Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Die Franzosen benehmen sich gegen deutfsche Kaufleute krotz 
iner gewissen Gereiztheit zwischen beiden Nationen überall 
orrekt, obwohl sie allein durch die Zollverwaltung Gelegenheit 
u Uebergriffen hätten. 
Deutschland und Kanada. 
Eine offiziöse Korrespondenz schreibt in Bestätigung von 
Mitteilungen des kanadischen Premierministers: Die aus Ka— 
nada stammende Meldung, Deutschland habe durch seinen 
donsul erneut HSandelsvertragßsverhandlungen 
bei der kanadischen Regierung angeregt, ent—⸗ 
hehrt vollkommen der Begagrundung. Ebensowenig ist 
die Nachricht der Londoner, Daily Mail“, die deutsche Regie— 
ung habe „gewisse Fühler“ in der Richtung auf ein deutsch— 
ranadisches Abkommen ausgestreckt, zutreffend. Der Zeitpunkt 
für derartige Anregungen könnte unzweifelhaft auch gar nicht 
ingünstiger gewählt werden. Es war ja allerdings bei dem 
m Februar v. J. zwischen Deutschland und Kanada getroffenen 
Abkommen von vornherein in Aussicht genommen, in absehbarer 
zeit erneute Verhandlungen aufzunehmen, um zu einem endgül⸗ 
ligen Vertragsverhältnis zweschen beiden Ländern zu gelangen. 
Aber schon damals stand auf beiden Seiten fest, daß solche 
Verhandlungen erst beginnen könnten, nachdem Kanada seine 
Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten geregelt haben 
würde. Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß gerade in dem 
zegenwärtigen Alischen Moment, wo die Entscheidung über 
das kanadischamerikanische Abkommen nahe bevorsteht, die 
»eutsche Regierung nicht zu eͤrgendwelchen Verhandlungen an⸗ 
regen wird. Und da es gerade die, Daily Mail“ ist, die diese 
falschen Nachrichten in die Welt setzt, und auch die kanadischen 
Mitteilungen auf englische Quellen zurückzuführen sind, so 
vird man in äühnen nur ein Mittel sehen dürfen, in die 
»urchaus befriedigende Entwickelung der deutsch-kanadischen Be⸗ 
ziehungen störend einzugreifen. 
Inland und Ausland. 
Deutsches Reich 
Die nationalliberale Frakltion des preußischen Abgeord⸗ 
ietenhauses feierte am Sonntag die 28jährige Mandats— 
nhaberschaft des Vorsitzenden der nationalliberalen Fraktion 
des Abgeordnetenhauses, Dr. Friedberg, durch ein Diner in 
der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses. An der Tafel 
iahmen auch Vertreter der nationalliberalen Fraktion des 
Reichsstäges teil. Es sprachen unter anderem der Vize— 
oßräsident des Abgeordnetenhauses Dr. Krause auf den Ju— 
hilar und der Abg. Bassermann auf Friedberg als geschäfts— 
ührender Vorsitzender der Zentralleitung. 
Eine politische Aneldote. Von den Straßburger Kaiser⸗ 
tagen wird eine auch politisch interessigrende 
Anekdote berichtet. Reichskanzlszer von Bethmann— 
hßollweg sprach dem Bürgermeister Schwander seine An— 
rkennung über den gelungenen Verlauf des Festes aus, worauf 
»er Bürgermeister antwortete: „Hoffentlich gelingt auch die 
elsjaß-lothringische Verfassungsreform.“ Der Reichskanzler er⸗ 
viderte zuversichtlich: „Sie wird gelingen.“ 
Gouverneur Truppels Abschied von Tsingtau. Aus 
Thingtau wird berichtet: Der Gouverneur von Schan— 
bung, Sun Pa⸗Tschi, ist hier eingetroffen, Uum sich von 
dem bisherigen Gouverneur von Kiautschou, Admiral Truppel, 
u verabschieden. Er wollte in zuvorkommender Weise dem 
eidenden Admiral Truppel eine Reise nach Tsinanfu ersparen. 
