Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

V Etckannie Leicht. Die am Freitag bei der Israelsdorfer 
Anlegebrücke aus der Trave gezogene Leiche ist als diejenige 
des in der Feldstraße hierfselbst wohnhaft gewesenen Malers 
V. erkannt worden. Es liegt ohne Frage Selbstmord vor, 
aus welchem Grunde, ist unbekannt. Fest steht, daß V. in— 
folge längerer Arbeitslosigkeit in bedrängte Vermögensver⸗ 
hältnisse geraten war. 
o Diebstahl. Am 8. d. M. gegen 614 Uhr abends ist 
im hiesigen Postgebäude eine lilafarbige viereckige flache 
Handtasche. ohne Bügel, mit folgendem Inhalt gestohlen wor⸗ 
den: 1 Visitenkartentäschchen aus Leder, 1 gesticttes Battist⸗ 
taschentuch gez. W., 1 kleine Tafel mit dem Namen „S. Will⸗ 
born“ und 1 kleiner Taschenspiegel. 
Sansestãd te. J 
Bremen, 10. Juli. Die Maul- und Klauen⸗ 
seuche herrscht in unverminderter Stärke seit etwa MN Jahr 
in der engeren und weiteren Umgegend Bremens, und es ist 
noch nicht abzusehen, wann die Seuche allgemein erlsschen 
wird, die so manchen großen und kleinen Landwirt schwer 
schädigt. Mancher Landbewohner wird sich noch erinnern, 
daß vor einigen Jahrzehnten die Seuche mit noch größerer 
Heftigkeit auftrat als heute. Manche wollen die lange 
Zauer der jetzigen Epidemie dadurch zu erklären suchen, dab 
die jetzige Rasse intensiver auf Milch gezüchtet und weniger 
robust ist als die damalige. 
Schles wig⸗H olste in. 
Neumünster, 10. Juli. Vergebliche Flucht. Von 
auswärts tuaf ein Transporteur in Zioil mit einem Straf— 
gefangenen auf dem hies. Personenbahnhof ein. Der Gefan⸗ 
gene ergriff auf dem dritten Bahnsteig die Flucht und sprang 
über die Einfriedigung der Gärten der Friedrichstraße, um dann 
in wildem Lauf das Weite zu suchen. Die Verfolgung wurde 
sofort alufgenommen, und es gelang, den Ausreißer zu fassen. 
Flensburg, 10. Juli. Ein Heimatloser stand in 
der Person des Arbeiters Mads Egholm aus Bröns wegen un⸗ 
erlaubter Rückkehr nach erfolgter Ausweisung vor der Straf—⸗ 
kammer. Das Schöffengericht in Toftlund hatte ihn zu einem 
Tage Gefängnis verurteilt. Die Berufungskammer bestätigte 
dieses Urteil und führte hierzu aus: Es sei festgestelit, daß 
der im Jahre 1882 von einer Dänin in Preußen unehelich ge— 
borene Angeklagte weder Däne noch Preuße sei, sondern ein 
Staatsloser. Nach der Praxis der Rechtsprechung sei Egholm 
aber Ausländer und als solcher konnte er ausgewiesen werden. 
Er habe der Ausweisung auch Folge gegeben, sei aber frei⸗ 
willig zurücgekehrt, nicht etwa aus Zwang, getrieben durch die 
Txekutivgewalt. Das Urteil sei somit zu beflätigen. 
Glücstadt, J0. Juli. Leichenfund. Auf der Unter— 
elbe wurde die Leiche eines anscheinend dem Seemannsstande 
angehörenden Mannes geborgen. Das Gesicht des Aufgefun⸗ 
denen war bis zur Unkenntlichkeit entstellt. In den Taschen 
'and man außer einem roten Taschentuch mit weiner Kante, 
zezeichnet E. F., eine Fahrkarte von der Bremerhavener 
Straßenbahn vor 
— — — — — 
Nationale Segelwettfahrt 
auf der Pötenitzer Wiek bei Trabemünde. 
VTravemunde, 9. Juli. 
