Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Inland und Ausland. 
Deuisches Reich. 
Proklamation des Fürsten Adolf. Fürst Adolf zu 
Z„chaumburg⸗Lippe ließ gestern folgende Proklamation ver⸗ 
ffentlichen: „Wir, Adolf, von Gottes Gnaden regierender 
Fürst von Schaumburg-Lippe, tun hiermit kund, daß es 
Swott, dem Allmächtigen nach seinem unerforschlichen Ratschluß 
defallen hat, Unseren innigst geliebten Vater durch einen 
chnellen und sanften Tod von dieser Zeitlichkeit abzurufen. 
Wir haben verfafsungsgemäß die Regierung übernommen 
ind versprechen, sie unter Gottes gnädigem Beistande zum 
Besten und zum Segen des Fürstentums dem Gesetz gemäß 
u führen. Alle von unserem in Gott ruhenden Herrn Vater 
rnannten Beamten bestätigen Wir in ihren Aemtern und 
warten von ihnen, daß sie ihrem Eide gemäß Uns und 
Anserem Hause treu und gehorsam sind und jeder an 
er ihm zugewiesenen Stelle das Wohl Unseres geliebten 
randes und seiner Bewohner fördern.“ 
Eine Flottenparade vor dem österreichtschen Thronfolger. 
stachdem dem Kaiser bei seinem jüngsten Aufenthalt im 
Mittelmeer und auf Korfu mehrfach Gelegenheit geworden 
st, die österreichisch-ungarischen Panzergeschwader in Augen⸗ 
schein zu nehmen, hat er dem özsterreichisch ungarischen Thron⸗ 
olger, Erzherzog Franz Ferdinand von Osterreich-Este, die 
finladung zu einer Flottenparade über die deutsche Hochsee⸗ 
lotte zukommen lassen. Diese soll in den Gewässern vor 
Swinemunde bezw. Rügen im direkten Anfchluß an der 
Kaiserparade über das pommersche Armeekorps stattfinden, 
die auf den 29. August bei Stettin festgesetzt worden ist. 
Aunder Flottenparade wird die gesamte Hochseeflotte in den 
deiden Linienschiffsgeschwadern, vier Panzerkreuzern, sechs 
seinen Kreuzern, den Tendern, Torpedobootsflottillen, Unte r⸗ 
eebobotsformationen und den Verstärkungen für die Ab⸗ 
zaltung der Flottenherbstmansver beteiligt sein. 
Ein Wechsel in der chilenischen Gesandtschaft in Berlin 
vird von der B. 3. am Mittag angekündigt. Der derzeitige 
Hesandte Chiles in Deutschland, Sennor Agusto Matte soll 
qus Gesundheitsrücksichtn noch vor Ablauf des Sommers 
von seinem Posten zurücktreten wollen. Als sein Nachfolger 
soll der gegenwärtige Intendant von Valparaiso, Sennor 
Enrique Larrain Alcalde, der eine teilweise deutsche Erzie hung 
zenossen hat, in Betracht kommen. 
Von dem Kommiffionsbericht über die Reichsversicherungs⸗ 
erdnimg sind jetzt auch die drei noch ausstehenden Teile er— 
chienen. Der Bericht umfaßt insgesamt sieben Bände mit 
166 großen Druckseiten. 
Ausdehnung des Hansabundes. Seit Tagung des Ge— 
samtausschusses des Hansabundes, Ende Februar d. J. sind 
2575 Personen als Einzelmitglieder dem Hansabunde bei⸗ 
etreten, 6 Landes⸗ und Bezirksgruppen und 31 Ortsgruppen 
zegründet worden. 62 Vertrauensmänner wurden ernannt. 
30 wirtschaftliche Verbände sind dem Hansabunde korporativ 
zeigetreten. 
Vereidigung von Sachverständigen. Der BHandelsminister 
hat in einer Verfügung bekannt gemacht, die ganz aUlge⸗ 
neine Vereidigung von Sachverständigen unter— 
liege erheblichen Bedenken. Unbedingt unzuläfsis er— 
cheine die Vereidigung selbständiger Gewerbetreibender X 
hren eigenen Antrag. Die Gerichte werden auf die Bedenken 
hingewiesen und es wird ihnen mit Rücsicht auf die Be⸗ 
cutung der Eidesleistung überhaupt und auf das Gewicht, 
zas im Verkehr der gerichtlichen Vereidigung einer Person 
ür gewisse Geschäfte beigelegt wird, gallgemein die sorg⸗ 
ältigste Prnfung aller erheblichen Umstaͤnde zur Pflicht ge— 
nacht. 
