Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Die Verlobung am österreichischen Kaiserhof. 
Seit langem ist man bereits gewöhnt, Verlobungen am 
zsterreichischen Kaiserhofe als Mesalliancen zu betrachten, sofern 
nan nämlich mit dem Gothaer Kalender den Wert einer Braut 
uu bemessen pflegt. Dem gewöhnlichen Sterblichen hat es 
dagegen besser gefallen, wenn Prinzen und Vrinzessinnen des 
Zabsburger Kaiserhauses nicht nach den Vorschriften eines hohen 
Ministeriums ihre Ehe schlossen, sondern lediglich ihrer eigensten 
Ferzensneigung bei der Wahl des Ehegatten folgten. Um des 
ihten Kaiser Franz Josef willen aber, der so viel Leid in 
einem langen Leben hat- erdulden müssen, kann man sich 
rreuen, daß diesmal die Wahl seines Großneffen, des Erz⸗ 
jerzogs Karl Franz Josef, auf eine junge Mädchengestalt ge— 
fallen ist, die zugleich ihm lieb wie auch dem Blute nach 
ebenbürtig ist. Denn die junge Braut, Prinzessin Zita von 
Bourbon-Parma, trägt nicht nur den ihr gebührenden Titel 
Aönigliche Hoheit, sondern ist auch durch ihre Großmutter mit 
dem Verlobten verwandt. Der neue Bund erhält eine be— 
ondere Bedeutung durch die Möglichkeit, daß der erst 24jährige 
Frzherzog der kommende Thronerbe der Doppelmonarchie werden 
ann, falls die Kinder des jetzigen Thronfolgers wegen der 
Unebenbürtigkeit der Mutter vom Throne der Habsburger aus— 
jeschlossen bleiben. Daß die politische Welt in dem Erzherzog 
karl Franz Josef nicht nur einen der vielen Träger dieses 
Titels sieht, sondern ihn vor den übrigen wegen seiner laiser⸗ 
ichen Zukunst auszuzeichnen beliebt, beweist die Tatsache, daß 
er unter anderem auch à la suite des preußischen Husaren⸗ 
regiments Nr. 18 gestellt ist und Inhaber des Schwarzen 
Adlererdens ist d.) 
Inland und Ausland. 
Deutsches Roich. 
Bundes rais arbeiten. Der Bundesrat hat, wie wir hören, 
in seiner gestrigen Sitzung eine lange Tagesordnung er— 
edigt, auf der auch ver Rest der vom Reichstage genehmig— 
en Entwürfe stand. Diese wurden anstandslos angenommen. 
AUuch die Ausführungsbestimmungen zu der Zündwarensteuer 
fanden die Zustimmung des Bundesrats. In seiner nächsten 
Sizung- am Donnerstag der kommenden Woche wird der 
Bundesrat endlich auch zu der Neuregelung der Ueber— 
gangsabgabe auf Bier Geim Uebergang aus Bayern, 
Württemberg und Baden in die Brausteuergemeinschaft) 
schreiten, nachdem inzwischen üUber diese Frage eine Eini— 
dung in den Bundesratsausschüssen zustande gekommen ist. 
Der Beschluß wird sofort bekanntgegeben und in kürzester 
zeit in Kraft gesetzt werden. Der Bundesrat hat seine 
regelmähßige Wochensitzung wegen des Fronleichnamsfestes 
»iesmal schon am Mittwoch abgehalten. (d.) 
Kanzler, Sozialdemokrat und reichsländische Verfassung. 
Nachdem bereits vor einiger Zeit in Abrede gesltellt ist, 
»aß der Reichskanzler den sozialdemokratischen Abgeordneten 
Dr. Frank zu sich beschieden habe, um mit ihm über die 
elsaß⸗-lothringische Verfassungsfrage zu verhandeln, taucht jetzt 
die Nachricht auf, der Reichskanzler habe den Unterstaats— 
ekretär Wahnschaffe zu Herrn Dr. Frank in dieser Ange— 
egenheit gesandt. Auch diese Version trifft, wie uns von 
parlamentarischer Seite mitgeteilt wird, nicht zu. Richtig 
dürfte sein, daß der Unterstaatssekretär Wahnschaffe wenige 
Minuten einer Unterredung beigewohnt hat, die der Staats- 
ekretär des Reichsamts des Innern Dr. Delbrück mit Herrn 
Dr. Frank hatte gelegentlich einer Besprechung mit Mit— 
zliedern der verschiedenen Parteien, die gewillt waren, den 
Gesetzentwurf betreffend die elsaß-lothringische Verfassung zu— 
tande zu bringen. 
