Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
Pbenos, Sonntags morgens) erschelnend. Bezugs⸗ 
hreis für das Vierteljohr 8,30 Mark einschließlich 
Bringgeld in Lubeck. Durch die Post bezogen ohne 
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linzeigenvpreis (Ausgabe A und B) für die 5gesp. 
zeile 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
ss Pfg., für Auswärtige 830 Pfg., f. Geschäftl. Mit- 
eilungen 1 Mt. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Zzatz den Anforderungen entsprechend höher. o 0 
Beilagen: Vaterstöbtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 161. Jahrgang Vachrichten für das herzogtum Lauenburg, die 
Heiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt BeRe Etneimunterbro hen etho der Jchre dage der Ntudbe ahchen to. Fürstentümer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
αια de meclenburgische und holsteinische Gebiet. 
—E 26580---ααο AArqhio des derlages, lorhle in der dicdtbioliothek zu Tubeck zende medlenburgische und hol 
Drud und Verlag: Gebrüder Borchers G.m. b. H. in Lübeck. — Geschäftssteslse Adreß haus Köniastr. 46). Ferniprecher 000 u. 01. 
GGroße Ansgabe) Mittwoch, den 7. Juni 191. Morgen⸗Blatt Ur. 281. 
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Erstes Blatt. Hhierzu 7 Rlatt. 
Umfang der 
Goethe und Bismarck. 
Lübeck 7. Junz 
In einer großzügig angelegten Festrede gelegentlich der 
Nesjährigen Weimarer Jahresversammlung der weltbekannten 
ind weltumspannenden Goethe-⸗-Gesellschaft am 3. Juni 
zing der bekannte Hamburger Bismarckforscher Er ich Marcks 
von brieflichen Aeußerungen des 80jährigen Bismarck und des 
zOjährigen Goethe aus, um die politische und allgemeine Welt— 
anschauung dieser beiden großen deutschen Männer miteinander 
u vergleichen. Vor allem lag ihm wohl daran, gleichzeitig 
hren bedeutungsvollen Anteil zu charakterisieren, den sie an 
z»em Aufblühen Deutschlands genommen haben als Bildner 
hres Volkes und als Verkörperungen der besten und größten 
Ausgestaltungen des deutschen Wesens in den letzten Jahr—⸗ 
zunderten. Er führte in Kürze etwa folgendes aus: 
„Von politischen Fragen ist auch Goethes Seele bewegt 
jewesen, aber der Zwang des Menschen zur Selbstbildung 
überwiegt bei ihm fast alle anderen Interessen; für Bismard 
zagegen stand bis zum letzten Atemzuge die Politik im Vorder— 
zrund; ihm war sie, wie er einst schrieb, die eine Leiden—⸗ 
chaft seines Lebens, die alle anderen aufgefressen habe und 
hmnun selber „zum Ekel“ werde. Der Gegensatz dieser 
»eiden Größten unseres Volkes in der Neuzeit ist damit ge— 
ennzeichnet. „Von Goethe zu Bismarck“, so kennzeichnet 
man gern die Entwicklung ihrer Zeiten. Und doch ist die 
engste Verwandtschaft ihres Seelenlebens vielleicht noch bedeut— 
amer. 
Bismarck mochte nicht den ganzen Goethe, an den „weib⸗ 
lichen“ Seiten des Dichters fand er keinen Geschmack, aber 
,‚mit sieben oder acht Bänden von den vierzig wollte er 
wohl eine Zeitlang auf einer wüsten Insel leben“. Goethe 
jat gleichsam „ahndevoll“ manche Gedanken und Taten des 
Staalsmannes gewürdigt. Eine ganze Fülle von Goethe— 
Worten gilt dem Genius der politischen Tat. Sie passen 
erstaunlich genau gerade auf Bismarck. Gesprochen waren sie 
natürlich über Napoleon oder über Wellington oder Canning. 