Keine Orden für Volksschullehrer. Zu der am 6. Juni 
n Auerbach a. d. B. stattfindenden Vertreterversammlung des 
Zzessischen Landes-Lehrervereins hat der Frankf. 
Zeitung zufolge der Bezirksverein Darmstadt den Antrag ge— 
lellt: „Ordensauszeichnungen sind mit dem Wesen 
es Volksschullehreramts unverträglich. Der 
Zzessische Landes⸗-Lehrerverein beauftragt daher seinen Vor⸗ 
tand, die vorgesetzte Behörde zu bitten, keinen Vollsschul⸗ 
ehrer mehr zu einer Ordensauszeichnung an aller hochster 
Stelle vorzuschlagen.“ 
Die Maifeier wurde in Berlin in der üblichen Weise 
zegangen. Im Laufe des Vormittags fanden in Groß⸗Berlin 
sra 70 Versammlungen statt, die ämtlich ohne Störung ver— 
iefen. Die Beteiligung war nicht grok. Nach den bisher 
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uhren suchend im Zimmer umher und hafteten auf dem 
nachttischchen vor dem Bette. „Wo ist die Pistole?“ flüsterte 
Fvaunn plötzlich und sah verwirrt um sich. Die Schwester 
eichte ihm das Glas mit Eiswasser, denn sie sah die Fieber⸗ 
zitze zurügkehren. Er stieß das Glas von sich. 
„Nein, nicht!“ rief er heftig, „keinen Wein — weg mit 
dem Wein! Er verbrennt mich!“ 
„Es ist kühlendes Wasser,“ beharrte die Schwester und hielt 
as Glasan die brennenden Lippen. Gerbard suhr mit verstörtem 
Ausdruck in die Höhe: 
„Der Schuß! Die Kugel! ... Wer hat das getan?“ rief 
. Die Waife war doch agaesichert..“ 
Die Schwester konnte ihn nur mühsam halten, er aber 
versuchte sich los zu machen und rief noch einmal: Wo ist 
zie Pistole geblieben? Wer hat sie losgedrüdt? Die feigen 
Ferle kamen ja nicht. .... So sind es die Geister gewesen 
— S die bösen Geister des Weines....“ Er versuchte, sich 
hrem festen, sicheren Griffe zu entwinden und wollte aus 
dem Bett springen. Schwester Agnes war kräftig und stark. 
ZSie rang mit dem Fieberkranken, den alsbald wieder die 
Schwäche übermannte, so daß er auf sein Lager zurückfiel und 
zie Augen schloß. Eilig erneuerte sie die Eisumschläge und 
vusch ihm sachte das Antlitz mit Eiswasser. Dann prüfte sie 
äugstlich den Puls, der in rasender Hast geschlagen hatte, 
rährend sie mit ihm rang. Bei der Berührung öffinete der 
dranke wiederum weit die Augen. „Wenn ich sie nur ver— 
rreiben könnte!“ murmelte er und sah der Schwester ins 
Gesicht. 
Men wollen Sie vertreiben?“ fragte sie freundlich— 
„Die Geister, die bösen Geister. die mich verfolaten, wie 
tije vordem den Vater und den Bruder veriolgt haben!“ rief 
er. „Wissen Sie es denn nicht?“ Er sah sie angstvoll 
und flehend an. 
„Ich helfe Ihnen!“ saate das Mädchen fest und zuver— 
ichtlich und legte ihre kühle Hand auf seine fieberheiße Stirn. 
—Ich kleibe hei Ihnen sa lange Sie Hilfe brauchen““ wieder— 
vorliegenden Berichten sind auch die Matfetern im Reich 
ohne Störuna verlaufen. 
Vorbereitungen zur Reichstagswahl. 
Die Reichstagskandidatur des krüheren 
ßouverneurs Leutwein im Wahlkreise Pforzheim⸗ 
Durlach scheint gescheitert zu sein. 
