Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

mer Künste, die Du Dir gewählt hast, an deren Füßen 
ich hängt, was kunstfremd, hinderlich und -feindlich ist. Da 
ist Können beinahe wenig und Wollen beinahe alles. Du 
hast die Kunst gewollt im heißen Lieben, im grimmigen 
kifer, mit Ausschließlichkeit ohne Beispiel, und kannst darum 
zuf Deinen Dienst an der Kunst mit stolzer Befriedigung 
urückblicken, soweit dem Künstler dies Gefühl überhaupt 
»ergönnt ist. Nun liegt alles das hinter Dir, nachdem 
Du gefallen bist, geblieben bist als Kämpfer auf dem von 
Dir erwählten Felde der Ehre. Gefallen bist Du, 
iber über Dich halten wir die Schilde, alle die 
Froßen Deiner Kunst, deren Namen sich um Dich 
charen, und die ZJünger Deiner Kunst, bdenen Du 
Förderung angedeihen ließest, ungezählte Freunde aus nah und 
fern, die bezeugen, was deine Kunst ihnen gewesen ist. Und 
auch wir, die wir dein Ende schauen durften, bekennen es, du 
hast die Kunst so schön und gut gewollt, wie nur einer. Darum 
schlafe in Frleden, ruhe in Ehren, du Ehrenfester, in der Liebe 
derer, die dich lieben über den Tod hinaus, du lieber Mensch! 
— Nach dieser überaus eindrucksvollen Rede sangen die Chor⸗ 
mitglieder des Stadttheaters, die auf der Empore Platz ge— 
nommen hatten, den Choral Wie sie so sanft ruhn“, worauf 
der Sarg unter Orgelklang und ergreifenden Aeußerungen tiefsten 
Schmerzes dier Angehörigen in die Tiese sank. Gebet und 
Segen des Geistlichen schlossen sodann die stimmungsvolle Trauer⸗ 
eier. 
Gener alstabs reise des 9. Armeekorps. Aus Neu⸗ 
zrandenburg, 12. Juni, wird berichtet: Heute nach— 
nittag versammelten sich hier die Mitglieder der dies— 
jährigen Generalstabsreise des 9. Armeekorps unter Leitung 
des Chefs des Generalstabes, Oberstleutnant Stolzmann. 
Die Reise, die sich über das östliche Mecklenburg und Vor—⸗ 
pommern erstreckt, dauert bis 23. Juni. Der Leitung waren 
zugeteilt Hauptmann v. Miaskowski vom Generalstabe des 
). Armeekorps und Hauptmann v. Schulz vom Großen Gene— 
ralstabe, kommandiert zum Generalstabe des 9. Armeekorps. 
Die Namen der Teilnehmer, unter denen sich auch Herr 
Major v. Lilienhoff-Zwowitzki vom Inf.Reg. 
„Lbeck! (3. Hanseatisches Nr. 162) befindet, haben wir 
dereits kürzlich veröffentlicht. 
Verbesserter Bahnverlehr Kristiania — Gotenburg — Lübed 
—Samburg. Während bisher nur Reisende 1. und 2. Klasse 
in direktem Wagen von Kristiania —Gotenburg nach Lübeck 
und Hamburg und umgekehrt fahren konnten, ist in dem 
betreffenden Schnellzuge jetzt ein Wagen eingestellt, der 
außer 1. und 2. Klasse auch eine 3. Klasse führt, so daß 
auch Fahrgäste 3. Klasse die Reise hne Wagenwechsel 
machen können. 