Auf der Rückfahrt besichtigte er das deutsche Bergwerk in 
Fangtse unter Tag. Admiral Truppel wird am 14. Mai die 
ßseimreise antreten. 
Anerkennumg für die deutschen Aussteller in Turin. Der 
Staatssekretär des Innern sprach dem Präsidium der stän— 
digen Ausstellungskommission für deutsche Industrie und dem 
Präsidium des von ihr gebildeten deutschen Komitees für 
zie Turiner Gewerbe-Ausstellung den Dank und den Glück⸗ 
vunsch der Reichsverwaltung aus. 
Beiräte für Gefängnisarbeiten. Im Justizministerium sind 
ieue Bestimmungen über die Organisation der Beiräte für 
ßefängnisarbeiten in Bearbeitung. Es ist in Aussicht ge— 
iommen, für jede Provinz einen Beirat zu bilden, der 
ich aus je einem Vertreter der Landwirtschafts-, Handwerks⸗ 
ind Handelskammern zufammensetzt. Die Berufung der Bei⸗ 
räte erfolgt durch die Oberpräsidenten im Einvernehmen 
nit den Oberstaatsanwälten. Die Gefängnisarbeit soll so— 
— 
Hans Ilow gab das Signal zu dieser Ernüchterung und 
teckte die anderen an. Schon nach ein paar hundert Schritten 
zemerkte er, daß ihm das Marschieren bei seiner Leibes— 
ülle blutsauer wurde. Der reichlich genossene Gerstensaft im 
Berein mit der für ihn empfindlichen Sonnenhitze machte ihm 
das Gehen unerträglich. Er fing an zu wettern und zu 
chimpfen und nestelte von seinem Wams ein Stück nach dem 
inderen los, bis er es ganz geöffnet hatte. 
Seine Verstimmung, die ja bet ihm ganz eigene Ursachen 
atte, sprang auf die anderen über; und im Handumdrehen 
mnachten die Herren ihrem Mißvergnügen Luft, indem sie 
über die Stadtmauern witzelten. Dazu bot sich freilich mancher⸗ 
ei Anlaß. 
Die Mauern zeigen noch heute in Abständen von etwa 
einem Meter Höhe deutliche Linien, die sich wie helle Streifen 
ringsherum ziehen. Dazu prägte einer der Ritter das Wort 
„Schichtkuchen“. Und „Schichtkuchen“ flog es unter den Edel— 
euten von Mund zu Munde. 
Die Mauern waren in der Weise gebaut, daß vom Innern 
der Stadt her die Gärten der Bürger daran grenzten; sie 
waren also, von innen aus betrachtet, die Gartenmauern. 
So kam es, daß allenthalben von erhöhten Punkten aus die 
ilten Leute über die Mauer schauten, die wegen ihrer Ge— 
ZRrechlichkeit den Festplatz nicht halten aufsuchen mögen. Das 
forderte natürlich wieder zu reichlichem Spott heraus. 
„Seht, die Wächter auf den Zinnen,“ rief Lippel Bredow, 
‚ich rate euch, nicht mit ihnen anzubinden.“ 
„Seht die Alte dort,“ spottete Steinkeller, „sie hat schon 
die Sturmhaube aufgesetzt.“. 
Als man ziemlich die Hälfte der Stadt umgangen hatte, 
ncche dem Steintor, da saß ein Hahn auf der Mauer, die 
sich gerade dort bis dicht an den Graben vorschob, und 
krähte. Lautes Gelächter der Edelleute antwortete ihm. Da, 
durch einen Hund oder durch neugierig im Garten herbei— 
eilende Zuschauer von seinem BSochsitze vertrieben, flog er 
nit ängstlichem Schreien herunter, gerade noch über den Wasser— 
zraben hinweg und gerade in die Gruppe der fünf Henninge 
zinein. 
