Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Pietnem hochverehrten Lehrer und Freunde noch vor zwei 
Jahren das Achilleion zeigen und Mich mit ihnm in griechi⸗ 
cher Landschaft über griechtsche Kunst unterhalten zu können. 
Ich werde dem Verewigten allzeit das treueste Gedenken be— 
wahren. Gott der Herr tröste Sie und die lieben Ihrigen 
n Ihrem großen Schmerzs. 
Der Reichzkanzler Generalmajor. Wie der Lok.«“Anz. mel⸗ 
det, ist der Reichskanzler vom Kaiser zum Generalmajor à la 
zuite der Armee befördert worden. Herr d. Bethmann stand 
bisher im Range eines Maiors und trug als solcher die 
Unifornt des 1. Gardedragonerregiments. — Die Meldung 
»on der Beförderung ist richtig, unrichtig ist es jedoch, daß 
zer Kanzler gleichzeitig à la suits gestellt wurde. 
Das preußische Aussuhrungsgesen zur Zuwachssteuuer. Die 
Kommission des preuhßischen Abgeordnetentauses, die den Ent⸗ 
vurf esnes Ausführungsgesetzes zum Reichszuwachssteuergesetz 
ꝛerhandelt, hielt vorgestern ihre erste Sikeng ab. Das Ergeb uüs 
»er Debatte war, daß sämtliche zu 1der Vorlage vor— 
iegende Abänderungsanträge sowie r Regierungsvorlage 
elbst abgelehnt wurden. 
Ueber die Aussichlen des Feuerbestattungsgesetzes ersahren 
vxir folgendes: Im preußischen Abgeordnetenhause werden diese 
Aussichten, besonders von klerikaler Seite, als Jsehr gering 
zingestellt. Aus der Tatsache, Saß die Konservativen sich zum 
größten Teile, das Zentrum geschlojssen dagegen und die Frei—⸗ 
lonservativen sich sozusagen halb dafür und halb dagegen erklärt 
Jaben, leiten die Blätter des schwarz⸗blauen Blodsss die Berechti— 
gung dazu her, die Vorlage schon jetzt, kaum daß sie in die Kom⸗ 
mission gelangt ist, mit Genugtuung zu begraben. Wie 
demgegenüber von unterrichteter parlamentarischer Seite be— 
richtet wird, ist man der ziemlich festen Ueberzeugung, daß die 
Vorlage ihrerzeit eine ausreichend Majorität sinden wird. 
Die Konservativen werden sich „stark“ machen; sie dürften aber 
voch anstehen, das Odium der Ablsehnung gerade dieses Gesetzes 
rzuf sich zu nehmen. 
Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen. Für den Wahl⸗ 
reis Greifs wald-Grimmen, der gegenwärtig durch den 
reisinnigen Abg. Gothein im Reichstag vertreten wird, haben die 
KFonservativen nach der Kreuzztg. den Rechts anwalt 
Dr. Langemakl in Stralsund auigeitellt, der im Beder-Prozeß 
u Greifswald Vertreter des Landrats Frhrn. ) Malkahn war. 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Zur Kaiserreise. 
. Venedig, 25. März. Der Kaiser, die Kaiserin und 
Brinzessin Viktoria Luise sind um 1254 Uhr hier eingetroffen 
und vom SHetzog der Abruzzen empfangen worden. 
We Vonedig, 258. Märs. Bei dem privaten Charakter 
des Besuches der Majestäten fand keinerlei ofsiz eller Empfang 
tatt, doch fanden sich zur Begrühung außer dem Herzog 
der Abruzzen der deuische Militär- und Marineattaché aus 
Rom, der hiesige deutsche Konsul und Mitglieder der deutschen 
Kolonie mit Damen ein. Der Herzog der Abruzzen führte 
die Kaiserin durch den Bahnhof zur Bootsanlegestelle. Die 
Maiestäten, die Prinzessin und das Gefolge begaben sich in 
Booten der „Hohenzollern“ durch den Canal Grande zur 
taiserjacht, wo sie Wohnung nahmen. Ein zahlreiches Publi— 
um begrüßte das Kaiserpaar mit Evvivarufsen Das Wetter 
jt nuld und regnerisch. 
