Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abendbs, Sonntags morgens) erscheinend. Bezu gs⸗ 
preis sũr das Vierteljahr 3,30 Mark einschließlich 
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teilungen 1Mk. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
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Zeilagen: Vateritädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 1014. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
heiblatt: Gesetz⸗ und verordnungsblatt RR —————————— gürstemumer Ratzeburg, Lübed und das angren⸗ 
— αWe zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlaa: Gebrüder Borchers G. m. b. H. in Lũbed. — Geichãrisitelle Adreb baus RKoniastr. 46). Ferniprecher —XRX sa. 
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Ausgabe 
GGroeße Ausgabey mMittwoch, den 18. Jannar —n. 
AbendeBlatt Nr. 32. 
von Kiderlen⸗-Wächters diplomatische Erfolge verringern oder 
hekritteln. Zum ersten Male seit langen Jahren zeigen 
deutsche Diplomaten einen eigenen Willen, der 
nicht durch das erste Hindernis gehemmt und gebrochen wird. 
dieser Wille der bleibt fest und will sein Ziel erreichen, auch 
wenn Eduard Grey unwillig die Brauen zusammenzieht und 
zerr Pichon einen kriegerischen Unterton in seinen Reden mit— 
lingen läßt. Trotz geheimer und offener Wut in Paris und 
dondon führt der ruhige Minister Sasonow mit dem deutschen 
Ztaatssekreitär seine Verhandlungen weiter, und schon jetzt 
harf man gewih sein, daß ihr Endergebnis der deutschen 
Bolitik im Orient von Nutzen sein wird. Und doch darf 
nan über die bevorstehenden Erfolge nicht das Augenmaß für 
hren Wert verlieren. Man darf sich nicht gerade wegen 
hrer Nützlichkeit zu sehr trügerischen Hoffnungen hingeben. 
Es hieße nämlich den Wert der Potsdamer Entrevue be⸗ 
jeutend überschätzen, sobald man an sie die Hoffnung knüpft, 
aß. Rußland aus der bisherigen Mächtegruppe, der es durch 
zündnisse und Entrevuen angehört, ausscheiden könnte, um 
ich den zentraleuropäischen Mächten, wenn auch nur in loser 
Berbindung, dauernd anzuschließen. Solche Hoscnung, wie sie 
nanches gelesene deutsche Blatt in diesen Tagen geäußert hat, 
nuß an ihrer inneren Unmöglichkeit zugrunde gehen. Die— 
enigen aber, die sie gehegt und in anderen erweckt haben, 
verden die schwersten Enttäuschungen erleben. Denn die 
ussische Regierung hat in ihrem Zugeständnis 
an Deutschland in bezug auf Bahnbauten in Persien vor 
allem für fich selbst gesorgt, und vielleicht auch mehr 
zewonnen als gegeben. Es läßt sich zudem gut denken, daß 
ruch durch das rührige Vorgehen eine Spannung zwischen den 
heiden Verbündeten in Mittelasien, zwischen Rußland und Eng— 
lsand, entstanden ist und noch geraume Zeit weiter bestehen 
wird. Nichts also berechtigt zu dem Schlusse, daß eine 
dauernde Lösung des Vertrages eintreten könnte. 
Damit ist denn auch zugleich der Maßstab für den Wert 
»er Potsdamer Entrevue gegeben. Eine Annäherung zwischen 
deutschland und England öst eingetreten, ohne daß ein Druck 
wischen Rußland und England erfolgt ist. — Ein Ergebnis, 
»as jeder Deutsche begrüßen muß, dessen dauerndes Bestehen 
edoch nicht nur von der deutschen Politik abhängig ist. — 
das ist aber auch ein Erfolg, der den Anhängern der Kiderlen⸗ 
schen Kandidatur für den Staatssekretärposten Recht gibt und 
die Hoffnung sicherer werden läßt, daß vielleicht wirklich 
ein neuer Kurs begonnen hat. 
Inland und Ausland. 
Deutsches Resch. 
Der Kronprinz in Delhi. Der deutsche Kronprinz be⸗ 
uchte gestern das Jamamasfid-Fort und begab sich 
dann im Automobil nach der berühmten Kutab-Minar— 
Säule. Hierauf besichtigte er das 11. Ulanen-Regimont 
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wobei er besonders dem System der Pferdegesteilung durch 
die Mannschaften seine Aufmerksamkeit schenkte. Um 10 
Uhr vormittags trat er in Begleitung des Gouverneurs 
»er United-Provinz, Sir John Bewett, der sich hier zur 
VBorbereitung der Krönungsfestlichkeiten befindet, die Fahr! 
iach dem Schiehübungsplatze bei Mirzapore an. 
