Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Sedenkliche Nachrichten über die marokkanischen 
wirren. 
W. Paris, 21. April. Die letzten Nachrichten von der Ma— 
yalla des Majors Brémond, die gegenwärtig 40 Kilo— 
—DD 
dern die Lage als beinahe verzweifelt. Major Br— 
nond und seine Offiziere machen sich keine Illusionen über die 
Gefahr. In einem Briefe an einen Freund schreibt Bremond: 
Nicht auf Wiedersehen, sondern Lebe wohl!“ Ein anderer 
dffizier erklärt in einem Briefe, er betrachte sich als verloren. 
alls nicht ein Wunder geschehe. 
Ueber den augenblidlichen Stand der Dinge in Fez fehlt 
sowohl im Mänisterium des Aenßecrn als auch in den Hafen— 
städten Rabat, Tanger und Casablanca seit dem 13. d. M. 
ede Nachricht.‘ Infolgedessen beschleunigt die Regierung die Ent— 
endung der Verstärkungen und den Aufbruch der von französischen 
Offizieren begleitete Mahalla von Casablanca, die des 
Sultans Truppen und ihren Befehlshaber, Obersten Mangin, 
entsetzen sollen. 
W. Paris, 21,. April. Aus Oran wird gemeldet: Die 
Zusammenziehung von Verstärkungen für die Militärposten au 
der französischmarokkanischen Grenze nimmt 6 bis 
7 Tage in Anspruch, so daß in der nächsten Woche an 900 Mann 
am Muluja-Fluß stehen werden. 
W. Biserta, 21. April. Der spanische Kreuzer „Ca— 
aluna“, der hier die Rückkehr des Präsidenten Fallières ab— 
warten sollte, ging heute vormittäg auf telegraphische Weisung 
nach der marokkanischen Küste ab. 
Wt. Tauger, 21. April. Hauptmann Moreuaxr stößt bei der 
Bildung der Mahalla in El Kassar, die bestimmt ist, nach dem 
Norden von Sebu vorzugehen, auf große Schwierigkeiten in— 
folge der Feindseligkeit Raisulis. Als er einen Truppenteil 
von Sidi Ctissa nach Suksel Arba schicken wollte, verweigerten 
es die Kaids, da Raisuli ihnen verboten hat, den Platz zu ver— 
lassen. Ebenso wurde ihm unmöglich, einen Proviantzug szu 
finden, um Bremond mit Lebensmitteln zu versehen. Der 
Konsularagent Boisset mußte am 19. April wieder abreisen. um 
fochmals die Verpropiantierung zu versuchen 
Die französischen Skandale. 
W. Paris, 21. April. In bezug auf die Spionageange—⸗ 
legenheit Rouet-⸗-Maimon, die Veruntreuungen Hamon-Chedanne 
und den Ordensschwindel erklärte der frühere Minister Pichon, 
er selbst habe in allen drei Angelegenheiten die Initiative zur 
Ermittlung der Schuldigen ergriffen und habe seinen Nachfolger 
bei der Uebergabe der Geschäfte pflichtgemäß unterrichtet. Er 
billige durchaus das Vorgehen Cruppis, übernehme andererseits 
aber auch die volle Verantwottung für die von ihm selbst 
ergriffenen Maßnahmen. 
Die Maimon-Affäre und die Türkei. 
W. Kotistantinopel, 21. April. Nach einer Blättermel— 
dung gestand gestern der in der Maimongffäre genannte Arzt 
Zalik, daß er Maimon dem Unterchef des Archios des Groß— 
wesirats Jussuf Said vorgestellt habe. 
Weitere Enthällungen. 
