Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

—934 * — 
8 — WM—— — ——z 53 
JIIcuu 96 
* —— —3 — 8 —9 — * 
3 359 
Ausgabe A. 
⏑D— — 
— 25x 
Tageshericht. 
Labed, 28. April. 
Zum Oberlotsen hat der Senat den Lotsen Herrn O. E. 
F. Goede zum 1. Juli d. J. ernannt. J 
Rein Ldiãhriges Jubiläum begeht heute Serr Pro- 
fessor Dr. Ohnesorge, der am 28. April 1888 am ee 
nasium zu Koin eintrat und die Hälfte seiner bisherigen Dienst⸗ 
Feit am hiesigen Katharineum verlebt hat. nachdem er vor her 
n den Realgymnasten, der Oberrealschule, dem Gymnasium 
und dem Lehrerseminar zu de Bochum, Duisburg. Elber⸗ 
int ewirkt hatte. —— 
feld In der Versammlung am Mitt⸗ 
wochabend machte der Vorsitzende, Serr Amtsrichter Dr. 
bur a die Mitteilung, daß 62 neue Mitalieder dem 
Verein beigetreten seien, sodaß dieser jetzt 237 Mitglieder hat, 
eine Anzahl, die seit einer Reihe von Jahren nicht mehr er⸗ 
reicht war. An Stelle des auf seinen Wunsch aus dem Vor— 
stande ausscheidenden Oberlehrers Dr. Gilbert wurde ein— 
stimmig Herr Rechtsanwalt Dr. Paul Brehmer erwählt 
ind ihm zugleich das Schriftführeramt übertragen. Nachdem 
sodann noch einige Aenderungen in den Satzungen beschlossen 
waren, erhielt Herr Bürgermeister a. D. Langenheim 
das Wort zu höchst interessanten Mitteilungen über die Kran— 
kenpflege durch evangelische Diakonissen überhaupt und be— 
sonders bei uns in Lübeck. Er führte hier etwa folgendes 
aus: Nachdem im Jahre 1836 das erste evangelische Diako— 
nissenhaus in Kaiserswert und 1851 das Ludwigsluster Mutter⸗ 
haus gegründet worden seien, habe Lübeck im Jahre 1874 
bie erste Diakonisse erhalten. Im folgenden Jahre seien 
von der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit 
zusammen mit dem Frauenverein und dem weiblichen Armen⸗ 
berein die Mittel zur Anstellung von 2 bis 3 Diakonissen 
als Gemeindepflegerinnen bewilligt; hieraus habe sich dann 
allmählich ein selbständiger Verein für Krankenpflege durch 
epangelische Diakonissen entwickelt, welcher 1887 von seiten 
des Senaies die Rechtsfähigkeit erhalten habe. Die weitere Ent— 
wickelung zeigen am besten folgende Ziffern: Die erste Schwester 
wurde 1874 noch im Kinderhospital untergebracht, 1879 wurde 
zunächst mietweise das erste Heim in der Schlumacherstraße 
Nr. 20 gegründet, 1887 das zweite in der Kleinen Burg— 
straße. Beide Häuser konnten 1887 infolge eines erheblichen 
Legakes von seiten des Herrn Reddelin käuflich erworben werden. 
1895 wurde in der Ratzeburger Allee für die Vorstadt St. Jürgen 
ein Heim mietweise errichtet, das 1900 in die Charlotten- 
straße verlegt wurde. Auch dieses Haus ist käuflich erworben. 
1897 war das vierte Heim in der Lindenstraße, 1906 bezw. 
