Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

9 J 824 8 0— 4 —* 9 0 F 2 — 2 m 
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25 8 5* 
Sonntag, den 18. Juni 1911. 
— 
Aus den Nachbargebieten. 
Schleswig⸗ Holstein. 
Altona; 17. Juni. Zum Direktor der Dia— 
konissenanstalt hierselbst und des Krüppelheims „Alten 
Eichen“ in Stellingen gewählt worden ist an Stelle des in 
den Ruhestand tretenden Pastors D. Schäfer 
Pastor Hoffmann in Nieder-Ebersbach i. S. 
— Verhaftung eines Mädchenhändlers? Ein 
Schlosser aus Buenos Aires, der dort Frau und Kinder zurückge⸗ 
iassen hat, hielt sich seit mehreren Wochen hier ohne Beschäfti- 
qung auf. Er knupfte Verhältnisse mit jungen Mädchen an, 
Jab sich als unverheiratet aus und versprach, sie zu ehelichen, 
alls sie ihm nach Sũdamerika folgen würden. Eine Altongaerin 
rklärte sich dazu bereit; die Schiffskarte war bereits gelöst, und 
ie Reise sollte in wenigen Tagen angetreten werden, als ein an⸗ 
eres Mädchen, das ebenfalls mit dem Schlosser in Verbindung 
tand, von der Sache erfuhr. Dieses erstattete sofort bei der 
Kriminalpolizei Anzeige, worauf der Schlosser wegen des drin⸗ 
genden Verdachts, Mädchenhandel zu treiben, verhaftet wurde. 
Flensburg, 17. Juni. In der Stadtkollegien-— 
itzung teilte der Vorsitzende zunächst mit, daß der Zuschlag 
hon 100 v. H. zur Reichswertzuwachssteuer die regierungsseitige 
Henehmigung gefunden habe. Der bestehende Pachtvertrag mit 
der Flensburg⸗Stettiner Dampsfschiffahrts-Gesellschaft wurde auf 
weitere 5 Jahre verlängert mit dem Vorbehalt, daß die Gesell— 
chaft den Bodenbelag des Bollwerks ihrer Anlegestelle in Zukunft 
elbst zu unterhalten hat. Die Vorlage der Straßenbahnkom⸗ 
nission betr. Einführung eines Zonentarifs für den erweiterten 
Straßenbahnbetrieb wurde genehmigt. Ferner wurde u. a. als 
Beitrag für die Ueberschwemmten im badischen Frankenland 500 
Mark als Unterstützung genehmigt. — Verhafteter Hoch— 
tapler. In einem hiesigen ersten Hotel wurde Freitag ein 
Mann verhaftet, der seit vierzehn Tagen dort wohnte und sich 
Rechtsanwalt Hoffmann nannte. Es handelt sich angeblich um 
einen Hochstapler Niemann, der aus Hamburg gebürtig ist. Er 
oll, obwohl er verheiratet ist, in Pforzheim einem Mädchen 
die Ehe versprochen und ihr 6000 Miabgeschwindelt haben. 
Elmshorn, 17. Juni. Infolge Schweinepest kre⸗ 
pierten den hiesigen Schweinemästern Cordts und Kölling von 
300 aus Hanmover bezogenen Futterschweinen in drei Wochen 
200 Stück. Da die Seuche am vierten Tage nach Erhalt der 
diere, also noch in der zwölftägigen gesetzlichen Garantiezeit, 
festgestellt wurde, trifft den Liefenanten der auf 10000 M 
zeschätzte Schaden. — Erloschen ist die Schweinepest unter dem 
Viehbestande des Schweinemästers Wilh. Sell. 
Lauenburg. 
R. Ratzeburg, 17. Juni. Personalnachrichten. 
Ddem Kreisarzt Dr. med. Rohwedder ist der Charakter als 
Medizinalrat verliehen worden. — Geh. Kirchenrat Valentiner, 
Zusum, welcher als Superintendent in Aussicht genommen ist, 
wird am 11. Juli hier seine Aufstellungspredigt halten. 
