Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Ausgabe 4. 
Sonnabend, den 3. Juni 1911. 
Abend⸗Blatt Kr. 2138. 
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Aus den Nachbargebieten. 
Hansestũd te. 
Hamburg, 3. Juni. Zur Krisis in den Ope4- 
retten-Theatern. Die Gläubiger der Bendinerschen Ope⸗ 
tetten⸗Theater haben eine Gläubigerversammlung auf Mittwoch, 
den 7. Juni, mittags 254 Uhr, nach dem „Hamburger Hof“ 
einberufen. In dieser Versammlung wird auch der Antrag 
eingebracht werden, gemeinsam 3000 Meaufzubringen, um über 
das Unternehmen den Konkurs zu eröffnen. Begründet soll 
dieser Antrag damit werden, daß einer der Hauptgläubiger an⸗ 
geblich sich selbst in den Besitz der Theater setzen will. 
Gleine Nachrichten) Körperverletzung durch 
einen Zahntechniker. Wegen schwerer Körperverletzung 
hatte sich der Zahntechniker P. vor der Strafkammer zu ver— 
antworten. Nach dem Eröffnungsbeschluß soll er am 19. Juni 
v. J. vorsätzlich und rechtswidrig einen Patienten derartig miß— 
handelt haben, daß dieser in erheblicher Weise dauernd ent⸗ 
stellt bleibt. An jenem Tage kam zu dem Jahntechniler P. 
ein Patient, dessen Backenzähne sehr schlecht waren. P. gab 
ihm den Rat, sich einige Backenzähne und vier Vorderzähne 
ziehen zu lassen. Mit der Entfernung der Backenzähne soll nun 
der Patient einverstanden gewesen sein, nicht aber 
mit der Entfernung der Vorderzähne. Trotzdem hat 
P. diese Zähne gezogen, deren Fehlen die Aussprache des 
Patienten behindert und dessen Aeußeres entstellt. Der An— 
geklagte machte geltend, daß die Behandlung durch ihn nicht 
zu Ende geführt werden konnte, weil sich der Patient ihr ent— 
zogen habe. Der Staatsanwalt beantragte auf Grund der 
Beweisaufnahme gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 
600 M. Das Gericht erkannte antragsgemäß. — Wegen 
Verbreitung der völlig erfundenen Grzählung, 
der Inhaber des Alsterpavillons H. sei von einem Offizier 
geohrfeigt worden, weil er dessen Frau habe aus dem Lokal 
weisen wollen, ist der Anzeigen-Akquisiteur C. vom Schöffen⸗ 
gericht zu einer Geldstrafe von 100 Meverurteilt. Gegen das 
Urteil hatte C. Berufung eingelegt. die aber von der Berufungs- 
instanz verworfen wurde. 
Schles wig⸗ Holstein. 
Elmshorn. 3. Juni. Die drei Geldschrank— 
nacher, die hier am 28. April von der Polizei auf dem 
Bahnhof festgenommen worden sind, sind jetzt von der 
Strafkammer in Altona verurteilt worden. Die Gelegenheits— 
arbeiter Paul Blober und Oskar Fleischhauer haben 
je 8 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung 
unter Polizeiaufsicht, der Hafenarbeiter KReuter 83 Jahre JZucht- 
haus und 5 Jahre Ehrverlust erhalten. 
Neumuünster, 3. Juni. Der vielfach vorbesträfte 
Zuchthäusler Benn und der Arbeiter Oehme aus Neu⸗ 
nünster plünderten am Donnerstag in Einfeld gemeinschaftlich 
die wohlgefüllten Vorratskammern des Hufners Möller. 
Während der Flucht wurden beide verhaftet und dann dem 
hiesigen Amtsgericht zugeführt. 
