Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Die Lage in Meriko. 
(Telegramme. 
Der amerikanische Botschaster und ein Mitglied der deut— 
ichen Gesandtschaft begaben sich in das Auswärtige Amt und 
forderten Beschüßzung der Amerikaner und Deutschen in Cuer—⸗ 
navaca, das durch einen Angriff der Aufständischen bedroht sei. 
Das Kriegsministerium befahl das Abrücken von Verstärkungen 
nach Cuernavaca, einschließlich eines Bataillons Infanterie und 
einer Kompagnie Artillerie mit Maschinengewehren. Das Aus— 
wärtige Amt erklärte, es bestehe kein Anlaß zur Beunruhi— 
zung. 
Wr. Newyork, 3. Mai. Nach einem Telegramm aus El 
Paso ist der zu den Friedensunterhandlungen mit den Auf— 
tändischen bevollmächtigte Vertreter der mexikanischen Regie— 
eung Catabaial eingetroffen. Die Verhandlungen beginnen am 
Mittwoch in einem Zelt auf der mexikanischen Seite des Rio 
vrande zwischen Juarez und dem Lager der Aufständischen, 
Der Waffenstillstand wurde verlänger 
Inland und Ausland. 
Deu isches Reich. 
WV. Der Seniorenkenvent des Reichstages. Berlin;, 
3. Mai. Der Seniorenkonvent des Reichstages wird Donners- 
tag mittag zu einer ersten Sitzung nach den Ferien zusammen⸗ 
treten. Man erwartet bedeutungsvolle Entscheidungen, einmal 
über die geschäftliche Behandlung der Reichsversicherungsord⸗ 
nung, dann auch über die Frage, ob und in welcher Weise die 
Arbeilen des Reichstages nach Pfinasten fortgeführt werden 
ollen. 
W. Die Kurpfuscherlommifsion. Berlin, 3. Mai. Die 
Kurpfuscherkommission des Reichstages trat heute zur Fort— 
ietzung ihrer Beratungen zusammen, brach aber nach einer Ge—⸗ 
chäftsordnungsdebatte die Sitzung ab und vertagte sich auf 
morgen. Zur Verhandlung kommt der 8 5 der Vorlage, der 
unter bestimmten Voraussetzungen den Behörden die Möglichkeit 
zibt, nichtapprobierten gewerbsmäßigen Krankheitsbehandlern 
en Gewerbebetrieb überhaupt zu untersagen. 
Religionsunterricht in den Fortbildungsschulen Preußens. 
Berlin, 3. Mai. Die Kommission des preußischen Abge⸗ 
ordnetenhauses für die Pflichtfortbildungsschulen hat mit 11 
zjegen 8 Stimmen die Einführung des obligatorischen Religions—⸗ 
unterrichts in den Fortbildungsschulen beschlossen. 
W. 102 000 Mufür einen Lutherbrief. Leipzig, 3. Mai. 
Bei einer Versteigerung von C. G. Börner kam es zu einer 
Sensation. Für einen Lutherbrief an Karl V. wurden 102 000 
Mark geboten. Das Erstgebot betrug 5000 M. Schon nach 
fünf Minuten war das Höchstgebot. von 102000 Meerreicht. 
Fin Herr Marinis aus Florenz hat den Brief für Pierpont 
Morgan erworben. Auch ein Berliner Herr. Karl Marfels, 
hatte diese Summe geboten. 
W. Die Verschärfung des Diensteides der banerischen 
Lehrer. München, 3. Mai. Aus Lehrerkreisen verlautet, 
daß der Diensteid der bayerischen Lehrer eine Verschär— 
fung erfahren soll. Es liegt eine Weisung vor, in den von 
jungen Leuten zu leistenden Diensteid eine Stelle einzufügen, 
zurch die sie verpflichtet werden, keinem Verein anzugehören, 
dessen Tendenz gegen die staatlichen und dienstlichen Inter⸗ 
ssen verstobe⸗ 
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neuefte Vachrichten und Telegramme. 
Die deutschen Maiestäten in Genua. 
