Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Deutscher Reichstag. 
136. Sitzung. BFB 
Berlin, den 24. März. 
Am Bundesratstische: Dr. v. Linde quist. 
Das Haus beginnt die zweite Lesung des 
Etats für die Schuggebiete; 
zunächst Spezial-Etat für das Ostafrikanische Gebiet. 
Bei dem Gehalt des Gouverneurs, 50 000 A, tritt 
Abg. Sormer (F. VB.) für Besserstellung der Re— 
rzierungs-Vehrer und ies mit den Sekretären, 
die in der dortigen Verwaltung arbeiten, ein; es werde sonst der 
Nachwuchs leiden und das Ersatzmaterial minderwertige Kräfte 
zufweisen. Bon 14 notwendigen Stellen wären übrigens nur 
ih besetzt, worunter sich sogar einer befinde, der allerdings vorher 
ine Art Lehrexrprüfung in Kapstadt bestanden habe, aber schließ— 
ich als Schreiber in Deutsch-Ostafrika gelandet wäre. Aus der 
zeit der Abenteurer-Politik müsse man doch endlich heraus sein. 
Abg. Dr. Arning (nl.): Die Versorgung der ehe— 
naligen Kolonsaltrieger durch den Zivilversorgungs⸗ 
chein genügt nicht den Unsprüchen, die diese spater an ihr Vater— 
and berechtigterweise erheben können, indem der Wert des 
Scheins durch allerlei Maßnahmen der Behörden, welche für die 
Anstellung der Militäranwärter zuständig sind, besonders durch 
die Landräte, viefach illusorisch gemacht wird. Ich habe an der 
dand eines bestimmten Falles den Staatssekretär von dieser Sach⸗ 
nuge in Kenntnis gejetzt und hoffe, daß er dicsen Beschwerden 
zaldigst abhelfen wird, daß auch jenen, die ohne Zivilversor— 
gungsschein zurückktehren und in Staatswerkstätten als Arbeiter 
angestellt werden sollen, mehr Entgegenkommen bewiesen wird. 
Die Erhebung der Hüttensteuner könnte anders gehand— 
jabt werden, um den hier und da noch bestehenden Widerwillen 
der Eingeborenen gegen sie zu besiegen; im allgemeinen ist die 
Einrichtung nur zü loben, zumal ein überwiegender Teil des 
Ertrages zu Anlagen im Interesse der Eingeborenen verwen⸗ 
hdet wird, Den in der Kolonie entstandenen Interesse-Genossen⸗ 
chaften könnte das Gouvernement doch etwas mehr Vertrauen 
entgegenbringen. Es wird u. a. die Einführung einer Wertzu—⸗ 
wachssfteuer gewünscht. Klage geführt wird auch über die Schwie⸗ 
rigkeit der Erlangung von Grundeigentums-Besitztiteln. Kolo— 
nisten und Kapital sind freiwillig in die Kolonie gekommen, und 
ede Kulturarbeit, die sie leisten, schafft für sie Rechtstitel. Die 
tändige Selbstverwaltung, die jetzt nur für Tanga 
nid Daressalam theoretisch besteht, auß ausgebildet werden; es 
muß ihnen Land in derselben Weise überwiesen werden, wie es 
in Südwest bereits geschehen ist. Auch eine Handelskammer in 
Daressalam wünscht die Kolonie; heute haben nur die großen 
Firmen das Ohr des Gouverneurs. Bis jetzt sind alle Be— 
nühungen in dieser Richtung auf den Widerstand des Gouverne—⸗ 
nents gestoßen. Auch die Stationierung eines Handelssachver⸗ 
stündigen wird gefordert. Das Verhältnis des Gouver— 
ueurs v. eeeer zu der Bevölkerung, beson⸗ 
ders in Daressalam nötigt noch zu einigen Bemerkungen. Die 
Sanierung von Daressalam hat noch keine Fortschritte gemacht, 
»bwohl alles dahin drängt, diesen Ort zu einem gesunden Platz 
z machen. Die europäische Schule in Daressalam muß erhalten 
uind ausgebaut werden. Während der Staatssekretär Dernburg 
vie Wiederaufführung der Schule telegraphisch anordnete, steht 
herr, o., Rechenberg ihr * unfreundlich gegenüber. 