Deutscher Flottenverein. Um den Mitgliedern und 
Freunden des Deutschen Flottenvereins Gelegenheit zu geben, 
an dem festlichen Treiben der Kieler Woche teilzunehmen, 
die in diesem Jahre auf ein 28jähriges Bestehen zurück— 
blicken kann, veranstaltet der Hauptausschuß für Berlin und 
die Mark Brandenburg des Deutschen Flottenvereins in 
der Zeit vom 27. Juni bis 2. Juli d. J. eine Sonderfahrt 
nach Kiel und nach Köopenhagen. Am ersten Tage wird 
die alte Hansestadt Lübeck besichtigt. Am 28. Juni ist den 
Teilnehmern durch das Entgegenkommen des Deutschen Schul— 
chiff⸗Vereins Gelegenheit gegeben, in Travemünde durch 
Besichtigung der Schulschiffe „Prinzeß Eitel Friedrich“ 
und „Großherzogin Elisabeth“, sowie durch Vor— 
tahme seemännischer Uebungen der Besatzung einen Einblick 
in den Betrieb auf einem unter Segel fahrenden Schulschiff 
szu gewinnen. Am dritten Tage findet in Kiel die Be— 
jleitung der Regatta des Kaiserlichen Jachtklubs statt, sowie 
eine Fahrt in den Kaiser-Wilhelm-⸗Kanal, eine Besichtigung 
der neuesten Kriegsschiffe und der Kaiserlichen Werft. Ein 
amerikanisches Geschwader befindet sich im Hafen. Am 
30. Juni wird die Seereise nach Korsör und von da die 
Weiterfahrt nach Kopenhagen angetreten. Die Sehenswür⸗ 
digkeiten Kopenhagens werden besichtigt und ein Aus— 
flug in die Umgegend unternommen. Die Rückreise findet 
am 2. Juli über Giedser—Warnemünde nach Berlin statt. 
Der Preis für die sechstägige Fahrt beträgt einschl. Unter—⸗ 
bringung und Verpflegung — ohne Getränke —, Dampfer⸗ 
ahrten 1. Kalüte, Ausflüge und Besichtigungen, Eisenbahn⸗ 
ahrt 2. Kl. 120 M. Ausführliche Programme sind 
kostenlos vom Sauptausschuß des Deutschen Flottenvereins 
für Berlin und die Mark Brandenburg, Berlin W. 35, 
Schöneberger Ufer 30 J. zu beziehen. Anmeldungen sind unter 
kinsendung des Betrages bis zum 18. Juni d. J. an den 
hauptausschuß erbeten. Der Anschluß unterwegs in 
Lübed oder Kiel ist möglich. 
SZwangsverkãäufe. Im Termin vor dem Amtsgericht 
am 13. Juni 1811 wurden aufgeboten: 1. das dem Wirt 
Karl Joachim Seinrich Steffen zu Lübeck gehörige, mit 
35 417,60 MeBypotheken und 36 Mijährlicher Grundhauer 
»eschwerte Grundstück Glashüttenweg Nr. 6 und Luisenstraße 
Nr. 49. Das Meistgebot von 35450 Muaußer der Grund— 
zauer wurde abgegeben von dem Kaufmann Wilhelm Hein— 
rich Markmann zu Lübeck. Ueber den Zuschlag soll am 
27. Juni 10911 entschieden werden; 2. das dem Bauunter—⸗ 
niehmer Wilhelm Johannes Heinrich Groth zu Lübeck ge—⸗ 
hörige, mit 40 436,67 Mubeschwerte Grundstück Kottwitz- 
traße Nr. 20/22. Das Meistgebot von 31100 Mvwurde 
Wgegeben von den Erben der Witwe Sophie Wilhelmine 
Dorothesa Paap geb. Rohde zu Lübeck. Ueber den Zuschlag 
oll am 20. Juni 1911 entschieden werden; 3. das den 
Bauunternehmern Wilhelm Johannes Heinrich und Jo— 
jannes Friedrich Carl Groth zu Lübeck gemeinschaftlich ge— 
örige, mit 40 000 Mebeschwerte Grundstück Wakenitzmauer 
Nr. 7. Das Meistgebot von 32000 Mewurde abgegeben 
don den Erben eines Hypothekengläubigers. Ueber den 
Zuschlag soll am 27. Juni 1911 entschieden werden; 4. die 
dem Marinemaler Alexander Kircher zu Moritzburg bei 
Dresden gehörige, im Schiffsregister des Königl. Amtsgerichts 
u Kiel eingetragene und mit 28375 Mubeschwerte Motor— 
acht „Romana'““. Das Meistgebot von 10050 Mwurde 
abgegeben von dem Kaufmam Ernst Rother zu Charlotten⸗ 
zurg. Der Zuschlag wurde sofort erteilt. 