W. Paris, 21. April. Mit Bezug auf die von einem royalisti⸗ 
schen Blatte veröffentlichten Berichte, nach welchem auch im Kriegs⸗ 
ministerium finanzielle Unregelmähigkeiten aufgededt worden seien, 
erklärt das Kriegsministerium in einer amtlichen Note: Im 
Lause der Budgetdebatte wiesen mehrere Deputierte auf Un⸗ 
regelmäßigkeiten hin, die bei der Ausführung mehrerer nach—⸗ 
träglicher Arbeiten begangen worden seien. Der Kriegsminister 
ordnete sofort eine Ueberprüfung der Ausgaben an. Es handelt 
sich nicht um Veruntreuungen, sondern lediglich um unbedeu— 
tende, wenn auch anscheinend den Wert der gelieferten Arheiten 
übersteigende Zuwendungen. 
Maimon s als Mädchenhändler. 
W. Konstantinovpel, 21. April. Hier angestellte Nach— 
forschungen haben ergeben, daß der vielseitige Maimon auch 
als Mädchenhändler Geschäfte machte. Er hat für den 
Harem des Exsultans Abdul Hamid junge Framzösin— 
neu nach Konstantinovpel geschickt. 
„P VI“ auf der Fahrt nach Amsterdam. 
Stendal, 21. April. „P VI“ passierte um 83 Uhr bei ziem— 
lüch schueller Fahrt in mäßiger Höhe. 
Debisfelde. 21 April. P VI üherflog um 10 Uhr Oebis— 
elde. 
Fallersleben, 21. April, 11 Uhr 15 NMin. „P VI“ berührte 
gegen 11 Uhr die Station Vorsfelde. Das Luftschiff lämpfte 
gegen einen ziemlich heftigen Wind an. 
Ffenbüttel, 21. April. „P VIflog um 12 Uhr in sehr lang⸗ 
amer Fahrt in etwa 100 Metern Höhe. 
Hauuover, 21. April. „P VI“ ist um 124 Uhr zwischen 
Jienbüttel und Leiferde in der Nähe von Brennecken⸗ 
»rüch niedergegangen; er hängt an einer Birke. 
Vraunschweig, 21. April. Oberleutnant Stelling, der 
Führer des Ballons „P VI“, gibt über die Fahrt kurz vor der 
Landung folgenden Bericht: Wir erlitten etwans Kilometer 
westlich des Bahndamms von Isenbüttel dadurch einen kleinen 
Defekt. daß sich ein Tau in eine Kiefer verstricktete Nament-— 
lich wegen des plötzlichen Auftretens stark böigen Westwindes, 
dirett gegen die Fahrtrichtung, wurde die sofortige Landung be— 
schlossen, die glatt und ohne die Reißleine sich vollzogen hätte, 
wenn nicht unmittelbar unter uns ein großer Sumpf sich gezeigt 
hätte und wenn irgendwelche Leute zur Hilfeleistung in der Nähe 
gewesen wären. Ich zog die Reißleine und die Gondel lan— 
dere sehr glatt auf trockenem Gebiet mitten im Nieder— 
holz der Gifhorner Schweiz, während die große Bal⸗ 
lonhülle sich zum großen Teile in den Sumpf legte. Wir alle, 
19 Personen, sind unverletzt und wohlauf. 
Das Luftschiff beschrieb zum Zeichen der beabsichtigten Lan⸗ 
dung drei große Schleifen und ging dann glatt nieder. „P VI“ 
wird demomntiert und mit der Bahn nach Bitterfeld gesandt 
wer den. 
Wit. Isenbüttel, 21. Ahril. Wie Oberleutnant Stelling 
weiter mitteilt, ging die Fahrt aufangs gut von statten. Mittags 
kamen böige Westwinde auf, welche die Fahrt etwas erschwerten. 
Trotzdem kam das Luftschiff noch 32 Kilometer in der Stunde 
vorwärts. Es war beabsichtigt, in Minden eine Zwischenlandung 
zu machen, daselbst zu übernachten und morgen früh weiter— 
zufahren. Westlich vom Bahnhof Isenbüttel entstand im Leinen— 
jystem eine kleine Unordnung. Oberleutnant Stelling beschloß 
zu landen, um den Defekt wieder zu beseitigen. Wegen des 
ungünstigen Terrains war die Landung sehr schwierig. Als 
eine plötzlich einsetzende Bö den Ballon breitseits faßte, sah 
der Führer sich genötigt, die Reißleine zu ziehen und die Hülle 
zu leeren. Die Maschinerie ist intakt geblieben, nur die Stabili— 
jerungsflächen sind eimgemickt 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Der Kaisert auf Korfu. 
