Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

aunmehr ergangen sind. Während des Mahles wird der ver— 
tärkte Gürzenichchor (um 200 Knaben), insgesamt 500 Per— 
onen, von der Galerie aus einige Lieder vortragen. Auch das 
tädtische Orchester wird bedeutend verstärkt werden. Während 
der Rheinfahrt ist eine überaus üppige Beleuchtung der 
Rheinufer, der Kirchtürme, der Brücken usw. vorge⸗ 
ehen. Der Dom wird allein durch 5000 elektrische Lampen 
eleuchtet werden. Die im Kölner Hafen befindlichen Schiffe 
verden an beiden Ufern Aufstellung nehmen. 
Den verschiedenen Gerüchten über eine Kandidatur des 
früheren Gouverneurs Leutwein im Reichstagswahlkreise 
Pforzheim tritt das Sauptorgan der badischen Nationallibe— 
alen, Badische Landesztg., mit folgender Erklärung entgegen: 
Die Leitung der Pforzheimer nationalliberalen Partei hat 
zerrn Leutwein gefragt, ob er bereit sei, als Kandidat der 
dationalliberalen Partei im neunten badischen Reichstagswahl⸗ 
kreis aufzutreten und sich im Falle seiner Wahl der national⸗ 
iberalen Keichsstagsfraklion, zum mindesten als Hospitant an⸗ 
uschliehen. Diese Frage ist bis heute noch nicht beantwortet 
ind eine andere ist an Herrn Leutwein nicht gestellt worden.“ 
Das neue Schulhaus der Kaiser⸗Wilhelm-Schule in 
Zchanghai ist unter großer Beteiligung der deutschen Kolonie, 
er Behörden und der Stadtverwaltung eingeweiht worden. 
Allgemein wird die Opferwilligkeit der deutschen Gemeinde, 
je das Schulhaus aus eigenen Mitteln errichtet hat, an⸗ 
rkannt und auch die Vorzüglichkeit des Gebäudes von Aus— 
ändern rühmend hervorgehoben. 
Erhebungen über den Stand der Jugendpflege in Preußzen. 
der preußische Kuliusminister hat über den gegenwärtigen 
Stiand der Jugendpflege dringliche Erhebungen angeordnet. 
Es sollhierbei die Zahl der männlichen Jugend⸗ 
ichen im Alter von 14 bis 20 Jahr an festgestellt 
und ferner ermittelt werden, wieviel Jugendvereinen im Anschluß 
an Fortbildungsschulen, Jugendvereinen im Anschluß an 
Mittel- und Volksschulen, kirchlichen Vereinigungen, nationalen 
Turn⸗, Spiel⸗ und Sportvereinigungen und sonstigen im 
daterländischem Sinne geleiteten Vereinigungen angehören. 
Weiter erstrecken sich die Erhebungen auch auf die 
Jugendheime. 
Die Hamburger Handelskammer gegen die Erhẽhung der 
Zafenkosten. Die Hamburger Handelskammer beruft zum 29. 
Upril die Bersammkung „eines ehrbaren Kaufmanns“ ein zum 
Protest gegen die geplante Erhöhung der Hafenabgaben. 
Mit der Führung der südwestafrikanischen Schutzuruppe ist 
Major v. Heydebreck betraut worden. Er gilt als einer 
»er erfahrensten und schneidigsten Afrikaner und gehört bereits 
eit 1896 der Schutztruppe für Südwestafrika an. Er nahm 
in den Feldzügen 1807/,98 teil und erwarb sich in dem Ge—⸗ 
recht bei Grootberg den Roten Adlerorden mit Schwertern. 
kine sehr rege Täligkeit entfaltete er in dem großen Aufftande 
der Jahre 1903 bis 1906. Sier kämpfte er erst gegen die 
zerero, dann gegen die Hotkentotten und zeichnete sich be— 
onders in den Gefechten von Onganiira und Oviumbo aus, 
ruch an der Verfolgung in das Sandfeld nahm er teil. Im 
zuni 1907 wurde er zum Major befördert und als Inspekteur 
in die Spitze der neugeschaffenen Landespolizei gestellt. 1910 
rat er wieder zur Schutztruppe zurück. 