] Schöffengericht. Sitzung vom 13. Juni. Wegen Ge⸗ 
fährdung eines Eisenbahntransports hat sich 
der Kutscher Burchard Pi. zu verantworten. Am 18. April 
uhr der Angeklagte in der Schwartauer Allee auf dem Ge— 
seise der Straßenbahn entlang und verließ das Geleise auch 
nicht, trotz wiederholten Glockenzeichens des hinter ihm fahren⸗ 
»en Führers des Motorwagens Nr. 29. Schließlich machte 
r⁊mit seinem Fuhrwerke eine Biegung nach rechts. Dabei 
uhr er langsamer als bisher und die Folge war ein Zu— 
ammenstoß mit dem Motorwagen. Dem letzteren wurde 
dabei ein Scheinwerfer zertrümmert. Das Urtieis lautet auf 
30 M Geldstrafe. — Des Diebstahls hat sich der Arbeiter 
darl Di. dadurch schuldig gemacht, daß er am 23. Mai 
. J. pom Rheindampfer „Juno“ mehrere Konservendosen 
nit je einem Kilo Erbsen wegnahm. Er wird dafür zu 
iner Gefängnisstrafe von einer Woche verurteilt. — Des 
zetrugs hat sich der Kellner Wilhelm Schr. schuldig ge— 
aacht. Obwohl er völlig mittellos war, auch keine Stellung 
atte, erschien er doch am 18. April bei dem Schänkwirt 
Bi. hier, erzählte hier, er sei noch im Restaurant zum „Deut⸗ 
hen Kaiser“ in Stellung und verschwieg, daß er mittellos 
jar. Dann machte er eine Zeche von 4,45 M, die er natürlich 
icht bezahlen konnte. Das Urteil lautet auf 80 MGeldstrafe 
vent. 16 Tage Gefängnis. — Wegen Betrugas hat sich 
erner der Kaufmann Henri Ka. zu verantworten. Am 1J. April 
nd bezw. Anfang Mai dieses Jahres erschien er hier bei 
vei Kaufleuten, von denen er wußte, daß sie Geschäftsver— 
indungen mit seinem Vater haben und bat um Darlehen 
nter dem Vorgeben, er sei im Geschäfte seines Vaters tätig, 
ei auf der Reise begriffen und komme nun mit seinem Gelde 
u kurz. Tatsächlich war er gar nicht bei seinem Vater tätig, 
r hatte überhaupt keine Stellung. Er erreichte aber, daß 
hmäauf der einen Stelle 160 M, auf der anderen Stelle 
0 Mugeliehen wurden. Dafür erhält er nun drei Wochen 
ßefängnis. 
o- Festgenommen wurden zwei ausländische Matrosen, die 
ich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig ge— 
nacht haben. 
Deutscher Gaftwirtetag. 
sh. Braunschweig, 13. Juni. 
Unter dem Ehrenpräsidium des neuernannten braunschweigi— 
chen Staatsministers Dr. Hartwieg begannen heute hier die 
zerhandlungen des 38. Deutschen Gallwirtstages. Die Tagung 
t aus allen Teilen des Reiches überaus zahlreich besucht. Der 
Lerbandspräsident Ringel-Berlin erösffnete die Tagung mit einer 
zegrüßung der Delegierten und erstattete sodann den Jahres— 
ericht. Das verflossene Jahr stand unter den Wirlungen der 
teuen Steuern, insbesondere der erhöhten Biersteuer. In bezug 
uf die Schaffung neuer steuerlicher Sonderlasten für das Gast— 
irlsgewerbe ist in der Tat ein Rekord aufgestellt worden. 
die neuen Steuern haben den auf sie gesetzten Erwartungen nur 
hhr schlecht entsprochen, und in einer Zeit wirtschaftlichen Auf— 
hwungs über ihren unsozialen Charakter noch Worte verlieren, 
ieße Eulen nach Athen tragen. Weit mehr als die Bierher— 
lellung hat der Malzverbrauch abgenommen, weil das Bier 
mmer leichter eingebraut wird. Demgegenüber haben die 
8tauereien aber immer von einer steigenden Entwicklung ge— 
prochen. Bei aller Trostlosigkeit der Lage preisen die schwarz— 
„lauen Helden die „Errungenschaft“ cls nationale Tat und be— 
eichnen diejenigen als Feinde, die diesen Sturmlauf gegen Han— 
‚el und Gewerbe nicht mitmachten. In der Bekämpfung der 
Inimierkneipen hat der Verband im Verein mit anderen gemein— 
ützigen Körperschaften glüclicherweise einige erfolgreiche Aen— 
erungen zu verzeichnen. Weiterhin verbreitet sich der Redner 
ber die Branntweinsteuererhöhung und begrüßt endlich die po— 
zeilichen Maßnahmen gegen den Schnapsgenuß, namentlich im 
Nsten. Eine bedauerliche Erscheinung im Wirtsgewerbe sei der 
mmer mehr zutage tretende Boykott, der gegen die Gastwirte 
inmal von seiten der Militärbehörde betrieben werde, wenn 
Virte ihre Säle zu sozialdemokratischen Versammlungen her— 
eben, anderseits seitens der Soziaidemokratie, wenn die Wirte 
ie Hergabe ihrer Säle zu sozialdemokratischen Versammlungen 
erweigern. Der Berichkerstatter bedauert, daß das Reichs— 
zericht die Schadenersatzyflicht der Soytotiierer verneint habe, 
ind bittet die Gastwirte, in dieser Frage einmütig vorzugehen. 