Zie hat einen sehr unbequemen Platz erhalten und hät auch zu 
venig Bänke. Auch sonst gibt die Schule zu Beschwerden Anlaß. 
ẽs ist ein neues Schulhaus durchaus notwendig auf Kosten des 
Vonvernements, wie wir dies durch eine Resolution gefordert haben. 
Zis jetzt hat sich das Gouvernement nicht geregt. Für Ostafrika sind 
dredritinstitute mindestens ebenso notwendig wie für Süd— 
vestafrila. Ich bitte dringend, der Frage näherzütreten. Die be— 
tehende neue Hrrditbank genügt nicht; sie ist nur eine Abteilung der 
Nafrikanischen Gesellschaft. Die kleinen Leute wollen von dieser 
vesellschaft nicht abhängig sein. Es muß zu einem unabhängigen 
kreditinstitut koinmen, sei es zu einer Kreditbank oder zu einer Ge⸗ 
offenschaftsbank. Eine weltere Klage der Kolonie sind die 
darife der Eisenbahnen. Der Staatssekretär hat eine 
derabsetzung der Tarife zugunsten der Kaufleute zugesägt. Die 
deutsche Ostafrikalinie hat ja ein großes Verdlienst an der 
Entwickelung der Kolonie in der früheren Zeit. Aber jetzt hat der 
Naffentransport von und nach Den zugenommen, und es wird 
jeklagt, daß die Ostafrikalinie in den Tarifen zu sehr ihren Vorteil 
ucht. Sie hat die sogenannten Rhedereitarife in einer Weise ge— 
szandhabt, die zu Beschwerden Anlaß gibt. Es wird mir kelchrieben. 
aß die Berechnung der Rhedereizuschläge in Dunkel gehüllt ist; mau 
önne sich da nicht zurecht finden; jedenfalls ist der Zuschlag viel zu 
joch. Durch diese Zuschläge werden besonders die Geräte über— 
näßig verteuert, Ich bitte den Staatssekretär, diese Sache eingehend 
zrüfen zu wollen. Die Zentralbahn muß bis Tanganika äusge— 
ehnt werden. Es ist das eine alte Forderung der Nationalliberalen, 
pẽziell der unseres verstorbenen rheu der —7 vor 20 Jah⸗ 
en diese Sache vertreten hat. Auf die Notwendigkeit der Bahn 
rauche ich nicht weiter einzugehen. Meine Freunde werden dafür 
ehr energisch eintreten und wir hoffen, daß der Staatssekretär der 
Zache sich kräftig annehnien wird. Der Abg. Noske hat von den 
datronlägern gesprochen. Eine Eisenbahn würde die Lager 
een diese Moglichkeit sehe ich in der Fortführung der 
tambara-Bahn; diese Bahn würde daänn bis zur Küste eine Länge 
on 490 Kilometern haben. Herx Dröscher hat wohl nur sagen wollen, 
aß da ganz kolossale Werle liegen, von denen wir keine Ahnung 
aben; davon wollen die Sozialdemokraten natürlich nichts wissen. 
Loch ein Wort über die Einrichtung von tropenhygienischen 
Instituten. Ich möchte den Staatssekretär bitten, daß diese 
Institute in ausreichendenn Maße allmählich eingerichtet werden. 
Von Wichtigkeit ist bei diesen Instituten nicht bloß ein Arzt, son— 
»ern ein Balteriologe. In den Kolonien dürsen Mißhelligkeiten 
nit den weißen Bewohnern und dem Gouverneur wi vorkommen, 
vie sie mit dem Gouberneur v. Rechenberg und den Ansiedlern be— 
tiehen. Ich bitte den Staatssekretär, in diesem Sinne seinen Gin— 
luß auszuüben. (GBeifall.) 
