Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Ausgabe M. Freitag, den 23. Juni 1911. 
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Abend⸗Blatt Kr. 312. 
Aus den Rachbargebieten. l 
Sansestãdte. 
Samburg, 23. Juni. Ein Großfeuer entstand Don⸗ 
derstag gegen Abend in dem Hause Eiffestraße 422, das in 
kurzer Zeit eine gewaltige Ausdehnung annahm und einen 
Teil des Baumwollenlagers von William Förster KCo. 
vernichtete. Drei Leute waren in diesem Stocwerk beschäftigt, 
als die Flammen plötzlich hochgingen und sich in wenigen 
Augenblicken über den ganzen Raum verbreiteten, so daß die 
Leute kaum Zeit fanden, das Treppenhaus zu erreichen. Einem 
Arbeiter, unter dessen Sänden das Feuer überraschend aus-— 
brach, sind die Haare etwas abgesengt worden. Er erzählte; 
daß er lose Putzbaumwolle mit den Händen zusammenraffen 
wollte, um sie in einem Behälter zusammenzupressen, als sie 
mit einem explosiven Gepuffe plötzlich in Flammen stand. Da 
in dem Lagerraum weder Licht gebrannt hat, noch geraucht 
werden darf, auch keine elektrische Lichtleitung vorhanden ist, 
so bleibt nur die Möglichkeit der Selbstentzündung übrig, die 
bei Baumwolle erfahrungsgemäß sehr leicht erfolgt. — 
Gleine Nadrichten) Wieder hinter Schloß 
und Riegel befindet sich der am 13. Juni aus der Friedrichs- 
berger Irrenanstalt entsprungene Einbrecher Ide. Ein Kutscher, 
der J. genau kennt, sah ihn Mittwoch auf der Veddel und 
ließ ihn verhaften. J. hat während seiner Freiheit wieder 
mehrere Einbrüche ausgeführt und dabei verschiedene Sachen 
eibeutet. Der Verhaftete ist einstweilen dem Untersuchungs- 
gefängnis zugeführt worden. — Totgefahren ist in der 
Hasselbrookstraße ein 5 Jahre altes Mädchen von einem Last⸗ 
wagen. Das Vorderrad ging dem Kinde über den Körper und 
derletzte es so schwer, daß es kurze Zeit nach seiner Einlieferung 
im Krankenhause starb. 
Schles wig⸗ Holtein. 
Altona, 23. Juni. Schwer verunglückt ist bei 
inem Nachtritt Hauptmann Bose vom Inf.Rgt. Graf Bose 
Thur.) Nr. 31. Sein Pferd trat in der Nähe des Vor—⸗ 
ortes Bahrenfeld in eine tiefe Wasserlache. Hauptmann Bose 
stürzte, trug einen Oberschenkelbruch davon und mußte 
ins Garnisonlazarett gebracht werden. 
Bargteheide, 23. Juni. Ueberfall. Zimmer—⸗ 
lehrling Otto Nüske wurde in der Jersbekerstraßze vom Schweizer 
Hans Buhmann aus Nienwohld überfallen und mit einem 
Schlagring zu Boden geschlagen. Nüske hat eine erhebliche 
Verletzung unter dem rechten Auge davongetragen. Der 
Täter ist flüchtig. 
Bad Oldesloe, 23. Juni. Abgewiesene Klage. 
Ddie Privatklage des Kapitäns z. S. Obenheimer gegen Bürger⸗ 
meister Stawitz ist unter Belastung des Privatklägers mit den 
Kosten abgewiesen worden. 
— Neumuünster, 23. Zunk. Städtische Straßen— 
reinigung und Müllabfuhr. Schon seit mehreren 
Jahren besteht sowohl in der Stadtverwaltung wie auch in 
der Einwohnerschaft und namentlich im Kreise der Haus⸗ und 
Grundeigentümer der Wunsch, daß die Straßenreinigung und 
Müllabfuhr von der Stadt übernommen wird. Wie dem 
Holst. Cour. mitgeteilt wird, sind die Vorarbeiten soweit 
gediehen, daß die Vorlagen den städtischen Kollegien noch im 
Laufe dieses Jahres zugehen werden. 