Die Reichsversicherunasordnung in Gefahr? In der Diens⸗ 
agssitzung der Reichsversicherungskommission wurde zunächst 
ie Beratung zu 8 326 nochmals eröffnet. Er wurde nach 
den Beschlüssen der ersten Lesung mit zwei Zusätzen ange⸗ 
wmmen. Danach sollen diejenigen Personen, die 
das Versicherungsverhältnis freiwillig fort— 
setzen wollen, dies auch in einer niedrigeren als 
der bisherigen Lohnklasse tun können, und ferner 
sollen aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung aus— 
cheidende Mitglieder, welche innerhalb der ersten Woche nach 
dem Ausscheiden erkranken, den Anspruch auf die Kassenleistun— 
zen noch geltend machen dürfen, wenn sie gleichzeitig er— 
Jären, die Mitgliedschaft freiwillig fortsetzen zu wollen. 
Fine längere Diskussion entstand insbesondere bei der 
Besprechung der 88 340 und 341. In diesen wvird bestimmt, 
bah der Vorsitzende des Vorstandes der Orts— 
rankenkasse gewählt wird mit Mehrheit der 
Stimmen sowohl aus der Gruppe der Arbeitgeber als 
auch der Versicherten. Bei Nichteinigung der Gruppen 
wird der Vorsitzende durch das Versicherungs- 
amt bestellt. Diese Bestimmungen wurden von sozial— 
demotratischer Seite aufs heftigste bekämpft, 
sedoch von Konservativen, Zentrum und Nationalliberalen 
nach den Beschlüssen der ersten Lesung mit einigen redakß— 
tionellen Abänderungen angenommen. 
Bei der Besprechung des 8 343 wurden die 
Beratungen plötzlich abgebrochen. Dieser Para— 
gzraph nämlich will in der Regierungsvorlage den Vor— 
stand der Landkrankenkassen nicht bei den Orts— 
kassen aus einer Wahl hervorgehen lassen, sondern durch den 
Hemeindevorstand bestellen. In dieser Fassung hatte die 
Kommission den Paragraphen in erster Lesung abgelehnt. 
Nun erklärte der Staatssekretär des Innern, daß 
die ganze Reichsversicherungs- Reform ohne den 8 343 
ür die verbündeten Regierungen unannehm— 
bar sei. Er verstärkte dieses Unannehmbar durch die Er— 
klärung, daß auch nicht etwa die Verabschiedung eines Teiles 
der Vorlage in Frage kommen könne, weil die verbündeten 
Regierungen nur die ganze Reform oder keine vertreten könn— 
ten. Daraufhin blieb, weil die Mehrheit diesen Beschluß 
rus erster Lesung nicht kurzerhand umstoßen wollte, nichts 
inderes Ubrig, als die Kommissionsverhandlungen zu ver— 
tagen. Freilich ist in parlamentarischen Kreisen 
der Glaube an ein Scheitern des ganzen Werk— 
nicht slehr stark. Man trägt denn auch bis in die Reihen 
—D 
Ihrer Familie verbleiben. Und nun geben Sie mir eine Ant— 
wort, Undine, offen und ehrlich. Wollen Sie es mit mir ver— 
suchen? Wollen Sie Vertrauen zu mir haben?“ 
Der Frühlingssturm da draußen klopfte an die Scheiben 
und es war, als höre man von fern banges Flüstern, wie 
venn es leise im Riedgras raunte. 
Ueber die Tünen zog fernher auf ihren Rabenflügeln 
die Nacht. Undine mieinte, ihren bangen und schweren Flügel⸗ 
chlag schaurig zu spüren. 
Wenn sie jetzt nein sagte, dann war die Bahn für das 
Verderben frei. Wie konnte sie das dem Vater gegebene 
Versprechen besser erfüllen. als wenn sie sich selbst zum Opfer 
hrachte? 
Ihr graute vor dem Mann, der da so nachlässig, so ge—⸗ 
assen vor ihr stand und ihr gewissermaßen, weil er das Geld 
ind die Macht hatte, das Leben nahm. Sie hätte ihn schlagen 
nögen, so sehr haßte sie ihn in diesem Augenblick, und doch 
vuchs von Minute zu Minute ihr Wille, ihr leidenschaftlicher 
Wille: Ich will und mußl 
Was hatte einst ihre Mutter, ihre blasse, zarte Mutter 
gesagt, als sie so früh für immer schlafen ging? 
„Eine Nebelfrau bin ich gewesen, nichts wie eine Nebel 
frau, wie sie des Nachts über die Heide und über das Meern 
zinschreitet.“ ꝑ 
Und nun sollte auch sie eine solche stille, kalte Nebel— 
rau seiiddd 
„Nein, nein!“ schrie Undines Seele. „Ich bin jung, auch 
ch habe ein Anrecht am Leben.“ 
„Du mußt!“ rieß dumpf drohend eine Stimme. „Hüte 
dich! Du hast Pflichten, schwere, große, nie endende Pflichten!“ 
Da beugte sie tieß und ergebungsvoll ihr Haupt. 