Ws. Genna, 3. Mai. Die „Hohenzollern“ mit dem Kaiser, 
der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise an Bord, lief 
unter Geschützsalut um 2 Uhr in den Hafen ein. Die deutschen 
Dampfer flaggten. Die „Hohenzollern“ legte am Friedrich- 
Wilhelm-Kai an, wo die Spitzen der Behörden, der deutsche 
Botschafter von Jagow, Generalkonsul v. Herff, die gesamte 
deutsche Kolonie und die deutsche Schule die Maiestäten er— 
warteten. Der Landungsplatz ist mit Blumengewinden und 
Flaggen in deutschen und italienischen Farben geschmückt. Bis 
zum Seebahnhof am Santa-Limbania-Kai, wo der kaiserliche 
Sonderzug bereitstand, waren Teppichläufer gelegt. Als die 
„Hohenzollern“ festmachte, spielte die Kapelle des Dampfers 
Lützow die deutsche Nationalhymne, während die Menge be— 
geisterte Hochruse auf die Maiestäten ausbrachte. Darauf be— 
gaben der deutsche Botschafter und die Spitzen der Behörden sich 
an Bord der Kaiserjacht, um die Maiestäten zu begrüßen, die 
sie mit großer Herzlichkeit empfingen. Besonders waren die 
Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise über die herrlichen 
Blumenspenden erfreut, die ihnen Frau v. Herff namens der 
Damen der deutschen Kolonie sowie der Bürgermeister über— 
reichten. Hierauf verließen die Kaiserin und die Prinzessin 
die „Hohenzollern“ und unternahmen eine Automobilfahrt in 
Stadt und Umgebung, während der Kaiser mit dem Botschafter 
von Jagow an Bord der Jacht blieb. 
Ws. Genna, 3. Mai. Die deutsche Kaiserin und die 
Prinzessin besichtigten die Kathedrale San Lorenzo und die 
Galerie im Palazzo Rosso und kehrten um 4 Uhr 45 Min. 
nach der „Hohenzollern“ zurück. Um 5 Uhr 15 Miinuten ver⸗ 
ließen die Majestäten und die Prinzessin unter dem Salutschießen 
der Artillerie und den Hurrarufen der Besatzung die Jacht. 
Die Spalier bildenden Truppen präsentierten das Gewehr. 
Die Schüler der deutschen Schule streuten Blumen auf den 
Weg der Kaiserin. Ums 5 Uhr 25 Minuten erfolgte dann unter 
den begeisterten Hochrufen der Menge die Abreise nach Karls⸗ 
ruhe 
Eine frauzösische Spionin verhaftet? 
W. Köolu, 3. Mai. Die Sprachlehrerin Thirion, eine 
zeborene Pariserin, ist der Spionage verdächtig verhaftet. Sie 
zatte Kunden in den feinsten Kreisen. Es liegt der Verdacht 
dor, daß sie sich in Wesel einen Mobilmachungsplan ver— 
ichaffen wollte. 
Das Befinden Safanows. 
W. Petersburg, 3. Mai. Die Körpertemperatur Sasonows, 
die in der letzten Woche zwischen 38,5 und 37,8 Grad schwankte, 
tieg auf 38,8 Grad. Der Puls ist beschleunigt, und der Lun⸗ 
genprozeß fast unverändert. 
Die Wirren in Marokklo. 
W. Paris, 3. Mai. Aus El Kassar wird berichtet: Haupt⸗ 
mann Ariete, der Befehlshaber der spanisch-marokkanischen Po— 
iizeitruppe in Larrasch und Hauptmann Barella vom General⸗ 
stab hatten mit Raisuli eine Unterredung über eine etwaige Ent— 
sendung spanischer Streitkräfte nach Larrasch und El Kassar. 
Ferner wird von dort berichtet, Raisuli spiele sich im Gharb— 
gebiet als Souverän auf; so hätten Leute der Mahalla Mor— 
jsaux', obwohl dieser ihnen den Sold auszahlte und die gesamte 
klusrüstung lieferte, sich für den Dienst des Machsen verwen—⸗— 
den lassen, mit der Erklärung, keinen Befehl Raisulis er—⸗ 
halten zu haben. Man erblicke in dieser Haltung Raisulis 
znen Verrat am Machsen 
wicß lungener ronalistischer Aufchlag in Portugau. 
