41 
Jahre alte Hotelbesitzer August Saß, 2. dessen 38 Jahre alter 
Bruder, der Hotelbesitzer und Bauunternehmer Wilhelm Saß, 
3. die 28 Jahre alte Frau des August Saß. Marie Sahß, 4. die 
24 Jahre alte Frau des Wilhelm Saß, Emma, 5. der 40 Jahre 
alte Kaufmann Heinrich Rönnfeldt zu Brunshaupten und 6. der 
Saüsdienet Friedrich Glöde zu Arendsee. Als Verteidiger fun— 
gieren die Rechtsanwälte Justizrat Dr. Wolf-⸗Berlin, Dr. Pfef⸗ 
fermann⸗Berlin, Knaach Korff und Gauch-Rostod. Die Zahl 
der geladenen Zeugen bheläuft sich auf 73 Die Vorgeschichte dee 
JF 
Bücherbesprechungen. 
—Krautund Lot. Ein Buch für Jäger und Heger. 
Von Hermann Löns. Hannover, Adolf Sponholtz, G. m. b. H. 
Geb. 4,20 M. 
In dreißig Plaudereien läßt der Verfasser den Jäger zwei 
wolle Jagdiahre durchleben. Er ⸗eigt ihm alles, nicht trocken 
—RO fröhlich. Er spricht ernst 
Aund eindringlich über das Schießertum, die gewaltsame Raub⸗ 
deugausrottung, und macht sich lustig über Jagdfatzkentum 
und Geweihhunger. Das Buch wird auch von Nichtjãgern 
und Frauen mit Vergnügen gelesen werden und ist solid aus- 
gestattet. 
Aviatik. Ein Beitrag zur ttwichelungsgeschichte der 
Flugmaschine. Von Erich Kampe. Leipzig, G. Hadeler. Brosch. 
1,25 M. 
Im Vordergrund des Interesses steht heute die Abiatik. 
Aber von den Tausenden, welche von den kühnen Fahrten 
Dder Flugmaschinen, dieser modernen Zauberrosse, lasen, haben 
mur wenige genaue Kenntnis von ihrer Beschaffenheit. Kampe 
gaibt in seiner Broschure ohne überflüssiges Beiwerk allgemein 
werständliche Erläuterungen zur Entwicelung des Flugmaschinen- 
problems. Die Schrift umfaßt von den ersten Versuchen 
des verdienten Deutschen Otto Lilienthal bis zu den Wright⸗ 
Maschinen und Bloriot Eindedern den ganzen Werdegana der 
Prozesses ist folgende: Im Winter des Jahres 1906 haben 
die Gebrüder Saß das Kurhaus in Brunshaupten gekauft. Der 
Bauplatz kostete 31000 M. Die Baugelder gaben die Meclen⸗ 
urgische Sparbank in Schwerin und verschiedene Privatpersonen. 
Die Gesamtbelastung des Grundstilcks betrug im Jahre 1910 
56 000 M. Die Baukosten beliefen sich auf üUber 480 000 M. 
Zunächst bestand zwischen den beiden Brüdern eine offene Han⸗ 
delsgesellschaft, die aber im Sommer 1909 aufgehoben wurde, 
borauf August Saß als alleiniger Inhaber einge— 
tragen wurde. Im Jahre 1007/08 ließen die beiden Brüder 
n Rostock das Hotel „Europäischer Hof“ bauen. Als dieses 
⸗eröffnet wurde, ruhten auf ihm bereits 400 000 M Hypotheken⸗ 
ind Grundschulden, die sich später auf 575 000 Meerhöhten. 
Die Gesamtschuldenlast, die auf dem Kurhause in Bruns⸗ 
haupten und dem Hotel in Rostod ruhte, belief sich schließlich 
luf annähernd eine Million Mark. Im Sommer 1909 
am es zu einem völligen Zusammenbruch der Brüder Saß. 