Lacenburg. 
Friedrichsruh, 23. Juni. Ein Großfseuer, das 
gestern nachmittag gegen 3 Uhr ausbrach, hat einen großen 
Teil des Friedrichsruher Tonwerks vernichtet. Sechs 
Scheunen sind niedergebrannt, das Asbestolitwerk ist einge— 
stürzt; das Kesselhaus und die Mannschaftskantine sind stark 
beschädigt. Mehrere Feuerwehren sind auf der Brandjstelle 
räãtig. 
heit oaisher tatig gewesene ommission legte emen neuen Ent⸗ 
wurf vor, der mit einer Steuer von 4 Mbei 700 M Ein—⸗ 
'ommen beginnt und mit 4 00 bei 40 000 Mäaufhört. Darüber 
yinaus erfolgt keine Steigerung mehr. Dieser Entwurf wurde 
dem Magistrat als Material überwiesen mit der Erklärung, 
daß vorläufig von der Einführung einer Gewerbesteuer abge— 
ehen und die Steuervorlage erst dann verabschiedet werden 
oll, wenn der Magistrat das Bürgerrechtsstatut vorlegt, so⸗ 
wie daß endlich die in Aussicht genommene Grundsteuer statt 
2 pro Mille 23 pro Mille des gemeinen Wertes be— 
trragen soll. 
Rostock, 23. Juni. Bismarcfeier. Bei der Mittwoch 
ibend in den Barnstorfer Anlagen gehaltenen Bismardfeier 
zielt cand. phil. Lange namens des hiesigen Studentenver— 
zandes die Festrede. An der Bismarchäule wurde ein Kranz 
tiedergelegt. Die studentischen Korporationen waren in Wichs 
nit den Bannern ihrer Verbindungen erschienen. In der Phil— 
sarmonie fand am späteren Abend ein Festkommers statt, an 
dem auch mehrere Dozenten der Landesuniversität' teilnahmen. 
— Das Ergebnisdes Rostocker Margaretentages 
zum Besten des Rostocker Alexandra⸗Pflegehauses beträgt brutto 
17 586,84 M. I 
Wismar, 23. Juni. Selbstmord. Der in cin älteres 
Mädchen verliebte 17jährige Maurerlehrling H. Göring in 
denzen erschoß sich aus Liebesgram. 
Malchin, 23. Juni. Die Maul-und Klauenseuche 
st in unserer Stadt ausgebrochen, ebenso auf dem ritter— 
chaftlichen Gute Bandelstorf, Amts Ribnitz, und in dem Do— 
nanialdorfe Tewswoos, Amts Dömitz. Erloschen ist sie 
nuf den ritterschaftlichen Gütern Fahrenholz und Irenack, Amts 
Ivenack. 
Malchow, 23. Juni. Im Zwangsverkauf erstand 
Frl. D. Steinlein das der Genossenschaft „Malchower Brau— 
zaus“ gehörige Brauereigrundstück sür 66 100 M. Da auf dem 
Frundstüch gegen 300 000 Mu Verbindlichkeiten ruhen, fallen 
nicht nur sämtlichen Aktien, sondern auch größere Hypotheken⸗ 
gelder. die bis 152000 Maägehen. aus 
Vermischtes. 
Parijser Tänzerinnen als Erben. Der in Paris jüngst ver⸗ 
torbene Graf Isaac Camondo, einer der ältesten Stamm- 
zäste der Pariser Großen Oper, hat der an diesem Institut 
engagierten Tänzerin Frau Bertrad eine halbe Million in 
bar hinterlassen, außerdem eine Jahresrente von 60 000 Frks. 
und jedem ihrer drei Söhne drei Mill. Frkis. Andere Tänze- 
rinnen, von denen einige im Testament nur mit Vornamen an— 
zeführt sind, erhalten zusammen eine Viertelmillion. 