Auch Goethe hat den Staat lebenslang beobachtet und sich 
mit ihm, zuerst als Praktiker, dann als Zuschauer eindringlich 
beschäftigt. Seine Anschauungen waren vornehmlich ständisch: 
Jeder in seinem Stande, jeder Stand in festem Rechtsverhältnis 
sju dem anderen, alles in organischer, ruhiger, zusammen⸗ 
ängender Entwicklung. Ueber der ständisch geordneten Gesell— 
chaft und dem ständisch gesicherten Staate aber steht der 
egierende Mensch: erleuchtet und vieltätig in seinem Ein—⸗ 
zreifen. aber auf sich und seine Ueberlegenheit gegründet; 
Goethe sieht Staat und Regierung von oben her, er wahrt 
der herrschenden Persönlichkeit ihr ganzes Recht. Das wurzelte 
illes in den Verhältnissen, in denen er groß geworden war 
and selber mitregiert hatte. 
Beides aber, ständische Grundlage und persön— 
liche Souveränität, hat auch Bismarck lebenslang fest⸗ 
gehalten. Er war ein Gegner der Bureaukratie, der Demo⸗ 
ratie und des Dilettantismus, wie Goethe; nur daß bei 
Bismardk diese Souperänität wesentlich elementare Herrscher— 
bä 
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keit in vieles hinab, was, an Poesie wie an Versönlichkeitsstolz, 
von Goethe herstammt. 
Unser derberes politisch-wirtschaftliches Zeit— 
alter ist anders, als das dichterisch-philo⸗ 
ophische gewesen war; aber es ist von jenem innerlich 
niterzogen und befruchtet worden, und dieser Einfluß, dieses 
Bedürfnis nach Ergänzung unserer harten Einseitigkeit durch den 
Reichtum der Bildung, die in Goethe gipfelt, wird heute stärker, 
chmerzlicher, aber auch lebendiger empfunden, als Jahrzehnte 
hindurch. Beide müssen sie als Bildner ihres 
Volkes, als Verkörperungen der besten, größten 
Ausgestaltungen des deutschen Wesens der 
letzten Jahrhunderte zusammenwirken in Ge— 
renwartund Zukunft. Wir können keinen von ihnen ent⸗ 
hehren, und beide zusammen machen sie das Deutschtum aus. Ueber 
ille Verschiedenheiten hinweg, in denen sie einander stoßen, müssen 
ie beide zur Einheit und Rundung unseres nationalen Lebens 
nuns und in unsern Kindern gemeinsam schaffen. Und als 
roße Menschen verkörpern sie beide, gleich mächtig, die uner— 
chöpflichen Kräfte des Menschentums, des Persönlichkeitslebens, 
us deren Anschauung auch unserm Dasein erst Freudigkeit und 
LZebendigkeit zuströmt. 
Frankreichs bedenkliche Marokkopolitik. 
(Telegramme.) 
Aus Madrid liegen folgende vom Ministerpräsidenten Cana- 
ejas persönlich einem französischen Korrespondenten gegenüber 
jemachte Aeußerungen vor: Ich kann Ihnen nicht verhehlen, daß 
zie öffentliche Meinung in Spanien fest davon überzeugt ist, 
»aßß Frankreich das Protektorat über Marokko anstrebt, und daß 
s schon heute den Sultan nur noch wie eine Marionette behan⸗ 
»elt. Die Entlassung El Glauis war wohl die stärkste Kraft⸗ 
nobe Frankreichs. Ich fürchte, daß die Uebermacht der fran— 
ösischen Okkupationsarmee den Fremdenhaß aufs neue in Ma— 
okko entfachen wird. Wir haben in Elksar und Larrasch davon 
„iele Beweise. Das Beste wäre schon, wenn sich alle Unterneh— 
nungen im Rahmen der Algeciras-Akte hielten. 
W. Berlin, 6. Juni. General Toutée hat die Mannes— 
nannsche Minen-Expedition unter Führung des Ingenieurs Ber— 
rand aus Debdu in Ostmarokko ausgewiesen. Die deutschen 
Behörden wurden beauftragt, den Sachverhalt festzustellen. (GB. 