Dem Verband gehören derzeit gegen 800 Vereine mit etwa 
0000 Mitgliedern ahln. Das Gesamtvermögen des Vereins 
etträgt zurzeit 732000 M. Der Ctat balanciert mit 54 500 M. 
dach einer lebhaften Debatte über den Geschäftsbericht wurde 
'olgende Resolution ohne Debatte angenommen: 
„Der in Braunschweig tagende Gastwirtstag des Deutschen 
sßastwirtsverbandes spricht seine voile Befriedigung über den 
veschäftsbericht des geschäftsführenden Ausschusses aus, soweit 
er Inhalt die Tätigkeit der leitenden Persönlichkeiten betrifft. 
Leider kann dieser Ausdruck der Vefriedigung nicht auch auf 
ieijenigen Teile des Berichts ausgedehnt werden, welcher die 
kesultate resp. Antworten auf die an die Behörden und die ge— 
etzaebenden Körperschaften eingereichten Petitionen enthält. 
hzierzu gehört die verschiedene Einschätzung des Gewerbes in per— 
önlicher und sachlicher Beziehung. Tie Ablehnung der Fähig— 
eit, ein öffentliches Amt zu beileiden, die Verweigerung der 
zahlung von Zeugengebühren an unsere Berufsgenossen zeigen 
ine so tiefe Einschätzung der das Gastwirtsgewerbe betreiben— 
;en Persönlichkeiten, daß es unversländlich ist, wie schnell die 
o urteilenden Körperschaften sich dieses so minder einge— 
hätzten Gewerbes erinnern, wenn für allgemeine Bedürfnifse 
eue Steuern aufzubringen sind. Gegen diese das ganze Gewerbe 
erabsetzenden Zustände erheben die heute in Braunschweig tagen— 
en Vertreter von etwa 50 000 Wirten energischen Protest. Eine 
lenderung dieser Zustände ist nur von einer anderen Zusam⸗ 
riensetzung des Reichstages zu hoffen. Es ist daher dringend 
u fordern, daß die Wirte sich einmütig an den Wahlen be—⸗ 
eiligen, und daß ein Reichstag zusammenkommt, der seine Be— 
chlüsse nach Rem Grundsak Gleiche Rechte gleiche Pflichten“ 
1bwäafß“ 
Der deutsche Rundflug. 
Ueber den weiteren Verlauf des Rundfluges liegen uns 
die folgenden telegraphischen Meldungen vor: 
Magdeburg. 13. Juni. Volkmsller ist abends um 
z Uhr 34 Min. trotz des herrschenden Regens auf dem hie— 
jgen Flugplatz angekommen. Kurz vor 9 Uhr startete 
r formell zur Fahrt nach Schwerin. Er wird morgen früh 
zie Reise nach Schwerin antreten. 
Laitsch, der heute früh nach Braunschweig verschlagen 
purde und dort niederging, ist abends wieder aufgestiegen. 
Er machte in Oebisfelde eine Zwischenlandung und kam schließ⸗ 
iich um 65.2 Uhr in Niestedt im Kreise Dannenberg an. Von 
vort will er morgen früh nach Schwerin weiterfliegen. 
