Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

durchschnittliche Dauer des Aufenthaltes auf 
der Universität berechnet sich filr evangelische 
Theologen in den angegebenen Zeitabschnitten auf 7,97, 
für kalholische Theologen auf 7,58, für Juristen auf 
7,22, für Mediziner auf 13,59, für Philologen 
und Historiker auf 10,21, für Mathematiker 
und Naturwissenschaftler auf 10,22 Halbjahre, 
wenn alle Studenten in Rechnung gezogen werden, auch die 
mit den höchsten Studiensemestern. 
Durch die Einbeziehung dieses zwar nicht großen, aber 
wegen der hohen Semesterzahl rechnerisch nicht einflußlosen 
Teils werden die Durchschnitte etwas zu hoch. Werden 
die Studierenden mit sehr hohen Studien- 
halbjahren außer acht gelassen, ebenso diejenigen, 
die bereits vor Jahren ihre Studien abgeschlossen hatten,. 
aber nochmals auf die Universität gegangen sind, so beträgt 
die Studiendauer der sozusagen normalen Studenten in den 
oben angegebenen Studienjahren für die evangelischen 
Theologen 7,37 Halbjahre, für die katholischen 
Theologen 7,04, für die Juristen 6,86, für die 
Mediziner 11,00 für die Philologen und 
Historiker 8,10, für die Mathematiker und 
Naturwissenschaftler 8,88. Das sind Sätze, die 
der Wirklichkeit im ganzen sehr nahe kommen dürften 
Inland und Ausland. 
Deutsches Roeich. 
Dent Besuche des Königs Peter von Serbien in Berlin 
soll nach dem Hannov. Courier die Besetzung des serbischen 
Gesandtenpostens in Berlin voraufgehen. Der Gesandten⸗ 
posten wird seit dem Köniqsmord von einem Geschäftsträger 
verwaltet. 
Der erste Arbeitstag der Reichstagskommission für die 
Reichsversicherungsordnung ist überraschend erfolgreich ver— 
laufen. Der Bericht über das erste Buch des neuen Riesen⸗ 
geseßes, das 300 Seiten umfaßt, ist nach einigen redaktionellen 
Aenderungen von der Kommission gutgeheißen worden. Auch 
die Berichte über das fünfte und über das sechste Buch 
wurden ohne wesentliche Abänderungen angenommen. So— 
gar ein Teil des Berichtes über das zweite Buch, das 
von der Krankenversicherung handelt und 266 Folioseiten 
umfaßt, wurde noch erledigt. Der Rest dieses Berichtes war 
so spät zur Verteilung gelangt, daß er noch zurückgestellt 
werden mußte. Auch der Bericht über das dritte Buch, 
der 252 Seiten stark ist und von der Unfallversicherung handelt, 
fand Zustimmung. So ist also nur noch ein Sitzungstag 
der Kommission für die Fertiastellune des Gesamtbherichts 
nötig. 
Ein Verweis für die vier Berliner liberalen Geistlichen. 
Die vier Berliner Geistlichen, die auf der Berliner 
Versammlung in der Neuen Welt für Jatho das Wort 
genommen hatten, die Pfarrer D. Max Fischer, Frederking, 
D. Hollmann und Alfred Fischer, haben jetzt vom Konsistorium 
nach der Kirchl. Lib. 3tg.Korr. einen Verweis er— 
halten. In dem Ukas des Konsistoriums heißt es u. a.: 
Der Verweis müsse erteilt werden, weil die Behörde in der 
„Mitwirkung der Geistlichen bei der Versammlung vom 
28. März 1911, deren Ziel sich als dahin gerichtet darstellt, 
durch eine öffentliche Kundgebung einen Einfluß auf die 
Entscheidung der obersten Kirchenbehörde in eistem schweben— 
den Verfahren auszuüben, einen erheblichen Verstoß gegen 
die den Geistlichen durch ihr geistliches Amt in der Landes- 
kirche obliegenden Pflichten erblickek. Die genannten 
Geisthichen werden sich bei der Entscheidung des Kon— 
sistoöriums nicht beruhigen, sondern bei dem evangelischen 
Oberkirchenrat Berufung einlegen. 
