Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

hann. Courier: Auf dem am letzten Sonntag in Hannover 
abgehaltenen Delegiertentage des Landesverbandes der fort⸗ 
schrittlichen Volkspartei für Niedersachsen berichteten Reichstags⸗ 
abgeordneter Wiemer und Prof. Vousseti-Göttingen über die 
Verhandlungen des Zentralausschusses in Berlin, 
der vor einigen Tagen ein neues Kompromiß mit den 
Nationalliberalen bezüglich des taktischen Zusammen⸗ 
gehens bei den nächsten Reichstagswahlen angenommen hat, 
das sich besonders auch auf Pommern und Schlesien erstrecke, 
uind das für die Provinz Hamover ungefähr die gleiche Ver— 
eilung vorsieht, wie das im Januar gescheiterte Wahlabkommen. 
Nach einer längeren Debatte, in der einer Einigung mit den Na— 
ionalliberalen grundsätzlich alsseits zugestimmt wurde, beschloß 
der Parteitag, sich auf den Boden der Vorschläge des Partei— 
vorstandes zu stellen und diesen zu ersuchen, auf den vorge— 
schlagenen Grundlagen weiter zu verhandeln. 
Es ist höchst erfreulich, daß nunmehr auch in zwei weiteren 
Provinzen eine taltische Einigung des Gesamtliberalismus er— 
olat ist. Die Provinzen Pommern und Hannover bieten den 
esten Beweis Hafür, daß auch gröhere Schwierig— 
eiten, die einer einheitlichen Frontstellung des 
diberalismus entgegenstehen, zu üÜberwinden sind, 
wenn nur allseitig der ernsthafte Wille dazu vorhanden ist. Möge 
das jetzt vollzogene Kompromiß weiter vorbildlich sein für eine 
aktische Einigung in einer recht großen Anzahl anderer Gebiete! 
Ddie Generalkommission der sozialdemokratischen 
Gewerkschaften 
erstattet in ihrem Organ den Bericht für das Jahr 1810. 
Der Jahresabrechnung entnehmen wir folgende Zahlen, die 
einen instruktiven Rückblick auf die Tätigkeit dieser Organisarion 
zeben. Die Gesamteinnahme betrug rund 796 000 M, die 
Sesamtausgabe dagegen ging um rund 58000 Muuüber diesen 
Betrag hinaus. Von den Ausgaben entfielen rund 132 000 M 
ruf Agitation, rund 11000 Muäauf Kongresse und Konferenzen, 
und 1000 Muäauf Bücher und Zeitschriften, rund 3300 Meauf 
Druchssachen, rund 11000 Muauf sächliche und rund 23 000 M 
auf persönliche Berwaltungskosten, rund 32 000 Müauf Unter⸗ 
richtskurse. rund 64 000 Mäauf das Korrespondenzblatt der 
Heneralkommission, rund 16000 Mäauf das italienische und 
rund 11000 Muäauf das polnische Organ der Generalkommission, 
und 18000 Mäauf das Zentral-Arbeitersekretariat, rund 
14000 Muauf die sozialpolitische Abteilung der General⸗ 
'ommission. Die Sammlung für die ausgesperrten Bauarbeiter 
ergab rund 1233 000 M. Es wurden davon auch andere 
Hewerkschaften (Stukkateure, Schmiede, Schiffszimmerer, belgische 
Bapierarbeiter, spanische Bergarbeiter uswe) unterstützt. Der 
Bestand aus dieser Sammlung ist für den 31. Dezember 1910 
auf rund 149 000 Mäangegeben. 
Inland und Ausland. 
Deuriches Reich. 
Der deutjch⸗schwedische Handelcrertrag. Sämtliche schwedi— 
ischen Unterhändler für den deutsch-schwedischen Handelsver⸗ 
rag sind, wie der Köln. Z3tg. aus Stockholm gemeldet wird, mit 
Ausnahme des Vorsitzenden Regierungspräsidenten Ham— 
narskjöld, aus Berlin zurückgekommen. Die Vertrags⸗ 
interhaundlungen sind in der Sache ießt voll— 
endet, nur der formelle Abschluß steht noch aus, 
veshalb einige der Unterhändler später nach Berlin abreisen 
verden. 
