Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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— 
Ausqabe 
Taaesbericht. 
Lübeck, 6. Juli. 
Landwirtschaftskammer Lübeck. Hinsichtlich ihrer Kassen⸗ 
perhältnisse hebt die Landwirtschaftskammer in ihrem Jahres⸗ 
bericht hervor, daß das Arbeitsgebiet der Kammer und dem⸗ 
gemäß ihre Ausgaben in stetigem Wachsen begriffen lind. 
Je mehr die Kammer die mannigfaltigen Aufgaben, welche ihr 
gestellt sind, in Angriff nimmt, um so stärker macht es sich 
fühlbar, was für sie auf allen landwirtschaftlichhen Gebieten 
noch zu tun übrig bleibt. Dies gilt vor allem für die Vieh⸗ 
zucht. Die Summen, welche die Landwirtschaftskammer seit 
mehreren Jahren für die Rindviehzucht aufwendet, er— 
scheinen im Vergleich zu denjenigen, die z. B. die Lan dwirt⸗ 
schafiskammer des benachbarten Fürstentums Lübeck für die 
Rindviehzucht ausgibt, verhältnismäßig hoch. Sie sind es 
aber nicht, wenn man bedenkt, wie lange dort schon an 
der planmäßigen Verbesserung des Zuchtmaterials gearbeitet 
dorden ist. während in Lübeck so viele, viele Jahre lang 
nichts geschah. Es kann daher mit der Einstellung erheb⸗ 
licher Summen zur Hebung der Rindviehzucht einstweilen 
auch nicht aufgehört werden. Auch auf dem Gebiete der 
Ziegenzucht wird die Notwendigkeit von Ausgaben zur WVer⸗ 
besserung des Zuchtmaterials erst nach Einsührung der Ziegen⸗ 
boc⸗Körungen so recht hervortreten. Ebenso wird die Land⸗ 
wirtschaftskammer der Hebung der Pferdezucht mehr und 
mehr ihre Aufmerksamkeit zuwenden müssen, und auch hier 
wird sich die Bereiistellung größerer Summen vernotwendigen. 
Zur Deckung ihrer Ausgaben hat die Kammer auch in diesem 
Jahre eine Umlage von Zweizehntel Prozent des Renertrages 
von den lübeckischen Landwirten erhoben. Sie erbrachte 
1378,52 M. Im einzelnen ist zu den Ausgaben folgendes zu 
bemerken: Die Vergütung für den Schriftführer ist mit Rück— 
sicht auf die erhebliche Steigerung der von ihm zu leistenden 
Arbeit auf 1000 Meäerhöht worden. Die Ausgaben für die 
Rindviehzucht (insgesamt 1650 M) sind im Vorstehenden bereits 
besprochen. Für Zwecke der Pferdezucht wurden 200 Mäauf—- 
gewendet, nämlich 200 Miäals Beihilfe zur Aufstellung eines 
oldenburgischen Dickhengstes an den landwirischaf!li hen Verein 
in Nusse und 60 Mäan den landwirischaftlichen Verein zu 
Lübeck zur Prämilerung bri der von ihm veranstalteten Füllen⸗ 
schau. Der Bienenzuchtverein hat als Beihilfe zur Prämiierung 
von Bienenständen wiederum 75 Muerhalten. Die Kosten 
und andererseits auch die Einnahmen der Stierkörung be— 
ziehen sich nur auf außerordentliche Körgeschäfte, da das 
wordentliche Körgeschäft, wie vorstehend bereits bemerkt, in 
diesem Jahre nicht mehr in das Geschäftsiahr fiel. Die 
hiesige Arbeitsvermittlungsstelle des Deutschen Arbeitgeber— 
verbandes, welche seit ihrem kurzen Vestehen (Oktober 1909) 
segensreich gewirkt, Hunderten von Arbeitsuchenden die ge— 
wünschie Arbeitsstätte und ebensovielen Arbeitgebern die ver— 
langten Arbeitskräfte nachzewiesen ha, ist wi derum von der 
Kammer, und zwar diesmal mit 200 M, unterslützt worden. 
