Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Sonntag, den 9. Juli 1911. 
4 
Morgen⸗Blatt KRr. 341. 
Ausagabe A. 
—A.TI.IA. —— 
Caagesbericht. 
Lübeck, O. Juli. 
gwostlreditbriefe? Wenn es sich bewahrheitet, datz die 
Post Kreditbriefe einzuführen gedenlt, so ist einem schon lange 
erhobenen Verlangen des Publikums Rechnung getragen. Der 
eener estit ditdiefe liegt darin,, dem Publikum, die 
Geldbeschaffung außerhalb des eigenen Wohnsitzes zu erleich⸗ 
ern, was insbesondere auf Reisen von Bedeutung ist. Man 
ahlt infach einen gewissen Betrag bei der Postanstalt seines 
Wohnfitzes ein, erhält seinen Postkreditbrief und kann auf 
iesen hin bei jeder Reichspostanstalt von jseinem Guthaben 
den jeweils benötiaten Geldbetrag abheben, bis das Guthaben 
erschöpft ist. Die Post verfolgt damit den Weg, den sie mit der 
Einrichtung des Schecbverkehrs betreten hat, weiter und dient 
damit zweifellos aufs beste den Interessen des Verkehrs. 
Betriebs⸗Einnahmen der Eutin⸗Lübecker Eisenbahn für 
den Monat Juni 1911. Die Einnahmen betrugen: 
aus dem aus dem 1 
Personen⸗ Güter⸗ Sonstige in Summe 
Verkehr Verkehr Einnahmen 
M M M M 
—1911 74 0890) 20 220 2200 96 599 
1910 55 505 18687 2100 76 285 
Unterschied gegen denselben Monat 
des Vorjahres 4Ma20 224) 
kinnahme vom 1. Januar bis Ende Juni 1911, 468 122 
1910, 412 1983 
Unterschied gegen das Vorjahr 4,40929 
(Die vorstehenden Zahlen sind geschätzt.) 
2 1911 war das Pfingstfest im Juni; 1910 im Mai. 
* Lübeck-Büchener Eisenbahn⸗Gesellschaft. Betriebs⸗ 
Ergebnisse für den Monat Juni 1911. Vefördert 
ind (nach den vorläufigen Ermittelungen): 
1911 773 145 Personen und 123252 t Güter, 
gegen 1910 598 384 ⸗ ⸗129034 -·6 ⸗ 
Eingenommen sind: Gesalnshemm 
ers.⸗ Güter⸗ Neben⸗ Zu⸗ gemunnie 
—2 Verkehr einnahm. * biende 
Mk. Mk. Mk. Mt. Mk. 
1911 vorläufig 589 0839 319 523 77500 9886106 4 435 688 
1910 ⸗ 444 652 327 472 76 900 848124 4166 375 
— 
1910 endqgültig 488 080 351780 91787 831647 4617 637 
31911 fiel das Pfingstfest in den Juni, 1910 in den Mai. 
Mücden⸗ und Schnatenplage. Bei der Anfang Juni in 
Worms abgehaltenen Tagung des Bundes Deutscher Verkehrs— 
vereine wurde nach einem wissenschaftlichen Vortrage über die 
„Schnakenplage“, die als am Rhein besonders lästig und 
tark beklagt wurde, eine längere Aussprache herbeigeführt. 
