Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

dasenstraße Nr. 2; 3. im Güterschuppen 24. beim Kondstin— 
olatz unterhalb der Konstinstraße. 
Sie sind mit Lagerstellen und dem nötigsten Verband— 
naterial, Fernsprecher und dergl. ausgestattet. Außerdem 
st seitens des Polizeiamts der Transport von Erkrankten 
ind Werletzten durch Beschränkung der ersorderlichen 
Formalitäten nach Möglichkeit erleichtet worden und den 
Bolizeiorganen eine sachgemähe Instruktion zuteil geworden. 
Für die beiden in Lübed selbst beheimateten Kolonnen 
st das in der Schildstraße vom Hohen Senat zur Ber— 
sügung gestellte Kolonnenhaus seitens des Landesvpereins 
weckenisprechend ausgestattet worden. Der Landesverein hat 
für diesen Zweck bisher 921,87 Mäaufgewendet. Außer— 
dem sind an Beihilfen gewährt worden für die Krieger— 
Sanitätskolonne Lübeck 300 M, für die Krieger⸗Sanitäts⸗ 
kolonne Schlutuß 100 Meund für die Genossenschaft 
freiw. Krankenpfleger 200 M. Die Hauptübung hat eine 
Auswendung von 138,55 Museitens des Landesvereins 
erfordert. 
Der Landesverein hat auch im Berichtsjahre wiederum 
der Waldschule eine Beihilfe von 90 Mugewährt. 
Um in der lübeckischen Enklave Nusse die Einrichtung 
einer Gemeindeschwester für die Krankenpflege zu ermöglichen 
und für das erste Jahr sicherzustellen, hat der Lübecker 
Landesverein eine einmalige Beihilfe von 100 Mgewährt. 
Aus dem unter der Verwaltung des Landesvereins 
tehenden Chinafonds sind im Berichtsjahre 4 Unter⸗ 
tützungen von je 50 Mean Ckina- bezw. Abrikakrieger 
Xwährt worden. 
Sechs Samaritervorträge über erste Hilfeleistung sind 
eranstaltet worden, deren Abhaltung Herr Dr. Schwarz⸗ 
veller in dankenswerter Weise übernommen khatte. An 
einem Abend ist außerdem durch einen Vortrag über 
„Esperanto und das Rote Kreuz“ durch Herrn Direktor 
Möbusz das Interesse sür die internationale Hilfssprache 
geweckt und ihre Bedeutung für das Personal des Roten 
Treuzes geschildert worden. Im Anschluß daran ist ein 
ssperantokursus sür eine kleinere Zahl von Kolonnenmit—⸗ 
zliedern ins Leben gerusen worden. Dies erschien um 
o erwünschter, als bekanntlich zu Pfingsten 1911 in Lübeck 
»ie Tagung der deutschen Esperantiien stattfinden wird. 
Dem Vorstande ist im Laufse des Berichtsjahres Herr 
Heneralmajor Eschenburg durch den Tod entrissen worden. 
Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren 
5. G. B. Radbruch, Rat Illing und Dr. Wex 
vurden als ordentliche Mitglieder wiedergewählt. Neu hinzu 
jewählt ist als ordentliches Mitglied Herr Polizeihauptmann 
Hrünweller, während zu außerordentlichen Mitgliedern 
zie Herren Dr. jur. Prieß und Heinrich Sievers neu 
jewählt sind und die übrigen außerordentlichen Mitglieder, 
zia Herren Dr. J. Meyer, Siabsarzt Dr. Paeprer; 
Bürgermeister a. D. Dr. Langenheim, Geheimrat 
Bielefeldt, Dr. Gagzow;, Dr. Hartwig, Rudolf 
Köhn und Direktor Rehder abermals als außerordent— 
iche Mitglieder zum Worstande hinzugewählt wurden 
Reiches Bermächtnis. Der am 5. Februar d. J. in 
Berlin verstorbene Geheime Baurat Carlvon Groß— 
zeim hat in seinem Testament bestimmt, daß dem Senat 
»on Lübed nach dem Ableben seiner Gattin ein Betrag von 
00 000 M für kunstlerische Zwecke zur Verfügung gestellt werden 
oll. Der Verfügung gemäß soll das Kapital vor allem zur 
Frwerbung und Erhaltung von Kunst- und historisch wertvollen 
Hegenständen bestimmt sein. — Diese von einem treuen Sohne 
Lübecks seiner Vaterstadt gewidmete große Schenkung ist ge— 
eignet, einem vielfach empfundenen Mangel an Mitteln für 
die Erwerbung künstlerischer und historischer Gegenstände für 
unsere öffentlichen Sammlungen abzuhelfen. Das Legat wird 
zas Andenken des Entschlafenen für alle Zeiten in Lübeck 
wach erhalten. 