Großherzogtiemer Medlenburg. 
Schwerin, 17. Juni. Das Großherzogspäaar ist 
zestern von hier über Hamburg zur Teilnahme an den Krönungs- 
feierlichkeitan nach England abgereist. In Cuxhaven hat 
das Großherzogspaar den Dampfer „Cleveland“ zur Ueber⸗ 
sahrt bestiegen. — Die Großßherzogin Marie reiste 
gestern vormittag zu einem vierwöchigen Kuraufenthalt nach 
Wildbad ab. Die Frau Grobherzogin von Olden— 
»urg gab der hohen Frau das Geleite von Rabensteinfeld 
zuum Bahnhof. — Die Feier des 7s80jährigen Be— 
tehens der Stadt Schwerin ist jetzt von der Jubiläums- 
Zommitte in ihren Einzelzügen programmäßig festgelegt worden. 
Als Einleitung des Festes findet am Vorabend, Freitag, den 
7. Juli, abends 9 Uhr, ein Konzert auf in der Mitte des 
Pfaffenteiches verankerten Kähnen statt, dem sich um 93 Uhr 
eine Illumination der Böschung des Pfaffenteiches anschließt. 
Sonnabend, den 8. Juli: Vorm. 102 Uhr: Festgottesdienst 
im Dom und in der katholischen St. Annenkirche, sowie Hinweis 
auf die Feier in der Synagoge. 12 Uhr: Konzert und Festrede 
auf dem Marktplatz. Abends 82 Uhr: Facdelzug mit Serenade 
der vereinigten Männergesangvereine. Sonntag, den 9. Juli: 
Abends Kommers und Vorführung alter mecklenburgischer 
Tänze, sowie Prolog und Vorträge in den Stadthallen. — 
Entwichen ist aus dem Gefängnis der Bäckergeselle Walter 
Iwanter aus Magdeburg, der sich hier in Untersuchungshaft 
defand. 
Wismar, 17. Juni. Ein roher Kapitän. Wie 
die Greifswalder Ztg. meldet, warf bei Saßnitz Kapitän 
Harder, Wismar, als er von seinem Schiffsjungen 
ßuUber von Land an Bord gebracht werden sollte, den 
Jungen, der das Boot nicht richtig steuerte, ins Wasser, 
nachdem er ihn durch Schläge mit dem Ruder an den Kopf— 
chwer verletzt hatte. Auf die Hilferufe des Jungen entsandte 
der wachthabende Offizier von S. M. S. „Hansa“ einen 
Kutter, dem es gelang, den Jungen aufzufischen und an 
Bord der „Hansa“ zu bringen, wo er verbunden wurde. 
Oer Kapitän der „Hansa“ erstattete Bericht an das Seeamt 
n Hamburg. 
Schönberg, 17. Juni. Personalnachricht. An 
ZStelle des Realschullehress Wesemann, der zu Johannis 
die Pfarre in Wokuhl übernimmt, tritt Kandidat der 
Theologie Bingel, Griesheim (Württemberg). — GErfin— 
d ng. Domatenpächter Vidal in Hof Seimsdorf dat ein 
zweiteiliges federndes Hufeisen erfunden, worauf der Muster⸗ 
chutz bereits erteilt und das Patent angemeldet ist. — 
die Jagdauf Rehböde ist eröffnet Es wurden bereits 
nehrere Böde erlegt. — Gefangen gesetzt. Der sted⸗ 
hrieflich verfolgte Arbeiter Lehmbecker, —* an dem schweren 
Einbruch in Grieben beteiligt ist, wurde von Ratzeburg 
aus beim hiesigen Amtsgericht eingeliefert. 
Oderweigerung sogenannter Streikarbeit 
berechtigt zu sofortiger Entlafsung. 