„Und wann, Graf Randolt, wunschen Sie, daß wir unsei 
Geschäst zum Abschluß bringen?“ I 
Sie fragte es jetzt ohne Bitterkeit, und doch war es 
ihm, der sie bis dahin schweigend, wartend beobaächtet hatte 
als hätte er einen Peitschenhieb empfangen. 
„Sobald die nötigen Formalitäten erledigt sind. In vier 
bdis sechs Wochen vielleicht. Die Trauer verbietet ja jede 
Feier von selbst, die uns beiden auch nur peinlich sein 
rönnte. Erlauben Sie mir, sokort mit Ihrer Frau Großmutter 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
—TMMüD— — — — 
Umfang der heutigen Nume —— 
BBez——— ———— —⏑ ‘— —“—“,— —⏑ —“—“——— — — JMBGB:E AMDw— — 
sichtamtlicher Teil. 
Der neue Kurs in der deutschen 
auswärtigen Politik. 
Beitrag zu den deeutscherussischen Verhandlungen). 
or. Lubed, 18. Jan. 
Als Herr v. Kiderlen-Wächter im Spätsommer in die Wil⸗ 
helmstraße einzog und die Zügel unserer auswärtigen Politil 
der allzuweichen Hand des Herrn v. Schön entnahm, da konnte 
man es in mancher Zeitungsspalte lesen, daß unter der 
neuen Leitung ein neuer glüchlicherer Kurs be— 
ginnen werde. Jeder, der dies las, kdonnte sich zunächst freuen. 
Tie vielen Enttäuschungen, die wir im Laufe des Jahres 
nach solchen lauten Verkündungen erleben mußten, konnten 
schließlich auch Optimisten mißtrauisch machen. Was half!s, 
daß der neue Staatssekretär als Schüler Bismarcks bezeichnet 
wurde, daß Geist von seinem Geist in ihm leben sollte, das 
knischeidende muhte sein, daß diese Charakteristik sich auch 
wirklich durch die Tat bewährte. Deshalb warnten ver— 
stäändige Publizisten und Politiker vor Uebertreibungen und 
Vorschuß-Lorbeeren, vor Schmeichelworten und Phrasen, ehe 
die Soffnung, die auf den neuen Mann gesetzt wurde, zur 
Erfüllung gekommen war. 
Soll heute schon das Ergebnis gezogen werden aus jenen 
Chören und Gegenchören, die bei Herrn v. Kiderlens Einzug 
in Berlin die Stärke ihrer Vielstimmigkeit erprobten? Würde 
heute noch ein Wort der Warnung zur Mäßigung sich Geltung 
schasffen können angesichts des Beifalls, der dem Staaissekretär 
in der Presse wegen seines Erfolges mit Rußland zuteil 
wird? Der hetzende Ton, in dem englische und französische 
Blätter seit dem Bekanntwerden jener Verhandlungen über die 
deutsche Politik zu urteilen pflegen, ist der beste Beweis dafür 
daß der neue Staatssekretär wirklich jenen Weg der aus— 
wärtigen Politik eingeschlagen hat, den Hunderte und Tausende 
Deufnsche einstimmig verlangten und den doch seit Bismard 
lein Minister so recht finden konnte. Der Hakß, der sich heute in 
der englischen und französischen Presse gegen Deutschland äußert, 
zeigt zugleich die Furcht der Schreiber und ihrer Hintermänner. 
Die Furcht vor Deutschland ist aber heute noch eine bessere 
Friedensgarantie für uns und Europa, als papierne Ver— 
fräge oder mündliche Verständigungen, denn deren Gültigkeit 
hört auf. sobald es den Herren beliebt, sie zu zerreiken oder 
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Es wäre nun eine kleinliche Nörgelei, wenn nicht gar 
politische Unbildung und Urteilslosigkeit, wollte man Herrn 
— —— — 
— 
Die Nebelfrau. — 
Roman von Anny Wothe. B 
(11. Fortsetzung.) J Machdrud verboten.) 
„Sie müssen die Frau, um die Sie alle diese Opfer brin— 
zen, sehr geliebt haben, Graf,“ nahm Undine nach einer 
Weile das Wort, und ihre Stimme hatte einen spröden Klang. 
„Vielleicht, aber auch gehaßt.“ 
„Kann sein, Graf. Aber ein elender Handel bleibt es 
doch. Ich könnte Ihnen erwidern, daß ich Sie ob dieses 
Vorschlages verachte, daß ich mich für zu gut dünke, das 
Werkzeug Ihrer Rache, vielleicht auch Ihrer Furcht zu seen. 