Wt. Achilleion, 21. April. Der Kaiser empfing gestern 
en griechischen Minister des Aeußern Gryparis in Gegen— 
wart des Gesandten von Jenisch in Audienz und überreichte 
ihm dabei den Roten Adlerorden 1. Klasse. 
Zur Ehrenpromotion des Kaisers. 
W. Wien, 21. April. Gegenüber anderslautenden Mel— 
zungen wird festgestellt, daß das Ehrendoktordiplom für den 
deutschen Kaiser nicht durch eine Deputation der Prager deutschen 
Iniversität in Berlin überreicht, sondern auf diplomatischem 
Wege übermittelt wird. 
Tagung des internationalen Kolsnialinftituts. 
Wit. Braunschweig, 21. April. Das internationale Kolo— 
rialinstitut schloß seine gestrige Sitzung mit der Erörterung 
der Frage der Nutzbarmachung der alteingestammten öffentlichen 
Irgane der Eingeborenen für die Verwaltung tropischer Ko— 
onien. Heute wurde zunächst über die Organisation des 
Tampfes gegen den Alkohol in den Kolonien der verschiedenen 
stationen verhandelt. An der Debatte beteiligten sich der 
rühere Generalgouverneur des Kongostaates Janssen und Rath⸗ 
gen⸗Hamburg. Aus den Darlegungen des Geheimrats Zöpfl er⸗ 
gab sich, daß Deutschland im Kampfe gegen den Alkoholgenuß 
»er Eingeborenen durch seine scharfen neuen Verkaufseinschrän— 
rungen bezw. Verbote in Südwestafrika, Ostafrika und Kamerun 
in der Spitze der Kolonialstaaten steht. Es folgte dann die 
Seratung des Themas „Kolonialbanken und Kreditorganisation 
ür die Eingeborenen unter dem Gesichtspunkte der gewerblichen 
und der Handelsentwickelung.“ 
Die hesfische Watlrechtsvorlage gesichett. 
W. Darmstadt, 21. April. Der Wahlrechtsausschuß der 
Ersten Kammer beschloß in seiner heutigen Sitzung, bezüglich der 
noch bestehenden Unstimmigkeiten bei der Wahlrechtsvorlage 
den Beschlüssen der Zweiten Kammer in allen Punkten bei— 
utreten. Damit ist die Annahme der Wahlrechtsvorlage end— 
rültig gesichert. 
Preis für einen Rundflug durch Sachsen. 
W. Dresden, 21. April. Der Sächsische Landesdienst mel— 
det: Das preußische Kriegsministerium setzte für einen Rund— 
lug durch Sachsen einen Preis von 5000 Mifür den Sieger aus; 
tußerdem wurden 28 000 Mifür die Anschaffung des siegreichen 
5hugzeuges bewilligt. Als Bedingung für die Gewährung des 
zufatzvreises wird verlangt, daß der Flieger eine Teilstrecke mit 
inem Passagier zurücklegt und während des Fluges eine Höhe 
bon 400 Meter überschreitet. Das Flugzeug muß deutschen 
Ursprungs sein. 
Das Befinden des Kaisers von Oejsterreich. 
W. Wien, 21. April. Das Fremdenblatt meldet: Nachdem 
rie geringe Heiserkeit, an der der Kaiser einige Zeit leidet, 
zurch die Anstrengungen der letzten Audienzen und Empfänge 
n der Hofburg ungünstig beeinflußt wurde, wird der Kaiser 
em Rat des Arztes folgend, vor seiner Abreise nach Budapest 
keine allgemeinen Audienzen mehr erteilen und wenmmöglich 
n Schönbrunn bleiben. 