Neuregelung des Offiziersersatzes. Der preußische Kriegs—⸗ 
minister beabsichtigt, eine Kommission zu berufen, die eine 
Neuregelung des Offiziersersatzes ins Auge fassen 
soll. Wie nach den Grenzboten verlautet, soll die Kommission 
ausschließlich aus aktiven Offizieren ausammenagesetzt 
werden. 
Ein sozialdemodratisches Flugblatt gegen die Reichsver⸗ 
sicherungsordnung ist in Massen über Berlin verteilt worden. 
Die Reichsversicherungsordnung wird darin als eine schwere 
Gefahr und als ein Schaden für die Arbeiterklasse bezeich— 
net. Es wird in den Flugblättern zum Besuch der Pro— 
testversammlungen eingelaäaden, die am Don— 
nerstag in allen Wahlkreisen Groß-Berlins 
tattfinden. In diesen Versammlungen solt a— 
un 
mir aber antworten will, der tue es mit der Waffe in der 
Hand! Ich wollte heute abreisen; doch jetzt werde ich noch drei 
Tage hier in meiner Wohnung bleiben und warten, ob einer 
von Ihnen kommt, der meine Worte nicht auf sich sitzen 
lassen will. Drei Tage — verstehen Sie mich? Länger nicht!“ 
Damit ging er, Inarimm und Veitürzung und Ratlosigkeit 
hinter sich lassend 
Was half es, daß jetzt einer den anderen beschuldigte, zu 
weit gegangen zu sein, daß einer den anderen der Lüge be— 
schuldigte oder der Trunkenheit? Hatte man denn all das 
ungeheuerliche oder fade Geschwätz wirklich geglaubt? War 
nicht Friesing ihnen allen immer ein guter Kamerad gewesen, 
und hatte er nicht als das Muster eines gewissenhaften Ge— 
schäätebeamten, als Vertrauensperson der Vorgesetzten gegol— 
ten? Ja, das war es eben. Das hatte man ihm geneidet. Er 
hatte eine Sonderstellung gehabt und war zu keinem von ihnen 
in ein vertrauliches Verhältnis getreten; das hatte man ihm 
als Hochmut ausgelegt. so fern auch Gerhard solch ein Hoch— 
mut lag. 
So hatte es geschehen können, daß, als sie von Frie— 
sinas vermeintlichem Vergehen, von der Portokassensache und 
von dem nächtlichen Besuch der verschleierten, geldfordernden 
Dame gehört, Hallberg leichtes Spiel gehabt hatte, dem es 
einerlei war, wen er mit seinen Verhetzungen traf, Friesing 
oder den Chef. der ihn zurückgestoßen und ienen ausgezeich 
unet hatte. 
Friesings plötzliches Wiedererscheinen hatte dann alle aus 
der Fassung gebracht. Und jetzt sollte man ihm Rede stehen! 
kWer würde sich dazu herbeilassen? Keiner wollte die Verant⸗ 
wortung für das Gesagte auf sich nehmen. Jeder fühlte nur 
einen geringen Bruchteil der Gesamtschuld, für die im über— 
mütigen Leichtsinn der ungebundenen Freistunde gefallenen Worte. 
Und keiner wollte auch die im höchsten Zorn der Gesamtheit ent— 
gegengeschleuderten Beleidigungen Friesings auf sich selbst be— 
ziehen und dafür Rechenschaft fordern. 
Gerhard aber wartete drei Tage auf das Erscheinen derer, 
die er „Lumpen“ genannt hatte, oder doch auf eine Bot— 
schaft von ihnen. Er hatte seine eine elegante Pistole, die 
er noch von seinem Vater, der selbst den Schießsport liebte 
lution vorgelegt werden, die die fozialdemokratische Reichstags— 
fraktion auffordert, mit allen zulässigen Mitteln das Zu— 
standekommen des Gesetzes zu verhindern. Wie in Berlin, 
werden auch im Reiche Protestversammlungen gegen die Reichs— 
versicherungsordnung stattfinden. 
Schulpflegerinnen. Für das Herzogtum Sachsen⸗Koburg⸗ 
Gotha ist, wie die Vossische Zeitung meldet, ein neues 
Volksschulgesetz erlassen worden. Darin ist die Be— 
stimmung enthalten, daß in den Städten Gotha, Ohrdruf und 
Waltershausen die Zuwahl emer Schulpflegerin in den Schul— 
vorstand zulässig sein soll. 
