Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Vermischtes. 
Fin Stammbuchgedicht von Wilhelm Bufch.“) 
Es wird behauptet und mit Grund 
Ein nützlich Werkzeug sei der Mund! 
Zum ersten läßt das Ding sich dehnen 
Wie Guttapercha, um zu gähnen! 
Ach, Grete, wenn du dieses mußt, 
Tu es im Stillen und mit Lust! 
Zum zweiten: Wenn es grad vonnöten, 
Kann man ihn spitzen, um zu flöten. 
Sitzt dann der Schatz auch mal allein, 
Dies wird ihm Unterhaltung fsein! 
Zum dritten läht der Mund sich brauchen, 
Wenn irgend passend, um zu rauchen. 
Dies kannst du deinem guten Gatten, 
Der darum bittet, wohl gestatten. 
Zum vierten ist es kein Verbrechen, 
Den Mund zu öffnen, um zu sprechen. 
Vermeide nur Gemütserregung, 
Sprich lieber sanft mit Ueberlegung 
Denn mancher hat sich schon beklagt; 
„Ach, hätt ich das doch nicht gesagt!“ 
Zum fünften: Wie wir alle wissen, 
So eignet sich der Mund zum Küssen, 
Sei's offen oder seiss verhohlen. 
Gegeben oder nur gestohlen, 
Ausdrücklich oder nebenher, 
Bei Scheiden oder Wiederkehr, IJ 
Int Frieden oder Kriegeszeiten: 
Ein Kußz hat seine guten Seiten! 
Zum Schluß jedoch nicht zu vergessen: 
Hauptsächlich dient der Mund zum Efsenl 
Gar lieblich dringen aus der Küche 
Bis an das Herz die Wohlgerüche. 
Hier kann die Zunge fein und scharf 
Sich mützlich machen, und sie darf! 
Hier durch Gebrötel und Gebrittel 
Bereitet man die Zaubermittel 
In Töpfen, Pfannen vder Kesseln, 
Um ewig den Gemahl zu fefseln. 
Von hier aus herrscht mit schlauem Sinn 
Die Haus⸗ und Herzenskönigin. — 
Lieb's Gretchen! Halt dich wohlgemut, * 
Regiere mild und — koche gut! 
—B 2 
2) Wir entnehnmen dieses bisher unveröffentlichte reizende, 
echt Buschsche Gedicht der Münchener Wochenschrift „Die Lese“, 
herausgegeben von Theodor Etzel und Georg Muschner. 
(Munchen, Rindermarkt 10.) 
Freie Geburtshilse. Was die Stadt Offenbach schon sen 
0O Jahren und einige Schweizer Städte wie Aarau, Neuenburg 
ind Zug ebenfalls in beschränktem Umfange besitzen, soll jetzt 
nuch, in erweiterter Form, die Stadt Zürich erhalten: die un⸗ 
enigeltliche Geburtshilfe. Der Großze Stadtrat von Zürich 
iahm den Grundsatz der unenigeltlichen Geburtshilfe an. 
Eine interessante Verlobung. Prinzessin und Pastor 
— das ist die neueste Verlobung, die augenblickhlich in den der Braut 
und dem Bräutigam gesellschaltlich nahestebenden Kreisen viel besprochen 
vird. Freilich, der Pastor ist ein Graf und zugleich, als Botjchafts⸗ 
„rediger, ein Diplomat. Al'o verringern sich die Standesunterlchiede 
ei nͤherem Zusehen: die Prinzessin Barbara Reuß jüngere 
dinie ist es, die sich mit dem Grafen Siegtfried von 
Lüttichau, Prediger bei der Kaiserlich deutschen Boischaft in 
Jonstantinopel, verlobt hat. Die Braut zählt 28. der Bräutigam 
33 Lebensjahre. Die Prinzessin Barbara ist die ältelte Tochter des 
Prinzen Heinrich XXvV. Reuß, der auf dem Gute Groß-Krausche im 
sreise Vunzlau lebt, und der Prinzessin Elisabeth Reuß, geborent 
Hräfin zu Solms-Laubach. Und die Prinzessin Barbara Reuß ent 
tammt demselben Zweige ihres Hauses wie die Gemahlin des Könige 
Ferdinand der Bulgaren — die Königin Eleonore, die belannilich 
benfalls eine Prinzessin Reuß ilt. So führt der Zufall die beiden 
ürstlichen Cousinen auf die Balkanhalbinsel, die eine als getraute 
Majestãt, die andere als Predigersgatiin. Graf Siegfried Lüttichau 
st ein Nachbarkind seiner Verlobten, der ältesise Sohn der in Bunzlau 
ebenden Gräsin Klaudine Lüttichau, geborenen Freiin von Kuff, deren 
Satte, Graf Maximilian Lüttichau, 1899 als preubischer Kammerberr 
tarb ünd aus den „hundert Tagen“ des Kaisers Friedrich den Titel eines 
Schloßhauptmanns von Friedrichskron“ behalten hatte. — „Friedrichs— 
ron“ batte der unglüdliche Kaiser das „Neue Palais“ bei Potsdam 
jetauft, dem dann Kaiser Wilhelm II. wie er auf den Thron gelanat 
par, seinen urpprünglichen Namen wiedergab. 
Eine verzeichnete Seekarte. Bei den Neuaufnahmen an den 
aüsten Neu⸗Seelands wurde festgestellt, daß auf allen Karten die an 
er Nordipitze egenden „Drei Königsinseln“ zwei Meilen zu weli 
üdlich verzeichnet sind. Durch diesen verhängnisvollen Irrtum sind 
ahlreiche Schiffskatastrophen verursacht worden. Am 19. November 
902 scheiterte hier der Dampfer „Elingamile“, nur einige Passagiere 
purden gereitet. Auch der Kapitän kam mit dem Leben davon, wurde 
ber auf Grund der Karten verurteilt und verlor seine Stellung. 