Ein festes Ergebnis hatte die Besprechung indes nicht. Neuer⸗ 
dingsg eht nun von Wiesbaden aus eine Notiz durch die Zeitun—⸗ 
nen, daß durch eine Pflanze eine erfolgreiche Bekämpfung der 
Mücken und Schnaken möglich sein soll. Die sehr beachtens— 
werten Aussührungen, die wir der Frkf. Ztg. entnehmen, deren 
Inhalt auch der Qü befor dtaärtner und unsoer— 
Lübecker Forstverwaltung wegen der auch in unserer 
Hegend sehr unangenehmen Mucenplage Kenntnis nehmen 
oluͤe, lauten folgendermaßen: „Dem Wiesbadener Fischerei⸗ 
iretior G. Bartmann verdankt man die interessante und 
verivolle Beobachtung, daß es möglich ist, sämtliche, ihre Eier in 
tehenden Gewässern ablegenden Stechmücken GSchnaken) durch 
me subtropische Wassserpflanze der Gattung Azolla auszu⸗ 
btten. Das Reichsskolonialamt hat daraufhin vor einiger 
Zeit unter Assistenz des Entdeckers, sowohl im Institut für 
Schiffs⸗ und Tropenkrankheiten zu Hamburg, als auch in der 
Malariastation zu Wilhelmshaven zahlreiche praktische Ver⸗ 
uche anstellen lassen, die derart günstig ausgefallen sind, 
daß der damalige Staatssekretär Dernburg die Fortführung 
der Versuche, deren Gesamtergebniss allerdings noch ausstehen, 
nden deutschen Schutzgebieten veranlaßte. Als die Bart⸗ 
nannsche Entdeckung in die Oeffentlichkeit drang, wurde der 
entdeder begreiflicherweise von allen Seiten mit Anfragen 
zestürmt, nicht zuletzt von den Vertretern verschiedener Staaten, 
»ie ihnu m aufklärendes Material, Pflanzen usw. ersuchten. 
Hrr Bartmann wies jedoch verschiedene, ihm vom Auslande, 
u a. auch von Ameri“a, gemachten glänzenden Anerbietungen 
urück, da er den von deutscher Seite angestellten Versuchen 
icht vorgreifen, und mit seiner Entdeckung in erster Linie 
einem Vaterlande dienen wollte. Er konnte es selbstverständlich 
icht verhindern, daß sich zahlreiche Vertreter der Wissenschaft 
— zumeist Aerzte — in Panama, Trinidad, Holland, Griechen⸗ 
and usw. Pflanzenmaterial verschafften und die Wirkung 
er Azollen als Stechmückenvertilgungsmittel auf eigne 
raust erprobten. Die Ergebnisse dieser Versuche waren, so⸗ 
beit sie zur Kenntnis des Entdeckers gelangt sind, durchaus 
efriedigend; die Azollen haben sich in den verschiedensten Ver⸗ 
uchsländern in der Tat als unübertreffliches Schutzmittel 
jegen Stechmücken jeglicher Art bewährt. Eine große Anzahl 
jon Versuchen privater Natur versagten völlig mangels ge— 
iügender Vorkenntnisse und weil es an gutem, den ver— 
chiedennen Gewässern angepaßten vorgezüchteten Material fehlte 
Auf die Frage, wie er zu der Wahrnehmung von der Eigen— 
chaft der Azollen gelangt sei, äußerte sich Herr Bartmann 
wie solgt: „Ich habe seit vielen Jahren in meiner Fischzucht⸗ 
instalt mehrere Becken zur Züchtung von Wasserlebewesen aller 
Art, die zur Herstellung eines besonderen Fischfutters nötig 
ind. In verschiedene Becken brachte ich schon anfangs der 
Oer Jahre Aquariumpflanzen, die mir von Forschern aus den 
zerschiedensten Ländern zu Versuchszwecken zugeschickt wurden. 