Burg a. F. 3. Juni. Entsprungen. In der Nacht 
wum Mittwoch entsprang aus dem hiesigen Gefängnis der 
Sattler Wöhlk, der dringend verdächtig ist, an einem hier 
erfolgten Einbruchsdiebstahl beteiligt zu sein. Wöhlk, der 
Mittwoch nach Kiel zur gerichtlichen Verhandlung abgeführt 
werden sollte, brach zur Nachtzeit die Füllung aus der Tür 
einer Zelle heraus, öffnete mit irgend einem Werkzeug das 
Schlotz der Haustür und kletterte. wahrscheinlich unter Beihilfe 
eines Komplizen, über die hohe Mauer, die den Gefängnishof 
einschließt. Am Fehmarnsund wurden Wöhlk und sein Helfers⸗ 
jelfer beobachtet, wie sie ein Boot von der Kette lösten und 
dann über den Fehmarnsund ruderten. Sie erreichten auch 
das Festland und suchten das Meite 
— 
Großherzogtum Dldenurg, Fürstentum Lübed. 
Ahrensbök, 8. Juni. Verkauft hat Hufner Reimers, 
Schwochel, seine reichlich 100 To. große Landstelle für 115 000 
Mark an Wilken aus der Lübecker Gegend. Die gerichtliche 
Auflassung ist bereits erfolgt. 
Lauenburg. 
Ratzeburg, 3. Juni. Die höchsten Brandschäden 
zeigt nach einer vom preuß. stat. Amt gemachten Aufstellung 
zie Provinz Schleswig-Holstein, die, auf den Kopf der Bevöl⸗ 
erung gerechnet, den Staatsdurchschnitt im Jahrzehnt 1900/ 1909 
»on 2,58 Mumit 4,52 Meum 60-70 Prozent überschreitet. 
Die Summe der Brandschäden in Preußen überhaupt betrug 
909: 100 303 000 M, in unserer Provinz 7 502 000 M. 
B. Mölln, 3. Juni. Die ersten Erdbeeren, füns 
roße, vollfleischige Früchte, wurden der Redaktion der Möllner 
Zeitung eingeliefert. — Die Bichbeerensträucher haben 
m diesjährigen Maimonat überaus zahlreich geblüht und 
dachtfröste so gut wie gar keinen Schaden angerichtet. Es 
jarf demzufolge auf eine ungemein reiche Bigbeerenernte ge— 
echnet werden. — In den Stadt see sprang vorgestern 
achmittag von der Seestraße aus der 50 Jahre alte Ar— 
zeiter W. von hier. Derselbe hatte sich aber eine so seichte 
Ztelle ausgesucht, daß ein Ertrinken unmöglich war, der Haupt⸗ 
wech jedoch, einen großen Menschenauflauf zu verursachen, 
zrreicht wurde. Da man an W. niemals Zeichen von Lebens-⸗, 
vohl aber oft solche von Arbeitsüberdrüssigkeit verspürt hat, 
wurde dem Vorsfall keine weitere Bedeutung beigelegt. 
Großherzogtümer Medlenburga. 
Schwerin, 3. Juni. Das Kriegervereinswesen 
in Mecklenburg-Schwerin. Dem vom Bundesvorstande 
serausgegebenen Jahresberichte des Meclenburgischen Krieger— 
erbandes über das 36. Verbandsiahr 4910 entnehmen wir 
'olgende Mitteilungen: Der Verband zählte am 1. Januar 1910. 
