Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

„. Unruh vom Großen Generaistabe, Major Bertog vom 
Feldart.Reg. Nr. 485, die Sauptleute Sander vom Füls.⸗ 
Reg. Nr. 66, Feldt vom Inf.Reg. Nr. 84 und Kunze vom 
Pionier⸗Bat. Nr. 9, die Oberleutnants Becer vom Fus.Reg. 
str. 86, v. Meyer (Eberhard) vom Inf.Reg. Nr. 31, Dengler 
dom Inf.⸗Reg. Nr. 85, v. Britzke vom Feldart.Reg. Nr. 45, 
». Pelet-Narbonne vom Sus.Reg. Nr. 15, Leutnant v. Jena 
»om Drag.⸗Reg. Nr. 18 und Intendanturrat Heuser von der 
Intendantur des 9. Armeekorps; Rot: Maior v. Redern 
»om Generalstabe der 17. Division, Major Hemmer vom 
zayerischen Generalstabe, die Hauptleute Weiland und Vahl⸗ 
'ampf vom Großen Generalstabe Mafor v. Lilien⸗ 
off⸗Zwowitzki vom Infanterie-⸗Regiment 
NRr. 162, Lübeck, die Hauptleute v. Holstein und v. Wehrs 
»om Gren.Reg. Nr. 89, Rittmeister Frhr. v. Brandenstein vom 
Drag.⸗“Reg. Nr. 18, Hauptmann v. Wiese und Kaiserswaldau 
»om Inf.Reg. Nr. 76, die Oberleutnants Frhr. d. Hammer⸗ 
tein⸗Gesmold vom Inf.Reg. Nr. 31, Jacobi vom Inf.⸗Reg. 
Nr. 75, v. Hartwig vom Feldart.Reg. Nr. 60, brasilianischer 
Oberleutnant Klinger, komm. beim Feldart.Reg. Nr. 24, und 
Leutnant Kunze vom Pionier-Bat. Nr. 9. 
Orden und Ehrenzeichen. An zuständiger Stelle wird 
erwogen, vom Jahre 1913 ab den Teilnehmern am Kriege 
1870/71, deren unmittelbare Vorfahren in dem Befreiungs⸗ 
kriege von 1813/15 mitgefochten und sich Auszeichnungen 
erworben haben, das Tragen der aus diesem Kriege stam— 
nenden Kriegsauszeichnungen und Denkmünzen zu gestatten. 
ISOiãhriges Geschãfts iubilaum. Am 1. Juni sind 150 
Jahre verflossen, seit die im Fünfhausen Nr. 12 befindliche 
Leinen- und Wäsche-⸗-Handlung begründet wurde. Inhaber 
der jetzigen Firma C. G. Torkuhl ist Frau Clara Torkuhl. 
Veranderungen in der Postbestellung ufw. Vom 1. Juni 
ib werden die hier eingegangenen Geldbriefe nicht mehr 
vie bisher von den Geldbestellern oder Briefträgern, sondern 
»oñ den Paketbestellern mit abgetragen. Nach den von uns 
ingezogenen Erkundigungen wird hierdurch im allgemeinen 
ine frühere Bestellung der Geldbriefe herbeigeführt. Die 
Postanweifungen werden dagegen wie bisher durch die Geld⸗ 
esteller zugetragen. — Von demselben Tage ab (erstmalig 
m der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni) erfolgt die Auf⸗ 
rieferung von Telegrammen während der Nacht— 
ttanden von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht 
nehr in dem Hauptpostgebäude (EEingang von der Markttwiete 
us), sondern im neuen Postgebäude (Eingang zur Paket— 
annahme in den Schüsselbuden). Zur Herbeirufung des Be—⸗ 
umten dient die am Eingang zur Paketannahme befindliche 
Weckleitung, die schon jetzt bei Auflieferung von gewöhnlichen 
Paketen während des Schalterschlusses zu benutzen 
st. — Wenngleich auch hierdurch eine Verbesserung gegen den 
etzigen Zustand hervorgerufen wird, so bleibt es doch zu 
wünschen, daß die Aufgeber von Nachttelegrammen beim 
Warten auf den Beamten nicht auf die Straße angewiesen sind. 