Wt. Venedig. 258. Märs. Der Kaiser blieb nächmittags 
MSe Bord. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise 
besuchten die Academia delle Belle Arti. Zur Abendtafel 
an Bord der „Hohenzollern“ waren geladen der Herzog der 
Abruzzen, der Herzog von Udine, Graf und Gräfin Faccini und 
der deuische Militär-⸗ und Marineattachs in Rom. 
Die elsaß⸗lothringische Frage. 
We Berlin, 28. März. Die Nordd. Allg. Itig. schreibt; 
zur Debatte über die elsaßlothringische Frage im Abgeordneten⸗ 
zause: Bedauerlich ist es für die Sache, aber nicht entscheidend, 
daß immer wieder Aeußerungen elsaß⸗lothringischer Politiker 
azu beitragen, die Bedenken gegen die Versassungsreform zu 
»erstärken. Man gewinnt den Eindrudt, als ob es bei den 
loitationen darauf angelegt sei, keine Verfassungsreforme zu⸗ 
tande kommen zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß die 
ruhigen Elemenie des Reichslandes sich der Schädlichkeit und 
Gejabhr solcher Treibereien bewußt werden. 
Zum Zuwachssteuer gesetz. 
Wt. Berlin, 25. März. Die Nordd. Allg. Zig. schreibt: 
Wehrere der Gemeinden, die nach dem 8 60 Abf. 2 des Zu⸗ 
vachssteuergesetzes befugt siud, die Belassung ihrer bisherigen 
Zuwachssteuersatzung beim Reichskanzler zu beantragen, halten 
nit der Stellung solcher Anträge zurück, bis sie die Aussük 
rungsbestimmungen zum Gesetze oder die Festsetzung des Durch— 
chnittsertrages durch den Bundesrat ersahren oder ihre Ge— 
meindeveriretung befragt hätten. Tiese Gemeinden gehen von 
unzutreffenden Voraussetzungen aus. Die Anträge auf Be— 
assung der bisherißen Satzung können, soweit sie aussichts- 
yoll erscheinen, nur berückssichtigt werden, wenn sie vor dem 
l. April vorbehaltlos gestellt und bei dem Reichskanzler ein— 
gegangen sind 
Rückgang der Pestfälbße in der Mandschurei. 
W. Berhn, 285. Mära. Wie das Gouvernement Kiau— 
schou aus Tsingtau meldet, nimmt die Zahl der Pest— 
älle in der Mandschurei stet ig ab. Das Schutza biet 
Kiautichou ist bisher seuchenfrei. 
Rußland und China. 
W. Peliug. 25. März. Meldung des Reuterschen Bureaus. 
In einer weiteren Note fordert Rußland von 
Lhina die Annahme der in der Note vom 16. Februar 
aufgestellten Pringipien ohne weitere Argumenté 
und Zweideutigkeiten. Obschon die Note nicht 
drohend gehalten ist, läßt ihr Wortlaut doch erkennen, daß 
eine prompte, gerade und klare Antwort er— 
wartet wird. 
Wt. Peltug, 25. März. Die Lage soll sehr ernst sein. 
Ulan glaubt, wenn China sich innerhalb der festgesetzten Frist 
nicht bedingungslos auf den Standpunkt der russischen Note 
om 16. Februar stellt, werde Rußland Zwanasmaßnobmen, die 
neretts porbereitet seien, ergreifen. 
Parteiperssuebungen im rus schen Reichsrat. 
Petersburg, 28. März. Innerhab der Parteien des 
Reichsrais fanden Verschiebungen statt, bei welchen die Na— 
onalen gewannen, die Rechte und das Zentrum verloren. 
Die Linke behält ihren bisherigen Besitzstand. Die Nowoje 
Wremia hofft, daß nach den überstandenen Erregungen die 
»olitische Atmosphäre in Rukland leichter und gesunder wev⸗ 
n wirßs. 
Zum Aufftand in Mexilo. 