Staatssekretär v. Lindequist: Es sind im Etat für 1910, für 
Dentsch⸗Ostafrika 13 Lehrerstellen eingesetzt, eine recht erheb— 
iche Zahl, zu denen nach diesem Etat noch zwei kommen. Nach der 
neuen Besoldungsordnung sind sie entsprechend denen in der Heimat 
zestellt. Sie haben, den großen Vorteil, daß sie etatsmähßig geworden 
ind. Ein Lehrer, der draußen angenommen ist, hatte die erforder- 
iche Vorbildung. Hinsichtlich der Versorgunng der alten 
3chutztruppler stimme ich dem Abg. Dr. Arning bei. Es ist 
urchaus mein, Wunsch, den, Pensionsfonds möglichst zu erleichtern, 
ndem, man diesen Leuten, die ihre Haut zu Maͤrkte getragen haben, 
Anterkommen zu beschaffen sucht. Ich bin mit den einzeinen Aem— 
ern, in Verbindung getreten, um solches noch weiter zu finden. Die 
gesteuerung der Eingeborenen ist im leßyten Gonverne- 
nentsrat zur Sprache gekommen. Es handelt sich darum, inwielweit 
ie Hüttensteuer gbgelöst werden kann durch die Kopfsteuer, ab— 
sesehen von der Erhöhungsmöglichkeit. In einzelnen Bezirken er— 
eben wir ja schon die Kopfsteuer, nämlich da, wo Tennenwirt⸗ 
chaft besteht. Nach einer Nachricht, die * por wenigen Tagen be— 
lommen habe, ist entsprechend einem Beschlusse des Goubpernements- 
rdats eine Ausdehnung respektive Einführung bezirksweise in Ans— 
icht genommen, zunächst für vier Bezirke. Bewaährt sie sich, so soll 
n weiteren Bezirken vorgegangen werden. Den Landesver- 
bänden stehe ich durchaus freundlich und sympathisch gegenüber. 
Ich glaube auch, daß die Verbände selbst diesen Eindruck haͤben. Ter 
landesverband in Ostafrika hat mir zu meiner Ernennung zum 
Staatssekretär ein Glückwunschtelegramm gesandt. Ich habe in 
neiner Antwort betont, daß ich diese Organisation sur erwünscht 
halte. Zwischen dem Gouverneur und dem Landesverband hat eine 
eingehende Besprechung stattgefunden, und es ist eine für beide Teile 
»urchaus befriedigende Einpiqung austande, gekommen. Es hat, wegen 
gewisser Formalien eine Meinungsverschiedenheit zwischen Gouver- 
neur und Landesverband bestanden. Die, Sache ist auch au mich ge— 
angt. Ich habe dem Landesverband geschrieben, daß gewisse Klagen 
des Gouverneurs über die Art, wie die Beschlüsse zustande gekoöm— 
nen wären, durchaus begründet zu sein schienen; ich hätte den Ein— 
ruck. daß der Gouvernur sich wohlwollend verhalten werde, wenn man 
in ihn herantrete. Was das Pachtland betrifft, so hat die Ab— 
icht einer Aenderung der Bestimmungen vorgelegen; dies hängt zu⸗ 
ammen mit der Wertsteigerung. Zweifellos ist der Gedanke vom 
ztandpunkt des Gonvernements aus berechtigt. Ich habe aber in— 
zfern Bedenken dagegen gehabt, als das ganze Pachtsnstem in 
Deutsch-Ostafrika eigentlich nur eine — zum, Eigentum be— 
euntet, und daß eine gewisse Härte darin liegen würde, wenn ein 
Lächter auf andere Bedingungen als die uürsprünglichen, unter 
enen er das Land übernahm. eingehen loll. Ich habe dem Gouver— 
neur geraten, sich auf den Boden des BGB. zu stellen. Vie Bestim- 
nungen über die Landpreise sind schon immer bei den Bezirksämtern 
inzusehen gewesen. Es können natürlich nur ganz allgemeine 
Zestimmungen ergehen, weil die Preise in den einzelnen Bezirken 
ehr. verschieden sind. Ein großer Untferschied ist zunächst zwischen 
Alantagenland und Weideland. Die Bezirksräte haben den Wunsch 
ach einer Wertzuwachsssteuer ausgesprochen. Der Gouver— 
zeur, der diesem Gedanken an sich sympathisch gegenüberstand, 
laubte aber, daß ein großer Apparat von Beamten in Bewegung 
esetzt werden müßte, und die Erhebung zu teuer werden wuͤrde. 
ẽr hat infolgedessen vorgeschlagen, eine TOprod. Steuer aus un— 
ebautes Land zu legen. Die darüber sind, soweit ich 
iterrichtet bin, noch nicht ganz zum Abschlufse gelangt. 