„Nun sind wir unser sechs,“ sagten sie lachend, indem 
weit als möglich nur für Lieserungen an den Staat oder 
ür Außenarbeit Platz greifen. I 
Die ReichsVersicherungs ordnung. Der gestrige 3. Tag der 
keichs⸗-Versicherungsordnung, der das zweite 
Buch, die Krankenversicherung in Angriff nahm — der Anfang 
am Sonnabend hatte infolge Beschlußunfähigkeit ein jähes Ende 
zefunden — stand im völligen Gegensatz zu den beiden ersten. 
5tatt täglich etwa 100 Paragraphen zu bewältigen, schaffte 
nan nicht einmal 30. Man merkt, daß die eigentlichen Streit⸗ 
„unkte in die Nähe gerückt sind, und erkennt das an der mehr 
ils doppelt so großen Anzahl sozialdemokratischer Abände⸗ 
ungsantrãge, an der gelegentlich weit ernsthafteren Erregung 
ind vo r allem an der erheblicheren Verlängerung der Reden— 
zeim Kapitel: Wochenbetthaͤlfe schlug der Revisionist David 
en bisherigen Rekord mit einer 12estündigen Rede, die gleich— 
eitig an Erregtheit des Redners wie seiner Genossen das 
hisher Erreichte übertraf. Aber im ganzen merkt man, daß sich 
zis Situation entwicelt. 
Die Sturtgarter Oberbürgermeisterkandidatur. Die gestrigen 
Berhandlungen der bürgerlichen Parteien über eine gemeinsame 
Aberbürgermeisterkandidatur sind wiederum ge— 
cheitert. Es soll noch ein letzter Versuch gemacht werden. 
Vorbereitungen zur Reichstagswahl. 
Im Wahlkreise Varel haben die Nationalliberalen 
jegen Albert Traeger eine Sonderkandidatur, den Regierungs⸗ 
ssessor Dr. Stöver, aufgestellt. 
In Schwarzburg-Rudolstadt einigten sich Natio— 
nalliberaleund Fortschrittler auf den nationalliberalen Arzt Dr. 
Viedeburg in Blankenburg. Der Bund der Landwirke erklärte 
is Unterstützung dieser Kandidatur, so daß im nächsten Wahl⸗ 
ampfe in Sozialdemokrat und ein Nationalliberaler gegenüber— 
tehen werden. 
Im Wahlkréis Rothenburg-Hoyerswerda, 
zogenwärtig vertreten durch den Abg. Bassermann, ist an 
Stelle des plötzlich und unerwartet zurückgetretenen Gutsbesitzers 
Scheumann als Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei der 
rühere Landtagsabg. Stadtov. Karl Goldschmidt, der Direktor 
dor Hirsch⸗-Dundckerschen Gewerkvercine, aufgestellt worden. 
Großbritannien. 
Zur Reform des Oberhauses. Lord Lansdowne brachte 
eine Gesetzesvorlage über die Reform des Oberhauses ein. 
kr erklärte, es sei die feste Ueberzeugung der 
Lnionisten, daß keine dauernde Lösung der kon— 
titutionellen Frage ohne eine Reform möglich sei. Die 
Inionisten wünschten eine Kammer, die durch ihre Fähigkeit, 
hr Anfehen und ihre Unabhängigkeit das Vertrauen des 
Landes befitze. Die neue Kammer solle aus 350 Lords 
»estehen. 100 von ihnen sollen erbliche Peers sein und 
»on den anderen erblichen Peers gewählt werden. Aber 
hre Wahl solle keine bedingungslose sein, denn die Peers 
vür den gewifse Eigenschaften besitzen, um als Lord des 
Barlaments gewählt werden zu können. Zu den Befähi— 
uungen sollen gerechnet werden Stellungen im amtlichen 
»der öffentlichen Dienst, oder ein bestimmter Rang in der 
Armee oder Flotte. 
Rutßland. 