Die heute vom Lübecker Segelverein Lubeca und 
dem Rostocker Jacht⸗Klub veranstaltete nationale Segel⸗ 
regatta nahm bei prächtigem Wetter und einer schönen Brise 
aus Notden einen sportlich hochinteressanten Verlauf, obgleich 
yon den 18 gemeldeten Jachten die 10⸗m⸗Boote ‚Frika“ und 
„Pesa“, sowie von den alten Renniachten „Gunhild“ nicht 
am Start erschienen, die beiden ersleren, weil sie von der 
Wettfahrt Warnemünde-Kopenhagen noch nicht zurückgekehrt 
sind. Die Regattabahn bestand aus einer einige Seemeilen 
langen geraden Strecke und einem Dreiedskurs, welch letzteren 
die Jachten zweimal, die Jollen einmal zu umsegeln hatten, 
wobei die Boote die Gerade zunächst am Winde, dann auf 
der Rückfahrt vorm Winde, die erste Dreiecksseite vorm Winde, 
die zweite zu kreuzen und die dritte wieder am Winde zu 
iegeln hatten. 
Der Start bot eine Reihe einen jeden Segler herzlich 
erfreuender, ja spannender Momente. Gleich der erste Start 
war ungemein fesselnd. Die drei Konkurrenten der 8⸗m⸗Klasse 
»Lotti“, „Flirt DI“ und „August e“ lagen sämtlich we— 
nige Sekunden vor dem Schuß in den denkbar günstigsten Po—⸗ 
sitionen vor der Linie, so daß man wirklich gespannt war, 
welches Boot seine Chance am besten ausnutzen werde. 
„Auguste“ kam nun leider einige Sekunden zu früh mit dem 
Bug über die Linie, muhte infolgedessen halsen und kam 
dadurch völlig ins Hintertreffen, obwohl man auf den anderen 
beiden Jachten den auf dem allerdings fast * Seemeile in 
Lee liegenden Startdampfer abgefeuerten Schuß überhörte und 
hierdurch einige Sekunden verlor. „Flirt III“, für die die 
heutige Brise wie geschaffen war, gelang es, die mit etwas 
gerefftem Großsegel fahrende „Lotti“ abzudecken und gleich 
hinter der Startlinie um einige Schiffslängen zu überholen. 
Mit scharf angefierten Schoten auf Steuerbord liegend, zogen 
die drei Jachten, in beträchtlichen Abständen hintereinander 
liegend, von dannen. Der zweite Start galt den 7⸗ und 
b⸗m⸗Jachten, von denen fünf Boote sich um die Preise be— 
warben. Mit „Windspiel XV an der Spitze, Haralb IVy“ 
und „Schelm“, Bord an Bord enn Schiffslänge dahinter lie— 
gend, gefolgt von „Rübezahl“ und „Primula“, ging die 
kleine Flottille auf die Reise, auf der , Primula balt flott 
aufkam. Beim dritten Schuß starteten die beiden nationalen 
alten Rennjachten der V. Klasse „Hilde“ (8 Segellängen) und 
„Helga III (7 Segellängen), sowie die beiden Sonderklassen⸗ 
boote „Margarethe““ und „Wolkuse“. „Hilde“ kam, vortreff⸗ 
lich gesteuert, als erste auf die Bahn, ihr folgten in Lee, 
fast Bord an Bord liegend, „Margarethe“ und „Wolkuse“, 
dahinter „Helga III“. „Margarethe“ stand die Brise offen⸗ 
ichtlich ganz vorzüglich, so daß hie bald den drei Booten 
»orbeilief. Der vierte und letzte Start endlich galt den 
iationalen Jollen „Tita“, „Seerose II und „Sussi“. Erstere, 
zesteuert vom Vorsitzenden des Lübecker Dacht⸗Clubs, Herrn 
Konsul Piehl, wurde in geradezu brillanter Form über die 
Linie gebracht und segelte ihren heiden Konkurrentinnen, von 
denen übrigens , Sufsi⸗ recht mäßig abkam, in so schneller 
Fahrt davon, daß letztere schon von diesein Auß nhiee 
als geschlagen gelten konnten. 