Bürgerausschuin. Die sür Mittwoch angesetzte Versamm⸗ 
hung des Bürgerausschusses konnte wegen Beschlußun— 
sahigkeit nicht stattfinden. Der Workführer gab bekannt, 
dah zur Erledigung der Tagesordnung eine außerordentliche 
Versammlung des Bürgerausschusses am Miftwoch. 5. Apris 
tattfinden soll. 
* Nationalliberaler Verein. Zum Vorstandsmitglied ist 
berr Frahmm, Direktor der hiesigen Filiale der olstenH⸗— 
„ank, gewählt worden. — Wie unms weiter mitgeteilt wird, 
st der Nationalliberale Verein vom Reichsstagswahlverein von 
884 (Nationalliberaler Verein für das hamburgifche Staats⸗ 
zebiet) zur Teilnahme an der Erinnerungsfahrt nach 
Friedrichsruh, die dieser Verein am 1. April, dem 
veburtstage Bismards, veranstalten wird, eingeladen. 
O Die Lübecder Maschinenbaugesellschaft. Ueber die Art 
ind den Amfang, in der die Akt.Ges. Orenstein & Koppel 
»en Anschluß der Lübechker Maschinenbau-Akt.Ges. bewerl— 
ttelligen will, verlautet noch nichts bestimmtes. Es wird so gar 
in als zuständig geltenden Bankkreisen die Notwendigleit einer 
Kapitalserhöhung bei Orenstein nicht unbedingt zugegeben. 
Aus der Qualität der letzthin und so auch gestern wieder 
in der Berliner Börse auftretenden Käufe für Orenstein-Aktien 
cheint indes hervorzugehen, daß eine Finanzoperation beson⸗ 
oeren Charakters winkt. Gestern taxierte man die Umsätze 
allein auf etwa 1 Mill. MOrenstein⸗-Aktien. 
Wenn auch die gestrige Generalversammlung die Be— 
tätigung brachte, daß die Firma Orenstein Koppel 
nit Hilfe der hinter ihr stehenden Bankgruppe Deuitlche 
Bank⸗Dresdner Bank zu dem ca. 500 000 M alten 
Bestande an Lübecker Maschinenbaugesellschafts-Aktien noch 
erhebliche Posten weiterer Aktien aufgekauft hat. so umnn 
nan an, daß sie diese letzteren Aktien nicht gerade billig 
erstanden hat. Denn die Kurse an der Börlse dokumentierten 
zanz offensichtlich wieder hochgespannte Erwartungen. Der 
kinfluß, den die Orenstein K Koppel Akt.“Ges. auf das 
Lübecker Konkurrenzunternehmen genommen 
hat, tritt nach außen hin dadurch in Erscheinung, daß der 
Syndikus der Orenstein & Koppel⸗Gesellschaft, Dr. Lands⸗ 
zerger in den Aufsichtsrat der Lübeder Maschinenfabrik ge⸗ 
vählt worden ist. Ueber den Entschluß des Herrn Bam⸗ 
verger, sein Aufsichtsratmandat niederzulegen, werden die 
Aktionäre der hiesigen Maschinenfabrik keine Ursache haben, 
ihr Bedauern auszusprechen. Er dürfte wohl nicht nur auf 
die ihm gewordenen Angriffe hin erfolgt sein, sondern noch 
nehr auf das Verständigunasprogramm zurüdaefihn wor den 
nürfen. 