3. am Mittag.) 
Der Winzerkrieg beginnt von neuem. 
(Telegramme.) 
Nach einer Pariser Meldung hat sich der Staatsrat jetzk 
dahin ausgesprochen, daß das Champagneweinbaugebiet in zwei 
zonen einzuteilen sei, von denen die erste das bisher als Cham— 
agne bezeichnete Weinbaugebiet umfassen soll, die zweite die 
Irrondissements Bar-sur-Seine und Bar-sur⸗Aube, sowie Teilt 
er Departements Aube Seine⸗-et-Marne und Haute Marne, 
eren Weine Champagnerweine der zweiten Zone heißen sollen 
ind in die erste Zone gebracht werden können, um dort unten 
zedingungen, die ein Mittwoch im Amtsblatt erscheinendes De— 
ret bestimmen wird, zu Champagner verarbeitet zu verden. 
leber die Wirkungen dieses Dekrets auf die Winzer wird jetzt 
rus Bar⸗sur-Aube gemeldet: Die Winzer, unter denen die Ent— 
cheidung des Staatsrats große Erbitterung hervorgeurfen hat, 
sielten in vielen Ortschaften Versammlungen ab, um gegen die 
reilung des Champagnergebiets in zwei Zonen Einspruch zu er—⸗ 
zeben Abends wurden die Winzer durch Sturmalocken und 
CTheater, Kunst und Wissenschaft. 
Das Freilefttheater in Bremen ist am Freitag mit Shake— 
peares „Sommernachtstraum“ recht vielversprechend eröffnet 
vorden. Wohl noch nie hat der liebliche romantische Zauber 
»er Dichtung einen so tiefen Eindruck gemacht wie hier, wo 
die ganze Umgebung mit ihrem geheimnisvollen Naturleben 
im herrlichsten Einklang stand mit dem Elfenwunder, das der 
Lieblingssohn der Natur in seinen heimatlichen Wiesen und 
Wäldern am Avon in geweihter Stunde einst erblict hat. 
Zumal die Aufführung, dank der sorgsamen und verständnis— 
vollen Regie Carl Jönssons, ausgezeichnet vorbereitet war, 
ind die Darstellung des Bremer Schauspie hausensembles, das 
'ast vollzählig beteiligt war, durchweg gute, zum Teil vor— 
reffliche Leistungen aufwies. Sehr stimmungsvoll wirkte auch 
die Dekoration (das Schloß des Theseus), die von Herrn 
Mayrhofer (Dusseldorf) in einfach großem Stile entworfen 
war, und der von Mitgliedern des philharmonischen Orchesters 
unter der trefflichen Leitung des Herrn Kapellmeisters 
Schmuthzer ausgeführte musikalische Teil. Der Beifall war 
dem Eindrud entsprechend laut und nachhaltig. 
Das erste FreilichteDeater in Oesterresch. In Büngau⸗ 
zurg bei Bodenbach (Böhmen) wurde am Pfingstmontag 
ie erste ständige Naturbühne in Oesterreich mit Hauptmanns 
„Versunkener Glocke“ eröffnet. Das Freilicht Theater steht 
inter der Leitung des Prager Schriftstellers Ado Radenius. 
Künstlernachrich en. Anna Schabbel-Zoder, die Hoch— 
ramatische der Dresdner Hofoper, ist zur Kammersängerin 
rnannt worden. — Kammersänger Arthur Günther wurde 
b 1912 als lyrischer Tenor an das Staditheater in Köoln 
ngagiert. 
Mascagnis, Isabeau“. Aus Buenos Aires wirk ge— 
neldet: Die Uraufführung von Pietro Mascagnis dreiaktiger 
Oper „Isabeau“ fand unter Leitung des Komponisten statt. 
Has Publikum war begeistert. 
„Das Mysterium des heiligen Sebastian““ von d'Annunzio 
ind Debufssy wird demnächst auch in Berlin aufgeführt werden. 