Die Arbeiterversicherungz in der Duma. In der 
Reichsdumaa warnte der Handelsminister bei der fort— 
zesetzten Beratung der Gesetzesvorlage über die Arbeiter- 
erficherung vor einer allzugroßen Ausdehnung der Vor—⸗ 
age. Auch Deutschland habe seine Arbeiterversicherung all— 
aählich durchgeführt. Von einer Teilnahme der Arbeiter 
in der Verwaltung, die sich in Oesterreich durchaus nicht be— 
währt habe, habe die Regierung abgesehen und sich dem 
deutschen System angeschlossen. Die Aenderungen der Kom— 
nission, welche die Sicherstellung der Arbeiter in Krank— 
heitsfällen beträchtlich herabsetze, lehne die Regierung ent— 
chieden ab. 
Ein russisch⸗japanisches Ablommen. Das französische 
Ministerium des Aeubern wurde gestern davon verständigt, 
dah demnächst ein rufsisch-japanisches Abkommen 
u seiner Kenntnis gelangen werde, das darauf abzielt, 
»ie gemeinsamen Interessen in der Mandschurei gegen 
hinefische Willkür zu wahren. Auch anderen Mächten 
vird diese Mitteilung gleichzeitig zugehen. 
Amerila. 
Die prabktischen Erfolge der Monroedoktrin. Der ameri— 
'anische Gesandte in Nikaragua North Cott teilte gestern 
oem Staatsdepartement telegraphisch mit, daß der dortige 
e auf den altdeutschen Beinamen des Hahnes, Henning, an—⸗ 
spielten, den er als Gemahl der Hennen führt. 
Sie griffen ihn und trugen ihn mit sich, trotzdem er 
aut schreiend dagegen Widerspruch erhob.. 
Am Steintor erhob sich neue Heiterkeit. Aus dem Turm— 
enster beugte sich, behaglich grinsend, jemand heraus und 
chwenkte eine Fahne. Es war — Bludo, der sich die 
ostbare Freihett wieder zu verschaffen gewußt hatte. 
(Fortsetzung foigt.) 
Theater. Kunst und Wissenschaft. 
»Sans Schwegerle, unser in München lebender Lübecer 
dandsmann, der sich mehrfach durch seine Schöpfungen auf 
em Gebiete der Bildhauerkunst hervorgetan hat, fand bei einer 
me„königl. Münzkabinett“ veranstaltelen Ausstellung von Pla— 
etten erneut starke Anerkennung. Die M. N. N. berichteten: 
Neues aus demek. Münzkabinett, Macburgstrahe. Die augen⸗ 
lidlich zum größten Teil in den Schaukästen für Neuzugänge 
ntergebrachte reichhaltige Medaillen- und Plaketten⸗Samm⸗ 
ung erhielt in den letzten Monaten einen erheblichen Zuwachs. 
zon den interessantesten und besten Stücden seien genannt: 
die von Hans Schwegerle (Munchen) geschaffene Prinz-Re— 
enten⸗Medaille und die Porträt-Medaillen auf Ph. Heintz und 
J. Herrmann. Ein gemeinsamer Zug geht durch die Arbeiten 
on Schwegerle; es tritt uns überall aus seinen Schöpfungen 
er fertige Künstler entgegen, der frei von dem Suchen und 
Tasten, mit dem so mancher Moderner sich um einen festen, 
igenen Stil bemüht.“ 
— 
d4. „Irrwege“ von Ossip Tymow. Mit einer Uraufführung 
iseines Stückkes „Irrwege“ war es dem jungen Russen Ossip 
dymow vom Verein für Kunst ermöglicht worden, sich im Moder— 
en Theaterien Berlin einem kleineren Kreis vorzustellen. Wie es 
ei Vorstellungen geht — der Eindruck ist in der Regel ver— 
chwommen und mit Bestimmtheit lähßt sich die richtige Phy— 
iognomie schwerlich festhalten. Und wenn es sich gar um 
inen Menschen handelt, dessen Visitenkartenabgabe noch kein 
»der nur ein geringer Ruf vorausging, dann muß man schon 
in Abwarten haben, wie seine Persönlichkeit sich entpuppt 
Kongreß den Präfidenten Estrada ermächtigte, eine An—⸗ 
eihe von 12 bis möglicherweise 20 Millionen Dollars in 
»en Unionstaaten abzuschließen. Die Anleihe soll zur Be— 
ahlung der Schulden, zum Bausvon Eifenbahnen um 
uur Einführung der Goldwährung verwendet werden. 