Nebrigens erinnert die Einflußnahme der Orenstein & 
Joppel- Gesellschaft auf die Lübeder Maschinenfabrit sehr an 
ie Aufsaugung eines früheren Konkurrenzunternehmens, der 
AUrthan⸗Koppel-Gesellschaft. durch Drenstein Koppel. Hierbei 
atue geichsalls eine inners Desorganisafion die Angliederungs 
läne der Orenstein-Gesellschaft erleichter. Im jetzigen, wie 
m früheren Falle wird es wohl trotzdem ohne eine namhafte 
dapitalserhöhung der Orenstein F Koppel-Gesellschaft nicht ab⸗ 
ehen, zumal da zurzeit auch von Verständigungsplänen der 
Renstein K Koppel-Gesellschaft nit ausländischen Konkurrenz⸗ 
nternehmungen noch die Rede iill. 
Nachtrag. In der kritischen Betrachtung der heutigen 
Norgenausgabe muß es in der 10. Zeile des 4. Absatzes 
atürlich stattt „nicht unerhebliche Verlhuste“ „nicht uner⸗ 
ebliche Vorteile“ heißen, was sich übrigens ja auch aus 
zem ganzen Zusammenhang klar ergibt. 
Deutsche Lebensversicherungsgesellschaft in Lübeck. In 
er heute abgehaltenen Generalversammlung der Aktionäre 
purde die Jahresrechnung für 1910 genehmigt und dem 
lufsichtesrate und Vorstand Entlastung ertgilt. Der aus 
em Aufsichtsrate scheidende Herr C. A. Siemssen wurde 
purde wieder zum Mitglied des Aufsichtsrates gewählt 
ind der gleichfalls als Revisor ausscheidende Herr Senator 
. Kulenkamp wieder zum Revisor berufen. Aus dem 
Reingewinn erhalten die Aktionäre als Dividende 
15 625 Mund die Versicherten 1415 769,34 M. Außerdem 
zerden dem Ausgleichungssonds 315 000 M, der Hypotheken⸗ 
eserve 65 000 M, dem Sparfonds für die Altionäre 
6575 Meund der Beamten⸗-⸗Pensions- und Witwenkasse 
O000 M überwiesen. Die Gewinn- und Verlustrechnung 
owie die Bilanz der Gesellschaft werden im Inseratenteile 
der nächsten Nummer verösfentlicht werden 
Verbandstag Deutscher Kunftgewerbevereine in Magde⸗ 
hurg. Die Fragen, die heute das deutsche Kunstgewerbe be— 
onders bewegen, wie zum Beispiel Wettbewerbs- und 
zubmissionswesen, wird auch der Delegierten- 
ag des Verbandes Deutscher Kunstgewerbever— 
ine in Magdeburg am 1. bis 3. April eingehend be— 
andeln. Bemerkenswerte Wünsche aus der Praxis, wie über 
sie Tradition der Formen und über die Kalenderreform 
ollen ebenfalls zur Beratung kommen, und endlich wird 
ich der Verband auch mit den Wanderausstellungen beschäf— 
igen, die er zum großen Vorteile des Kunstaewerbes seit meh⸗— 
eren Jahren unterbhält. 