Im Ballettkorps der Großen Oper herrscht Jubel, weil die 
jo reich bedachten Tänzerinnen namhafte Geschenke an ihre 
nicht bedachten Kolleginnen verteilen. 
Prin eisin Klothisde Bonaparte auf dem Sterbebette. Aus 
Rom meldet der B. L.“A.: Der Gesundheitszustand der 
Brinzessin Klothilde gibt zu den schlämmsten Besorgnissen An— 
aß. Umgeben von der gesamten Familie, erhielt die Prin— 
essin vorgestern abend die letzte Oelung. Ihre Unterredung 
nit dem Prinzen Viktor Napoleon und dessen Gemahlin war 
ehr bewegt. In den verschiedenen Kirchen von Turin wurden 
n den Abendstunden Messen für die Genesung der Prinzesssin 
Zlothilde gelesen. Um 11Uhr nachts telephonierte man aus 
dem Schlosse Moncalieri, daß der Zussand der Prinzessin Klo—⸗ 
thilde derart geworden wäre, daß die Aerzte eine Kasastrophe 
für unmittelbar bevorstehend halten. In der Umgebung der 
Kranken befanden sich abends Prinz Viktor Napoleon, die 
Königin Marghuerita von Jalien, Königin Maria Pia von 
Portugal, die vorges“ein nachmiaz angekommen ist, Prinzessir 
Lätitkia und der Beichtvater Monsignore Masera. 
Unfreiw Ulie Tauchübung eines Untereebeotes. Der B. 
d.A. meldet aus Paris: Infolge eines bei einer Befehls—⸗ 
ibermittelung von einem Mairosen begangenen Irrtums sank 
»as Unlerseeboote, Argonaute“, das neulich noch einen Rekord 
»er Tauchdauer aufgestellt hatte, auf der Reede von Toulon 
hei Ausführung von Torpedolanzierübungen in 17 m Wasser⸗ 
tiefe. Nach einiger Zeit gelang es, dank der Kaliblütigkeit von 
tommandant und Mannschaft, das Boot wiceder an die Ober. 
läche zu bringen. Das Torpedoboot, welches das Unter— 
eebot zu seiner größeren Sicherheit begleitete, hatte bereits 
ie Unierseebooisstation von Toulon benachrichtigt, daß sich 
ein Ufall zuzel ragen kabe. 
der europäische Rundflug. 
Von den achtzehn Teilnehmern, die Mittwoch die Strecke 
düttich-Spa und zurück antraten, konnten nur neun als er— 
olgreich in die Listen eingetragen werden. Zwei Luftschiffer 
litten mit ihren Apparaten cinen Unfall, sie selbst blieben 
iber unverletzt. Der Flieger Amerigo, der sich veriert hatte 
ind an der deutschen Grenze bei Eupen gelandet war, hat die 
Rückkehr nach Lüttich angetreten, wo er um 34 Uhr eintraf. 
Alle Teilnehmer am Rundfluge beklagen sich über das System 
er Wegweiser. Dieses sei durchaus ungenügend. Die Luft- 
chiffer hätten nicht genügend Erfahrung, um sich nach dem 
Kompaß zu richten; es mülstte daher ein neues System erdacht 
verden, um die Luftschiffer vor Verirrungen zu bewahren. 
Lüttich, 23. Juni. Der Flug über die dritte Strecke des 
vesteuropäischen Rundfluges, Lüttich- Utrecht (197 km), 
begann Donnerstag früh um 8 Uhr vom Flugplatz in Ans aus. 
Die Luftfahrer flogen in Abständen von 3 Minuten ab. Der 
Fliege Amerigo stürzte mit se nem Flugdrachen und wurde 
—AXI 
Eingegangene Bücher. 