S Zwangsverkäufe. Im amtsgerichtlichen Termin am 
30. Mai 1911 wurde aufgeboten das Grundstück Marlistraße 
ser. 94a, dem Bauunternehmer Johannes Heinrich Tecken⸗ 
zurg zu Lübeck gehörig, beschwert mit 14000 M. Meiist⸗ 
dietender war der Musiklehrer Albert Hermann Lutzmann zu 
übeck mit einem Gebot von 11960 M. Auf Antraun 
des Meistbietenden wurde der Zuschlag sofort erteilt. — 
die Versteigerung des dem Arbeiter Johannes Heinrich Fer— 
»inand Jabs zu Lübed gehörigen Grundstücs Hartengrube 
Rer. 52,6 fand nicht statt, nachdem der betreibende Gläu—⸗ 
ziger den Versteigerungsantrag zurücgenommen hatte. — 
zugeschlagen wurde das Grundstück Langer Lohberg Nr. 57 
»er minderjährigen Julie Frieda Anna Marta Elli Hasse 
u Lübeck für das am 23. Mai 1911 abgegebene Gebot von 
3100 M. 
I Echöffengericht. Sitzung vom 30. Mai. Wegen 
ahrblässiger Körperverletzung hat sich der Klemp⸗ 
ter Rudolf St. zu verantworten. Am 6. April hatte der 
Angeklagte im Hause Johannisstraße Nr. 27 eine Gas— 
anlage herzustellen. Er versäumte es dabei, eine Abzweig⸗ 
telle der Rohrleitung zu verschließen, so daß in einem 
»on dem Arbeiter Weinreich bewohnten Zimmer Gas aus—⸗ 
trömte. Als Weinreich am Abend in sein Zimmer zurück⸗ 
kehrte und Licht anmachen wollte, explodierte das Gas 
ind Weinreich trug nicht unerhebliche Verbrennungen im 
vesicht davon, auch entstand viel Schaden im Zimmer. Der 
Ingeklagte wird zu 160 M Geldstrafe verurteilt. — Wegen 
fdrperverletzung hat sich der Barbier August We. 
u verantworten. Der Angeklagte lebte mit seiner Frau 
m Unfrieden. Er soll sie zu öfteren Malen, sowohl in 
einer Wohnung, als auch auf der Straße, mit einem 
Sßummischlauch bezw. mit einem Spazierstock geschlagen haben. 
Auch dieser Angeklagte wird zu 150 MuGeldstrafe verurteilt. — 
Wegen Forstdiebstahls sind angeklagt: 1. der Ober—⸗ 
chweizer Friedrich St, 2. der Arbeiter Johannes W. und 3. der 
Schweizer Karl St. zu Strecknitz. Alle drei haben Anfang 
Ddezember 1910 gemeinschaftlich nach Sonnenuntergang unter 
zuhilfenahme einer Säge zwei Weymouthskiefern, die noch 
nicht vom Boden getrennt waren, aus dem Forstorte Hohenholz 
weggenommen. Friedrich St. hat ferner daselbst nach Sonnen⸗ 
untergang eine Tame, die noch nicht vom Boden getrennt 
var, unter Zuhilfenahme einer Säge weggenommen. Es 
verden verurteilt Friedrich St. zu a8ß M, W. und Karl St. 
u je 30 MuGeldstrafe. Ferner wird auf Einziehung der 
zeiden Sägen erkannt. — Wegen Diebstahls sind ange⸗— 
lagt der Arbeiter Heinrich H. und der Schlachter Hermann B. 
In einer hiesigen Herberge hatte am 15. Mai ein Arbeiter P. 
»es Guten zuviel getan und war betrunken geworden. Diese 
ßelegenheit benutzte H, um dem P. dessen Portemonnaie mit 
inem nicht unerheblichen Geldbetrage wegzunehmen. Als dabei 
held aus dem Portemonnaie zur Erde fiel, eignete sich auch 
B. 560 Pf. an. Das Urteil lautet gegen H. auf 5 Wochen, 
segen B. auf 4 Wochen Gefängnis. — Wegen Betruges 
uind Unterschlagung hat sich der Arbeiter Ernst Se. zu 
»erantworten. Se. ist wegen Diebstahls und Sachbeschädigung 
nehrfach vorbestraft. Jetzt hat er sich auf zwei verschiedenen 
Stellen bei Landleuten als Knecht vermietet und hat auf 
eder Stelle 3 MuGottesgeld erhalten, er hat aber keinen 
Dienst angetreten und auch gar keine Absicht gehabt, in 
Dienst zu gehen. Am 3. Mai wurde Se. im Lauenburgischen 
»erhaftet. Als er sich seinem Haftorte näherte, erklärte er 
lötzlich seinem Transporteur, er, der Angeklagte, habe sein 
Bortemonnaie verloren und bat den Transporteur, ihm sein 
des Transporteurs) Rad zu leihen, damit er eine kurze Strecke 
urückfahren und nach dem Portemonnaie suchen könne. Unbe—⸗ 
zreiflicherweise wurde ihm seine Bitte erfüllt. Als der Ange⸗ 
lagte das Rad unter sich fühlte, suchte er natürlich schleunigst 
»as Weite und verkaufte das auf so leichte Art erhaltene 
wahrrad für 30 M. Das Urteil lautet auf eine Gesamtstrafe 
aon efnem Momnat Befängnis 
Vaurenburg. 