Das Staatsdepartement erhielt von dem Gesandten in 
Chile Fletcher die telegraphische Meldung, daß die 
chilenische Regierung beschlossen habe, in den Unionstaaten 
Kontrakte für den Bau von Unterseebooten abzu⸗ 
schlfeßen. 
4 
heer und Flotte. 
Truppenwerlegungen. Nach Beendigung der diesfährigen 
Herbstübungen werden verlegt: die 1. Eskadron Ulanen⸗Regi⸗ 
ments Nr. 12 von Insterburg nach Goldap und die 4. Eskadron 
»esselben Regiments von Goldap nach Insterburg. Das 2. Ba— 
aillon Fußartillerie-Regiments Nr. 2 wird nach Beendigung 
der Schießübung, unter Zurücklassung einer Batterie auf Bor— 
um, zum 21. Juni die neue Unterkunft im Standort Emden 
zeziehen. 
Schießwersuche auf ein Unterseeboot. Auf der Versuchs- 
tation in Portsmouth sind in der letzten Woche verschiedene 
vichtige Versuche ausgeführt worden, um die Wirkung eines 
neuen Explosivgeschosses, das von einem Kriegsschiff auf ein 
Interseeboot abgefeuert wird, auszuproben. Für diesen Zwed 
vurde als Zielobjekt das Unglüds-Unterseeboot „A. 1“ be— 
timmt, das vor sieben Jahren mit seiner gesamten Mannschaft 
zegenüber der Insel Wight versank. Seit der Hebung wurde 
's als Instruktionsschiff benutzt und erst kürzlich außer Betrieb 
jesetzt. Während der vergangenen Woche wurde das Boot nun 
n die Nähe derselben Sielle geschleppt, wo es 1904 unterging, 
ind dort durch Gewichte bis zu einer Tiefe von ungefähr 
m herabgedrückt. In Gegenwart einer Anzahl von Marine— 
»ffizieren und Fachleuten fanden die Schießversuche von einem 
Torpedoboot aus statt. Ein paar Geschosse genügten, um das 
Interseeboot in den Grund zu bohren. Das Schiff muß jetzt 
gehoben werden, um die Refultate des Granatenseuers und die 
PVirkung des Geschosses festzustellen. 
* 
Tagesbericht. 
Lübeck, 9. Mai. 
* Lübeck-Büchener Eisenbahn⸗-Gesellschaft. Betriebs 
Ergebnisse jür den Monat April 1911. Beförder 
ind (nach den vorläufigen Ermittelungen): 
1911 630 928 ) Personen und 133 954 t Güter, 
gegen 1910 510 278 ⸗ æ 142 24270 - 
Eingenommen sind: Gesami 
ers⸗ Füter⸗ Neben⸗ ⸗ In name 
Ahe Vertehr 3— —* bigppe 
Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. 
911 vorläufig 346 8899) 333 68638 73 900 7534 474 26539512 
sio 247 631 351 137 70 800 672 6846 πε 
Intersch.1915. 499 2589 — -3100 I81900 174 587 
910 endgültig 271810 379798 92598 747206 2184 287 
9) 1911 fiel das Osterfest in den April. 1910 in den März. 
* Der Gefsamtverkehr auf dem Elbe⸗-Trave-Kangal im 
My Writ 1911 stellte sich nach den vorläufigen Ermittelungen 
vie folg htdambfer Frachtlähne Zußs. Schiffe Schlepper 
Anz. Lad. Anz Lad. Anz. Lad. usw. 
t t t Anzahl 
1) Verkehr in Richtung Lübeck-Lauenburg. 