Die Abrechnung schließt mit einem Fehlbetrace von 38,30 M, 
der auf das neue Rechnungsjahr zu übernehmen ist. 
Ausfuhr des Konsulardistrikts Lübeck nach den Ver—⸗ 
einigten Staaten von Amerika. Im zweiten Vierteljahr 1911 
betrug der deklarierte Wert der Warenausfuhr nach den Vereinigten 
Staaten von Nordam erika aus dem Konsulardistritt Lübeck 30 611,14 
Dollar gegen 106 609,58 Dollar in dem gleichen Zeitraum des Vor⸗ 
jabhres und zeigt somit eine Abnabme von 75 898.44 Dollar. 
Die Ausfuhrposten sind solgende: 
2.Quart. 1911 2. Quart. 1910 
Dollars Dollars 
Inaherie Eisenwaren.. 1.23946 
emuüse⸗Konserben . .5 63552 2 865.71 
Kautschuk-Abfall. 3182,26 568 439,96 
Leimledeer5535— 106.45 2300,45 
Lumpen, alie Taue, Papier 
usw. Abfälle...5. 4815.73 17978,15 
Dxal⸗Säure .55 828,02 — .— 
Quygen⸗Apparate... 1623808 7147,52 
Stahl.5577 367.13 1150447 
Züßholzwurzelh— 338,50 82114 
Wasserstandsglaͤser — 43780 
Woll⸗Stoffe.. —* 41314 
Dollar. XAIIAL GACO gee. 
. Die V. Remontierungskommission, bestehend aus Herrn 
Maijor von Kleist, Herrn Oberleutnant von Hennings, Herrn 
Leutnant Buttmann, Herrn Oberveterinär Klotz und Herrn 
Bahlmeisteraspirant Haselhorst, traf in Lübeck ein und nahm 
im Hotel Union Wohnung. Die Kommission hält in Lübed 
und in den umliegenden Orten Remontemärkte ab. 
Eine deutjche Handelsniederlafsung in Sao Paolo de 
Loanda. Herr Fritz Sach, ein Sohn des Herrn Professors 
Sach hierselbst, geht Anfang August zusammen mit seiner jungen 
Frau als Leiter eines der größten Hamburger FSeporthäuser 
für Westafrika nach Sao Paolo de VLoanda, die Hauptstadt 
der portugiesischen Provinz Angola in Westafrika. Herr Sach 
wird der erste dort ansässige Deutsche sein. Er hat zwei Jahre 
unter großen Strapazen das Innere bereist und Handels— 
bezie hungen mit der eingeborenen Bevölkerung angeknüpft, die 
zjetzt dazu geführt haben, daß die Hamburger Großfirma eine 
feste Niederlage in der Haupi- und Hafenstadt Sao Paolo de 
Loanda, wo zwar schon eine größere Anzahl Europäer wohnt, 
aber bisher kein einziger Deutscher sein Heim errichtet hat. 
a Der Männer⸗Turn⸗Verein Lübed feierte am letzten Sonn⸗ 
tag sein Sommerfest im Kolosseum. Wenn auch der Wettergott 
den Turnern nicht gerade besonders hold war, so konnten doch alle 
Wettkämpfe im Freien geturnt werden. Eingelcitet wurde das 
Fest durch einen Fünfkampf der Männer- und Zöglings-Abteilung, 
der auf dem Burgfelde ausgefochten wurde Der Wettkampf 
bestand aus einer Gerät- und einer Freiübung und drei volfs 
—388 Uebungen, und es durften nur Turner daran teil- 
een die auf einem größeren Turnfeste noch keinen Preis 
nn hehe Nachmittags 8 Uhr marschierte der Verein 
enh Klangen der Regimentskapelle vom Vereinslokal 
nach dem Kolosseum. Bei dem Wetturnen der 
a —— ug wurde manche gute Leistung erzielt, so daß 
eh er— ener den Inaben reichen Beifall zollten. Kaum 
* e wene so mußten Musik und Besucher 
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Morgen⸗Blatt Kr. 335. 
