Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Donnerstag, den 25. Mai 1911. Morgen⸗Blatt Kr. 262. 
Ausgabe A. 
v 
Tagesbericht. 
Lubeck, 28. Mai. 
Kinderhilfstag. 
So vielversprechend der gestrige Kinderhilfstag hinsichtlich 
des Wetters begann, so Überaus nachteilig für die Veranstaltung 
war sein Schluß, nämlich allgemeiner Landregen. Von etwa 
Z3 Uhr nachmittags an hatte der Himmel kein Einsehen mehr und 
offnete seine Schleusen, dem Landmann ein willkommenes Ereig⸗ 
nis, den Städtern aber sehr unangenehm, besonders den armen 
Blumenverkäuferinnen in ihren zarten Kleidchen. Und leider 
blieb die himmlische Stimmung vorerst trüb. Doch die Menschen 
in den Straßen der Stadt ließen sich zunächst micht irre machen. 
Sie bildeten vielmehr förmlich Spalier in allen Straßen der 
Stadt wie der Vorstädte, durch welche die 
Korsofahrten 
ihren Weg nahmen, und der Verkauf der Blumen und Karten 
ging ungestört weiter. Um 314 Uhr passierte der sehr 
schön gelungene Automobilkorso in langer Reihe die 
Mühlenbrücke. Bei sonnigem Wetter wäre die Be— 
teiligung wohl zahlreicher gewesen, um so mehr muß man die— 
jenigen bewundern, die teilweise in offenen, entzückend geschmück⸗ 
tben Wagen dem Geschicke trotzten. Die meisten Autos zeigten 
Schmuck aus Margueriten und Grün und sonstigen hübschen 
Dekorationen, darunter eine vollständig aus Blumen gebildete 
Krone. Vorne flitzten Radler; sie hatten sich und ihre Ma— 
schinen schön geschmückt. Lustig grüßend, fuhren die 
Insassen der Kraftwagen unter dem strömenden Naß 
dahin. — Recht hübsch gestaltete sich die Rundfahrt der mit 
Margueriten und frischem Grün geschmückten Wagen der 
Hansameierei durch die Straßen der Stadt und der Vor⸗ 
städte. Eine Break mit einer Musikkapelle eröffnete den langen 
Wagenzug, der in seiner Gesamtheit einen recht festlichen Ein⸗ 
druck machte. — Die Rundfahrten mit der Mailcoach 
vom Klingenberg aus durch die Stadt und Vorstädte wurden 
bis 8 Uhr abends ausgedehnt, fanden zum Teil recht 
dute Beteiligung. — Unter derselben Ungunst der 
Witterung hatte auch die Korsofahrt der 
Hafenfähre auf dem Klughafen, Kanal und Stadt— 
graben zu leiden. Zwar hatte der Regen gegen 9 Uhr abends, 
dem Beginn der Fahrt, etwas nachgelassen und es hatte sich 
auch eine vielhundertköpfige Menschenmenge an der Abfahrts⸗ 
stelle bei der Hüxtertorbrücke eingefunden, aber die Zahl der 
Fahrgäste des durch buntfarbige Laternen hübsch erleuchteten 
Dampfers „St. Lorenz“ hätte eine größere sein können; auch 
selbst die an Bord befindliche Musik vermochte bei dem reg— 
nerischen Wetter nicht zu einer allgemeineren Beteiligung an— 
zuregen. — Endlich sei auch noch erwähnt die von mehreren 
jungen Leuten veranstaltete Korsofahrt auf einem Vehikel à la 
„Fliegender Holländer“', die auch ihre Wirkung auf das 
Publikum nicht verfehlte. 
Konzerte vorm Bismarck⸗ und Geibeldenkmal. 
Gesangsvorträge. 
Im Rosengarten, vorm Bismarckenkmal, konzertierte die 
Kapelle des Herrn Brenner von 3 Uhr nachm. an trotz 
des Regens unverdrossen, und auch hier hatten 
sich überraschend viele Menschen eingefunden. Zeitweilig konnte 
man kaum vorwärts kommen. Auch in der Holstenstraße und 
in der Breiten Straße herrschte ein Leben, wie sonst höchstens 
sam goldenen Sonntag vor Weihnachten. Hier konnte man noch 
wiederholt einzelne der schon geschmückten Autos bewundern, 
auch Privatwagen und Droschken hatten vielfach hübschen 
Schmuck angelegt. 