Ich könnte Ihnen sagen, daß Ihr Antrag mit seinen Aus— 
sührungen mich noch tiefer in den Staub zwingt, als es das 
Schichsal ohnehin getan hat, ich könnte ja schreien und toben, 
und Ihnen ins Gesicht schlagen sür die Schmach, die Sie mir 
antun, aber ich tue nichts von alledem. Bettler, wie wir, 
die müssen stille halten, und wenn ich es auch für mich 
nicht kann, wenn ich Ihnen auch, stünde uns das Recht der 
freien Selbsibestimmung zu, hohnlachend den Rücken kehren 
würde, für die Meinen muß ich das Geschäft, wie Sie es 
nennen, in Erwägung ziehen, ich muß!“ 
Es klang wie ein Schluchzen, ein qualvoller Ausschrei, 
fo daß Graf Reimar dem bleichen Mädchen fast erschüttert 
ins Gesicht sah. 
Schlummerte unter der kühlen äußeren Hülle dennoch eine 
liefe Leidenschaftlichkeit, die ihm zu schaffen machen könnte? 
Das wäre allerdings fatal und höchst unbequem. Ruhe wollte 
ar, und dieses Mädchen, diese Undine, die ihren Namen mit 
Recht trug, sollte sie ihm sichern. Er zahlte ja dafür, und 
er zahlte einen hohen Preis. eede 
Und Undine dachte, während sie aufftöhnend ihr Antlitz 
in die weißen Hünde barg: 
Sie ist es, allmächtiger Gott, sie ist es, sie, meines 
Vaters Frau. Und sie wird ihre Künste spielen lassen, und 
fie wird ihn wieder in ihre Netze locken, und sie wird fein 
verden, um dessen willen sie meinen Vater betrog. 
„Nein!“ rief sie plötzlich ganz laut. „Niemals darf das 
Achor ah⸗n i balandinal selhen morunde gehen.“ 
Graf Reimar sah sie verständnislos an, dann aber sprach 
er mit ruhiger Bestimmtheit auf sie ein: 
„Sie dürfen sich die Sache nicht schlimmer und unge— 
geuerlicher vorstellen, als sie ist, Undine. Ich werde nur sehr 
elten im Gorlingshof zu finden sein. Meine vielen Reisen 
und meine anderen Güter nehmen mich vollauf in Anspruch, 
so daß Sie sich hier Ihr Leben ganz nach Ihren Wünschen 
und Ihrem Geschmachk einrichten böͤnnen. Bedingt es die Kon—⸗ 
»enienz, so werden wir der Welt als ein rüchtiges und 
riedliebendes Ehepaar erscheinen. In Wirklichkeit, Undine, 
vünsche ich, daß wir mit der Zeit wenigstens Freunde werden, 
iner den anderen achtend, gute Kameraden, die Vertrauen zu— 
inander haben.“ 
„Wie das so bei Geschäftsleuten Sitte ist,“ gab Undine 
itter zurüch. „Haben Sie denn nicht daran gedacht, daß 
ch vielleicht eines Tages gar nicht mehr imstande sein könnte, 
ieses Scheinleben zu führen, daß eine Zeit kommen könnte, 
vo ich mich losreißen müßte von Thnen und dem Gorlingshof, 
vo vielleicht mein eigenes Herz sprechen würde? Wenn Sie 
nuch Ihres Herzens so sicher sind, daß Sie niemals nach 
iner Frau begehren würden, wer sagt Ihnen, daß auch mein 
derz in dem Kreis der Pflichten und Sorgen, die es auf sich 
niimmt, erstarrt? Wer sagt Ihnen, dak es nicht plötlich 
ufschreit und nach Glück verlangt und trotz des „Geschäfts“ 
zlind darauf losstürmt und nimmt, wonach es fiebernd 
drängt ?“ . 
Reimar sah aufmerksam in das tief erregte Mädchengesicht 
mit den stolz flammenden Augen. Etwas wie Unruhe flog 
üͤber sein Antlitz, dann aber schüttelte er ernst den Kopf. 
„Wenn ich nicht unbedingtes Vertrauen zuxIhnen fühlte, 
Undine, dann hätte ich meinen Antrag nicht — So wie 
ch redet ein Mann nur mu einer Frau, die er hochschätzt.“ 
„Und die ihm sehr gleichzültig ist,“ ergänzte Undine, 
bitte, beschönigen Sie nichts, sondern antworten Sie mir 
ieber. Was dann?“ 
„Auch daran habe ich gedacht. Wenn Sie einst zu mir 
ommen und sagen: „Gib mich frei, ich liebe einen anderen, 
ch ertrage das Leben, so wie du es mir bieten kannst, an 
deines Seite nicht“, dann soll, ehe ein Jahr verflossen ist, 
oA2hr Weg frei sein und frotzdem der Gorlingashof Ihnen und
	        
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