Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

2ulid, gleichweit entsernt von extrem fkreihandlerischen wie 
yon extrem schutzzöllnerischen Tendenzen, infolge seiner Zu— 
ammensetzuung vorzugsweise geeignet sei, der Annäherung 
der divergierenden Interessen auch auf diesem Gebiete als 
hrlicher Makler zu dienen. 
Wenn Sie aber in der von Ihnen veranlaßten „Be—⸗ 
kanntgabe“ an alle Mitglieder unserer Niederrheinisch— 
vestfälischen Bezirksgruppe diese zum Austritt aus dem 
ßansabunde und zum Uebertritt in den neuen Verband mit 
dem Bemerken aufgesordert haben, die Leitung des Hansa⸗ 
zundes habe, im Gegensat zu dem Präsidialbe— 
chluß vom 24. November 1910, über die Stellung des 
ßundes zur Sogzialdemokratie Unklarheit obwalten lassen, 
o darf ich feststellen, daß diese Behauptung den Tatsachen 
richt entspricht. 
Ich habe in der Schlußrede auf dem Hansatage auf 
diesen einstimmigen Präsidialbeschluß vom 24. November 1910 
rusdrücklich Bezug genommen und dem noch hin— 
zugefügt, daß uns eine Welt von den Ausgangspunkten 
ind Zielen der Sozialdemokratie trenne. Daß wir als wirt— 
chaftliche Vereinigung, welche Mitglieder aller bürgerlichen 
»olitischen Parteien umfaßt, keine Stichwahlparolen aus— 
geben können, ist selbstverständlich und beruht gleichfalls 
auf einstimmigem Prälidialbeschluß. Vergessen aber haben 
Sie anscheinend bei Ihrer Kritik des Hansabundes den 
»ffiziell kundgegebenen Beschluß Ihrer konservativen Freunde, 
vonach dieselben bei Stichwahlen ihre Stellungnahme zur 
Sozialdemokratie lediglich von taktischen Gründen ihres 
Parteiinteresses abhängig gemacht, sich also eine Unter— 
tützung der Sozialdemokratie ausdrücklich vor— 
»ehalten haben. 
Hiernach steht fest, daß mit jener — durch die Sezession 
zum definitiven Ausdruck gebrachte — Schwankung, 
odie Sie und Ihre Freunde inzwischen vorgenommen haben, 
nöge sie bereits in bestimmten Abmachungen mit den in 
Betracht kommenden Parteien ihren Niederschlag gefunden 
haben oder nicht, obwohl ein Keil in die so dringend 
aötige und so schwer errungene Einigkeit des deutschen Ge— 
verbestandes getrieben, als auch ein entschiedener Gegen— 
'atz zum Programm und zu den Richtlinien des Hansabundes 
»ekundet worden ist. 
Damit scheiden sich unsere Wege grundsätz— 
ichh, da Ihr neuer Verband sich, wenn ihm überhaupt eine 
Entwicklung beschieden ist, nur in der nämlichen Richtung 
ntwickeln kann, die ihm durch den Gründungsanlaß vorgezeich— 
iet ist, also gegen den Hansabund, gegen die Politik der 
„mittleren Linie“ und gegen alle anderen Tendenzen 
als die, welche der Sezession zu Grunde liegen. 
Das Urteil darüber, ob die auch in der Folge festzu— 
haltende Richtung des Hansabundes oder die des neuen 
zerbandes und des mit diesem in Real- und Personal-Union 
tehenden Zentralverbandes deutscher Industrieller unserem 
Wirtschaftsleben zum Segen oder zum Schaden gereiche, 
iberlasse ich getrost der Zukunft. 
In vorzüglicher Hochachtung 
(gez.)) Dr. Riesser.“ 
Inland und Ausland. 
Deutsches Reich. 