WVor dem Geibeldenkmal ließ die Stadtkapelle unter 
Leitung des Herrn Oldenburg in den Regen hin— 
ein die Töne erschallen, umrauscht von eineun 
Meer schwarzer Regenschirme, unter denen munter gehandelt 
und geflirtet wurde. Straßenbahnwagen und andere Fuhr— 
werke, besonders auch die Radler, hatten schweres Tagewerk, 
denn zwischen Bürgersteig und Fahrdamm war jeder Unter— 
schied verschwunden. Aber trotzdem ging der Verkehr ohne 
ernste Störung vor sich. Gute Laune war nun einmal die 
Parole für den Kinderhilfstag und „Margarete“ die Lo— 
sung. Die Herren sahen teilweise abenteuerlich aus. Von 
den Schuhen bis zu Hut und Schirm waren sie bedeckt mit 
Sternblumen. 
Auch die Gesang- und Wandervereinigung 
„Wandervogel“ ließ sich durch das ungünstige Wetter nicht 
abhalten, dem Publikum ihre fröhlichen Wanderlieder vor⸗ 
zutragen und überall fanden sie dankbare Zuhörer, die für 
den frischen, frohen Gesang gern ihre Nickel zum allgemeinen 
Besten opferten. 
Auch die 
Wohltätigleitsvorsteilumg im Staditheater 
tand unter dem Zeichen der Margaretenblume. Alleé 
nur verfügbaren Plätze des festlich erleuchteten Hauses waren 
»on einer fröhlichen und dankbaren mit Margueriten geschmück⸗ 
ren Zuhörerschaft gefüllt, die den teils vortrefflichen schau— 
spielerischen Leistungen unserer beliebten Bühnenkünstler Frl. 
Bootz, Frau Gerlach Herr Stahl-Nachbaur, Herr Ellmar, Herr 
Albert und Herr Fuchs, teils den Darbietungen geschätzter 
Dilettanten in dem reizenden französischen Lustspiel von Caillavet 
und de Flexs „Die Liebe wacht“ mit größtem Interesse folgten 
und vielfach mit lebhaftem Beifall auszeichneten. In den 
Pausen sowie nach Schluß der erst fast um Mitternacht enden⸗ 
den Vorstellung entwickelte sich in dem Foyer und den verschie— 
denen Festräumen des Saalbaues ein reges, munteres Leben. 
Die Militärkapelle spielte heitere Weisen, und junge Damen, 
mit Margueriten geschmückt, boten allerlei zum Naschen, Butter⸗ 
bröte, Getränke usw. dar. Alles dieses fand reichlichen Absatz, 
so daß nicht nur das Erträgnis der Vorstellung, sondern 
auch die Veranstaltung im Saalbau ein recht belangreiches 
dewesen sein wird. 
X 
oh igtertsvorstellung in der Stadthara. 
Leider hatten nur Wenige, wohl hauptsächlich wegen des 
inhaltenden Regens, den Weg vors Mühlentor genommen, und 
o war die Vorstellung der „Schmetterlingsschlacht“ von 
Hermann Sudermann nur sehr schwach besucht. Mehrere junge 
Damen setzten hier noch mit Glüd ihre letzten Vorräte an 
Blumen und Postkarten ab. Eine eingehende Besprechung 
der Aufführung behalten wir uns vor. 
Jack, Marie Sophie Dorothea geb. Dreves zu Schwartau 
mit einem Gebot von 60 000 M. Ueber den Zuschlag soll 
am 7. Juni 1911 entschieden werden. — Zugeschlagen wurde 
der unverehelichten Anna Catharina Elise Mildenstein zu 
Berlin das Grundstüch Engelswisch Nr. 21 für das am 9. Mai 
1911 von dem Kaufmann Johannes Hgeinrich Gustav Reetwisch 
zu Hamburg abgegebene und an Frl. Mildenstein abgetretene 
Bebot von 18000 M. 