Reliefkarte von Obersteiermark, Graz, Landesver- 
band für Fremdenverkehr in Steiermark. 
Das neue Zivilprozeß-Verfahren vor dem Amts- 
gericht, zur Verwendung für Kaufleute, Gewerbetreibende 
und sonstige Personen von R. Burgemeister. Berlin. S. L. 
ESchwarz K Co. J —— 
Der Rechtsfreund von A. Feige. Breslau, J. N. Kerns. 
Der Mann von Fünfundvierzig von H. O. Mosum. 
Leipzig. Verlag Georg Wigand. 3 M. 
Lieb Vaterland, der Lebensfreude 6. Band. Sprüche und 
Gedichte. Köln, P. J. Tonger. 
Figurenzeichnen von C. Hoffmann, H. 3/4. Ravensburg, 
Otto Maier. 
Netzzeichnen, Heft 2, von C. Hoffmann. Ravensburg, Otto 
Maier. 
Dder Trinker, Roman von Katarina Botzky. München, Al- 
bert Langen. 
Flüchtlhin ge, Novellen von Benno Frank. München, Al⸗ 
bert Langen. 
Blaose, der Gymnasiast, Crzählung von Ph. Mounier. 
München, Albert Langen. 
Die Heilung der gichtisch-rheumatischen Erkran« 
kungen von D. Kittel. Berlin W. 15, Kleine & Stopf. 
Sportnachrichten. 
Roͤnnen zu Paris-Vwis de Boulegꝛe, 22. Juni. Prix de 
socquencourt. La Grave (J. Jennings) 1. La Becasse 
Bellhouse) 2. Le Loup (J. Reiff) 3. Tot.: 69:10. Platz 28, 
23:10. — Sandikap Limite. Badajioz (M. Barat) 1. 
Gros Papa (N. Turner) 2. Kildate II (J. Reiff) 3. Tot.: 
26: 10. Platz 19, 13, 24: 10. 
Rennen zu Newcastle, 21. Juni. Northumberland Plate. 
Billo (Saxby) 1. Kilbroney (Walt. Griggs) 2. Cardinal 
Beaufort (F. Wootton) 3. Wetten: 8:1, 7:2. 31 
Großherzogtuümer Medlenbura. 
Schwerin, 23. Juni. Im Bürgerausschuß wurde 
die Steuerfrage wesentlich gefördert. Die in dieser Angelegen— 
I 
— Rö——2—2—244442—— 
Für unsere Frauen. 
Was die Mode bringt. 
Pariser Brief. 
Fem. Die moderne Frau gibt dem Mann an Sport⸗ 
eifer nichts nach. Genau wie bei dem Mann unterscheidet 
man bei der Frau zwischen Beruf- und Amateursportlerin, 
und es gibt eine gar stattliche Anzahl sog. „Rekordfrauen“, 
Siegerinnen, deren Leistungen und Namen in Sportkreisen 
Weltruf genießen. Da ist vor allem die göttliche Sarah 
Bernhard bekannt als vorzügliche Schützin, die beim Scheiben⸗ 
schießen unfehlbar ins Zentrum trifft. Frau Curie ist eine 
leidenschaftliche Radlerin. Datßß Frauen als Schwimmerinnen 
Ausgezeichnetes leisten, hat die Australierin Miß Kellermann 
bewiesen, als sie den Aermelkanal zu durchschwimmen suchte. 
Wir haben berühmte Autlerinnen und Aviatikerinnen und 
besonders in Frankreich Frauen als Rennstallbesitzerinnen, 
die bewundernswert die hohe Schule reiten. Die Leistungen 
der Frau als Distanzgeherin werden nicht unterschätzt, auch 
bei Bergbesteigungen kommt ihr die Geschicklichkeit ihres 
Leibes sehr zu statten, ebenso beim Tourenrudern, Tennis⸗ 
und Hodenyspiel, beim Ski- und Schlittschuhlauf. 