Zur Frage einer Reichstagskandidatur des 
Tbg. Dr. Potthoff im Wablkreife Duisburg- 
Nülheim-Oberhausen veröffentlicht die freisinnige 
Valdeder Rundschau (Arolsen) folgende Erklärung: „In aus⸗ 
oärtigen Blättern finden wir folgende Nachricht: ‚Der Par⸗ 
eitag der Fortschrittlichen Volkspartei des Wahlkreises Duis—⸗ 
durg⸗Mülheim⸗Oberhausen hat beschlossen, im Wahlkreise 
elbftändig vorzugehen, die Kandidatur Herrn Dr. Heinz Pott⸗ 
joff anzutragen und sofort mit allen Mitteln in die Wahl— 
irbeit einzutreten. — Wir find ermächtigt, zu erklären, daß 
zerr Dr. Potthoff eine Reichsstagskandidatur außerhalb Wal⸗ 
eck⸗-Pyrmonts unter keinen Umständen annehmen wird; auch 
iejenige in Duisburg-Mülheim-Oberhausen nicht.“ 
Im Reichstagswahlkreist Dithmarschen-Stein— 
urg, wo der nationalliberale Kandidat immer von allen 
Lählern rechts vom Freisinn unterfstützt wurde, will der 
zuünd der Tandwirte jetzt einen Kandidaten gegen den 
ationalliberalen Reichstagsabgeordneten Amtsgerichtsrat 
zörcköHeide aufstellen. Eine Hauptversammlung des 
deichstagswahlvereins in St. Margarethen, dem mehrere Mit⸗ 
lieder des Bundes der Landwirte beiwohnten, nahm eine 
Intschließung an, die ihr großes Bedauern über die bünd⸗ 
erifchen Absichten aussprach und warm die Wiederwahl des 
ewährten Abgeordneten Dr. Görd befürwortete. 
Sonntag nachmittag hat in Säckingen eine stark besuchte 
Vertrauensmännerversammlung der Nationalliberalen Partei 
des dritten badischen Reichstagswahlkreises getagt, die ein⸗ 
timmig Rechtsanwalt Dr. Wolf-Schopfheim als Kandidaten 
üür die Reichsstagswaklen aufgestellt hat 
Tagesbericht. 
Lübeck, 2. Mai. 
7 Amtsübernahme. Herr Postdirektor Ste in aus Wis⸗ 
nar hat heute die Verwaltung des hiesigen Hauptpostamts 
bernommen, die seit dem Heimgange des Herrn Post dire ktors 
Daniels nur provisorisch verwaltet worden war. 
V Si. Lorenz⸗Verein. Die am Montag in der „Flora“ 
ibgehaltene außerordentliche Versammlung, die nur sehr schwach 
zefucht war, beschäftigte sich wiederum mit dem Bau einer 
Interimsbrücke über den Stadtgraben. Der Vor— 
land war in der letzten Versammlung beauftragt worden, sich 
weds Begründung einer Eingabe des Vereins an den Senat 
im Ausbau der Klappbrücke über den Stadtgraben, über die 
hergrößerung des Schlachthauses, den Verkehr auf der Puppen⸗ 
zrüce und den Rangierverkehr näher zu unierrichten. Das 
st geschehen und der Vorstand berichtete, daß der Schlacht⸗ 
zof durch den Anbau eines Kühlhauses erheb— 
ich vergrößeri werden soll. Hierfür steht aber kein anderer 
Bauplatz zur Verfügung als die Schlachthofstraße und das 
udlich derselben gelegene Grundstück. Die Schlachthofstraße 
vird daher um eine beträchtliche Strede weiter nach Sũüden 
erlegt und hierdurch die Straßenverbindung über den Stadt— 
zraben bedeutend erschwert werden. Ueber den Verkehr auf 
er Puppenbrücke sind dem Vorstand die Ermittelungen der 
zehörden von 1904 und 1908 zur Verfügung gestellt worden, 
us denen der Vorstand eine Reihe von Zahlen über den 
Wagenverkehr auf der Puppenbrüde, in der Fackenburger Allee 
ind in der Schwartauer Allee mitteiite. Sinsichtlich des Ran⸗ 
zierverkehrs ist dem Vorstand von Herrn Eisenbahndirektor 
Thristensen mitgeteilt worden, daß sich die betriebstechnischen 
zerhältnisse zwar zugunsten des vom Verein vertretenen Pro⸗ 
ektes gebessert hätten, er aber als Eisenbahntechniker und 
zertreter der Bahn trotzdem Jagen müsse, daß die Bahn die 
Archführung des vom Verein vertretenen Projektes als nicht 
pünschenswert betrachten müsse; denn sie werde fordern müssen, 
»an der Wagenverkehr über die Bruͤcke während der ganzen 
nangierzeit von abends 8 Uhr bis morgens 9 Uhr unter⸗ 
agt werde, in Zeiten lebhaften Verkehrs werde die Sperrung 
ogar bis 10 Uhr vormittags ausgedehnt werden müssen. 