Danische Bonkott-Wünschee gegen deutsche Waren. In der 
dänischen Handelszeitung (Dansk Handelstidende), die offi— 
zielles Organ einer Reihe von Handelsvereinen ist, veröffent⸗ 
lichte, wie der Hamburger Korrespondent schreibt, kürzlich der 
Redakteur Emil Andersen den ganz allgemein gehaltenen Vor— 
schlag, deutsche Waren zu boykottieren. Der Vorschlag war 
gedacht als Maßnahme gegen Deutschlands Haltung gegen 
die „Südjüten“ (dänischen Schleswiger). Das dänische Mi— 
nisterium des Auswärtigen hat sich veranlaßt gesehen, den 
Redakteur Andersen darauf hinzuweisen, daß seine Artikel in 
hohem Grade schädlich“ seien. Die Handelszeitung kündigt 
edoch eine Erwiderung an, hält also offenbar an ihrem Voy— 
kottwunsch fest. 
Auf dem Gebiete des kaufmännischen Unterrichtswesens ent⸗ 
vichelt sich — als eine neue Form von kaufmännischen Unter— 
richtsanstalten — die Handelsvorschule, d. h. die An— 
zliederung einer Handelsklasse an eine allgemein bildende An— 
talt, wie z. B. die Mittelschule. Allerdings sind die Versuche, 
»is bisher mit solchen sogenannten Handelsklassen an höheren 
Schulen gemacht sind, wenig günstig ausgefallen. Der Ver— 
hand deutscher Waren- und Kaufhäuser hat auf eine Anfrage 
des Leipziger Handlungsgehilfenverbandes erklärt, daß auch 
eines Erachtens die Handelsvorschulen nicht imstande seien 
»em Lehrling die umfassende, vielseitiige Ausbildung zu ver— 
mitteln, die er für seinen Beruf nötig habe, weil dieser Schule 
die notwendige Verbindung mit der Praxis fehle. Die Vorschule 
lann daher nicht an die Stelle der heutigen Fortbeldungsschule 
treten, sondern kann nur als Vorbereitung für die Praxis 
und den Besuch der kaufmännischen Fortibildungsschule gelten. 
Zur Regelung des gewerblichen Nahrungs⸗ und Genuß—⸗ 
mĩttelverkehrs. Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin 
oeschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Entwur! 
einer Polizeiverordnung zur Regelung des gewerblichen Nah— 
cungs⸗ und Genußmittelverkehrs in Berlin. Der Entwurf ent— 
hält u. a. eingehende Vorschriften über den Zustand der 
Heschäftsräume, die Geräte und die Behand— 
iung der Nahrungs- und Genußmittel und will 
das kaufende Publikum durch solche Bestimmungen gegen ge— 
sundheitliche Gefahren schützen. Die Aeltesten gelangten nach 
Prüfung des Entwurfs zu der Ansicht, daß die Fassung 
»ieler Bestimmungenso unbestimmtsei, daß auch 
zeim besten Willen des Kaufmanns Konflikte 
mit der Polizei kaum zu vermeiden sein würden. 
kine präzisere Fassung vieler Paragraphen ist daher dringend 
erforderlich. Es wurde beschlossen, in diesem Sinne beim 
Polizeipräsidium vorstellig zu werden. 
Wissenschaftliche Diamantenforschungen in Dentsch⸗Süd⸗ 
westafrika. Um Beweise für seine Theorie über die Herkunft 
der Diamanten in Deutsch-Südwestafrika zu suchen, für die 
er eine pPrimäre Lagerstätte im Innern des Lan— 
des annimmt, hat der Regierungsgeologe Dr. Fr. 
W. Voit jüngst eine Expedition von Windhuk aus ange— 
treten. Er begibt sich, nach Petermanns Mitteilungen, zunächst 
nach der Station Maltahöhe, und von da aus will er in die 
Namib vordringen, indem er die alten, meist durch Dünen 
verschütteten Betten der nach Westen Jaufenden Flüsse ver— 
folgt. Bei dem gänzlichen Mangel an Wasser in dem Namib 
ist diese Expedition mit großen Gefahren verknüpft. 
