Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
reis fur das Vierteljohr 330 Wart einschuehüch 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen —— 
LReĩtellaeld 330 Marl. Einzelnummern 10 Pfg. 
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Anzeigenpreis (Ausgabe A und B) für die 5gepp. 
Zeile 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
v Pig., für Auswärtige 30 Pfg., s. Geschäftl. Mit⸗ 
teilungen 1Mt. d. ZJeile. Tabelen⸗ u. schwieriger 
Satz den Anforderungen entsprechend höher. o 0 
Beilagen: Vaierstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lubed 91. Jahrgan RXaqͤrichten für das Herzogtum Sauendurg, die 
heiblatt: Gesetze und Verordnungsblatt Br —— hres ug „urstentũmer Katzeburg, Lübeck und das angren 
—E — E ———— —S——— zende medlenburgische und holsteinliche Gebiet. 
Drugs und Verlao: Gebrüder Bozrsers G.m. b. H. in Lüded. — Gelchẽftstelle Adreßz haus (Konioftr atty Fernivrechet — R. vooi. 
Ausgabe 
* 
(Großze Ausgabe) Mittwoch, den 29. März 19g43. Abend⸗Blatt Ur. 162. 
— 5— — —⸗— 
wir recht unterrichtet sind, auch Oesterreich-Ungarn als Mono— 
»olgebiet, Havas außer Frankreich Spanien, Italien, Algier 
ind die fraͤnzösischen Kolonien, und Reuter bekam die übrige 
Velt. Die drei Agenturen tauschen jetzt ihre Nachrichten aus. 
Volff muß aber für den Bezug der Havas- und Reuter-De— 
eschen noch etwas zuzahlen, offenbar weil es sich bei diesen 
etzteren vielfach um teure Kabelmeldungen handelt. Dieser 
bertrag besteht auch heute noch. Er hat die Nachrichten-— 
Rermittelung gefördert, aber dem Wolffschen Bu— 
eau die Möglichkeit genommen, außerhalb des 
hm überlassenen Betriebsgebietes eigene 
lLgenturen zu errichten. Dieser Mangel miacht sich 
im so fühlbarer, je mehr die deutschen Inter— 
ssen auch im Auslande zur Geltung gekommen 
ind und dort auch mehr und mehr auf andere Interessen 
oirtschaftlicher und politischer Natur stoßen. 
Um nun dem Bedürfnis nach eigenen, dem deutschen In— 
eresse Rechnung tragenden Depeschen abzuhelfen, hat sich 
n Berlin vor einigen Jahren eine Kabelgesellschaft gebildet, 
eren Depeschen vom Wolffschen Bureau mitvertrieben werden. 
Ddiese Gesellschast hat aber wohl wegen des großen Kosten— 
zunktes einen ausgedehnten Dienst hisher nicht einriciten 
önnen. 
Unter diesen Umständen ist es denn zu begrüßen, 
aß dem AUswärtigen Amteigensfüreinenbesse— 
en Nachrichten dienst aus dem Auslande 300 000M 
»on der Budgetkommissionzzur Verfügung gestellt 
vorden sind. Allerdings kann damit auch nicht viel angefangen 
verden, und natürlich soll diese Summe zunächst nur für 
imtliche Zwecke verwendet werden, insbesondere für den Ver— 
ehr unserer diplomatischen Vertretungen im Auslande mit 
zerlin. Aber indirett wird auch die deutsche Zei— 
ungswelt davon Nutzen haben. Denn das Aus— 
bärtige Amt selbst hat das größte Interesse daran, 
vichtige Nachrichten aus dem Auslande und nament— 
ich aus fernen Weltteilen zur allgemeinen Kennt— 
tis zu bringen. Dabei wäre es allerdings sehr wünschens— 
vert, wenn diese Nachrichten auch auf einem anderen Wege 
n die Redaktionen gelangen könnten, als allein durch das 
Wolffsche Bureau. Denn seine dominierende Stellung im deut— 
chen Nachrichtendienst wird heute von einem großen Teil 
ger deutschen Presse als sehr schwere Last empfunden. 