Zur mieckleub rgischen Verfa suncsreform. Am Donnerstag, 
*3nn 13. d. M. findet, wie mecklenburgische Blätter melden, 
in Ständehaus zu Rostock ein Konvent der 
Ritterschaft beider Mecklenburg statt. Zur Ver—⸗ 
handlung steht als einziger Punkt die Frage der Ab⸗ 
äüinderung der Landesverfafsung beider Meck— 
en burg. Man hofft, daß lich die Führer der Ritter— 
chaft undzer dem Druck der drohenden Oktroyierung zu einer 
Aenderung ihrer bisherigen rein ablehnenden Haltung verstehen 
verden. — Die Konvente werden nicht von der Regierung, 
ondern vom engeren Ausschuß oder den Landräten einbe— 
rufen. Regelmäßig findet ein Frühjahrs- und ein dem Landtag 
»orarbeitender Herbstkonvent statt. In diesem Falle handelt 
⸗s sich aber um eine außerordentliche Tagung, die offensicht⸗ 
ich durch den bekannten, im Schoße der Regierung gefaßten 
Beschluß veranlaßt wurde. Da die einer Reform zustimmende 
Stellung der Städte feststeht, konnte man von einem all—⸗ 
gemeinen Konvent absehen. 
Abgeordneler Gleim r. Die nationalliberale Fraktion des 
»reußischen Abgeordnetenhauses hat durch den Tod ihr lang— 
tähriges Mitglied, den Vizebürgermeister von Melsungen, Ab— 
A— 
Aber dann griff ein anderer die vollen Akkorde des 
zarmoniums, das in der anderen Edee stand, erste Violine und 
Zratsche setzten ein, Fagott und Flöte tönten sanft und der 
Baß warf seine tiefen Töne dazwischen. Eine Bachsche Fuge 
aAftlang in vieltöniger Harmonie oder ein gutgeschulter Tenor 
ang zur Spinettbegleitung. 
Abwechselungsreich vergingen die Stunden. 
Die Männer blieben streng unter sich Nur Maria Halmer 
hegleitete ihren Mann und trank dann bei Frau Florchen 
Wallner ihren Nachmittagskaffee — aber in den Konzertsaal 
durfie sie auch nicht hinein. 
Wie die Frauen sich allemal zu helfen wissen, so wußten 
ie es auch in jener Zeit. Sie schlüpften gar häufig in die 
erschwiegene Rosenlaube des Gartens und hörten dem Konzert, 
»as bis in den Garten hinaus iüilang, aufmerksam zu. 
Als Doktor Halmer heute mit seinem Freunde Wallner 
in den Konzertsaal trat, waren alle schon vollzählig ver— 
ammelt und lautes Stimmengewirr schallte ihnen entgegen. 
Man begann auch nicht mit dem Musizieren, sondern 
etzte die lebhafte Debatte fort. 
Die Verhaftung Erhard Burgevis', der in diesem Kreise 
vohlbekannt, wurde eifrig durchgesprochen. 
„Ich sage euch, keiner von uns ist vor der Festung sicher! 
Auch Theodor Halmer in seiner jungen Ehe nicht,“ rief ein 
schlanker, junger. blondhaariger Mann, als die Freunde ein-— 
traten. 
„Ich am wenigsten, Fritz,“ rief ihm Halmer entgegen. 
.„Du bist doch sicher, Fritz, und hast keinen Grund zur 
Besoergnis.“ 
„Immerhin mehr als deer königliche Glockengießer Wallner, 
»ei dem die regierungsfreundlichen Gesinnungen als selbst- 
»etständlich vorausgesetzt werden,“ erwiderte Fritz seinem älteren 
Bruder Peter. „Ich habe Gelegenheit, mit vielen Menschen 
n Berührung zu kommen, dem traut man nicht so wie dir.“ 
„Uebrigens ist Gottfried Möllner zu lebenslänglicher Haft 
eanadigt worden,“ rief ein anderer dazwischen. 