Vorbereitungen zur Reichstagswahl. In Wahlkreise 
Dessau, den bisher der ehemalige Führer der freisinnigen Ver— 
einigung Direktor Schrader vertritt, war von den National. 
liberalen der ehemalige Direltor der Nationalbank Geh. 
Regierungsrat Witting, der Bruder Marimilian Hardens, auf— 
jestellt worden gegen den freisinnigen Prof. Preuß aus Char— 
lottenburg. Einem Berliner Blatte zufolge hat jetzt Ge— 
heimrat Witting den Nationalliberalen in Dessau mitgeteilt, 
daß er sich um das Mandat nicht mehr zu bewerben gedenke 
und von der Kandidatur zurücktrete. Somit stehen sich jetzt 
als alleinige Kandidaten in Dessau Preuß und der Sozios- 
okrat Wolfgang Heine gegenüber. 
—saa a —— — — — 
geschenkt erhalten hatte, aus ihrem Gewahrsam geholt, hatte 
sie sorgfältig gereinigt und auf sein Schreibpult gelegt zur 
großen Bestürzuna der Wirtin. die aber keine Fragen zu 
stellen wagte. 
Fortsetzung iolat 
Theater. Kunst und Wissenschaft. 
ESchoönherr und die Herikale Presse. Nachdem sich der Vor— 
wurf des Plagiats gegen Schönherr und sein Drama als un 
wirksam erwiesen hat, greift die klerikale Presse zu dem alten 
Vorwurf der Geschichtsfälschung. Die Wiener Reichspost leistet 
sich am Schluß eines deratigen Artikels folgenden schönen 
Satz: „Wenn ietzt die liberale und protestantische Presse mit 
ihrem Publikum, gestützt auf die „Geschichtsquellen“ des Schön 
herrschen Dramas, über die Grausamkeit der katholischen Gegen— 
reformation sich ereifert, so muß doch gesagt werden, daß es 
viel näher läge, die Dramen „Glaube und Heimat“, die sich in 
der Gegenwart abspielen, zu bemitleiden. Es soll z. B. ganz 
in der Nähe von Böhmen und Salzburg ein Reich geben, wo 
heute noch jeder Katholik, der in sich den Beruf fühlt, Jesuit 
zu werden, unerbittlich ins Ausland muß. Warum sich 
in grausamere Jahrhunderte versenken, da die Alternative 
„Glaube oder Heimat“ noch heute in den fortgeschrittensten 
Ländern, fast an der ganzen westeuropäischen Küste zwischen 
Köänigsberg und Lissabon, nicht außer Gebrauch ist.“ 
Wie kann man aber von den Jüngern Loyolas so gering 
denken, beziehungsweise wie so unkundig der Ordensregeln 
ein? Der Jesuit kennt doch kein Vaterland, es kann ihm 
deshalb auch ganz gleichgültig sein, wenn er in jenem Land, in 
dem zufällig seine Wiegs stand, nicht gern gesehen witd. Seine 
Heimat ist doch Rom, wo er zu Füßen seiner Heiligkeit oder 
zu Häupten oder, wie es ja jüngst öftar vorkommen soll, 
über den Kopf des heiligen Vaters hinweg, seines, Glaubens“ 
leben kann. Diesen aber in der Form des Jefuitismus mit 
dem evangelischen Belenntnis auf eine Stufe zu heben, gehört 
zu dem aröbsten Geschiltz klerikaler Anmahung, das man nicht 
ohne Kommentar lassen kann 
7 
Tagesbericht 
Luübeck, 27. April. 