Aber die Frauensportkleidung ist nicht immer einwandfrei. 
Man sieht Frauen rudern in Spitzenblusen mit wallenden Pleu—⸗ 
reusen auf den kecken Turbanhütchen, man sieht sie in schmalen 
Stiefeletten mit hohen Louis XV.Absätzen radeln, und weil 
es an der Frauenkleidung zu bessern gibt, gibt es auch immer 
vieder Neuerungen. 
Schon die Unterkleidung sollte nach hygienischen Grund⸗ 
rätzen gewählt sein und jegliche Bewegungsfreiheit gestatten. Leicht 
seidene oder gewirkte Combinations, daruüber einen Rock⸗ und 
Hosenhalter, der die Brust frei läßt und der zu gleicher Zeit den 
Strumpfhalter darstellt. Die einschnürenden Strumpfbänder 
können, weil sie die Blutzirkulation hemmen, bei sportlichen Uebun— 
gen störend werden. Die üblichen weiten Turnhosen vervollstän— 
oigen die Unterkleidung; sie werden, wenn das Sportkostüm selbst 
Hosen aufweist, durch dünne Reformbeinkleider ersetzt. Für 
Damen, die Herrensitz reiten, hat man elegante Reithosen aus 
gestrickter, weicher, scwwarzer Wolle, oben mit angestricktem Mieder. 
Die Hosen erweitern sich nach der Mitte zu, verengern sich wieder 
aachh unten und liegen am Bein eng an. Sit und Knieteile lind 
mit Hirschleder unterlegt. Farbige Lederwesten mit Seiden— 
ärmeln werden dazu getragen und Hüte aus Strohgeflecht, schwarze 
Filzdreimaster mit weißem Vorstoß oder kleine steife Filzhüte. 
Die fashionable Sportlerin vird neben dem Reitkostüm ein 
Jagd⸗, Jacht- und Bergsteigekostum haben. Das Jagd- und 
Bergsteigekostüm ist meist aus Loden mit Blendenverzierung, die 
zergsteigekostüme heuer aus englischem Stoff, groß kariert. Dazu 
ommt ein konfektionierter Hut aus gleichem Material. Die Röcke 
verden seitlich geknöpft und können bei plötzlichem Regen als 
zelerine benutzt werden; man trägt eine Bergsteighose gus gleichem 
ztoff darunter. Die Radlerin hevorzugt den geteilten Rock. Ein 
Matrosenkleid in Kieler Form oder ein Kostüm aus Schilfleinen 
tellen das Jachtkostüum dar. Die Herrensportmütze in dunkelblau 
nit schwarzem Schirm ist nicht mehr Favorit, der kleidsame 
züdwester hat sie verdrängt und die Sportmütze. Riesig 
riginell als Mütze wirkt eine Kombination von Strohgeflecht 
ind Seidentuch. Das etwas gewöloöte glatte Strohgeflecht 
ilt als eigentliche Kopfbedeckhung, das Seidentuch umspannt 
ind verhüllt den tiefen Haarknoten, es wird über der Stirn 
urch das Strohgeflecht gezogen und verknotet. Eine andere 
rederkappe, zum Autodreß passend, legt sich wie ein Visier 
im den ganzen Kopf und hat einen angeschnittenen ledernen 
halskragen, am Hinterkopf hat die Kappe einen kreisrunden 
lusschnitt, der einem Nackenschleier aus Seidenmousseline ge— 
tattet, daraus hervorzuquillen. 
Zum Ruderdreß gehört der dunkle geteilte Rock und ein 
zeller Sweater. Ueberhaupt erfreuen sich gewirkte Kostüme 
Sommer und Winter glecch großer Beliebtheit. Rock, Jacke 
ind Mütze übereinstimmend weiß, grün und hochrot. Bei sport⸗ 
ichen Vereinigungen, wo Damen zu gleicher Zeit in der Mehr⸗ 
ahl auftreten, sollte auf eine einheitliche, einfache und prak⸗ 
ische Kleidung gehalten werden. 