(Fortsekunag folat? 
eoroneten Glerm, verloren. Der Verstorbene, der am 16. Zunt 
842 geboren war und sich vielfach im öffentlichen Leben 
ctätigt hat, vertrat seit 18889 den Wahlkreis Melsungen⸗ 
rritzlar. Dem Sohne des Verstorbenen ging folgendes Bei— 
eidstelegranmm zu: „Die Nationalliberale Fraktion des Ab— 
zeordnetenhauses trauert mit Ihnen um den Tod Ihres ver— 
hrten Vaters. Sie wird dem treuen Freunde herzliches An— 
enken bewahren. Hobrecht. Dr. Friedberg.“ 
Rheinischer Handwerkertag. Der in Steele bei Essen 
agende, von über 500 Vertretern des Handwerks besuchte 
heinische Handwerkertag nahm eine Entschließung an, 
uder die Stärkung des Handwerks in den Parlanrenten ver—⸗ 
angt wird. Jede direkte oder indirekte Unterstützung von 
zzialdemokratischen Kandidaturen, auch in den Stichwahlen, 
ei den kommenden Reichsiagswahlen wurde unbedingt abge— 
ehnt. Unter lebhaftem Beifall gab ein Vorstandsmitglied 
ie Erklärung ab, daß nach dem letzten Hansetagßge ein An— 
schluß des Handwerks an den Sansabund un— 
nöglich sei. 
Desterreich Ungarn. 
Forifschritte im Telerhonverkehr. Der Siemens E Halske— 
Aktiengesellschaft in Wien wurde von der österreichischen Re— 
ierung ein Auftrag auf das halbautomatische Telephonamt 
zollergasse in Wien erteilt. Hiermit ist der Schritt getan, 
ür Wien und somit für Oesterreich die automatische Tele— 
„honie einzuführen. Auch die Firma Ceja «E Nissel sowie die 
ryirma Berliner in Wien erhielten Aufträge. 
Portugal. 
Aus dem portugiesischen Verfassungsentwurf. Die Sonder—⸗ 
'ommission, die die Aufgabe hat, der Nationalversammlung 
einen Verfassungsentwurf vorzuschlagen, hat folgende 
Bunkte angenommen: Die Republik wird einen Prä— 
identen haben, dessen Gehalt vor der Wahl festgestellt 
vird; sie wird zwei Kammern haben, deren eine, das 
Tonseil de Municipalites, von den Munizivalräten des ganzen 
Ldandes gewählt wird. Die Minister werden sich dem Par— 
ament nicht vorzustellen haben. — In der konstituierenden 
Lersammlung verlas Magelhaes Lima den von der Sonder— 
ommission hergestellten Versassungsentwurf, dessen Bespre— 
hung demnächst beginnen wird. 
Javan 
Zufriedenheit mit dom neucen deutsch-japanischen Handels⸗ 
zertrag. Der Handelsvertrag mit Deutschland und der Ver— 
ragstarif sind jetzt in Tokio offiziell bekanntgegeben. Die 
ZIresse begrüßt einmütig und freudig die mit Deuischland 
urch gegenseitige Konzessionen erreichte Verständigung, be— 
ont die völlige Gegenseitigkeit und erwartet von 
»em Vertrag und dem Zollabkommen eine weitere Entwicklung 
»er gegenseitigen Handelsbeziehungen. Der offiziöse Kokomin 
agt, die wachsende Intimität und die Interessenge— 
neinschaft zwischen Deutschland und Japan habe den Ab— 
hluß wesentlich erleichtert, und der Vertrag sei ein Beweis 
egenseitigen Vertrauens. Asahi spricht seine Anerkennung 
ür die ernsten Bemühungen der deutschen Unterhändler aus. 
Jiji hebt hervor, daß der deutsche Vertrag Japan mehr be— 
riedige, als der englische und amerikanische, und hofft, 
daß der Reichstag seine Genehmigung dazu geben werde. 
* 
Tagesbericht 
— 
Deutscher SchuljchiffVerein. 
V Eine größere Anzahl Mitglieder des Deuischen Schul⸗ 
chijf-Vereins, die an der gestrigen Versammlung des Vereins 
n Travemünde teilgenommen hatten, waren heute Gäste des 
Zenates in Lübeck. Sie trafen mit dem Zuge 9 Uhr 44 Min. 