NRewyork, 28. Märg. Nach einer Meldung aus Mexiko 
vird als offizieller Grund für den Rücktritt des Kabinetts 
er Wunsch bezeichnet, zur Wiederherstellung des Friedens nud 
krleichterung der Ausführung der beabsichtigten Reformen 
eizutragen. Cotral ist als Minister des Innern, aber nichlt 
ls Vizepräsident zurückgetreten. Mit Ausnahme des Mi— 
zisters Creel sind alle Mitglieder des Kabinetts lange im 
Imte gewesen. Dies ist gerade eine der Beschwerden der 
sevolutionäre, die erklären, daß die Minister Vertreter der 
üngsten Generation sein sollten. Der Rücktritt des Kabinetts 
zird in allen Kreisen mit Befriedigung aufgenommen. Nach 
iner weiteren D'epesche aus Mexiko wird dort halbamtlich 
erkündet, Präsident Diaz habe die Minister zum Rücdtritt 
ufgefordert, da er ein jüngeres Kabinett zu haben wünsche. 
zin das neue Kabinett soll kein Mitglied der revolutionären 
Partei ausgenommen werden. 
Großze Frachtautdiebstähle in Paris. 
W. Paris, 25. März. Die Polizei verhaftete gestern 
ls Nordbahnbedienstete auf dem Bahnhofe Boutget 
zei Paris, die seit langem bedeutende Frachtdiebstähle verübt 
zjatten. In ihren Wohnungen wurden ganze Warenlager 
Jesunden. — 
Eifenbahnunglüd. 
Wiet. Ocilla (Georgia), 25. März. Ein schweres Eisenbahn⸗ 
inglück ereignete sich, als der Schnellzug der Atlantic Coast 
rdine die Eisenbahnbrücke über den Alpahafluß passierte. Fünf 
Wagen entgleisten. 40 Passaagiere sollen getötet wor— 
den sein. 
— RM2——— 
Hannover, 25. März. Regierungspräsident v. Philipps— 
zorn hat sein Abschiebdsgesuch eingereicht. Man 
zringt die Angelegenheit in Zusammenhang mit der Tatsache, 
»aß die Frage der Beteiligung Hannovers an den Kosten des 
danalbaus nicht von der Stelle rüct. 
Wt. Gießen, 25. März. Endgültiges amtliches Wahl⸗ 
»rgebnis. Bei der Reichstagsersatz⸗Stichwahl am 21. März 
m ersten hessischen Wahlkreis wurden insgesamt 24 197 Stim— 
nen abgegeben. Davon erhielten Oberlehrer Werner-Butzbach 
wirisch. Vog.) 12578, Krankenkassenkontrolleur Beckmann⸗ 
Hießen 11619 Stimmen. Werner ist gewählt. 
Wt. Wiem, 25. März. Das neuerbaute Industriehaus 
uf dem Schwarzenbergplatze wurde in Anwesenheit des Kaisers 
eierlich eroffnet. Der Feier wohnten die Erzherzöge Leo— 
yold Salvator und Rainer, Hosstaatswürdenträger, der Bürger⸗ 
neister und Vertreter der Industrie- und Fanzkreise bei. 
We Raris, 25. März. Im Ministerrat unterzeichnete 
zräsident Fallières das Dektet zur Durchführung des Gesetzes 
iber die Altersversicherung für Industrie- und ländliche Ar— 
zeiter. Der Ministerrat stimmte den Ausführungshestimmungen 
ür das Gesetz zu. 
Wt. Paris, 25. März. Nach einer Meldung aus Fez 
om 18. März hat Mulany Hafid die Abgesandten der 
zen Mbir empfangen. Sie erklärten, sie hätten nicht die 
lbsicht gekabt, die Waffen gegen Mulay Hafid zu erheben, son⸗ 
ern nur die benachbarten Stämme zwingen wollen, sich mit 
hnen zum Widerstand gegen die Srsuererpressungen El Glauis 
u vereinigen. Der Sultan gewährte ihnen Verzeihung. Fast 
uͤle Stämme der Scherarda haben sich unterworfen. 
WVt. Madeld, 25. März. Ministerpräsident Canaleias 
rklärte über die gestrigen Debatten in der sranzösischen Kam⸗— 
ner, soweit er aus telegraphischen Berichten urteilen könne, 
chienen ihm die Aeußerungen Cruppis befriedigend. 
W. Petersburg, 25. März. Die dreitägige Unterbrechung 
der Reichssrats- und Dumasitzungen berechtigt die Regierung 
ach den Staatsgrundgesetzen, die Semstwovorlage für die sechs 
Westgouvernements zum Gesetz zu erheben. Innerhalb zweier 
Nonate nach der Wiederausnahme der Sitzungen muß das 
ßesetz den parlamentarischen Körperschaften vorgelegt werden. 
Wt. Petersburg, 25. März. Die Herztätigkeit Ssaso— 
ows ist befriedigend, während die Entzündungserscheinun— 
jen unverändert sind. Die Körpertemperatur hbetrug heute 
zormittag 37,1 Grad. 
Wit. Zarizyun, 25. März. Der jüngst vom Synod straf— 
veise nach Tula versetzte Drdenspriester Jliodor ist 
n der vergangenen Nacht in einer in der Nähe von Zarizyn 
zelegenen Fabrik eingetroffen. Er legte in der zur Fabrik 
ehörenden Kirche sein Priesterornat an und telegraphierte an 
»en Bischof von Hermagen, er möge ihm gestatten, in das von 
tm in Zarizyn gegründete Kloster in kirchlicher Prozession zu 
iehen. Seit heute früh strömen die Anhänger Iliodors aus 
der Stadt in die Fabrik. 
Wt. Sacramento, 25. März. Präsident Taft sandte an den 
houverneur von Kalisornien eine Botschaft, deren Inhalt nicht 
senauer bekannt ist, welche aber einer weiteren, gegen die 
Japaner gerichteten Gesetzgebung Einhalt ge— 
zietet. Wie es heißt, wird das Gesetz, welches Fremden 
den Landbesik verhietet, nicht in Wirkiomfeit trefen 
W. Berlin, 28. März. Der Krankenwärter Griehl, der 
zeute vormittag auf dem Polizeipräsidium vernommen wurde, 
zehauptet nach wie vor, daß er mit dem Morde nichts zu 
un habe und ganz unschuldig sei. 
W. Cuxrxhaven, 25. März. Der auf Scharhörn gestran—⸗ 
»ete Dampfer sitzt bei Tonne C und heißt „Chorley“. 
Wt. Dutisburst, 28. März. Heute abend um 5154 Uhr 
mhr kurz vor dem Hauptbahnhof der Eilzug 3 2, Berlin —Köln, 
em nach Mülheim an der Ruhr aussahrenden Personenzug 
3 247 in die Flanke, beide Lokomotiven und ein Wagen ent⸗ 
leisten. Personen wurden nicht verletzt. 
Nürtingen, 268. März. Oberamtmann Frhr. v. Falken⸗ 
tein wurde heute morgen als Leiche aus dem Nedar ge— 
zogen. Es ist noch nicht ermittelt, ob ein Unglückssall oder 
in Verbrechen vorliegt. 
Friedrichs haßen, 28. März. Die Streikbewegung der Ar⸗ 
jeiter auf der Zeppelinwerft ist beendet. In der nächsten 
Woche werden die ersten Aufstiege mit „Ersatz Deutschland“ 
eginnen. 
Wt. Trieft, 285. März. Der Streik der Arbeiter, 
sHeizer und Matrosen des Oesterreichischen Lloyds ist be⸗ 
undet. Die Dampsfer laufen fahrplanmäßig aus. 
Wet. Paris, 258. März. Der Zeichner Lebegue seuerte 
zwei Revolverschüsse auf den Hamburger Ba—⸗—⸗ 
rent, der ein Liebesverhältnis mit Fräulein Lebegue, unter— 
ielt. Barentz wurde die Lunge durchbohrt. Der Zustand 
st ernst. Barentz, der 35 Jahre alt ist, ist seit zwei Jahren 
n Paris. Vorher war er in Leipzig. Er soll Leiter eines 
zedeutenden Unternehmens sein. Lebegue und Barentz hatten 
m November 1910 einen Zweilkampf gehabt, der ergebnislos 
erliel Barenk begab sich heuts vormittas zu Lebeaue. um 
ithin zu provoziere n. Daraufhin gab dieser fünf Revolverschüsse 
auß Barentz ab. 
London, 26. März. Bei Burton am Trent jlog gestern 
das Dynamit-Magazin einer Kohlengrube in die Lußt. 
In der Nähe des Magazins wurden alle Bäume aus der Erde 
jerissen, die Mauern des Magazins selbst in einen Schutk— 
haufen verwandelt. Ein Fuhrmann, der Sprengstoff nach 
der Grube bringen sollte, ist von der Wucht der Explosion 
»ollkommen zermalmt, dagegen sein Pferd nur leicht verletzt 
vorden. 
Petersburg, 28. März. Im Kuratorium für das russische 
Taubstummenwesen wurde ein Millionenbetrug entdeckt. 
Der Haupischuldige, der Vizepräsident der Alexandrowschen 
Abteilung im Gouvernement Jekaterinoslaw, hat beim Spiel 
über dret Millionen Mark verjubelt. 
In Grabo (Gxtegbz. Merseburg) stocherte während des 
Schulunterrichts ein 10jähriger Schüler mit seinem Schieferstift 
in einer Dynamitpatrone, die er auf dem Felde ge— 
funden hatte. Die Patrone explodierte, riß dem Knaben 
die rechte Hand weg, verletzte ihn schwer an Gesicht und Brust 
sowie zwei andere Schüler an Kopf und Händen. 
Nach einer Meldung aus München hat der Prinz⸗- 
regent den Tagelöhner Max Preisacher aus Moosinning, 
der vom oberbayerischen Schwurgericht wegen Raubmordes, 
zerübt an einem Bauern, zum Tode verurteilt wurde, zu 
iebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. 
Der wegen verschiedener Amtsvergehen zu drei Monaten 
Gesängnis verurteilte hessische Landtagsabgeordnete Wellinger 
uus Lampertheim ist vom Großherzog von Hessen begnadigt 
vorden. Die Gefängnisstrafe wurde in eine Geldstrafe von 
1000 Meumgewandelt. 
Ein merkwürdiger Kirchenraub ist, wie aus Bambera 
berichtet wird, in Bischberg verübt worden. Dort ist in einer 
Kapelle der Opferkasten an der Kapellentür angebracht. Da 
»ie Diebe den Kasten nicht erbrechen konnten, hoben sie die 
ganze Tür aus und schleppten sie auf das Feld, um dortf 
ungestört den Opferkasten zu berauben. Die Tür ließen sie 
dann im Felde liegen. 
Auf dem Zentralbahnhof in Basel wurde in der 
Racht zum Freitag der von Berlin aus wegen Unter⸗ 
schlagung im Betrage von 64000 Me verfolgte Kaufmann 
Marconiz verhaftet. Er hatte eine Menge Schmucksachen bei 
ich. Laut Gepächkchein hatte er bereits einen Koffer nach 
Paris aufgegeben. 
In Paris ist ein gewisser Defrenne, das Haupt einer 
Berbrecherbande, und einer seiner Genossen verhaftet 
vorden. Der Genosse erklärte, Defrenne sei Anstifter von 
Diebstählen in Antwerpener und Hamburger Museen; auch 
jei er an der jüngst erfolgten Ermordung eines Priesters 
und seiner Schwester in Charleroi und an einem im 
vorigen Jahre in Berlhin an einem Kindermädchen begangenen 
Morde beteiligt. 
In der Nacht zum Freitag brach in Lille in einem Ge— 
bäude, welches als Kindtheater eingerichtet worden war, 
Feuer aus, das trotz der schnellen Hilfe der Feuerwehr 
rasch um sich griff. Eine im zweiten Stockwerk wohnende 
Familie Martens mit ihren drei Kindern fand dabei den 
Ertickungstod. 
Aus Rykijavpit wird gemeldet: An der Südküste der 
Insel waren fünf Fischerboote mit einer Besatzung von 
57 Mann durch einen Schneesturm auf das offene Meer 
jetrieben. Nachdem sie den ganzen Tag und die Nacht im 
zchneeorkan auf dem Meere zugebracht hatten, gelang es, 
nit einem vorbeifahrenden Fischdampfer Verbindung zu be— 
lommen und die Mannschaft in erschöpftem Zustande zu retten,. 
Die Boote mukten dem Meere preisgegeben werden 
heer und glotte. 
W Verlin, 26. März. Der Reichsanzeigér gibt die Ver— 
leihung des Schwarzen Adlerordens an den General z. D. von 
Benedendorff und von Hindenburg bekannt. 
W. Verlin, 25. März. Flußkanonenbzoc„Tsingtau“ ist 
am 24. März in Wutschou am Weitfluß eingetroffen. „Cor—⸗ 
noran“ ist am 28. März in Sydney eingetroffen. „Freya“ 
st am 23. März von Kiel nach DTanzig, „Rhein“ ist am 24. März 
»on Cuxhaven nach Kiel gegangen. Die 11. Halbflottille ist 
am 23. März von Wilhelmshaven in See gegangen. Die 
2. Flottille hat am 19. März außer Dienlt gestellt. 
. K. Siram Maxtems Schlachtflugnasch'ne. Sir Hiram 
Maxim, der Erfinder der Maxim-Geschütze, will sich von der 
Leitung seiner großen Unternetmen zurückziehen. Er war 
rahrelang Direktor der Maximgeschützgesellschaft, der Maxim⸗ 
Nordenfeld-⸗Geschütz⸗ und Munitionsgesellschaft und in den 
etzten Jahren auch Teilhaber und Leiter von Fickers Sons 
and Maxim. Der „englische Krupp“ hat vor kurzem sein 
75. Lebensjahr vollendet, aber er zieht sich nicht zurück, 
um seinen Lebensabend in friedlicher Ruhe zu genießen: 
im Gegenteil, neue Pläne haben diesen Entschluß hervor— 
ebracht. „Ich kehre zu meiner ersten Liebe zurück“, äußerte 
ich der unermüdliche greise Erfinder, „zur Flugmaschine. 
Ich ziehe mich von den geschäftlichen Arbeiten zurück, um 
mehr Freiheit zu haben, um meinen Idealen nachzustreben“. 
Der greise Erfinder arbeitet gemeinsam mit Graham White 
und Bloͤriot an einer neuen Militärflugmaschine füt das 
englische Kriegsministerium. Der Apparat soll größere 
Mengen Explosivstosjsfe mit durch die Lüfte führen, ohne 
)aß seine Leistungssähigkeit und die Sicherheit der 
Zteuerung beeinträchtigt werden. „Ich bin auf dem Wege“, 
o erklärte Sir Hiram Maxim, „einen Mechanismus zu 
onstruieren, der bei den Sprengkörpern die Gefahr zu— 
äll'ger Explosion vollkommen ausschließt. Die Maschine, 
an der wir arbeiten, wird im wesentlichen militärischen 
Frkundungszwecken dienen und nur einen Insassen tragen. 
Uber diese Maschine ist nur der Vorläufer einer größeren, 
ür die ich die Vorarbeiten bereits abgeschlossen habe. 
Dieser Apparat wird die gleiche Geschwindigkeit entwickeln 
uind dabei doch imstande sein, ein Gewicht von 500 Pfund 
in Bomben und Explosivstoffen zu tragen, bei einem 
Aktionsradius von 90 englischen Meilen.“ Sir Hiram 
Maxim begann seine Lausbahn als einfacher Lehrling eines 
Wagenbauers im amerikanischen Staate Maine. in dem 
er auch geboren wurde. 
Luftschiffahrt. 
d. Vorltfungen über Lusrschif ahrt finden im Sommersemester 
in den Universitäten Bonn, Breslau, Gießen, Göttingen 
ind Straßburg sodwie an den Technischen Hochschulen Aachen. 
Berlin, Braunschweig, Danzig, Stuttgart und München statt. 
zum ersten Male werden auf einzelnen Hochschulen auch 
ustschifftechnische Probleme benweitet
	        
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