D. Sandesssneben, 31. Mal. Milchpretfe. Im 
ergangenen Monat wurden in der hies. Genossenschaftsmeierei 
iach Abzug von 1 Pfo. pr. Liter für Betriebsunkosten 8 Pfg. 
»ro Liter Vollmilch ausbezahlt, in der Meierei zu Klink 
ade nach Abzug von O,O Pfq. pr. Liter 7,66 Pfg. in der 
Meierei zu Schiphorsh nach Abzug von 0o,6 Pfgq. pr. Liter 
3,4 Pfg., in der Meierei zu Labenz nach Abzug von 1 Pfg. 
or. Liter 8,00 Pfg., in der Meierei zu Sirksrade-⸗Duchels dorf 
iach Abzug von 1 Pfgs. pr. Liter 7,8 Pfg. in der Meierei 
u Linau⸗Wentorf⸗Sirklsfelde nach Abzug von 0l,8 Pfa. pro 
ꝛAiter 7,7 Pfa., in der Meierei zu Nusse nach Abzug von 
lPfg. pr. Liter 8,1 Pfg. in der Meierei zu Schönberg⸗Franz- 
dorf nach Abzug von O,5 Pfg. pr. Liter 6,1 Pfa.. 
SGroßherzogtirer Medlenburg. 
Schwerin,; 31. Mai. Entscheidung des Mini— 
iteriums. Auf Befürwortung des Mitgliedes der reprä⸗ 
entierenden Bürgerschaft. des Oberschulrates Ebeling, wählte 
ziese Körperschaft ihr Mitglied Lehrer Saschenbrecker zu An— 
ang dieses Jahres einstimmig in den Vorstand der städtischen 
Zchulen. Gegen diese Wahl legte der Magistrat aber Rekurs 
»eim Ministerium ein mit der Begründung, daß es weder dem 
direktor noch dem Lehrerkollegium angenehm sein könne, wenn 
in Lehrer im Schulvorstand sähe. Jetzt endlich hat das Mini— 
terium zugunsten der repräsentierenden Bürgerschaft entschieden. 
Stavenhagen, 31. Mai. Fritz-Reuter-Denk— 
mal. An der Enthüllungsfeier werden der Großherzog und 
»ie Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin. sowie Herzog 
Johann Albrecht, Regent von Braunschweig, und Gemahlin teil⸗ 
iehmen. Der Festausschuß ist bemüht, die Feier zu einer recht 
vürdigen zu gestalten. U. a. findet auch ein historischer Fest⸗ 
ug mit TDarstellungen aus Reuteis Werken statt: Ut de Fran— 
osentid, Einzug Franz von Rambows mit seiner jungen Frau 
duise, geb. Hawermann, in Pümpelhagen, mit Bräsig, Hawer— 
nann, Mamsell Westphalen. 
Zarrentin, 31. Mai. Von einem wütenden 
Zullen getötet. In Testorf wurde der bejahrte Kuhhirte 
des Schulzen Greßmann von einem wütend gewordenen Bullen 
in der Brust so übel zugerichtet, daßz er infolge der er—⸗ 
altenen Verletzungen bald darauf itarb. 
Sportnachrichten. 
Roͤnnen zu Epsom, 30. Mai. Craven Stakes. Hor—⸗ 
iets Beauiy ging allceͤn über di? Bahn. — Wallington 
Plate. Wrack (Maher) 1. Scion 2. Wolfs Hope 3. 
Petten: 11: 10, 10: 1,8: 1. 
Renven zu Enghetn, 30. Mai. Prix de la LAllier. 
Per Bacco (Parfrement) 1. Le Micacle (Head) 2. Domremy II 
Berteaux) 3. Tot.: 30:10. Platz: 20, 23:10. — Prix 
»u Mervan. Neptun II (Hall) 1. Le Mont Robert 
E. Hardy) 2. Feu de Bois (dalsey) 3. Tot.: 41:10. 
zlatz: 28, 56:10. — Prix de la Margeride. BernlII 
Ferres) 1. Nivoletta (Parfremen) 2. Lord Paul (Patrick 3. 