1808 das fünfte Heim in der Schwartauer Allee, jetzt Ge— 
verdesstraße, hinzugekommen und vor wenigen Wochen ist in 
der Kottwitzstraße für die Vorstadt St. Gertrud das schon 
lange sehnlichst erwünschte sechste Heim hinzugetreten, das hof— 
fentlich im Laufe der Zeit auch in das Eigentum des Vereins 
übergehen kann. Der Beitrag der Gemeinnützigen ist von 
600 auf 2400 Megestiegen. Auch in den Einnahmen und Aus—⸗ 
gaben im übrigen zeigt sich die fast unerwartete Erweiterung 
der Vereinsarbeit. Während von privaäater Seite im ersten 
Jahre des Vereins 757 Meubeigetragen wurden, waren es im 
leßten Jahre 7047 M. Das Pflegekonto ist von 8533 Meauf 
4240 Mugewachsen, dementsprechend aber auch das Haushalts— 
konto von 1351 Meauf 8003 M, das Gehaltskonto von 1031 
Mark auf 7029 M. Die Zahl der verpflegten Kranken betrug 
1910 2879 gegen 142 1876; von diesen wurden 2617 umsonst, 
262 gegen Vergütung verpflegt. Von den fünf Heimen aus er— 
folgten 1910 allein über 73500 Besuche und einmalige Hilfe— 
leistungen. Die weiteren höchst interessanten Mitteilungen über 
die innere Entwicklung des Diakonissenwesens, die Verhand⸗ 
lungen mit dem Ludwigsluster Mutterhause, die Beteiligung 
hiesiger interessierter Kreise an dieser Frage können hier nicht 
näher erörtert werden, aber mit Recht betonte der Vortragende 
am Schlusse, daß das schöne Wort, das die Diakonissen ihrer 
Arbeit voranstellen: „Ich diene!“ die größte Sympathie aller 
Kreise unserer Bevölkerung verdiene, um so mehr, als die 
Diakonissen durch ihr stilles, bescheidenes und doch so unendlich 
erfolgreiches Wirken in so vielen Häusern unserer Stadt Segen 
gestiftet haben. Am Schlusse der interessant verlaufenen Ver— 
sammlung wurden noch eine Reihe die Vorstadt berührender 
Fragen erörtert und insbesondere mitgeteilt, daß der geplante 
Umbau der Uhr in diesem Frühjahr noch nicht stattfinden 
könne, weil die eingeleitete Sammlung noch nicht soweit gediehen 
sei. Klage wurde geführt über die mangelhafte Reinhaltung 
der Wartehalle in der Israelsdorfer Allee und die schlechte 
Instandhaltung des Weges über die Ochsenkoppel in den Schwe— 
rin. Es wurde beschlossen, sich dieserhalb an die Straßenbahn⸗ 
verwaltung bezw. Baudeputation zwecks Abhilfe zu wenden. 
k. Schüler⸗Konzertt. Die Musik- und Gesanglehrerin Frl. 
Charlotte Holst hatte Mittwoch abend ihre Schülerinnen 
und Schüler nebst deren Angehörigen im gelben Saal des 
Stadttheaters zu einem musikal‘schen Abend vereinigt. Der 
Saal erwies sich fast als zu klein bei dem starken Besuch. Die 
Vorträge waren in einem zu zwei Teilen zerlegten Programm 
geordnet, das 31 Nummern, dargeboten von dreizehn Damen 
und zwei Herren, umfaßte. Die einzelnen Liedervorträge, 
Kompositionen von Schubert, Haydn, Brahms, Gounod, Ru⸗ 
binstein, Hildach, Meyer-Helmund, Wagner und Mozart, wurden 
mit Geschmack und vielfach mit gutem Gelingen zu Gehör ge— 
bracht. Die Darbietungen legten Zeugnis ab von dem großen 
Fleiß, der auf die Ausbildung und Einstudierung verwendet 
—5 Faͤmihr⸗ Vorträge wurden von Frl. Holst nüt großer 
eente Reicher Beifall belohnte die Mitwirkenden 
—— “ des musilalischen Abends, der außer— 
de Ulern ein groker Lorbeerkranz überreicht 
Nk. Die öffentliche Trinkerfürtsorgestelle hat jungst ihren 
ersten Jahresbericht herausgegeben, er umfaßt die Zeit von 
der Eröffnung, 1. Dez. 1009, bis zum 31. Dez. 1910. Der Be—⸗ 
richt schildert die Entstehung der Trinkerfürsorgestelle — sie ist 
bekanntlich auf Anregung der öffentlichen Rechtsauskunftsstelle 
ins Leben gerufen — und legt dann eingehend ihre Tätigkeit 
und die Ergebnisse dieser Tätigkeit dar. Es ist von hohem In⸗ 
eresse, den Darlegungen des Berichtes zu folgen. Ganz im 
Gegensak u dielen anderen Berichten. die nach restitohenden 
— — o⸗ 
„reitag, den 28. April 191. 