W. Liffabon, 3. Mai. Zwei Royalisten, der eine als 
Lolizist, der andere als Soldat verkleidet, find in die Infan— 
eriekaserne in Cintra, und zwar bis ins Telegraphenzimmer 
ingedrungen. Sie befahlen dem Telegraphisten, an die Re— 
zimentskommandeure Portugals ein Telegramm mit solgendem 
Text zu senden: „Die Monarchie ist wieder hergestellt, vereinigt 
die Truppen mit dem Rufe: Es lebe der König!“ Die Eindring⸗ 
linge wurden durch den wachhabenden Offizier verhaftet. 
Die rerolutionären Unruhen in Canton. 
London, 3. Mai. Nach einer Meldung aus Amon sind dort 
Plakate angeschlagen, die die chinesische Bevölkerung durch die 
Behauptung aufregen, die Regierung habe in eine Aufteilung 
Chinas eingewilligt. In Hongkong eingetroffene Flüchtlinge 
erklären, die Unruhen in Canton leien viel ernster als man 
annehme. 
Petersburg, 3. Mai. Nach einer Meldung aus Mukden 
ind zahlreiche Revolutionäre nach Canton abgegangen, um sich 
en dortigen Rebellen anzuschließen. 
Aussver rungen im Braunkohlenrevier. 
W. Salle a. S., 3. Mai. Nach einer Mitteilung des Deut— 
chen Braunkohlenin dustrievereins betragen die Küundigungen in—⸗ 
olge der Tarifstreitigkeiten im Zeitz-Weißenfelser Revier nach 
durchaus zuverlässigen Angaben 2500 gleich 48 Peozent, in 
Sachsen-Altenburg 2718 gleich 54 Prozent und im Halleschen 
Bezirk 416 gleich 81 Prozent der gesamten Belegschaft. 
Wt. Budapest, 3. Maĩ. Kaiser Franz Josef ist 
heute abend zu dreiwöchigem Aufenthalt in Budapest einge— 
troffen. 
Wt. Brüssel, 3Z. Mai. Der König und die Königin 
sind hier angekommen und haben im Schlosse Laeken Wohnung 
genommen. Die Königin leidet, nach hofamtlicher Erklärung, an 
Mittelohrenentzündung, die von Fieber begleitet ist. 
Deshalb ist ihr völlige Ruhe geboten, so daß sie vermutlich 
an den Empfängen zu Ehren des Präsidenten Fallières, der 
Dienstag hier eintrifft, nicht teilnehmen kann. 
Wt. Totio, 38. Mai. Die Regierung beschloß, in Ham— 
burg, Indien, Tientfin und in der Nordmandschurei Han⸗— 
delsagenten zu ernennen. 
Deutscher Reichstag. 
W. Berlin, 3. Mai. 
Die erste Lesung des Gesetzes betreffend die AUufhebung 
des Silfskalsengesetzes vird fortgesetzt. 
Graf Westarp (tonf.): Es handelt sich lediglich um einen 
Vorschlag, die Hilfskassen dem Privatversicherungsgesetz von 
901 zu unterstellen, und ihre Begründung und Ausführung 
benso zu regeln, wie die der übrigen Versicherungen. Wir 
tehen der Vorlage sympathisch gegenüber und wünschen die 
Kommissionsberatung. 
Abg. Stadthagen (Soz.): Wir stehen der Vorlage nicht 
o sehr sympathisch gegenüber. Gegen die Schwindelkassen 
hilft der Entwurf gar nichts. Die bürgerlichen Parteien wollen 
den Arbeitern die Selbstverwaltung nehmen und für Offi— 
sere und pensionierte Beamte Sinekuren schaffen. 
Abg. Neumann⸗Hofer (Vpt.): Auf dem Gebiete der freien 
zilfskassen haben sich scharfe Mißstände herausgestellt, die be— 
eitigt werden müssen. Die Hilfskassen an Fich dürfen nicht 
Jefährdet werden. Wir wollen keine Entrechtung der Ar—⸗ 
eiter und sind zur Prüfung aller Einzelheiten in der Kom— 
nission bereit. 