Heute (Mittwoch) haben die Teilnehmer am deutschen Rund⸗ 
lug einen Ruhetag in Schwerin, an dem örtliche Wettbe— 
perbe stattfinden. 3000 Mistehen als Preise zur Verfügung, 
estiftet von der Stadt Schwerin, außerdem Ehrenpreise der 
ßroßherzogin von Mecklenburg-Schwerin und des Prinz⸗ 
semahls Heinrich der Niederlande. 
Cuftfahrt. 
Wien, 13. Juni. Oberleutnant Bier konnte infolge un⸗ 
ünstiger Windverhältnisse den Flug nach Budavpest nicht 
Afrefen. 
Paris, 43. Juni. Der Aviatiker Frehh hat auf dem 
Fluge von Turin nach Florenz bei Viterbo einen so schwe— 
en Sturz erlitten, daß er Arme und Beine ge— 
rochen hat. 
Ein deutscher Ballon nach Frankreich verschlagen. Der 
Ballon „SEchröder“ des Niederrheinischen Vereins für Luft⸗ 
chiffahrt war am Mittwoch vergangener Woche von Gelsen— 
irchen aus unter Führung des Amtsrichters Lutterbeck mit 
wei Mitfahrern aufgestiegen. Von dem Ballon wurde tage— 
ang nichts bekannt, so daß über das Schicksal des Ballons 
chon Befürchtungen laut wurden. Am Sonntag endlich traf 
ius Gelsenkirchen die telegraphische Meldung ein, daß der 
Zallon am Donnerstag bei einem kleinen Dorf in Mittel— 
rankreich niedergegangen ist. Die Insassen gerieten bei den 
„ranzosen in den Verdacht der Spionage und wurden 
unächst festgehalten. Erst nach langen Verhandlungen konn⸗ 
en die Deutschen für sich und den Ballon die Heimfahrt 
rwirken 
——e— 
Sportnachrichten. 
Reunen zu Franukfurt a. M. 13. Juni. Kaiserpreis— 
Jagdrennen. Erzherzogin Gesitzer) 1. Etaliere 2. Nickel- 
önig 3. Tot.: 30: 10, Pl.: 21, 24, 20: 10. 
Renmen zu PariscEnghien, 13. Juni. Prix du Debut. 
Pce. de St. Thourin (A. V. Chapman) 1. Aambe en lMir 2. 
Makis 3. Tot.: 243: 10, Pl.: 58, 38, 69: 10. 
ασιÛσααιιααααô1 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Die neuen Berluer Stad! farben. 
W. Verlin, 14. Juni. Statt der bisherigen rot-weik⸗ 
schwarzen Fahne beschlok der Berliner Magistrat für die Zu—⸗ 
kunft rot-⸗weiß-rot als reichshauptstädtische Stadtflagge zu 
wählen. 
Der Abschied Hills. 
—V 
erabschiedeten sich gestern Botschafter Hill mit Gemahlin von 
»en Angehörigen der amerikanischen Kolonie. Hill geht in 
»er zweiten Hälfte des Juni nach Kiel und kehrt daun 
ioch einmal nach Berlin zurück. Anfang Juli tritt er eine 
keise nach der Schweiz an. wo er den Sommer und Herbst 
derleben will. 
Die Trauerfeier für Adolf Wilbrandt. 
W. Rosiock, 14. Juni. Bei der gestrigen Trauerfeier für 
Wilbrandt umstanden von den Verwandten die Bahre des 
dichters sein Sohn Robert, Professor in Tübingen, sein; 
Witwe Auguste Wilbrandt-Baudius, die Wiener Hofschau 
pielerin, seine drei reckenhaften Brüder, unter ihnen detr 
rühere fortschrittliche Reichsstagsabgeordnete Kourad und ein 
seffe Fritz Reuters. Von Wilbrandts Freunden waren er— 
chienen Paul Lindau-Berlin, Graf Wickenburg und Dr. 
dikslari aus Wien. Ferner waren vertreten das Schweriner 
hoftheater und das Wiener Burgtheater sowie die Stadt 
ind die Universität Rostock. Beileidskundgebungen waren 
inter anderen noch eingelaufen von dem jetzigen Reichs— 
anzler, von dem dem Dichter seit Jahren eng be— 
reundeten Fürsten Bülow, dem Grafen SHülsen⸗ 
Häseler und dem Freiherrn von Berger in Wien. 
Die Ergebnijse der österreichifchen Wahlen. 