Der Verlauf der Wettfahrt auf dem doppelten Dreiedslurs 
im einzelnen zu verfolgen und zu schildern, würde wohl zu 
weit führen, zumal manche Wiederholungen unvermeidlich sein 
würden. Es seien darum nu die wesentlichsten und inter— 
essantesten Momente herausgegriffen. „Flirt III“ behielt nicht 
mn wäbrend der ganzen Fahrt die Führung der gesamten 
Flokte, sondern vergrößerte auch ständig ihren Vorsprung vor 
hren beiden Konkurrenten, die ihr namentlich im Kreuzen 
richt ebenbürtig waren. „Auguste“ vermochte zwar durch ge— 
chickte Rundung der Wendemarken und wohlberechnete Schläge 
iuf den Kreuzfahrten einen Zuten Teil der am Start ver⸗ 
drenen Zeit wieder einzubringen und „Lotti“ ein gutes Stück 
borbei zu kommen, aber für die Erreichung des ersten Platzes 
hatte sie dennoch keine Aussichten. Die acht Jachten der 
übrigen Klassen wechselten namentlich auf den Kreuzfahrten recht 
zäufig ihre Plätze, kamen aber zum Schluß in stark gedrängter 
Folge und prächtiger Fahrt, mit dem Ballonsegel vorm Winde, 
um Ziel; „Primula“ war inzuischen ausgeschieden, da sie 
ine Wendemarke berührt hatte. Der Eigner behauptete das 
gleiche Vergehen gegen das Reglement auch von seinem Kon— 
urrent en Rübezahl“ und legte gegen diesen Protest ein, der 
aber später von den Schiedsrichtern wegen ungenügenden Be⸗ 
veises als unbegründet abgewiesen wurde. In der Klasse V 
»er nationalen alten Rennjachten mußte „Hilde“, obgleich sie 
3 Min. 5 Sek. vor „Helga III“ das Ziel passierte, dennoch 
setzterer den Preis überlassen, weil sie 4 Min. 82 Sek. an ihren 
um eine alte Segellänge kleineren Konkurrenten zu vergüten 
hatte. In der Sonderklasse hatte die „Wolkuse“ des Lübecker 
Hacht-Clubs bis wenige hundert Meter vorm Ziel die Führung 
zu behaupten gewußt, wurde dann aber doch noch von der 
mit einem etwas breitflächigeren Großsegel versehenen und 
vorm Ballon segelnden Hamburger „Margarethe“ mit 18 Sek 
geschlagen. In der Jollen-Klasse war, wie schon erwähnt, 
das Ergebnis von Anfang an todlicher vorauszusehen. „Tita“ 
war einfach unbesiegbar. Die Hamburger „Sussi“ hatte ihren 
Zeitverlust am Start zwar in allen Ehren wieder aufgebracht 
und die Lübecker „Seerose II“ ein ansehnliches Stück über— 
holt, blieb aber trotzdem noch um mehr als 13 Min. hinter 
Tita“ zurück. Der ganz besonders starke Abfall von „See— 
ose II“ und „Sussi“ gegenüber „Tita“ war vor allem 
»arauf zurückzuführen, daß die beiden ersteren beim Wenden 
ind mehr noch beim Kreuzen sast alle Fahrt verloren und 
dadurch viel Zeit versäumten. 
Als erstes Boot ging „Tita“ um 1: 31: 37 durchs Ziel, 
'n größerem Abstande folgten „Sussi“ 1: 44: 54 und „See— 
rose II“ 1: 45: 15. Die weiteren Ankunftszeiten waren fol— 
gende: „Flirt II 1: 45: 28, „Auguste“ 1: 47: 47, „Lolti“ 
: 51:9, „Windspiel“ XV 1:57: 48, „Margarethe“ 1:58:5 
Wolkuse“ 1:58: 20, „Schelm“ 1: 58: 43, „Rübe:ahl“1: 59: 12, 
„Harald 1V“ 1:59: 55, „Hilde“ 2:1:39 und „Helga III“ 
234: 44. Daraus ergibt sich folgende Zeitenliste: 
10—-—m-Klasse: „Erika“ (5. Eschenburg-Lübech nicht 
ngestartet. „Pessa“ (Geh.Rat Dr. v. Petri und Kommerzienraf 
B. Sach nicht gestartet. 
8—-m-Klasse: „Lotti“ (A. Henkel-Lübech) gesegelte 
zeit: 1:246: 9, „Flirt III« (Th. Cruse und J. Meyer 
übechj 1: 40: 28 1. Preis, „Auguste“ (H. Niemann— 
53chlutup) 1: 42: 47. 
7—m-Klasse: „Rübezahl“ (F. Friedrich-Breslau 
jes. Zeit: 1:49: 12 1. Preis, „Primula“ (Fr. Dewitt— 
Berlin) aufgegeben wegen Berührung einer Boje. 
b⸗em-Klasse: „Windspiel XV“ (Fr. Kirsten-Ham— 
hurg) ges. Zeit: 1247: 48 1. Preis, „ßFaral d IV“ (Arthur 
Dunker-Hamburg) 1: 49: 55, „Schelm“ (Rob. Kirsten-Ham— 
hurg) 1: 48: 43. 