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stellten. Eine schnell aus der Tasche geholte Karte sollte 
beweisen, daß man es mit Beamten zu tun habe. Es steht 
fest, daß sich die Radfahrer durch das sichere Auftreten der 
beiden täuschen ließen und eine ihnen zudiktierte, sofort zu 
erlegende Geldstrafe von 6 Meiprompt bezahlten; andere Rad— 
'ahrer hingegen nannten nur ihre Namen und wollten später 
zie Strafe begleichen. Da sich die Polizei aber nicht mel—⸗ 
dete und auch die Gelder auch nicht einziehen ließ, so schöpften sie 
Verdacht und meldeten die Vorfälle. Die „Schutzleute in 
Zivil“ konnten natürlich nicht mehr ermittelt werden. 
Tondern, 6. Juli. Der HSof „Grünhof“ ist ver⸗ 
ꝛaust worden, und zwar in dänische Hände. Käufer ist Jakob 
Bögh, Süder⸗Otting. Der Kaufpreis beträgt 115 000 M. 
Wattenbek Gordesholm), 6. Juli. Zigeunerplage. 
In der Nacht zum Dienstag gegen 12 Uhr rückte in unseren 
Drt eine Zigeunergesellschaft mit 13 Wagen, wohl über 100 
Köpfe stark, ein und brachte denselben arg in Aufregung. 
Die Besellschaft suchte nämlich eine zwischen dem Dosenmoor 
und dem Wattenbeker Gehege belegene Koppel auf und wollte 
sich hier für längere Zeit niederlassen, indem sie vorgab, die 
Koppel mit allem, was darauf sei, für 4850 M das Jahr 
gepachtet zu haben. Der derzeitige Besitzer hat dort ein 
Gelbäude errichtet, das angeblich nur als Stallung dienen soll. 
Hier wollen sich nun die Zigeuner niederlassen. Amtsvorsteher 
und Gendarmerie wurden sofort benachrichtigt, doch wollten die 
Zigeuner auf den Befehl des Wachtmeisters hin nicht weichen, 
indem sie sich darauf beriefen, das Grundstück gepachtet zu 
haben. Telephonisch wurde nun noch der Oberwachtmeister 
hinzugerufen, und um eventuell die Gendarmerie unterstützen 
zu können, war die Wattenbeker freiwillige Feuer, 
vehr mit der Spritze ausgerückt, jedoch chne in 
Tätigkeit zu treten. Die braune Gesellschaft bequemte sich 
schließlich freiwillig zum Abzuge, da sie keine Zeit mehr 
habe, indem sie zum Wandsbeker Pferdemarkt wollte, drohte 
edoch, innerhalb acht Tagen wieder zu kommen, und wolle 
sie dann sehen, wer sie von dort vertreiben könne. Mit 
Held waren die Leute reichlich versehen. Auf einem in der 
Gegend liegenden Gehöft hatten sie auch sofort Geschäfte 
gemacht und Pferde eingetauscht. Die Gesellschaft kam vom 
Kieler Pferdemarkt. 
SGroßzherzogtum Oldenburg, Fürstentunt Lübed. 
X. Ahrensbök, 6. Juli. Eine außerordentliche 
Femeinderatssitzung fand Dienstag statt. Auf Anord⸗ 
nung der Regierung sollte mit dem Legen des Rohrnetzes für 
die Wasserleitung für die in diesem Sommer mit Kopfstein⸗ 
pflaster zu versehenen Strecke von ungefähr 500 Meter begonnen 
werden, Damit später ein Aufbrechen des Pflasters vermieden 
wird und die Pflasterungsarbeiten nicht weiter hinauszuschieben 
sind. Beschlossen wurde, unverzüglich mit dem Legen zu begin- 
nen. Allerdings will man nicht, wie die Regierung es für 
aötig hält, zu beiden Seiten der Straße ein Rohr legen, son⸗ 
dern hält ein Rohr, an der einen Seite gelegt, für ausreichend, 
zumal die Doppellegung allein für die genannte Strecke 2500 
Marf beurer wird 
Donnerstag, den 6. Juli 1911. 