darunter befand sich auch die Azolla. Die beängstigende 
Vucherung dieser Pflanze fiel mir natürlich alsbald ganz 
zesonders auf, sie bedeckte schon nach einigen Wochen das 
Zuchtbechen völlig. Nach Ablassen des von der Azolla über— 
wucher ten Wassers zeigte sich dieses vollständig frei von Mücken— 
arven, es enthielt lediglich die in dem Wasser geborenen 
Insekten. Eintagsfliegen, Käferlarven, Schnakenembryos, die 
in den nebenan liegenden Zuchtbecken ihrer massenweise vor— 
handen waren, mangelten vollständig. Weiter fiel mir auf, 
daß die Schwalben — wohl die eifrigsten Schnakenvertilger 
unter den Vögeln — das Azolla-Becken mieden, während sie 
über den übrigen freien Wasserbecken hin- und hergleitend 
nach wie vor Insekten suchten Der ESchluß von diesen Er— 
icheinungen auf die besondere Eigenschaft der Azollen lag 
atürlich nicht fern, auf die Idee aber, diese Pflanzen als 
Schutzmittel in schnakenverseuchten Gebieten und zur Be— 
ämpfung der Malaria anzuwenden, bin äch erst durch eine 
Malariaerkrankung meines Bruders, sowie durch die Be— 
trebungen des sogenannten Schnakenvertilgungskomitees zu 
Eltville gekommen, dem ich durch einen Biebricher Cärtner 
Versuchsmaterial zur Verfügung stellte, als ich mich weigerte, 
in bestimmtes Präparat in die mir gehörigen Fischteiche ein⸗ 
chütten zu lassen. Das war vor Jahren, und schon damals er⸗ 
klärte ich wiederholt mündlich und schriftlich, daß in den von 
nir mit Azollen besetzten Teichen keine Schnakenlarven seien. 
Die weiteren wissenschaftlichen Versuche führten dann dazu, dakß 
ch meine Entdeckung dem Reichskolonialamt unterbreitete.“ Diese 
nteressanten Ausführungen bekunden, daß eine scharfe Natur- 
»eobachtung, verbunden mit Zufälligkeiten — denen aber auch 
die wissenschaftliche Forschung nicht selten die größten Erfolgo 
berdankt — oft zu Entdedungen führt, die der Menschheit 
dauernd zum Segen gereichen.“ 
Wom Volksfest. Es ist mehrfach in Stadt und Land 
die Frage aufgeworfen, ob auch die im Landgebiet zurzeit leider 
veitverbreitete Maul- und Klauenseuche einen Einfluß auf den 
Besuch des Festes oder gar seine diesjährige Abhaltung haben 
önne. Aus Komiteekreisen wird uns versichert, daß nach dem 
»isherigen Verlauf des Verkaufs von Festkarten eher eine 
tärkere als geringere Beteiligung an den Vorarbeiten zum 
Feste zu beobachten ist, daß daher eine Verschiebung des 
Termins, oder ähnliche Absichten nie haben in Betracht gezogen 
werden können. Man darf hoffen, daß das Fest unter Be—⸗ 
teiligung aller Kreise der Bevölkerung seinen gewohnt frohen 
Verlauf nehmen wird. Die Tombola wird wieder eine be— 
sonders reiche Ausgestaltung erfahren und der Festzug ver—⸗ 
tpricht auch in diesem Jahre sich zum Glanz- und Mittelpunkt 
des Festes herauszubilden. 
Das Kornfeld. Von allen Herrlichkeiten der Natur 
kommt vielleicht keine dem Aehrenfelde gleich, wenn es, wie 
in diesen Tagen des Hochsommers, erntebereit unseren Blicken 
sich darbietet Wie herrlich, wenn an einem heißen Sommertag 
sich auf starkem Halm ein goldenes Aehrenhaupt neben dem 
anderen beim Kosen des Windes wiegt, erstrahlend in dem 
Hold, welches die heranreifende Frucht in ihrer schier unzähligen 
Körnerzahl weithin über die Fluren hinstreut, und wie be— 
rübend, wenn man sehen muß, wie manche am Wege liegende 
Felder wegen ein paar Kornblumen arg zertreten und ge— 
schändet sind. — So ein Kornfeld birgt aber noch mehr 
seize; wir erblicken in ihm auch die große Vorratskammer 
ür das ganze Jahr. Denn woraus auch immer unsere 
Nakrung bestehen mag, die Hauptlache bleibt doch stets die 
Körnerfrucht, die uns zum Bereiten des täglichen Brotes dient. 