Bie der B. L.⸗A. meldet, haben d'Annunzio und Debussy ein⸗ 
ewilligt, ihr Mysterium, Heiliger Sebastian“ im französischen 
lrtext im nächsten November mit der Pariser Darstellung 
nd Ausstattung in einem Berliner Theater aufführen zu 
assen. Debussy wird an jedem der drei Aufführungsabende 
en einleitenden Vortrag halten. Der zweite Alt, welcher 
n Paris die heftigsten Erörterungen hervorrief, wurde für 
zerlin auf ein Minimum gekürzt. DeAnnunzio und Debullfy 
aben mit der Durchführung des Unternehmens den jetzt in 
zerlin weilenden Imprefario Schuermann betraut. J 
Ur⸗ umnd Erstaufführungen. Am Kalseler Boftheater 
vurde die Uraufführung von der in Kassel lebenden Dichterin 
3. Meriton v. Mellentin „Arapas“, einem dreiaktigen Pariser 
Drama mit Erfolg durchgeführt. Mit dramatischem Geschick und 
ichterischer Kraft hat sie den in der Kyropädie des 
kenophon gegebenen Stoff von der Gattentreue der Panthea 
ls Tragödie behandelt. Aus der antiken Auffassung heraus 
‚estaltete sie das allgemein Menschliche im Wesen von Pantheas 
euschem Liebesempfinden für den einen, der ihr Gatte, dem 
ie gelebt allein und den sie nicht überleben will. 
Der Doktorschmaus des frũheren Staatsfekretärs Dern⸗ 
urg. Staatssekretär a. D. Dernburg, der frühere Leiter 
es Reichskolonialamts traf Donnerstag abend von Berlin 
a Königsberg ein. Herr Dernburg ist wie die Königsberger 
Zartungsche Zeitung hört, nach Königsberg gelommen, um 
er juristischen Fakultät der Albertus⸗Universität, die ihn im 
zuni vorigen Jahres zum Ehrendoktor ernannte, persönlich 
einen Dank hierfür abzustatten und der Fakultät den „Dok« 
orschmaus“ zu geben. Zu dem Essen, das Freitag abend statt⸗ 
and, war die gesamte juristische Fakultät mit ihren Damen 
ind dem Prorektor der Universität geladen. 
Kleine Nachrichten. Humperdincks Märchenoper „Diie 
Aönigskinder“ wird in der nächsten Spielzeit auber in 
stewyork auch in den anderen Großstädten der Vereinigten 
Staaten zur Aufführung gelangen, ferner in London Convent 
Farden), Brüssel (Monnaie), Riga (Stadttheater), und Mai« 
and (Scala), Lübecker Stadttheater. In der 25. Berliner 
Aufführung dieer Oper saig Jadlowler den Königsfohn, der 
die Rolle in Newyork kreiert hatte. — Im Festspielhause 
u Bayreuth wurde vor einigen Tagen feierlich die Mar⸗ 
norbüste des Geh. Kommerzienrats Adolf v. Groß enthüllt- 
er durch 35 Jahre Träger der Festspiel⸗Verwaltungsgeschäfte 
var und der heute noch ihre wichtige Stütze bildet. — Der 
Ausschuß des Mozarteums in Salzburg hat in seiner 
m J. Juni abgehaltenen Sitzung den Prof. Paul Gräner aus 
Wien zum Mozarteumsdirektor ernannt. — Ein neues Drama 
dun Erich Bruning: „Dar Herr der Erde“, ist zur Auf- 
ührung am Stadttheater in Frankfurt a. d. O. erworben 
arden. — Prof. Friedr. E. Kochs weltliches Oratorlum „Von 
en Tageszeaten“, welches bereits in 17. Städten zutr 
rfolgreichen Aufführung gelangt ist, wurde soeben von Herru 
zrof. Georg Schumann zur Aufführung mit der Berline⸗ 
Zingakademie am 17. Februar 1912 angenommen.
	        
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