Wertzuw achssteuer in Samburg. Der von dem 
SZenat auf Grund von 8 60 Abf. 2, 8 61 Abf. 2 des 
Reichs-Zuwachssteuergesetzes vom 14. Februar 1911 gestellte 
Antrag auf Belafsung des bisherigen ham« 
burgischen Wertzuwachssteuergesetzes ist vom 
Reichsskanzler zunächst für die Zeit bis zum 31. März 19142 
uinter Vorbehalt der Entscheidung für die darauf folgenden 
Jahre genehmigt. — Wie wir bereits im amtlichen 
Teil unserer Sonnabend-Nachmittags-Ausgabe bekannt gaben, 
it eine ähnliche Antwort auch dem Lübecker Senat zugegangen. 
Darnach bleibt auch das alte Lübecker Gesetz vor— 
äufig bis zum 31. März 1912 in Kraft. 
Keine Parteipolitik in der Stadtvertreiung. Eine Aeußze⸗ 
rung, die zwar Selbstverständliches besagt, aber doch 
zemerkenswert ist, weil man dieses Selbstoerständliche leider 
allzusehr vergessen hat, wird von dem früheren Finanz-— 
ninister von Rheinbaben berichtet, der als Oberpräsident 
der Rheinlande einem aus Anlaß der Verleihung des 
Stiädterechte an die Gemeinde Hamborn im dortigen 
naihause abgehaltenen Festakt beiwohnte. Herr von 
m— — 2—27* — — —— 
„Ist es nicht doch nur ein jentimentales Lied?“ fragte 
»r und sah Gerhard prüfend ins Gesicht. Dieser ließ die 
zände von den Tasten gleiten und sah überrascht auf. 
„Sentimental? Warum? Weil einer von seinem Tode 
ingt, den er nahen fühlt? Oder weil er möchte, sie, deren 
zand er vielleicht im Leben nicht zu fassen wagte, möchte 
eine Grabstätte schmücken? Ich sinde das nicht!“ 
Er sah Karl mit hellen, leuchtenden Augen an, und dieser 
rkannte sosort, daß Gerhard in dem Liede keine Beziehungen 
u sich selbst gesucht hatte, sondern einfach dem Zauber der 
Sctimmung darin nachgab, die trotz der Entsagung eine har—⸗ 
nonische, versöhnende war. 
„Siehst du,“ sagte er wie ertlärend, „wenn einer krank ist 
ind entsagen muß, so darf er doch auf Güte hoffen. Güte 
jt auch etwas Großes! Vielleicht hätten sie auch gar nicht 
janz zu entsagen brauchen, wenn sie mit dem zufrieden ge⸗ 
vesen wären, das sie einander geben lonnten. — — Ist denn 
ur das heiße Begehren, das Besitzenwollen Liebe? Machen 
iicht Güte, Mitleid, Geduld, Treue und Fürsorge die beste 
ind unvergängliche Seite der Liebe aus auch zwischen Mann 
ind Weib? — O, Karl, alter Freund! Mir graut oft vor 
»er heißen Glut der Leidenschaft. die alle Schranken nie⸗ 
derreiht.“ 
„Hast du's gesehen, hast du's etlebt?“ 
„Nein, nicht erlebt, gottlob! Aber gesehen! O, Karl, 
die Leidenschaft mag für eine Weile berauschend schön sein, 
iber ohne Selbstzucht, ohne Schranken — ohne Güte und 
Mitleid ist sie schlimmer fast und Lerzehrender als der Haß.“ 
Karl mußte an die kürzlich slattgefundene Begegnung im 
Bremer Ratskeller denken, und jenes schöne, dunkle Mädchen⸗ 
jild erhob sich plötzlich vor seinem Geiste. 
„Denkst du an Fräulein Adelina Allmers?“ fragte Kark 
eise. 
„Ja, ich denke an sie und ihre Leidenschaft, die dem 
beliebten alles opferte, ihre Ruhe, iher Ehre, ihr Gewissen.“ 
„Tinem Unwürdigen?“ Karl hatte den unbeherrschten 
Henng, mehr zu erfahrenn. 
(Forssetung folgt.) 
Rheinbaden warnte davor;, Parteipolitik in 
»zꝛe neue Stadtvertretung hineinzutragen. 