— Mationale alte Renniachten der V. Klasse 
vons bis über 6 Segellängen: „Sil de“ (P. Ihde—⸗ 
Lübeck) ges. Zeit: 1:46: 39, berechnete Zeit: 2: 15: 56, „Gun— 
hild“ (G. Janecke-Lübech nicht gestartet, „Helga III“ (Leut- 
nant Heerlein-Lübech) 1: 49: 44, 2: 14:9 1. Preis. 
Sonderklasse: „Margarethe“ (ans Kirsten-Ham— 
burg) ges. Zeit: 1: 43: 5 1. Preis, „Wolkuse“ (Lübecker 
HYacht-Club) 1: 43: 20. 
Nationale Jollen: „Tita“ (Konsul R. Piehl 
Lübech) ges. Zeit: 1:11:37 1. Preis, „Seerose II“ (GA. 
und H. Bever-Lübeck) 1:25: 15, „Sussi“ (G. Kresse-Ham— 
bura) 1: 20: 54 
Vermischtes. 
C.K. Eine Statistik zur Fleischnot. Auch in Frankreich 
leidet die Bevölkerung schwer unter dem steten Steigen der 
Lebensmittelpreise, die insbesondere in den letzten Jahren ge— 
waltig gewachsen sind und eine Eöhe errcicht haben, für die 
nan in der Vergangenheit Vergieichsmöglichkeiten kaum onch 
indet. Während man im Jahre 1897 in Paris das Pfund 
kKindfleisch noch für 63 Ets. kaufte, zahlt man jetzt, im 
Juni 1911, 1 Frs. 50 Ets., der Preis des Schweinefleisches ist 
n der gleichen Zeit von 88 Ets. auf 1,83 Frs. gestiegen und der 
zreis des Hammelfleisches gar von 70 Ets. auf 1,86 Frs. 
Man hat jetzt in einer großen Rundfrage an die Viehzüchter 
ind Viehhändler in den Provinzen die Gründe für diese 
jzanz abnormen Preiserhöhungen festzustellen gesucht. Tabe; 
eigte es sich, daß die Viehproduktion Frankreichs keineswegs 
jesunken ist, im Gegenteil, die Viehzüchter haben niemals 
o gute Geschäfte gemacht, wie in den letzten Jahren. Die 
Fleischnot in Frankreich erweist sich nur als eine Folgewirkung 
er gleichen Erscheinung in Deutschland und in den anderen 
nitteleuropäischen Ländern: weitaus der größte Teil des fran— 
ösischen Schlachtviehs wird seit einigen Monaten von deudschen 
ind italienischen Viehhändlern an Ort und Stelle den fran— 
ösischen Züchtern abgekauft, dabei werden anstandslose Preise 
zezahlt, wie sie früher nie bekannt waren. Die Züchter 
chmunzeln, und bei den hohen Fieischpreisen in Deutschland 
nachen sogar noch die diese Ankäufe vermittelnden Zwischen 
jändler ein ausgezeichnetes Geschäft. Welchen Umfang dies 
sorwiegend deutschen und italienischen Vieheinkäufe in Frank— 
eich erreicht haben, zeigen die jetzt veröffentlichten Zahlen 
er amtlichen Statistik. Im Jahre 1909 wurden 22911 Ochsen 
aus Frankreich ausgeführt, 1910 erreichte die Zahl bereits 
8687. Die Zahl der vom Ausland aus Frankreich bezogenen 
Jühe wuchs in der gleichen Zeit von 4879 auf 208568, 
also auf das Vierfache, die Zahl der Stiere von 934 auf 
006, also auf mehr als das Achtfache, und die Zahl der 
Zälber von 17802 auf 75 541. Auch bei dem Kleinvieh isst 
eine ähnliche Steigerung festzustellen: während im Jahre 1909 
24 943 Lämer vom Auslande aufgekauft wurden, betrug die 
Zahl 1910 32506 und die Zahl der ausgeführten Schweine 
stieg von 89 530 auf 120576. 