— v 
2 
35 
* —3.3 
Morgen⸗Blatt Nr. 212. 
— — 
Direktion Kurtscholz, zum zweiten Male „Tristan und Isolde“. 
Pemarini singt den Tristan. 
b. Stadthallen⸗Theater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
man uns: Sonntag (8 Uhr) Vorstellung zum Besten der Wohl— 
sahrtskasse des Deutschen Bühnenvereins für deutsche Bühnen- 
Mitglieder. Erstaufführung von „Die goldene Ritterzeit“, 
Schwank von Charles Marlowe. 
bp. Evangelischer Bund. Wie schon einmal vor zwei Jahren, 
so wird der Lübecker Hauptverein des Evangelischen Bundes auch 
n diesem Jahre wieder seine Mitglieder und Freunde zu einem 
Jahresfeste am Sonntag, dem 14. Mai, einladen. Am Vor⸗ 
nittage soll zunächst in einer unserer städtischen Kirchen ein 
Festgottesdienst in Verbindung mit dem Hauptgottesdienst ge⸗ 
halten werden. Mittags werden die gewählten Abgeordneten 
her einzelnen Zweigvereine, die sich zum Lübeder Hauptverein 
usammengeschlossen haben, zur Beratung von Bundesangelegen⸗ 
jeiten zusammentreten. Nachmittags findet dann im Kolosseum 
ine große öffentliche Hauptversammlung statt, in welcher der 
eschäftsführende Vorsitzende des Bundes, der glänzend begabte 
kedner, Reichstagsabgeordneter Liz. Everling, den Hauptvor⸗ 
rag über „die nationalen Aufgaben des deutschen Protestantis⸗ 
nus“ halten wird. Außerdem werden kleinere Ansprachen ge— 
zalten und Mitteilungen aus dem Jahresbericht des Saupt- 
vereins gemacht werden. 
b. Die Eutin⸗Lübecker Eisenbahn-Gefellschaft wird auch in 
diesem Jahre während der Zeit vom 1. Mai bis 30. Sept. 
owohl in ihrem Binnenverkehr als auch im Verkehr mit 
ZStationen der Lübeck-Büchener Bahn für gemeinschaftliche 
Reisen größerer Gesellschaften von mindestens 30 Personen 
eine Fahrpreisermähßigung gewähren, worüber näheres bei 
den Fahrkartenausgabestellen zu erfabren ist. 
Schema Rechenschaft ablegen, ist dieser Bericht angefüllt von 
ebendigen padenden Schüderungen über die Wirksamkeit und 
ie Erfahrungen der neuen Einrichtung. Und fürwahr, der 
Trinkerfürsorgestelle hat es nicht an Gelegenheit gefehlt, Er- 
ahrungen zu sammeln. Nicht weniger als 113 Alkoholkranke 
wurden ihr im ersten Geschäftsjahre namhaft gemacht und fast 
amtlich von ihr auch in Bearbeitung genommen. Bedenkt man. 
daß 80,6 0 von ihnen mit dem Straigesetz bereits in Kon—⸗ 
lift gekommen, zum Teil bis zu 40 und 60 mal bestraft waren, 
daß dei einem fehr erheblichen Teil erbliche Belastung sich hat 
nachweisen lassen, daß manche der Trinker bereits vom Deli- 
cium gepacht, mehrere auch bereits in Anstalten und Irren⸗ 
ãnsern uimtergebracht gewesen sind, so ersieht man, welch schwie⸗ 
iges, sprödes Material es gewesen ist, dessen sich die Zrinker⸗ 
ünsorgestelle anzunehmen hatte. Hoffentlich wer den hinfort, 
wenn die Trinkerfürsorgestelle bekannter geworden ist, die Fälle 
—DD0 
nen wird, sobald sich die ersten Anzeichen der Trunksucht be⸗ 
nerkbar machen, weil alsdann die Aussichten auf einen Erfolg 
rheblich größer sind. Aber auch jetzt bereits sind bemerkens⸗ 
verte Erfolge erzielt. 33 Trinker sind zur völligen Abstinenz 
ind zum Anschluß an einen Abstinenz-Verein bewogen, 17 sind 
‚eranlaßt, sich bis zu 6 Monaten in einer Trinkerheilanstalt 
uufnehmen zu lassen, in 22 Fällen ist eine Entmundigung des 
Trinkers beantragt, in 13 Fällen diesem Antrage stattgegeben. 
