Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Ausgabe A. 
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Aus den Nachbargebieten. 9 
— Hansetadie. 
Bremen, 1. April. Einen sehr frivolen April— 
scherz leistete sich im Bremer Schauspielhaus ein Herr im 
ersten Rang, indem er in das ausverkaufte Haus hineinrief: 
Feuer!“, worauf sich das Publikum im ersten Rang zum 
zröhßten Teil erhob und nach den Ausgängen zu stürmen suchte. 
ks wollte gerade eine Panik ausbrechen, als der Regisseur 
ruf die Bühne trat und das Publikum ermahnte, ruhig zu 
bleiben. Die bediensteten Feuerleute und der wachthabende 
Schutzmann mit Direktor Wiegand suchten sofort alles ab, 
ohne daß die geringste Spur von Feuer gefunden wurde. Es 
trat nach kurzer Zeit vollständige Ruhe ein, das Publikum 
hlieb auf den Plätzen. Es wurde dann sofort weiter gespielt. 
— Der im Bächergewerbe drohende Streik der 
Arbeitnehmer ist in gütlicher Weise beigelegt worden. 
Schleswig⸗Holstein. J 
Kiel, 1. April. Kommerzienrat Holle; der Vor⸗ 
itzende der Kieler Handelskammer, kann am 2. April die 50. 
Wiederkehr des Tages begehen, an dem er in das Geschäft 
der Firma E. Maßmann, deren Inhaber er seit vielen Jahren 
ist, eintrat. — Ue ber die Benzolexplhosion auf dem 
PBanzerkreuzer „York“ werden noch solgende Einzelheiten 
zemeldet: Der im Ausrüstungshafen der Kaiserlichen Werft 
miegende Kreuzer „York“ traf Freitag Vorbereitungen, um Sonn- 
abend in das Trockendock einzulaufen. Aus noch nicht aufge⸗ 
klärten Ursachen entstand um 313 Uhr im Backbord-Wallgang 
„er hinteren Maschine eine schwere Explosion. In dem Wall-⸗ 
zjang lagerte Benzol in explosionssicheren Gefäßen. In diesem 
kRaum erfolgte die Explosion. Eine große Stichflamme jagte 
zurch den Ventilator in den Heizraum, wo die getöteten und 
schwerverletzten Personen beschäftigt waren, und verursachte dort 
das Unheil. Gleichzeitig wurde die Innenwand des Wallganges 
durch die Kraft der Explosion zerrissen und gegen einen 
Kondensator geschleudert. Das entstandene Feuer wurde von 
der Werft-Feuerwehr mit einem Stahlrohr gelöscht. Zur 
schnellen Hilfeleistung erfolgte die Alarmierung der Samariter 
der Werft und der, Kieler Berufswehr. Sie eilten mit den 
hersügbaren Sanitätswagen und den nötigen Mannschaften nach 
der Unfallstelle. Die Getöteten wurden geborgen und die 
Schwerverletzten ins Lazarett gebracht. Der verletzte Werft⸗ 
arbeiter wurde in der Samariterstation der Werft verbunden 
ind konnte dann entlassen werden. Näheres muk die Unter⸗ 
uchung ergeben. . 
Phön, 1. April. In der Sitzung des Kreistages 
vemerkte der Landrat, daß der Haushaltsplan der unerfreu— 
lichste ist, der bisher; aufgestellt wurde. Tas Ausscheiden 
Ellerbeks aus dem Kreise bringe einen jährlichen Ausfall von 
rund 10000 M.Weiter belastet die Erhöhung der Pro- 
binzialsteuer von 19 auf 20 600 den Kreis erheblich. Seit 
1904 habe sich die Provinzialsteuer um 50 00 erhöht. 
Wiyk a. F. 1. April. Bürgermeister Dr. Molden— 
hauer hat von Köln aus, wo er augenblicklich weilt, der 
hiesigen Stadtvertretung die Mitteitnung zugehen lassen, daß 
er mit Ende dieses Monats von der Leitung unseres Stadt— 
wesens zurücktrete. Als Veranlassung zu diesem Schritt gibt 
er an, daß er sich bereit erklärt habe, als iuristischer Beirat 
und stellvertretender Generaldirektor in eine Forst- und Land- 
wirtschaftsverwaltung Oberschlesiens einzutreten. Nur zwei Jahre 
hat Dr. Moldenhauer an der Spitze unseres Badeorts gestanden. 
m Großherzogiümer Mecklenburg. 