Das Herz des Landmannes aber hängt ganz besonders an 
den goldenen Aehren des Kornfeldes. Wenn diese Ernte nach 
Wunsch ausschlägt, ist der Wohlstand für ein volles Jahr 
gesichett: mißrät sie, so war sein Hoffen eitel. 
Promenaden⸗Konzert der Kapelle des Inf. Regts 
„Lübed““ (3. Hans. Nr. 162) auf dem Marktplatz am Sonntag, 
dem 9. Juli, mittags von 12 51 Uhr. Das Programm lautet: 
——— — 
tische Lage miteinander aus. Schlözer machte über dies Zu— 
ammensein folgende kurze Niederscheift: „Ernst nimmt Abschied 
yon mir, seine Unterhaltungen mit Königin und Kronprinzen 
teilte er mir mit. Beide denken und sprechen über gegen— 
wärtige Lage, wie wir.“ 
Als 1864 Schlözers Versetzung nach Rom erfolgte, hat es 
Ernst Curtius schmerzlichst empfunden, daß sein Freund ihm 
nicht eine Zeile vom klassischen Boden sandte, zumal Schlözer 
vissen konnte und mußte, wie sehr gerade Curtius sich über 
seine Versetzung nach dem alten Rom gefreut hatte. Um 
io inniger und freundschaftlicher gestaltete sich der mehr— 
wöchentliche Verkehr beider Männer 18608 in der ewigen Stadt. 
Schon im Februar hatte Curtius an Schlözer geschrieben, daß 
er im März auf mehrere Wochen und zwar in Gemeinschaft 
mit Professor Sauppe aus Göttingen nach Rom kommen werde, 
ind am 8. März schreibt err „Mit dem Sonntage Ocu“ 
verden wir die Augen auftun über das schöne Italien und 
am Sonntage Lätare so Gott will uns erfreuen am Wiedersehen 
nit Rom und unsern alten Freunden.“ Und so geschah es. 
ẽs waren anregende Wochen, welche die alten Freunde wieder 
niteinander verlebten. Schlöder erzählte noch in späteren Jah— 
en häufig von diesem Besuch und betonte dabei besonders, 
vie bildend der mehrwöchentliche Verkehr mit den beiden 
nerühmten Altertumsforschern, speziell mit Rücksicht auf das 
ztudium des alten Roms, für ihn gewesen sei. Und dabei 
‚ehörte doch auch Schlözer zweifellos mit zu den gewiegteften 
dennern Roms; seine römischen Studien hatte er zum größten 
Teil unter Gregorovius' Leitung gemacht. 
In seinem Dankesbrief sprach sich Curtius vor allem dahin 
nus: „Die reinste Freude hat mir der tägliche Verkehr mit Dir 
bereitet, die Erneuerung unserer Freundschaft nach langer Tren— 
iung auf klassischem Boden.“ Dies war das letztemal, daß 
die beiden Freunde lich eines längeren Zusammenseins erfreuen 
»ürften. Auch ihre Korrespondenz schlief allmählich ganz ein. 
Es liegt mir nur noch ein Brief ron Ernst Curtius vor aus 
dem Jahre 1887, worin es u. a. heißt: „Zugleich freue ich 
nich darüber, daß Du den Oeden der neuen Welt glücdlich 
ntiückt und wieder Historiler geworden bist und die Un— 
fruchtbarkeit Deiner amtlichen Tätigkeit durch den Verkehr 
mit einer großen Vergangenheit und ihren Geistern würzest 
und bereicherst. Da begegnen wir uns ja auch wieder, wie 
in unseren jungen Jahren, und Gott jei Dank. dak wir beide 
noch jung fühlen.“ 
Diese Zeilen lassen unschwer erkennen, daß Curtius mit 
der Kirchenpolitik Bismarcis nicht einverstanden war, und das 
ührte unwillkürlich zu einer gewissen Entfremdung beider 
Freunde, von der aber, als Schlözer nach erfolgter Verab— 
chiedung 1893 seinen Wohnsitz in Berün nahm, nichts mehr zu 
merken war. Beide Freunde verkehrten wieder in alter Treue 
und Herzlichkeit miteinander und keiner beklagte mehr den früh— 
eitigen Tod Schlözers. als sein acter Jugendfreund Ernft 
4514711116 
Ernft Curtius und Kurd von Schlözer. 