Schõffengericht. Sitzung vom 23. Mai. Wegen 
Unterschlagung bezw. Hehlerei und Betrugs sind 
ingeklagt 1. der Arbeiter Friedrich Schr. und 2. dessen Schwie, 
zermutter, die Gesindevermieterin Sophie Bu. von hier. Eine 
Frau B. von hier erfuhr, daß ihr Ehemann, mit dem sie 
zinen Scheidungsprozeß führte, beabsichtigte, sein Haus zu 
verkaufen. Dies wollte sie nicht zugeben und beschloß, wenn 
möglich, das Haus selbst zu kaufen. Sie wandte sich an die 
Besindevermieterin Bu. und fragte diese um Rat. Letzterer 
lautete nun dahin, daß sie versuchen wolle, das Haus für 
Frau B. tzu kaufen; es solle dann, damit der Verkäufer 
icht merke, daß seine eigene Frau Käuferin sei, der Kauf auf 
sen Namen ihres Schwiegersohnes, des Schr. erfolgen. Mit 
diesem Plane war Frau B. cinverstanden. Die Verhandlungen 
jogen sich dann sehr in die Länge, zum Schaden der Frau B. 
und zum Vorteil der Angeklagten. Der Frau B. wurde von 
der Bu. gesagt, ihr Ehemann verlange 600 M Anzahlung, 
während er nur 500 Meuverlangte. Frau B. zaählte dem Schr. 
300 Ma zur demnächstigen Auszahlung an den Verkäufer. 
Schr. nahm das Geld an, verwandte es aber zum großen Teil 
ür sich, zum Teil zu anderen Zwecken, für die es nicht be— 
timmt war. Von diesem Gelde soll auch die Bu. 320 Mier⸗ 
halten haben und soll sich dadurch, daß sie die Art des Er— 
werbes kannte, der Hehlerci schuldig gemacht haben. Es stellte 
ich aber heraus, daß sie selbst das Geld nicht erhalten hat, 
daß vielmehr Schr. nur das Geld in ihrem Nutzen verwandt 
hat. Ferner soll die Bu. 100 Muvon der B. erlangt haben, 
unter dem unwahren Vorbringen, sie müsse dieses Geld bei 
der Umschrift des Hauses beim Katasteramte zahlen. Wegen 
dieses letzteren Betruges wird die Bu. heute zu 2 Monaten 
Gefängnis verurteilt. Wegen verschiedener anderer Straftaten, 
die bei dieser Verhandlung noch hervorgetreten sind, hat sie 
das Vorgehen der Staatsanwaltschaft noch zu erwarten. Be— 
züglich der Hehlerei erfolgt Freisprechung. Schr. erhält wegen 
Anierschlagung 3 Monate Gefängnis. — Wegen Betruges 
jst gegen den Verlagsbuchhändler Johannes E. Anklage er— 
hoben. Er soll sich von einer Leipziger Firma 1650 Mund 
50 Mehaben schicken lassen, unter der unwahren Angabe, er 
wolle mit den Geldern einen Wechsel der genannten Firma ein— 
ien: Der Angeklagte wird wegen Unterschlagung zu 14 Tagen 
Gefängnis verurteilt, weil nicht erweislich, daß er von vorn— 
herein nicht die Absicht gehabt hat, das Geld nicht zur Wechsel⸗ 
inlösung zu verwenden. — Wegen Daöebstahls, Bei— 
hilfe dazu, Betruges und Betrugsversuches sind angeklagt 
l. der Butterhändler Johannes Br. und 2. der Arbeiter Peter 
Hü. von hier. Br. soll dem Hufenbesitzer Ka. zu Wesloe zu 
wei Malen Hafer in Quanlitäten von 98 Pfd. und 128 Pfd. 
weggenommen haben, unter Hilfeleistung des Hü. Der ge— 
tohlene Hafer wurde unter Heu, das an die Schlachthof—- 
erwaltung geliefert werden sollte, auf eäͤnen Wagen geladen. 