Selbstbezichtigung wegen Mordes. Auf der Station Bo— 
chhum-⸗Süd wurde kürzlich ein Fahrgast des Nachtschnellzuges 
Köln-Berlin, der Metzger Georg Wenzel, bei einem Sprung 
auf den Bahnsteig vom Zuge überfahren und schwer ver— 
jetzt. Wie sich jetzt herausstellt, handelt es sich nicht um 
iinen Unglücksfall, sondenn um einen Selbstmordversuch. Als 
man den Verletzten aufhob, bat er, man möge ihm Gift oder 
einen Dolch geben, damit er sein Leben beenden könne, denn 
ex habe in Breslau seine Braut ermordet. Eine Vernehmunc 
» Verlekien hat bisber nicht arfalgen kännmen 
— 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Von der Nordlandreise des Kasste?. 4 
W. Bergen, 9. Juli. Der Kaiser hielt heute vormittag 
an Bord der „Hohenzollern“ Goitesdienst ab und brarbeitete 
im Laufe des Tages die durch den Feldiäger überbrachten 
Eingänge. Am Nachmittag besuchte der Kaiser mit einigen 
Herren des Gefolges die hier ankernde Jacht ‚Rovenska“. 
Der Eroberer von Port Arthur in Berlin. — 
W. Berlin, 10. Juli. In Begleitung seines persönlichen 
Adjutanten, des Oberstleutnants Joshita, traf gestern der 
japanische Generalfeldmarschall Graf Nogi, der Eroberer von 
Vort Arthur hier ein. Dem inoffiziellen Charakter seinen 
Reise entsprechend wurden seitens der Behörden keiner'eh 
Empfangsmaßnahmen getroffen, hingegen fand sich der Ja⸗— 
panische Biotschafter mit den Mitgliedern der Botschaft au 
dem Bahnhof ein. Graf Noai begrüßte seine Landsleute sehr 
herzlich. 
Die türlijsche Studienkommission in Stuttgart. 
W. Suuttgart, 10. Juli. Der türkischen Studienkom— 
mission, die vormittags verschiedene Sehenswürdigkeiten be— 
ichtigte, gab gestern nachmittag das Präsidium der Stuti— 
jzarter Handelskammer im Kursaal. zu Cannstatt ein Früh— 
tück, dem u. a. Graf Zeppelin und Sigatsminister von Piche 
z»eiwohnten. Der Ehrenpräsident der Kammer Geh. Hof— 
rat Dr. Jobst begrüßte die Gäste herzlichst, worauf Achmed 
Isam Bey mit einem Hoch auf den König und die Stadt 
Stuttgart erwiderte. Im weiteren Verlaufe sprach Siaats— 
ninister Pischek die Freude der württembergischen Regierung 
über die Anwesenheit so vieler hervorragender Angehöriger 
des osmanischen Reiches aus. Nach dem Essen besuchten die 
Gäste auf Einladung des Königs die königliche Wilhelma. 
Abends gab der Verband württembergischer Industrieller im 
Verein mit einigen hiesigen Firmeninhabern den Gasten 
ein Souper. 
Ende dus in lichen Haf na bei erstreiks. 
W. Manchefiter, 9. Juli. Die Hafenarbeiter beschlosser 
in einer Versammlung, durch Vermittelung des Schiedsamtes 
die mit den Arbeitgebern vereinbarten Bedingunger 
zur Beilegung des Streikts an zunehmen, wonach u. a. der 
Verein der Schiffseigner sich zu einer Lohnerhöhung versteht. 
Zugleich wurde beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, 
sobald die Streitigkeiten der Fuhrleute mit den Arbeitgebern 
beigelegt sind. Die im Eisenbaßndienst beschäftigten Fuhrleute 
hielten eine Versammlung ab, in welcher beschlossen wurde, 
die Arbeit zum alten Lohnsatz aufzunehmen, wenn die Angelegen⸗ 
heit der anderen Fuhrleute zufriedenstellend erledigt wird. 
Letztere beschlossen, entgegen dem Rate ihrer Führer, die Be— 
dingungen der Arbeitgeber abzulehnen. 
W. London, 10. Juli. Laut Berichten beschlossen in Sull 
die Getreideverlader und anderen Hafenarbeiter, die Arbeit 
morgen nicht wieder aufzunehmen, da sie von der in der ver— 
gangenen Woche erzielten Beilegung der Differenzen mit den 
Arbeitgebern nicht befriedigt sind. 