Die Ausführungs-Bestimmungen zur Reichs⸗ 
—AX 
(Telegramm.) 
Wie die Nordd. Allg. Zig. schreibt, werden in den 
rächsten Tagen vom Reichsschatzanit d'e Ausführungs⸗ 
ßestimmungen zur Reichs-Zuwachssteuer in den 
vei jeder Postanstalt erhältlichen amtlichen Nachrichten üher 
»2 Qumachkssteuer verõffenilicht werden. 
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Erstes Blatt. Biorzu 2. Blatt. 
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Amsang der heutige ummer 8 Seisshc. 
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Nichtamtlicher Ceii. 
Der deutsche ausländische Nachrichten⸗ 
dienit. 
D. Lübeck, 29. März. 
Seitdem der Erdball mit einem millionenfältigen Netz 
keiner Drähte umsponnen ist, welche den Gedankengaustausch 
der Kulturwelt schnell vermitteln und mit ihrem geheimnisvollen 
Summen die politischen Lebensfragen und ungeheureWirtschafts⸗ 
güter in Bewegung setzen, da ist auch gleichzeitig der Nach— 
zichtendienst das Lebenselement der zivilifierten Völker ge— 
worden. Dieser Erkenntnis hat die Budgetkommission 
des Reichstages Rechnung getragen, indem sie den Geheim— 
sonds für das Auswärtige Amt in Höhe von 1 Million 
weiterbewilligte, aber die Mehrforderung von 300 000 Menur 
zenehmigte zur Verbesserung des Nachrichtendienstes aus dem 
Auslande. Ueber die Verwendung der letztgenannten Summe 
vird das Auswärtige Amt vertraulich Rechenschaft ablegen, 
vährend die Geheimfonds der Kontrolle des Reichstages 
nicht unterliegen. 
Die Verbefsserung des Nachrichtendienstes ist 
illerdings dringend nötig. Die deutsche Zeitungswelt 
st hauptsächlich auf die Depeschen des Wolff— 
schen Bureaus angewiesen, soweit das entferntere Aus— 
sand in Betracht kommt. Das genannte Bureau bezieht aber 
seine Auslandsdepeschen zumeist von Havas in Paris und 
Neuter in London. Daher kommt es, daß diese De— 
peschen nicht selten französisch oder britisch ge— 
färbt sind. Das gilt namentlich, wenn es sich nicht aus— 
ichließlich um tatsächliche Mitteilungen handelt. Dieser Uebel— 
tand ist vom deutschenationalen Standpunkt aus schon oft be— 
tlagt worden, aber etwas Durchgreifendes ist dagegen bis jetzt 
richt geschehen. 
Es gab nun eine Zeit, in welcher die drei Bureaus Wolff, 
havas und Reuter miteinander in Konkurrenz standen, ja 
keuter setzte sich eines Tages sogar in Berlin fest. Das 
var im Anfang der 70er Jahre. Er wollte das Wolffsche 
Bureau aus seinem eigensten Gebiete verdrängen, was ihm 
reilich nicht gelungen ist und seit den Beziehungen zwischen 
Wolff und der Regierung auch nicht gelingen konnte. Der 
Konkurrenzlampf führte indes hier wie in vielen anderen 
Fällen zu der Einsicht, daß es geschäftlich besser sei, sich zu 
berständigen — und so kam denn zwischen den drei De— 
veschenburegaus ein Vertrag zustande, durch den 
ie die ganze Welt unter sich teilten. Wolff erhielt 
abei ünkor Detreereed Se dinanien, Rußkland und. wenn 
A — 
Die Ausführungsbestimmungen sehen die Einrichtung von 
Zuwachssteuerämtern und Oberbehörden vor, 
ie⸗durch das Zentralblatt für das- Deutsche Reich ver—⸗ 
ffentlicht werden sollen. Das Verfahren hat drei Ab— 
chnitte, erstens die Mitteilung und Anmeldung des Steuer⸗ 
alles, zweitens das sogenannte Vorverfahren, nämlich die 
Feststelling, ob eine Steuerpflicht vorliegt, drittens das 
ogenannte Hauptversahren, näml'ich Veranlaguna und Er— 
ebung. 
