Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

attück. mit denen ihr hingebungsvolles Wirken auf 
inem Gebiete verbunden war, auf welchem Ich auch die Be— 
trebungen unserer Reichshauptstadt stets mit voller Teil— 
iahme und besten Wuünschen begleiten werde. Auguste 
Bittoria R.“ 
Rüdttritt des deutschen Gesandten in Schweden. Der 
Zaiser hat den bisherigen außerordentlichen Gesandten und 
bevollmächtigten Minister am königlichen schwedischen Hofe 
Frafen v. Pückler von diesem Posten abberufen und, unter 
zgerleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit 
»em Prädikat Exzellenz, seinem Antrage gemäß in den Ruhe— 
tand versetzt. 
Der König von Sachsen und der Vatikan. Sächsische 
Negierungsblätter bringen in der Affäre des Barons de 
Hathies folgende offizielle Erklärung: „Nachdem Se. 
veiligkeit der Papst Sr. Majestät dem Könige schon vor 
ängerer Zeit den Ausdruck aufrichtigen Bedauerns und ent⸗ 
chiedener Mißbilligung der Auslassungen des Monsignore Paul 
»e Mathies hatte übermitteln lassen, geht jetzt dem Ministerium 
»er Auswärtigen Angelegenheiten auf diplomatischem Wege 
die Nachricht zu, daß inzwischen auch eine entsprechende Ver⸗ 
tändigung des genannten Geistlichen seitens des apostolischen 
Nuntius in Muünchen erfolgt und eine angemessene Erklärung 
hm dort abgegeben worden ist“. Dazu bemerken die Leipz. 
st. Nachr.: „Wir wissen nicht, ob man in Dresden „an 
azu berufener Stelle“ der Ansicht ist, daß die peinliche Affäre 
nit dieser Kundgebung zu einem Abschluß gelangt fei. Jeden⸗ 
falls ist klar, dahß davon gar keine Rede sein kann. Die 
Erklärungen, die Baron de Mathies dem apostolischen 
Nuntius in München abgibt, sind gänzlich belanglos. Nach 
»er Ankündigung des Dresdener Journals kann der Fall 
nicht als erledigt gelten, solange Baron von Mathies nicht 
zffentlich widerrufen und um Entschuldigung gebeten hat. Es 
väre e in kläglicher Ausgang, wenn die sächsische Regierung 
das, was angekündigt worden ist, nicht auch vom Vatifkan 
erreichen könnte. Und es ist die höchste Zeit, daß der ürger⸗ 
riserregenden Angelegenheit rasch und entschieden ein Ende 
zemacht wird“. — Es wird ferner unangenehm empfunden, 
»aß der gesamte schriftliche Verkehr zwischen der Regierung 
»der dem König und der römischen Kirche streng geheim gehalten 
wird, wie schon in der Borromäus— und in der Prinz⸗Max— 
Angelegenheit. Man glaubt, daß auch der König von der 
Sachlage sehr wenig befriedigt ist. 
Gegen den Reichstaaspräfidenten Grafen Schwerin⸗Löwitz 
zaben die Nationalliberalen in Antlam⸗Demmin den ein— 
zeimischen Hofbesitzer Rudolf Kurth in Daberkow als Kan— 
idaten aufgestellt. Kurth war früher Lehrer und wurde 
nfolge eines Todesfalls in seiner Familie Landwirt. 1907 
wurde Graf Schwerin mit 9312 gegen 4135 freisinnige und 
1803 sozialdemokratische Stimmen gewänlt. — Da man nicht 
weiß. wie viele seiner Neuntausend Nationalliberale waren, 
bleiht abzuwarten, ob Graf Schwerin⸗Löwitz nicht sein eigenes 
Mandat gefährdet hat, als er ganz im Gegensatz zu der 
sonst auch von ihm beachteten, mit der Stellung eines 
Keichsstagspräsidenten noch notwendig verbundenen partei⸗ 
politischen Zurüchhaltung die nationalliberale Partei in 
Bausch und Bogen in einer Weise angriff, wie man sie sonst 
nur bei den Klopffechtern der Parteien gewohnt ist. Das 
haben damals auch Konservative bedauert. »3 
Eine Wahlparole. Der Landtagsabgeordnete Dr. 