b Uhr traten die Kinder zu einem Fahnenreigen an. Dann 
nahm der Vorsitzende, Herr Karl Bollmeyer, die Preisverteilung 
bor. Nach einer längeren Ansprache wurden die Namen der 
Sieger bekannt gegeben, die vom 1. Turnwart mit einem schlichten 
kichensträußchen geschmückt wurden. Aus der Männer-Abteilung 
jingen ails Sieger hervor: Herm. Asmus mit 77 Punkten, 
Aug. Baars mit 70 P., Hans Fischer mit 66 P., Fritz v. Glahn 
3413 P. W. Köhn 5014 P., Willi Börch 59 P., Paul Berg 
59 P. Friedr. Schwien 57 P., Hans Dibbern 55 P. Von den 
Zöglingen siegten: Ernst Baars mit 7024 P., Georg Gerdes 
nit 54 P. Willi Roloff 5114 P., Arthur Voigt 51 P. Die 
samen der Sieger der JugendeAbteilung sind folgende: Arthur 
kegel, Robert Dunkelmann, Julius Waldmann, Hans Heitmann, 
zulius Stamer, Heinr. Wegner, Hans Christiansen, Chr. Reimers, 
Walter Lange, Friedr. Reppin, Hans Hasenbank, Gottfr. Have⸗ 
neister, Friedr. Stolle. — Ein Boll bildete den Schluß des 
herrlich verlaufenen Festes. 
Die Wasserwärme in den städtischen Badeanstalten be—⸗ 
trug am 5. Juli im Krähenteich 17 Grad Cels., auf dem 
Falkendamm 17 Grad Cels. 
b. Sttadthallentheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
man uns: Vielfachen Wünschen nachkommend, wird die heutige 
Fremdenvorstellung eine Operette zur Aufführung bringen, und 
war „Der Zigeunerbaron“ von Strauß; den Barinkay wird 
zer Gast Herr Fritz Redwitz singen. Trotz der bedeutenden 
Kosten sind die Preise für Logen und J. Parkett auf 75 Pfg., 
die übrigen Plätze auf 50 Pfg. ermäßigt. Bei diesem Ent—⸗ 
gegenkommen der Direktion ist sicher eine zahlreiche Beteili— 
gung zu erwarten. Da die Vorstellung pünkilich s Uhr beginnt 
ind 102. Uhr endet, ist auch den auswärligen Theaterfreunden 
Helegenheit zum Besuch dieser Vorstellung gegeben. Wegen 
Vorbereitung zu „Nanon, die Wirtin vom goldenen Lamm'‘, 
indet am Freitag keine Vorstellung statt. Für Sonnabend 
st als volkstümliche Vorstellung „Der Veilchenfresser“ angesetzt. 
b. Oeffentliche Trinkerfürsorgestelle Lübeck (Parade 1). 
Nächste Sprechstunde am Freifag, dem 7. d. M., abends 6 bis 
7 Uhr. 
b. Klub Frohsinn von 1886 wird am Sonntag, 9. Juli, 
tein diesjähriges Sommerfest wieder, wie in den Vor—⸗ 
ahren, auf der Brauerei zur Walkmühle abhalten. Nach 
den Vorbereitungen zu urteilen, hat der Vorstand keine Mühe 
und Arbeit gescheut, um ein recht abwechselungsreiches Pro⸗ 
gramm aufzustellen. Das Konzert wird in diesem Jahre 
von der Kapelle des 9. Jäger-Bataillons (Ratzeburg) unter 
Leitung ihres Dirigenten Herrn L. Bingmann ausgeführt; 
auch soll abends eine Fackel-Polonäse stattfinden. Dann 
folgt die große Schlachtmusik von Saro, wobei der große 
Garten bengalisch beleuchtet wird. 
Schles wig⸗Holste in. 
Altona, 6. Juli. Abgelehnte Eingemeindung. 