9 1057 277. 60286 61439 
2) Verkehr in Richtung Lauenburg-Lübeck. 
8 1571 203 2373012äε 388 
Zusammen Monat April 1311.. 887 906800 17 
19810.. 506 67/750 103 
MNonat April 1911..... mehr 8123030 14 
Januar bis April 1911.....18001 283353 415 
5 7 i0. : . io sdsü 373 
Januar bis April 1911 mehr .400 102347 42 
»Franlitrung von Frachtbriefen. Vom 15. Mai ab wird 
ersuchsweise von der Eisenbahnverwaltung bei einigen Güter— 
abfertigungen an Stelle der Eisenbahnmarken zur Frankierung 
ver Frachtbriefe ein mit einem Registrierapparat hergestellter 
Freistempel verwandt. Der Stempel gibt den Frankaturbetrag 
mit dem Zusatz „bar“ oder „gestundet“ an. 
*Zut ijã hrig⸗ Freiw Ilige für das Kraf fahr⸗Batalllan. 
Für das am 1. Okt. d. J. zu bildende Krafefahr-Bataillon 
tönnen noch Zweijährig-Freiwillige angenommen werden. Ge— 
— 
und wntwickelt. Ossep Dymow hat viel herumgehorcht, dann 
zat lr sich auf einige Götzen — oder sagen wir milder — 
zdeale beschränkt und schließlich darauf geachtet, was sein 
Eigenes“ ihm zu sagen wußte. Er ist sich aber nicht klar ge— 
yorden. Auf „Irrwegen“ sich zurechtzusinden ist immer schwer, 
esonders, wenn es sich um die Liebe handelt und mehr Instinkt 
ls Erlebni- dies Problem zu lösen sucht. Daß cin Mann ein 
hähliches Weib interessant findet und es liebt, weil es die 
ongeniale Seele trägt, ist nichts Neues; daß diesem Mann 
iber auch die glatte Haut einer andern und ihr hübsches 
Hesicht liebenswert dünken, wenn sie auch geistig nicht auf der 
zöhe steht, ist etwas Alltägliches, und daß endlich der Mann 
rus Trotz diese zur Frau nimmt, da die andere nicht will, ist 
zleichfalls sehr menschlich. Wenn nun allerdings dese zwei 
ßeliebten Freundinnen sind und die andere — sein Ideal — 
tändig in die Prosa der unglüdlichen Ehe läuft, und dieser 
Mann und dieses Weib sich nicht von den Fersen gehen, 
bährend die Gattin fühlt und leidet und grübelt und schließlich 
uuf dumme Gedanken kommt, die zur Tat werden, gestaltet sich 
ie Sache schon problemhafter. Hier die Fäden in der Hand 
aben, daß sie sich nicht verwickeln und verknoten, sie ent— 
virren und klar legen, ist des Dichters Aufgabe und Kunst. 
da scheiterte Dymow. Man deutete sich ja die Szenen jeweils 
ind ahnte auch wohl, um was es sich handeln soll, aber der 
Autor machte es uns nicht bewußt. Er konstruierte und experi— 
nentierte mit seinen Figuren und bog schließlich den Schluß 
im nach der Idee, die ihm zum Schreiben dieses Stückes veran⸗ 
akt hatte. Tymow wußte nichts mit dem Material anzu— 
'angen. Ueberall Ansätze, manchmal von verheißender Trieb— 
raft, aber plötzlich ein Verwirren und Lahmwerden! Alzente, 
iber kein Atzent! Man hatte das Gefühl, als ob der Ver— 
asser auf Irrwegen hastete. Der dramatische Aufbau ist ver— 
vorren, darum schwächlich. Er wächst nicht einem Punkte zu, 
as lockert die Führung und legt die Mängel noch sichtbarer 
loß. Es wäre eine Novelle. Sollie ein Drama daraus 
verden, hätte es eines Dramatikers bedurft. Das ist Ossip 
dymow nach diesem Verfuch nicht. Die Darstellung bewegte 
ich im stärksten Mittelmaß. 
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