Abg. Weber (natlib.): Die freien Hilfskassen sollen le— 
ziglich der Staatsaufsicht unterstellt werden. Auch in den 
ozialdemokratischen Kassen kommen genau dieselben Schwin— 
*eleien vor wie in den bürgerlichen. (Ruf Gemeinheit!) 
Vizepräsident Spahn: Es ist der Ruf Gemeinheit gefallen, 
ch habe den Rufer nicht erkannt, wer war es? Abg. Emmel 
neldet sich. Bebel ruft: Sie haben sich nicht zu melden! wir 
ind doch nicht in der Schule! (Große Unruhe.) Vizepräsident 
zpahn ruft den Abg. Emmel zur Ordnung. 
Abg. Behrens (wirtsch. Vgg.): Die Staatsaufsicht ist mir 
mmer noch lieber als die sozialdemokratische Aufsicht über die 
zilfskassen. 
Abg. Ledebour (Soz.): Abg. Weber hat es so darzustellen 
bersucht, als ob sozialdemokratische Kreise an den Schwindel— 
fassen teilhätten. Darin liegt eine Irreführung. 
Die Vorlage geht an die Reichsversicherungskommission. 
Es folgen Pebitionen. Eine große Reihe von Peti— 
ionen wird ohne Debatte entsprechend den Anträgen der Pe— 
ritionskommission erledigt. Bei der Fortsetzung des Berichts 
betr. die Aenderung des Impfifgesetzes führt 
Abg. Fleischer (Ztr.) aus: Die Beschwichtigungsrede des 
Geheimrats Kirchner erreichte das Gegenteil von dem, was er⸗ 
reicht werden sollte. Die offizielle Wissenschaft hat in der 
zeurkeilung des Nutzens der Impfung sich in Widersprüche 
zesetzt und sich schwer getäuscht. Die dauernde Immunität 
vird durch die Impfung nicht erreicht. Die Impäiftatistik 
sst recht mangelhaft. Ich bitte Sie, für die Petitionen zu 
timmen und die Beseitigung oder Einschränkung des Impf—⸗ 
wanges zu verlangen. Zum mindesten muß die Gewissens⸗ 
lausel eingeführt werden. 
Abg. Pfeiffer (Ztr.): Der Impfzwang wird überaus schwer 
mpfunden. Viele verlegen hren Wohnsitz nach dem Auslande, 
im ihm aus dem Wege zu gehen. Bei dem rigorosen Vorgehen 
»er Polizei gegen die Impfgegner kommen die größten Aus— 
chreitungen vor. Wir fordern die Einsetzung einer Kom— 
mission, in der alle diese Fragen erörtert und die Mißstände 
eseitigt wer den. 
Abg. Graf Oppersdorf (3tr.): In vielen Fällen ist der 
Impfzwang unerlählich. Ich persönlich bin Gegner der Ge— 
vissensklausel. Die Pocken schaden immer noch mehr als die 
zImpfung. Die Einberufung einer Pockenkonferenz würde auch 
ch begruͤßen. 
Abg. Sachfe (Soz.): Die Regierung sollte die Pflicht haben, 
um mindesten die Lymphe auf gute Beschaffenheit zu kon⸗ 
rollieren. 
Geheimrat Kirchner: Die Sachverständigen stehen nach wie 
or auf dem Standpunkt des Impfzwanges. Ich habe das 
janze statistische Material aller Kulturländer sorgfältig durch— 
zearbeitet und bleibe dabei, daß das Impfgesetz nicht aufge— 
oben werden kann. Die Redner, die gegen den Impfzwang 
eintreten, haben ihr Material aus impfgegnerischen Schriften 
entnommen. Sie sollten objektiv sein und auch unsere Dar— 
egungen verfolgen. Eine Kommission zur Prüfung der Impf— 
rage erübrigt sich. Für uns besteht kein Zweifel, daß der 
zmpfzwang nicht aufgehoben werden darf. Geifall.) 