Die Serbsttagung des Reichstassss. Die konservativ— 
lJerikale Gemeinschaft zeigt sich nicht am wenigsten 
ruch darin, daß Aeußerungen, die in der agrarischen oder kon⸗ 
ervativen Presfe stehen, unfehlbar in ähnlicher Form auch 
n der Zentrumspresse zu finden lind. Die Köln. Volksztg. 
chreibt jetzt ganz in Uebereinstimmung mit der Deutschen 
Tageszta., daß der Reichstag ein gewisses Recht darauf habe, 
ah ihm der Etat für 1912 als „Abschluß und als Zeugnis für 
ein wichtigstes und größtes Werk, die Finanzreform 
noch zugestellt“ werde. Sie fügt hinzu, daß dies wohl auch 
geschehen wird und die Regierung frühzeitig genug den neuen 
Ftal dem jetzigen Reichstag zugehen lassen würde. — Ist 
»as „Zentrumsblatt“ sich seiner und der Aara— 
ier Sache so sicher? 
Konferenz über den neuen Fischereigeseßentwurf. Wie mit⸗ 
geteilt wird, fanden am 21. und 22. d. M. im preußischen 
Landwirtschaftsministerium Beratungen über den Entwurf eines 
zeuen Fischereigesetzes statt, an denen 21 Vertreter der land⸗ 
wirtschaftlichen Körperschaften Preußens teilnahmen. Beim Ab⸗ 
chnitt Il über die Fischereiberechtigungen wurde die Schaffung 
son Wasserbüchern (EEintragung der bestehenden privaten 
ischereiberechtigungen) für nötig erachtet. Beim III. Abschnitt 
Ausübung des Fischereirechtes) wurden einzelne Wünsche wegen 
Gerhard sah Frau Gehre fragend an. „Und wie — wie 
hat sie's ertragen?“. 
„Sie hat nicht viel darüber gesprochen; ich glaube, seine 
Fläubiger haben sich an sie gewandt; er hatte mit einer 
reichen Braut geprahlt. Und später hat sie ein armes Mäd— 
hen gepflegt, dem er auch Treue verĩprochen. und das er elend 
gemacht hatte. ...“ 
„Rege dich nicht mit all den trüben Erinnerungen auf, 
Muiter, heute wollen wir ja froh sein,“ bat Heinz. „Agnes 
»jt ja nun ruhig und zufrieden und hat alles überwunden.“ 
„Ja,“ sagte Gerhard und blicte Frau Gehre herzlich 
an. „Lassen Sie Vergangenes ruhen. Gott hat Ihre Tochter 
o besser geführt, als wenn er üe eines schlechten, unge— 
treuen Mannes Gattin hätte werden lassen.“ Und er ge 
dachte in schmerzlichem Sinnen an Adelina Allmers und ihr 
derbes Geschick. 
Frau Gehre nickte ernsthaft. Bald darauf fühlte sie, daß 
der Abend mit all seinen ungewohnten Eindrücken und Ge— 
nüssen sie müde gemacht hatte. Auch das Verweilen bei den 
alten Erinnerungen hatte sie mitgenommen, von denen sie, 
ohne es beabsichtigt zu haben, dem sympathischen, warmherzi-⸗ 
gen jungen Mann da vor sich hatte erzählen müssen. 
Gerhard war es ganz wohl und fast heimatlich zu Sinn 
geworden im Zusammensein mit den beiden guten, einfachen 
Menschen, die sich lieb hatten. Die alte Frau erinnerte 
ihn in ihrer Schlichtheit und Gemütsreinheit an seine Mutter. 
Wie zart hatte es geklungen, als sie gesagt hatte: „Was 
sollte ich ihr den Glauben auch noch nehmen, wo ihre Hoff— 
nung auf Glück so grausam zerstört war? Das wäre agewesen, 
ails stütbe er ihr noch einmal.“ 
Und im Traume der Nacht erschien ihm seine Mutter, 
die die Züge der Frau Gehre trug. Sie führte ein weinendes 
Mädchen an der Hand, dessen Züge Gerhard jedoch nicht er— 
tennen konnte. Seine Mutter aber versuchte, ihr die Tränen 
yon den Augen abzuwischen, während vor ihm selbst plötz- 
ich eine finstere Gestalt stand und ihm den blinkenden Lauf 
iner Pistole entgegenhielt. 
«(Fortsetzung folgt. 