Das gilt auch für das Badekostüm. Schwimmerinnen 
ragen glatte Badetrikots, während der Saison begünstigt die 
legante Tame aber recht komplizierte Badekostüme mit seide⸗ 
ien Ueberwürfen, meistens in zwei verschiedenen Farben ge— 
zalten. Für starke Damen gibt es Trikotbüstenhalter, unter 
»em Badekostüm zu tragen. Neu ist ein aus zwei Teilen be— 
tehendes, gesundheitliches Badekostüm, eine kleine Herrenbade⸗ 
ose und ein Büstenhalter. Das Kostüm läßt den Magen frei 
ind das lärkende Walser bat somu wiel mebe Zutritt zum 
— —— — —⏑ ⏑⏑ ——— 
Körper. Der zur Sportkleidung gehörende Mantel wird gan 
weit geschnitten. G. K. 
* * * e 
Der Sprung auf die Bretter. 
Die jüngst getagte Versammlung der Schauspielerinnen dedte 
o manche Wunde auf, an der dieser Stand krankt und woran 
so manche Existenz schon zugrunde ging. Das Durchschnittsein— 
'ommen der Schauspielerinnen, das nicht den Minimalbedarf 
»echt, die nicht zu befriedigenden Forderungen an Toiletten- 
wfwand sind wohl die Krebsschäden. Wie sie tilgen? Es 
rurden Reformvorschläge aller Art gemacht — und manches 
jat sich auch zum Besseren verwirklicht —, aber all die 
»mpfohlenen und getroffenen Maßregeln erreichen doch schlien—⸗ 
ich nichts weiter, als das viele Elend zu mildern und da und 
dort in einzelnen Fällen zu helfen. In einem interessanten, 
m neuesten Heft des Bühnenvereins ,Die deutssche Bühne“ 
eschienenen Aufsatz „Die Schauspielerin“ kommt Julius Bittner 
u dem einzig wahren und wirklich helfenden Mittel, das 
»urchgreifende Abhilfe zu schaffen imstande ist. Was die Schau⸗ 
pielerinnen und Schauspieler, so süuührt er aus, heute 
zum ersten notwendig hätten, wäre die Rettung vor der maß— 
ind sinnlosen Ueberproduktion. Sie hätten sich unablässig in 
Wort und Schrift, durch persönliche Ueberredung, Anführung 
yon Beispielen um die unbelehrte, mißleitete Jugend zu be— 
nühen. Sie hätten im Interesse der Kunst die Pflicht, vor dem 
Stande zu warnen. Sie hätten dort die Dornen zu zeigen, 
wo das Geschäft des Theateragenten eine rosige Fata Morgana 
malt. Sie mögen immerhin als lebende Menschen für ihre 
Lebensrechte kämpfen, hätten aber die schwere Pflicht, künftige 
ßenerationen zu warnen. Was drängt sich da ein heller 
Strom von Mädchen zum Theater! Tumme Tanten, vergaffte 
Bengel reden ihnen ein, sie seien geschaffen für den Sprung 
in das lichte Meer des Ruhmes, Agenten hätscheln den Un— 
iinn, der und jener Direktor sucht sich das hübsche Gesicht als 
Augenweide für seine Bretter. Dann aber kommt die Brücken⸗ 
vehr, da sich der Strom teilt und drei Viertel in die 
Pfütze des Elends gehen, während ein Mühlgang unter die 
kRäder der Theatermühle zieht, wo das verwelkte Geschöpf 
im tragischen Beruf einer „komischen Alten“ versinkt. Am 
Ifer stehen die Berge der Kunst, ewig, und nur wer Flüge 
hat, Jann fie erreichen. ⸗d.
	        
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