Barteipolitik möge berechtigt sein. mit der Gemeinde⸗ 
»erwaltung habe sie nichts zu tun. Es wäreé 
jut, wenn diese Mahnung öfter ausgesprochen würde. Freilich 
st vorläufig nicht zu hoffen, daß sie etwas nützen wird. 
Iber da das Parteigezänk immer schlimmere Folgen an— 
immt. wird eines Tages vielleicht auch das Bürgertum 
„as Unglück merken. 
Neue Verhandlung zur reichsländischen Verfaffungsrteform. 
Daß die reichsländische Verfassungsreform schwer gefährdet 
t, sieht jetzt auch die Regierung ein, und sie setzt alles 
aran, ein Scheitern zu verhindern, das ja naturgemäß 
e Stimmung ungeheuer verschärfen müßte. Nach einer 
ffiziösen Mitteilung der Kölnischen Zeitung schweben deshalb 
rwägungen über eine Aenderung der Bestimmungen über 
ie Aufenthaltszeit in den Reichslanden, weitere wesentliche 
lenderungen der grundsätzlichen Bestimmungen seien jedoch 
usgeschlossen, namentlich ein Verzicht auf das Plural— 
timmrecht. 
Der Kampf um das neue Sirafrecht. Heute, am 4. 
lpril, tritt in Berlin unter dem Vorsitz des Ministerial— 
„irektors Lucas die Kommission zusammen, die den Entwurf 
ines neuen Strafgesetzbuches ausarbeiten soll, und zwar 
iuf der Grundlage des auf Veranlassung des Reichsiustiz⸗ 
imtes herausgegebenen Vorentwurfs. In diesem Augenblick 
ommt die Nachricht, daß die Professoren Kahl; 
». Liszt, v. Lilient hal und James Goldschmidt 
inen Gegenentwurf zum Vorentwurf aus— 
earbeitet haben. Kahl berichtet darüber in der 
euesten Nummer der Deutschen Juristen-gtg. Der Text 
uit der Begründung“ zum allgemeinen Teil wird noch im 
lpril, die Begründung zum besonderen Teil im Laufe 
es Sommers bei J. Guttentag in Buchform erscheinen. 
diese Nachricht klingt jedenfalls sonderbar. Dem mindestens 
ie Professoren Kahl und v. Liszt — ob die beiden anderen 
zenannten, läßt sich im Augenblick nicht konstatieren — 
ehören zu den Mitarbeitern am offiziellen Vorentwurf, 
ind Prosessor v. Liszt, der fortschrittlichste unter den vier, 
ußerie seinerzeit seine lebhafte Zufriedenheit über das 
anze Werk. Sollte er sich plötzlich auf das Gegenteil 
iesonnen haben? 
Der Eckernförder Kanal. In Reichstage ist zur dritten 
ctatslesung eine Resolution eingegangen, in der die Einsetzung 
iner Kommission von 14 Mitgliedern gefordert 
»ird zur Prüfung der Frage, wie der von Petéersen⸗ 
Nöhlhorst projektierte Edernförder Kanal im Interesse des 
neiches am besten zu fördern sei. — 
Abstriche im Reichsetat. Bei der zweiten Etatslesung hat 
er Reichstag im ordentlichen Etat bei den fortdauernden 
lusgaben 9837 M, bei den einmaligen Ausgaben 13823 M, 
usgesamt also 23660 Muabgesetzt. Im außerordentlichen 
ctat wurden 150 000 Muabgesetzt. Der Etat balanciert mit 
g924 945 730 Me(Regierungsvorlage 2 924 945 730 M). Sieb- 
ig Resolutionen zum Etat wurden angenommen, 5 Reso⸗ 
utionen sollen erst später beraten werden. Im Kolonial— 
tat wurden 112 220 Mägestrichen; dieser Etat balanciert mit 
22 513 310 Me Worlage: 122 625 530 M). 