Die Gemeindevertretung in Stellingen-Langenfelde hat ben 
Fingemeindungsvertrag mit Altona mit 7 gegen 7 Stimmen 
abgelehnt. Den Ausschlag gab dabei der komm. Gemeinde— 
vorsteher Bürgermeister Anz. Die Sozialdemokraten, die 
m Prinzip für die Eingemeindung sind, lehnten den Ver—⸗ 
trag ab. weil ihre Wünsche in bezug auf den Wahlzensus 
nicht erfüllt waren. Sie wollten, daß der Zensus von 660 
Mark bestehen bleibt. Bürgermeister Anz erklärte, es werde 
niemals genehmigt werden, daß in den verschiedenen Bezirken 
ein und derselben Stadtgemeinde untereinander verschiedene 
Wahlgesetze beständen. 
Neumünster, 6. Juli. Arg gewildert wird in der 
Umgegend. Namentlich finden die Jäger Wild in Schlingen. 
Alle Bemühungen, die Täter zu fassen, waren bis jetzt ohne 
Erfolg. — Jugendliche Spitzbuben. Das Strafver— 
fahren wurde gegen zwei Lehrlinge eingeleitet, welche ihrem 
Lehrherrn fuderweise Rohmaterialien stahlen. — Eine schwer 
reprüfte Familie. In derselben Stunde, als am Diens— 
ag dem Arbeiter Lembcke sein jüngsies Kind durch den Tod ent⸗ 
lissen wurde, erstieg der 6jährige Sohn den Gittermast der 
lektrischen Leitung und stürzte, nachdem er den Draht berührt 
zatte, aus beträchtlicher Höhe ab. Der Knabe überschlug sich 
mehrmals und fiel dann schwer aufs Straßenpflaster nieder. 
Der Kleine, der schwere innerliche Verretzungen davontrug, muß 
seine Waghalsigkeit mit dem Tode büzen. 
Oldesloe, 6. Juli. Der Flieger Ellery von 
Borrissen, der am deutschen Rundfluge teilnimmt, ist be— 
eit, in Schleswig-Holstein Schaufsüge zu veranstalten. Im An—⸗ 
schluß aan die Kieler Flugwoche haben eine Anzahl Vorstände 
von Ortsgruppen des Vereins für Motorluftschiffahrt in der 
Nordmark den Wunsch geäußert, ihren Mitgliedern und Wohn⸗ 
orten gleichfalls moderne Flugzeuge vorführen zu können. Ellery 
»on Gorrissen hat nun aus Johannisthal mitgeteilt, daß er 
inter gewissen Bedingungen zu Schauflügen in der Nordmark 
»ereit ist. Seine Bedingungen beginnen mit den Worten: „Ich 
erhalte pro Stadt eine Garantie von 1000 M, wofür ich mich 
etpflichte, an dem zu bestimmenden Tage Schauflüge auszu— 
ühren bezw. bei schlechtem Wetter meinen Aufenthalt 1 vder 
Tage zu verlängern. Für Unterkunft der Maschine (Auf- 
tellung eines Zeltes), Versicherung usw. haben die Veranstalter 
also nicht der Flieger) zu sorgen. Bei Erhöhung des Betrages 
um 300 M äsorgt v. G. selbst für die Aufstellung eines Zeltes 
usw. — Man sieht, daß es nur am Gelde liegt und wir können 
Flieger sehen. — Wer da weiß, wie schwierig es war, 2850 M 
ür den Parsevalflug in Bad Oddesloe aufzubringen, wird die 
doffnung fallen lassen, 1000 bezw. 1300 Mefür einen Flugtag 
mobil zu machen. Die hiesige Ortsgruppe des Modtorluftschiff⸗ 
fahrtsvereins hat deshalb diese Anfrage des Kieler Präsidiums 
mit einem glatten „Nein“ beantworten müssen. Vielleicht hat 
der Verkehrsverein oder der Rennverein Lust. 
Bargteheide, 6. Juli. Die Ritter der Land-— 
traße werden immer frecher. Focht da ein wacrer 
Ritter bei einer Hausfrau. Die gab ihm den Rat, doch zu ar—⸗ 
beiten. „For mi is kein Arbeed dor. Ick bin in'n Sommer 
Sneeschipper un in Winter Erdarbeiter!“ 
Uetersen, 6. Juli. Einen Gaunerstreich verübten 
hier zwei Unbekannte, indem sie abends in der Dunkelheit 
auswärtige Radfahrer, die mit einem unbeleuchteten Rad 
fuhren. anhielten und sich als Schutzleute in Zivil vor— 
Lauenburg. 