S Wohltãtigleits-Vorstellung zum Besten des Kinder hilfs⸗ 
ages. (GBlumentag am 24. Mai.) Lübecker Dilettan— 
enverein. Der große Sagl der Flora war leider nicht 
o gut besetzt. wie man dem gemeinnützigen Unternehmen 
ind dem Lübecker Dilettantenverein gewünscht hätte. Zu Be— 
jinn trug Herr Arihur Möller einen Prolog von Karl 
dindermann schwungvoll vor, in dem sinnig auf den kom— 
nenden Frühling, als die Zeit der Freude hingewiesen und 
ur Wohltätigkeit aufgefordert wird, um diese Freude auch 
n die Reihen der Kleinen und ihrer Eltern zu tragen, indem 
hnen geholfen wird. Dann wurde das Lustspiel in 4 Akten 
on Adolf L'Arronge „Haus Lonei“ gegeben. Es ist eins 
on des fruchtbaren Dramatilers schwächeren Stücken, Schlin— 
ung und Lösung des Konfliktes sind gesucht, ebenso die 
zeschichte des mit Milch geschriebenen Briefes, die aber der 
zerfasser mit bewährter Routine zu sehr drolligen Szenen 
es letzten Attes verwandt hat. Das Lustspiel hat für 
ARilettanten manche Schwierigkeiten; alle Mitwirkenden gaben 
ch redlichste Mühe, sie zu überwinden. Arth. Möller, 
elcher die Spielleitung innehatte, spielte den etwas auf 
iner Familie lastenden Vater Lonei, während Marga 
»amann, Vaula Schlegel und Karl Deutschland als 
ine nächsten Angehörigen ihn ebenfalls mit gutem Erfolg 
nterstützten. Den drolligen Bruder der Frau vom Hause 
erklörperte Heinrich Grote zur Freude der Hörer. Die 
dlige Sippe war bei Idd Mad-Berckenhout und 
kduard Schröder gut aufgehoben. Walter Wilhelm 
pielte einen hochnasigen Bedienten und Karl Blöß war der 
»dle und gefeierte Schauspieler, der die Braut heimführt. Der 
Beifass war stark und herzlich. 
S Zwaungsverlünfe. Im Termin vor dem Amtsgerichte 
am 28. März 18911 wurde das Grundstück An der Unter⸗ 
trave Nr. 9 dem Arbeiter Johann Friedrich Dähn zu Lübed 
ugeschlagen für das Gebot von 7427,12 M, das der Gärtner 
zans Heinrich Wilhelm Beitel am 21. Mär; 1911 abgegeben 
uind nachträgalich an Dähn abgeftreten hat 
* 
Buntes Allerlei. 
C.K. Der Wirt von Shakespeares Stammneipe. Die be— 
ühmte Mermaid-Taverne, in der Shakespeare, Ben Jonson 
ind andere Dichter des Elisabethanischen Zeitalters ihren 
Stammtisch“ hatten, spielt in allen Erzählungen, die sich 
nit dem größten englischen Dichter beschäftigen, eine Rolle. 
luch die köstlichen Wirtshausszenen, in denen Falstaffs Ge— 
talt im Mittelpunkt steht, sind mit diesem Gasthof in Ver— 
indung gebracht worden. Verehrer Shakespeares wird es 
iteressieren, etwas von dem Wirt dieser „Stammkneipe“ zu 
rfahren. In der genealogischen Arbeit eines gewissen Peter 
llis, der sich zu Anfang des 17. Jahrhunderts mit Familien 
es nördlichen Wales beschäftigte, wird auch das Geschlecht 
er Lloyds erwähnt, und unter den Mitgliedern dieser Fa— 
rilie ein gewisser Richard Lloyd als Wirt der Mermaid- 
'averne. Freilich ist dieser Richard Lloyd etwa 1587 ge— 
oren, konnte also, als Shakespeare in dem Gasthaus ver— 
ehrte, noch nicht selbständiger Besitzer sein. Aber es ist 
hr wahrscheinlich, daß er seinem Vater als Mermaid-Wirt 
achgefolgt ist. Lord Howard sprach über die Möglichkeit, 
ahß der alte und der junge Lloyd Freunde Shakespeares ge— 
desen seien und daß einer von ihnen zu der Gestolt doeg 
istol Modoll gestanden habe. 
C.K. Ein Land, in dem es nur alle zwöolf Jahre regnet. 
zin Land, in dem es nur alle zwölf Jahre regnet, ist 
as südafrikanische Betschuanenland. Der italienische Missionar 
zater Porte macht über diese ungewöhnliche meteorologische 
erscheinung einige Angaben. „Es ist seltsam, überall in 
en Nachbarländern regnet es, nur nicht bei uns. In 
ransvaal und im Basutoland ist der Mais und das 
daffernkorn bereits drei Fuh hoch; hier war es nicht 
inmal möglich, zu säen. Livingstone schilderte bereits vor 
5 Jahren das Land als unfruchtbar, seine Beobachtungen 
aben gezeigt, dah im Betschuanenland nur alle 12 Jahre 
in richtiger Regen niedergeht; dann herrscht im Lande 
itel Freude, in den Dörfern werden Erntefeste gefeiert, 
ind alles jubelt. Der Vorstellungskreis der Eingeborenen 
st auch nur von dem einen Problem beherrscht: Regen 
uu erlangen. Ihre Religion besteht nur aus abergläubischen 
Bräuchen, durch die sie Regen herbeilocken wollen, und 
azu gehört auch die Vorschrift, die den Negern ver— 
zetfet, z3u arbeiten“ 
2 
Neuefte Nachrichten und Telegramme. 