Der Sanudelsvertrag mit Japan. Wie aus den Kreisen 
des wirtschaftlichen Ausschusses verlautet, steht der Abschluß 
eines Handelsvertrags mit Japan nahe bevor, so daß ein 
pertragsloser Zustand vom 17. Juli ab vermieden wird. Der 
wirtschaftliche Ausschuß hat bei den Verhandlungen, die 
jüngst im Reichsamt des Inern stattfanden, die bisher ge— 
führten Verhandlungen zwischen Japan und Deutschland be— 
zutachtet und sich im allgemeinen mit dem Resultate dieser 
Verhandlungen einverstanden erklärt. 
Ueber die Wahlhilfe der Konservativen an das Zenirum 
yat auf dem Verbandstage Deutscher Windthorstbunde, über 
den wir bereits berichtet haben, der Abg. Giesberts recht 
»on oben herab geurteilt. Er sagte der Köln. Volksztg. zu⸗ 
folge: „Dem Zentrum stehen die Konservativen zwar näher, 
doch können wir auf Wahlhilfe im größeren Umfange kaum 
»echnen, besonders im Westen kdommen die Konservativen 
»ie uns an den Grenzen allenthalben bedrohen. Ihr habt 
den schuldigen Gehorsam gebrochen und deshalb euer Leben 
derwirkt. Ich will euch aber in Gnaden euer Leben lassen, 
ofern ihr sogleich Urfehde schwört, dieser Stadt und allen 
neinen Untertanen der Mark künstig kein Leid noch Schaden zu—⸗ 
ufügen und mir, als eurem vom Kaiser gesetzten Herrn, allezeit 
reu und gehorsam zu sein. Wollt ihr das?“ 
Die Ritter waren freudig dazu bereit und leisteten den 
Schwur. 
So hütet euch,“ fuhr Ludwig fort, „euren Eid zu brechen! 
Miich gelüstet nicht, sonsten wieder Gnade an euch zu üben. Für 
den Schaden aber, den ihr dieser Stadt zugefügt habt nicht in 
hrlicher Fehde, wie sich's der Ritterehre geziemt hätte, werdet 
ihr für euch und eure Knappen cin Buß- und Lösegeld zahlen. 
Wie hoch das für jeden einzelnen zu bemessen ist, wird mein 
Lehnsrichter hier in meinem Namen, zusammen mit den sechs 
Landschöppen, bestimmen. Auch die beiden Bürgermeister der 
Stadt sollen dabei mit beraten. Uebrigens,“ der Markgraf 
sat, als ob er sich besänne, „mir ist ein Bürgermeister vorhin 
vorgestellt worden, den ich noch nicht kenne. Er hat wohl 
zen schuldigen Empfang am Stadttor unterlassen, weil er mir 
noch nicht Treue gelobte. Tritt hervor. daß du mir schwörest!“ 
Mikolaus Hentze trat hervor. Sein Trotz und seine Sicher⸗ 
heit waren gewichen. Bleich und zitternd stand er dal 
„Hebe die rechte Hand zum Schwur!“ sagte der Markgraf. 
Hhentze tat es. 
„Ach,“ sagte Ludwig, „es ist nicht Rechtens, die Hand beim 
Schwur zu verhüllen. Ziehe zuvor den Handschuh ab!“ 
Hentze wurde blaß wie eine Leiche. Aber er tat doch nach 
2udwigs Geheiß. 
„So hebe drei Finger auf zu dem heiligen Gott!“ sagte der 
Markgraf. „Ei,“ fuhr er scheinbar überrascht fort, „ich sehe, 
dir fehlt der Daumen. Sage mir doch, wo du den verloren 
hasft! War's in der Polenschlacht?“ 
Hentze drohte zu sinken, es wurde ihm schwarz vor den 
Augen. Aber noch einmal faßte er sich. „Ja,“ sagte er. Aber 
ieses Ja wollte nicht recht aus der Kehle heraus. 