Zwei Urteile von Gewerbegerichten aus neuester Zeit haben 
Ibereinstimmend dahin entschleden, dah die Verweigerung über⸗ 
tragener Arbeiten seitens der Arbeiterschaft lediglich aus dem 
ze die Arbeiten als sogenannte Streilarbeit anzu⸗ 
eben sei, vechtlich wicht statthaft ist und daß die beharrliche 
Verwelgerung dem Arbeitgeber das Recht gibt, die Arbeiter 
solchem Falle ohne Kundigungsfrist sofort zu entlassen. 
zs handelte sich um folgenden Sachverhalt: Bei einer Firma 
n Hamburg-Ollensen waren zwei Maschinenbauer ohne Ein⸗ 
altung der 14tägigen Kündigungsfrist entlassen worden, weil 
e sich weigerten, sogenannte Streikarbeit zu verrichten. Die 
jirma hatte den Arbeitern außerdem den verdienten Lohn 
n Söhe von 19,40 bezw. 10,12 Mieinbehalten. Die Klage 
ichtete sich auf Auszahlung des einbehaltenen Lohnes und 
entschädigung für die kündigungslose Entlafsung. Tas Ge— 
»erbegericht Altona verurteilte am 23. September v. J. die 
rirma, den einbehaltenen Lohn auszubezahlen, dagegen wurden 
e Kläger mit ihrem weitergehenden Anspruch abgewiesen, 
a eine beharrliche Verweigerung der Arbeit vorliege, wenn 
ztreikarbeit zurückgewiesen werde. In demselben Sinne er—⸗ 
innte das Gewerbericht Mülhausen im Elsaß in einer Klage 
on Ringspinnerinnen, welche ohne Einhaltung der Kundigungs⸗ 
rist entlassen waren, weil sie sich weigerten, die Arbeit einer 
nderen Berufsgruppe zu verrichten. Der Anspruch auf Zah— 
ing des Lohnes für die Kündigungsfrist wurde abgewiesen, 
agegen hielt das Gericht auch hier die Einbehaltung von 
-trafgeldern für unzulässig. Diese Gerichte sind bei Beurteilung 
er Rechislage übereinstimmend von folgenden Gesichtspunkten 
usgegangen: Die Arbeiter sind gemäß 8 121 der Gewerbe— 
rdnung verpflichtet, den Anordnungen der Arbeitgeber be— 
reffend die ihnen übertragenen Arbeiten Folge zu leisten, 
nd der Arbeitgeber ist nach ß 128 der Gewerbeordnung be— 
echtigt, die Arbeiter vor Ablauf der vertragsmäbigen Zeit 
nd ohne Aufkündigung zu entlassen, wenn sie den nach dem 
Irbei!svertrage ihnen cbliegenden Verpf ichtungen nachzukom— 
ren sich beharrlich weigern. Neben der Strafe der sofortigen 
entlassung wegen Verweigerung übertragener Arbeit steht dem 
rbeitgeber aber nicht das Recht zu, gemäß 8 124b bezw. 
34 den Lohn bis zur Höhe des Wochenlohnes einzubehalten 
ezw. die Einbehaltung für diesen Fall auszuhedingen. 
Ser deutsche Rundflug 1911. 
Die Zeiten im Flug Schwerin —, Samburg. 
Eine Zusammenstellung der Zeiten, die für die Zurücklegung 
zer Etappe Schwerin—Hamburg gebraucht wurden, gibt 
olgendes Bild: 
Bruno Büchner, Donnerstag morgen 4 Uhr 8 Min. 
1 Schwerin gestartet und 6 Uhr 29 Min. auf dem Flugplatze 
uhlsbüttel gelandet, gebrauchte 2 Stunden 21 Min. 
Otto Erik Lindpaintner, Donnerstag morgen 4 Uhr 
Min. in Schwerin gestartet und 1 Uhr 12 Min. auf dem 
zlugplatze Fuhlsbüttel gelandet, gebrauchte 6 Stunden 8 Min. 