Zur Reform des österreichischen Militärprozeßrechtes. 
W. Budapest, 21. April. In der heutigen gemeinsamen 
Tudienz der Ministerpräsidenten bei dem Kaiser in Wien wurde 
in Modus zur Lösung der strittigen Fragen bezüglich des 
Militärstrafprozesses vorgeschlagen, der den Gegenstand weiterer 
Verhandlungen zwischen beiden Regierungen bilden wird. Khuen— 
hedervary kehrt abends nach Budapest zurück. wo diese Frage 
im Ministerref verhandelt wird 
Die franzẽsfischen Eisenbahngesellschaften geben nicht nach. 
W. Paris, 21. April. Echo de Paris will wissen, daß 
die Eisenbahngesellschaften der Aufforderung 
»es Arbeitsministers nicht entsprechen und keinerlei 
veitere Wiedereinstellung entlassener Eisenbahner vor— 
nehmen. Diesen Beschluß hätten die Direktoren der Bahn— 
zesellshaften am Sonnabend nach der Kammersitzung, in der 
vie Kammer den drohenden Erklärungen des Ministerpräsidenten 
ind des Arbeitsministers zustimmte, agemeinsam gefaßt. (Man 
ergleiche hierzu den Leitartikel.' 
krfolgreiche Versuce mit dem drahtlosen Eisenbahntelephon. 
W. London, 21. April. Das drahtlose Eisenbahn— 
elephon des Erfinders v. Kramer wurde gestern auf der 
Ztrecke Stratford-Midland zum erstenmal in Anwendung ge—⸗ 
zracht. Das Gespräch mit dem Bürgermeister von Stratford, 
der sich in einem Zuge auf der Strecke befand. war gut ver— 
tändlich. 
Galoppierende Schwindsucht bei Sasenow festgesteilt. 
W. Peteraburg, 21. April. In dem Zustand des Ministers 
Zasonow ist eine Wendung zum üachlimmern eingetreten, da 
etzt galoppierende Schwindsticht festgestellt wurde. 
Die Eröffnung der ethnographischen Ausstellung in Rom. 
W. Rom, 21. April. Die Stadt ist anläßlich des Jahres— 
ages ihrer Gründung und der Eröffnung der ethnographischen 
lusstellung mit Fahnen und Flaggen reich geschmückt. Selbst 
zie Wagen der elektrischen Bahnen und die Omnibusse führen 
Flaggenschmuck. Eine festlich erregte Menge belebt die Straßen. 
Bereine und Schulen ziehen, patriotische Lieder singend, nach 
em Ausstellungsplatz. Das Königspaar und Prinz Arthur 
on Connaught wurden auf der Fahrt zur Ausstellung mit be— 
jeisterten Zurufen begrüßt. In der Ausstellung wurden die 
xürstlichkeiten von den Ministern, Behörden und dem diploma— 
ischen Korps empfangen. Das Königspaar und der Prinz von 
'onnaught durchschritten einen Teil der Ausstellung und nah— 
nen sodann im Festpavillon Platz. Der Präsident des Aus— 
tellungskomitees, Graf San Martino, Vizepräsident Deputierter 
Martini und der Kommissar für die Sektion Piemont, Gior— 
zani, hielten mit großem Beifall aufgenommene Ansprachen. 
Zodann erklärte der Unterrichtsminister Credaro die Ausstel— 
ung für eröffnet. Unter erneuten Ovationen kehrten die 
Fürstlichkeiten nach dem Schloß zuräck. 
Garibaldi und der Albanesenführer. 
W. Belgrad, 21. April. Ricciotti Garibaldi richtete an den 
hier eingetroffenen Albanesenführer Jvanai Bei ein Telegramm, 
in dem er sagt, daß das Wort seines Vaters: Die Sache der 
Albanesen ist auch meine Sache, heute von ganz Italien nach— 
gesprochen werde. Belgarader Blätter bringen den Wortlaut 
des Teleqgramms. 
Niederlage der Albanier. 
