Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

zozerungstaktik ihrem Schützling, dem frechen Beleidiger des 
Königs von Sachsen, eine so huünstige Position geschaffen, daß 
jener am 2. Jan. höhnisch erliären konnte: „amtlich“ sei 
shia in der Angelegenheit nichts zugegangen. 
Mit solcher im Interesse des Monsignore liegenden vatila⸗ 
nischen Verschleppungstaktik vergleiche man das Vorgehen gegen 
bden Prinzen Max. Gegen ihn wird nicht nur auf der Stelle 
eingeschritten, sondern ihm wird auch sofort die Verpflichtung 
auferlegt, sich mit der öffentlichen Bloßstellung durch eine 
päpftliche Enzyklika einverstanden zu erklären. Und der ohne 
weiteres zur Unterwerfung bereite Prinz muß sich jetzt öffentlich 
sagen lassen, daß er ungemein glimpflich davongekommen ist. 
Es verlohnt sich wohl, die Frage aufzuwerfen, ob der 
Vatikan eine herausfordernde Daktik, wie sie in 
den Fällen des Prinzen Max und des Monsignore Mathies 
geübt worden ist, vor der ZertrümmerungdesBlods 
gewagt haben würde. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, 
daß ohne den Umschwung in der politischen Gesamtlage Deutsch— 
ands dem Hause Wettin die doppelte Erniedrigung durch den 
Vatikan erspart geblieben wäre; ganz zu schweigen vom Jall 
Mathies, hätte auch die Angelegenheit des Prinzen Max sich 
anders abgespielt. Ohne den Zerfall des Blocks würde der 
Vatikan auch schwerlich in der Deutschen Tagesztg. das Organ 
gefunden haben, das er in ständig wachsendem Maße für vati⸗ 
kanische Stimmungsmache benutzt. Nachhinkende Einschränkungen 
dieser Stimmungsmache ändern nichts an der Tatsache selbst. 
Ohne den Zerfall des Blochs könnte auch die Kreuzztg. nicht 
mit Feuereifer den Zusammenichsuß aller Protestanten gegen 
das Zentrum bekämpfen. Der Zerfall des Blocks ist also 
jür die Steigerung des vatikanischen Machtbewußtseins von 
nicht geringem Einfluß gewesen und wird in dieser Richtung 
um so verhängnisvoller wirken, je mehr die Rechte auf den 
Klerikgalismus Rüchsicht immt 
Inland und Ausland. 
Deutsches Roeich. 
Die Vereidigung des Prinzen Augul Wirheim von Preußzen 
ils Referendar erfolgte in Polsdam Montag mittag um 
12 Uhr. Zur Vereidigung waren sämtliche Richter, Staats⸗ 
anwälte, Referendare und der Vorsitzende der Potsdamer 
Anwaltskammer, Justizrat Wolbert, geladen. Kurz vor 
12 Uhr versammelten sich die geladenen Gäste im Schwur— 
gerichtssaal, und wenige Minuten nachher betrat der Prinz 
mit dem Präsidenten den Saal. Er nahm auf dem Rich— 
terpo dium Platz und verlas die Eidesformel. Ueber den 
Vereidigungsvorgang ist ein Protokoll aufgenommen worden. 
Von der afrikanischen Eapedition des Herzogs Adolf Frie⸗ 
drich von Mecklenburg. Der Kaiser hat aus seinem Dis— 
positionsfonds für die afrikanische Expedition des Hetzogs 
Adolf Friedrich von Mecklenburg, die unter dem Pro— 
tektorat der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung steht, 
50 000 M bewilligt. — Nach den letzten telegraphischen Mel— 
dungen, die bis zum 28. November reichen, befanden sich 
ämtliche Teilnehmer der Expedition wohlauf. Die Haupt- 
»Xxpedition unter Führung des Herzogs dürfte sich gegen— 
värtig in der Nähe des Tschadsees befinden. 
Weiteres über die Affäre des Prinzen Max von Sachsen. 
Tie Dresdner N. N. lassen sich zur Affäre des Prinzen Max 
berichten, der Prinz sei das Opfer einer ultramontanen Klique 
geworden. Der Herausgeber einer neuen Zeitschrift über 
orientalische Kirchenfragen habe den Prinzen eingeladen, 
enen vielerörterten Artikel zu schreiben. Der Prinz wünschte 
diesen jedoch erst der Zensur des Vatikans vorzulegen, aber 
man habe das absichtlich unterlassen, und die Klique, und 
mit ihr der Herausgeber jener Zeitschrift, hätten beschlossen, 
aus dem Artikel dem Prinzen Max einen Strick zu drehen, 
da dieser bei vielen Kardinälen und Klerikern unbeliebt ge— 
worden sei, weil sie es nicht ertragen könnten, daß ein deut⸗ 
icher Prinz im Orient als Kirchenreformator angesehen und 
in Athen. Konstantinopel und anderen Zentren der orientali— 
schen Knche mit großer Auszeichnung empfangen wecde. Man 
habe dem Papst eine unrichtige Uebersetzung des Artikels vor⸗ 
gelegt. und da der Heilige Vater weder Deutsch noch Fran-⸗ 
zösisch verstehe, sei es auch dem Prinzen Max schwer geworden, 
dem Papst den Sinn seiner Gedanken klar zu machen. Der 
Papst habe die guten Abslichten des Prinzen Max schließlich 
zugegeben und dieser dagegen sein tiefes Bedauern darüber 
rusgedrüct dak er ihn ungbüchtlich gekränkt habe. Was 
— 7 
denken haben. Undine wird wachen, dah es geschieht, wie ich 
es hier angegeben. Die Zeit eilt, und es ist mir, als würde 
s schon ganz dunkel um mich. Ich muß wohl schlafen gehen. 
Verzeiht Eurem unglücklichen Gatten, Vater und Sohn 
Marnar Grafvon Randolt. 
der Euch alle unsagbar geliebt hat.“ 
Die feste, tiefe Stimme des Vorlesenden hatte doch zuletzt 
bedenkich geschwankt. Jetzt flog sein Auge prüfend über die 
Versammelten. 
Die Frauen, trotzdem sie geahnt, gewußt, daß ihnen nichts 
blieb, sahen wie zerschlagen, und die beiden Grafen Randolt 
trugen deutlich das Gefühl zur Schau, als kämen sie sich 
hier gänzlich überflüssig vor. 
„Nach den Bestimmungen des Majorats möchte ich Sie 
hierburch fragen, Graf Reimar von Randolt,“ nahm Ebbo Klas 
das Wort, „ob Sie, nachdem Sie von allen Bestimmungen 
Kenntnis genommen, gewillt sind, das Erbe anzunehmen und 
das Gelbbnis abzulegen, die Frauen der Familie zu schützen 
nit Gut und Blut, so lange sie in diesen Mauern weilen, die 
jhnen immer eine Heimat, ein Zufluchtsort sein sollen.“ 
Das kuhne, braune Gesicht des Grafen beugte sich tief 
aAber die Papiere, die der Rechtsanwalt vor ihm ausbreitete. 
Eine Weile starrte er, ohne zu lesen, darauf hernieder, dann 
tand er auf und sagte feierlich: 
„Ich gelobe es bei meiner Ehre! 
„So grüße ich Sie denn als den neuen Herrn vom Gor—⸗ 
singehef und Südegaarde.“ 
Er machte dem Grafen eine Verneigung, ohne ihm die 
hand zu reichen. Langsam, mit schweren Gliedern erhoben lich 
die Frauen. 
„Nun kann ich mit dem Stab in der Hand von Tür zu 
dür wandern,“ sagte die blinde Greisin und starrte ins Leere. 
Unwillig hob Undine den feinen Kopf. Sie wollte sprechen, 
dnch ein warnender Blick des Rechtsanwalts ließ fie verstummen. 
„Sie haben hier zu befehlen, Gräfin,“ wandte sich der 
neue Herr der alten Frau zu, ihr den Arm reichend. „Lassen 
Sie mich bei dem erften Schritt in das neue Leben Ihr Führer 
ein !“ —V 
Fortsetzung folge.⸗ 
nau dem Vrinzen als eigne Irrtümer zuschreibe, sei von 
hin in dem Artikel nur referierend als Irttümer der orientali— 
chen Kirche zugeschtieben worden. Er habe diese daher auch 
liicht widerrufen können, da er sie nicht sich zu eigen machte. 
zeute schweige der Prinz Max gegenüber allen Lügen, da be— 
cheidene Zurückhaltung in seiner Natur liege. — Das Ganze 
lingt etwas gesucht. Wir bringen es nur der Wollitändigleit 
salber. 
Geheimrat v. Sorhlet und die Deutsche Landwirtschafisge⸗ 
ellschaft. Der Streit Geheimrat v. Soxhlets mit der Deut⸗ 
chen Landwirtschaftsgesellschaft wird noch allerlei Folgen 
»aben. In einer Schrift „Auftlärung über die Propaganda— 
elder des Kalisyndikats“ hat v. Soxhlet dem Vorstand der 
ßrohh. Versuchsstation in Darmstadt, Geh. Hofrat Prof. Dr. 
3. Wagner, verschiedene schwere Vorwürfe gemacht. Wag⸗ 
ier wandte sich darauf an den Verband der landwirtschaft⸗ 
ichen Versuchsstationen im Deutschen Reiche mit dem Er— 
uchen, „die Angelegenheit in einer ihn befriedigenden und 
„as Ansehen des Verbandes sqchützenden Weise zu ordnen“. 
kr bezeichnete das ihm Vorgehaltene als „Beschuldigungen 
chwerster und unglaublichster Art“. Der Verband trug ihm 
uf, die Angelegenheit durch eine Disziplinaruntersuchung 
u klären, die er bei seiner vorgesetzten Behörde gegen sich 
eantragen solle. Wagner lehnte dies ab und erklärte seinen 
susttitt. Nach neuen Anklagen Soxhlets faßte der Verband 
inen Beschluß, in dem es heißt: „Der Verband landwirt⸗ 
haftlicher Versuchsstationen im Deutschen Reiche ist weder 
zerufen, noch imstande, zu untersuchen, ob und inwieweit 
die Soxhletschen Behauptungen in der „Aufklätung“ be— 
zründet sind oder nicht. Er hält es aber im Interesse des 
Ansehens der in ihm vereinigten landwirtschaftlichen Ver⸗ 
uchsstationen für seine Pflicht, öffentlich zu erklären, daß 
»s für ihn kaum schwerere Baschuldigungen eines Versuchs— 
tationsleiters gibt, als die gegen Wagner erhobenen. Die 
hon v. Sorhlet aufgedeckten und von Wagner zugestandenen 
inredlichen Aenderungen von Tatsachenmaterial veranlassen 
»en Verband, für sich und die ihm angehörigen Anstalten 
ede Gemeinschaft mit Wagner aufzuheben und ihn dem—⸗ 
semähß aus dem Verband noch nachträglich auszuschließen.“ 
der Ausschluß Wagners aus dem Kreise seiner Kollegen 
st um so auffälliger, als die Deutsche Landwirtschaftsgesell⸗ 
haft erst kürzlich bei ihrer Jubeifeier ihn durch eine silberne 
MNedaille ausgezeichnet hat, die Technische Hochschule zu 
darmstadt ihn erst im August v. J. zu ihrem Ehrendoktor 
rnannt und der Verbandstag der hessischen landwirtschaft— 
ichen Genossenschaften ihm am 20. Dez. auf den Antrag 
ves Verbandsdirektors Geh. Rat Haas (des ersten Präsidenten 
er zweiten hessischen Kammer) ein Huldigungstelegramm ge— 
andt hatte, worin der Verbandstag „seinem teuren Freund 
ind Ehrenmitglied die wärmsten Grüße sendet, ihm für seine 
llezeit ausgezeichnete hochverdienstliche Tätigkeit im Inter—⸗ 
sse der deutschen und hessishen Landwirtschaft dankt und 
ebhaft die gegen ihn gerichteten verächtlichen und ungerecht— 
ertigten Angriffe bedauert, ihn seines felsenfesten Ver— 
rauens und der unentwegten Treue zu ihrem lieben Wag—⸗ 
ier versichert.“ Wie verlautet, ist nun Geh. Rat v. Soxhlet 
tschlossen, gegen Geh. Rat Faas Beleidigungsklage zu 
tellen, falls er unter „verächtlichen Angriffen“ die von 
hm ausgegangenen, besprochenen meint. Geh. Rat Wagner 
befindet sich zurzeit, wie mitgeteilt wird. in einem Sana— 
orium. 
Neues deutsches Buch auf den Juder gesetzt. Das erite 
zeft der von Dr. ten Hompel herausgegebenen „Gren z⸗ 
sragen““, das betitelt it: „Uditore Heiner und der 
Modernisteneid“, ist auf den Indexgesetzt worden. 
Vor einiger Zeit ist das Programm der Grenzfragen, das die 
emeinsame Arbeit aller gebildeten Stände im Dienste des 
hristlichen Kulturideals zu verwirklichen anstrebt, bekannt ge⸗ 
borden. Es ist zu befürchten, daß durch das Verbot der 
enannten Schrift das neue literarische Unternehmen, das alle 
ufrechten, christlich gesinnten Wahrheitssucher zur Arbeit am 
Frieden der Konfessionen eingeladen hatte, gleich im Keime 
erstict werden wird. Das ist die Antwort Roms auf die seiner— 
eit von Münster ausgegangene sogenannie Inder⸗Bewegung. 
Die heisischen Nationalliberalen gegen die Sozialdemo⸗ 
lratñe. Die Landesversammlung der helsischen 
rationalliberalen Partei in Darmstadt vom 8. Jan. 
zilligte die Antwortschreiben des Vorstandes auf die fortlchritt⸗ 
ichen Verhandlungsvorschläge und betonte die Notwendis- 
i4 6harser Maßnahmen gegen die Sozial— 
Theater und Musik. 
Lübeck, 10. Januar. 
Stadthalle. 
Requiem (Totenmefse) sur Soli. Chor und Orchester von Giu⸗ 
seppe Verdi. 
Erstaufführung durch den philharmonischen 
Chor unter Leitung des Herrn Kapellmeister 
Abendroth. 
Die Aufführung muhz als eine Großztat sämtlicher Betei⸗ 
igten bezeichnet werden. Sie verdient diesen Namen um so 
nehr, cals die reichlich kurz bemessene Zeit zur Wiedergabe in 
iner Weise durch Proben usgenutzt werden mußte, die die 
znergie des Herrn Abendroth wie die Ausdauer der Mitglieder 
es Chores in ungewohnter Weise in Anspruch nahm. Mii 
er Hingebung an das schöne, aber recht anspruchsvolle Werk, 
bird der Energie des Wollens eine erhöhte Kraft des Könnens 
ich hinzugesellt haben, um eine Vorjuhrung heranreifen zu lassen, 
ie auch hochgestellte Ansprüche zu befriedigen vermochte. — 
AInfere allerdings nuv sporadische Belanntschaft mit der Verdi⸗ 
chen Totenmesse datiert vom Juli des Jaohres 1874, da wir 
n der Markuskirche z0 Venedig dem Totenamt beiwohnen 
onnten, dias zu der Gedächtnisfeier Alessandro Manzonis, des 
erühmten in Italien hochgefelerten Dichters der, Promessi spopi“ 
inter Teilnahme hoher Würdenctäger der Kirche, des ganzen 
Aerus und einer zahllosen Weenge von Verehrern des nationalen 
dichters abgehalten wurde. Die düstere Trauerfeierlichkeit, der 
fintritt des Posaunenchörs bei dem Dies iras wirkten leider 
—DVV sie, ohnmächtig 
jeworden, die Kirche verlassen mubte, und wir erst nach län⸗ 
gerer Pause wieder dahin zurüdkehren konnten. 
Wohl die Mehrzahl der Anwesenden und wir mit ihnen 
annten bis dahin Verda nur als den am meisten gefeierten 
Dpernkomponisten feines Vaterlandes, alle waren gleich wie die 
Bewohner Londons und Paris' überrascht und erstaunt über 
den Aufschwung seines Talentes gelegentlich eines dahin ihm 
v wenig zusagenden Gebietes. Mag immerhin einiges Opern⸗ 
jafte dem Werke noch anhaften, mögen die Fugen weniger durch⸗ 
earbeitet erscheinen, als es uns unerläßlich scheint, oder mag 
nancher Abschnitt der Messe ein zu glitzerndes instruntentales 
demoktratie, sowie den Wunsch, auf dieser Basi 
eine Verständigungallerbürgerlichen Partei, 
herbeizu fuhren. 
Deste rreich⸗ Ungarn. 
Das neue Kabinett Bienerth wird in parlamen— 
tarischen und politischen Kreisen mit sehr geteilten Gefühlen 
aufgenommen. Es ist weder ein reines Beamtenministerium 
noch ist es parlamentarisch, und wird nur als ein Provisorium 
aufgefaßzt, dem es nicht leicht sein dürfte, im Parlament ein— 
Majorität zu erlangen. Die polnische Volkspartei wird dem 
Ministerium kaum Gefolge leisten. Die Tschechen und Radikal— 
Deutschen werden in der Opposition sein. und die Italiener 
ind ebenfalls verschnupft. 
Fraunkreich. 
Präsident Fallidres wird zu Ostern Algerien und 
Tunis besuchen; vorher wird er den König Peter von Serbien 
empfangen. Es heißt, daß dieser Empfang besonders glänzend 
gestaltet werden soll, da der König ein ausgesprochener Freund 
der Franzosen ist. 
Gegen den früheren Finanzminister Caillaux, der in Lill- 
ine Rede über die Lage der radikalen Partei hielt, fan 
Sonntag daselbst bei seiner Ankunft eine von den gewerb 
lichen und kaufmännischen Vereinigungen ver 
instaltete Straßenkundgebung statt, bei der zwe 
versonen verwundet wurden. Gegen Caillaux war durd 
Anschlagzettel die Beschuldigung erhoben worden, daß er stets 
den Interessen der nördlichen Departements zuwidergehandelt 
und Südfrankreich begünstigt habe. 
Belgien. 
In einer am 9. Jan. in Lüttich abgehaltenen Bergarbeiten 
»ersammlung wurde der Generalstreik beschlossen. Di 
Zahl der Ausständigen ist noch immer in der Zunahme be 
zrriffen. Auf den meisten Gruben wird gefeiert und nur ein 
janz geringe Zahl Bergleute arteitet noch. Aufsehen erreg 
ie Meldung, wonach die in der vergangenen Woche in Serain 
jon einem Gendarmen durch einen Schuß schwer verletzte Fro 
jestorben ist. Man befürchtet cus Anlaß der Beisetzung dies 
anschuldigen Opfers des Streiks Unruhen. 
Portugal. 
Ueber die Lage in Portugal erklärte der Zibi 
ouverneur von Lissabon einem Journalisten, er habe sei— 
angem Kenntnis von der gegen das neue Negim und di— 
Zeler der portugiesischen Regierung gerichteten Bewegung, di 
„on im Auslande besindlichen Persönlichkeiten des alten Regim 
nit dem Jesuiten Cabral an der Spitze ausgehen. Die pro— 
isorische Regierung beklage die vorgestrigen Ereignisse, da sie 
m Auslande zu tendenziösen Rugriffen gegen die Regierune 
Inlak geben könnten. 
72.2 2*8 ——Aιιιιοια — d04 do D— 
hdor 40 Jahren. 
In den Lübeckischen Un zeiaen vom Dienstag. 
dem 10. Januar. 18715 finden ich solgende offizielle 
Kriegsnachrichten 
Versaillbes, 8. Jan. Aus einem Telegramm des 
Königs an die Königin. Vrinz Friedrich Carl noch immer 
siereich vorgehend geagen Le Mans, Im Nor den 
Ruhe seit dem 8. Hier deht die Beschießung günstig 
e Im Fort Vauvres üt eine Kaserne in Brand ge 
ossen. 
— Rachts. Die gegen den General Chancy vor— 
dringenden diesseitigen Kolonnen erreichten am 7, unter 
seilweise sehrhefstigenGefechten Nogent⸗le⸗Rotton, 
Sarge, Sadigny und La, Chartre. Das Feuer por 
plaris wurde am 8. lebhaft und mit Erfolg fortgesetzt. 
die Kalernen des Forts Miontrouge gerieten dabei in 
rand. Rach französischen Berichten betrug der 
erlust der Nord- Armeee in den Gefechten vom 
und 3. d. Mis. gegen General Goeben etwa 40009 Mann, 
der unsrige wird dabei auf 89000. Mann angegeben. Dem 
gegenuder donstalieren die heute hier eingegangenen Berichte 
der rmee unsere Verluste in den Elwähnten Gefechten 
auf in Difsziere. 117 Mann tot, 835 Offiziere, 667 Mann 
berwundet und 236 Mann vermißt. 
Bou 3 8. den In der Nacht vom 7. zum 8. 
Danjoulin südlich Belfogt gestürmt. Bataillon Sqhneide⸗ 
mühl unler Hauptmann Manstein hesonders ausgezeichnet. 
3 Slabsoffiziere. 16 Offiziere und 700 unverwunñdete Ge—⸗ 
sangene gemacht, außerdem bedeutender Verlust. Unserer⸗ 
ie DOsfizier. 13 Viann tot, 66 vermundet 
1 
— 
—— 2 — 
Hewand tragen, es bleibt so viel des Schonen, Erhabe 
den und machtooll Padenden übrig, daß Verdi Et 
reifenderes nur noch in seiner Aida geleistet 
hat, dem Werke, das wohl als der Hshepuntt seines Schaffen⸗ 
u bezeichnen ist. Ob Verdi den geheiligten Worten de— 
dextes vielleicht hie und da zu nahe getreten ist, ob da— 
ramatische Element in dem Dies irae in Flammenzügen 9 
childert ist, die ihren weltlichen Ursprung nicht zu verleugne 
ermögen, ob die Seufzer und Klagen sich nicht allzu realistise 
eben, bleibt unserer Entscheidung entzogen; für uns ist di 
Totenmesse ein Kunstwerk, das als solches besser seinen Pla 
m Konzertsaal als in der Kirche sfindet. Was an weltlichen 
Anklängen uns entgegentritt, gründes sich auf Eigenschaften 
»es Komponisten, die mit religiösen Anschauungen vielleicht in 
Widerspruche stehen, aber die Kunst in dem Tonwerke stet⸗ 
sochhalten. Zunächst ist es das nationale Element, die feurige 
Zegeisterung, mit der Verdi für seine Tondichtung eintritt. 
zie aber in diesem Falle doch dem angeborenen Schönheits 
inn stets Rechnung trägt und Ausschreitungen meidet, die Oh 
ind Sinne verletzen könnten. Weiter ist es die Fülle schöne; 
Melodien, die bei vielleicht strengeren kirchlichen Anschauungei 
Anstoß erregen möchte, aber um so eindringlicher an der 
raienverstand sich wendet, und endlich ist es die gesanglicht 
Technik. die in der Führung der Sinastimmen sich so außzer 
rdentlich vorteilhaft geltend zu machen weiß und daneber 
Jombinationen erzeugt. die, geistooll erdacht. eine oft ga 
hundersame Wirlkung erzielten. Wir gedenken unter manche 
inderen an das ausgedehnte Zusammengehen der Solo⸗Sopran 
imme mit der Solo⸗Altstimme in dent Acßnus Dei. Was abe 
en Meister Verdi veranlassen konnte, in dem Confutatis 
»ewußzterweise eine Reihe von Quintenfolgen einzuschalten, 
ins rätselhaft geblieben, so unmodern wir auch darün—— 
denken mögen. 
Um unserem Leserkreis nur das wieder in die Erinnetuns 
urückzurufen, was wenigstens von uns unter dem Schönen ai⸗ 
das Schönste, unter den dramatisch verlaufenden Sätzen al⸗ 
as wirksamsie zu bezeichnen wäre, lassen wir das nächste folae; 
Hleich jur den Eingang des Requiems ist durch Einfachheit 
darlegung die rechte woihebolle Stimmung gefunden; wahreu 
er Chor pfalmodiert, erhebt das Orchester tröstend seine Stimmnt
	        
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