Der Wortlaut der chmesijchen Antwort. 
W. Petersburg, 28. März. Am 27. März händigte der 
hinesische Minister des Aeußern dem russischen Gesandten in 
Beking die Antwortnote mit folgendem Wortlaut ein: 
„Das mir anvertraute Ministerium hat die Pflicht, bezüglich 
»er Note der russischen Regierung zu erklären, daß es seinen 
Standpunkt in den Mitteilungen vom 19. Februar und 18. März 
ingehend präzisiert habe, der, genau genommen, keiner Be— 
tätigung bedürfe. Im Hinblick auf die Forderung Eurer 
Exzellenz gibt das Ministerium ihm die gewünschte Bestätigung, 
im künstlich hervorgerufene Mißverständnisse zu beseitigen. Be— 
reffend die Errichtung von Konsulaten in Kobdo, Hami und 
ßutschen sprach das Minmisterium in der ersten Antwort seine 
»olle Zustimmung aus. In der zweiten Antwort stimmte es 
er Errichtung des Konsulates in Kobdo zu, wobei es Ihre 
ẽrklärungen in Ihrer ausschließlich Kobdo betreffenden zweiten 
stote im Auge hatte, und durchaus nicht das Recht der Er⸗ 
ichtung von Konsulaten an in den Verträgen vorgesehenen 
anderen Punkten in Abrede stellte. Was die Monopolfrage 
n der Provinz Sinisian betrifft, beehrte sich das Ministerium 
n der zweiten Antwort zu erklären, handeltreibende russische 
Intertanen würden an allen Orten südlich und nördlich Tiang⸗ 
chang hinter der chinesischen Mauer unter den gleichen Be— 
ingungen wie Chinesen ohne irgendwelche weitere Be— 
chränkungen gestellt werden. Dies beweist, daß China keinerlei 
Monopole anstrebt. Das Ministerium erklärte in der ersten 
Antwort über den zollfreien Handel der russischen Unter—, 
anen in der Mongolei und Westchina, China werde streng 
on der Bestimmung des Artikels 12 des Verirages von 1881 
eleitet., wodurch es auch das Recht des zeitweiligen zollfreien 
zandels der russischen Untertanen in der Mongolei und in 
Westchina anerkannte. Eine derartige Anerkennung kann keines⸗ 
alls eine Nichtachtung der Vertragsrechte genannt werden. Im 
Ugemeinen muß gesagt werden, daß freundschaftliche Be— 
iehungen zwischen China und Rußland seit alten Zeiten be— 
tehen. In allen Grenzangelegenheiten werde man auf beiden 
Zeiten ganz und gar von den Vertragsbestimmungen geleitet 
uind festige die gegenseitige Freundschaft. Von einem solchen 
Ztandpunkte ausgehend, entgegnete die chinesische Regierung 
zichts gegen die in der russischen Note vom 16. Februar auf—⸗ 
nestellten Punkte, indem sie sich mit der auf den Vertrags— 
irtikeln fußenden Handlungsweise der russischen Regierung in 
kinklang zu setzen wünschte. Auf solche Weise die Recht⸗ 
näßigkeit und Uebereinstimmung der russischen Forderungen 
mit dem Vertrage bestätigend, habe ich die Ehre, Eure 
Erzellenz zu bitten, Vorstehendes zur Kenntnis der russischen 
Regierung zu bringen.“ 
W. Petersburg, 28. März. Das russische Ministerium 
des Auswärtigen richtete nach Kenntnisnahme der Aut—⸗ 
vort des chinesischen Ministers des Aeußern an den russischen 
Hesandten in Veking folgendes Telegramm: 
„Der Kaiser drückt Ihnen sein allerhöchstes Wohlwollen 
für den günstigen Abschluß der Verhandlungen aus und 
spricht seine Genugtuung über den weisen Entschluß der 
chinesischen Regierung aus. Die Rechtmäßigkeit der Ueber— 
einstimmung der Punkte unserer Note mit den Vertrags— 
bestimmungen bestätigend und den chinesischen Ministern Vor— 
stehendes zur Kenntinis bringend, wollen Sie namens der 
kaiserlichen Regierung die Ueberzeugung aussprechen, die 
hinesische Regierung werde die Bestimmungen heilig halten 
uind ihre Entscheidung werde somit als Unterpfand für die 
veitere Festigung der von altersher zwischen Rußland und 
China bestehenden Freundschaftsbande dienen.“ 
W. Petersburg, 28. März. Die St. Petersburger Tele— 
zraphen-Agentur meldet aus Peking: Die hiesige offiziöse 
Presse spricht ihre Genugtuung über die Beseitigung der gegen— 
eitigen Mißverständnisse aus, die nicht so ernst gewesen seien, 
um die traditionelle Freundschaft zu verletzen, und noch weniger. 