Die Schaffung eines Reichs-Schulmuseums verlangen zwei 
detitionen an den Reichsstag. Es handelt sich um die Be— 
ründung einer Zentralstelle, die alles in sich aufnehmen 
ind geordnet darstellen soll, was sich auf die deutschen Schulen, 
ruf Unterricht und Erziehung im ganzen deutschen Vaterlande 
rstreckt. Die eine dieser Petitionen geht von dem Berliner 
ehrerverein aus. Sie beruft sich insbesondere auf die 
ei den deutschen Lehrertagen veranstalteten Schulausstellun⸗ 
en, die — besonders in München, Dortmund und Straßburg 
— gezeigt hätten, wie viel wertvolle Keime auf dem Gebiete 
es Schulwesens in den einzelnen Bundesstaaten noch der 
étwicklung harren. Die zweite Petition rührt von dem na— 
ionalliberalen Ortsverein Schöneberg her und bezieht fich 
usbesondere auf den Erfolg der deutschen Unterrichtsaus⸗ 
tellung in Brüssel. 
Resolutionen. Zur dritten Etatslesung sind im Reichstage 
eine Reihe neuer Resolutionen gestellt worden. Das Zen⸗ 
rum beantragt zum Postetat, die nichtetats mälßigen 
UÜünterbeamten sowie die zum Aufrücken in Unterbe—⸗ 
imtenstellen bestimmten Arbeiter und Handwerker der 
Reichspostverwaltungspätestens nach 10jährig er 
Dienstzeit etatsmäßig anzustellen. Seitens aller 
ürgerlichen Parteien wird beantragt, die bisherigen Vor— 
chriften über die Taggelder und Fuhrkosten der Kolonialbe— 
inten bei Dienstreisen außerhalb des Schutzgebiets, über die 
Imzugskosten bei der Aus- und Heimreise und bei Versetzungen 
wischen Schutzgebieten bis zum 30. Juni 1911 in Geltung 
u lassen. 
Das Verfahren gegen Jatho. Mit der Vorbereitung der 
ründlichen Verhandlungen des Spruchkollegiums für Pfarrer 
Jatho ist Oberkonsistorialrat Dr. Koch betraut worden. Als Bei⸗ 
itzer sind ihmOberkonsistorialtat Dr. Möller und Professor Lefs 
timmungen nach seiner freien, aus dem ganzen Inbegriffe 
der Verhandlungen und Beweise geschöpften Ueberzeugung in 
inem Spruche festzustellen, oder für nicht festgestellt zu er⸗ 
lären, daß eine weitere Wirksamkeit des Geistlichen innerhalb 
er Landeskirche mit der Stellung, die er in seiner Lehre 
um Bekenntnisse der Kirche einnimmt, unvereinbar ist. Zur 
zeschlußfähigkeit des Spruchkollegiums ist die Anwesenheit 
äimtlicher Mitglieder erforderlich. Die im Sinne des 8 11 
rwähnte Feststellung kann nur mit einer Mehrheit von min— 
»estens zwei Dritteln der Mitglieder getroffen werden. 
Eine neue Prüfungsordnung für Tierärzte. Zu Beratungen 
ber anderweitige Regelung der Prüfungsordnung für Tier— 
irzte wird am 29. April eine Konferenz zwischen Vertretern 
der Reichsregierung und der beteiligten Bundesregierungen 
tattfinden. Es handelt sich dabei in erster Linie um eine 
ßderlängerung des Studiums auf den tierärztlichen 
zochschulen von sieben auf acht Semester. Die Erfahrung 
at ergeben, daß der im tierärztlichen Studium zu bewäl— 
igende Stoff in einem Zeitraum von sieben Semestern nicht 
u erledigen ist. Außerdem dürften auch noch einige tech⸗ 
ische Fragen der Prüfungsordnung, die sich als abänderungs⸗ 
‚edürftig erwiesen haben, einer neuen Regelung unterzogen 
nerden. 
Zur Verwaltungsreform in Preußen. Unter dem Vorsitz 
es Ministers v. Dallwitz trat gestern im Ministerium des 
znnern in Berlin die 20 Mitglieder starke Immediat—⸗ 
ommission für die Reform der inneren Verwaltung Preußens 
usammen. Behandelt wurden hauptsächlich die Vorschläge 
er Subkommission für die Vereinfachung im Rechnungs— 
ind Kassenwesen. 