Emn franzüfischer Wählerstrei?. 
W. Bar⸗sur⸗-Aube, 9. Juli. In 37 Gemeinden, deren Ge— 
meinederäte stinerzeit zurückzetreten sind, um gegen die Ab—⸗ 
grenzung des Weinbezirks zu vrotestieren, fsanden Neuwahlen 
statt. Fast überall enthielten sich di? Wähler der Abstimmung. 
Unruhen in Teh raunn. 
W. Londen, 10. Juli. Die, Times“ melden aus Teheran, 
daß dort die Lage infolge neuer Aufstände schlecht ist. Der 
Gouverneur v. Schiras drohte, krute einen Stadtteil beschießen 
zu lassen. In Kermandafh zerstörle die auf ührerische Menge 
mehrere Regierungsgebäude. 
Beendigung des Malifforenauf taudes. 
W. Cetinje, 10. Juli. Der türkische Gesandte teilte gestern 
der montenegrinischen Regierung mit, die den Malissoren ge⸗ 
machten Zugeständnisse, die sich auf den Militärdienst, d'e Ent⸗ 
richtung der Steuern und Abgaben, die Abli-ferung der Walfen, 
den Bau von Schulen und Straben und die Unterstützung 
der bedürftigen Bevölkerung erstrecken, betreffenden Maßnahmen 
sollen nicht erst nach der Rückkehr aller Flüchtlinge, sondern 
fofort durchgeführt werden. Der Wali von Skutari erbielt 
hereits entsprechende Besehle 
W. Berlin, 10. Juli. In einer Laubenkolonie wurde 
gestern morgen ein Mann angetroffen, der vom Kopf 
bis zu den Füßen lichterloh brannte. Er hatte 
sich nicht nur ganz und gar mit Petroleum begossen und dann 
die Kleider angestekt, auch das Haar und der Mund hatte er 
mit Petroleum getränkt, so daß ihm, als man ihn fand, die 
Flamme aus dem Mund schoß. Es handelt sich um' einen 
Nervenkranken, der aus der Charité entlassen wurde. Weil 
er sein Leiden für unheilbar hielt, hatte er beschlossen, 
seinem Leben ein Ende zu machen. Er itarb bald 
nach der Nufnahme im Nirchowkrankenhause. 
W. Dortmund, 10. Juli. Der wegen Raubmordes 
an einem ausländischen Arbeiter zum Tode verurteilte Ar— 
beiter Jakobowsky, der bisher die Untat geleugnet hat, legte 
zestern dem Gefängnisgeistlichen gegenüber das Geständnis 
ab, daß er seine Frau und seinen Freund äälschlicherweise 
beschuldigt hat. 
W. Fraukfurt a. M. 10. Juli. Ein 17jähriger Chauffeur 
wurde verhaftet, weil er verdächtig ist, die Frau Walter 
in Niedermörle ermordet zu haben. Er gestand das Ber— 
brtechen ein. Sein Konplize, ebeniglls ein Chauffeur, ist ent— 
flohen. 
W. Hanaun, 10. Juli. Gegen den in voller Faährt be— 
grifsener D-eZug aus München wurde gestern ein Stein ge— 
schleudert, welcher den Lokomotiosührer an der Stirne traf, 
der bewußtlos auf der Maschine zu Boden sank. Der Heizer 
führte den Zug weiter. 
W. Hamburg, 10. Juli. Nach einem bei der Hansa-Luft- 
verkehrsgesellschaft eingegangenen Telegramm ist das Parse— 
valluftschiff VI heute morgen 4 Uhr 30 Min. glatt auf 
dem Flugplatz bei Essen a. Ruhr gelandet. 
W. Kopenhagen, 10. Juli. Beim Wettsegeln in 
Deresund gewann heute in der Fünfzehnmeterklasse „Sophie 
Elisabeth“ (Leopold Biermann-Brenen) den ersten Preis, in 
der Achtmeterklasse gewann den ersten Preis Decima“ (Besitzer 
Edmund Nordheim⸗Hamburg). 
W. Sonthampton, 9. Juli. Die Teilnehmer an de“ 
Brinz⸗Heinrich-Fahrt sind heute hier gelaundet. Si— 
vurden vom Mayor und den Mitgtiedern des Magistrats mit 
einer Ansprache bearükt. worauf Prinz Heinrich drn er—⸗ 
mihderft⸗
	        
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