Für die Anmeldungspflicht kommen die Grund— 
uchämter, die Registergerichte, Notare, sonstige 
Irkundsbeamten und einzelne Steuerpflichtige in Be— 
racht. In normalen Fällen, insbesondere wenn der Abschluß 
er notariellen Kaufgeschäfte und sodann die Auflassung 
ind die Eintragung ins Grundbuch stattsindet, hat der 
Zteuerpflichtige von sich aus nichts zu veranlassen? Was 
as Vorverfahren betrifft, so soll das Zuwachs— 
teueramt auf Grund seiner eigenen Sachkenntnis und 
er ihm zugegangenen Mitteilungen prüsfen, ob über— 
aupt ein steuerpflichtiger Fall gegeben ist. Insbesondere 
ollen die Feststellungen des Vorversahrens darauf gerichtet 
verden, ob überhaupt der Steuerbetrag von 20 Muerreicht 
verden wird, damit Fälle, in denen der Steuerbetrag 
ich unter 20 Mekält, von vornherein ausgeschieden werden, 
asie nach 8 28 Abs. 3 steuerfrei zu veranlagen lind. 
öerst wenn feststeßi, daß es zu einer Steuerjestsetzung von 
nehr als 20 Mekommen wird, tritt das Zuwachssteuer— 
imt an den Steuerpflichtigen heran, indem es ihm einen 
Vordruck sür die Zuwachssteuer-Erklärung übersendet. Um 
ie Eintragung zu erleichtern, wird eine Muster— 
rklärung von der ReichzFinanzverwaltung veröffent- 
icht werden. Die Angaben der Zuwaächssteuer-Erklärung 
verden sodann einer Prüsung unterworfen. Nach Abschluß 
er Ermittelungen wird die Steuerberechnung zu den Alten 
ufgestellt und dem Steuerpflichtigen der Zuwachssteuer⸗ 
escheid zugestellt. Denn Grundeigentümer soll auch er— 
aöglicht sein, auch ohne Veräuherung von der Steuerbe— 
örde über die visher feststellbaren Berechnungsgrundlagen 
eine Erklärung zu erhalten. 
Das Reichsschazamt wird auch in der nächsten Nuntmer 
»er amtlichen Mitteilungen über die Zuwachssteuer Er— 
äuterungen zu den einzelnen Gesetzesbestimmungen und e'ne 
gemeinverständliche Darstellung des Gesekes alsbaid ver— 
öffentlichen 
2 J * * o 
Rein Streikrecht der Staatsarbeiter. 
Von einem Parlamentarier wird uns geschtieben: Die 
Debatten zum Reichseisenbahnetat haben Einstimmigreit 
inter den bürgerlichen Parteien darüber ergeben, daßz den 
Reichs⸗, Staats- und Kommunalarbeitern ein 
Streikrecht nicht zuerkanunt werden kann. Mur 
— — 
das beste Fremdenzimmer her und heißzt Dich schon im vuoraus 
willkommen — ebenso wie dein Karl.“ 
Es war ein lieber Brief, der Gerhard wohltat und ihn 
iberzeugte, daß der Vorschlag richtig und gut war. Von 
iner Anmeldung zu Hause brauchte nicht lange im voraus 
»ie Rede zu sein. Er wußte ja, daß der Bestimmung der Wiutter 
zemäß sein Zinmer für ihn zur Verfügung stand. Etwaige 
Borbereitungen brauchte man für ihn nicht zu machen. 