Schluß solgt.) 
in erheblichent Umfange nicht in Frage. Sie haben im Block 
zegen das Zentrum gestanden und auch beim Feuer— 
zestattungsgesetz zu einem erheblichen Teil gezeigt, daß sie 
ruch anders können.“ 
Die Frage des akademischen Disziplinarrechts. Einer par⸗ 
amentarischen Korrespondenz zufolge wird im preußischen 
herrenhause vermutlich schon am 16. Juni die Debatte 
iber die Petition um Aufhebung oder Aenderung der 
kademischen Disziplinarvorschriften zur Beratung gelangen, die 
»on einer Reihe studentischer Korporationen an den preußi— 
chen Landtag gerichtet worden ist. Wie es heißt, hält die 
„reußische Regierung eine Aenderung der Rechtslage der 
S5tudierenden nach wie vor nicht für erforderlich. 
Eigenartiger klerilaler „Religionsunterricht“ in einer 
vheren Mädchenschule. Aus Ludwigshafen berichtet die 
AUugsb. Abdztg.: In der fünften Klasse der städtischen 
öheren Mädchenschule, die von Schülerinnen im 
urchschnittlichen Alter von zwölf Jahren besucht wird, 
ozierte der Kaplan während des Religionsunter— 
ichtes u. a. auch „Staatsrechtslehre“. Er setzte den zwölf⸗ 
ährigen Mädchen u. a. auch das Verhältnis und den 
taatsrechtlichen Begriff von Kaiser und Papst auseinander 
ind führte dabei aus: „Der Papst ist die Sonne und 
er Kaiser der Mond; dieser bekommt sein Licht von 
er Sonne — also vom Papst, sonst könnte ja der Mond 
— der Kaiser — nicht leuchten, deshalb steht der Papft auch 
ber dem Kaiser.“ Diese kaplanistische Weisheit vor den 
wölfiãhrigen Schülerinnen wurde denn auch in der jüngsten 
ffentlichen Versammlung des „Jungliberalen Vereins“ von 
inem Redner gebührend gekennzeichnet und dabei verlangt, 
ahß sie von der liberalen Stadtratsfraktion bei der näch— 
ten öffentlichen Stadtratssitzung zur Sprache gebracht wird, 
amit solche ungehörigen Auslassungen eines Geistlichen im 
deligionsunterricht unterbleibene Derselbe Kaplan führte die 
leinen Mädchen auch in das Gebiet der „hohen Politik“. 
ẽer erzählte ihnen von der Königsberger Kaiser— 
ede und bemerkte dabei, daß nur das Zentrum und die 
donservativen damals dem armen Kaiser treu zur Seite 
tanden, während die Liberalen, Freimaurer und Juden ihn 
zerraten und verlassen hätten, dafür würden aber auch diese 
Hottlosen bei den nächsten Reichsstagswahlen hart 
bestraft werden. 
Oberlehrer für die Kolonien. Für den höheren Schul— 
dienst in den Schutzgebieten sind jetzt ausführliche Bestim— 
nungen getroffen worden. Die einzige Schule, die zurzeit 
ür akademisch gebildete Lehrkräfte in Frage kommt, ist 
illerdings die Realschule in Windhuk. Die Bewerber müssen 
brüfung, Seminar und Vrobejahr hinter sich haben und 
uuch über gutes Lehrgeschick verfügen. Sie müssen körperlich 
zeeignet, nicht über 35 Jahre alt sein, der Militärpflicht 
enügt haben oder hiervon endgültig befreit sein. Wegen 
es Wohnungsmangels in Südwest können zurzeit nur un— 
„erheiratete Bewerber berücksichtigt werden. Die Dienstver— 
flichtung beträgt jetzt für Deutsch-Südwestafrika 3 Jahre. 
yür die Aus⸗— und für die Heimreise wird eine Vergütung 
ewährt. Vor der Ausreise wird für Umzugskosten und 
lusrüstung 1200 Mugezahlt. Oberlehrer erhalten 7700 M, 
teigend in 61/4 Jahren auf 11900 Muund weiteren 9 Jahren 
wuuf 13400 Munebst freier Wohnung. Nach jeder Dienst—⸗ 
»eriode wird e in viermonatiger Heimaturlaub nebst Reise 
vosten gewährt. Die etatmäßige Anstellung kann zu Be— 
zinn der zweiten Dienstperiode erfolgen. Einer Pensionierung 
vird ein Gehalt von 3000 Mubis 7200 Mizugrunde gelegt. 