ßünther gab in einer Versammlung der Fortschritta 
hbichen Volkspartei in München die Parole für 
die nächsten Reichstagswahlen bekannt: „Nieder mit 
dem Block der Konservativen und Ultramontanen. Wir 
fürchten uns vor keinem Gewaltmittel, das uns 
n dieser Hinsicht zum Siege führen kann. Jede Angstmachetei 
iegt den Mitgliedern der Fortschrittlichen Volkspartei fern. 
Wer aus bloßer Furcht vor der Sozialdemokratie dazu ver— 
zilft, den erwähnten Block zu dem zu machen, was er ist, 
»er handelt wie ein Soldat, der aus Angst vor dem Feinde 
ich vorher den Tod gibt.“ — Das ist radikal genug. 
Dee Entwurf eines Seeunfalligesetzes ist im Bundesrat 
wo weit gefördert worden, daß seine baldige Einbringung im 
Reichstage zu erwarten ist. In Acbereinstimmung mit den 
beteiligten Kreisen legen die verbündeten Regierungen Wert 
varauf, diese Vorlage noch in der laufenden Tagung zu ver⸗ 
bschieden. 
Der Gesetzentwurf sur die Privaibeamten⸗Verficherung hat, 
ach Mitteilung der Tägl. Rosch., die Unterschrift des Kaisers 
sur Vorlage im Bundesrate erhalten. Die Veröffentlichung 
er Vorlage stebe unmitteshar bevor 
— 
„Sie haben den Antrag meines Bruders heute zurüd—-⸗ 
zewiesen ? 
„Gehört das zur Sache?“ fragte Undine empört. 
„Nein,. und doch ja. Es würde mich aber sehr interessieren, 
vie Gründe kemmen zu lernen, weshalb Sie meinen Bruder 
abwiesen.“ —D 
„Tarüber, mein Herr, bin ich Ihnen keine Rechenschaft 
schuldig. Wenn man mir auch alles genommen hat, meine 
Gefühle sind wenigstens noch mein. Ich gestatte Ihnen keinerlei 
Einmischung in meine inneren Angelegenheiten.“ 
„Gemach, Gnädigste, gemach. Sie gehen von der irrigen 
Voraussetzung aus, daß ich Ihr Feind bin. Ich möchte Sie 
jern vom Gegenteil überzeugen.“ 
„Es liegt mir nicht daran,“ wehrte Undine. „Und jetzt, 
verr Graf, können wir wohl die Unterredung enden?“ 
—ARVVV 
zrannte eine flackernde Unruhe, deren Rätseln er nachsann, 
o daß er fast eine Entgegnung vergaß. 
„Verzeihen Sie,“ nahm er endlich, sich zusammenraffend, 
das Wort, „wenn 'ich vielleicht den falschen Weg eingeschlagen, 
um Ihr Vertrauen zu erringen. Wir kennen einander so wenig, 
dah es wirklich vermessen von mir wäre, mehr zu ver⸗ 
angen, als Sie geben können. Die Tatsache, daß Sie die 
Hand meines Bruders ausschlugen, reranlaßt mich, Ihnen 
einen Vorschlag zu unterbreiten, der schon lange vorher in 
mir reifte, ehe ich von der Werbung meines Bruders Kenntnis 
rrhielt.“ V6 
„Wollen Sie sich bitte nicht kürzer fassen, Herr Graf? 
zch fürchte, wir dehnen diese ganze zwech und ziellose Unter- 
edung nur zu lange aus.“ 1143 
Er neigte kurz den Kopf. In seinen braunen Augen war 
olötzlich auch ein flackerndes Licht. 
„Sie wissen. Gräfin, dah ich ein Freund Ihres Bru⸗ 
vers war? 
Da, er schrieb sfters von Ihnen und leider auch einmal 
rie Tatsache, daß Sie eine großze Summe, die er im Spiel 
fur ihn geopfert“ CEGorssetuna folat. 
Das preußische Zwecverbandsgefet. In einer Betrachtung 
er Entwürfe des allgemeinen Zweckverbandsgesetzes und des 
»weckverbandgesetzes für Groß⸗-Berlin, womit die preußische 
degierung vor den eben eröffneten Landtag treten wird, schreibt 
ie Norddeutsche Allgemeine Zeitung u. a.: Der Entwurf 
oill das Institut der Zweckverbände nach zwei Richtungen 
beiter entwickeln, indem er einerseits eine Verbindung von 
ztadt zu Stadt ermöglicht, andererseits das Geltungsgebiet 
uf die ganze Monarchie, besonders Rheinland, Westfalen und 
zannover ausdehnt. Ferner soll namentlich mit dem starren 
Naßstab der Steuerkraft für die Verteilung der Stimmenzahl 
ind der Beitragslasten gebrochen werden. Der Entwurf zielt 
uf eine freiere Anpassung des Maßstabes an den konkreten 
zinzelzwed des Verbandes hin. Das Bedürfnis der gemein⸗ 
chaftlichen Verwaltung einzelner Kommunalangelegenheiten, wie 
B. der Wasserleitungs⸗, Entwässerungs-, Elektrizitäts⸗ und 
ztraßenbahnanlagen wächst immer mehr, weil die Anlagen 
adurch einerseits rentabler werden, andererseits oft der Natur 
ach interkommunal sind. Gerade für die Industriegebiete 
es Rheinlandes und Westfalens kann die Wirksamkeit des 
zesetzes bedeutsam sein. 
In Uebereinstimmung mit Pichon wird von der ganzen 
ßresse die Festigkeit des Bündnisses mit Rußland betont. Un⸗ 
erkennbart herrscht aber in weiten Kreisen tiefe Ver—⸗ 
immung über die Politik Sasonows, der u. a. 
delcasso und Ribot offen Ausdruckh verliehen haben. Be⸗ 
Ionders erbittert ist man darüber, daß der russische Minister 
es Aeußern vor den Potsdamer Verhandlungen Frankreich 
niicht zu Rate gezogen hat. Es w'rd betont, daß auch Frank⸗ 
eich fortan Rußland nicht mehr in allen Dingen Gefolg⸗ 
chaft leisten werde. 
VBelgien. 
Die vom Gericht bestellten Sachverständigen haben dem 
herichtshofe jetzt ein ausführliches Gutachten über die Ur—⸗ 
achen des Brandes auf der Weltausstellung über—⸗ 
eben. Darin wird die Hauptschuld an der großen 
lusbreistung des Feuers den Löschanstalten der Stadt 
Brüssel zugeschrieben. Auf Grund des Gutachtens wollen, 
vie verlautet, verschiedene Aussteller gegen die Hauptstadt 
nuf Schadenersatz klagen. 
Montenegro. 
Aus sonst zuverlässiger Queile verlautet, daß Kron—⸗ 
»rinz Danilo von Montenegro auf sein Thron— 
olgerecht verzichten werde, da seine Ehe kinderlos ge— 
lieben ist. Er werde demnächst nach Petersburg reisen, um 
ꝛie Genehmigung des Zaren zu diesem Verzicht einzuholen. 
Wenn der Zar einverstanden sei, würde Prinz Mirko, 
»er Gatte der Prinzessin Jutta von Mecklen— 
urg und zweiter Sohn des Königs Nikolaus, zum Kron— 
rinzen vrokflamsert werden 
heer und Flotte. 
O.K. Ein leichtes Maschinengewehr. Aus Newyork wird 
zerichtet: In den Waffenfabriken der amerikanischen Armee 
Springfield sind eine Reihe von Ingenieuren eifrig am 
berke, ein neues französisches Maschinengewehr zu vervoll⸗ 
nmnen, das eine wertvolle Verbesserung des Maximgeschützes 
arstellt. Die Feuergeschwindigkeit dieser neuen Kriegswaffe, 
ie den Namen Benet⸗-Meroier führt, ist zwar etwas geringer 
xis die der Maxim⸗-Maschinengewehre; sie vermag in der 
Ninute 400 Schüsse abzugeben, gegen 600 des Maximgewehrs. 
der gewaltige Fortschritt liegt in der Leichtigkeit der neuen 
Baffe, die ein einzelner Soldat bequem tragen kann. Denn 
vährend die Schnellfeuerkanone von Maxim ein Gewicht von 
Zentnern hat, wiegt das neue Geschätz nur 20 Pfund. 
das Maschinengewehr hat einen Schaft, sodaß es der einzelne 
Nann bequem auf der Schulter tragen kann. Beim Schießen 
iegt der Mann auf der Erde, der Lauf des Gewehres ruht 
uuf zwei Stützen. Auch hieraus ergibt sich ein weittragender 
Gorteil gegenüber den Maximgeschützen, bei denen der Schütze 
ruf der Maschine fitzen muß, um zu laden. Die amerilanische 
Regierung hat bereits 100 dieser neuen Maschinengewehre 
hestesstt 
Theater und Musik. 
Lubecd, 16. Jan. 
Hansatheater. 
Letztes Gaftfpiel Job⸗Clasfen. 
Das britte der tollen Stücke, welche die Kölner uns 
orführten, war das tollste, unmöglichste von ihnen, aber 
iicht das beste. Am besten aufgebaut und mit einer durch— 
ehenden Idee versehen, hatte das zweite, trotz seines ent— 
tzuichen Titels: „Mein Bruder, das'n Luder“, noch gewisse 
terarische Allüuren; das dritte Stück aber artet im letzten 
lkt geradezu in Blödsinn aus. Es ist ja schon sehr viel 
erlangt, sich eine Familie, notabeno eine glückliche, vorzu⸗ 
ellen, in welcher der außereheliche Sohn des Mannes seiner, 
es auhßerehelichen Sohnes Frau — nein, so geht das nicht. 
llso — SHSermann hat einen illegitimen Sohn, dieser heiratet 
zermanns Schwiegermutter, also der Sohn ist der Vater seines 
igenen Sohnes. Es würde ein anmutiges Geduldspiel sein, 
ie verschiedenen Verwandtschaftsverhältnisse dieser Familie 
serauszuknobeln. Hierzu gesellt sich nun noch im letzten Akt 
er erste geschiedene Mann von Hermanns, mit feinem Sohne 
diederverheirateter Schwiegermutter, und richtet einen schreck⸗ 
ichen Blödsinn an, verschwindet aber kurz vor Torschluß, 
ardon Aktschluß, im Gefühl seiner eigenen Ueberflüssigkeit, 
hne mit seiner früheren Frau Wiedersehen zu feiern. 
Warum das Stück gerade in Paris und Trouville spielen 
auß, wird nicht klar, Köln und Borkum wären doch weit 
atürlicher. Uebrigens galaube ich nicht, daß in Varis oder 
Trouvulle eine bürgerliche Wohnung wildfremden Menschen 
Us Absteigequartier, Krankenhaus, American Bar oder für 
ihnliche Zwecke zu dienen pflegt. 
Das Publikum, das einen starken militärischen Einschlag 
wufwies, amüsierte sich wieder köstlich — und das ist ja schließ⸗ 
ich der Zweck der Uehung S.O. B. 
————— J Vxr —8X 
Vor 40 Jahren. 
In den Lübeckischen Anzeigen vom Nnt 
dem 16. Januar 1871 finden sich folgende difiziee 
Kriegsnachrichten: 
Versgilles, 18. Jan. Vor Varis wurde bei an⸗ 
haltendem Nebel ein ruhiges Feuer von unseren Batleried 
jegen die Werke und die Ssadt unserhalten. Der Feind 
antwortete nur matt. Diesseitiger Verlust an Toten und 
derwundeten; 2 Offiziere, d Mann. Feldmarschall Prin 
riedrich Carl meldet aus Ke Mans: Der Feind gieht 9 
eils auf Alençon, teils quf Laval zurück, versolgt von den 
iesseitigen Kolonnen. Von der Armee des Generals 
hanzy fielen in den ununterbrochenen Kämpfen vom 6. 
is zum . allein über 6000 unverwundete Gefangene in 
die Hände der 2. Armee; außerdem wurden ihr 12 Geschüße 
zesp. 42 Mitrailleusen abgenommen. 6 Lolomotiven und 
200 Wagen wurden erbeutet. 
— den 14. Januar, In der Nacht vom 13. zum 14. 
erfolgten heftige Ausfälle agus Paris gegen die Positionen 
der Garde bei Le Bourget und Drancy, des 11. Korps bei 
Meudon und des 2. bayrischen Korps bei Clamart, die überall 
iegreich zurückgeschlagen wurden. Rüchzug des Feindes an 
ꝛinigen Stellen jluchtartia. 
Tagesbericht. 
Lübeck, 16. Januar. 
Genertalmajor Netzler F. In der verflossenen Nacht 
'arb infolge eines langiährigen Leidens Generalmajor a. D. 
ouis Karl Friedrich Theodor Henry Neßler im Alter 
on nahezu 60 Jahren. Geboren am 25. Mai 18501 in 
zerlin. trat er am 7. April 1868 in die preußische Armee 
in, in der er am Kriege 1870/71 teilnahm. Im Jahre 
902 wurde der Verewigte vom Inf.„Reg. Nr. 140 in 
zohensaiza. wo er Oberstleutnant beim Stabe war, zum 
znfanterie⸗-Regiment „Lübeck“ versetzt und mit dessen Füh— 
ung beauftragt. Im Oktober desselben Jahres erfolgte 
eine Ernennung zum Oberst und Regimentskommandeur. 
stach etwa 3154 Jahren sah sich Herr Oberst Neßler infolge 
drankheit genötigt, seine Versetzung zu den Offizieren der 
Irmee zu beantragen, die denn auch am 27. Jan. 1906 
rfolgte. Etwa ein halbes Jahr später wurde Oberst Neßzler 
m Juni 1906 unter Verleihung des Charakters als General— 
najor verabschiedet. Der Verewigte besaß an Ordensauszeich- 
ungen das Eiserne Kreuz II. Kl., den Roten Adler-Orden 
II. Kl. mit Schleife sowie den Kronen-Orden III. Kl. 
Der 100hrige Geburtstag des Pfarrers Dr. Johann 
dzierzon, des in Lowkowitz in Oberschlesien verstorbenen be— 
ühmten Bienenzüchters, wird heute am 16. Januar von 
Ilen Imkern der ganzen Welt in Verehrung und Dankbarkeit 
zefeiert werden. Auf die Erforschung der Parthenogenesis 
ei den Bienen, die Erfindung der beweglichen Wabe und der 
Nobilbeute des hochverehrten Altmeisters gründet sich ja der 
etzige rationelle Betrieb der Bienenzucht. Deshalb wird das 
Andenken Dr. Dzierzons von allen Imkern stets in hohen 
khren gehalten werden. 
*Zur Vereinigung der Eutin⸗Libeder Eisenbahm mit der 
Dbeck⸗Büchener Eif nbahn⸗Grfells haft teilt uns die Eutin— 
übecker Eisenbahn⸗Gesellschaft nachstehendes mit: „Es ist un⸗ 
ichtig, daß die Eutin⸗Lübecker Eisenbahn-Gesell— 
chaft mit einem Vereinigungsantrage an die LübeckBüchener 
kisenbahn⸗Gesellschaft herangetreten ist. Es sind lediglich von 
ritter, uns völlig fernstehender Seite, uUns solche Vor—⸗ 
chläge gemacht worden. Verhandlungen zwischen den Gesell— 
chaften haben überhaupt nicht stattgefunden.“ 
Die neue Ziehungsmethode der preußschen Lotterie. Die 
ziehungen der 224. königlichen preuß. Klassenlotterie, die 
rüher mit einer Pause von 8 bis 3 Uhr vorgenommen 
mrden, finden jetzt hintereinander nur noch von 9 bis 
31 Uhr in dem Hause der Generallotteriedirektion am Gen—⸗ 
armenmarkt inBerlin statt. Es hängt dies damit zusammen, daß 
etzt zum erstenmal der abgeänderte Spielplan in 
Wirtsamteit getreten ist. Die Losezahl ist zwar von 304 000 
mif 380 000 Stück vermehrt worden, doch tragen die Lose 
zicht mehr die fortlaufenden Nummern von 1-380 000, son⸗ 
dern werden von jetzt ab in zwei Abteilungen mit der Be— 
eichnung J. Nr. 1 bis 190 000 und II Nr. Ibis 190 000 ein⸗ 
jeteut. Eine jede gezogene Nummer wird zweimal ausgezahlt, 
inmal in der Abteilung J und gleichgeitig in der Abtei— 
ung IT. Im Gewinnrade sind von jetzt ab das große 
dos, die Prämie sowie die Hauptgewinne von 200 000 und 
50 000 Muund mehrere Mittesgeminne doppoelt enthalten 
rccu 
Neue Büuhnenwerle. Am Hofthearer in Weimar ist am 
4. Jan. von Wilhelkm v. Scholz, dem Dichter der „Vertauschten 
Zeelen“, ein neues dreiaktiges Schauspiel „Der Giast“ zum 
Male mit freundlichem Erfolg gegeben worden. — Sil Vara hat 
in Zaktiges Schauspiel „Die Frau von 40 Jahren“ ge—⸗ 
chrieben, das am Deutschen Volkstheater in Wien, in Han⸗ 
sover und Mannheim zur Auffühtg angenommen ist. — 
zugo von Hofmannsthal atbeitet an einer modernen 
ßesellschaftskomödie. Es beschäftigen ihn aber auch einige 
Jallette und Pantomimen, deren eine einer bekannten jungen 
Liener Ballerina gewidmet ist. — Direktor Brahm hat das 
eueste Bühnenwerk von Arthur Schnitzler, ein vieraktiges 
zchauspiel „Das weite Land“ für das Berliner Lessing⸗ 
zeater erworben. — Waldemar Wendland, der erfolgreiche 
domponist des „Vergessenen Ich“, arbeitet an einer neuen 
omischen Oper, deren Dichtung wieder von Richard Schott 
ammt. Das dreiaktige Werk betitelt sich RDer Schneider 
on Malta“. — „Die Wahl“, das neue Schausp'iel von 
eo Jungmann, dem beklannten Verfalser des für Berlin und 
eipzig verbe tenen Militärschauspiels, Die letzten sechs Wochen“ 
»urde vom Neuen Stadttheater in Bochum zur Uraufführung 
rworben. — Max Loewengard, der bekannte Musik⸗ 
hriftsteller, hat seine zweiaktige Oper „Die vierzehn Not⸗ 
elfer“ am Hamburger Stadttheater eingereicht, und die 
irektion Bachur hat die Aufführung des Werkes in Aus— 
icht genommen 
Afrikaerveditton des Herzogs Aolf Friedrich zu Medlen⸗ 
ura. Soeben ist von der Expedition ein Telegramm mit 
uten Nachrichten eingetrossen, das offenbar am Neujahrstage 
bgesandt und durch Boten wahrscheinlich der nächsten Tele—⸗ 
raphen⸗Station Zinder übermittelt ist, denn von diesem Ort 
atiert es. Zinder liegt unter dem 14. Breiten⸗ und 6. Längen⸗ 
rade, somit etwa sechs Längengrade westlich von Port Lumy 
im Tschadsee, wo sich die Expedition Neujahr befunden haben 
ürfte. Briefliche Nachrichten, die ebenfalls soeben ein— 
rafen, und zwar auf dem Wege über den Kongo, reichen erst 
is Inm 4 Mopemhber sind somit 21 Monate 31*
	        
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