Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Franz wurde rot, aus Zocn über sich selbin, und lagte 
lein Wort. — 
„Nun wollen sie fort,“ sagte der Onkel. „Nachher, 11 
ühr, fahren sie mit der Bahn. Und weißzt du, was Selma 
sesagt hat? Sie meinte, ihre Mutter könnte überhaupt einen 
Achen — Hasenfuß von Schwiegersohn nicht gebrauchen!“ 
„Was hat sie gesagt?“ stieß Franz dumpf hervor. 
„Na, und weil jetzt Ostern ist, da hat der kleine Läster⸗ 
nund gesagt, du wärst der richtige — Osterhafe!“ 
„So. so, so!“ rief Franz wild und eilte zur Tür hinaus, 
»ah ihm der Onkel betroffen nachsah. 
Franz war in den Garten geeilt. Dann, als Kleemanns 
Abschied genommen hatten, ging er in den Pferdestall, sattelte 
mit Hilfe eines Knechtes sein Pferd, drückte seinem Onkel 
und dessen Frau, die herbeieilten, stumm die Hand und 
prengte zum Hofe hinaus auf dem Feldwege dahin. 
Weit vor sich sah er die Kutsche, in der die beiden TDamen 
sahen. Tann kam auch schon der Zug. Er hielt, und bald 
etzte er sich wieder in Bewegung, allerdings nur langsam, 
henn so große Eile hatte die Selundärbahn nicht. 
Franz hatte im Galopp die Landstraße erreicht, neben 
relcher der Zug weiterfuhr, und nun ging er zur Karriere über. 
Sein Pferd holte mächtig aus, und es dauerte nicht lange, 
o hatte er die letzten Wagen des Zuges erreicht. In ge⸗ 
valtigen Sätzen gewann es ihm immer mehr Terrain ab. 
Da, im Kupee 2. Klasse, saß sie am Fenster, die Franz suchte; 
er erlannte sie sofort. Selma schien wirklich Angst zu 
haben um den wilden Reiter, ihr Antlitz drüdte Furcht 
ind Schrecken aus. 
Im Weiterstürmen grühte Franz mit dem Hut und winkte. 
Sie öffnete das Fenster, und Franz rief ihr von der Land— 
lraße aus, vom schäumenden Pferde herab, die Worte zu: 
‚Fräulein Selma, ich bitte um Ihre Hand; ja oder nein?“ 
Selma blickte zaghaft nieder, dann erhob sie lächelnd den 
Blid zu dem Reiter und ließ halblaut ein freudiges „Ja!“ 
rtönen. 
„Bitte, steigen Sie in Tornow aus!“ rief er nun, und 
e znickte: dann mäßigte er den Lauf des Rosses. 
Bald nachdem die Damen an der nächsten Station den 
zug verlassen, traf der Reiter ein. Der Himme hatte sich 
unterdessen aufgeklärt, und als Franz mutig und gar nicht 
derlegen das Wartezimmer betrat, brach die Sonne mit ihren 
iegreichen Straͤhlen hindurch. 
Somnenschein erstrahlte auch auf den Gesichtern beider 
damen, die den Reiter empfingen. 
„Meinen Segen, liebe Kinder!“ sagte die Mutter gerührt, 
As Franz in dem stillen Zimmer Selma den Verlobungskuß gab. 
Und als nun Onkel Kunze in dem telegraphisch herbei⸗ 
zerufenen Wagen selbit mit ankam, da rief ihm Franz, der 
Selma umfaßt hielt, freudig entgegen: „Onkel, was sagst du 
nun zu dem Osterhasen?“ 
Und Onkel Kunze erwiderte: „Na, der kann mit seinem 
Ofterei zufrieden sein! Bist doch ein Kerl!“ 
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tactwocta, dem B. nräül 
nachmittags 4457 Nhr 
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ind praktische Vorführung der 
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(Beste und sparsamste Gruden der Jetatæzeit). 
DMieselben wurden vor einigen Tagen ant der Kochkunstausstellung 
Naumburg a. d. 8S. durch den 
Threnpreis der Stadt Naumburꝗ“ ind 
oldene Medaille“ augeoleiehodt. 
industrie von LCapua und von Niedergermauien. Hannove 
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Leipzig 1907 
riefhaften der Redaktion. 
F. D., Travemünde. Nautilos ist griechisch und bedeutet 
asselbe wie im Lateinischen nauta, also Schiffer, Seefahrer. 
zn der Zoologie bezeichnet man mit Nautilus die einzige 
ioch lebende Gattung der vierliemigen Kopffüßler, bei der 
as mit zahlreichen kurzen Fangarmen ausgestattete Tier 
neine vielkammerige gewundene Kalkschale eingelchlossen ist. 
das Tier bewohnt nur die vorderste Kammer des Gehäuses, 
ie übrigen sind leer und dienen als Schwimmblase. Schon 
lristoteles kannte den Nautilus und erwähnt das Tier in 
einen Schriften. 