Im übrigen Deutschland entfällt auf 1000 Einwohner etwa eine 
kutmündigung wegen Trunksucht. Der Fürsorgearzt — als 
olcher hat sich Dr. med. Liese verdient gemacht — ist in 35 
zällen tätig geworden. In fast allen Fällen ist die Trinker⸗ 
ürsorgestelle von freiwilligen Helfern unterstützt worden, die 
den hiesigen Abstinenten-Vereinigungen angehörten und sich den 
lufgaben der Trinkerfürsorgestelle mit Geschick und Hingebung 
zewidmet haben. Auch die für die Arbeit an Trunksüchtigen 
jauptsächlich in Betracht kommenden Behörden und öffentlichen 
Zörperschafken wie das Polizeiamt, die Armenanstalt, das Vor⸗ 
nundschaftsgericht und die Landesversicherungsanstalt der Hanse⸗ 
ädte haben den Bestrebungen der Trinkerfürsorgestelle in zahl— 
eichen Fällen dankenswertes Entgegenkommen gezeigt. In erster 
rinie hat aber der Verfasser des interessanten Berichts, auf den 
bir gelegentlich noch zurückommen werden, der Leiter der 
Trinkerfürsorgestelle, Direktor Dr. Hartwig, Anspruch auf all—⸗ 
zemeinen Dank für seine geschickte und hingebende Arbeit in der 
Trinkerfürsorgestelle. Mit warmem Herzen und klarem Blick ist 
rean seine Aufgabe herangetreten; ihm ist es vor allem zu 
zanken, wenn die neue soziale Einrichtung schon im ersten Jahre 
htes Bestehens bemerkenswerte Erfolge erzielt hat und bereits 
etzt zu einem unentbehrlichen Glied in der Kette unserer Wohl—⸗ 
ahrtseinrichtungen geworden ist. Möge ihr auch fernerbin eine 
zAlückliche Entwicklung beschieden sein. 
DODsftseebad Travemünde. Der neue Badekommissar Herr 
zeyl hat seine Visitenkarte in Form eines stattlichen Füh— 
rerheftes für Travemünde soeben der Oeffentlichkeit übergeben. 
Ddas im Textteil 72 Seiten umfassende Heft gibt, natürlich unter 
Benutzung vorhandenen Materials zusammengestellt, unter Ein⸗ 
ügung einer ganzen Reihe hübscher Illustrationen Auskunft über 
ille Fragen, die sich auf den Aufenthalt in Travemünde be— 
iehen können. Der Führer weist auf die Züge und Reisewege, 
ruf historische Daten, auf Klima, hygienische Verhältnisse, auf 
Zadeleben, Unterhaltung und in breiterem Umfang auf den 
zport hin. Wir sehen Bilder vom Renn⸗, Segel- und Tennis⸗ 
port, vom Blumenkorso und Strandfest, und machen in der Er—⸗ 
mnerung den ganzen schönen Sommer an der herrlichen Ostsee—⸗ 
üste mit seinen vorzüglichen Badeeinrichtungen mit. Auf drei 
Zeiten wird eine Liste der sportlichen und festlichen Veranstal⸗ 
ungen für den Sommer 1911 gegeben, soweit diese bis jetzt fest— 
tehen. Wohnungsliste und Fahrpläne für Eisenbahnen und 
Dampfer vervollständigen das mit einem hübschen farbigen Um— 
chlag, mit dem haus km Voriahr bekannten Möwen⸗Clichö 
»ersehene Führerheft. Die Travemünde Badeperwaltungd ist 
zerausgeber des Führers. 
FritzeReuter⸗Kalender 1911. Wie wir erfahren, hbat 
»er Senat eine größere Anzahl des von Vrofessor Dr. Karl 
Theodor Gaedertz in Berlin herausgegebenen und im Ver— 
lage der Dieterichschen Verlagsbuchhandlung in Leipzig er— 
schienenen Fritz-Reuter-Kalenders auf das Jahr 
1911 beschaffen und an die hiesigen Schul- und gemein—⸗ 
nützigen Bibliotheken verteilen lassen. 