Tot.: 96:10. Platz: 23, 18, 16:10. — Prix du Nider—⸗ 
rais. Oriens (Thibaull) J1. Moutimeina (Escoti) 2. Philae 
Sieven) 3. Tot.: 33: 10. Platz: 15, 21, 32: 10. — Stee ple 
7hase Annuel deEnghien. Bruges (F. Hardy) 1. 
dariry (Parfrement) 2. Chartres (R. Sauval) 3. Tot.: 
40: 10. Platz: 31, 26, 18: 10. — Prix du Cher. San 
enito (R. Sauvah) 1. Hunier (A. C. Chapman) 2. Dan—⸗ 
eur II (Thibauli) 3. Tot.: 39: 10. Platz: 14, 12, 24: 10. 
Vermischtes. 
Selbstmord eines Deutschen in Sizil en. Die Kunde von 
em mnste iösen Selbstmord cänes deuischen Sizilien-Reisenden 
ommt aus Patti, cinem Städtchen unweit Messinas. Dort 
anden, wie der Vossischen Zeilung aus Rom geschrieben wird, 
lrbeitker auf dem Friedhof einen etwa 40 Jahre alten Herrn 
n einem Grabe inmitien einer großen Blutilache. Er hatte 
ch eine Kugel durch den Kopf geschosen. Der Revolver lag 
eben der Leiche. In den Taschen fand man außer versckäcdenen 
Bertsachen eine letzte Weillenskundgebung des Selbstmörders, 
ie von der Behörde beschlagnahmt wurde. Ueber seine Per— 
»nalien ist man noch ebenso im Unklaren, wie über die Be— 
eggründe zur Tat. Im Hotel La Fonte hatte er lich unter 
em Namen B. aus Berlin ins Fremdenbuch eingeiragen. In 
em mit Bleistift offenbar auf dem Kirchhof unmittelbar vor 
em Tode abgefaßlen Testament ist Name und Ortsbestimmung 
urch einen Regenguß stark verwischt und unleserlich geworden. 
agegen ist festgestellt, daß B. am Tage vorher gleich nach 
iner Ankunft in Patti auf den Friedhof greeilt war, hier 
nige Zeit nach der Grabstelle gesucht hatte, an der er sich 
äler enileibte, und Friedhofsarbeiter nach den Umständen 
usforschte, unter denen die an dieser Stelle begrabene junge 
ame gestorben war. Nachweislich haite er vor der Ankunft 
n Patii die Friedhöfe in Palermo, Siracusa und Taormina 
esucht. In Patti war es ihm nur durch eine List gelungen, 
ie Aufmerksamkcit des Friedhofsinspektors abzulenken. Dieser 
atte ihm am Abend das längere Verweilen auf dem Gottes⸗ 
ider untersagt. B. ging fort, um bald darauf, nachdem 
x den Inspektor in sein Hotel eingeladen hatte, auf den 
Kirchhof zurückzukehren und sich zu erschießken. 
Gtubenunfälle. Beuthen, 30. Mai. Im Thomas—⸗ 
Ztahlwerk der Königshütte fand eine Explosion statt, 
zei der sieben Arbeiter starke Verbrühungen erlitten. Im 
ricimus-Schacht ist ein Grubenarbeiter durch giftige Gase er— 
bicht. Seine Kameraden konnten sich noch rechtzeitig retten. 
zn der Brandenburg-Grube wurde ein Grubenhauer von 
zohlenmassen verschüttet und getötet. 
Unwetter. Guben, 30. Mai. Durch Hagelschlag 
opurden Felder und Gärten im Kreise Lebus zum Teil völlig ver— 
püstet. Ein Schäfer und zehn Schafe wurden vom 
slitz erschlagen. Auf der Domäne Lebus brannte ein 
BZiehstall nieder, 300 Schafe kamen dabei um. 
Seine Eltern vergiftet? Köln, 30. Mai. Unter 
em Verdacht, seine Eltern vergiftet zu haben, wurde 
er 22jährige Sohn des Geschäftsführers des Schwelmer Tage— 
lattes, Niede, verhaftet. Am Himmelfahrtstag starb der 
zater, der seit Wochen unter eigenartigen Schmerzen litt, 
Ȋhrend vor mehreren Wochen die Mutter unter Vergiftungs- 
rscheinungen plötzlich verschied. Bei der Obduktion der Leiche 
es Vaters sollen sich die Spuren von Vergiftungserscheinungen 
jezeigt haben. Die Ausgrabung der Leiche der Mutter ist 
ingeordnet worden. 