die gleiche Forderung habe die Bahn auch für die neue Sũd⸗ 
dordstraße auf dem alten Bahnhofsgelände gestellt und be⸗ 
billigt erhalten. Unter diesen Umständen, so meinte der Vor⸗ 
Anß weiter. hat eine Interimsbrücke über den Stadtaraben 
— 
jolte sie und strich ihm mütterlich und linde das feuchte 
daar von der Stirn. 
Da begann der Kranke allmählich ruhiger zu werden, bis 
r endlich gegen Morgen einschlief. Sie hatte aber ihren 
Beobachtungsposten nicht verlassen, bis früh Doktor Stolten⸗ 
»erg eintrat und sich von dem Verlauf der Nacht genau 
erichten ließ. Er erneuerte den durch die heftigen Bewegungen 
es Kranken verschobenen Verband der Wunde, entließ die 
Bzilegerin, damit sie noch einige Stunden ruhen sollte. und 
chickte nach Schwester Dora. 
Fortsetzung solat.) 
— —— — — 
Theater. Kunst und Wissenschaft. 
Lübeck, 2. Mai. 
Vereon der Musikfreunde in Lübed. 
Drittes Konzert des Philharmonischen Chors, unter 
ütiaer Mitwirkuna des Lehrer-Gesangvereins und geschät ter 
Dilettanten. 
Wiederum ein Abschied eoram publico, und zwar ein höchst 
qhrenvoller für Wen uns verlassenden Hermann Abend⸗ 
oth, sdier seine schwere Ausgabe gellern äußerst glüdlich löste 
ind vom Publikum nach Verdienst auf das herzlichste gefeiert 
irder Bei allen Kunstlern, die uns im Theater, wie im 
Zonzertsaal verlassen, möchten wir sast am Kommenden ver— 
agen, wühten wir nicht zuverlässig, dan wir wenigstens für 
unfere Konzerte einen jungen, sehr begabten Musiler wieder 
jer haben werden, der hoffentlich die Adlerschwingen regen 
ind seinen Flug zur Some nehmen wird. Hermann Abendroth 
jat seine Kräfte für das Lübecker Musikleben nicht gespart; 
reist rastlos ätig gewesen, mit Begeisterung und nach besten 
Zräften zu wirken, wenngleich auch er erst die nötigen Erfah⸗ 
ungen zu machen hatte. Wenn aber jemand „immer strebend 
ich bemüht“, so muß das Endresultat wohl ein autes sein 
ind schöne Früchte zeitigen. Der gestrige Abend lieferte diesen 
Zeweie in hohem Maße. Chor und Orchelter wetteiferten förm⸗ 
ich, dem Publikum die Sprache des Heros im Reiche der Töne 
indrinalich wie möglich zu übermitteln. Daß man das Bach- 
ve FsiMMegfonzert und das Schicnalslied“ von Brahms hatte 
icht nur kaum noch irgendwelchen Wert, sondern es sei hernach 
uch mehr als fraglich, daß überhaupt ie an den Bau einer 
olchen Brücke gedacht werden kann. Die Verfammlung er—⸗ 
annte an, daß es nunmehr zwecklos sei, das Interimsbrücken⸗ 
rojekt weiter zu verfolgen, betont aber erneut die dringende 
sioiwendigkeit der Schaffung einer Fuhrwerksverbindung zwi— 
chen St. Lorenz⸗Nord und der inneren Stadt und beschloß, 
»en Senat in einer Eingabe zu ersuchen, baldigst für eine 
ür den Fuhrwerksverkehr geeignete Ueberbrückung des Stadt—⸗ 
rabens im Zuge der Marienstraße oder in deren Nähe Sorge 
ragen zu wollen. Letzteres soll besonders hervorgehoben wer⸗ 
en, da, wie mitgeteilt wurde, das Proiekt bestanden hat, die 
Videdestraße über die Schwartauer Allee und die Katharinen⸗ 
trahe nach der Stadt durchzuführen und der Verein die Aus—⸗ 
uhrung e ines solchen oder ähnlichen Projektes auch mit Freuden 
egrühen werde. 