—Schwe rin, 1. April. In den Ruhestand trat nach 
mehr als 56jähriger Dienstzeit der Geh. Veterinärrat Ober⸗ 
Tierarzt Dr. med. Friedrich Peters. 
— ———— 
Gemeinnützige Rundschau. 
Frühlingskuren. 
Die moderne ärztliche Wissenschaft hat vieles als un— 
geeignet, vielleicht sogar schädlich erkannt, was den Aerzten 
rüherer Jahrhunderte als heilsam und notwendig erschien. 
Vor allem das Blut hat man in der Gegenwart ganz anders 
u bewerten gelernt, als es von der Vergangenheit beurteilt 
purde, und die regelmäßigen starken Aderlässe, welche man noch 
u Anfang des 19. Jahrhunderts im Frühiahr nicht nur auf 
dem Lande, sondern auch in der Stadt anwendete, um Er—⸗ 
rankungen des Körpers vorzubeugen, wird heute jeder Arzt 
ils eine schwere Benachteiligung des Körpers verwerfen. Und 
»och lag in jener Methode und Mode eine gewisse Berechti— 
uung, der wir auch heute, freilich in anderer Weise, nachzu— 
ommen suchen. Die häusliche Gefangenschaft, zu welcher der 
Winter in unserem Klima die Mienschen verurteilt, hat mit 
»em sie begleitenden Mangel an Bewegung besonders bei 
inem gewissen Wohlleben die unbedingte Folge, daß im Blute 
Stoffe angesammelt werden und der Körper mit einem Ballast 
zeschwert wird, welche die gesundheitliche Entwicklung stören, zu 
merfreulichem Fettansatz führen und der Blutflüssigkeit nicht die 
ür geistige Arbeit und geregelten Stoffwechsel wünschenswerte 
Leichtigkeit erhalten. In Erkenntnis dieser Tatsachen pflegen 
»arum viele Personen im Frühjahr oder Sommer 4-6 Wochen 
n Karlsbad, Marienbad, Kissingen ihren Körper durch eine 
tarke Ableitung auf den Darm gewissermaßen auszuwaschen, 
ohne zu bedenken, daß eine derartige Inanspruchnahme des 
Darmes nicht ohne Schwächung desselben geschehen kann. 
Rach solcher Kur kehren sie dann, angeblich befreit von allem 
körperlichen Zuriel, in die Heimat, vor allem in die Großstadt 
zurück und verfallen hier meistens bald wieder in die frühere 
bewegungsarme Lebensweise, welche allein wegen der an Obst 
und Gemüse reicheren und an Jleisch ärmeren Nahrung in 
der übrigen Sommerzeit bis zum Winter eine verhältnis— 
mäßig günstigere gegenüber der an Fleisch oft ÄÜüberreichen 
Winterkost genannt werden kann. Es ist deshalb unbedingt 
ichtiger, möglichst schon im Winter derartigen belästigenden 
Ansammlungen im Körper durch regelmäßige Bewegungen 
jorzubeugen, und es kann durch Freiübungen und Turnen 
mmerhin zu einem gewissen Teil ersetzt werden, daß die freie 
Natur, daß Berge und Wald uns an den kalten, unfreund⸗ 
ichen Monaten nur in sehr beschränktem Maße zur Verfügung 
gonnabend. den 1. April 191. 
ost ock, 1. April. Prozeß John⸗Marlitt. Die 
auf den 6. April vor der Straflammer des großherzogl. 
dandgerichts zu Rostoch bestimmte öffentliche Sauptverhand⸗ 
ung gegen John⸗Marlitt, den früheren Besitzer von Heiligen-⸗ 
amm, und Genossen wegen Betrugs hat wegen Behinderung 
on Zeugen wieder äbgesehzt werden müssen. Sie wird nunmehr 
m Tonnerstan. 27. April. und an den folgenden Tagen siatt- 
inden. 
cSchönberg; J. April. Diebstähle. Im letzten 
zalbjahr sind in Schlags dorf und Umgegend auffallend viele Dieb⸗ 
rähle begangen worden, bei denen es sich um die Entwendung von 
eidungsftüden handelt. So wurden kürzlich aus der Schlaf⸗ 
ammer der Meyerschen Hauswirtstelle in Schlagsdorf 3 Paar 
damenschnürschuhe und aus der Mädchenkammer der Dickschen 
zvalbstelle daselbst ebenfalls ein Paar Damenschuhe gestohlen. 
ks scheint, als wenn sämtliche Diebstähle von ein und derselben 
herson ausgeführt sind — Zollamtliches. Mit dem 
zjeutigen Tage wird das hiesige Zollamt II vom Hauptzollamt 
Schwerin abgelöst und dem Bezirk des Hauptzollamtes Wismar 
ugeteilt. — Der Gesangverein „Teutonia“ hatte 
m vergangenen Geschäftsijahr eine Einnahme von 1109,75 M 
ind eine Ausgabe von 1084,768 M. Die Mitgliederzahl be⸗ 
rägt 102. In den Vorstand wurden Betriebsleiter Grosser, 
Drechslermeister Renzow, Friseur Fick und Bankbeamter Wegner 
vie dergewählt 
Ein Jagdausflug ins innerste Asien. 