Zur Warnung! Abermals versucht eine Berliner Firma 
zurch zahlreiche Reisenden in Lübeck und Umgegend Porträt— 
iestellungen zu erlangen. Völlig unentgeltlich werden die Por—⸗ 
räts geliefert, nur 95 Pfg. sind an den Reisenden zu zahlen. 
Hewißz ein dem ersten Anschein nach überaus günstiges Ange⸗ 
»ot, zumal angeblich für sprechende Aehnlichkeit des Porträts 
zarantiert wird. Tatsächlich enthält der vom Besteller zu un⸗ 
erzeichnende Reklamezettel in unauffälliger Weise den Ver— 
merk, daß man sich auch zum Bezuge eines Rahmens verpflichtet. 
Für diesen Rahmen werden erhebliche Beträge berechnet, so daß 
»amit auch das Bild zugleich bezahlt wird. Ob bei dieser Sach— 
age eine Bestrafung des Unternehmers oder der Reisenden wegen 
Betruges möglich ist, mag dahingestellt bleiben. In der Sprech⸗ 
veise des täglichen Lebens handelt es sich aber um einen groben 
Schwindel, auf den hoffentlich, angesichts der vielfachen bis— 
herigen Warnungen, niemand mehr hineinfällt. Das 
Verfahren eer Firma, die sich neuerdings Lübeck als Aus— 
beutungsfeld ausersehen hat, erscheint übrigens ganz besonders 
„edenklich, weil von verschiedenen Reisenden behauptet wird, ihnen 
ei bei ihrer Annahme ausdrüdlich erklärt, sie sollten auf die 
Notwendigkeit der Rahmenbestellung nicht hinweisen, und wenn 
ie danach gefragt würden, erklären, das wüßten sie nicht genau, 
das würde wohl nichts auf sich haben. Daher kann gegenüber 
den Reijenden unbekannter auswärtiger Firmen immer wieder 
auf das dringlichste Vorsicht anempfohlen werden. 
b. Stadttheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man 
uns: Heute „Faust“, dritter Abend, („Fausts Tod'). Es werden 
ich darin die Mitglieder des Schauspiels, welche Lübed ver⸗ 
lassen, und zwar die Damen Bilger, Tscherning, Werner sowie 
oie Herren Grube, Taube, Ellmar, Meynadier, Brodowski und 
Scholz vom hiesigen Publikum verabschieden. Sonnabend geht 
„Tiefland“ als Abschiedsvorstellung für Frau Bartsch-Jonas 
l« Marta in Gzene. Sonntad 614 Ubr). lekte Vorstelluna 
G. Travemünde, 28. April. Der Verein Trave— 
nünder Gemeindemitglieder hielt vorgestern abend 
eine Versammlung ab, um gegen die den Anwohnern der aufge— 
pülten Fläche durch Grundwasser und Flugsand zugefügten 
Schäden Stellung zu nehmen. Es wurde betont, daß ein großer 
Teil der Häuser in der Torstraße bedeutend entwertet sei, weil 
tändig Wasser in den Kellern stände, welches zu bestimmten 
Zeiten fast bis an die Fußböden heranreiche. Man scheue sich 
n den meisten Fällen, dem Medizinalamt Anzeige über die 
igejunden Verhältnisse zu machen aus Furcht, die Wohnungen 
zunten gänzlich gesperrt werden. Von einem Anlieger wurde 
zeklagt. et habe erst vor wenigen Tagen etwa 30 Karren Sand, 
die ihm in sein Gartenland geweht seien, abgefahren, der nächste 
Südwestwind habe sie ihn aber wiedergebracht. Tatsäch- 
lich waren in den Tagen vor Eintritt des Regens die Zustãnde 
unerträglich. Eine mächtige Staubwolke hüllte das ganze Tor⸗ 
ende des Städtchens ein und behinderte nicht nur die Passanten, 
sondern drang in die Häuser und Wohnungen ein, wodurch 
die Geschäftsleute nach jeder Richtung hin geschädigt sind. Es ist 
z. B. an trocknen und windigen Tagen fast ausgeschlossen, bis zum 
Kurpark hin Anstreicherarbeiten vorzunehmen. .Es wurde be— 
chlossen, eine Eingabe um Abstellung dieser Mängel an die 
uständige Behörde einzureichn. — Der Hamburger 
dampfer „Johanna“ geriet am 25. April abends beim 
zutpfahl auf der Trave leicht an Grund, konnte sich aber am 
iächsten Morgen mit eigener Kraft wieder freimachen. Der Sut⸗ 
ofahl ist leicht beschädigt. 