Tas Ergebnis der Landtagsstichwahr in Leipzig⸗Land. Bet 
der gestrigen Landtags-Stichwahl Leipzig-Land wurde der 
Sozialdemokrat gegen den Kandidaten der Freikonservativen 
nit 200 Stimmen Mehrheit gewählt. Der Wahlkreis war 
zisher freikonservativ vertreten. 
Freitherr v. Hertling erlitt in der Nacht auf Montag 
enen Anfall bedenklicher Herzschwäche. Wie wir hören, 
ist der Anfall jedoch glücklich vorübergegangen und das 
Befinden des Kranken war gestern mittag wieder normal. 
Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen. 
Zwischen der Nationalliberalen Partei und der Fort—⸗ 
chrittlichen Volkspartei des Bergischen Landes haben 
n der letzten Zeit Verhandlungen stattgefunden mit folgen— 
em Ergebnis: Die Nationalliberale Partei des Reichs— 
agswahlkreises Remscheid-Lennep-Mettmann ver—⸗ 
flichtet sich, bei der nächsten Reichsstagswahl von der 
lufstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen und im 
rften Wahlgang für den Kandidaten der Fortschrittlichen 
golkspartei, Prof. Eickhoff, einzutreten. Beide Parteien 
zerpflichten sich, den Besitzstand im Landtagswahlkreis 
ßemscheid-Lennep⸗Solingen bei der nächsten Landtagswahl 
mzuerkennen. 
Die Fortschrittliche Volkspartei ist nunmehr auch mit 
hrer Reichstagskandidatur für den Wahlkreis Hagen- 
53chwelm hervorgetreten und hat den Abgeordneten Ge— 
iossenschaftsanwalt Justizrat Dr. Crüger-Charlottenburg, der 
en Wahlkreis bereits im preußischen Landtage vertritt, 
rufgestellt. Der jezige Mandatsinhaber Oberbürgermeister 
Tuno⸗Hagen hatte schon vor längerer Zeit auf seine 
Viederaufstellung verzichtet; die Partei hat dann, nachdem 
»ꝛe Verhandlung mit den Nationalliberalen wegen einer 
emeinsamen Kandidatur sich früh zerschlagen hatten und 
das bekannte Kompromiß der Hagener Nationalliberalen 
rit Zentrum und Christlichsozialen vielmehr zu deren 
Zammelkandidatur Springmann geführt hatte, nach langem 
Zuchen zu diesem Doppelmandat gegriffen. Die bedrohliche 
zandidatur der Sozialdemokraten vertritt König-Dortmund. 
Im Reichstagswahlkreise Schwarzburg-Rudolstadt wird der 
etzige Vertreter, Kommerzienrat Eduard Müuller-Rudolstadt 
nationalliberal), wie er auf eine Anfrage erklärt, nicht 
vieder kandidieren. Ueber seine Nachfolge ist noch nichts 
zekannt. 
Die Nationalliberalen beabsichtigen für den Wahl— 
reis Eisenach-Dermbach den Fabrikdirektor Bernhard Demmer 
ius Eisenach als Reichstagskandidaten aufzustellen. Die 
Kandidatur wird von der Fortschrittlichen Volkspartei 
anterstützt. 
Die Fortschrittliche Volkspartei stellte in Rastenburg- 
Friedland-Gerdauen den Guisbesitzer Maul in 
Sprint auf. 
Der Nationalliberale Vertretertag der Provinz 
Zachsen, der Sonntag unter Beteiligung zahlreicher Varla— 
nentarier in Halle a. S. versammelt war, hat sich für 
ie grundsätzliche Ber werfung der liberalen Doppel-— 
fandidaturen ausgesprochen. In den meisten Wahl— 
reisen erhoffe man eine baldige Verständigung. Abgeordneter 
demler behandelte die Frage: Würde Bismarck das 
Vahlbündnis der Nationalliberalen mit den Freisinnigen 
zuiheißen? und kam an der Hand von Stellen aus 
bismarcks Erinnerungen zu einer bejahenden Aniwort. 
Für den Wahlkreis Hersfeld-Hünfeld-Rothen-—⸗ 
zurg, wo zwei Kandidaten der Fortschrittlichen 
Volkspartei genannt waren, hat die Provinzialleitung 
der Fortschrittlichen Volkspartei jetzt den Bahnhofsvorsteher 
Fiedler in Bebra als fortschrittlichen Kandidaten nominiert. 