B. N., Geniner Strafze. Sie haben ganz recht, die Straßen⸗ 
ahnschaffner sollen bei Haltestellen und Btraßenkreuzungen 
ie Namen derselben laut den im Wagen befindlichen Passa— 
ieren zurufen. Leider führen nicht alle Straßenbahnschaffner 
iese Vorschrift regelmäßig aus. — Machen Sie nur jedesmal, 
venn Sie diese Unterlassung bemerken, der Direktion oder 
en Kontrollbeamten hiervon Mitteilung, diese werden dann 
hon veranlassen, daß die betreffenden Schaffner das Aus⸗ 
ufen vornehmen 
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VDermischtes. 
Elektrische Briefzustellungs⸗ Automaten. Seit langem be— 
häftigt sich die Technik damit, einen Apparat zu lonstruieren, 
er es gestattet, die Briefträger mit dem vielen Treppen 
eigen zu verschonen, ohne doch die Schnelligkeit in der Be— 
ellung der Postsachen zu beeinträchtigen. In manchen Slädten 
nd, wie zum Beispiel in Frankfurt a. M., am Hause Kästen 
ngebracht, in welche die Briefträger die für die Wohnparteien 
estimmten Postsendungen legen. Doch hat dieses System der 
zJostzustellung den Nachteil, daß die Parteien oder ihre Dienst⸗ 
rgane selbst Treppen steigen müssen, um zu ihren Post⸗ 
ndungen zu gelangen. Diesen Unzuträglichkeiten abzuhelfen, 
heint nun ein Briefzustellungs-Automat berusen, 
er, wie das Neue Pester Journal berichtet, dieser Tage in 
zudapest in Anwesenheit der Vertreter der Post, der Haupt⸗ 
adt und der Presse vorgeführt und dem Gebrauch übergeben 
urde. Dieser erste Briefzustellungs-Automat ist an dem 
zause eines dortigen Advokaten aufgestellt und wird ständig 
ur Zustellung der Briefpost in dem genannten Hause ver⸗ 
ꝛendet. Er ist liftartig konstruiert und besteht aus so⸗ 
iel Eisenkassetten, als das Haus Stockwerke zählt. Jede 
jeser Kassetten ist in so viele versperrbare Boxes geteilt, als 
arteien auf dem betreffenden Stodwerk wohnen. Der Brief- 
räger verteilt die Postsendungen in die einzelnen Boxes und 
etzt mittels eines elektrischen Druckknopfs den Automaten in 
zewegung; dieser geht in die Höhe und die einzelnen Kassetten 
leiben auf dem entsprechenden Stodwerk stehen. Die Parteien. 
uurch das Anklingeln des Briefträgers verständigt. begeben 
ch zum Automaten und entnehmen ihm ihre Post. Der 
zriefträger hat mit dem Apparat nichts mehr zu tun, da 
ieser wieder automatisch in die Tiefe geht. — Ein zweiter 
erartig r Automat, der demnächst in Betrieb genommen werden 
bird, soll nicht elektrisch, sondern hydraulisch betrieben 
verden und dadurch im Gebrauch billiger sein. 
Eine eigenartige hleine Sonderausstellung auf dem Gebiete 
äurischer Volkskunst befindet sich wie aus Probst⸗ 
ella geschrieben wird, zurzeit auf der Burg Lauenstein. 
?s handelt, sich um eine Zusammenstellung alter 
zauernstühle aus Thüringen und Franken. Herr 
)r. Meßmer hat als eifriger Sammler altbäuerlichen Kunst⸗ 
ewerbes im Laufe langer Jahre eine stattliche Anzahl 
on etwa 40 solcher Möbelstücke in den verschiedenen Formen 
asammengebracht und in seinem großen allfränkischen Bauern⸗ 
immer auf der Burg neuerdings so aufgestellt, daß dem 
zeschauer eine hübsche Uebersicht über die Entwicklung der 
ändlichen Sitzmöhel vom 16 his 10 Jahesbendeart aeboten wird 
gep 
Prima englische Fabrikate 
von 628⸗ 
zlazenger 
roser 
rmond 
3ussey 
von Mic. 7. - bis 85. - 
in ganz bedentender Auswahl. 
Fämtliche Tennis.Artikel. 
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b. Blesatu Vvr. Inh. Carlbandwehr. 
Sandstrasse 9. Fernruf 2169. 
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nbeehk, 
Huxctp. 1d/10. 
Markthalle. 
Von den Reklame-Wandflächen der städtischen Markt 
halle sind einige Innen- wie Außen-Felder gegen mäßige Jahres 
niete neu zu vermieten. 
Näheres bei bebrüder Borchers 6. m. b. H. 
5090 Lübeck.
	        
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