Benno König, Donnerstag abend 7 Uhr 25 Min. in 
z„chwerin gestartet, und Freitag morgen 5 Uhr 285 Min. auf 
zem Flugplatze Fuhlsbüttel gelandet, gebrauchte 10 Stunden. 
Eugen Wiencziers, Donnerstag morgen 4 Uhr 1 Min. 
n Schwerin gestartet, mußte bekanntlich seinen Flug in Kirch⸗ 
einbek unterbrechen, da sein Apparat bei dem Versuch, nach 
iner Zwischenladung den Flug fortzusetzen, Beschädigungen er— 
itt. Er stieg gestern abend um 7 Uhr 44 Min. auf, um die 
Ztrecke zu komplettieren, überflog das Ziel des Flugplatzes um 
„Uhr 9 Min. und landete nach einem weiteren Schaufluge, der 
zewertet wurde, um 8 Uhr 19 Min. War also insgesamt 
35 Minuten geflogen. 
Breise. 
Ailgemeine WPassagier⸗ Höðhen⸗ 
Preise Preise Preise 
)Rtito E. Lindpaininer... 1369 M. 750 M. 1000 AM. 
zenno König...... 16149 750 — 
ugen Wiencziers.. 888 500. 
dobert Thelen... 2 
lery v. Gorissen... 747 
zruno Böchner 10 
zaul Se wandt......- 146, 
cheodor Schauenburg.. 249, 
Ellery v. Gorissen flog fünfmal, davon war ein Passa⸗ 
zierflug. Gesamtzeit 24 Min. 
Otto E. Lindpaintner szweimal, zwei Passagierflüge. 
Hesamtzeit 44 Min. 
Benno König fuünfmal, vier Passagierflüge. Gesamtzeit 
33 Min. F 
Robert Thelen viermal. Gesamtzeit 36 Min. 
fFugen Wiencziers zweimal. Gesamtzeit 22 Min. 
Paul Schwandt zweimal. Gesamtzeit 18 Min. 
Bruno Büchner einmal 23 Minuten mit Passagier. 
Theodor Schauenburg einmal 8 Minuten mit Passagier. 
Besserung im Befinden Müllers. 
W. Wagdeburg, 16. Juni. Ueber das Befinden des bei der 
dandung in Magdeburg verunglückten Fliegers Müller erklärte 
er behandelnde Arzt im Altstädtischen Krankenhause, daß im 
gefinden Müllers eine leichte Besserung zu verzeichnen ist; er 
at zuweilen klare Augenblicke, liegt aber den größten Teil des 
dages noch in tiefer Benommenheit. Puls und Atmung 
deben zu Besorgnissen keinen Anlaß. 
Der Start in Hamburg. 
W. Hamburg, 17. Juni, Bei herrlichen Wetter star—⸗ 
eten zur Etappe von Hamburg nach Kiel heute morgen 
uerst Büchner; Lindpaintner und Wiencziers, und 
war *n. 4 Uhr zuerst Büchner mit Lt. Steffen, um 
Uhr 5 Min. Lindpaintner mit Lt. Hailer und Eugen 
VBiencziers ohne Passagier um a4 Uhr 8 Min. Um 4 Uhr 
Minuten folgte Schauenburg mit seinem Mechaniker. 
Im 5 Uhr 4 Min. startete Laitsch mit Kapitänlt. Hor mel 
ls Passagier. 
Gelandet sind um 4 Uhr 55 Min. Wienchlers in 
tiel, um 4 Uhr 57 Min. Lindpaintner und um 6 Uhr 
3 Min. Buchner. 
Weiter starteten um 5 Uhr 26 Min. Thelen, um 8 Uhr 
9 Min. Lt. Jahnow auf einem Harlaneindecker und um 
; Uhr 1 Min. Dr. Wittenstéein mit Lt, z. S. Lansfeld 
als Passagier. J 
Paul Lange, Glary von Gorissen und Benno 
ödnig werden heute nachmtttag oder gegen Abend starten. 