Von Dr. Paul Curtius. 
(Schluß.) · 
Schlözer berichtete seinem Freunde über die Erlebnisse in 
Frankfurt a. M. in der ausführlichsten Weise, und zwar 
schon um deswillen, weil auch die Frau Prinzessin an seinen 
Mitteilungen lebhaften Anteil nahm und immer nach neuen 
Nachrichten verlangte. Am 6. Oktober 1848 schrieb ihm 
Lurtius von Babelsberg aus: „Dein reicher Brief mit der 
ebendigen Schilderung unserer Zentralzuständ'e, die täglich für 
uns alle inleressanter werden, hat hier großen Anlang ge— 
funden und namen lich hat mich sogleich die Frau Prinzessin 
dringend aufgefordert, Dir herzlich zu danken und Dich um 
decht fleißigen Bericht zu bitten. Die Anerkennung preußischer 
Tüchtigkeit im übrigen Deutschland ist in den gegenwärtigen 
Zeiten doch das einzige Erfreuliche. Ich habe mich herzlich 
gefreut, darauf hinweisen zu tönnen, und so in die ge— 
drückte Stimmung unserer hiesigen Kreise einige Lichtblicke 
hineinführen zu können.“ 
Schlözers Wunsch, in Frankfurt selbst oder durch seine dortigen 
Freunde und Bekannte irgend eine Anstellung zu finden, sollte 
eider nicht in Erfüllung gehen. Ein Brief seines Vaters 
beschäftigte sich ebenfalls mit dieser Frage und dürfte daher 
in den Rahmen dieses Aufsatzes hineinpassen. Es heißt dort: 
„Es wird Dir schwer werden, dort eine für Dich passende 
Anstellung zu finden. Daher es mir das Richtigste scheint, 
wenn Du Dich Deiner früheren Freundin der Wissenschaft 
wieder in die Arme wirfst und von der Dein ferneres Heil 
erwattest. Mir muß allerdings scheinen, daß Rumpff chan⸗ 
seatischer Gesandter in Paris) und andere nicht wohlgetan 
haben, Dir die diplomatische Karriere anzuraten. Jener Rat 
sprach Dich an und entfernte Dich von der Wissenschaft. in 
der Du so glücklich prosperiert hattest!“ 
Was Schlözer in Frankfurt nicht gelungen war, sollte ihm 
zunächst auch in Berlin nicht gelingen, bis endlich am 1. Sept. 
1849 ihm die Mitteilung zuging, daß er einen Brief von 
Schleinitz, dem damaligen Minisser der auswärtigen Ange— 
legenheiten, zu erwarten habe. Und richtig, am 4. Sep⸗ 
tember, abends, traf das Schreiben ein. Schon am 5., mor⸗ 
gens, machte Schlözer bei Schleinitz seinen Besuch, der ihn mit 
den Worten empfing: „Bei mir wird nur höhere Politik ge— 
hieben.“ Selbigen Tages schrieb Schlözer an die Prinzesin 
Augusta einen Dankesbrief, denn er var sich wohlbewußt, 
daß er alrein der Fursprache dieser hohen Frau alles 
verdankte Wie ich aus Ernst Curtius“ eigenem Munde ver— 
nommen, interessierte sich die Frau Prinzessin derartig für 
Shhldzer, daß sie nicht eher huhtealsbinse e e chet 
aitz durchgesetzt hatte, daß Schlözers Anstellung ohne Ab— 
egung des sonst üblichen Eramnete erfolgte. 
jerin Dnrn 1850 wurde Schlözer Geheimer expe—⸗ 
etretär im auswärtigen Ministerium. Neben seiner 
vortiaen Tätigkeit widmeta lich Ethloer jent R ning 
mehr wissenschaftlichen Arbeiten. In den Jahren 1850,51 er— 
ichienen seine beiden Werke: „Livland und die Anfänge deut— 
schen Lebens im baltischen Norden“ und „Die Hansa und 
der deutsche Ritterorden in den deutschen Ostseeländern“. 