— —— — 
tändiger Fischereivorrichtungen, betr. Schutzgitter an Gräben 
ind der Absperrungsrechte geäußert. Hinsichtlich der Genossen— 
chaftsbildung wurde eine stärkere Mitwirkung von Fischerei— 
achverständigen gewünscht und der Abschnitt VI (Schutz der 
Fischerei) führte zu einem Beschluß wegen des Verbots der 
Invwvendung von Explosionsmitteln und ein— 
jehenderer Bestimmungen Uber die Verunreinigungen der Ge— 
vpässer im Wassergesetz. Ein ausführliches Protokoll über 
»ie Kommissionsverhandlungen soll demnächst veröffentlicht 
verden. 
Deutsch⸗ amerikanischer Lehreraustausch. In einer Versamm⸗ 
ung des Bezirks⸗Lehrervereins München wurde vorgestern 
ie Mitteilung gemacht, daß im Jahre 1912 ein deutsch— 
imerikanischer Lehreraustausch geschehen wird. 
ßorausgehen wird diesem Austausch, der übrigens Lehrer 
ller Arten, also auch Volks- und Mittelschullehrer umfassen 
oll, eine Studienreise der amerikanischen Lehrer nach Deutsch⸗ 
and. Außer Hamburg, Bremen, Köln, Leipzig, Jena sollen 
uch NUurnberg und München besucht werden. Die Behörden 
zringen dem Gedanken viel Interesse entgegen. 
* 
Tagesbericht. 
Lübeck 26. April. 
Republik oder Kaisertum? 
O Das war gestern das sehr zugkräftige Thema für einen 
Vortrag, den Herr Hugo Wachenfeld im National- 
iberalen Verein für Lübechund Umgebung hielt. 
heide großen Säle der Zentralhallen waren voll besetzt, und 
bei der Anwesenheit sehr zahlreicher Arbeiter und im Hinblick 
ruf die Formulierung des Themas war wohl mancher auf einen 
echt stürmischen Charakter der Versammlung gefaßt. Erfreu— 
icherweise verlief die etwa zweistündige Sitzung in durchaus 
nustergültiger Weise. Es war dies zur Hauptsache auf die 
eschickte Art zurüchzuführen, mit welcher der Referent das 
thema zu behandeln verstand. Seine frische und sichere Weise 
es Sprechens, seine interessanten Mitteilungen über eigene 
charfe Beobachtungen, die er selbst in Amerika gemacht hat, 
zeslalteten den Vortrag trotz der zweistündigen Dauer bis zum 
etzten Augenblick interessant und fesselnd. U. E. war die Art, 
rie er den Vergleich zwischen den Vereinigten Staaten als 
inem Musterbeispiel der demokratischen Republik und dem Deut⸗ 
chen Reich als einem monarchischen Staat anstellte, 
eradezu vorzüglich geeignet, den Sozialdemokraten 
inmal gründlich ins Gewissen zu reden und mit 
ztolz auf ihr deutsches Vaterland zu erfüllen, wie es ja auch 
elegentlich ihre eigenen Führer getan haben, nachdem sie die 
merikanischen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen ge— 
ernt hatten. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir behaupten, 
aß Herr Wachenfeld den sozialdemokratischen Arbeitern manche 
vertvolle Aufklärung gebracht hat und ihnen zum mindesten 
eachtenswerte Anregungen geboten hat, über verschiedene wich— 
ige Punkte ihres Programms nachzudenken. 