07 Vereine mit 30802 Mitgliedern; am 1. Januar 1911: 317 
Vereine mit 31936 Mitgliedern, wovon 588 Ehren-, 159 beitrags- 
‚reie, 31 189 beitragzahlende Mitglieder waren. Der Verband 
iahm also im Jahre 1910 um 10 Vereine und 1134 Mitglieder 
zu. 288 Vereine besitzen landesherrlich verliehene Faͤhnen. Der 
Sterbekasse des Deutschen Kriegerbundes gehörten am 1. Januar 
1911 im Mecklenburgischen Kriegerverbande an: 2195 Personen 
nit einer Gesamtversicherungssumme von 480 388 M. Die in 
rolge des Beschlusses des Abgeordnetentages 1909 vom Verbands- 
horstande unternommenen Schritte zur Steuerbefreiung der Ve— 
eranen haben den Erfolg aufzuweisen, daß sich sämtliche in 
BZetracht kommenden 42 städtischen Verwaltungen Mecklenburgs 
zustimmend erklärt haben. Die Höhe der Steuerbefreiungen 
chwankt zwischen einem Einkommen von 600 bis 2000 M. Zu 
paterländischen Zwecken wurden im Berichtsjahre 4418 Mugesam— 
nelt. Im abgelaufenen Jahre wurden von den Vereinen für 
Unterstützungszwecke 82 221 Mugezahlt. Aus der Kasse des 
Mecklenburgischen Kriegerverbandes wurden für 129 Unter— 
tützungsgesuche 2584 Meubewilligt. Von dem Landesverein der 
zaiser⸗Wilhelm⸗Stiftung wurden dem Verbande 469,50 MUn— 
erstüßzungsgelder zur Auszahlung überwiesen. Es sind im Be— 
ichtsjahre insgesamt 35 419,50 Mufür Unterstützungszwecke im 
Mecklenburgischen Kriegerverbande ausgezahlt worden. — Vor— 
itzender des Mecklenburgischen Kriegerverbandes ist Brauerei— 
besitzer Oberleutnant d. L. a. D. Hapemann, Schwerin. 
Schwerin, 3. Juni. Selbstmord durch Erschießen 
erübte in letzter Nacht, als er in seinem Hause im Grünen 
Winlel keinen Einlaß fand, ein hiesiger, dem Trunke ergebener 
dausdiener. Im Krankenhause, wohin er noch lebend trans—⸗ 
portiert wurde, erlag er seinen Verletzungen. 
Rostock, 3. Juni. Einer großen Gefahr ent— 
ronnen sind dieser Tage vier junge Sportsleute von hier. 
DPiese haben in Berlin ein arßkeares Gegelfabrzeung gekauff 
das sie nach Stettin schleppen ließen, um von dort damit 
nach Rostoch zu segeln. Bei starkem Ostwinde wurde die Fahrt 
ingetreten. Als nachts der Wind zum Sturm ausartete, be— 
chlossen die jungen Leute, bei der Greifswalder Oie Schutz zu 
suchen und das Abflauen des Windes abzuwarten. Hierbet 
geriet das Fahrzeug auf steinigen Grund und erhielt ein 
zroßes Leck, so dah es voll Wasser lief. Das in der Nähe 
lationierte Lotsenboot nahm die jungen Leute auf und landete 
ie in Greifswald, von wo sie wieder in Rostod eintrafen. 
das Boot dürfte als verloren anzusehen sein — Verhaftel 
ourde in Warnemünde ein junger Mann, der sich als ein 
Zandlungsgehilfe aus Berlin ausgab. Er machte sich durch 
gröhßere Geldausgaben in einem Restaurant bemerkbar und 
lenkte dadurch die Aufmerksamkeit auf sich. Nach den Er— 
nittelungen der Polizei soll der junge Mann mit einer größeren 
Beldsumme von einer Firma in Berlin zur Bank gesandt 
worden sein, worauf er es aber vorzog, mit dem Gelde zu 
oerschwinden und als Badegast in Warnemünde wieder aufzu⸗ 
rauchen. Der Flüchtling wurde dem Amtsgerichtsgefängnis in 
Rostoch zugeführt. 