Die Stadtgemeinden sollen bezüglich des Landes ebenfso behandelt 
verden wie die in Südwestafrika, außerdem aber soll ihnen alles Land 
- in dieser Beziehung habe ich in der Presse mißverstäudliche Be— 
ichte gesehen —, das sie früher hatten, gelassen werden. Sie anders 
u stellen als die Gemeinden in Südwestafrika, ist nicht wohl an— 
zängig. Sie stehen insofern schon günstiger, als sie das bisherige 
and behalten Die Wasserlestungsfrage in Dares— 
a ham ijst noch nicht geklärt. Es liegt das vor allem daran, daß wir 
och bein einwandsfreies Wasser in der Umgebung von Daresfalam 
aben. Es sind Geologen hinausgeschickt, die Bohrungen gemacht 
aben, leider aber hat sich kein Wasser gefunden. Was über die 
dandelssskammer gesagt worden ist. jst mir neu. Bedenken 
estehen meinerseits nicht, im Gegenteil, ich sreue mich darüber, wenn 
ich die Ansiedler und die Einwohner organisieren. Siec können so 
amentlich auf genossenschaftlichem Wege sehr viel leisten. Die Frage 
er Handelssachverständigen ist für mich lediglich eine Geldfrage. Ich 
alte es an für sich für sehr wünschenswert, wenn wir recht gute und 
ingehende Berichte bekommen, sowohl über die Absatzmöglichkeit 
nserer Industrieprodukte und über die Produlte, die wir beziehen. 
us Ostafrika erhalten wir aber schon decht gute Berichte Die 
Ach uhe in Daressalam habe ich vor 20 Jahren mir ange— 
hen und dem Unterricht bheigewohnt, ich habe nicht den Eindruck 
ewinnen lönnen, daß die Unterbringung der Schüler schlecht war. 
nazwischen ist deren Zahl allerdings von 8 bis 10 auf 18 gewachsfen. 
die Schule wird auf die Gemeinde übernommen werden. Die Ab— 
achungen waren so, daß die Kommune die sächlichen Ausgaben. die 
egierung die Personalausgaben zu leisten hätte. Wenn die Schule 
Agemein nicht so vorangeht, wie man es wünscht, fo tragen die 
chwierigen Verhältnisse die Schuld Die Altersunterschiede sind sehr 
roß, und es war den Kindern auch nicht möglich sich untereinander 
u verständigen. Die Frage des Kreditinstütuts bedarf ein— 
ehender Prüfung, vor allem ob es nicht richtiger ist, zunächst auf 
enossenschastlichem Wege, durch Gewährung von Personälkredit vor 
ugehen. Die Frachten werde ich soweit wie möglich, namentlich 
ir die Ausfuhrprodüukte herunterzusetzen bemüht sein. Wir müffen 
ber die dem Reichssstage gegenüber eingegangene Verpflichtung ein— 
alten, dafür zu sorgen, daß die Bahnen aus den Einnahmen des 
chutzgebietes verzinst und amortisiert werden. Die Ostafrikas 
ien ise hat ihre Tarife bisher nicht veröffentlicht. Darüber beklagten 
ich wohl die Ansiedler hauptsächlich. Jetzt veröffentlicht sie die Aus— 
uhrtarife. Wegen der Heimtarife bestehen Erörterungen; ich werde 
ehen, zu annehmbaren Bedingungen zu kommen. Die Natron— 
umde sind noch sehr wenig geklärt. Die Engländer glauben, daß 
nit dem Natron etwas zu erreichen ist. Es hat sich eine englifche 
zesellschaft mit einem Kapital von 26 Millionen Mark gebildet. Ich 
aun nur wünschen, daß, falls sich das Natron gauch in unserem Schutz— 
ebiete als abbaufähig erweisen sollte, das nötige Kapital sich , 
eicht finden läßt. Ich fürchte, bei uns werden die Misstonen nicht so 
eicht zusammenkommen. Die tropenhygiensschen Insti— 
ute wird die Kolonialverwaltung mehr und mehr auszubilden 
ichen; kleine Ansätze sind ja schon vorhanden. Wir tun dies ja auch 
a Südwestasrika und haben einen Bakteriologen neu angefordert 
erd gleichen Wege werden wir in Odttafrika fortichreiten. 