An sich ist die Streitfrage, ob Republik oder Monarchie 
zie geeignetere Staatsform sei, ja durchaus nicht neu. Auch 
bissenschaftlich ist sie bisher noch nicht endgültig entschieden wor— 
den. Da wirken so viele einzelne Umstände und besondere Ver— 
ältnisse mit, wir nennen darunter: Größe und Eigenarten des 
randes, Bewohnerzahl, Charaktereigenschaften der Bewohner, 
jeographische Lage ⁊c. tc. die bald für das eine, bald sür das 
indere System sprechen. Herrn Wachenfeld kam es nun ein⸗ 
tal darauf an, zu zeigen, wie das republikanische System ent— 
rten kann, und wie bei der Realisierung der sozialdemokrati⸗ 
chen Hoffnungen, die sie auf den Zukunftsstaat setzen, die Ver— 
ältnisse slatt besser, noch viel ungünstiger als jetzt in Amerika 
uisfallen müssen. Er belegte dies mit sehr glüchlichen Argu— 
nenten, die an sich unanfechtbare Tatsachen darstellten. So— 
vann aber war er bemüht, einigen wichtigen Ursachen der Un— 
ufriedenheit in Deutschland auf den Grund zu gehen, die er 
zur Hauptsache in dem knappen Nahrungsspielraum der Be⸗— 
dölkerung und bestimmten Charaktereigenschaften der Deutschen 
vie Neid, Ungefälligkeit, Engherzigkeit, Dünkel ꝛc. erblickte. Das 
eien feststehende Verhältnisse, mit denen man dauernd rechnen 
nuͤsse, denen aber im Reich das monarchische Prinzip erfah— 
ungsgemäß entschieden besser gewachsen sei als das repu— 
likanische. Vor allem verdient hierbei aber hervorgehoben zu 
verden, worauf der Redner noch besonders hinwies, daß in 
ver Monarchie wie in Deutschland die Arbeiterfrage in po— 
litischer, wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht viel besser 
gelöst werde, als das beispielsweise in Amerika der Fall sei 
unter dem vollständigen freien Walten der Kräfte 
Theater. Kunit und Wissenschaft. 
Lübeck, 26. April. 
Stadttheater. 
Letzte Vorstellung im Wagner-Zyklus. 
„Tristan und Isolde“, 
zandlung in 3 Aufzügen von R. Wagner. — Gastspiel des 
Kammersängers Oskar Bolz vom königl. Hoftheater in 
Stuttgart und der Frau Hertha Pfeil-Schneider vom 
Stadttheater in Hamburg. 
Eine Tristan-Aufführung ist selbst für eine Großstadt immer 
»in besonderes Ereignis, da sie fast lediglich von der guten 
Zesetzung des Liebespaares abhängig ist, das sich, selbst 
n der Jetztzeit, wo man so sehr dem Wagnergesang hul— 
igt, ni so leicht in seiner ganzen Wirksamkeit finden 
ürfte. * Tristan ist eine so angreifende Partie, daß sein 
rster Vertreter Schnorr von Carolsfeld bei der Aufführung in 
München 1865 gleich darauf starb, wie man meinte, an Ueber⸗ 
instrengung; er hatte sich sehr gemüht, die schwere Partie 
u erlernen. Bei der Isolde ists auch nicht nur mit gutem 
hesang und guter Deklamation getan; sie hat sich von zwei 
Zeiten gleich charalteristisch zu zeigen: in ihrem Haß und 
nihrer hingebenden aufopfernden Liebe. Nach dem Tode 
“arolsfelds ruhte die Oper lange Zeit mangels guter Be— 
etzung derselben; später hatten Heinrich und Therese Vogl 
ast das Monopol für den Tristan und die Isolde. Als aus— 
ezeichnete Vertreterin der letzteren folgte dann lange Jahre 
indurch Rosa Sucher. Der Tristan macht eine Ausnahme 
inter den Werken Wagners; Hans v. Bülow nannte 
»ie Vertonung dieses hehrsten aller Liebesließer eine 
diteraturoper, da alle äußeren Vorgänge vor den! inneren 
Zeelenkämpfen verschwinden. Bei seinen Sagenstudien lernte 
Vagner dieses „Urliebesgedicht“ lennen, das ihm eine Lücke in 
einem eigenen Leben besonders fühlbar machte. Im Ottober 
1854 schrieb er an Liszt: „Da ich noch nie das eigenlumliche 
Hlüch im Leben genossen habe, will ich diesem schönsten aller 
Träume noch ein Denkmal setzen.“ Wir hörten gestern viel⸗ 
ach im Publikum davon reden, daß man den Sinn kr Vor- 
eschichte nicht recht verstanden hätte; wir geben hier eine birze 
dotizz Tristan bat in Holland den Jreffürsten Morold go 
Mit einem wirkungosvollen Hinweis auf die Widersinnig 
keit und Aussichtslosigkeit der Devise: „Proletarier alle: 
Länder, vereinigt euch!“ und mit einem kräftigen Mahnru— 
an die feste vaterländische Gesinnung aller Deutschen im In 
und Auslande schloh der Referent seinen Vortrag, der s 
großem Beifall aufgenommen wurde. 