Parchim, 3. Juni. Zu dem Großfeuer in Herz⸗ 
feld ist noch nachstehendes zu berichten: Als der Erbpächter 
Muchow 121/3 Uhr nachts erwachte, gewahrte er einen hellen 
Feuerschein. Er eilte hinaus und sah, daß bereits das ganze 
mit Stroh gedeckte und mit Scheune und Stall verbundene 
Wohnhaus seines Nachbarn. des Schulzen Timm, in hellen 
Flammen stand. Er machte Feuerlärm, wovon Timm, sowie 
dessen 19jährige Tochter, ein 15jähriger Sohn und die Wirt⸗ 
chafterin erwachten und schleunigst hinauseilten. Leider sind 
die in der Knechtskammer in einem gemeinschaftlichen Bett 
chlafenden 13- und 22jährigen Söhne Timms vermutlich schon 
erstict gewesen. Man fand später die beiden verkohlten 
deichen noch im Bett nebeneinander liegen, als 
b der Tod sie im Schlaf überrascht hätte. Ein Raub der 
Flammen wurde ferner auch sämtliches Vieh. Falt gleichzeitig 
»rannte das erst vor einigen Jahren vollständig durchgebaute, 
jartgedecte Pfarrgehöft nieder, dessen Bewohner nur das 
nackte Leben retteten. Als drittes Gehöft ging dasjenige 
des Erbpächters Wilh. Fölsch, Nr. 18 (Wohnhaus, Scheune 
und Schweinehaus) in Flammen auf. Sodann folgten die Ge— 
höfte der Erbpächter Joh. Hecht, Nr. 19 (Wohnhaus, Scheune 
ind Katen); Erbpächter und Gastwirt Johann Brüning Nr. 20 
Wohnhaus, Scheune, zwei Katen, Stall und Wagenschauer), 
Erbpächtet Karl Hinrichs, Nr. 1 (Echeune, Katen, Schweine- 
lall); Erbpächter Wilh. Timm, Nr. 2, Bruder des Schulzen 
Timm (Wohnhaus, Scheune und zwei Katen), Erbpächter Johann 
Buß, Nr. 3 (Katen), Büdner Wilh. Porath (Stall) sowie Häus— 
er und Maurer Karl Ahrendt (Wohnhaus und Backhaus). 
Insgesamt sind 28 Gebäude, die meistenteils mit weicher Be— 
dachung versehen waren, ein Raub der Flammen geworden. Die 
genaue Zahl des im Feuer umgekommenen Viehes ilt noch un be⸗ 
annt. Die Abgebrannten sind durchweg nur niedrig versichert. 
die Entstehungsursache des Feuers ist völlig unbekannt. Die 
neiden Leichen sind in der Kirche untergebracht. 
Sprechsaal. 
WGar den Inhalt dieser Nubrit übernimmt die Redaktiou 
keine Verantwortung.) 
Eingesandt.) 
An die verehrliche Baubehörde. 
Seitdem das Strabßenpflaster der Bedergrube er⸗ 
neuert worden, ist noch so viel Sand, Erde und Schmutz in der 
Straße liegen geblieben, dah die Häuser bei dem trockenen 
Wetter fortwährend eingestäubt sind. Ich bitte die verehrliche 
Baubehörde, Aoch dafür Sorge tragen zu wollen, daß dieser 
unangenehme Schmutz nunmehr von der Straße weakommt, da- 
mit wir unsere Häuser sauber halten können. 
Eine Hausfrau. 
—— — J — — 
Marmorberg, der prachtvoll anzuschauen war. Obgleich schon 
ofort beim ersten Anblick von der Vorzüglichkeit des ge— 
undenen Gesteins überzeugt, wollte ich keinen offiziellen Be— 
icht erstatten, bevor eine Anzahl Blöcke aus dem Berge 
zerausgehauen und untersucht worden waren. Diese Blöcke, die 
man gleich bei der Inangriffnahme des Steinbruchs erhielt, 
hatten seit Jahrtausenden der Ungunst der Witterung getrotzt; 
sie waren bereits von einer Tiefe von 18 em an tadellos rein 
im Korn. Wenn man erwägt, daß der in Amerika anderswo 
gefundene Marmor häufig bis zu einer Tiefe von 526m 
abgeschlagen werden muß, ehe man einen einwandfreien Stein 
erhält, so wird man die Qualität des neuen alaskischen Pro— 
ouftes richtig einschätzen M. G., Varis. 