x Der Lübeder Wollmarkt findet in diesem Jahre am 
t5. und 16. Juni statt. 
sk. Streit über den Umfang einer Bürgschaftserkrärung. 
Wenn eine Firma für einen Dritten, mit dem sie in geschäft⸗ 
icher Verbindung iteht, selbstschuldnerische Bürg⸗ 
schaft übernimmt, so pflegt in dem Bürgschaftsscheine 
in der Regel bestimmt angegeben zu werden, bis zu welchem 
zetrage der Bürge haften will und für welche Verbindlich⸗ 
eiten des Schuldners. Sind nach dieser letzten Richtung hin 
eine Angaben gemacht, so ist es Tatfrage des Einzel— 
alles, ob der Bürge den Kredit des Schuldners in der 
Weise hat kräftigen wollen, dab er nur kzünftige Ver— 
zindlichkeiten desselben selbstschuldnerisch übernehme oder ob 
ich die Bürgschaft auch auf die bei ihrer Uebernahme bereits 
estehenden Verpflichtungen des Schuldners erstrecken 
oll. Die Firma G. & Co. in Lübeck haite 
ür den Solzhändler E. in Samburg Bürgschaft über⸗ 
smmen. In dem der Volktsbank, e. G. m. b. H. in 
zamburg am 14. Januar 1008 ausgestellten Bürgschafts— 
scheine, der aus einem nur mit Namen und Summe auszu—⸗ 
ilenden Drudeexemplare bestand, war erlklärt worden, die 
Firma wolle „für sämtliche von dem Holzhändler E. der Volks⸗ 
zank gegenüber eingegangenen Wechselverpflichtungen wie für 
igene haften“, sei es, daß E. als Akzeptant, Tressant oder 
Indofsant figuriere. Bei der schon kurze Zeit darauf einge⸗ 
etenen Infolvenz des Schuldners bestand ein Wechselkredit 
son 24600 M, wovon etwa sür 14000 MWechsel auf die 
deit vor Unterschrift des Bürgschaftsscheines entfielen. 
ie Firma behauptete der Forderung der Bank gegenüber, sie 
habe nur für neue Wechsel des Holzhändlers E. bürgen 
vollen. Sie fechte deshalb bei der gegenteiligen Behauptung 
er Bank, die Bürgschaft sei pro futuro und pro praeterito ũber⸗ 
jommen, ihre Bürgschaftserklärung wegen des dadurch be— 
„ingten Dissenses an und klage auf Fe'tstellung, daß die Bank 
eine Forderungen gegen sie habe, oder event. nur die nach 
»er Bürgschaftserklärung entstandenen Verbindlichkeiten gegen 
je als Bürgin geltend machen könne. DTas Landgericht 
ind das Oberlandesgericht Samburg hatten aber 
iese Feststellungsklage abgewiesen. Ter Worilaut des Bürg⸗ 
chaftsscheines: „für sämtliche von E. eingegangenen Wechsel⸗ 
erpflichtungen“ schliche nicht unbedingt die Annahme aus, 
aß damit sowohl die zur Zeit der Büurg'chaftserklärung be— 
eits eingegangenen Wechsel gemeint gewesen seien, 
is oich die Wechsel, die E. noch eingehen würde, die dann 
lur Zeit der Geltendmachung der Bürgschaft 
on E. eingegangen sein würden. Bei dem Dissens 
zer Parteien, welche Wechsel nun mit dem Partizip „ein⸗ 
egangen“ gemeint gewesen feien, treffe die Klägerin den Nach⸗ 
beis, daß sie mit ihrer Bürgschaftserklärung nicht so weit habe 
ehen wollen, wie die Beklagte behaupte. Die Anfechtung der 
Zlägerin, sie habe sich bei Abgabe ihrer Bürgschaftserklärung 
iber deren Inhalt im Irrtume besunden, und habe 
ine Erklärung der von der Beklagten behaupteten Art gar 
nicht abgeben wollen, müsse der Erfolg versagt bleiben. Nach 
119 des BGB. könne eine solche Erklärung nur dann ange⸗ 