* Militärisches. Der neue Kommandeur de 
17. Division in Schwerin, Generalleutnant Gotthard 
Nickisch von Rosenegk, ist am 21. Januar 1853 ge 
horen, also 58 Jahre alt. Am 5. Februar 1871 ist er beim 
Garde-Füsf.“Reg. eingetreten, wurde am 12. Februar 1870 
deutnant und war von 1878 bis 1881 Bataillonsadjutant 
dann-bis 1885 Regimentsadjiutant, darauf Adijutant der 
2. Garde⸗Inf.Brigade. Am 26. Mai 1887 wurde er Haupt 
mann und Komp.Chef im Garde-Füs.-Reg., kam aber in 
solgenden Jahre in gleicher Stellung in das 1. Garde 
Reg. 3. F. in dem er im Jahre 1895 Majior und im fol 
genden Jahre Bat.Kommandeur wurde. Im Herbst 1900 
wurde er zum Kommandeur des Lehrbataillons ernannt und 
»lieb, seit 1901 als Oberstlt, in dieser Stellung, bis er 1900 
Kommandeur der Haupt-Kadettenanstalt wurde. Am 22. Ma 
1904 wurde er Oberst. Im März 1908 wurde er mit der 
Führung der 5. Garde-Inf.Brigade beauftragt und am 
18. August desselben Jahres unter Beförderung zum Gen. 
Major endgültig zum Kommandeur dieser Brigade ernannt 
Er blieb aber nur einen Monat in dieser Stellung und wurde 
dann Kommand. des Kadettenkorps. Im Februar 1911 wurd⸗ 
er mit der Führung der 17. Division beauftragt, die e! 
ijetzt endgültig übernommen hat. 
⸗Generalaßpell aller ehemaligen Zielenhusaren Daeutsch⸗ 
lauds. Die ehemaligen Zietenhusaren halten am Geburtstage 
ihres ersten Chefs, des Generals der Kavallerie v. Zieten 
am Sonntag, den 14. Mai 1911, nachmittags 5 Uhr, in 
Berlin im Ersten Kriegervereinshause, Chausseestraße Nr. 94 
den III. Generalappell aller Zietenhusaren Deutschlands ab 
Volksbiblisihelen in den Hansestädten. Die Gesellschafi 
ür Verbreitung von Voltksbildung hat in den Hansestädten in 
den letzlen fünf Jahren 276 Volksbibliotheken mit 8192 Bänden 
zegründet und unterstützt. Es erhielten Bücherzuwendungen 
n den Jahren: 1906: 22 Bibliotheken 473 Bände, 1907: 
10 Bibliotheken 20068 Bände, 1908: 76 Bibliotheken 2143 
Bände, 1909: 66 Bibliotheken 1682 Bände, 1910: 72 Biblio— 
heken 1888 Bände, in fünf Jahren 278 Bibliotheten 8192 
Bände. Die Gesellschaft gibt gegen mäßige Jahresb?-iträge 
Wanderbibliotheken und Eigenbüchercien im Werte von 60 bis 
200 Meab. Die Wanderbibliotheken können jährlich bei freier 
Wahl neuer Bestände aus dem Katalog der Gesellschaft um 
zetauscht werden. Die Eigenbüchereien werden in vier Jahren 
reies Eigentum der Gemeinden. Anträge sind zu richten an 
die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, Berlin, 
N. W. 21, Lübecker Straße 6. Von der Geschäftsstelle werden 
orientierende Drucksachen kostenfrei versandt. 
*Schlalswagen Altena —Würzburg. Vom 1. Mai dieses 
Jahres ab verkehrt der Schlafwagen Altona —Würzburg in 
den Zügen D 64/94 und 93/63 über Gemünden —Würzburg bis 
München. Neben den bisherigen Bettkarten Altona — Würzburg 
werden von diesent Tage Bettkarten für die ganze Strecke 
Altona— München oder umgekehrt zum Preise von: 1. Klasse 
12 Mund 2. Klasse 10 Muund für die Teilstrecke Hannover— 
Munchen Und umgekehrt zum Preise: 1. Klasse 10 M und 2. Kl. 