don Ttavemünde hier ein und wurden am Bahnhof von Herrn 
Büäürgermeister Eschenburg sowie den Herren Sena— 
oren Dr. Eschenburg, Dr. Fehling, Dr. Ver— 
nehren, Kulenkamp, Tr. Lienau und H. Evers 
mpfangen und begrüßt. In bereitstehenden Wagen wurde zu— 
ächst eine Fahrt über die Wälle, durch die Hürtertor-Allee 
nd Moltkestraße, über Marli und durch den Stadtpark zum 
zurgtor und von hier zum Rathause gemacht. Dieses 
rurde unter Führung der genannten Lerren Senatoren besich- 
igt und dann der St. Marienkirche ein Besuch abgestattet. 
nach der Besichtigung der Kunstschätze wurde den Besuchern 
in kleines Orgelkonzert geboten, das ihnen Gelegenheit gab, 
ie Klangschönheit der großen Orgel kennen zu lernen. Von der 
Magienkirche begab man sich zun Heiligen-Geisthospital 
ind nach dessen Besichtigung nach dem Hause der Schiffer— 
esellschaft, wo der Senat seinen Gästen in dem weltbe⸗ 
annten altertümlichen Schankraum ein Frühstücck bot, an dem 
uch der Protektor des Deutschen Schulschifs-Vereins, Se. Königl. 
zoheit der Großherzog von Oldenburg, teilnahm, der 
urz nach 12 Uhr im Automobil von Travemünde in der Schifser— 
resellschaft eintraf. Nach Beendigung des Frühstücks kehrten 
zie Herrschaften mit den Nachmittagszügen nach Travemünde 
zurück 
Die Ortskrankenkasse in Lübeck halte am 1. Juli 1911: 
22453 Mitglieder, gegen 20 034 im Jahre 1910. Auf Männer 
ntfielen davon 15583 (1910: 13 738), auf Frauen 6870 
1910: 6296). Erwe bsunfähig wa en am letz en Juni Männer 
21 (1910: 294) und Frauen 240 (1910: 266). Ausweis-⸗ 
cheine für Familienangehörige zur Inanspruchnahme ärzt— 
scher Behandlung wurden im Juni: 1432 (1910: 1508) erieilt. 
zlerbegeld wurde im Juni für Mitglieder in 12 Fällen, für 
Angehörige in 21 Fällen gezahlt. Uebertretungen erwerbs— 
infähiger Mitglieder gegen die satzungsmäßigen Verhaltungs- 
orschriften waren in 14 Fällen mit Strafe zu belegen. Wegen 
erspäteter Meldung zur freiwilligen Fortsetzung der Mit⸗ 
liedschaft im Anschluß an die beendete versicherungspflichtige 
zeschäftigung haben im Juni 20 Abweisungen erfolgen 
süssen. Die freiwilligen Kassenbeiträge müssen Mittwochs 
ind Donnerstags ktunlichst in den Vormittaasitun-— 
den entrichtet werden. 
Leichtathletische Wettkämpfe wurden auf Veranlassung 
der Hamburger Turnerschaft von 1816 am Sonntag zwischen 
hier Turnvereinigungen aus Hamover, Kiel, Lübeck und 
zamburg ausgetragen, und zwar von dem Turnklub Hannover, 
em Kieler Männerturnverein von 1844, der Lübeder 
Turnerschaft und der Hamburger Turnerschaft von 1816. 