Schleswig⸗Holstein 
Kiel, 28. April. Zur Erinnerung an die durch 
Jahn vor einem Jahrhundert erfolgte Eröffnung des ersten 
»eutschen Turnplatzes in der Hasenheide bei Berlin wird Kiel 
ine große Feier veranstalten und den Grundstein zu einem 
zahn-Denkmal auf städtischem Gebiet legen. Alle vater⸗ 
ändischen Vereine beteiligen sichh. Das Fest wird am 27. Mai 
zurch eine Universitätsfeier eingeleitet werden. Am 28. Mai 
'olgen die Grundsteinlegung, ein Festaug und eine Vorstellung 
im Stadttheater. 
Schles wig, 28. April. Als drittes der hiesigen 
rroßen Wirtschafts-Etablissements gelangte das 
Beranügungslokal „Hohenzollern“ unter den Hammer. Die 
etzte Besitzerin, Witwe Louise Albers, ist kürzlich gestorben. 
Auf das mit 95 100 Mebelastete Gewese gab die Flensburger 
Aktienbrauerei das Höchstgebdt ab mit 32850 M für Kosten 
und 42 500 Mebar und Uebernahme von 33 000 MHypotheken. 
Auf den zu dem Lolal gehörigen Biergarten, der mit 9000 M 
Zelastet ist, blieb Kaufmann Chr Munner der Höchsthietende 
nit 4600 M. 
Glücstadt, 28. April. Seltenes Jagdglühhatte 
eiin Landmann in Neuenfähre, indem er in der Eider— 
niederung mit einem Schuß fünf wilde Gänse erlegte. 
Lunden, 28. April. Kesselexplosion. In der 
elektrischen Zentrale explodierte der Gaskessel des großen 
Motors. Der Maschinenmeister wurde gegen eine Wand ge—⸗ 
schleudert und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. 
Oldesloe, 28. April. Landwirtschaftliche 
Winterschule. Der HFaushaltsplan für 10911 schließt 
Einnahme mit 9600 M, in Ausgabe mit 10300 Muab. 
Der Kreis hat also einen Zuschuß von nur 700 Miäzu leisten. 
Der Beitrag der Stadt beträgt 12580 M, derjienige der Land⸗ 
wirtichaftskammer 3700 M, aus Schulgeld werden 4500 M 
»ereinnahmt. An Ausgaben sind vorgesehen: für Gehälter 
/900 M, Reisekosten 430 M. Miete. Feuerung, Inventar, 
Drucksachen 1970 9 
Sportnachrichten. 
sr. 3067: 10 zahlte der⸗Totalisator am Mittwoch bei 
den Remen zu Paris⸗Le Tremblay auf den Sieg von „Jambe 
en Pair“ im Prix Bay⸗Middleton, einem Rennen für Drei— 
jährige, an dem 17 Pferde teilnahmen. Die Platzquote betrug 
264: 10. Hohe Quoten sind bei den bedeutenden Umsätzen 
ruf den Wettmaschinen auf den Pariser Rennplätzen keine Sel⸗ 
enheiten, zahlte doch der Totalisator im Voriahre auf den Sieg 
yon „La Manche“ in Maisons Laffitte nicht weniger als 6679: 
10, eine Quote, die allerdings einen einzig dastehenden Rekord 
»edeutet. Auch in Deutschland gab es kürzlich eine Sensa— 
ionquote, da der Erfolg von ‚Baro“ in einem Hindernisrennen 
u Frankfurt a. M. am Totalifator mit 2924: 10 honoriert 
vur h⸗ 
—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.