Erdstöße. Aachen, 30. Mai. Heute abend zwischen 
3Uhr 30 Min. und 8 Uhr 458 Min. wurden mehrere heftige 
Erdstöße verspürt, durch die die Gegenstände in den 
Wohnungen ins Schwanken gerieten. In einer nahe gelegenen 
Waldschenke fielen Gegenstände von den Wänden. 
Bergiftung. — Selbstmord. Prag, 30. Mal. 
der Pharmazeut Friedrich Swoboda hat heute nacht 
reine Gattin mit Strychnin vergiftet. Die schwer⸗ 
ranke Frau hatte ihn aufgefordert. ihr ein Beruhigungs— 
mittel zu geben. Swoboda vergiftete sie und nahm selbst 
eine erhebliche Dosis Morphium. Er drüdte dann der Toten 
ein Kruzifix in die Hand und stürzte quf die Straße, wo er 
'ange Zeit umherirrte. Später stellte er sich der Polizei. — 
Im „Hotel de Saxe“ setzte sich heute früh der Kaufmann 
Friedrich Deutsch auf das Fensterbrett eines offenen Fensters 
im zweiten Stodwerk und schohß sich in dieser Lage eine 
Kugel in den Kopf. Die Leiche stürgzte auf das Strahen⸗ 
oflaster, wo sie von der Polizeil aufgefunden wurde. 
Großfeuer. Tilsit, 30. Mai. Bei einem Brande 
in Schligallen sind sieben Grundstücde mit den Stallgebäuden 
niedergebtamntt. Kinder, die man vermißt hatte und ver— 
brannt alaubte, fanden sich sämtlich wieder ein. — Nord⸗— 
hausen, 30. Mai. In vergangener Nacht ist die mechanische 
Weberei von J. S. Riemann abgebrannt. Der Schader 
wird auf 600 000 bis 700 000 Mägeschätzt. 
Unwetter in Süddeutschland. 
Stuttgart, 30. Mai. Ein schweres Unwettékd. 
verbunden mit Wolkenbruch und Hagelschlag, richtete 
in der Umgegend großen Schaden an. In Grünsfeld wurde 
ine Mühle umgerissen. Der Besitzer und drei andere Per—⸗ 
sonen ertranken. Nach Grünsfeld gingen zwei Hilfskompagnien 
ab. In Paimar (Baden) wurden sechs Häuser von der 
Flut weggerissen. Zwölf Personen, darunter eine ganze 
amilie, ertranken. 
Mannheim, 30. Mai. Gestern nachmittag ging in den 
GBemeinden Sedenheim, Friedrichsfeld, Edingen und Necar— 
hausen ein Gewitter mit furchtbarem Hagelschlag 
nieder. Es hagelte eine halbe bis dreiviertel Stunde. Die 
Obstbäume sind entlaubt, die Feldfrüchte vollständig vernichtet. 
Biel Geflügel ist erschlagen. Hunderte von Singvögeln liegen 
in den Gärten und auf den Feldern. Wolkenbruchartiger 
Regen schwemmte die Erde weg und drang in die Keller 
ein. Durch den Sturm wurden viele Dächer abgedechtt und 
viele Fensterscheiben zertruümmert. Zehn bis zwanzig Zenti— 
meter hoch liegen die Eisstücke in der Größe von Taubeneiern 
und verwandeln die Gegend in eine Winterlandschaft. Eine 
Frau, die von Hagelkörnern am Kopfe getroffen wurde, erlitk 
eine Gehirnerschütterung. — Aus den bisher vorliegenden 
Meldungen ist zu ersehen, daß das gestrige Unwetter be— 
sonders die Gegend von Friedrichsfeld im Taubergebiet schwer 
heimsuchte. In Grünsfseld sind bei dem Hochwasser vier 
Personen ertrunken. Die Ernte wurde vollständig 
dernichtet; viel Vieh ist in den Fluten umge— 
ommen. Der Nachtschnellzug Würzburg-Mannheim wurde 
vegen der Gefahr des Dammbruchs auf dem Bahnhof Grüns— 
eld angehalten. Der Eisenbahnderkehr wird an dieser Stelle 
uurch Umsteigen aufrecht erhalten 
Neueste Nachrichten und Telegraͤmme. 
