Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Schicht etwas tiefer zu versenken und ihre Interessen als 
durchaus berechtigt anzuerkennen.“ 
Der andere „Genosse“ Weingartz tritt mehr mittelbar 
füe die deutsche Schutzzollpolitit ein. Er wendet fsich 
nämlich gegen die schiefe und tendenziöse Tar— 
stellung, welche enalische Freihändler und deutsche Sozial⸗ 
demokraten, von der sozialen Lage der deutschen 
Arbeiterklasse im Vergleich mit der englischen ent— 
worfen haben. Dabei betont er mit wäünschenswerter 
deutlichkeit die Grundlosigkeit der Behauptung, wonach die 
deutschen Arbeiter sich von Pferdefleisch und ekelhaften 
Brot ernähren sowie in den traurigsten Wohnungen leben 
und sich elend kleiden müßten. Vielmehr weist er in allen 
diesen Veziehungen die Vorzüge der deuischen Zustände 
gegenüber den englischen nach. Insbesondere hebt er den 
Segen der deutischen Arbeiterversicherung hervor, und betont 
dabei nachdrücklich, um wieviel besser die ungelerntien Arbeiter 
in Deuischland entlohnt würden, als in England. „Der 
Unterschied in der Lebenshaltung der Arbeiter beider 
Nationen“, so schließt Weingartz, „ist keinesfalls so wie 
er sich in englischen (und vielfach auch in deutschen) Köpfen 
malt. Vor allem hat das freihändlerische England auch 
nicht die mindeste Ursache, in diesem Punkt auf das zoll— 
geschüßte Deutschland herabzusehen.“ 
Das sind allerdings Stimmen, die in der radikalen 
Richtung lieber nicht gehört werden. Sie sind jedoch ent— 
schieden von mehr Sachlichkeit getragen, weil sie den 
momentian obwaltenden Umständen besser Rechnung tragen 
und das deuische Wirtschaftslebet nicht mehr durch die 
nunmehr reichlich 60 Jahre alte Karl-Marx-Brille ansehen. 
In dieser Sachlichkeit besteht aber auch vor allem der 
Vorzug der Revisionisten, und es unterliegt keinem Zweifel 
daß auf die Dauer ihr Anhäangerkreis sich noch stärker 
vergröäßern wird, als wir es schon jetzt erfreulicherweise 
onstatieren können. 
Inland und Ausland. 
Deutiches Reich. 
Das Krouprinzenpnaur in Jtalten. Das Giornale 
d'JItalia schreibt zu dem Besuche des Kronprinzenpaares, 
dies sei die vierte Generation des Kaiserhauses Hohen— 
zollern, die das italienische Königshaus offiziell besuche. 
Wilhelm J., Friedrich III. Wilhelm II. und Kronprinz 
Wilhelm, jeder dieser Namen sei mit frohen Momenten 
des neuen Italien verknüpft. Kaiser Wilhelm habe nicht 
nur dafür gesorgat, daß bei der Jubelfeier der Einheit 
Italiens Deutschland in weitestem Maße aun den Festen 
in Rom, Turin, Florenz sich beteiligte, sondern habe auch 
gewollt, daß sein geliebter Sohn und die Kronprinzessin 
versönlich die Wünsche des Kaisers für das Wohlergehen 
Italiens wiederholten, die schon kürzlich in dem denk— 
würdigen Telegramm so beredt zum Ausdrud gelangt seien. 
Rom wisse, daß es keine würdigeren und willkommeneren 
Dolmeischer der Gefühle Deutschlands und des Kaisers 
geben könne als das Kronprinzenpaar. Die herzliche Auf— 
nahme in Rom werde beweisen, wie groß die wechselseitige 
Sympaihie beider Völter lei. 