Abgeordneter Errberger zieht in seiner Presse gegen den 
Abg. Spahn d. J. vom Leder, der an ihm politischen 
tßzlich Maß und ideale Vertiefung vermißte. Erzberger be— 
auptet, daß Spahn d. J. „ebenso anmaßend und aburteilend“ 
iber die ganze Zentrumsfraktion sich ausgesprochen habe; viel— 
eicht aber hätte er inzwischen auch hier, wie in so vielen 
inderen Fragen, sein Urteil geändert. Ereberger wirfit ferner 
inen spöttischen Blick auf die bisherigen parlamentarischen 
deistungen Spahns d. J. klagt letzteren dezs Bündnisses mit 
vem Grafen Hoensbroech an, um das Ultramontane im 
datholizismus zu bekämpfen, und würzgt diese Pisle durch den 
Zusatz: „Wer „Facel“ Artikel schreibt, lerne erst den Kate— 
hismus.“ — Spahn d. J. wird hierzu nicht schweigen ronnen. 
. 
heer und Flotte. 
Das 40 000⸗Tonnen⸗Schwinrmded der Kaiserlichen Werft 
m Kiel, das vor kurzem am füdlichsten Punkte des Kriegs— 
jafens verankert wurde, hat seine Erprobung sehr gut be— 
tanden. Die Riesenanlage tauchte sicher und langsam fast 
zis zur Bordwand unter und hob sich ebenso tadellos wieder 
rus der Flut. Der deutsche Schiffbau darf auf dieses 
Frstlinaswerkistolz sein. 
—7F — — — 
Tagesbericht. 
Lüubeck, 15. Juni. 
Die Erzählung „Wendelin“ nähert sich dem Abschlusse. 
Der nächste zum Abdruck gelangende Roman 
„Aus gärender Zeit“ 
von Hedwig Kaboth— 
ringt spannende und tiefergreifende Vorgänge aus der Zeit 
er Demagogenverfolgungen, in Deutschland, unter denen vor 
illen die studierende Jugend so furchtbar zu leiden hatte. 
in das kleinbürgerliche Milieu iönen die Kampfrufe aus 
em Ringen alter und neuer Weltanschauung. 
— 
ö— — — 
O Eine Prüfung zum Schiffer auf Heiner und Küstene 
ahrt, sowie für mittlere Hochfeefifcherei fand am letzten Sonn⸗ 
bend in der hiesigen Navigationsschule statt. Es hatten sich 
emeldet für die erstgenannte Klasse 5, für die Küstenfahrt 
iner und für die sogenannte Zusatzyrüfung für Hochseefischerei 
»Anwärier. Bestanden haben alle. Unter den 5 Prüflingen 
sir die klekre Fahrt befanden sich 3 Sportsegler und zwar 
„die ihren Wohnsitz in Berlin, einer der ihn in Lübec hat. 
Zas Zeugnis der bestandenen Prüfung erhielten: Schiffer 
leiner Fahrt: 5. E. W. Mundt, geb. zu Vitte auf 
dügen, K. F. A. Richter, geb. zu Caseburg, Dr, med. H. 
Vendriner, geb. zu Breslau, Fabrikdirektor M.Wenl, 
eb. zu Berlin, Marineoberingenient a. D. und Ingenieur 
er Handelskammer H. C. Wil degans aus Lübech; Schiffer 
ruf Küstenfahrt: M. Erzaninks, geb. zu Mellner—⸗ 
iggen: Zusatzpräüflinge: C. F. E. Bennede, geb. zu 
ßöttingen ind RK. W. J. Riedel, geb. zu Staraard, 
DDer dbies jiäͤhrige Wollnarkt war von ben Probuzenten 
twas weniger beschickt als im Voriahre, hauptsächlich, weil 
n einigen Bezirken der Ausbruch der Viehseuche das Waschen 
der Tiere behindert hatte. Die Zufuhren bestanden fcht 
russchließlich aus mittel und groben Wollen in durchweg 
ehr guten Wäschen. Da Käufer zahlreich vertreten waren, 
intwickelte sich das Geschäft sofort nach Eröffnung des 
Marktes recht lebhaft und die Preise stellten sich meisten? 