Bei der Abwiegung des Heues wurde der Hafer mitgewogen 
uind berechnet und so die Verwalliung in den Glauben versetzt, 
ie erhalte 98 Pfd. mehr, als sie in Wirklichkeit erhielt. Dew 
Hafer wurde vor Ablieferung des Heues vom Wagen ent— 
fernt. Bei der Ablieferung des zweiten Fuders Heu, auf 
dem die 128 Pfd. Hafer sich befanden, wurde die Sache ent— 
dedt. Die Angeklagten bestreiten entschieden, die Absicht ge— 
habt zu haben, sich auf Kosten der Schlachthofverwaltung zu 
bereichern. Die Manipulation sei vorgenommen, lediglich um 
den Hafer unbemerkt vom Gehöft des Ka. zu entfernen. Das 
Urteil lautet gegen Br. wegen Diebstahls auf 10 Tage Ge— 
rängnis, gegen Hü. auf 5 Tage Gefängnis wegen Beihilfe 
„um Diebstahl. Im übrigen erfolgt Freisprechung. — Wegen 
Körperverletzung wird gegen den Kaufmann Willfried 
Br. verhandelt. Er hat sich tätlich an einem Führer einer 
Automobildroschke, mit dem er und sein Bruder wegen der 
Bezahlung einer Fahrt in Differenzen geraten waren, vergriffen 
und wird dafür zu 100 MuGeldstrafe eyent. 10 Tagen Ge— 
ängnis verurteilt. 
Die Wasserwärme in den städtischen Badeanstalten be⸗ 
trug am Mittwoch im Krähenteich 17 Grad Cels. auf dem 
Falkendamm 1744 Grad Cels. 
XX 
ae. Himmelfahrt. Ein Nachklang des Osterfestes, der 
10. Tag nach Ostern, gilt als der Tag der Ascensio Domini 
ils Vorfeier der Pfingsten. Von besonderer Bedeutung war 
zer Tag für die Propaganda. Christus ließ den Jungern 
»en Auftrag, in alle Welt zu gehen und dié Heiden zu 
ehren. So ward das Simmelfahrtsfest zugleich der Tag 
»er Einsetzung seiner Geistesmacht, die auf den ausdrücklichen 
ßefehl des Heilandes von jener Stunde an die Welt umge— 
taltet hat: durch die Mission. Seine Feier läßt sich erst seit 
em Anfange des 4. Jahrhunderts aus der Kirchengeschichte 
nachweisen, wo sie in den apostolischen Konstitutionen erwähnt 
ourde. Der heilige Augustin bezeichnet das Fest als „allge— 
nein bekannt“. Im Mädtelalter tricb man dabei in den Kirchen 
Yummenscherze. So zog man ein geschnitztes Bild Christi 
eierlich in die Höhe, während man einen Teufel als Popanz 
inzündete und zur Erde warf. Das geschah zum Zeichen 
»es Sieges Chraͤsti Uber den Satan. — Friedrich der Großbe 
chaffte die Feier der Himmelfahrt zwar ab, aber die Nach— 
olger führten das alte Kirchenfest wieder ein, und es ward 
um ersten Volksfest. Mögen es Prolestanten und Katholiken 
erschieden feiern, heute ist es überall ein Tag innerer Er— 
‚ebung und leiblicher Erholung. Wenn Simmelkfahrt da ist, 
st Pfingsten nicht fern, das die Höhe der Sommerfreude dar—⸗ 
tellt, wie sein Gegenstück, das Weihnachtsfest, die Höhe der 
Winterfreude, da die Sonne sich wendet. 
X Den Offenbarungseid leisteten im Monat April d. J. 
dor dem hiesigen Amtsgericht 8 Personen, darunter 1 Frau. 