Re:che⸗Schulmuseunt. Die Peltitionskoriinission des Reichs 
tages hal eine Petition betreffend die Schaffung eines 
Reichsschulmuseums dem Reichskanzler zur Erwägung 
iüberwiesen. In der Petition wird eine möglichst vollständige 
Sammlung der früheren und jetzigen Schulausstattung und 
Einrichtung für Lehr- und Lernmitiel, der Lehr⸗ und 
Siundenpläne, der Beschäftigungsmittel, Schülerleistungen usw. 
enipfohlen. — Wie wir bereits am Dienstag mitteilten, 
sind zwei Petitionen zu diesem Gegenstand vom national— 
liberalen Orisberein Schöneberg und vom Berliner Lehrer⸗ 
verein eingegangen. 
Tas Fruerbeftatiungsgeseß in Preußen. Die Kommission 
bes Preußischen Abgeordneienhauses zur Vorberatung des 
Feuerbestattungs-Gesetzes wird über ihre Beratungen trotz 
ihres ablehnenden Votums schriftlichen Bericht an das 
Plenum erstatten. Die Vorlage wird also im Plenum zur 
zweiten Lesung gestellt werden, wobei nicht die Beschlüsse 
der Kommission, sondern die Regierungsvorlage zugrunde 
aelegt werden soll. Sollte das Pienum in zweiter Lesung 
die Vorlage ablehnen, so findet eine dritte Lesung nicht 
mehr statt. und die Vorlage ist gefallen. 
— J — ⸗ — — 
Glück und nicht zurt Ruhe führen. Vielleicht aber wäre ihr 
noch mehr Unruhe geworden, wenn sie nicht zu helfen versucht 
hätte, wenn sie ihn hätte allein gehen lassen.“ 
Gerhard wandte sich wieder dem Liede zu. „Die beiden 
zier hätten sich nur schon im Leben die Hand reichen sollen,“ 
agte er. „Diese aute Zuversicht in den Worten: „Gewiß, sie 
wird wohl kommen ... sie weiß, daß ich sonst keinen für mich 
zu beten hab!“ ist ja der überzeugendste Beweis für seinen 
viguben an sie und ihre Liebe, die hervortreten wird, wo sie 
eine feigen Rücssichten mehr zu nehmen hat.“ 
„Feige Rücsichten? Wie meinst du das?“ 
„Nun, warum konnte das Miädchen nicht schon im Leben 
zu ihm kommen? Warum sollte der Kranke dies Glück nicht 
haben? Und mochte er sie nicht rufen, warum kam sie 
denn nicht von selbst?.. Warum darf nicht auch das 
Miädchen, das versteht und liebt, zum Manne kommen, wenn 
sie weiß, daß er sich nach ihr selint und ihrer bedarf? ... 
Ach, Karl, ich bin wohl in deinen Augen sehr wunderlich heute 
abend. Aber gedacht habe ich dergleichen oft. Man sagt, 
daß der Frauen Liebe tiefer. reiner, selbstloser und beständiger 
sei als die des Mannes. Und dennoch soll die Frau ihre Liebe 
vor dem Manne verbergen, versteden wie etwas Unkeusches, 
wie ein Unrecht — soll warten, warten, warten bis der Mann 
ihrer begehrt, der Mann, der oft ahnungslos an den besten 
Frauen vorübergeht, wenn nicht Schönheit. äußere Anmut, 
lächelndes Entgegenkommen und kecker Witz seine Aufmerksambkeit 
und seine Triebe erwedt. Ganzen, reinen, guten Menschen 
bedeutet die Liebe nicht den bloßen Sinnengenuß, sondern sie 
wollen durch sie eine gaänze, volle, innige, auch seelische 
Lebensgemeinschaft, die Einheit alles Strebens gewinnen. Diese 
Einheit ist die Ehe. Und diese durch Liebe geborene Einigkeit 
macht stark allen Nöten und allen seindlichen Gewalten gegen— 
über und darum glüdlich! Ob sie wohl kommen wird, die 
volle, reine, helfende Liebe? Ob slie wohl je zu mir kommen 
wird ? 
Er war aufgestanden und gaing im Zimmer umher mit 
euchtenden Augen und heißen Wangen, aber mit einem schönen 
Lächeln auf dem Gesicht. 