So ging er nach einigen wenigen Ruhetagen, die er zum 
zrößten Teil in freier Luft verlebte, an die Erledigung seiner 
zeschäftlichen Arbeiten. Einen Frachtkoffer mit Wäsche, einem 
zuten Gesellschaftsanzug und anderen notwendigen Kleinig— 
eiten, sowie Bücher und Noten hatte er bereits nach Olden— 
jurg vorausgeschidt. Er wollte dort im Gasthof schlafen 
ind nur tagsüber so viel als tunlich bei Karl sein, der ja keine 
igene Häuslichkeit hatte. So war er frei, wenn Karl be— 
schäftiagt war, und konnte nach Belieben kommen und gehen. 
Während seiner Schreibereien und Abrechnungen wanderten 
'eine Gedanken in vereinzelten Pausen, die er bei der Arbeit 
nachte, unwillkürlich zu seinem Prinzipal und dessen häus— 
ichen Verhältnissen, besonders zu Adelina hinüber. Der Ge— 
anke an sie bereitete ihm eine wirkliche Pein. Ihre Hin— 
jebung und ihr blinder Glaube an jenen charakterlosen Selbit- 
üchtling mußte ihr Verhängnis werden. Was wollie sie nur, 
venn sie seine, Gerhards, Hilse anrief? Wenn er doch offen 
ind ehrlich mit ihrem Vater sprechen dürste! Fast schien 
s ihm Pflicht zu sein. 
Ob sie wirklich kommen würde? Sie war in ihrer großen 
krregung zu jeder Unvorsichtigkeit fähig. Wenn er au den 
jewissenlosen Hallberg dachte, der ihre Unerfahrenheit und 
Invorsichtigkeit rücksichtslos nach allen Richtungen hin aus— 
ubeuten imstande war, so brannte es in ihm vor Angst, 
„chant und Zorn. Am liebsten wäre er einer nochmaligen 
ßegegnung ausgewichen, denn sein körperliches Besinden war 
diesen Anstrengungen kaum mehr gewachsen. Aber er wollte 
ich und ihr auch nicht die Möglkichleit einer erleichternden 
Aussprache, einer Klärung der unseligen Sachlage abschneiden. 
Mochten also die Dinge ihren Lauf nehmen. 
Gegen Abend war er mit seinen Briefen und Berech— 
nungen fertig; er verichloßk alles in der Kallette. weiche quch 
Ob sie wohl kommen wird? 
Roman von Renata Greverus. 
(17. Fortsetzung.) (Nachdrucdk verboten.) 
„Die Portolasse, nicht wahr?“ fragte Herr Allmers. 
Legen Sie Ihre Abrechnung mit zu dem Kassenbestand. 
die Kassette ist ja feuerfest. Meinetwegen erledigen Sie von 
den Angelegenheiten so viel wie möglich in Ihrer Wohnung. 
die haben Ruhe nötig, und im Kontor ist dieser Tage so viel 
Anruhe und Arbeit. Vor Ihrer Abreise bringen Sie alles 
jerüber und verschließen, wenn ich selbit oder der Prolkurist 
nicht zur Stelle sein sollte, alleßs in dem Gewahrsam im 
Kontor.“ 
Dann fragte er nach seinen Reiseplänen. „Gewisses weiß 
ch noch nicht,“ erwiderte Friesing. „Vielleicht hat mein Freuud, 
Doktor Rüder, einen annehnbaren Vorschlag zu machen. Ich 
außte ihm versprechen, ihm von dem Ergebnis der ärztlichen 
donsultation Mitteilung zu machen.“ 
„Und Ihre Mittel?“ fragte Allmers. „Sie verzeihen — 
s ist nicht Indiskretion — reichen dieselben zurzeit für eine 
ngere Ferienreise aus?“. 
Gerhard erwiderte offen, daß er die Zinsen seines mütter— 
ichen Vermögens nicht verbraucht und auch kleinere und größere 
Summen von seinem Gehalt erübrigt habe. 