Jetzt hat man ihm eine hinreichende Entschädiaung zukommen lassen 
und sein Amt wieder übertragen. 
Der Kaiser hat jetzt den Bau eines Cougny⸗Denkmals auf 
er Nordseestation angeordnet. Der französische Admaral Graf 
on Coligny, der in der Barrholomäusnacht durch Mörder hand 
iel, ist ein Urahne unseres Kaisers, der Urgroßvater der Kur⸗ 
ürftin Luise Henzietite, der Gemahlin des Großen Kursürsten 
ind der Mutier des ersten Königs von Preußen. Der Sodel 
vird nach kaiserlicher Weisung die Inschrift tragen: „Regem 
Jabemus“ 
neisen, Bader und Sommerfrischen. 
254. Daͤe Gefindenot ist in Berlin in ein Stadium 
zetreten, welches den Hausfrauen und somit auch den Haus 
jorständen fast täglich mehr Unannehmlichkeiten in der regel— 
näkigen Führung ihres Haushaltes bringt. Wie in Newyork 
und London wird die Gesindenot auch in Berlin zu einer 
Vohnungsreform drängen und mit innerer Zufriedenheit wird 
diese Reform von allen denen empfunden werden, die so glück— 
ich sind, sich dieselbe leisten zu können. In richtiger Erkennt— 
ris dieser Zwangslage, die sich sicher noch mehr verschärfen 
vird, hat sich in Berlin die Boardinghouse-A.-G. ge⸗— 
zildet, deren Zweck es ist, Boardinghäuser zu errichten und 
auf streng ökonomischer Grundlage zu betreiben. 
Der Bau des ersten Boardinghouses am Kurfürstendampi 
vat begonnen; das Haus mit 600 Zimmern und 750 Betten, 200 
Privatbädern wird im Sommer 1912 eröffnet werden. Eine 
rusgezeichnet fachmännisch geschulte Bedienung wird eine be— 
sondere Annehmlichkeit dieses Boardinghouses sein, während 
die Preise auf einem mähßig gehaltenen Satze beruhen. Es 
werden Wohnungen und einzelne Zimmer mit jedem Komfort,— 
nöbliert oder u nmöbliert, abgegeben werden. Mietskontrakte 
werden für jede Zeitdauer abgeschlossen. 
Wie wir hören, sollen bei einem längeren Aufenthalt 
chon Zimmer mit Privattelephon, eingemauertem Tresor und 
Aühlraum versehen, inkl. Licht, Heizung, Bedienung, Bad, 
l. Fräühstüd Gestehend aus Porridge, Tee, Kaffee, Scho— 
olade,. Kakao oder Milch mit Butter und Brot, Toast, Mar⸗ 
melade und Honig) einem Prévat-Luncheon (Gestehend 
aus Suppe, 2 Gängen, füker Speise und Käse oder einem 
Privat-Souper (Gestehend aus Suppe, 2 Gängen nach 
Wahl, suker Speise und Obst) und dem Fünf-Uhr-⸗Tee 
mit Kuchen und Gebäd zum Preise von 9 Miufür den Tag 
zu haben sein 
Briefkasten der Reda.ntion. 
X., Travemünde. Die Abmessungen, Tonnagen und Ge⸗ 
schwindigkeiten betragen beim Dampfer „Kaiser“: Länge 
danm, Breite 12 m, Tiefe 5 m, 549 N.R.⸗T., 18 Seemeilen 
heschwindigkeit in der Stunde. „Silvana“: Länge 62,68 m, 
Breite Om, Tiefe 4 m, 269,40 N. R.T., 14 Seemeilen Ge⸗ 
chwindigkeit in der Stunde. „Cobra“: Länge 817,72 m, 
Breite 10 m, Tiefe 4,60 m, 416,27 N.“R.T., 14 Seemeilen 
Heschwindigkeit in der Stunde. — Das Depeschenboot „Slei p⸗ 
rer“ (GS 97) hat eine Länge von 63, eine Breite von 7 und 
einen Tiefgang von 2,8 m. Bei einer Wasserverdrängung von 
400 To. erreicht es eine Geschwindigkeit von 26,65 Seemeilen. 
E. W.. in Ratzeburg. Hier haben Sie es. Es 
wiegen: 1 Pf. Kupfer 2 gr, 3 Zweipfennigstücke Kupfer 10 gr, 
2 Fünfpfemigstücke Nickel 5 gr, 1 Zehnpfennigstück Nickel 4 gr, 
Salbmarkstücke Silber 25 gr, 9 Einmarkstücke Silber 80 gr, 
Zweimarkstücke Silber 100 gr, 9 Fünfmarkstücke Silber 280 gr, 
Zehnmarkstück Gold 4 gr, 1 3wanzigmarkstück Gold 8 gr. 
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6G-äo⏑oen 
Originalbauart Wosf, mit Leistungen von 10-800 PS. 
verkörpern dise neuesten Fortschritto der Teochnik und bilden für alle 
Betrisbszweige die vorteilhaftossto Kraftqusllo. Dank ihrer Gediegennheit, 
Nirtschaftsichteit und leichten Handhabung überragt ihr Absatz den dar 
zleichartigen Erzeugnisse aller übrigen Lokomobisfenfabrikon der Welt. 
dis Wolf'sche ventisloss Präazisions-Steuerung entspricht den höchsten 
·fordsrungen des HeibBdampf-Betrisbes und kann in ihrer 2weck- 
mãaßBison Einfachhsit nicht ũbertroffon werden. 
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krankheit, Gicht, Rheumatismus, 
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