„Wem das Leben eine schwere Last bringt, sollte es desto 
ther dersuchen, sich einen Gehilfen zum Mittragen zu gewinnen, 
Oer Landmangel der Ansiedlungelommission ist bereits so 
roß geworden, daß der Präsident der Kommission eine Ein— 
abe des Oberkirchenkollegiums der altlutherischen Kirche, 
inige ausschließlich altlutherische Ansiedlungsdörfer zu grün—⸗ 
»en, abschlägig bescheiden mußte, und zwar wird in dem 
imtlichen Bescheid neben anderen Momenten ausdrücklich der 
„gegenwärtige Landmangel“ als Grund für die Ablehnung 
ingeführt. Und doch immer noch keine Enteignung? 
Eine neue Differenz bei Freese. Der Vorwärts meldete in 
einer Ausgabe vom 28. März, daß die Arbeiter der Firma 
Freele, Abteilung 2, Straßenbau, am Montag früh 
n den Streik traten. Die Arbeiter haben unter Vertrags⸗ 
zruch die Arbeit niedergelegt, weil Freese ihnen nicht schrift⸗ 
ich bestätigte, gegen die Zugehörigkeit zum sozialdemokrati⸗ 
chhen Transportarbeiterverband nichts einzuwenden zu haben. 
jreese verweigerte dies, da der Beamte Bute des Transporti— 
irbeiterverbandes es ablehnte, dafür einzutreten, daß die 
Mitglieder anderer Organisationen nicht belästigt würden. Die 
Genossen scheinen mit aller Gewalt Freese bekehren zu wollen. 
Ausweisung aus Nordschleswig. In Rodding hatten die 
rührigen Führer der Dänenpartei in aller Heimlichkeit zu 
einer Versammlung eingeladen, in der u. a. Frau Dr. 
Dttosen aus Stodsborg bei Kopenhagen als Rednerin auf— 
trat. Trotz der Heimlichkeit, mit der die Vorbereitung er⸗ 
folgt war, hatte die Behörde doch Kenntnis von dem Vor— 
gehen erhalten, und noch hatte die Rednerin den Vortrag 
nicht beendet, als ein Gendarm erschien, der der Referentin 
die sofortige Ausweisungsorder überbrachte. Der Vortrag 
purde sofort abgebrochen und Frau Dr. Ottosen verließ per 
Wagen das preußische Staatsgebiet. 
Die rheinisch⸗ westfälsche Schneilbahn gescheitert. Der Eisen⸗ 
hahnminister hat es abermals abgelehnt, seine Genehmi— 
gzung zum Bau einer Schnellbahnstrecke Dortmund-Essen-Düssel- 
dorf zu erteilen. 
Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen. 
Justizrat Gyßling ist am Montag in einer großen Ver—⸗ 
sammlung für die Reichstagswahlen als Kandidat aller Libe— 
ralen für Königsberg Stadt wieder aufgestellt worden. 
Eine sehr stark besuchte Versammlung von Vertrauen— 
nännern der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Kreuz⸗ 
iach⸗Simmern hat am Dienstag beschlossen, an der Kan— 
didatur Paasche unter allen Umständen festzuhalten. 
Der nassauische Kreisausschuß der fortschrittlichen Volks— 
partei trat Sonntag in Wiesbaden zusammen, um endgültig 
Beschlüsse über die Einigung der liberalen Parteien in Rassau 
zu fassen. Das Ergebnis der Tagung wird streng geheim ge— 
halten. 
Der Wahlausschuß der freisinnigen Volkspartei in Dort— 
mund beschloß am Sonntag einstimmig, einen eigenen Kan— 
didaten aufzustellen. Ueber dessen Person freilich verlautet 
noch nichts. Lehrer Tittel war ausersehen, hat sich aber 
für Hamm-Soest entschieden, wo Pfarrer Traub wider Er— 
warten das Mandat ablehnen mußte. In Dortmund werden 
iich vermutlich 7 Kandidaten den Sieg streitig machen! Hagen— 
Schwelm hat dem Professor Krüger-Charlottenburg das 
Mandat angetragen, der den Kreis auch im Landtage vertritt. 