Jas Befinden des Prinzen Joachim. 
W. Berlin, 31. Mai. Ueber das Befinden des Prinzen 
Joachim verlautet, daß die äußeren Schwellungen gestern 
war etwas zurückgewichen sind, daß aber der Bluterguß 
noch nicht wesentlich zurückgegangen ist. Der Kaiser blieb 
bis gegen 5 Uhr, die Kaiserin bis gegen 7 Uhr bei dem 
1inzen. 
Unfall des Reichskanzlers. 
W. Berlin, 31. Mai. Als sich der Reichskanzler gestern 
ver Wagen von seiner Wohnung nach dem Reichstags⸗ 
zebäude begeben wollte, scheuten die Pferde und fürmten 
gegen eine Bordschwetle. Der Reichskanzler konnte mit 
seinem Begleiter den Wagen verlassen und blieb voll— 
tändig unverletzt. 
Schlusz des preuß ischen Landtags am 1. Juli. 
W. Berlin. 31. Mai. Es wird erwartet, daß der preu⸗ 
zische Landtag spätestens am 1. Juli geschlossen werden 
kann. Er wird im Herbst wieder zusammentreten, um den 
Wassergesetzentwurf baldmöglichst zu beraten. Anfangs De— 
jember wird er bis Anfang Februar vertagt. 
Die Entführung des Ingenieurs Richter. 
Salonili, 30. Mai. Der deutsche Konsul hat bei den 
mständigen Behörden energische Schritte zur Beschleunigung 
der Befreiung des entführten deutschen Ingenieurs Richter 
uinternommen, da die Behörden, die Richter nur von zwei 
BSendarmen begleiten ließen, für seine Gefangennahme ver— 
antwortlich seien. Ferner hätten sie es zu verantworten,. 
falls die Räuber infolge der Verfolgung ihren Gefangenen 
öteten oder falls dessen Leben dabei gefährdet würde. Der 
Wali von Monastir betont, Richter Jabe selbst darauf 
estanden, nur von zwei Gendarmen begleitet zu sein. Bis— 
her ist noch keine Spur von den Räubern und dem Ge— 
fangenen gefunden worden, obgleich die tüchtigsten Offiziere 
die Verfolgung leiten und die besten Führer angenommen 
morden sind 
Luf fahrt. 
W. Chenminitz. 31. Mai. Der Flieger Büchner ist um 
3 Uhr 38 Min. in Plauen aufgestiegen und nach einer Zwischen⸗ 
andung in Zwickau um 5 Uhr 26 Min. gelandet; Lindpaintner 
st um 3 Uhr 50 Min. früh aufgestiegen und um 5 Uhr 
53 Min. auf dem hiesigen Flugplatze glait gelandet. Laitsch 
nußie bei der Zwischenlandung in Zwichau wegen Motor⸗ 
defekts ungefähr 25. Kilometer vom Flugplatze niedergehen. 
W. Rom, 31. Mai. Gartos, der um 4 Uhr 54 Min. 
krüh zum Fluge nach Rom in Pisa aufstieg, stürzte zwischen 
Lecina und Castagneio Marittimo, wobei das Fluqgzeug zer— 
tört wurde. Der Fieger, dem das Personal eines Güterzuges 
hilfe leistete, blieb unversehrt und kehrte nach Pisa zurüd. 
W. Fritdrichshafen. 31. Mai. Der Ballon der Reichs— 
drachenstation riß bei der Ausfahrt des Drachenbootes in 
einer Höhe von 4600 Metern ab und flog mit den Instru— 
menten davon. 
W. Berliun, 31. Mai. Der frühere Minister von Zedlitz- 
Trüßzschlet wollte gestern einem VBiotorwagen ausweichen, dabei 
wurde er umgestohen und kam unter den Vorderperron vor den 
Schutzrahmen zu liegen. Hinzueilende Passanten und der Schaff⸗ 
ner des Wagens richteten ihn wieder auf; er begab sich 
dann nach der nächsten Unfallstation, wo der Arzt einé 
seichte Handquetschung feststellte. 
W. Bertin, 31. Mai. Die Lohnkommission der 
Bäcker zählte bis gestern nachmittag 2086 geregelte Be— 
triebe mit 4043 Bäckern. 288 Konditoren und 529 Lehrlingen 
Außer den letzteren sind nunmehr 4331 Bäckeer und Konditorn 
gehilfen zu den geforderten Bedingungen beschäftiat
	        
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