W. Konstantiuvpel, 21. April. Nach einer Meldung der 
Blätter griffen die Malissoren neuerdings die Truppen bei 
Wukli an, wurden aber unker großen Verlusten zurückgeschlagen. 
Zum Aufstand in Arabien. 
W. Konstantinopel, 21. April. Nachrichten aus Mekka 
ufolge brach der Großscherif von Mekka mit 9000 
Manngegen Aslsir auf. 
Auflssung der enalisch-sottischen Vereinigung der Schmiede⸗ 
eisenfabrikanten. 
W. London, 21. April. Eine Depesche aus Glasgow besagt, 
zaß die englisch-schottische Bereinigung der Schmiede- 
isenfabrikanten sich aufzulösen droht, da di— 
chottischen Fabrikanten sich entschlossen haben, 
sen freihändigen Verkauf wieder aufzunehmen. 
der scharfe kontinentale Wettbewerb und die Unterbietung auf 
em heimischen Markt machten den Fabrikanten unmöglich, die 
Breise der Vereinigung aufrecht zu erhalten. Die Händler er— 
nähigten heute den Vreis um weitere fünf Schilling für di—e 
Tonne. 
Der neueste Bericht ñͤber die argentinische Ernte. 
W. Buenos Aires, 21. April. Das landwirtschaftliche 
Ministerium von Argentinien veröffentlicht einen zweiten Ernte— 
vericht, nach dem der Ertrag der Weizenernte auf 3800000 
and der der Leinsamenernte auf 600 000 Tonnen geschätzt wird 
lebet die Haferernte wird nichts veröffentlicht. 
Dilziplinarverfahren gegen den Usedomer Bürgermeister 
Trömel. 
WV. Swinemünde, 21. April. Der vermißte Usedomer 
Bürgermeister, der vor einiger Zeit in Paris ermittelt wurde, 
st in der letzten Nacht wieder in Usedom eingetroffen. Es wird 
jegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet. 
Der Mord auf dem Dampfer „Cordoba“. 
W. PVaris, 21. April. Der Minister des Aeußern teilte 
— 
eutschen Gerichtsbehörden verlangte Auslieferung des angeb— 
ichen Journalisten Jaentsch, der auf dem Vostdampfer „Cor⸗ 
zoba“ den Maschinisten Schätz ermordet hat, abgelehnt habe. 
Jaentsch erscheint demgemäß vor dem Schwurgericht in Douai— 
Die Hinrichtung des Raubmörders Franz. 
Neu-⸗Ruppin, 21. April. Der Raubmörder Franz, der in 
Schönhagen den Besitzer Klein und dessen Frau ermordet hatte 
wurde heute hingerichtet. 
Erdbeben in Trauskaudasien. 
W. Derbent, 21. April. Hier wurde ein starkes Erdbeben 
pon drei Sekunden Dauer verspürt. 
Wt. Berlin, 21. April. Die Berliner Korrespondenz berich— 
tet: Durch den Etat für 1911 werden der Fonds zu Ausgleichs- 
interstützungen für Altpensionäre und die Hinterbliebenen von 
8. Millionen auf 2854 Millionen sowie der entsprechende Fonds 
ür Elementarlehrer und Lehrerwitwen und-Waisen um 400 000 
Mark verstärkt. Gleichzeitig beschloß die Staatsregierung eine 
vesentliche Erleichterung der Bewilligungsgrundsätze und ordnete 
nsbesondere an, daß die Voraussetzungen für die auf An— 
rag zu gewährenden Zuwendungen wohlwollend geprüft wer— 
jen, um den aus den jetzigen Teuerungsverhältnissen sich ergeben⸗ 
zen Härten abzuhelfen. 
Wit. Civitavecchia, 21. April. Staatssekretär v. Tir— 
ditz mit Gemahlin ist in Begleitung des deutschen General— 
tonsuls in Genug heute nachmittag aus Genuga hier eingetroffen 
auind von hier nach Sardinien weitergereist. 