S. amtl. Teil.) 
S Schwimmen und Baden stalt Turnen. Die in Preußen 
eit kurzem eingeführte dritte Turnstunde soll nach Beschluß 
ieler Schulinspektionen im Sommer zum Baden und zur Er⸗ 
eilung von Schwimmunterricht verwendet werden. Der Kultus⸗ 
ninister hat sich dahin geäußert, daß dieser Einrichtung keine 
dedenken entgegenstehen. Eine Anzahl von Kommunalverwal- 
ungen hat auch diese Neuerung dadurch gefördert, daß sie 
ir den Abschluß eines Vertrages mit den Besitzern von Bade— 
instalten eine Summe bewilligte. Bei uns stellt die Gemein« 
rützige Gesellschaft schon seit langen Jahren erhebliche Mittel 
ur Förderung des Schwimmunterrichts zur Verfügung und ist 
dazu seit Errichtung unserer vortrefflichen Flußbadeanstalten be— 
ronders in den Stand geseßzt. Auf Empfehlung der Oberschul⸗ 
behörde werden hier die beiden Turnstunden durch den Schwimm— 
uinterricht mit gutem Erfolge ersetzt. Um diesen Unterricht, 
der moch mitunter durch schlechtes Wetter unterbrochen wird 
und während der langen Sommerferien teilweise ausfällt, nur 
einigermaßen zu fördern, sind auch mindestens zwei Stunden 
vöchentlich notwendig. — Der Ausschuß für den freien Schwimm— 
interricht der Gemeinnützigen Gesellschaft hat in die— 
iem Sommer folgende Schulen den städtischen Badeanstalten 
drähenteich und Falkendamm überwiesen. Knaben—⸗ 
chulen: Waisenhaus, Domschule 4 Kl., J. St. Jürgenschule 
Kl., II. St. Jürgenschule 2 Kl., Burgschule 3 Kl., J. St. Ger⸗ 
rudschule 3 Kl., Marienschule 3 Ki. Mädchenschulen: 
Vaisenhaus, Domschule 2 Kl., J. St. Jürgenschule 2 Kl. II. St. 
Jürgenschule 2 Kl., Jenischsche Schule 3 Kl., Burgschule 4 Rl., 
l. St. Gertrudschule 3 Kl. und ferner der St. Lorenzbade⸗ 
unstalt: D. St. Lorenzschule 4 KI., V. St. Lorenzschule 3 Kl. 
die Freibadeanstalt Finkenberg besuchen die L., II. 
ind V. StLorenz⸗Knabenschulen, die Freiba deanstalt Fal— 
enwiese die Burgknabenschule mit ihren unteren Klassen, 
die Petriknabenschule und der Knabenhort, die Freibade⸗— 
instalt Marli die II. St.Gertrud-Knabenschule. Die erst— 
jenannten beiden Freibadeanstalten sind mit allen Hilfs— 
nitteln zum Schwimmunlerricht, wie Korkgürteln und Schwimm⸗ 
»osen auf das Beste ausgerüstet. Zu den eifrigsten Besuchern 
inserer städtischen Doppelbadeanstallen, unter Entrichtung des 
ür Klassenbäder ermäßigten Preises, zählt seit langen Jahren 
»ie J. Knabenmittelschule, die in diesem Sommer mit 
11 Klassen und 415 Schülern unter Führung und Aufsicht 
hres Turnlehrers, Herrn Ad. Meyer, regelmähßig zweimal 
vöchentlich bis tief in den Herbst hinein zur großen Freude 
der Jugend dem Baden und Schwimmen obliegt. Nicht so 
egelmäßig und vorzugsweise an warmen Tagen erscheinen 
dann noch in diesen Anstalten das Katharineum, das Johan— 
ieum und die Realschule zum Dom. Nur die Reimannsche 
Schule ist dieser Neuerung bis jetzt nicht gefolgt. In unserem 
dehrerseminar gehört das Schwimmen neben dem Turnen 
u den Unierrichtsfächern. Die benachbarie Falkendammbade— 
anstalt ist der Schauplatz der Schwammubungen, die dort 
wöchentlich zweimal von 5 Klassen mit 118 Zöoöglingen unter 
Leitung ihres Turnlehrers, Herrn Holst, mit bestem Erfolge 
ibgehalten werden. So herrscht denn in allen unseren Bade— 
anstalten in den Morgen- und Vormittagsstunden eine rege 
und fröhliche Betätigung, die erziehlich wie gesundheitlich dem 
Aufenthalt in heihßen und staubigen Turnhallen bei weitem vor— 
zuziehen ist. 