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Einen dandenswerten Forischritt auf dem Gebiete der Schul⸗ 
U hnaiene I 
zedeutet die Schulzahnklinik, die kürzlich in Wilmers- 
orf erßffnet worden ist. Errichtet hat sie der Ortsausschuß 
Berlin⸗-Wilmersdorf für Zahnpflege in den Schulen; sie ent- 
Jält ein Wartezimmer, in dem eine kleine Bücherei, Wand- 
bilder und Sprüche die Angst der kleinen Patienten beschwich 
igen, ein Zimmer für den leitenden Arzt und eine Schwester, 
einen Operationssaal. der mit den modernsten Instrumenten und 
Vorrichtungen ausgerüstet ist, und ein Ruhe- und Spiel- 
zsimmer. Zähne werden unentgeltlich gezogen; eine Füllung 
lostet nur 50 Pfg., doch kann im Falle der Bedürftigkeit 
auch von dieser Zahlung abgelseben werden. 
Ernst Haeckels Memoiren. 
Prof. Ernt Hatedel arbeitet gegenwärtig, wie aus Jena 
gemeldet wird, an seinen Memoiren, von denen der erste 
Band bereits im nächsten Jahre erscheinen soll. Die Lebens- 
erinnerungen werden mindestens zwei starke Bände umfassen 
und mit zahlreichen Nachbildungen von Zeichnungen und Aqua- 
rellen geschmüctt sein, deren Originale von Haedels Hand her« 
rühren. Bekanntlich hat Haeckel von seinen Reisen in den 
Küstenländern des Mittelmeeres, auf Ceylon, Niederländisch⸗ 
Indien u. a. eine große Zahl von Landschafts⸗ und Tier- 
bildern, besonders von Aufnahmen der farbenprächtigen Tier« 
welt der Tropenmeere, mitgebracht, die jetzt zum größten 
Teil in dem von ihm gegründeten Phylogenetischen Museum in 
Jena ihren dauernden Vlaß gefunden bok⸗ 
Welt und Wissen. 
Ueber Staupe, ihre Ensstehung und Verhütung 
hzielt Tierarzt Dr. Docter im Polizeihun dverein für 
samburg und Umgegend einen Vortrag. Der Redner 
ührte aus, daß die Staupe die gefürchtetste Krankheit und 
zugleich der größte Würgengel der jungen Hunde sei. Unter 
berschiedenen Namen sei die Erkrankung bekannt, so z. B. 
unter Hundeseuche, allgemeine Hundekrankheit, Hunderotz usw. 
Meistens trete sie im ersten Lebensjahre auf. Ueber ein Jahr 
alte Hunde erkrankten verhältnismäßig selten an der Staupe, 
vas wohl seinen Grund darin habe, dahß die Mehrzahi 
chon in frühester Jugend die Staupe durchmache, vielleicht 
n so gutartiger Form, daß es der Aufmerksamkeit des Be— 
sitzers entgehen müßte. Nach dem heutigen Standpunkt der 
Wisenschaft gehöre die Staupe zu den kontagiösen Infektions— 
rankheiten. Die Ansteckungsstoffe (Bazillen, Bakterien) seien 
nit Sicherheit noch nicht nachgewiesen, jedoch hätten Impfun—⸗ 
jen gelehrt, daß der Anstechungsstoff sowohl fixer als flüch- 
iger Natur ist, d. h. daß eine Uebertragung auch durch Ein⸗ 
itmung oder durch indirekten Verkehr möglich sei. Eine ganz 
jesondere Disposition zur Erkrankung an Staupe besäßen mehr 
oder minder verzärtelte, meist im Zimmer gehaltene, schwäch— 
iche Hunde. Als prädisponierendes Moment kämen vor allem 
in Betracht: Erkältung, fehlerhafte, unrationelle Zucht und 
haltung der jungen Tiere, unrichtige Ernährung uswp. Die 
Meinung, daß durch Fleischkost bei jungen Tieren Staupe her—⸗ 
vorgerufen werden könne, sei leider so verbreitet, daß man 
sich darüber wundern müsse. Tiere werden mit ungenügenden 
Futterstoffen, Brot und Kartoffeln, gefüttert, wodurch eine 
chwere Schädigung und Schwächung der Körperkonstitution zu— 
tande komme. Es läge doch viel näher, einem Fleischfresser 
— denn unser Hund ist doch als ein solcher jedermann be— 
'annt — Fleisch als Nahrung zu geben. Auch zu früh von der 
Muttermilch abgesetzte Junge und lediglich mit Milch, Mehlsuppe 
isw. aufgezogene Tiere erkrankten wegen ihrer geringen Wider— 
tandsfähigkeit sehr leicht an Seuche. Die schon erwähnte Er— 
kältung als prädisponierendes Moment für die Entstehung 
der Staupe könne für sich allein niemals die Erkrankung 
zeitigen, vielmehr sei hierzu eine Infektion durch das Staupe- 
gift ndtig. Als wirksamste Vorbeuge gegen die Staupe gilt 
von jeher rationelle Zucht und Haltung der jungen Tiere. Des- 
balh sej eins geteaelta Ernabrung Zukerit wicttig. Im e 
meinen seien die Ernährungsprinzipien für alle Tiere gleich. 