Dder Städtewettkampf, wie er wegen der Zusammensetzung seiner 
Teilnehmer genannt wurde, bestand aus drei Sprung-, vien 
Wurs⸗ und zwei Laufwettkämpfen sowie einem Eilbotenlauf 
ind sollta den Beweis erbringen, welche lorgsame Pflege 
die volkstümlichen, leichtathletischen Uebungen gerade in de 
durnvereinen finden; gleichzeitig sollte er Zeugnis ablegen 
on der Leistungsfähigkeit unserer norddeutschen Wettkämpfer 
ind von den durch eifriges und andauerndes Ueben zu er— 
ielenden guten Erfolgen. Die Veranstaltung, die in Hamburg 
rattsand und zu der sich mit einer zahlreichen Zuschauermenge 
nich verschiedene Ehrengäste, wie Bürgerschaftspräsident Engel, 
Zezirkskommandeur Oberst Grünig, Major v. Eschenbach und 
5. F. Eiffe eingefunden hatten, fand nachmittags von 3 bis 
Uhr auf dem Sportplatz des Eisbahn-Vereins vor den 
Dammtor an der Rotenbaum⸗Chaussee statt. Ein um etwa 
5 Uhr einsetzender Regen beeinträchtigte allerdings einige der 
etzten Kämpfe, aber die eifrigen Turner und ein großer Teil 
»es Publikums hielten wacker stand, bis der Himmel sich wieder 
Thellte und das wegen des Regens verschobene interessante 
Stabhochspringen nachgeholt werden konnte. Im Gesamt— 
rgebnis des Zehnkampfes siegte die Hamburger Turnerschaft 
don 1816 mit 1053 Punkten. Der Turnklub Hannover er— 
eichte 9643 Punkte und der Kieler Männerturnverein wie die 
rübecher Turnerschaft je 79 Punkte. Bei den einzelnen Kämpfen 
ourden in der Reihenfolge Hannover, Kiel, Lübeck, Hamburg 
»otiert: Schleuderballwerfen 10, 4, 9, 13; Diskuswerfen 15, 
, 7, 6; Weitsprung 6, 12, 5, 13; 100-Meter-Hürdenlauf 
J. 8, 13, 8; Kugelstoßen 13, 4, 8, 11; Hochsprung 11, 10 
3, 6; 100-Meter-Lauf 1, 12, 9, 12; Stabhochsprung 98, 
L, 6, 93; Rugelschocken 11, 3, 10, 12; 500-Meter-Eilboten⸗ 
lauf 11, 7, 3, 15 Punkte. Außerdem fanden noch einige 
Zonderwettkämpfe statt, von denen der 1000-Meter-Wettlauf, 
in dem sich auch einige Sportoereine beteiligten, hervorzu— 
jeben ist. Erster wurde H. Kuhfuß vom Hamburger Fußball— 
lub von 1888, Zweiter W. Sorber von S. C. Victoria von 
895, Dritter Eric Rosenbund vom Eimsbütteler Turnverband. 
jm nächsten Jahre soll die Veranstaltung in Kiel wieder— 
solt werden. 
*Die Wasserwärme in den städtischen Bad austalien betrug 
im 3. Juli im Krähenteich 1752 Grad Celsius, auf dem Falken— 
»amm 1794.4 Grad Celsius. 
D Sirafkammer III. Sitzung vom 1. Juli. Echluß.) 
Vegen einfachen und schweren Diebstahls hat 
ich der Arbeiter Ernst Ge. zu verantworten. Der Angeklagte 
land im Mai 1911 auf dem Hochofenwerke in Arbeit und 
sewohnte in dem bei Kücknitz belegenen Junggesellenheim ge— 
neinschaftlich mit den Arbeitern Vagel und Ludwiczack ein 
zimmer. Am 12. Mai eignete er sich aus dem unverschlossenen 
S„chranke des Pagel ein dem letzteren gehöriges Jackett an. 
In demselben Tage erbrach er den Schrank des Ludwiczack und 
ignete sich aus diesem Schranke an: ein Paar Stiefel, eine 
Taschenuhr nebst Kette, ein Hemd, zwei Hosenträger, ein Vor— 
— 
iesen Sachen entfernte er sich, wurde aber bald verhaftet. Er 
bird zu einer Gesamtstrafe von 5 Monaten und 1 Woche Ge— 
ängnis verurteilt. — Wegen Diebstahls hat sich axuch 
ie Ehefrau Luise He. von hier zu verantworten. Tie Ehe— 
eute He. standen im Jahre 1911 bis 20. April bei dem Kunst- 
ärtner Vollert zu Bertramshof in Arbeit. Der Ehemann He. 
and dort auf der Hofstelle einen Schlüssel, den er so zurecht 
eilte, daß er damit das mit einem Vorhängeschlosse ver— 
chlossene Stallgebäude, in dem Voilert seine Brennholz⸗- und 
Kartoffelvorräte aufbewahrte, öffnen konnte. Zu wiederholten 
Malen haben die Eheleute He. unter Benutzung des salschen 
Schlüssels Kartoffeln aus dem Stallgebäude gestohlen, um sie 
ofort zu verzehren. Dieserhalb ist ein Strafantrag nicht ge— 
sellt. Die Angeklagte hat aber auch wiederholt mit dem 
alschen Schlüssel das Stallgebäude aufgeschlossen und je einen 
dorb mit Brennholz gestohlen. Am Miorgen des 20. April 
wischen 5 und 6 Uhr öffnete die Angeklagte mit dem falschen 
Zchlüssel wieder den Stall und eianete sich aus demselben 
37 Pfund Kartoffeln an. Sie wollte die Kartoffeln nicht im 
Zaushalte verbrauchen, sondern sie zum Pflanzen verwenden. 