2Möolln, 68. Juli. Schützen fest. Nach langem 
Kampfe gelang es vorgestern abend um 9 Uhr dem 
Agenten W. Winter, den Vogel von der Stange herunier— 
uschießen. Somit hat derselbe die Würde des Schützen⸗ 
königs für ein Jahr erlangt. Der Königsball beschloß das 
schön und harmonisch verlaufene Fest. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Grevesmühlen, 5. Juli. Meisterprüfung. Der 
Schlachter Adolf Peters aus Dassow, der Schmied Hermann 
Timmich aus Penzlin sowie der Schlosser Friedrich Duwe 
uus Grevesmühlen haben vor den zuständigen Meisterprü— 
fungskommissionen die Meisterprüfung bestanden. 
FX Rehna, 6. Zuli. Verkauft haben die Erben des 
oerstorbenen Schlossermeisters Viereck das in der Bülower Straße 
belegene Grundstück nebst einem vor dem Gletzower Tor be—⸗ 
legenen Garten an Strumpfwirker Peterssen hier für 78500 M. 
die Uebergabe erfolgte sofort. — Verschwunden ist 
eit Donnerstag abend voriger Woche ein vom Hamburger 
Waisenhause hier als Buchdruderlehrling untergebrachter Zög⸗ 
ling. Der 17 Jahre alte junge Mensch ist nach Schönberg 
geradelt, wo er noch zu einem dortigen Bekannten äußerte, 
er wolle noch nach Schlutup, um eine Schraube zum Rad 
zu holen. Von da ab fehlt jede Spur. Der junge Mensch 
ist weder im Waisenhause, noch bei sonstigen Nermandten in 
damburg eingetroffen. 
Friedpnd, 5. Juli. Die beidige Spielerei mit 
Schußwaffen, die schon für so manchen verhängnisvoll ge— 
worden ist, hat auch im Dorfe Kalkstein ein junges Menschenleben 
um Opfer gefordert. Der 25 Jahre alte Arbeiter Brüser 
besuchte seinen ebenfalls in Kalkstein wohnenden Schwager. 
Dieser hantierte mit einem Revolver, als sich dieser plötzlich ent⸗ 
sud und der Schuß den neben ihm sibenden Brüser in die Brust 
traf. Brüser, der sofort aufsprang und nach draußen eilte, 
hrach dort zusammen. Der sofort herbeigerufene Arzt ordnete 
die sofortige Ueberführung des Schwerverletzten in die Uni— 
versitätsklinik nach Greifswald an, wo er aber bald verschied 
Don unaiche SDTihßke ttoslstoe sin soeshee Maosizes 
Vermischtes. 
Ein falscher Bülow und ein falscher Morgan. In der San⸗ 
Francisco-Kirche zu Pontrenoli (Toskana), wo sich ein alt⸗ 
herühmtes Madonnenrelief von Donatello be— 
indet, wurde ein origineller Kunstraub versucht. 
Zwei distinguierte Fremde kamen per Auto an und stellten 
sich dem Rektor des Seminars, dem die Kirche untersteht, als 
Fürst Bülow und Milliardär Morgan vor. Si—es 
überredeten den Priester, ihnen gegen das Versprechen von 
30 000 Frks. und eine Anzahlung von 1000 Frks. dies Kunst⸗ 
werk abzutreten. Das von einem Tabernakel überragte köst— 
lichs Relief sollte bei Nacht durch eine Kopie ersetzt und dann 
heimlich fortgeschafft werden. Zum Glück bekamen die Be— 
hörden Wind, ehe der Raub ausgeführt wurde. Der Kano—⸗ 
nikus wurde dem Gericht übergeben, und auch dem falschen 
NRülom und Morgan ist man auf der Sour.
	        
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