Der Leutnant der angloindischen Armee, Etherton, wollte 
die weiten, unbekannten Gebiete im Herzen Asiens jenseits der 
ßrenzen des indischen Reiches durchstreifen und als leidenschaft- 
icher Jäger seltene Tiere erlegen. Wie er sein verwegenes 
Internehmen verwirklichte, hat er in dem Buche „Quer über 
»as Dach der Welt“, ein Jagd- und Reisebericht durch Kaschmir, 
hilgit, Hunza, Pamir, Chinesisch-Turkestan, die Mongolei und 
Abirien, veröffentlich. Am 15. März 1909 beganun er seinen 
zagdausflug von Lansdowne im Himalaya, 6000 Fuß über 
»em Meeresspiegel. Sein einziger, ständiger Begleiter war 
in Soldat von seinem Regiment, den 39. Garhwal Rifles, 
figan Sing, sein Bursche, der sich trefflich bewährte. Andere 
deute nahm er während des „Ausfluges“ vielfach in Dienst, 
iber sie blieben nur vorübergehend bei ihm und leisteten 
hm selten gute Dienste. Zuerst ging die Reise nach Gilgit; 
der Weg war außerordentlich beschwerlich. denn von allen 
Zeiten drohten die Lawinen. 
Am 20. April ging die Fahrt weiter durch das Kaniuttal, 
von dem aus er durch den Miatakapaß auf das „Dach der 
Welt“ gelangte. Bei den Pamirs angekommen, gab sich 
der Leutnant dem Vergnügen der Jagd hin und wandte sich 
dann nach dem Oberlauf des Yarkandflußes. Bei dieser ge— 
ährlichen und anstrengenden Unternehmung, die ihn durch 
janz unbetretene Gegenden führte, stürzte ein mit sehr wichtigen 
zegenständen beladener Yak in einen Abgrund von 2500 Fukß 
ruf Nimmerwiedersehen ab. Von Yarkand aus mußte Etherton 
vieder betretene Pfade einschlagen, aber das Glück winkte ihm 
n den herrlichen Jagdgegenden des Tianschan. An den ver—⸗ 
hiedenen wichtigeren Plätzen, die er berührte, trat er in 
oller englischer Leutnantsunisorm auf, ward von den chinesischen 
Sehörden freundlich aufgenommen, reichlich bewirtet und tat— 
kräftig für seine Reise unterstützt. 
In diesen fruchtbaren Jagdgefilden erlegte er Mmanch seltenes 
dier; so mehrere asiatische Wapitis und Steinböcke; das längste 
Zteinbockhorn, das er mit fort nahm, war 55 Zoll lang. 
Aber dabei überraschte ihn der Winter, und als er den Altai 
ibersteigen wollte, ward er von der schlimmsten Kälte über⸗ 
ioallen. so daß ihm und seinem Burschen mehrere Glieder er— 
ehen. Sobald aber die Sonne wieder wärmer scheint und 
vir hinaus können aus den Mauern der Stadt in die Berge 
ind die frisch grünenden Wälder, dann ist das die beste 
rrühjahrskur, daß wir zum Stabe greifen und in fröhlichem 
Wandern durch die schöne Welt unseren Körper wieder frei— 
arbeiten von all dem Ueberfluß, der im Winter in ihm auf⸗ 
jzestapelt wurde. Gewiß soll daneben auch eine verständige, 
sauptsächlich aus Vegetabilien bestehende Diät ihn reinigen 
jelfen; aber ebenso wertvoll für die Gesundheit bleibt doch 
ie erfrischende Bewegung in schöner Gegend, bleibt die Durch— 
irbeitung des Körpetrs auf der Wanderfahrt, bleibt das 
atürliche Luftbad, welches trotz Bekleidung die stets bewegte 
duft im Freien uns in so eririschender und kräftigender Weise 
zewäbrt Dre M.. 
* 
Gesundheitliche Auftlärung beim Wohnungswechsel. 