Regierungslommissar Breger: Wird der Impfzwang auf—⸗ 
zehoben, nimmt die Zahl der Todesfälle bei uns jährlich um 
O 000 bis 15 000 zu. England geht mit der Absicht um, die 
ßewissensklausel aufzuheben. Auch die mohammedanischen Völ—⸗ 
er können sich trotz ihrer religiösen Bedenken der Impfung nicht 
Zerschließen. Die Impfschäden sind auf fehlerhafte Behandlung 
der Geimpften zurückzuführen! 
Abg. Fahzbender (Z3tr.): Die Einführung der Gewissens— 
klausel ist dringend notwendig. 
Abg. Migdan (Vpt.): Das Impfgesetz hat sich glänzend be— 
vährt. Eine gewisse Beschränkung der persönlichen Freiheit 
st unvermeidlich. Ich stimme mit einem Teile meiner Freunde 
zegen alle vorliegenden Anträge. 
Damit schließt die Debatte. Ueber sämtliche Anträge auf 
Einführung der Gewissensklausel, Entschädigung bei Impfschäden 
und Einsetzung einer Pockenkommission wird zur Tagesordnung 
übergegangen. 
Nächste Sitzung morgen 2 Uhr: Rechnungssachen und Pe— 
titionen. 
heer und Flotte. 
W. Berlin, 3. Mai. ReP.D. „Seydlitz“ mit dem Trans— 
port der von „Cormoran“ abgelösten Besatzung ist am 2. Mai 
in Fremantle (Westaustralien) eingetroffen und setzt die Reise 
am 3. Mai fort. Re-P.D. „Lützow“ mit dem weiteren Teil 
der aus dem Kiautschougebiet abgelösten Offiziere und Mann— 
scchaften ist am 2. Mai in Genua eingetroffen und hat am 
3. Mai die Reise fortgesetzt. „Panther“ ist am 30. April 
zon der Lüderitzbucht, „pon der Tann“ am 2. Mai von Tene⸗ 
riffa, „Eber“ am 3. Mai von Lome (Togo) und „Taku“ am 
2. Mai von Nagasaki in See gegangen. „Scharnhorst“ mit dem 
Chef des Kreuzergeschwaders, „Gneisenau“ und „Leipzig“ sind 
im 3. Mai von Yokohama in See gegangen. Das Flußtorpedo— 
zoot „Vaterland“ ist am 2. Mai von Tschingkiang am 
Jangtse nach Tsingtau und am 3. Mai von Shinchow nach dem 
Nordfluß abgegangen. „Loreley“ ist am 3. Mai von Galatz 
nach Konstantinopel abgegangen und „Grille“ ist am 30. April 
n Emden eingetroffen und am 1. Mai wieder in See ge— 
äangen. Die Hochseeflotte ist mit Ausnahme von „von der 
Tann“, „Königsberg“ und „Mainz“ am 1. Mai zum An— 
ritt der Frühiahrsreise von Kiel in See gegangen. 
Luftschiffahrt. 
Bevorstehende Probefahrten eines neuen Parseval⸗Luft⸗ 
chifses. Aus Halle a. d. Saale meldet man vom 2. Mai: 
der in Bitterfeld im Bau begriffene Parseval 3, 
nit 6000 cbm Rauminhalt und 2 Motoren von je 200 Pferde⸗ 
räften, wird zur beabsichtigten Uebernahme durch die 
Militärverwaltung in 14 Tagen in Reinickendorf Pro⸗ 
befahrten unternehmen. 
sr. Ein inseresanier Passagle flug wurde von dem jüngsten 
— 
gen stieg bei Köln mit seiner Mutter an Bord auf und erhob 
ich mit dieser bis zu 100mm Höhe. um nach viertelstündiger 
Fahrt glatt zu landen. 
Vom Deutschen Rundflug 1911. Als Ankunftstag der Flie— 
der in Schwerin ist jetzt endgültig der 13. Juni festgesetzt. 