3 Maausgegeben. 
V Vaerein Süxtertor⸗-Marli. In der am Dienstag abend 
n der „Hoffnung“ abgehaltenen, recht gut besuchten Ver⸗ 
sammlung berichtete der Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Grube, 
unächst über die in früheren Versammlungen beschlossenen 
Eingaben an Behörden. Danach ist dem Wunsche des Vereins 
auf bessere Instandhaltung des Wakenißrfers auf der Falten 
wiese willfahrt worden. Von der Ausstellung einer öffent⸗ 
lichen Uhr muß der Verein der Kosten halber einstweilen Ab— 
tand nehmen, da er auf das Angebot eines hiesigen Uhr⸗ 
nachers, „die jetzige Burgtoruhr vom St. Gertrud⸗-Verein 
illig erwerben zu können“, nicht einzugehen geneigt ist. Weite 
eilte der Vorsihende mit, daß auf dem Vorstadtsebiet Süctertor 
Marli nach der Volkszählung vom 1. Dez. v. J. 12 884 Per⸗ 
onen wohnen. Sodann hielt Herr Kausmann Fr. Stabe 
inen Vortrag über die Entwicklung der Lübecker 
Straßenbahn, in welchem er eingangs hervorhob, daß 
die Bahn am 1. Maisd. J. 30 Jahre besteht, des 
weiteren zeigte, daß bei dem Ausbau des Straßenbahnnetzes 
ß 
tötet und so Kornwall von irischer Botmäßigleit beifreit. Run 
führt er die Irenfürstin Isolde, die mit Morold verlobt war, 
X Kornwall als Gattin des Königs Marke. Isolde und 
Tristan lieben sich, aber sehen sich fast nie auf dem Schiffe 
Jetzt, nahe der Küste Kornwalls, will Isolde Tristan sehen, 
um sich dafür zu rächen, daß er sie einem König zum Weibe 
geben will, der Vasall ihres Träutigams gewesen. Rurwenal 
uft der Brangäne, ihrer Dienerin, zu, Tristan lönne nicht einer 
Magd angehören, die er seinem Ohm überbrächte. Isolde 
lammt in Grimm auf, um so mehr, da Tristan, der sich da— 
Jals Tantris nannte, einmal schon in ihre Hand gegeben war 
ind sie ihn hätte töten können. Sie hatte ihn krank in einem 
dahn an Irlands Küste gesunden. Bald aber erkannte sie 
kristan, denn ein Schwertsplitter, den sie im Haupte Morolds 
efunden, paßte genau in eine Scharte von Tristans Schwert. 
Bor seinem Blick ließ sie die Waffe fallen. Jetzt soll Tristan 
nit ihr den Todestrank trinken, doch Brangäne gießt, ent⸗ 
egen dem Befehl, einen Liebestr ank in die Schale, worauf 
ie beiden in Liebesglut entflammen. Alles übrige ergibt die 
ehr schwache Handlung. Der gestrigen Aufsührung standen wir 
»on Anfang an etrwas sleptisch gegenüber; zwei 
Häste, die gar nicht miteinander eingesungen sind, 
st für das Liebespaar eine eigene Sache, dazu war der Ver— 
reter des Tristan, Herr Oskar Bolz, leider gänzlich 
indisr oniert, so daß kein genaues Urteil über seine Stimme 
zut gewinnen war. Würde unser heimischer Tenor, Herr 
ßistori, die Partie beherrscht haben, so möchten wir glauben, 
ins besser gestanden zu haben. Die Stimme des Herrn Bolz 
ist baritonal gefärbt und klingt etwas nasal. Gerne wollen 
wir zugestehen, daß seine letzte große Szene unter bewandten 
Imständen gut gelang, da der Sänger auch ein leidenschaft⸗ 
iches Spiel entwickelte. In Frau Pfeil⸗Schneider lernten 
wir eine sehr tüchtige Sängerin kennen, doch auch sie kam nicht 
ro ganz über das Zweiteilige der Partie hinweg: Das 
rachehlühende Weib mit dem königlichen Anstand gelang ihr 
zesser, als die liebende, alles um sich her vergessende Isolde 
hierfür fehlte der Stimme der süße, bestrickende Schmelz, der 
aAlle mächtig auf die Sängerin einstürmenden Vorgänge in ein 
artes, weiches Gewand kleiden muß, so daß auch daes 
PHubsitum, dem weiter auf der Bühne nichts ageboten wird
	        
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