Trotz der Fälle von Wohltätigkeits- und Wohlfahrts- 
estrebungen, die die Gegenwart auszeichnet, ist das gegen⸗ 
eitige Hilfsbedürfnis und das gegenseitige Eintreten für 
inander immer noch recht mangelhaft entwickelt, und teil—⸗ 
ahmslos gehen, besonders in den größeren Städten, die 
neisten Menschen an dem Wohl und Wehe ihres Neben—⸗ 
nenschen vorüber. Und es könnte doch viel Not und Elend 
Ulein durch ein gewisses Zusammenleben der Menschen ver—⸗ 
nieden werden. In dieser Beziehung dürfte nicht an letzter 
ztelle die Aufklärung stehen, die der ausziehende Mieter dem 
inziehenden über die Wohnung gibt. Wo reelle Verhältnisse 
estehen, wird der Vermieter durch eine derartige Aussprache 
n keiner Weise in seinen Interessen geschädigt, wohl aber 
verden dem neuen Mieter dadurch mancherlei Verluste an 
Held und vielleicht auch an seiner oder der Seinigen Ge— 
undheit erspart, wenn der frühere Mieter ihm die gemachten 
zrfahrungen mitteilt. Hauptsächlich über die gesundheitlichen 
Lerhältnisse der Wohnung mühte eine Aufklärung stattfinden, 
iber die Besomung der Zimmer, die Besonnungszeit, über 
die Erwärmung der Wohnung in den kalten und kühlen 
Jahreszeiten und über die ansteckenden Krankheiten, die in 
der Wohnung in dem letzten halben Jahr durchgemacht worden 
sind, und in welchen Zimmern die Kranken gelegen haben. 
Wenn es auch nicht immer die Regel sein muß, so ist es doch 
ehr wohl möglich, daß von manchen Krankheiten Krankheits⸗ 
eime an den Tapeten, am Boden, an der Dedce im Zustande 
der Lebensfähigkeit haften geblieben sind, und für Tuberkulose 
Abend⸗Blatt KRr. 108. 
E 
froren. In elendem Zustande schleppten sie sich schließlich bis 
Zaisan, einer kleinen Niederlassung der russischen Militärpost, 
wo sie in einem durftigen Hospital Heilung und Stärkung 
fanden. Hier berührten sie wieder die moderne Kultur— 
sphäre, und am 17. Februar 1910 bestiegen sie die trans 
sibirische Eisenbahn, die sie nach Moskau führte. X.O. 
Sportnachrichten. 
Deutsche Jachtneubauten 1911. Nach den bisher von 
liegenden Mitteilungen sind nach dem Wassersport in Deutsch⸗ 
land 21 R.⸗Jachten im Bau, während Anfang 1910 45 auf 
Stapel lagen. Einige weitere Bauten werden aber wohl noch 
in nächster Zeit bekannt werden. 
Auf die einzelnen Klassen verteilen sich die Boote wie folgt: 
Neubauten 
aßsße 1911 1910 1909 
m 1 1 
12 2 2 
8 2 5 
9— 4 7. 10 
* 4 511 
9— 6 3 0 
s* 1 15 8 
Fur die Sonderklasse sind diesmal 16 Jachten im Bau 
gegenüber 10 zur gleichen Zeit des Vorijahres. 
Die Jollenklasse zählt 31 Neubauten, die fast ausschließ— 
lich auf Hamburger Werften bestellt sind. Der Rückgang um 
21 Stück gegen das Vorjahr ergibt sich daraus, daß eben 
durch die zahlreichen Neubauten des Voriahres ein guter Teil 
des Bedarfs gedeckt ist -y. 
Buntes Allerlei. 
O.K. Eine Moschee in London. Der ungewöhnliche Plan, 
m Herzen der britischen Hauptstadt für die gläubigen 
Anhänger des Propheten ein mohammedanisches Gottes⸗ 
haus erstehen zu lassen, ist nunmehr gesichert. Die Kosten 
der Erbauung der Moschee werden zum gröhßten Teile 
»on indischen Mohammedanern getragen, aber auch sonst 
n der ganzen mohammedanischen Welt sucht man den Plan 
u fördern, und das Komitee, das sich in London unter dem 
Vorsitz Amir Alis gebildet hat, empfängt täglich neue 
Zuschriften. Nun hat auch der türkische Sultan dem Bau— 
onds eine Spende von 20000 Muäüberwiesen. 