Am 14. Juni ist Ruhe?ag, während am 15. Juni der Abflug 
rfolgt. — Der Verein für Motorluftschiffahrt in der Nord⸗ 
nark hat für den Ueberlandfuug Magdeburg-Harburg— 
Tiel weitere Preise in Höhe von 20000 Muäzur Verfügung 
zestellt, so daß außer dem Preis der B. 3. a. M., der 100 000. M 
zeträgt, und den Preisen des Kriegsministers von 2000 und 
000 Menun im ganzen 160000 Muvorhanden sind. — In 
de umümnster werden Bestrebungen gemacht, d'ie Flieger der 
ctrede Harburg-Kiel zu einer Zwangslandung in Neumünster 
u veranlassen. Es sollen die Mittel für einen Preis von 
3000 Mäaufgebracht werden. — Statt in Gremsmühlen wird 
vahrscheinlich in Eutin eine Landung erfolgen, wenn dort 
1000 Muzur Verfüugung gestellt werden. 
sr. Für eincn Arroplasflug vecr Wien nach Budapest vom 
3. Mai bis 8. Juni hat die Wiener Zeitung „Die Zeit“ 
15 000 Kr. ausgesetzt. Die Luftlinie der Strecke beträgt 220 km. 
Bunte Chronik. 
6728 5S0olzarbeiter ausgesperrt. Berlin, 
3. Mai. Infolge der Maifeier ind in Groß-Berlin in 320 Be— 
rieben 6728 Holzarbeiter ausgesperrt, davon über 6000 
auf die Dauer vondrei Tagen. Die übrigen sind länger 
ausgesperrt oder entlassen worden. 
Erdbeben. Wjerny (Turkestan), 3. Mai. Im Se— 
niretschenskgebiet wurde vorgestern eine längere Zeit anhal— 
ende Bodenschwankung verspürt. Die Bevölkerung wurde 
»adurch in Aufregung versetzt. 
Automobifunfall. Eger, 3. Miai. Das Auto⸗— 
nobildes Prinzen Joachim Albrecht von Preußen, 
der gegenwärtig in Marienbad zur Kur weilt, überfuhr in 
Scheibenreuth bei Eger ein 121ähbriges Mädchen, das so⸗ 
'ort tot war. 
Verurteilter Erpresser. — Hotel-Konkurs. 
Berlin, 3. Mai. Der Schriftsteller Georg Geissel, der in 
den Besitz eines Zettels gelangt war, dessen Inhalt er für 
ompromittierend für die Darmstädter Bank hielt und mittels 
dessen er gegen den ehemaligen Vorstand der Bank, den Stadt⸗ 
iltesten und früheren Reichstags-Vizepräsidenten Kämpf, hart⸗ 
rädiige Erpressungsversuche unternommen hatte, wurde zu zwei 
Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. — 
Das bekannte „Monopol-⸗Hotel“ ist in Konkurs ge— 
raten. 
Todesfall. Stuttgart, 3. Mai. Der Professor 
für Wasserbau an der Technischen Hochschule. Lueger, ist 
gestorben. 
Automobilunfall. Eisenach, 3. Mai. Der gestern 
norgen von Eisenach nach Treffurt abgegangene Zug stieß in 
Treffurt an der Werrabrücke mit einem Automobil der 
Thuringia-Brauerei, Mühlhausen, zusammen. Letzteres wurde 
ettrümmert. Der Chauffeur Behne und der Bierkutscher 
Emmrich wurden getötet. 
Auf der Flucht ertrunken. Frankfurt a. O. 
3. Mai. Zwei Berliner Einbrecher, der Tischler Paul Schulz 
ind der Schlosser Johann Fuchs, wurden verhaftet, als sie zu 
erdächtigen Preisen im Café „Rheingold“ zwei Fahrräder 
um Kauf anboten. Auf dem Transport zur Wache zog Schulz 
inen Revolver, riß sich los, lief zur Oder und sprang vom 
Bollwerk in den Strom. Er ertraänk angesichts der zahlreich 
ruf der Oderbrücke versammelten Menschenmenge. Die beiden 
Berbrecher hatten in der Nacht zum Sonntag mehrere Einbrüche 
n Frankfurt a. O, verübt. 
Im Streit erschossen. Gerresheim, 3. Mai. 
kin Polizeibeamter erschoß nach einem Streit im Wirtshause 
)en Schlachtergesellen Hibberle aus Paderborn. Die Zeugen 
»er Tat mißhandelten darauf den Polizisten und verwundeten 
hn durch, Messerstiche
	        
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