Offiꝛielle Zeiten des Starts. 
W. BGamburga⸗ 17. Juni. Um 4 Uhr fruh erfolate der Start 
um deutschen Rundflug. Büchner flog punkt 4 Uhr als 
Füsterab, Lindpaintner folgte 4 Uhr Min. Wtencziers 
uhr 3 Min, Schauenburg 4 Uhr 9 Min., Laitsch 
z Uhr 4 Min, Thelen b Uhr 25 Min, Jahno w 5 Uhn 
29 Min. und Dr. Wittenstein 6 Uhr 1 Min. 
Der Flieger Laitsch im Graben. 
W. Hamburg, 17. Juni. Wie der Begleiter des Fliegers 
Laitfssch. Kapitänlt. Serlem, aus Elmshorn mitteilt, mußte 
Laitsch, der, wie vermutet. den Weg über Pinneberg, Elms⸗ 
vorn, an der Bahnlinie entlang nach Kiel zu fliegen ver— 
uchte, etwa 10 kmvon Elmshorn bei Offenrieth eine 
Zwischenlandung vornehmen. Beim Wiederaufstieg ge— 
let er mit seinem Apparat in einen Graben, den er vorher 
richt bemerkt hatte. Dabei wurde der Propeller, das 
Fahrgestell und das Sdhensteuer zertrümmert. 
ẽin Auto der Luftverkehrsgesellschaft ist zur Hilfeleistung ab⸗ 
regangen. J 
König, Lange und von Gorissen werden voraus— 
eichtlich heute abend gegen 6 Uhr starten. 
Die Ankunft in Kiel. 
W. Kiel, 17. Juni. Als Erster landete heute morgen 
Wiencziers um 4 Uhr 55 Min. auf dem hiesigen Flug⸗ 
latze, wo sich der Prinzund die Prinzessin Heinrich 
»on Preußen und eine Ungeheure Zuschauermenge 
ingefunden hatten. Wienczdie rs ging unter dem Jubel 
der Menge nieder, nachdem er einen großen Bogen über das 
Feld beschrieben hatte. 2 Minuten später folgte Lindpaint— 
rer; auch er ging unter enthusiastischem Jubel mit seinem 
Passagier glatt nieder. Als Dritter kam mit einem Passa⸗ 
ier um 5 Uhr 6 Min. Büchner hier an und landete eben⸗ 
alls tadellos. 20 Minuten später folgte Schauenburg und 
andete glatt mit seinem Passagier. Alsdann folgten um 
z Uhr 22 Min. LL. Jahnow, Tr. Wittenstein um 7 Uhr 
; Min. und Thelen um 7 Uhr 7 Min. Thelen hat bei 
seumünster eine Zwischenlandung vorgenommen. 
Die Flieger wurden bei ihrer Ankunft auf dem hiesigen 
zlugplatze von dem Prinzen Seinrich herzlichst be— 
urüßt. 
W. Kiel, 17. Juni. Jahnow passierte um 6 Uhr 22 Min. 
ie Ziellinie, mußte aber vor dem Flugfeld niedergehen, da sein 
Wotor aussetzte. Er landete glatt. Dr. Wittenstein landete 
m 7 Uhr 5 Min. glänzend, eine Minute später passierte Thelen 
ie Fluglinie. 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Lübed, 17. Juni. 
Stadthallen⸗Theater. 
„Die JIrcdermaus“, 
Operette in 8s Akten von Johann Strausb. 
Gastspiel von Eduard Goebel. 