W. Wien, 14. Juni. Bis 6 Uhr früh waren 400 Wahl- 
esultate bekannt, davon 232 endgültige. 168 Stichwahlen sind 
rforderlich. Gewählt sind 59 Christlich-Soziale, 483 Sozial⸗ 
emokraten, darunter 12 tschechische Sozialdemokraten (Auto⸗ 
lomisten), 34 Mitglieder des Tschechenklubs, 41 Mitglieder des 
eutschͤnationalen Verbandes, 1 Anhänger der deutschen Ar— 
eitspartei. 8 Mitglieder des Polenklubs, 5 Bukowina-Ru—⸗ 
henen, 17 Slowenisch-Katholische, 5 Slawisch-Nationale 
Kroaten), 7 Italienisch-Katholische, 2 Italienisch-Liberale, 
2 Wilde, 1 Alldeutscher, 1 Jüdisch-Nationaler und 1 Altkonser⸗ 
;zativer. Unter den Gewählten befinden sich der Christlich-Soziale 
zaron Fuchs, der rumänische Sozialdemokrat Greoravici (ge— 
vählt gegen den Deutsch-Freiheitlichen Skedl), ferner die Deutsch- 
reiheitlichen Lecher, Urban, Schreiner, Delvert, der Slowene 
zustersies, der Alldeutsche AIro und der Jüdisch- Nationala 
Straucher. 
Im 20. Bezirk kam es nach Verkündigung des 
Wahlresultats zu großen Ausschreitungen. Die 
zozialdemokraten griffen zwei Polizeibeamte an und warfen 
ie zu Boden. Die einschreitende Wache wurde von der Meng« 
nit Steinen beworfen, worauf die Beamten blankzogen. Ir— 
»em Handgemenge wurden vier Polizeibeamte verletzt; einer 
erhielt einen Messerstich. Von den Demonstranten wurden gleich— 
alls vier, unter ihnen einer schwer durch Säbelhiebe ven 
wundet. Fünf Personen wurden verhaftet. 
Die Span'er in Maroklo. 
W. Paris, 13. Juni. Wie die Agence Havas unterm 
12. Juni aus el Ksar meldet, herrscht dort große Erregung 
nfolge der Errichtung eines spanischen Lagers auf dem Fried- 
hofe. Raisuli forderte die Stämme auf, sich ruhig zu ver— 
halten und abzuwarten. bis die Mächte die Frage der Trupopen⸗ 
msschiffuna regeln 
Eine Spur von Richter? 
W. Saloniki, 13. Juni. Eine Patrouille hat in der Um— 
gebung von Livadia in den Bergen eine Visitenkarté 
des Ingenieurs Richter gefunden. Man nimmt an, 
Kichter habe dieselbe geflissenslich fallen lassen, um die 
Verfolager auf die Syur der Räuber zu fsühren. 
W. Berlin, 14. Juni. Die internationale Reise— 
gusstellung soll am 20. Juni geschlossen werden. 
W. Berlin, 14. Juni. Im September finden bei Brixen 
ind der Franzensfeste große Manöver statt. Das ganze 
4. Armeekorps und Teile des 3 Armeekorps sowie zahlreiche 
vebirgsbatterien von anderen Korps, zusammen 50 000 Mann 
nit 300 Geschützen, sollen teilnehmen. GVoss. 3tg.) 
W. Berlin, 14. Juni. Beim Ausschwefeln eines Zimmers 
ntstand ein Wohnungsbrand, wobei Menschenleben in große 
befahr gerieten. Die Treppe war schon total verqualmf 
ind die Gefahr für die Hausbewohner nicht zu unterschätzen 
rit Hilfe der Feuerwehr konnten alle ungefährdet ins Freis 
elangen. 
W. Berlin, 14. Juni. Der Streik im Bauklempnergewerb⸗ 
ßroß-Berlins dauert jetzt sechs Wochen. Eine Aussicht auf 
Beilegung scheint noch nicht vorhanden zu sein. 
W. Viareggio, 13. Juni. In der Villa Pianors sand 
seute die Verlobung des Erzherzogs Franz Josef 
nit der Prinzessin Zita von Bourbon statt. Nach 
jen Feierlichkeiten ist der Erzherzos nach London abge— 
eist, um den Kaiser Franz Josef bei den Krönungs— 
eierlichkekten zu vertrefen
	        
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