pugunsten der Verkäufer, indem grobe und mittel Wollen 
teilweise 2 bis 3 Mmehr als im vorigen Jahre er— 
zielten, während die vorhandenen kleinen Pöste feiner Wolle 
sich mit einem kleinen Abschlag gegen die letztjährigen Preise 
begnügen mußten. Um 11 Uhr war alles verkauft. Es wurden 
bezahlt: 
für feine Wolle 155 - 160 M, 
„bessere Kreuzungs⸗ und Kluftwolle 120- 130, 
„grobe Wolle 100- 1165, 
täufer waren Fabrikanten aus Skandinavien, Mitteldeutsch 
and, Mecklenburg und Neumünster sowie hiesige und aus— 
wärtige Händler. 
Verein der Fischindustriellen Deutschlands. In dem 
Jahresbericht ist den die Branche betreffenden Zollangelegen— 
jeiten ein besonderes Kapitel gewidmet. Besonders schwer 
jatte der Verein um die Zollfreiheit der salzbestreuten Heringe 
u kämpfen, da von gegnerischer Seite behauptet wurde, 
zei dem eingestreuten und eingeeisten Heringe handle es sich 
zielfach um künstlich verjüngten Salzhering und daher müssc 
der für diesen vorgesehene Zoll erhoben werden. Durch ein 
om Vizekonsul in Grimsby beglaubigtes Zeugnis von dreißig 
igesehenen englischen und schottischen Firnten und ein Gut— 
ichten des Fischereidirektors Lübbert-Hamburg ist festgestelli 
vorden, daß die dem Verein der Fischindustriellen nahestehen— 
»en Kreise in keiner Verbindung mit derartigen Schwindeleien 
tehen. Nur dem einwandfrei erbrachten Beweis, daß die Zoll— 
reiheit der salzbestreuten Heringe sich zolltechnisch gut bewährt 
jat, ist es zu danken, daß der deuisch-schwedische Handelsver— 
rag so günstig für die Fischindustrie ausgefallen ist. Es 
vird dann darauf hingewiesen, daß dem Verein beim Ablauf 
»er geltenden Handelsverträge im Jahre 1917 noch schwere 
Zollkämpfe bevorständen. Von besonderer Wichiigkeit ist es, 
»aß sich die Fischindustriellen dem Handelsveriragsverein an— 
jeschlossen haben. Die seit Jahren angestrebte Packung der 
englisch-schottischen Heringe in Halbkrankisten ist im Berichts— 
ahre zum ersten Male von einigen Kommissionären in Anwen— 
ung gebracht worden. Die mit dieser Packung erzielten Re— 
ultats berechtigen zu der Erwartung, daß lie vald allge— 
nein eingeführt wird. Ein weiterer Vorteil für die bevor— 
tehende Grimsby-Saison ist von der besseren Verbindung 
wischen Grimsby und Altona zu erwarten. Die langiährigen 
Bhemühungen des Vereins nach dieser Richtung haben erst in 
iesem Jahre Erfolg gehabi, die Great Central Railway Com⸗ 
»any wird neben den regelmäßig verkehrenden Postdampfern 
rei Extradampfer für Heringstransporte in Dienst stellen. 
durch die besjsere Transportgelegenheit wird der deutschen 
rischindustrie die Gelegenheit geboten werden, die meist reichen 
zeringsffänge der Grimsby-Saison in weit höherem Maße 
ruszunutzen, als es bisher geschehen konnte. Für die Be— 
trebungen des deutschen Seefischereivereins zur Hebung des 
Fischkonsums durch eine umfassende Propaganda ist auch der 
erein der Fischindustriellen eingetreten, ebenso hat er den 
ntrag auf günstigere Frachtbedingungen für frische Fischt 
zarnr unterstützt. Auch sind Vorschläge gemacht worden übet 
sie Einrichuung von Wagen zum Transport temperaturemp, 
indlicher. Waren, in der Deutschland weit hinter anderer 
Ländern zurücksteht 
Die 11. Jahresversanimlumg des Verbandes deutscher Zi⸗ 
zarrenladen⸗Inhaber wurde am Tienstag in Bremen eröffnet. 