Echweden 
Die Gothenburger Handelsflotte bestand am 1. Januar 
aus 291 Schiffen, nämlich 201 Dampfern mit 186 721 Tons 
und 30 Seglern mit 10177 Tons. Der Abgang war 1909 
11 Schiffe mit 5887 Tons und der Zugang 12 Schiffe mit 
10 998 Tons. 
Schwedische Küstenrettungs⸗Stativnen. Die Stodcholmer 
Aktien-Gesellschaft Separator beschloß in ihrer Hauptversamm⸗ 
jung, der schwedischen Lebensrettungs-Gesellschaft zur Errichtung 
bon zwei neuen Küstenrettungsstationen 25 000 Kronen zu über⸗ 
weisen. Die Gesellschaft, die übrigens für 1910 40 Prozent 
Dividende verteilt, hat seit ihrem Bestehen für mehr als 
100 Millionen Kronen ihrer Fabrikate seewärts verladen und 
wünscht auf diese Weise dem Schiffahrts-Gewerbe ihren Dank 
für die ihr gewordene AUnterstützung ihres Betriebes zu be— 
tätigen. 
Norwegen. 
Norwegische Seeversicherungen. Ein dem Storthing von 
der Regierung vorgelegtes neues Versicherungsgesetz enthielt 
die Bestimmung, daß in Norwegen ansässige Makler keine 
Versicherungen für ausländische Gesellschaften abschließen dür—⸗ 
fen. Auf Protest vieler Schiffsreeder, die durch diese Aus— 
Karl! Meine Mutter verglich Theleute einmal in ihrer 
chlichten Art mit einem Zweigespann, das den Wagen der 
Pflichten gemeinsam zieht. Sie sagte, wenn dem einen die 
araft oder die Einsicht versagt, so zieht der andere desto 
räftiger an. Dadurch bekommt jener einen wohltätig wirk—⸗ 
samen Ruck und kann wieder mitziehen.“ 
TAR. 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Martiun Greifs Beisetzung. Dienstag nachmittag wurde, 
vie aus München telegraphiert wird, der Dichter Martin 
ßreif auf dem kleinen Palmenberger Friedhofe beim Kloster 
Zangberg, im Gebiet des Schlachtfeldes von Ampfing, beerdigt, 
vpie es sein Wunsch war. Zahlreiche Freunde und Verehrer, 
inter anderen der Oberbürgermeister von München, waren zu⸗ 
zegen. Im Auftrag des Prinzregenten sprach Kammer— 
jerr Frhr. v. Malsen einige Worte am Grabe. Vom Münchener 
zoftheater sprach Oberregisseur Dr. Kilian, für die Freunde 
Michael Georg Konrad. 
Verband deutscher Kunstgewerbebereine. Der 21. Dele— 
sieitentag des Verbandes deutscher Kunstgewerbevereine fand 
ieser Tage in Magdeburg siatt. Nach dem Berichte des 
Verbandsvorstandes sind von den 45 Vereinen des Verbandes 
39 vertreten. Hierauf wurde von den verschiedenen Ausschüfsen 
iber ihre Tätigkeit berichtet. Ueber das Wettbewerbswesen 
erichtele Geheimrat Muthesius-Berlin in dem Sinne, daß sich 
»er Verband sdem gemeinsamen Vorgehen mit anderen Ver— 
inigungen weiter anschließen möchte. In dem Bericht über 
»ie Wanderausstellungen hob Geheimrat Muthesius hervor, dahß 
m vergangenen Jahre drei Ausstellungen, eine solche von schlesi— 
chen Spitzen, eine von Tapeten und eine Schmudsteinausstel⸗ 
ung, 29 mal von Verbandsvereinen öffentlich vorgeführt worden 
eien, und empfahl die Schaffung eines Garantiefonds für die 
Wanderausstellungen. Auf Antrag des Prof. Dr. Osterrieth⸗ 
Berlin beschloß der Delegiertentag, einen Ausschuß zur Be— 
atung der Revision des Geschmacksmustergesetzes in Verbindung 
nit dem Deutschen Verein für Schutz des gewerblichen Eigen⸗ 
cums und mit der Vereinigung für graphische Gewerbe einzu⸗ 
etzen und weiter der Reichsverwgltung den Wunsch zu unter⸗ 
»ehnung des Vervors auf Seeversicherungen Erschwerungen 
»er Versicherung ihrer Schiffe befürchteten, hat das Storthin 
beschlossen, daß die obige Bestimmung auf Seeversicherung— 
leine Anwendung finden soll. 