Der nationalliberale Landesausschuß Bay— 
rns beschloß am Sonntag nach langer, teilweiser erregter 
)ebatte für die Taktit bei den Reichsstagswahleun 
eine Resolution, die ein freundschaftliches Zusammengehen und 
ine Beratung der liberalen Parteien begrüßt, jedoch die 
»olle Selbständigkeit wahren will. Die Sozialdemokratie und 
das Zentrum sollen entschieden bekämpft werden. Die Reso— 
ution mißbilligt das Verhalten der Konservativen und ver— 
langt geistige und kulturelle Freiheit. 
* 
Tagesbericht. 
Lübeck, 4. April. 
Lübeck als Industrie⸗Platz. 
8Der Lübeder Industrie-Verein hat unter diesem 
kitel einen kleinen hübsch ausgestatteten Industrieführer her— 
usgegeben, der auf 23 Seiten in gedrängter Kürze alles Wissens— 
verte und alle Vorzüge Lübecks hervorhebt, die geeignet sind. 
ie Interessenten auf die Vorteile hinzuweisen, die Lübeck zur 
Ansiedelung neuer Industrieunternehmungen besonders geeignet 
nachen. Herr Dr. Wallroth, der J. Sekretär der Lübecker 
zandelskammer, hat den Text verfaßt, den bildnerischen Shhmud 
n Schwarz⸗weiß⸗Mianier hat P. Selms, Hamburg, geliefert, 
bährend tsen Satz und Druck die Firma H. G. Rahtgens, 
rübeck, atusgeführt hat. Der handliche Führer, der in vielen 
ausend Exemplaren verbreitet werden wird, berichtet in ge— 
rängter Kürze über Allgemeines und die Verkehrslage, neu— 
ritliche Hafeneinrichtungen, Lübecks Gesamt-Seeverkehr 1899 uns 
909, Lübecks Gesamt-Bimmenwasserverkehr 1899 und 1909, 
rübecks regelmähige Dampferverbindungen, gute Seeverbindun⸗ 
jen, bedeutender Elbeverlehr, zeitgemäße öffentliche Verwaltung— 
‚ünstige Steuerverhältnisse, ausgedehnte Industriegebiete, billige 
dohlen und Rohstoffe, elektrische Ueberlandzentrale, gute Ar— 
eiterderhältnisse, vorhandene Industrien, gute Wasserversorgung, 
zanken, vorzügliche Gesundheitsverhältnisse, Wohnungswesen. 
zchulwesen, Kunstpflege und allgemeines Bildungswesen, reges 
zportleben, Seebad Travemunde und sonstige Umgebung und 
luskünfte. Während der Jitel geziert wird durch eine Teil— 
insicht des Hochofenwerkes und durch die Abbildung der Holsten⸗ 
arme, befinden sich im Heft selbst folgende Bilder: Bahnsteig⸗ 
allen des Lübecker Hauptbahnhofs, 40 t- undlO t⸗Kräne am 
dulenkampkai, Mündung des Elbe-Trave-Kanals in den See— 
afen, Lagerhaus und Kaischuppen auf der Wallhalbinsel, Rau⸗ 
ierbahnhof der LübeckBüchener. Kisenbahn-Gesellschaft, Hoch 
rücke über die See-Trave, Lübecker Schweielsäure- und Super—⸗ 
hosphatfabrik, Ueberlandzentrale, Arbeiterwohnungen in Küch 
itz, Villeroy K Boch, Lübech, Lübecker Oelmühle A.«“G. und 
zartsteinwerk von Fr. Ewers K Sohn, Hochofenwerk Lübed 
J.G., Schiffswerft von Henry Koch A.⸗G., Lübecker Maschinen-⸗ 
augesellschaft (Kesselschmiede), Marktplatz mit Rathaus und 
Narienkirche, Lübecker Neues Stadttheater, Regatta in Trave 
nünde und Ratzeburg mit See. Ferner sind in dem Büchlein ent⸗ 
zalten eine Karte der regelmäßigen Dampferverbindungen und 
ine Karte der zur Besiedelung bestimmten staatlichen Industrie 
ebiete. Mir sind sicher. daßz das kleine praklische Heft, in deut
	        
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