Alle mübßten die gleichen Nährstoffe wie Eiweiß, Fett, Kohlen— 
Iydrate und Mineralstoffe erhalten. Unter diesen sei der 
Eiweißstoff von größter Bedeutung für das Wachstum der 
Tiere, da er namentlich zur Bildung des Blutes, der Milch, der 
Muskeln, des Fleisches, der Gelatine und der Knochen beiträgt 
Fett und Kohlenhydrate wirkten auf den Fettansatz und Er 
eugung von Körperwärme. Das Fleisch sei ein Nahrungsmittel. 
»as alle diese Stoffe enthalte, ganz besonders aber Eiweiß 
da der Hund von Natur aus auf den Genuß von Fleisch an⸗ 
jewiesen sei, so sei bei der Aufzucht junger Hunde, um sie 
jesund zu erhalten, neben Milch insbesondere auch auf die 
Fleischfütterung das Hauptaugenmerk zu legen. Weiterhin wäre 
u beachten, daß alle Futtermittel nur in gutem Zustand ver— 
ibfolgt werden, damit die sehr empfindlichen Verdauungs⸗ 
rgane des jungen Tieres nicht gereizt werden und so das 
Staupegift keinen geeigneten Boden für die Entwicklung fände. 
Iußer einer rationellen Ernährung lönne auch die Atmung und 
Tätigkeit der Haut von Wichtigkeit sein zweds Vorbeuge gegen 
»ie Staupe. Dr. Docter führte des weiteren aus, daß Stär—⸗ 
ung, Abhärtung und Erlangung grökerer Widerstandsfähigkeit 
egen Witterungseinflüsse auch vorbeugend gegen die Staupe sei. 
Tägliche Bewegung im Freien müsse den Tieren gestattet werden, 
und Waldluft sei den jungen Tieren ebenso zuträalich und 
wohltuend wie den Moenschen 
*. 
Alaskischer Marmor. 
Der amerikanische Gelehrte Schelden berichtet in der Zeit— 
chrift „Franklin Institute“ über außergewöhnlich schöne Mar⸗ 
norfunde, die er im Verein mit Mr. Cronin im Gebiete von 
Schakan in Alaska gemacht hat. Er sagt: Nachdem ich die 
MNarmorprobe untersucht hatte, konstatierte ich, daß der Stein 
alen Marmorsorten der Vereinigten Staaten bei weitem über— 
legen ist und daß er in nichts dem berühmten karrarischen 
Marmor nachsteht. Wie vielen und wie vorzüglichen Marmor 
nuch unser Land hervorbringen mochte — immer wurde er 
zurch den italienischen verdrängt, der heute alliährlich in 
Jehntausenden von Tonnen eingeführt wird. Das soll nun 
inders werden, da die Marmorarten von Alaska in der Zu⸗ 
ammensetzung, Farbe und Widerstandsfähigkett es mit den 
zesten italienischen Sorten aufnehmen. In Alaska angekommen 
eintdeckte ich (bel dem obengenannten Orte) einen wabren
	        
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