Jrankreich. 
Frankreich und der maroklanische Aufruhr. Die Libert— 
will wissen, die Regierung glaube, gestützt auf die Ansichten 
des Gesandten Regnault, daß die aufständische Bewegung in 
Marokko gegenwärtig nicht gegen die Fremden, sondern 
jegen gewisse Kaids und deren Vorgehen gerichtet sei 
Falls es dem Sultan gelinge, die Verhandlungen mit den 
ufrührerischen Stämmen zu einem guten Ende zu führen, 
bürden die Vertreter Frankreichs sich bemühen, die Aktions— 
nittel des Sultans zu reorganisieren, namentlich die ihm 
aut dem französisch-marokkanischen Abkommen vorbehaltene 
Imgestaltung der Streitkräfte vorzunehmen. Wenn der Auf— 
tand Erfolg habe, würden alle Maßnahmen zum Schutz 
»er Fremden getroffen werden. Erst wenn Fez und die übrigen 
Ztädte im Innern von den Europäern geräumt wären, würde 
nan ohne Furcht vor fremdenfeindlichen Bewegungen, nötigen⸗ 
alls direkt, einschreiten können. Jedenfalls werde die fran— 
ösische Regierung mit allen ihr zur Verfügung stehenden 
Mitteln die Autorität Muley Hafids stützen und ihm die er— 
orderlichen Geldvorschüsse gewähren. (Tel.) 
Türkei. 
Türkische Vorstellungen in Montenegro wegen verletzter 
Neutralität. Der türkische Gesandte in Cetinie unternahm 
gestern bei der montenegrinischen Regierung energische Schritte 
jegen die Verproviantierung und Unterstützung der aus dem 
Tuzigebiet nach Montenegro flüchtenden Malissoren, da dies 
nit der Zusicherung der Beobachtung einer neutralen Haltung 
invereinbar sei. Der Gesandte lenkte außerdem, wie es 
heißt, die Aufmerksamkeit der montenegrinischen Regierung 
auf etwaige Folgen eines solchen Verhaltens und wies auf 
die Einberufung der montenegrinischen Reserve hin. (Tel.) 
Die türkische Regierung überreichte gestern der monte— 
negrinischen eine Note, in der sie erklärt, im Gegensatz zu 
offiziellen Aeußerungen Montenegros sei man zu der Ueber—⸗ 
zeugung gekommen, daß unter den aufständischen Malissoren 
sich bewaffnete Montenegriner befinden. Die Großmächte 
machten im Anschluß an die Note Montenegro aufi 
die Gefahrensolcher Vorfälle aufmerksam. CTel.) 
heer und Flotte. 
Seinen 80. Geburtstag feiert am 16. d. M. der General 
der Infanterie z. D. Emil v. Fischer in Unterlauter bei 
Koburg. Er war von 1869 bis 1874 Maior im Generalstabe 
zer 17. Division in Schwerin und nahm mit den medlen— 
zurgischen Truppen am Feldzuge gegen Frank— 
reich teil. Nach der Schlacht bei Loigny wurde er durch 
die Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse aus⸗ 
gezeichnet. Später war v. Fischer als Generalmaior vom 
22. März 1886 bis zum 10. Juli 1888 Kommandeur der 
34. Inf.Brigade in Schwerin. 
* 
Tagesbericht. 
Lübeck, 5. April. 
O Navigationsschele. In der Abteilung B der staatlichen 
Navigationsschule für Seemaschinisten fand in voriger Woche 
die Abschlußprüfung für den Marinemaschinistenanwärterkursus 
tatt. Allen6 Schüler dieser im W'ntersemester unterrichteten 
bendklasse bestanden, und zwar 2 mit ziemlich gut, die 
ibrigen 4 mit gut. Die Namen der Bestandenen sind: 
3czyk, Dreos, Hasfse, Krause, Oljon, Wessel. 