Ueber letzteres Werk schreibt Curtius aus Lübeck gerade 
in den Tagen, als die Eröffnungsfeier der Lübeck Büchener 
Zahn stattfand (15. Okt. 1851), in sehr scherzhafter Weise: 
„Deine „Hansa“ ist seit heute morgen fast ebenso verbreitet 
n Lübeck, wie die „Lübedischen Anzeigen“. In Deinem Buche 
orcht die alte Stadt den Glockentösnen ihrer großen Vergangen— 
eit, in dem Pfiffe der Lokomotiven hört sie den Ruf der 
zukunft und schreitet so in das neue Stadium der Geschichte. 
dein Alter hat Dein Buch noch cestern erhalten und schwelgt 
n Großvaterfreuden, die er von Dir, so scheint es nur 
chwarz auf weiß erhalten soll.“ 
Wenn auch vor allem der Legelmäßige Verkehr mit Ernst 
Furtius, Hermann Grimm, Lepsius und anderen Männern der 
Wissenschaft Schlözer anfeuerte, seinen historischen Studien nicht 
anz untreu zu werden, so war wohl auch ohne Frage seine 
nonotone Beschäftigung im Ministerium mit Schuld daran. 
chlözer blieb verhältnismäßig lange in seiner ministeriellen 
tellung als Sekretär, und wie er endlich im Nov. 1856 
inter Zulassung zur diplomatischen Laufbahn — wiederum 
hne Ablegung des diplomatischen Examens — der damaligen 
neußischen Gesandtschaft zugeteilt wurde, schrieb ihm am 
1. Dez. Ernst Curtius, der Anfang 1856 als ordentlicher 
Professor nach Göttingen berufen war, folgendes: „Vor 
illem meine herzlichen Glüdwünsche, mein guter, lieber Schwa⸗ 
er, zu Deiner ehrenvollen Beförderung auf dem Wege zur 
ẽzellenz. Ich wünsche Dir, daß Deine Hoffnungen sich reich 
ich erfüllen, jedenfalls wirst Du einer Stellung enthoben, 
die Dir auf die Länge drückend werden muß. Wie soll 
nan sich aber die Ecke des Wilhelmsplatzes ohne Dich denken? 
Mit Dir verliere ich nun wieder ein neues Band, das mich an 
Berlin knüpft. So steuere mit günstigem Winde hinaus in das 
jeue Fahrwasser, laß mich einmal von Dir hören und bleibe 
inter allen Umständen gut und treu Deinem Schwager.“ — 
sut und treu ist Schlözer seinem Freunde Curtius geblieben, 
iber zu einem so innigen Verkehr, wie er jahrelang zwischen 
eiden bestanden hatte, kam es nicht mehr. Während der 
zeit, wo beide Freunde in Berlin waren, kamen sie fast 
äglich zusammen und tauschten die beiderseitigen Ersebniffe 
zegeneinander aus. 
Bei Schlözers Rückkehr von Petersburg nach Berlin (1862) 
eꝛrwartete ihn in der Zentrale ein ganz anderer Verkehr, als 
in den 50er Jahren. Während er damals mehr mit Männern 
der Wissenschaft verkehrte, bewegte er sich nun vorwiegend 
in den Hof- und diplomatischen Kreisen. Eine freudige Ueber— 
raschung bereitete ihnm am 21. März 1863 der unerwartete 
Besuch von Ernst Curtius. Beide Freunde, die sich seit 1886 
nicht gesehen hatten, tauschten in den Tagen des Zusammen⸗ 
seins vor allem ihre Ansichten und Gedasiken über die poli—
	        
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