Im Oktober jenes Jahres leisteten sie nach vorausgegangener 
Zerhaftung den Offenbarungseid, nachdem sie noch im August 
Akkordversuche unternommen hatten, die aber wegen Mangel an 
Mitteln ergebnislos blieben. Die eingeleiteten Konkursver⸗ 
ahren mußten wieder eingestellt werden. Im Frühjahr 1910 
erfolgten die Versteigerungen des Kurhauses in Brunshaupten, 
des Hotels „Europäischer Hof“ in Rostock und einer Villa,, Tip⸗ 
Top“ in Brunshaupten, die eine besondere Rolle in diesem 
Frozesse spielt. Bei diesen Zwangsversteigerungen sind er— 
»ebliche Geldwerte verloren gegangen. Schließlich wurden die 
Ingeklagten verhaftet. — Die Ursache des Zusammen-— 
rüuches erbliden die Brüder zum Teil in dem Fallissement 
»er Firma Neumann K Co.Hamburg und zum Teil in dem 
Vorgehen des Rechtsanwalts Dr. Zschimmer gegen sie. Da— 
urch, daß Neumann C Co. in Konkurs gerieten und die aus— 
estellten Wechsel für das gelieferte Mobiliar nicht eingelöst 
berden konnten, sollen auch die übrigen Gläubiger, die sonst 
icherlich gewartet hätten, auf Zahlung gedrängt haben. Rechts⸗ 
mwalt Dr. Zschimmer hat nach den Angaben der Brüder eine 
wnuf dem „Europäischen Hof“ ruhende Hypothek des Rentiers 
Zarnekom in Höhe von 200 000 Mefür 180 050 Mugekauft. 
dachdem Dr. Zschimmer dann einen soldventen Käufer zur Ueber— 
ahme des Hotels gefunden habe, soll er die übrigen Hypo— 
heken gekündigt haben. Die Angeklagten stellen die Be— 
sauptung auf, daß Dr. Zschimmer das Hotel in die Zwangs⸗ 
zersteigerung hineingetrieben habe. Im weiteren Verlaufe 
amen sedann eine große Reihe von Verträgen aller Art zur 
Beriesung, welche die Angekllagten teils unter sich, teils mit 
ritten Personen geschlossen haben, sowie die etwas sonderbar 
inmutenden verschiedenen Transporte von meir oder weniger 
zroßen Mengen Hotel-Inventatrs aus dem Kurhause Bruns— 
zjaupten. — In der Beweisaufnahme erklärte u, a. 
Nechtsanwalt Dr. Schütz-Rostock, Verwalter des Konkurses über 
»as Vermögen des Wilhelm Saß, daß insgesamt 586 782 M 
ingemeldet waren. Unter diesen befand sich aber eine große 
zahl Ausfallforderungen, so daß in Wirklichleit nur 100 000 M 
n Betracht kommen. Der Konkurs mußte aber wegen Mangels 
in Masse eingestellt werden. Bei den Verhandlungen mit den 
ßrüdern hat Dr. Schütz die Ueberzeugung gewonnen, daß sie 
»emüht gewesen sind, das Unternehmen „Europäischer Hof“ auf⸗ 
echt zu halten und ihre Gläubiger nicht zu benochteiligen. 
rägliche Alimente hat Wilhelm Saß weder für sich noch für 
eine Familie begehrt. — Rechtsanwalt Dr. Tobias-Rostock 
zestätigt, daß er ein Akkord-Zirkular an die Gläubiger des 
Wilhelm Saß gesandt hat. Seine persönliche Ansicht ist ge— 
vesen, daß für die persönlichen Gläubiger des Saß nichts 
brig bleiben würde, wenn die Aklordversuche erfolglos blieben. 
kine Reihe größerer Firmen mit sehr erheblichen Beträgen hat 
hre Zustimmung zu dem Akkorde erllärt. Er scheiterte daran, 
daß der Konkurs über das Vermögen des Wilhelm Saß er—⸗ 
ffnet wurde. Zeuge sagt weiter aus, er habe den Eindruck 
sehabt. daß Rechtsanwalt Dr. Zschimmer das Zustandekommen 
»es Akkordes verhindere. Auf Grund eines Vertrages zwischen 
Wilhelm Saß und Lange stand diesem das Eigentumsrecht an 
dem Inventar des Kurhauses in Brunshaupten zu. Diesem Ver— 
rage entsprechend erwirkte Zeuge bei der Zwangsversteigerung 
des KHurhauses die Freigabe des Inventars. 
Neustadt, 12. Juli. Ein größerer Wald- und 
hbeidebrand ist Sonntag nachmittag auf der Blievenstorfer 
Feldmark entstanden. Abgebrannt sind etwa 800 Quadratruten 
deide und fast ebensoviel 20jährige Tannen. Durch Vorziehen 
eines Grabens gelang es dem Feuer, das schon etwa 200 m an 
die Großherzogliche Forst heran war, Einhalt zu tun. 
»Rehna, 13. Juli. Beim Baden ertrunken 
— gor einigen Tagen im Wendelstorfer See der Zimmerlehrling 
Jo 
Fliegekunst. Er schildert die deutschen Flugversuche eines Grade, 
Euler iuswp. und legt die Prinzipien des Menschenfluges und 
die Konstruktionseinzelheiten kiar und leichtfaßlich dar, durch 
Illustrationen wirksam unterstützt. „Aviatik“ ist ein bequemes 
Handbuch für jeden, der sich über die neue Kunst orientieren 
will. 