Der Buürgerausfchusß hat in seiner gestrigen Sitzung du 
Senatsanträge betr. Erweiterungsbau der zweiten St. Juürgen 
schule in der von seiner Kommission empfohlenen Fassung 
und Bewilligung von 31200 Mefür die Erweiterung de 
sSochdruckwasserwerkes in Travemünde, der Bürgerschaft zu 
Mitgenehmigung empfohlen, sowie den weiteren Senatsan— 
trägen betr. nachträgliche Genehmigung einer Gratifikation vor 
2000 Meäan Herrn Direktor Hase, Bewilligung von 590,66 9. 
zur Bestreitung der Kosten der Geologisch-agronomischen Landes 
aufnahme. Erwerb einer Parzelle in Siems-Dänischburg, Be 
willigung von 1600 Meäzur Einfügung eines 300 m lange 
und m breiten Pflasterstreifens in den vom Haupteingan 
des Vorwerker Friedhofes nach dem Krematorium hertzustellen 
den Fahrweg und Bewilligung von 5100 Muzur Höher 
legung der Kaimauer an der Untertrave beim Schuppen Mr. 
und die damit verbundenen Pflasterungsarbeiten seine Mitge 
nehmigung erteilt. Endlich hat der Bürgerausschuß beschlossen 
das von Herrn A. Pape in der Bürgerschaft gestellte Ersuchen 
der Senat wolle prüfen, inwieweit eine Gleichberechtigunt 
aller Schiffahrttreibenden auf dem Ratzeburger See herbeizu 
führen ist, dem Senat entgegenzubringen. 
28jährige Beraufs zubiläen. Im Hause Gebrüden 
Borchers G. m. b. H., Verlag der Lübeckischen Anzeigen 
blictt heute der Abteilungsvorsteher der Zeitungssetzerei, Herr 
J. S. C. Evers, auf den Tag zurück, an welchem er vor 21 
Jahren als Lehrling in denselben Betrieb eingetreten ist, dem e 
seit jener Zeit mit kurzen Unterbrechungen angehört hat. Di 
stete Pflichttreue, das Interesse und die Umsicht, mit der Her 
wers während der ganzen Zeit seines Amtes gewaltet hat 
jaben veranlaßt, dah die Inhaber der Firma ehrend des Jubi— 
äumstages gedacht haben. Möge Herr Evers, der in volle 
Frische seine Tätigkeit ausübt, und sich in der Vermittlung de 
Verbindung zwischen der Redaktion und der Setzerei der Lübecki 
schen Anzeigen besonderer Wertschätzung erfreut, noch lange ir 
ungetrübter Gesundheit weiter dieses seines verantwortungs 
vollen Amtes walten. — Am gleichen Tage vollendete der 
Schriftsetzer Herr Johannes Kardel, einem größerer 
Lübeder Druckerei-Betriebe angehörend, seine 25jährige Buch— 
drucderlaufbahn. Auch dieser pflichttreue Mann erfreut sich der 
Wertschäkung seiner Vorgesetzten und Kollegen in besonderem 
Maße. 
7* Ortskrankunkasse. In der ordentlichen Generalversamm 
lung am Mittwoch abend machte der Vorsitzende, Herr Charles 
Coleman, zunächst u. a. die Mitteilung, daß auch das ver— 
flossene Geschäftsiahr 1910 für die Kasse recht günstig ver— 
laufen sei. Der Ueberschuß belaufe sich auf 98 662,23 Magleich 
11,80 00 der eingezogenen Kassenbeiträge gegenüber 84007, 90 
Mark gleich 11,96 0 im Geschäftsijahr 1800. Auch die Mit 
gliederzahl sei im verflossenen Jahre sehr erfreulich gewachsen 
nämlich um 1431 Mitglieder gegen 243 1909, 861 1908 und 
1312 im Jahre 1907. Ferner machte der Vorsitzende darau 
rufmerksam, daß dise Arzneikosten leider wieder ganz erheb 
iich gestiegen seien, und zwar von 3,79 Mipro Mäiitglied im 
Jahre 1905 auf 4,20 Me(I1906), auf 4,54 Mi(I907), au 
,67 Me(I908), auf 4,68 Me(1909) und auf 4,98 M 49810) 
Der Jahresbericht und die Jahresrechnuug, die wir bereits aus 
ührlich an dieser Stelle vor einiger Zeit besprochen, wurden, nach 
dem der Rechnungsprüfer Paul Löwigt im Namen des Rech 
aungsprüfungsausschusses den Richtigbefund der Rechnung be— 
tätigt, hatte, ohne wesentliche Aussprache einstimmig geneh— 
nigt. Dem Vorstande wurde darauf von der Versammlung 
kntlastung erteilt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder der 
Arbeitgeber, die Herren Buchdrudereibesitzet Charles Colemar 
und Buchdruckereibesitzet B. Wm. Adolf Rey, wurden wieder— 
zewählt, ebenfalls die ausscheidenden Vorstandsmitglieder der 
Arbeitnehmer, die Herren Zuschneider Wilh. Joh. Herm. Alwert 
Fahrradhändler Theodor Rud. Ferd. Vedder, Arbeitersekretär 
Paul Max Heinr. Hoff, Maurergehilfe H. Fr. Völker. Do 
der letztere 36 Stimmen erhielt und die ebenfalls vom Vor— 
stande vorgeschlagene Arbeiterin Frau J. M. Heitmann 
zeb. Johnsdotter auch 36 Stimmen erhalten hatte, mußte 
fatzungsgemäß zwischen diesen beiden gelost werden. Das Los 
entschied für das bisherige Vorstandsmitglied Völker. Auch di⸗ 
Ersatzmänner der arbeitgebenden Vorstandsmitglieder, die Herren 
Malermeister Carl Heinr. Herm. Hoffmann und Schmiedemeister 
Ludw. Thomas Heinr. Heyck, und die Ersatzmänner der arbeit— 
nehmenden Vorstandsmitglieder, die Herren Schneider G. W. 