rer Vorsitzende John Engel-Hamburg hielt die Er— 
ffnungsrede. Es waren 45 Delegierte mit zusammen 204 
Stimmen anwesend. Der Bericht des geschäfisführenden Aus— 
chusses für das Geschäftsiahr 1910 ergab einen Mitglieder⸗ 
estand von 67 Orisgrupyen, 3030 Mitgliedern (darunter 
z0 Einzelmitglieder) und 184 fördernden Mitgliedern am 
1. Januar 1910, der am 1. Januar 1911 auf 72 Ortsgruppen 
rit 3391 Mitgliedern (darunter 33 Einzelmitglieder) und 190 
ördernde Mitglieder angewachsen ist. Darauf wurden ver— 
chiedene Anträge durchberaten und einige Resolutionen ange— 
lommen. Ein Antrag Hamburg 1 auf Vorausbezeichnung 
on wünschenswerten Verbandstagsorten auf Jahre voraus 
vurde von Herrn Bitterauf-Hamburg dahin begründet, daß 
fFt im Punkt der Ortswahl die Telegierten nicht ausreichende 
VBollmachten hätten. Der Antrag wurde angenommen. 
O Kostemersparnisse bei auswäriigen Ferngesorächen. Jeder, 
er gelegentlich Telephongespräche nach auswärts geführt hat, 
vird schon die unangenehme Entdechung gemacht haben, dak 
ich in den meisten Fällen zwar unter der angemeldeten Nummer 
emand meldet, daß aber der Gewünschte selbst nicht an— 
vesend ist. Der hierdurch entstehende Aerger wird noch durch 
die nutzlos ausgegebene Gesprächsgebühr ver— 
nehrt, denn der Vorhalt, man habe ja gar nicht gesprochen, 
st deimn Amt gegenüber nicht stichhaltig — man muß eben zahlen. 
Indessen hat die Kaiserlich Fernsprechverwaltung 
ins ein Mittel an die Hand gegeben, daß wir derartige 
iunnütze Gesprächsgebühren vermeiden können. 
ks ist das „Ferngespräch mit Vormerkung.“ Man 
agt beispielsweise bei der Anmeldung des Ferngesprächs „Ham— 
urg, Gruppe II, Nr. 2818, Vormerkung. für Herrn Schulze“. 
zs wird nun vom Hamburger Amt unter der angegebenen 
hummer erst der Herr Schulze ans Telephon verlangt und 
ann die Verbindung mit der anrufenden Stelle hergestellt. 
xür dieses Herbeirufen hat man lediglich 28 Pfg. zu bezahlen. 
Man vermeidet also auf diese Weise unnötige Gebühren 
iür Hespräche, die in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden 
zaben. Selbstverständlich müssen diese 28 Pfg. auch dann 
bezahlt werden, wenn der Herbeizuholende nicht anwesend 
st; dagegen wird die sonst fällige Gesprächsgebühr im Betrage 
son 1 Meoder 1,50 Mefür ein gewöhnliches und 3 Moder 
50 Mufür ein dringendes Gespräch innerhalb Deutschlands 
icht erhoben — ein Vorteil, der es rechtfertigen dürfte, daß 
die Kenntnis von der Einrichtung der „Fern— 
respräche mit Vormerkung“ den weitesten 
Kreisen des Publikums betannt würde. 
Die ãlteste Enwohnerin Lübeds dürfte Witwe Wide, 
wohnhaft Karpfenstraße Na, sein, die am 17. d. M. ihr 
9. Lebensjahr vollendet. Sie ist gebürtig aus Bliesdorf bei 
deustadt i. H. Während die Greisin geistig noch sehr frisch 
st und täglich ihre Zeitung Kest, haben ihre körperlichen 
Kräfte doch angefangen, etwas nachzulassen. Frau Wicke i 
eit 30 Jahren Witwe.
	        
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