W. Berlin, 21. April. Die dritte Strafkammer des Land— 
erichts 1 verurteilte wegen Unterschlagung den Bankbeamten 
zöfling zu eineinhalb Jahren Gefängnis unter Anrechnung 
on vier Monaten Untersuchungshaft, Krause zu 2 Jahren 
hHefängnis, Giese zu eineinhalb Jahren Gefängnis unter Anrech— 
echnung von je zwei Monaten Untersuchungshaft, den Kauf⸗ 
rann Weber wegen Begünstigung zu 30 MoGeldstrafe. 
W. Breslau, 21. April. Das bei einem Herrn Kurda 
nGuttentag beschäftigte Kinderfräulein Ziegler verlebte das 
)sterfest bei ihren Eltern in Beuthen. Als sie wiederkam, 
rachte sie Konfekt mit, das sie vor dem Schlafengehen aß 
ud wovon sie auch dem Dienstmädchen gab. Beide Mädchen 
»urden am andern Morgen tot in ihren Betten aufgefunden. 
die ärztliche Untersuchung stellte Vergiftung fest, Durch einen 
zufall wurde ein noch schwereres Unglück verhütet. Das 
MNädchen wollte auch den drei Kindern ihrer Herrschaft von dem 
donfekt geben. Die Mutter verbot es ihr aber, weil die 
dinder schon im Begrifse waren schlafen zu gehen. 
W. Breslau, 21. April. Das Dorf Wonylowice-Koscielne 
ain der russisch-schlesischen Grenze wurde durch Feuer zerstört: 
O Häuser sind niedergebrannt. 
W. Oschatz, 21. April. Gestern abend wurde der auf 
vem Rittergut Saalhausen bedienstete 40jährige Brenner Her— 
nann Zschiesche, als er mit zwei anderen Bediensteten vom 
Felde heimkehrte, vom Blitz getötet. Seine Besoleiter 
purden hetäubt und kamen mit dem Schrecken danon. 
Tragödie eines Wiener Schauspielers. Auf sonderbare Art 
iachte ein Wiener Schauspieler seinem Leben ein Ende. Der 
zchauspieler Karl Vanossy erschien Sonnabend früh wie 
ewöhnlich in seinem Cafsé, bestellte sein Frühstück und las 
ie Zeitungen. Plötzlich zog er einen Revolver und schoß 
ijch eine Kugel in den Kopf. Er blieb tot liegen. Das 
Moftfiv der Taftf ist nicht bekannt. 
heer und glotte. 
Bau von Torpedobooten. Der Germaniawerft in Kiel und 
der Vulkanwerft in Stettin wurde der Bau je einer aus sechs 
zooten bestehenden Halbflottille übertragen. 
Der auf Ponape schwerverwundete Leuinant z. S. von 
rittwitz und Gaffron ist so weit wiederhergestellt, daß er 
»on Tsingtau aus die Heimreise autreten konnte. Er landet 
im 29. Mai in Hamburg. 
W. Berlin, 21. April. Reichspostdampfer „Alice“ mit 
inem weiteren Teil der aus dem Kiautschougebiet abgelösten 
Offiziere und Mannschaften ist auf der Heimreise am 21. April 
n Algier eingetroffen und hat am 21. April die Reise nach 
Hibraltar fortgesetzt. „Bremen“ ist am 19. April in Port 
Castries auf Santa Lucia (Kleine Antillen) eingetroffen und 
im 19. April wieder in See gegangen. „Nürnberg“ ist am 
0. April in Tsingtau, das Flußkanonenboot „Vaterland“ 
im 20. April in Tschingkiang am Jangtse eingetroffen. „Em— 
zen“ ist am 21. April von Nagasaki in See gegangen. Grille“ 
st am 20. April in Königsherg eingetroffen und am 21. Anpril 
iach Danzig gegangen. „Zieten“ ist am 20. April in Vege— 
ach eingetroffen und geht am 24. April wieder in See. Post 
egelung für „von der Tann“ bis auf weiteres SHelaoland
	        
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