S Zwangsverkäufe. Im amtsgerichtlichen Termin am 
23. Mai 1911 wurden folgende Grundstücke aufgeboten: 1. An 
der Untertrave Nr. 60, dem Wirt Theodor Ernst Wilhelm 
Kruse zu Lübeck gehörig, beschwert mit 53 000 M. Meist⸗ 
bietende war die Vereinsbrauerei Lübeck, e. G. m. b. B. zu 
Lübech, mit einem Gebot von 31586,44 M. Ueber den Zu—⸗ 
schlag soll am 7. Juni 1911 entschieden werden. 2. Langer 
Lohbe:g Nr. 57, den Erben des Johann Heinrich Christian 
Arft zu Lübeck gehörig, beschwert mit 8100 M. Meist⸗ 
bietende war die minderjährige Julie Frieda Annd Marta 
Hasse zu Lübeck mit einem Gebot von 8100 M. Uebet 
den Zuschlag soll am 30. Mai 1911 entschieden werden. 
3. Süxstrahe Nr. 43, dem Werkführer Johannes Heinrich Pagel 
zu Hamburg gehörig, beschwert mit 96 000 M. Meistbietende 
war die Ehefrau des Kaufmännes Augulstz Heinrich Wilhelm 
—Böäö2öu22—2—— 
b. Stadthallentheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
man uns: Die heitere französische Muse, die heute nicht 
iur die heimatliche Bühne beherrscht, sondern auch in 
Deutschland die gleichartigen deutschen Produkte an Geist 
ind Grazie weit überflügelt, kommt heute, Donnerstag, mit 
hennequin und Duvals „Sein Doppelgänger“ zu Worte. Allen 
Freunden des BSumors, der heiteren Stimmung und einer 
rohen Laune sei der Besuch dieser Vorstellung bestens empfoh—⸗ 
en. „Sommerspuk“ gelangt noch Freitag und Sonntag zur 
Wiederholung. Die so beliebten volkstümlichen Vorstellun⸗ 
gen, jeder Platz 50 Pfg., beginnen am Sonnabend mit Her—⸗ 
mann Sudermanns „Die Schmetterlingsschlacht“. 
b. Kaiser⸗Wilhelm⸗Gedächtnisspiele. Noch einmal' erinnert 
sei an die heute auf dem Hofe der St. Lorenz⸗Kaserne statt⸗ 
findenden großen und mannigfaltigen Sportwettkämpfe. Es 
ist leider zu wenig bekannt, welchen großen Reiz derartige Wett⸗ 
kämpfe auf den Zuschauer ausüben. Hat man auch nur einmal 
gesehen, mit welcher Geschwindigkeit die sehnigen Läufer um 
zie Kurven der Bahn saufen, mit welcher Kraft die Kugel ge— 
chleudert wird und welche Höhe — 314 mm ist keine Aus—⸗ 
riahme — wie Stabspringer erreichen, dann versäumt man 
nie, solche Veranstaltungen wieder zu besuchen. Wir empfehlen 
daher den Besuch der Spiele. 
b. Oeffentliche Trinkerfürsorgestelle Lübeck (Parade 1). 
Nächste Sprechstunde am Freitag, dem 26. Mai, abends 
8—27 Uhr. 
b. Verein „Oeffentliche Lesehallesß. Am SHimmelfahrtstage 
wird die Bücherausgabe wie an Sonntagen von 115. bis 
154 Ahr stattfinden. Die Lesehalle wird bis 8 Uhr abends 
geöffnot lein, 
Das Wohltätigkeitskonzert im Ratsweinleller 
var sehr stark besucht; zuzeiten gab es kaum ein Plätzchen 
m Sansasaal und im Vorsaal. Auch dieses Konzert von 
Facobs' Orchester stand unter dem Zeichen der Margareten⸗ 
lume.
	        
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