Beifall. 
Abg. Ledebour Soz.): Uber das Auffinden von 
daturschäützeen sind wir ebenso erfreut, wie alle anderen 
barteien. Wir protestieren nur dagegen, daß die Entdeckung 
olcher Naturschätze einem Kolonialfanatiker 3 zu phantasti⸗ 
hen Berechnungen geben. Unglaublich ist es, daß Dr. Dröscher 
iesen Ertrag von Natron d Milliarden schätzt, d. h. nach Zu⸗ 
zrundelegung des Preises in Deutschland. Wozu sind eine Menge 
wn Einschränkungen Hengeht 7 der Bau einer Bahn dorthin? 
dem Gouverneur v. Rechen berg ein Loblied zu fingen, will 
ch unterlassen, ein sozialdemokratisches Lob bekommt diesen Herren 
egu er scheint das Opfer eines Pflanzerausbeutertums werden 
u sollen. 
Abg. Dr. Arendt Herr Ledebour wußte herzlich 
venig vorzubringen. Seine Kritik ist in gutem Sinne recht lang⸗ 
weilig geworden das beweist, daß die vielen Kämpfe in bezug auf 
ie Kolonien einer friedlichen Stimmung Platz gemacht haben. 
hätten wir die Kolonialpolitik der Sozialdemokraten verfolgt, dann 
väre das Land nicht erschlossen, und Naturschätze könnten nicht 
efunden werden. Herr Dröscher wollte mit seiner Natron⸗ 
chätzung nur den eventuellen ungeheuren Wert lennzeichnen. 
ine besondere Bahn in das Natrongebiet ist wgt nötig, das 
ebiet würde durch die Bahnweiterführung von selber —— 
diese halten wir für nötig. Ohne das Bahnsystem wären wir 
mmer noch in der Defizitwirtschaft. Nicht als Sozialdemokrat 
ätte Herr Ledebbur dem Gouverneur v. Rechenberg mit seiner 
Inerkennung schaden können, sondern als Kolonialgegner. Bei 
em System Rechenberg, handelt es sich nicht darum, daß 
s die Neger vor Ausrauhung bewahrt, das ist seine Schuldigkeit, 
ondern daß es sich feindlich degenůberstellt der kolonialen Arbeit 
er Deutschen, die hinausae hen daß es bedacht ist, die koloniale 
entwicklung zu hemmen. stafrika hat einen außerordentlichen 
zeweis seiner Lebensfähigkeit dadurch erbracht, daß es si günsti 
atwickelt trotz des Systems Rechenberg. Wenn eine Kolonie 9 
ntwickeln soll, so müssen weiße Unternehmer mit ihrer größeren 
intelligenz ins Land, kommen. Diese Leute soll man nicht als 
ausbeutungslüsterne Unternehmer“ beschimpfen; 5 fördern die 
dultur und verdienen unsere Anerkennung. Bezüglich der Wäh⸗ 
rungsfrage habe ich Iiꝙ in der Kommission ausgesprochen. 
Nan sollte sobald wie möglich zur deutschen Währung uͤbergehen. 
luch die Ostafrikanische Notenbank ist ein durch nus 
erfehltes Unternehmen. Mit ihrer Verfassung kann man in 
rondon oder Paris wirtschaften, aber nicht drüben; die Bank 
ollte sobald wie möglich reformiert werden. Die Eisen⸗- 
ahnen müssen allerdings ihr Kapital verzinsen. Die Ueber— 
chüsse der Usambara-Bahn wachsen, wie ich gezeigt habe. Die 
üsteren Prophezeiungen der Linken sind durch die Praxis wider⸗ 
egt. Wir werden solche Bahnen später nicht um der Kolonie 
villen bauen, sondern um heimisches Kapital anzulegen. Dann 
nüssen aber die Frachten keine Erdrosselungsfrachten sein. 