Der erste Operetten-Abend der Sommerspielzeit, Eduarð 
Foebel und „Die Fledermaus“ — die drei Magneten hatten 
es endlich einmal vermocht, unsere so theatermüde gewordene 
Lübecker in den Saal am Krähenteich zu ziehen. Hoffentlich 
ewöhnen sie sich nun dort hin. Man darf sagen: der Anfang 
ber Operettenspielzeit war vielversprechend für jeden, der billige 
Rüchsichten gelten läßt. Cilrri Schöneberger ist eine 
ichere Künstlerin, deren stimmliche Vorzüge in der Höhe liegen. 
zhr elegantes Auftreten und der raisige Vortrag des ungarischen 
riedes eroberten ihr als Rosalinde mehrfach spontanen Applaus. 
tine sehr erquickliche, liebenswürdige Leistung war die Adele 
on Blanda Hoffmann. Sie singt frisch und mit an— 
rutiger Stimme, nicht soubrettenhafter, als ihr Fach es eben 
nit sich bringt, und vutriert auch nicht im Spiel. Ihre große 
Zzene mit Eisenstein fand denn qauch fröhlichsten Beifall. Die 
eiden Künstlerinnen versprechen eine Reihe erfreulicher Leistungen. 
zenry Stone hätte den Alfred noch sympathischer geben 
onnen. weniger frech und mehr leichtsinnig. Sein in der 
zöhe ausgiebiger Tenor klingt leicht gepreßt und reichlich nasal. 
Zeine musikalische Sicherheit machte sich mehrfach wohltätig 
emerkbar. In der Gefängnisszene hätte er nicht fortwährend 
ns Publikum singen sollen. 
Eduard Goebel wurde natürlich jubelnd empfangen, 
war brillart bei Stimme und sang sehr flott und liebens- 
wurdig. Den ersten Akt hätte er etwas leichter nehmen können, 
twas operettenmãßiger. 
Vom Schauspielensemble machten sich durch hingebende Teil- 
nahme verdient Josefine Seifert als blasierter Orlofsky, 
Dheodor Ditz als Advokat und Falk als Dr. Falle. 
Bichon spielte und sang den Gesängnisdirektor mit hin⸗ 
reißender Lustigkeit und trug so viel zum Erfolg des Abenda 
zei. Seidler, der Bewährte, der schon so manche flaue 
Zzene mit seinem urwüchsigen Humor über Wasser gehalten 
— 
uuf und hat als Spielleiter ebenfalls seine Aufgabe höchst 
merlennenswert gelöst. Kapellmeister Seyn del⸗Stöger hielt 
iufopfernd mit sicherer Hand die auseinanderstrebenden Geister 
»es Chors und Orchesters zusammen, und wenn er auch Ent⸗ 
lessungen nicht ganz verhindern konnte, so führte er doch 
as Orchesterrhythmisch straff, stüßte die Ensemblesätze mit 
uutem Erfolg und krug so zum Gelingen des Ganzen mit das 
Zeste bei. 8.O.P. 
Bunte Chronik. 
Bedenkstein am gahn-Denktmalauf der Hasen« 
heide. Berlhin, 16. Juni. Vor dem Jahn-⸗Denkmal 
uf dem Turnplatz auf der Hasenheide wurde heute von den 
Berliner Turngauen ein großer Granitfindling aufge— 
tellt. der auf der Vorderseite in Goldbuchstaben solgende 
Inschrift trägt: „Zur Erinnerung an die Hundertiahrfeier 
er Erbffnung des ersten Turnplatzes in der Hasenheide durch 
Friedrich Ludwig Jahn im 50. Jahre nach der Grundstein⸗ 
egung seines Denkmals errichtet von den Berliner Turngauen, 
7. Juni 1011.“ 
Unfall. London 16. Juni. Als der König und 
die Königin vom Rennen zu Ascot in das Schloß Windsor 
curuckkehrten, brachen dicht vor dem Schlosse zwei zur könig· 
ichen Kavalkade gehörige Pferde los und stürzten in 
die Menschenmenge hinein, die sich versammelt hatte, 
uim das Koͤnigspchar zu bearußen. Mehrere Kinder wurden 
erletzt und mußten ins Hospital geschafft werden
	        
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