ochten werden, wenn anzunehmen sei, daß die Erklärung bei 
deuntnis der Sachlage und bei verständiger Wurdigung des 
zalles nicht abgegeben sein würde. Es mũsse aber mangels 
zegenbeweises angenommen werden, daß die Firma unter den 
ingegangenen Wechsekverpflichtungen sowohl die zur Zeit der 
Inierschrift bereits bestehenden als auch die erst später über— 
ommenen habe verstanden wissen wollen und daß die Klägerin 
wdiesem Sinne ihre Bürgschaftsertlärung geleistet habe. Das 
deichsgericht erklärte gleichjalls, daß die Frage, was unter 
den eingegangenen Mochselperpflichtungen zu gelten habe, Tat⸗ 
— — —— 
'allen lassen, um die achte Sinfonie an ihre Stelle zu setzen, 
har ein künstlerischer Gedanke, den wir hoch bewerten. Vor 
er gewaltigen Sinfonie in D moll raßt nur ein Beethoven, 
ind wohl am besten die liebliche achte Sinfonie, die die „Neunte“ 
nr um desto monumentaler hervortreten läßt. Der erste Sotz 
er F⸗dur-Sinfonie, Allegro vivace e cdon brio, im Oktober 1812 
omponiert, ist sehr einfach gehalten, nach Form und 
znhalt der zweite, durch die Beteiligung der Holzbläser, sehr 
nziehend. Im dritten Satz, dem Menuett in Fdur, wurden 
ie Szforzati etwas zu stark betont; eine eigene Prägung erhält 
as gemütvolle Tonstüdck durch die bedeutungspolle Begleitungs⸗ 
igur in den Celli. Das Finale, das ganz mozartisch anklingt, 
it weit ausgeführt und findet die glüdlichste Verwendung der 
Themen. Bemerkenswert ist hier die Stimmung der Paule 
1 F. Wir müssen gestehen, daß wir die entzückende Filigran⸗ 
irbeit der Achten wohl noch etwas leichter und durchsichtiger 
zätten ausgeführt sehen mögen. Man gab sich viele Mühe, 
och die Phantasie ist geschäftiger und bildet sich ihre Ideale. 
Je Wiedergabe der D mol-Sinfonie aber konnte schon einen 
arken Vergleich aushalten; wir haben sie oft mit großem Chor 
nd großem Orchester gehört, doch was uns am gestrigen Abend 
ebolen wurde, war alles Lobes wert. Es dürfte sich nicht leicht 
me Stadt von der Größe Lübeds finden, die über ein so vor⸗ 
agliches Orchester verfügen. kann, wie wir, da in ihm sich viele 
zünstler als Zierde ihres Faches definden. Die Sonderstellung 
er Sinfonie spricht schon dafür, daß man sie einfach als „Neunte“ 
ezeichnet. Sie weicht in der Form von den vorausgehenden 
b, da der Schlußsatß ein Gesangstüd ist. Die Erstaufführung 
a Wien am 7. Mai 1824 erregte große Begeisterung. Ur— 
prünglich war es die Absicht Veethovens, nur Schillers Ode 
in die Freude zu komponieren, doch die tiefen poetischen Ge— 
anken musikalisch zu illustrieten, erfordere große Auf— 
aben für die Instrumente, eines allmählichen Hinanfüh— 
ens durch Schmerz und Trotz während dreier Sätze, die sich 
mmer lichter gestalten bis zur bimmelhochiauchzenden Freude 
m Schlußchor. Im ersten Satz entwidelt sich nach einigen hin— 
ind herschwankenden Takten ein kraftitrotzendes Thema; es wird 
uhiger und wieder stürmisch. bis die Holzbläser den Satz in 
smas freudigerer Stimmcupa schaeßen. Später, in der 
Sführung mo die Mauke 28 Tafte ain F wirbelt
	        
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