Herade für die Erzeugnisse der Kolonie müssen die Frachten nur 
o hoch sein, daß die im Entstehen begriffenen Kultnren sich ent⸗ 
vickeln können. Von Ausfuhrzöllen für Holz usw. muß abgesehen 
verden; die Einnahmen daraus hemmen nur die Entwicklung 
er Kolonie und hemmen die Steuerkraft. Bei den Sozialdemo⸗ 
raten entwickelt sich allmählich eine gewisse Kolonialfreundlichkeit, 
a sie einsehen, daß sich das deutsche Volk von dem Werte unserer 
Zesitzungen überzengt hat. (Beifall rechts.) 
Staatssekretär v. Lindequist: Der Vorredner hat eine sehr 
charfe Kritik gegen den Gouverneur v. Rechenbera ge— 
ichtet. Er wird mit mir darin übereinstimmen, daß der Gouver⸗ 
renr ein ungemein fleißiger und zäher Beamter von ungemein 
roßer Arbeitskraft ist. Ich meine auch, daß er ein sehr tüchtiger 
Zeamter ist, der Ausgezeichnetes geleistet hat. Wenn er in seiner 
Zorge um die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts nur mit Vor—⸗ 
icht an Eisenbahnpläne herangeht und zunächst die Rentabilität 
esichert zu sehen wünscht, so kann man ihm daraus keinen Vor⸗ 
durf machen. Daß er den meisten Ansiedlern feindlich gegen— 
bersteht, dem möchte ich entgegentreten. Daß er unterscheidet, ob 
Internehmungen solide sind oder nicht, ist durchaus berechtigt. 
s8 ist zweifellos nicht richtig, daß er die Absicht gehabt hat, den 
zahnbau zu hintertreiben und daß er deshalb den Weg gebaut 
at. Die Deutschostafrikanische Rundschau erhält irgendwelche 
zuschüsse aus staatlichen Mitteln nicht, ob der Ausdruck „offiziös“ 
erechtigt ist oder nicht, lasse ich dahingestellt; man könnte ebenso 
iit bei anderen Zeitungen des Schutzgebiets fragen, wober sie 
ie Mittel bekommen. 
Abhbg. Ledebonr Soz.): Wir haben uns Beschränkungen auferlegt 
ngesihe der Geschäftslage,dies uns anders auszulegen ist nicht mehr 
oyal. (Lachen rechts sehr richtig! lints.) Wir sind gegen die Unter— 
ochung fremder Völker überhaupt zum Zwecke der eigenen Be— 
eicherung. Der Rettungspersuch für Dr. Dröscher ist Herrn Dr. 
rendt nicht geglückt. Daß Dr. Arendt seine angekündigte Beweis— 
iihrung gegen Herrn v. Rechenberg nicht vorgetragen hat, nennt 
nan sSnesferei. sVizebräsibent Schultß rüagt diesoen Naedrüuck! 
Abg. Erzberger Itr.): Der Abg. Arendt Prach wiederholt ym 
inem System Rechenberg und hat dagegen schwere An— 
lagen erhoben, ohne Einzelheiten vorzubringen. Hier gilt das Wort. 
Man schlägt den Sack und meint den Esel. Das System Rechenberg 
»edentet den Schutz der Eingeborenen und dies steht jetzt auf dem 
Zrogramm der Regierung. Also gegen dies Programm geht Herr 
rendt vor. Wir haben jeßt nicht darüber zu klagen, daßEingeborene 
n unmenschlicher Weise draußen geprügelt werden. Seit 3 bis 4 
zahren sind eine Menge Schußzmaßnahnmen ar Erhaltung der Ein— 
eborenen und gegen die Ausbeutung, der Eingeborenen getroffen. 
z8 bestehen nicht mehr Löhne von * Pfennig pro Tag usw. ist 
ies das System Rechenberg, so haben wir das größte JInteresse 
»aran, dies System weiter zu führen, schon um weitere Nusstände 
ind große Geldausgaben zu verhüsen. Versteht etwa der Abg. Arendt 
inter dem System Rechenberg die Belämpfung des Islam? Diese 
zurückdrängung liegt lediglich in deutschem Interesse. Was er 
onst vorgebracht über die Zurücksetzung der Weißen, ist beweis— 
os geblieben; er hat einzelne Zalsochen nicht vorgebracht. Die Ab— 
haffung des Arbeitszwanges ist ebenfalls ein Fortschritt des Sy— 
senis Rechenberg. