Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Ausgabe A. Mittwoch, den 31. Mai 1911. Abend⸗Blatt Ur. 272. 
Aus den Nachbargebieten. I 
Hanhestũdte. 
Hamburg; 31. Mai. Das Augenlicht durch eine 
Sutnadel verloren. Einem Konditor, der an einem 
Sommervergnügen des Konditorvereins in Altenwerder teilnahm, 
fuhr beim Tanzen die lange Hutnadel einer Dame in das eine 
Auge, das sofort auslief. Dieser Unglüdsfall wächst für den 
jungen Menschen zu einer Tragödie aus. Das bisher gesunde 
Auge ist nämlich in starke Mitleidenschaft gezogen worden, es 
hat bereits einmal operiert werden müssen. Jetzt mußte sich der 
junge Mann in einer Augenklinik einer zweiten Operation des 
LAuges unterziehen. Es besteht so gut wie keine Hoffnung, 
ihm das Augenlicht zu erhalten. Der traurige Vorfall mahnt 
erneut an strenge polizeiliche Vorschriften, die den Damen das 
Cragen der langeͤn Hutnadeln ohne Schutzhülse bei empfindlicher 
Strafe verbietet. Den Damen selblt aber sollte dieser Fall 
Veranlassung geben, keine Hutnadel ohne Hülse zu tragen. 
Die Fleischvergiftungen in der Altstadt und 
im Hammerbrook. Die Ursache der zahlreichen Fleischver⸗ 
giftungen ist noch nicht ganz aufgeklärt. Bestimmt festgestellt 
wurde bisher nur, daß die Erkrankungen auf den Genuß von 
Fleisch zurückzuführen sind, das von einer in Segeberg geschlach— 
teten Kuh stammt. Das Fleisch ist in Segeberg untersucht und 
nicht beanstandet worden. Dagegen wurde in Hamburg die 
zweite Untersuchung versäumt. Teile des Fleisches sind im chemi⸗ 
schen Staatslaboratorium zur Untersuchung eingeliefert, jedoch 
können noch einige Tage vergehen, ehe die Untersuchungen abge—⸗ 
schlossen sind. 
Bremen, 31. Mai. 135 Schlachtersind von einer 
Boykottkommission auf eine Boykottliste gesetzt 
worden infolge des Beschlusses einer Versammlung von Kartell⸗ 
delegierten, der Gewerkschaftsvorstände und des sozialdemokrati— 
schen Parteivorstandes. Der Grund für den Bonykott ist ein Re— 
vers, den die betr. Meister von ihren Gesellen unterzeichnen 
lassen. Danach muß der Geselle ehrenwörtlich erklären, daß 
er nicht Mitglied des „Zentralverbandes der Fleischer und Be— 
rufsgenossen Deutschlands“ ist, und sich verpflichten, diesem Ver⸗ 
bande nicht beizutreten. andernfalls er sofort entlassen wird. 
Schles wig⸗ Holstein. 
Altona, 31. Mai. 40000 Bücher der Vernich— 
tung anheimgefallen. Die Staatsanwaltschaft hat an⸗ 
geordnet, daß 40 000 Bücher, die in dem Strafprozeß gegen 
den Verlagsbuchhändler Bagel in Altona wegen Beschimpfung 
der katholischen Religion eingezogen worden sind, jetzt, nach—⸗ 
dem das auf zwei Monate Gefängnis lautende Urteil gegen 
Bagel Rechtskraft erlangt hat, auf dem Hofe des Gerichtsge— 
bäudes in Altona durch Feuer vernichtet werden. 
Altona. 31. Mai. Das Oberpräsidium der 
Provinz. Die Handelskammer Altona hat ihren Stand— 
puntt zu der Frage der Verlegung des Oberpräsidiums nach 
Kiel wie folgt präzisiert: „Die Handelskammer hat stets 
die Ansicht vertreten, daß, wenn eine Teilung des Regierungs⸗ 
bezirks Schleswig erfolgen soll, eine neue Regierung mit dem 
Sitz in Altona zu errichten ist, weil der Westen und der 
Süden der Provinz sich sowohl von Schleswig als auch von 
Kiel aus schlecht regieren lassen und bei der überragenden 
wirtschaftlichen Bedeutung diese Teile der Provinz eine be— 
sondere Regierung beanspruchen können. Die Handelskammer 
ist nur dann gegen die Verlegung des Oberpräsidiums von 
Schleswig nach Kiel. wenn dadurch die Errichtung einer Regie— 
BB 
Internationale hygiene⸗Kusstellung zu Dresden. 
Ausstellungsbriefe unseres Berichterstattes Otto Promber. 
MI. 
Durch eine Gangbahn gelangen wir in den steinernen 
Ausstellungspalast mit zahlreichen Räumen. Zunächst betreten 
wir die Halle 8, in der durch viele anatomische Präparate, 
Bilder und Karten — besonders durch Gebisse — die verschiedenen 
Zahnerkrankungen vorgeführt werden. Wir sehen da unsere 
Kauwerkzeuge in gesundem und krankem Zustande, sowie alle 
möglichen krankhaften Folgezustände schlechter Zähne. Hier wird 
uns die Verbreitung der Zahncaries gezeigt, da die Be— 
handlung verdorbener Zähne, dort wird man über Zahnhygiene 
im allgemeinen und Schutzahnpflege belehrt. Interessant sind 
die Tarstellungen unregelmähßiger Kieferbildung und Anomalien 
der Zahnbildung. Beschickt wurde diese Abteilung von Schul⸗ 
zahnkliniken, Gesellschaften für Zahnpflege, Universitätsinsti⸗ 
tuten, dem Kaiserin⸗-Friedrich Haus, Berlin, der Kruppschen 
Zahnklinik und Zahnärzten. 
Wir wenden uns weiter und gelangen zu den Geschlechts⸗ 
hankheiten. Gleich von vornherein sei gesagt: Damen mit 
zarten Nerven können hier leicht von Uebelkeit ergriffen werden 
oder in Ohnmacht fallen. Denn was man da erblickt, genügt, 
um selbst kaltblütigen Besuchern auf lange Zeit bleibende 
Eindrüde zu hinterlassen. Alle Warnungen gut gemeinter 
Moral sind nichts gegenüber diesen Vorführungen, die in 
einer großen Anzahl pathologisch-anatomischen Objekten, Mou⸗ 
iagen (Wachsabdrücke), Röntgenbildern, Abbildungen, Tafeln 
und Tabellen bestehen. Man hält es nicht für möglich, wie 
zrausam die Syphilis im Körper wüten kann. Da kann selbst 
ein gottähnlich geschaffenes Menschenantlis zur entsetzenerregen⸗ 
den Fratze werden. 
Wir wenden uns der Abteilung für Tropenkrankheiten zu. 
Aerzte, Institute und Missionsanstalten fremder Länder haben 
diese Gruppe beschickt. Viel interessantes (von Sumatra, Java, 
Manila, Hongkong, Panama, der nalayischen Halbinsel, Tunis, 
Kamerun und Transkaukasien) ist hier zu sehen. Die wichtigsten 
Vollskrankheiten der Tropen, die gefürchtete Malaria und die 
Schlafkrankheit, dann verschiedene Hautkrankheiten, Gelbfieber, 
Zeckenfieber, Orientbaͤule, Texasfieber, Küstenfieber der Rinder 
usw. sind in ihren Ursachen, ihrer Ausbreitung und in den 
beilungsprozessen vorgeführt. Außerdem sieht man alles mög⸗ 
liche aus dem fernen Süden: giftige Schlangen, Landschaften, 
„Hauser“ und Zelte mit Eingeborenen, gefährliche Bakterien, 
Stechinsekten, —*— Tingeweldewürmer, Darstel⸗ 
iungen Aber allgemeine Trovenhnalene z. B. Krankenfürsorge in 
rung für den westlichen und südlichen Teil der Provinz in 
Altona vereitelt wird, sonst nicht; denn der Kernpunkt der 
Wünsche der Kammern besteht in der Errichtung einer neuen 
degierung mit dem Sitze in Altonag für den Bezirk der 
dandelskammer zu Altona.“ — Dazu bemerkt bissig die 
diel. Ztg.: „Die Altonager Handelskammer sollte es lieber 
»ermeiden, den Anschein zu erwedden, als ob sie etwas 
»om Regieren verstände. In der Oeffentlichkeit gilt gerade 
»ie Altonaer Handelskammer von den drei schleswig-holsteinischen 
dammern als die rückständigste.“ 
Kiel, 31. Mai. Für das neue Rathaus sind 
on mehreren Seiten Schenkungen zur Ausschmückung des 
zitzungssaales angeboten worden, über deren Annahme die 
tadtkollegien in ihrer Sitzung am Dienstag abend zu ent⸗ 
heiden hatten. Als die Stiftung des Kieler Haus- und Grund⸗ 
igentümer⸗Vereins von 5000 Muzu einer Kaiserbüste zur Ver⸗ 
andlung kam, erhob der sozialdemokratische Stadtverordnete 
dindfleisch im Namen seiner Genossen lebhaften Widerspruch. 
zuerst wurde der Widerstand mit der vom Magistrat in Aus—⸗ 
cht genommenen Ausgabe von 2000 Miufür einen Sockel be— 
ründet. Doch auch als unabhängig von dieser Bedingung 
ber die Annahme der 5000 Muäabgestimmt werden sollte, 
eharrten die Sozialdemokraten auf ihrer Weigerung. Die 
ztiftung wurde jedoch mit allen gegen die Stimmen der 
ozialdemokratischen Stadtveroroneten angenommen und der 
dieler Rathaussaal wird also den Schmuck einer Kaiserbüste 
erhalten. 
Sonderburg, 31. Mai. Eine Erweiterung des 
Sonderburger Hafens wird von Interessenten erstrebt. 
dieseAngelegenheit hat die städt. Kollegien wiederholt beschäftigt. 
In der letzten Sitzung wurde die Vorlage auf ein Jahr vertagt. 
dach den Ausführungen des Bürgermeisters Tr. Petersen würde 
as Projekt eine jährliche Mehraufwendung von 12000 Mier—⸗ 
ordern. Bei einer Erhöhung der Hafen- und Brückenabgaben 
verde der Rüchschlag auf die Hafenfrequenz nicht ausbleiben. 
Ihnehin werde bei den steigendenINusgaben und den verminderten 
kinnahmen eine Steuererhöhung unvermeidlich sein. 
Pinneberg, 31. Mai. Ein bedeutender Heide— 
und Moorbrand wütet in dem in der Gemarkung Quick— 
orn belegenen Himmelmoor. Bei der großen Ausdehnung 
»es Areals hält es schwer, das Feuer einzudämmen. In 
der Heide lagern große Vorräte an Torf. Die Enftstebhung 
des Feuers ist noch nicht bekannt. 
Elmshorn, 31. Mai. Ein weißes Pferd. Auf 
»er Weide des Hofbesitzers Joh. Piening-Klevendeich erregt 
ein weißgeborenes Fohlen die Aufmerksamkeit der Pferde— 
enner und Pferdeliebhaber. Das Tier ist eine Seltenheit, 
ie wohl in der ganzen Provinz nicht ihresgleichen hat, da 
ruch diejenigen Teile des Körpers, welche unbehaart sind, zum 
zeispiel das Maul, weiß sind. Die Mutterstute stammt vom 
aseldorfer Hof, während die Schimmelrasse dem Marstall des 
rüheren blinden Königs Georg von Hannover angehörte. 
Ottensen, 31. Mai. Eine Familientragödie? 
der Arbeiter Bysinski entfernte sich vor mehreren Tagen in 
zegleitung seiner 27 Jahre alten Frau und seiner drei Kinder, 
weier Mädchen und eines Knaben im Alter von 6, 3 und 
*Jahren, aus der Wohnung. Er ist seitdem mit seiner 
ramilie spurlos verschwunden. Da er schon früher einmal 
den Versuch gemacht hat, seine Angehörigen und sich zu 
öten, so befürchtet man, daß er jetzt diese Absicht ausge— 
ührt hat. Die Familie befand sich wegen Arbeitslosigkeit 
»os Mannes in großer Notlage 
den Kolpnien, Häuserbau. Wasserversoraung. Kleiduna. Küche 
usw. 
Der Halle für Tropenkrankheiten ist eine Gruppe über Sta— 
istik angegliedert, beschickt vom Kaiserl. Statist. Amte und dem 
Zaiserl. Gesundheitsamte in Berlin, von einer Anzahl statisti⸗ 
cher Aemter unserer Großstädte und statistischen Bureaus fremder 
Städte (Antwerpen, Florenz, Haag, Amsterdam). Wir finden 
a über Bevölkerungsbewegung, Alter und Beruf, Geschlecht, 
yamilie, Wohlhabenheit, Wohnungsverhältnisse, Klima usw. ge— 
vünschten Aufschluß. 
Winr gehen weiter in den Saal, der die große Abteilung der 
Infektionskrankheiten vorführt mit der Nebenabteilung: Krebs. 
hläser mit aufgeschnittenen und von irgend einer Krankheit durch⸗ 
etzten Herzen, Lungen, Nieren usw. gibt's da zu sehen; Mou— 
agen, Bilder und Tabellen (Wandkarten), Apparate und Instru⸗ 
nente liegen auf den Tischen oder hängen an den Wänden. 
HZiel schönes an Präparaten und Kartenmaterial hat das Kaiserl. 
ßesundheitsamt geliefert. Eine Reihe von Karten zeigt das 
deutsche Reich in der Belastung mit einzelnen Krankheiten. Das 
dand des Bieres, Bayern, ist fast überall am dunkelsten gezeich- 
iet. Auch an der niederländischen Grenze gibt es Gegenden, 
die mit Infektionesnheiten sehr belastet sin* 
„Kriechende Menschen.“ 
Unser medizinischer Mitarbeiter schreibt uns: 
Was den Menschen physisch vom Tier unterscheidet, ist vor 
illem sein aufrechter Gang. Allein dieser Vorzug kommt ihm 
nicht billig zu stehen. Für die statischen Verhältnisse wie 
ür den Bauplan des Organismus bedeutet die Umwandlung 
der horizontalen Gliederung und Orientierung in die vertikale 
Richtung eine Revolution, von der sich der Organismus noch 
zeute nicht erholen kann. — Die Wirbelsäule des Tieres be— 
chreibt zum Schutze gegen die bauchwärts liegende Belastung 
ine Krümmung, deren offener Winkel nach unten gerichtet 
—O0 
aung der Wirbelsäule. Aber auch die niedrigsten Menschen⸗ 
assen, die Weddas auß Ceylon, zeigen dieselbe Erscheinung. 
die Wirbelsäule des fertigen auftechtstehenden Menschen ist 
m Gegensatz dazu ganz anders geirümmt, damit der Rumpf 
ufrecht auf den Schenkelköpfen balanziert werden kann. Auch 
indere Organsysteme werden durch den aufrechten Gang in 
Mitleidenschaft gezogen. So haben zunächst alle in der Bauch⸗ 
öhle liegenden Organe die Tendenz, sich zu senken. Die größ⸗ 
en Veränderungen aber erlitt das Herz, da der Rückfluß des 
Benenblutes aus den unteren Gliedmahßen und der Bauchhöhle 
rschwert wurde. Die Anpassung an die neuen Bedingungen 
däre vielleicht volskkommen gelungen. wenn nicht der Einfluß 
mn 
Flensburg, 31. Mai. Vergiftung. In Großfoltfeld 
ꝛrkrankten sämtliche Angehörige der Familie Jensen unter 
Vergiftungserscheinungen. Zwei Kinder sind bereits gestorben, 
die vier übrigen Kinder wurden mit den Eltern in die 
Flensburger Diakonissenanstalt gebracht. Die Ursache der Er⸗ 
rankung konnte noch nicht festgestellt werdd 
Großztherzogtum Oldenburg, Fürstentunn Lübed. 
Eutin, 31. Mai. Die Arbeiten am zweiten 
ßleise nach Gremsssmuhlen schreiten rüstig vorwärts. 
Die Anschüttungsarbeiten an dem Bahndamm sind der Firma 
Zchmidt E Pienning⸗Kiel UÜbertragen, die auch schon seit einiger 
Zeit mit einer Anzahl Arbeiter in voller Tätigkeit ist. Täglich 
verden 200 bis 250 Kubikm. Grand an die Böschung des 
Bahndammes gefahren. Bis jetzt sind wohl schon 600 bis 
700 Kubikm. herausbefördert. 
Lauenburg. 
D. Sandesneben, 81. Mai. Raubzug. Ein fremder 
imherziehender Scherenschleifer unternahm zugleich einen Raubzug 
ndem er nachts in Wentorf aus verschiedenen Bauernbäusern, u. a. 
ei den Hufnern Silmer und Stamer, Porzellansachen, eine 
Schieblarre und andere Sachen mehr entwendete. Er wurde 
dabei ertappt und dem Amtsgerichtsgefängnis zu Steinborst 
eingeliefert 
Keisen. Bäder und Sommerfrischen 
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2185. Erleichterumgen im Verlkehr über Boulonne s / M. Die 
dandelskammer zu Boulogne s / M. macht darauf aufmerksam, 
»aß der Hafen von Boulogne s./M. für Reisende von Ueber— 
ee ezur Abkürzung der Seereise mit Vorteil zu benutzen sei. 
Nach Paris wird unmittelbar nach Ankunft eines jeden Ueber— 
eedampfers ein Sonderschne lzug mit großen Durchgangswagen 
nodernster Bauart abgelassen, und nach Köln verkehrt je 
in Schnell- und Expreßzug mit direktem Wagen für Köln, 
vo man Anschlüsse nach allen Punkten Mitteleuropas findet. 
Der Schnellzug verläßt Boulogne / M. 11,33 Uhr vormittags 
ind trifft 11,01 abends in Köln ein, der Expreßzug fährt 
3,05 Uhr abends von Boulogne s / M. ab und erreicht Köln 
5,40 Uhr morgens. Fahrkarten erster und zweiter Klasse 
nach Paris und Köln sind schon an Bord der Tampfer zu 
haben, ebenso kann das Gepäck bereits an Bord der Tampfer 
nach Paris oder Köln abgefertigt werden. Das Ueberladen 
n Boulogne erfolgt dann ohne Zutun der Reisenden und die 
Zollabfertigung braucht erst in Paris bezw. Köln vorgenom— 
nen zu werden. Es ist anzunehmen, daß diese Erleichterungen 
dem Hafen, der ja von verschiedenen deutschen Linien angelaufen 
wird, neue Freunde gewinnen werden. 
215. Das Schwarzatal, die Perle Thüringens, ist durch 
inen Neubau, der an sich allein schon eine Sehenswürdigkeit 
st, bereichert worden. Nach den Plänen des Architekten Rohde, 
ines Schülers Professor Pauls, hat Herr Dr. med. Kari 
Schulze am Südabhange des Goldberges, rechts am Ein— 
gzange des Schwarzatales, ein Sanatorium erstehen lassen, 
das seine Pforten noch im Mai dieses Jahres für Erholungs- 
Hedürftige öffnet. Die innere Einrichtung des Hauses, die 
owohl für Aufenthalt als auch für Kur nichts vermissen 
äßt, gewährleistet einen ebenso angenehmen als erfolgreichen 
Aufenthalt, der noch nach außen hin durch die herrliche Lage 
des Goldberges erhöht wird. 
1 
der Kultur schädigend dazwischen gekommen wäre. Sie hat 
dem Menschen die Festigkeit seiner Stützsubstanzen, des Knochen- 
und Bindegewebes, genommen. Verirümmungen der Wirbel⸗ 
ãaule, X- und O-Beine, Plattfüße rühren daher. Auch der 
obere Abschnitt des Rumpfes, der Brustkorb, machte eine Me— 
amorphofe durch: aus langgesirechter Form wurde er faß— 
förmig. Außerdem wurde er durch den Nichtgebrauch der 
oberen Extremitäten zur Fortbewegung inaktiviert und starr. 
Die Folge davon ist, daß die Lunge sich nicht genügend aus— 
vehnen kann. Daher rührt eine Disposition für Entzündungen, 
dor allem für Tuberkulose. — Es liegt nahe, die Ursachen 
u beseitigen, wenn man die Folgen bekämpfen will. Man 
mache den Menschen wieder zum Vierfüßler! Diesen Vorschlag 
macht in der Tat der Vater der Idee, der Berliner Chirurge 
Prof. Dr. Klapp. Natürlich will er den Menschen nicht zeit⸗ 
ebens in den Zustand der Bewohner unserer zoologischen 
därten bringen, allein er glaubt — und Erfolge sprechen für 
ihn — durch längere Kriechhehandsung jene Krankheitsformen 
heeinflussen ꝛu annen 
Das Alter der Erde. 
Unser naturwissenschaftliche Mitarbeiter schreibt uns: Seit 
angem beschäftigen sich die Geister mit dem Alter der Erde, 
»em Zeitraum, der seit der Erstarrung des feurig flüssigen 
Jlaneten verflossen ist. Aber die Ergebnisse wichen bei der 
‚eringen Exaktheat der Methoden weit voneinander ab. Die 
ßeologen beanspruchten ein viel höheres Alter für ihr Objekt, 
Us die Physiker ihm geben wollten. So hat Lord Kelvin 
ius der Abkühlung, welche die Erde erfahren hat, das Alter 
eit der Erstarrung auf 33 — 100 Millionen Jahre berechnet. 
Seit Beginn des Lebens auf der Erde, der in die präcambrischen 
Formationen fällt, sollten nur 30 Millionen Jahre verflossen 
ein. Nach anderen Schätzungen hat sich der Erdradius seit 
»er Silurzeit um 5 km verkürzt, und eine Temperaturer⸗ 
riedrigung von 30 Gr. Celsius ist eingetreten. Daraus würde 
in Alter von 200 Millionen Jahren erfolgen. Die neueste 
zZerechnung stammt von Professor Rutherford, der die Lebens⸗ 
auer des Radiums dabeh verwendet. Aus dem Heliumgehalt 
er Mineralien glaubt er schließen zu können, daß seit dem 
Fambrium 140 Millionen Jahre verflossen sind. Die Radio— 
zktiricät von Zorkonkristallen ergibt für Quartärgesteine 1 Mll. 
Jahre, für Syenit 50, für Granit aus dem Ural 200 und 
ür archäisches Gestein aus Kanada 600 Mill. Jahre. Aber 
nuch diese Ziffer ist höchst fehlerhaft. Das aber läbt sich 
agen, daß seit dem Ursprung des Lebens mehr als 30 und 
veniger als 600 Million Jahre verstrichen sind. d.)
	        
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