Allen6 Herren haben die Berechtigung, als Maschinẽsten⸗ 
mnwärter bei der Kaiserlichen Marine eingcestellt zu werden. 
falls sie körperlich brauchbar sind. 
O Prüfung zum Schffer auf Heiner Fahrt. In der 
taatlichen Navigationsschule, Abteilung A, fand am 3. und 
1. d. M. eine Prufung zum Schiffer auf Külten— und 
ine solche auf kleiner Fahrt statt. Zur eritgenannten 
Abteilung hatte sich nur ein Bewerber eingefunden, der 
ruch bestand. Für die kleine Fahrt waren 7 Anwärter 
rschienen, von denen 6 bestanden. Es erhielten die Be— 
echtigung, als Küstenschiffer zu fahren: Herr F. A. H. 
Zchlöpke aus Neustadt i. H. Das Examen für klein— 
Fahrt bestanden die Herren: C. F. E. Bennece, Göttiu 
—— 
breiten, sie moge auf Schaffung einer internationalen Hinter⸗ 
legungsstelle für den Geschmacksmusterschutz hinwicken. Eine reg 
Verhandlung knupfte sich an den durch Dr. Schmidt begründeten 
Antrag des Kunstgewerbevereins zu Magdeburg auf Stellung⸗ 
aahme zur Frage über die deutsche Schrift. Der Bericht⸗ 
erssatter bat den Delegiertentag, nachdrücklichen Einspruch ein⸗ 
ulegen gegen die Verdrängung der deutschen Schrift aus der 
Schule. Die Meinungen in der Versammlung gingen weit aus⸗ 
inander, bei der Abstimmung fand aber der vorgeschlagene An⸗ 
rag Annahme. Desgleichen der Antrag, eine Eingabe an das 
deichsschatzamt wegen der neuen Hundertmarkbanknoten 
u richten, die künstlerischem Empfinden nicht entsprächen. Für 
en Vorort des Verbandes berichtete Prof. Dr. Lehnert-Berlin 
iber das Verhältnis des Kunstgewerbes zur Kalender— 
eform auf Festlegung des Osterfestes usw. Die Versamm⸗ 
ung sprach sich für Festlegung des Osterfestes nach dem 4. April 
aus, aber gegen eine Empfehlung des sog. Reformkalenders. 
Zum Versammlungsort für 1912 wurde Krefeld gewählt. 
d. Ein n?ues Typhusserum. Unser medizinischer 
Mitarbeiter schreibt uns: Die Hoffnung, daß die 
denntnis der Infektionserreger bald zur Gewinnung von 
pezifischen Gegengiften (Antitoxinen) führen würde, hat sich 
eider bisher nur in einigen Fällen erfüllt, in erster 
dinze bekanntlich bei der Diphtherie. Zwar sind die Versucht 
icht ausgeblicben, Heslsera für die verschiedenen Infektions⸗ 
rankheiten zu gewinnen, so zum Beispiel für den Unter⸗ 
e:bstyphus, aber eine prompte Wirkung war mit ihnen 
icht zu erzielen. Neuerdings hat nun Professor R. Kraus 
n Wien, wie er in der Deutschen medizinischen Wochenschrift 
erichtet, aus Pferdeblut ein neues Heilserum gegen Typhus 
ereilet, mit dem bei ziemlich schweren Epidemien ver« 
zältnismähig günstige Resultate erzielt worden sind. Die 
zamit behandelten Patienten machten ihre Krankheit leichte 
ind ohne die beim Typhus häusfigen Komplikationen durch 
ils diejenigen Kranken, welche nicht spezifisch behandell 
purden. Besonders häufig wurde in all den Fällen ein 
rfolg sichtbar, in denen frühzeitig kurz nach Ausbruch 
»es Typhus die Serumeinspritzung vorgenommen wurde und 
ioch nicht die Organe vom Typhusgift in Mitleidenschafi 
zezogen waren.
	        
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