Die Wirkung des Seeklimas und seiner Kur—⸗ 
nittel auf Gesunde und Kranke, mit besonderer 
Berũcssichtigung der Nordsee nebst Anweisung für kalte und 
varme Seebäder, sowie Luftbäder von Dr. M. Bochorn, 
Badearzt in Langeoog. 80 Pfa. Oldenburg i. Gr., Gerhard 
Stalling. 
Eine Broschüre, die die neuesten Forschungen Uber das See⸗ 
klima berüchsichtigt und Ratschläge gibt zur richtigen Anwen⸗ 
dung der im Seeklima möglichen Heilfaktoren. Es ist die 
Rede von Klima und Klimawirkung in den vier Jahres⸗ 
eiten, Reise, Wohnung, Verpflegung. Luftbad, kalte und 
warme Seebäder, gegen Blutarmut, Erkrankungen ver oberen 
duftwege, Bronchialkatarrh, Asthma, Herz⸗ und Gefähkrank⸗ 
heiten, Lungenspitzenkatarrh, Skrofulose. a 
Annalen des Deutschen Reiches für Gefeßgebung, 
Verwaltung und Volkswirtschaft. Serausgegeben von Dr. R. 
Ehebera und Dr. A. Dyroff. Nr. 6. Berlin. J 
Schweißz er. 
Fritz⸗Reuter⸗Denkmal in Stavenhagen. 
Auf dem Marktplatz von Stavenhagen ist am Mittwoch, 
wie schon kurz telegraphisch gemeldet, ein Denkmal Fritz Reuters 
enthul.t worden. Stavenhagen, die Geburtsstadt Reuters, hat 
aus diesem Anlaß aufs prächtigste Festschmuch angelegt. 
Eingeleitet wurde die Enthülllungsfeler durch einen am 
Dienstag abend abgehaltenen aullgemeinen Festkom- 
mers, an dem bereits Tausende von Verehrern Fritz Reuters 
leilnehmen. Bürgermeister Dr. Wunder lich⸗Stavenhagen er⸗ 
ffnete den Kommers mit einer Begrübung der Festteilnehmer und 
einem Hoch auf den Kaiser und die medlenburgischen Landes⸗ 
fürsien. Dann hielt Professor Dr. Golther-Rostod eine Rede. 
in der er auf die Liebe und Verehrung hinwies, welche die 
dandesuniversität Rostod ihrem ehem. Ehrendoktor Fritz Reuter 
entgegenbringe, die dadurch zum Ausdrudk gelange, daß die 
Universität ihren Rektor und Vertreter der Germanistik zu der 
Feier entsandt sowie den Wunsch habe nach Gründung eines 
dehrstuhles für niederdeutsche Sprachforschung, Literatur, Volks- 
unde ⁊tc., gewissermaßen um eine Fritz-Reuter⸗Professur, um 
in plattdeutsches Dichterarchiv usp. Diesen Wunsch hat auch 
ie an dem Feste so zahlreich vertreteee Studenten- 
schaft, die von den verschiedensten Universitäten herbei— 
neeilt ist. Mit dem Wunsche, daß die Begeisterung des Festes 
nit dazu beitragen werde, daß das Verständnis und die Bewun— 
derung sich auswachsen möge zu nachhaltigen wissenschaftlichen 
aiederdeutschen Forschungen an der Rostocker Landesuniversität, 
chloß Redner. — Ein Vertreter der Burschenschafter in Jena 
eierle Reuter als Burschenschafter. ars wahren und freien Pa⸗ 
rioten. Er schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland, 
die Festversammlung stimmte freudig ein und sang stehend das 
Deutschland, Deutschland über alles“. K. Seemann, Vor⸗ 
itzender des Allgemeinen plattdeutschen Verbandes, feierte den 
dlen Menschen Reuter, der alle Menschen glücklich wissen, alle 
Nüdlich machen wollte. Sein Charakter kam in der Sprache 
ur schönsten Offenbarung. Die plattdeutsche Sprache möge 
vachsen und blühen. (Großer Beifail.) Auch Burmeister⸗ 
kostoch (Plattdeutscher Landesverband Mecklenburg und Lübech 
owie Fr. Wischer-Kiel (Vors. des plattdeutschen Landesver⸗ 
zandes von Schleswig-Holstein)-feierten unter fröhrichster und 
zegeisterter Zustimmung plattdeutsches Wesen, plattdeutsche 
Sprache und plattdeutsche Einmütigkeit in ihren Toasten. Als 
Abgesandter des niederländischen Reuter⸗Komitees zu Antwerpen 
eierte Wilte den Dichter Fritz Reuter. Den Beschluß des 
Kommerses bildete ein gemeinsamer Marsch der Kommersteil⸗ 
ehmer unter Vorantritt der Musik nach dem Marktplatz, wo 
»or dem Denkmal Reuters von dem Eymnasialdirektor Dr. 