um einen ernsten Konflikt hervorzurufen. 
W. Wladiwostot, 28. März. In Paotingfu (China) 
ist eine Militärverschwörung entdeckt worden. Ein 
Teil der 6. Division ist mit den Waffen in der Hand desertiert. 
Im einem Aufstand vorzubeugen, Osind in Veling entschiedené 
Maßnahmen getroffen worden. 
Der Entwurf des amerikanischen Schieds gerichtsvertrages. 
W. Wajshington, 29. März. (Meldung des Reuterschen 
Zureaus.) Der schriftliche Entwurf des englisch-amerikanischen 
zchiedsgerichtsvertrages macht solche Fortschritte, daß Prä— 
ident Taft hofft, ihn dem Senat bei der herannahenden 
ußerordentlichen Tagung vorlegen zu können. Die Ver— 
'asser wollen ihn zu einem Muster für zukünftige Verträge 
nachen, er soll tatsächlich in jedem Streitfall die schiedsdericht- 
iche Lösung vorsehen. 
Der Aufstand in Wiexilko. 
W. Kanada (Wiexiko), 28. März. Berichte der Regie— 
ungstruppen melden von einer Niederlage der Aufständischen 
jei Somosillo. Siebzig von ihnen sollen getötet und über 
zundert verwundet worden sein. Die Bundestruppen hatten 
sechzehn Tote und zwanzig Verwundete. 
Demonstration für Pfarrer Jatho in Berhn. 
W. Berlin, 29. März. Eine nach mehreren Tausen⸗- 
den zählende Menge hatte sich gestern in der Hasen⸗ 
je id e zusammengefunden, um an einer vom Proiestanten-⸗ 
berein in Gemeinschaft mit anderen kirchlichen Vereinen ver— 
anstalteten Demonstration teilzunehmen und 
degen die Maßnahmen des Oberkirchenrates in Saochen 
des Rrarrors Jatfbo in Köln zu protestieren. 
W. Verlin, 29. März. Geitern traten wie alljährlich die 
sreußischen Regierungs⸗-Gewerberäte zu einer 
»reitägigen Verhandlung zusammen zur Beratung 
iber dienstliche Angelegenheiten im Handelsministerium. 
W. Verlin, 29. März. Der Abg. Kopsch ließ den Zei— 
ungen eine Erwiderung auf die Verwahrung des General—⸗ 
ntendanten gegen die Angriffe auf die Leitung der Königlichen 
ODyer zugehen. 
W. Paris, 29. März. Der Jeichner Lebegue, der den 
Deutschen Barenz verwundete, wurde vorläufig in Freineif 
gesetzt. 
W. Varis, 29. März. Zwölf Ruhestörer, die die Ver—⸗ 
zandlungen gegen den Camelot du Roi Lacour störten, wur—⸗ 
den zu Strafen von einem bis fünfzehn Monaten Gefängnis, 
ohne Aufschub, verurtellt. Die Verhandlung gegen Lacour 
wird morden fortoesekßt
	        
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