TDer Prinzipal nidte. „Sie retzeihen, Friesing: Ii Ihr 
tapital groß? Sie wissen, mich treibt keine leere Neugierde 
u der Frage.“. 
„Für einen Kaufmanm sind wohl zwanzigtausend Taler 
ein großes Kapital; aber meine Bedürfnisse sind nicht groß, 
and es wird sich später vielleicht vorteilhafter anlegen laffen“ 
„Ja, ja,“ unterbrach ihn Allmers. „Und das Geld ist 
icher angelegt? ree bem 
„Ja, ich kann vorläufig nur an die Zinsen kommen.“ 
Man besprach noch das Nähere über die etwaigen Grenzen 
e⸗ Urlaubs, dann verabschiedete der Prinzipal den jungen 
Wiann mit den herzlichsten Wünschen für eine baldige Wieder-⸗ 
herstellung seiner Gesundheit. V 
„Wemm Sie genesen sind, sprechen wir wekter, lieber Frie⸗ 
ing,“ sagte Allmers aufmunternd. „Vielleicht reicht dann 
ie Kraft für die Tropen, oder es findet sich hier ein ent— 
prechender Spielraum für Ihre Kräfte. Im übrigen stehe 
ch Ihnen mit Rat und Hilfe jederzeit zur Verfügung, auch in 
zhren persönlichen Angelegenheiten.“ Der Nachdruck, den All— 
ners auf diese letzten Worte legte, entging Gerhard, aber 
ex nahm mit warmen, dankbaren Gefühlen Abschied und ging 
angsam nach seiner Wohnung. Tort schrieb er an seinen 
zreund, berichtete von dem Stande der Dinge und bat um 
einen Rat in Betreff der bestmöglichsten zwecentsprechenden Aus— 
utzung der so plötzlich gewonnenen Ferienzeit. Karls Antwort 
raf mit der dem Freunde eigenen Vünktlichkeit nach wenigen 
dagen ein. 
Er schrieb: 
„Lieber Freund! Das beste wäre wohl, Du machtest Dich 
on all den alten und bekannten Verhältnissen los und gingest 
gendwo ins Gebirge oder an die See, unter neue, fremde 
Nenschen. Aber wenn Du zwischen fremden Menschen oder in 
er Einsamkeit kein Objekt für deine Teilnahme und keine 
jelegenheit zum Gedankenaustausch mit Gleichstehenden findest, 
wirst Du, wie ich befürchte, zu viel grübeln und tiefsinnig 
erden, zumal, wenn Deine Nerven krank sind wie dein Herz. 
ch halte nicht viel von der sogenannten stumpfsinnigen 
ebensweise und einer farblosen, monotonen Daseinsform für 
emand, der so sensitiv und — menschenfreundlich ist wie Tu, 
rein alter Junge.. Der Trieb, sich in den Grenzen des 
atürlichen Empfindens und des auf vernünftige Ziele ge— 
ichteten Willens zu betätigen, muß langsam gestärkt und ge— 
iutert, nicht unterdrückt werden. Ein Leben nach der Schablone 
er modernen Nervenärzte würde DTich kränker machen als 
ie Teilnahme am Leben, sofern es ruhig und ohne viel 
Zlanmacherei ist. Darum ist mein Vorschlag dieser: Du teilst 
eine Zeit zwischen Deinem Bruder und mir, das heißt zwischen 
einer natürlichen imd Deiner geistigen Heimat, wenn ich unsere 
iebe Stadt mit ihrem Leben und ihren bekannten Menschen 
arin so nemen darf. Meinetwegen nimm am Weserfluß 
Rein Hauptquartier; bei uns hinterlege Deine Bücher und 
deine Noten, damit wir alte Liebhabereien wieder pflegen 
ömmen. Auch Fußwanderungen wollen wir machen, wie in der 
uUten alten Schülerzeit. Mütterchen richtet Dir mit Freuden
	        
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