Bruns, Schlosser Chr. Bornhövd, Schriftsetzer P. Chr. H. Bern— 
bech und Schlosser A. F. W. C. Löwigt, wurden wiedergewählt 
Die Mitglieder des Rechnungsprüfungsausschusses, die Herrer 
Paul Lohrmann, Paul Löwigt und Georg Stark, wie ihre Ersak— 
männer, die Herren Heinsohn und Thiele, wurden durch Zurui 
wiedergewählt. Eine kurze Besprechung der Reichsversicherungs 
ordnung bildete den Beschluß der von 13 Arbeitgebern und 7* 
Arbeitnehmern besuchten Versammlunag. die um 11 Uhr abend— 
ihr Ende erreichte. 
Geographische Geseilschaft. Die Leitung der Deutschen 
Antarktischen Expedition ladet die Mitglieder und deren 
Damen zur Besichtigung des in Hamburg liegenden Süd 
polarschiffes „Deutschland“ ein auf Sonntag, den 30. April 
von 10—12 Uhr vorm. Die Abfahrt erfolgt von Lübeck un 
8 Uhr 12 Min. vormittags. 
Die Bäcergesellen⸗Brüderschaft feiert am 4. Juni, dem 
1. Pfingsttage, das 100jährige Bestehen der Brüderschaft. 
Im Besitz der genannten Vereinigung befindet sich ein großer 
Willkomm, der bei Begründung der Vereinigaung im Jahr—⸗ 
1811 gestiftet worden ist. 
*Schlafwagen Hamburg — Dresden. Vom 1. Mai 
werden die bis jetzt in den Berliner Nachtpersonenzügen be 
förderten Schlafwagen zwischen Hamburg un? 
Dresden in den neuen Leipziger Zügen 181 und 182 laufen 
Die Züge verlassen Hamburg um 12 Uhr nachts vom Bahn 
steig 5 und treffen um 5 Uhr 21 Min. am Baubnsteig 
in Hamburg ein. 
Eine Turnfahrt nach Schwerin unternimmt der Männer 
Turnverein Lübeck am Himmelfahrtstage. 
SUnsere Mücken. In wenigen Tagen wird die erst⸗ 
Generation unserer Plagegeister, der Stechmücken, in unseren 
Wäldern ihren Einzug halten. Noch merken wir nichts von 
ihnen. denn die Millionen von jungen Tieren fristen in 
Gräben und Pfützen ein friedliches, stilles Dasein; aber von 
den Larven haben sich schon viele in Puppen verwandelt 
und aus diesen entsteigt schon nach 10 Tagen das fertige 
Tier. Herr Ferdinand Kanyser hat ssich in liebenswürdiger 
Weise bereit gefunden, in einem Aguarium im Schaufenster 
seines Geschäftes die Mückenbrut zur Schau zu stellen. Es ist 
so unseren Mitbürgern die Gelegenheit gegeben, die Entwicklung 
der Larve zur beweglichen Puppe usid züm fertigen Insen 
kennen zu lernen
	        
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