O.K. Der Rüdgang der Sterblichkeit in Frankreich. Die 
neue Sterblichkeitsstatistik gestaltet sich zu einem Ruhmes— 
hlatt für die Errungenschaften der modernen Hygiene. Zeigt 
sich doch, daß viele Krankheiten, die in früheren Jahren 
in der Sterblichkeitsstatistik einen breiten Raum einnahinen, 
mLause der letzten Jahrzehnte »den größten Teil ihrer 
Hefahren eingebüßt haben! Insbesondere auf dem Gebiete 
ʒ»er Kinderkrankheiten kann die moderne Wissenschast über— 
raschend günstige Resultate verzeichnen. Noch im Jahre 
1887 starben in Frankreich an Diphtiheritis mehr als 20 000 
dinder; im Jahre 1909 ist diese Zahl auf 3600 gesunken. 
zIn ähnlichem Maße haben auch die Masern an Gesähr— 
ichleit eingebüßt; die Todesziffer des Jahres 1909 be— 
rägt kaum ein Viertel der Zahlen des Jahres 1887. 
Damals zeigte die Statistik, daß von tausend Kindern 
mehr als 300 in den ersten Monaten zugrunde gingen. 
Jin Jahre 1909 ist die Säuglingssterblichkeit au' 125: 1000 
zesunken. Auch bei der Bekämpfung des Typhus kann 
nan mit Stolz auf die Fortschritte der letzten Jahre 
zurückblicken. Während noch im Jahre 1887 22000 Personen 
der Krankheit erlagen. verzeishhnet das Jahr 1909 nur 
7000 Tote 
AI 
sowie die sogenannten Kinderkrankheiten wäre hier direkt eine 
zesetzliche Regelung zu verlangen. Sobald ein Schwindsüch- 
iger vorher in den Räumen gewohnt hat, so müßte unter 
illen Umständen der neue Mieter darüber unterrichtet werden 
ind es müßte der Vermieter gehalten sein, die Räume vorher 
nündlich desinfizieren und neu tapezieren zu lassen; denn 
venn es auch nicht immer der Fall ist, so kann es doch leicht 
geschehen, daß bei einer vorhandenen Empfindlichkeit der neuen 
Bewohner diese durch die zurückgebliebenen Krankheitskeime 
»er Seuche verfallen und so der Vormieter sie durch die Woh⸗ 
nung anstecht. Aber auch Kinderkrankheiten in der Familie 
des Vormieters, falls der Termin des, Wohnungswechsels 
merhalb des gesetzlichen Ausschlusses vom Schulbesuch fälkt, 
nüßten selbst in jenen Fällen, wo das Gesetz die Desinfektion 
noch nicht vorschreibt, dem neuen Mioeter mitgeteilt werden, da 
derselbe sich doch dagegen schützen muß, daß seine Kinder an 
Masern oder Keuchhusten durch die neue Wohnung erkranken. 
Neben dem gesetzlichen Zwange bei diesen speziellen Krankheits- 
arten wird aber auch sonst die offene Aussprache nur Nutzen 
zringen können, und wenn man die eigenartigen Verhältnisse 
der neuen Wohnung genau kennt, wird dadurch eine Ein— 
teilung der Wohnräume ermöglicht, die gesundheitlich nich— 
unterschätzt werden darf., Dr. M. 
er 2 
Ein Mittel gegen Sonneubrand. * 
d. Unser ärztlicher Mitarbeiter schreibt uns: 
fin neues Mittel gegen Sonnenbrand empfiehlt der Hamburger 
Dermatologe P. G. Unna. Bekanntlich sind es die ultra— 
»ioletten Strahlen des Sonnenlichtes, welche bei besonders 
isponierten Individuen die Haut des Gesichts wie die Binde⸗ 
jaut des Auges heftig reizen und entzünden. Bisher hatte 
nan versucht, durch farbige Pasten diese Strahlen unwirksam 
u machen, allein, sich das Gesicht derartig zu färben, ist 
richt jedermanns Sache. Andere Versuche, mit einer Chinin— 
bsung die ultravioletten Strahlen in Wärmestrahlen zu ver— 
vandeln und so für die Haut unschädlich zu machen, hatten 
bensowenig Erfolg. Nun ist es dem oben genannten Arzt 
zelungen, eine farblose Paste zu gewinnen, die ohne auf⸗ 
ufallen sicheren Schutz gegen Sonnen⸗ und Gletscherbrand leistet. 
die wasserlosliche Salbe besteht aus einem organisch chemischen 
Produkt, dem Aesculin und kommt unter dem Namen Euceri⸗ 
JZalbe m den Bandel.
	        
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