Wint nochmals Reuter gefeiert wurde und die Gastüchkeit der 
Stadt Stavenhagen hervorgehoben wurde. 
Der Festtag selbst wurde durch ein großes Wecen 
und ein Frühkonzert eingeleitet. Dann schmückte man 
die Gräber der Eltern und Freunde Fritz 
Reuters. Mit Sccherheit sind folgende Grabstätten, nachçe⸗ 
diesen: Reuters Eltern und Schwester, Landrei'er Feitz Sahl⸗ 
nann, Amtshauptmann Weber, Apotheker Grischow, Pastor 
keuter⸗Jabel, Färber Ladendorf (‚Meinswegen“), Schuster 
Banck. Musikdirektor Berger, Dr. Li bmann. Moh s. — Von 
Ov. Uhr an erfolgte die Besichtigung der städt. sthen Sehens— 
vurdigkeiten: Das Rathaus, das Schloß, aut dem die Fran— 
osentid spielt, die Apotheke (Grischow und Hersch, eine zweite 
Wohnung Herses, Bäcker Witts Haus, de „Rekterschaul“, die 
Alte Poste (Postmeister Toll), das Haus Dr. Liebmanns 
ind des „lütt Alzesser“, Moses Haus, die Reutersche Braue?ei 
nit der Krappmühle auf dem Hofe, die Reutereiche, die 
Fritz Reuter zum Andenken an seine Eltern gepflanzt hat usw. 
kurz vor 11 Uhr mittags traf das Großherzogspaar, im 
Sonderzuge von Heiligendamm kommend, auf dem Bahnhofe 
zu Stavenhagen ein. Mit dem Großherzogspaare traten ein 
ʒerzogregent Johann Albrecht nebst hoher Gemahlin und 
Brinz Heinrich der Niederlande. Die Fahrt ging durch die 
eichgeschmückten Straßen nach dem Marktplatze. Auf dem 
Wege dorthin wurden dem Großherzogspaar und den anderen 
Fürstlichkeiten von dem Publikum begeisterte Kundcebuncen 
dargebracht. F 
Die Fest- und Gedenkrede bei der Enthüllung des 
Denkmals hielt Chefredakteur P. Warncke. Mit hinreißender 
Begeisterung schilderte er Fritz Reuters Leben und seine große 
Bedeutung und hohen Verdienste um die plattdeutsche Sprache 
und die mecklenburgische Volksart. — An die Enthüllungs— 
feier schloß sich ein Frühstück, an welchem auch die Fürjtlich— 
keiten teilnahmen. 
Dann folgte der große Festzug, in welchem Szenen 
aus Reuters Werken zur Darstellung gelangten und ein 
Festmahl beschloß die Feier 
— — 
Aus dem Inhalt: Die steuerliche Belastung im deutschen Volke 
don Prof. Wittschewsky. Verwaltungsreform und Etatsreform 
odon Arth. Dix. Juristische Personen. insbesondere der Staat als 
uristische Person von Dr. A. Grosch. 
Geographische Zeitschrift. Von Dr. Alfr. Hettner⸗ 
6. Heft. Leipzig, B. G. Teubner. 
Aus dem Inhalt: Der Pfälzerwald von Dr. Dom. SKHäberle, 
Die Fortschritte in der Erforschung der freien Atmosphäre 
während des letzten Dezenniums von Dr. A. Peppler. 
März. München, Albert Langen. Heft 28. 
Aus dem Inhalt: Zum zehnten Todestage des Fürsten 
Fhlodwig Hohenlohe von Prof. Otto Harnad. Helden der 
Feder von Dr. K. Nötzel. Vom Tode (Schluß) von Mauric« 
Maeterlind. 
Der Staatsbürger. Herausgegeben von Dr. Hanns 
dorn. Leipzig, Fr. Wilh. Grunow. Nr. 12. 
Aus dem Inhalt: Die Bevölkerungstheorie von Robert Mal« 
thus von Prof. O. Syane. Vom Wesen des Staates von 
jriedrich Engels. Zwed und Grund des Staates von Ferdt 
dassalle. — 
pe de deutsche Frau. Leipzig, Velhagen & Klasing⸗ 
t. 26. 
Aus dem Inhalt: Die hyaienische Bedeutung der frischen 
Vemusearten. Die Frau als Waisenrat von Dr. Reining 
Sschattensetten der Gefluügelzucht.
	        
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