Die Angeklagte ist geständig und wird zu einer Gesamtstrafe 
zon 3 Monaten und 1 Woche Geängnis verurteilt. 
- Grober Unfug. In der Nacht vom 80. Juni zum 
4. Juli d. J. ist vor dem Hause Beckergrube Nr. 2 ein 
Ischeimer aus Zinkblech, ohne Deckel, abhandengekommen 
ind vermutlich von unfugtreibenden Versonen verschleppf 
vorden. 
- Fahrraddiebstähle. In der Nacht vom Sonntag zum 
Nontag dieser Woche ist in Ratzeburg im Hotel Ratzeburger 
zchweiz ein Fahrrad, Marke „Duro“, abhandengekommen 
ind vermutlich gestohlen worden. Der Rahmen ist vorne 
eflickt. Am Rade ist ein geschmiedeter Gepäckträger. — In 
er Nacht zum 27. v. M. sind aus dem Keller eines Hauses 
Ichwartauer Allee zwei Fahrräder, ein Damen- und ein 
zerrenrad, gestohlen. Das Damenrad trägt die Erkennungs— 
ummer 12450, es hat schwarzes Gestell und Felgen, schwarz 
aicdierten Kettenschutz, Freilauf mit Rüdtrittbremse und nach 
ben gebogene Lenlstange. Das Herrenrad trägt die Marke 
Adler““ und die Erkennungsnummer 10622 und Fabrik—⸗ 
ummer 33N; es hat schwarzes Gestell und Felgen, nach 
„ben gebogene Lenkstange. Auf dem Vorder- und Hinter— 
ade befinden sich noch zwei gut erhaltene Mäntel „Con—⸗ 
mental“. — In der Zeit vom 1. bis 3. d. M. ist aus 
em Keller eines Hauses in der Königstraße ein Fahrrad 
estohlen. Das Rad ist alt, es trägt die Erkennungsnummer 
245, schwarzes Gestell und Felgen und nach oben 02 
»ogene Lenkstange. 
o- Brillantendiebstahl in Travemünde. Abhandengekommen 
ind vermutlich gestohlen sind einem am Sonnabend in 
Travemünde zugereisten Ehepaar folgende Schmuckgegen⸗ 
tände: Eine Diamantbrosche in Form einer Nadel, an wel· 
der sich 4 hängende Diamanten befinden, ein Damenring, 
er 4 Diamauten in Kleeblattform trägt, ein Damenring mit 
sRuübin und 2 Diamanten. ein Damenrina mit 2 Diamanten und 
einem Saphir. 
Hansestaãdte. 
Hamburg, 4. Juli. Gegen die Hutlanzen. Die 
Polizeiverordnung, die das Tragen ungeschützter Hutnadeln ver— 
ietet, wird jetzt energisch durchgeführt werden. In allen 
trahenbahnwagen ist durch Anschlag bekannt gemacht worden, 
aß Damen mit unverdecktten Hutnadelspiken von der Befürde— 
rung ausgeschlossen sind. 
Ein Postraub in Höhe von einer Million 
Vor dem Landgericht standen der 24jährige Postschaffner Braun 
ind der Postbote Fischer unter der Anklage des gemeinichaft 
ichen schweren Diebstahls in einem Postgebäude. Am Abend? 
es 21. Febr. d. J. gegen 11 Uhr war im Postamt J im 
Expeditionsraum der Variser Postbeutel verschwunden. Man 
ahm zunächst an, daß der Beutel wohl verkehrt geleitet sa 
Hald fand man den Beutel aber mit einer Pelerine bede⸗
	        
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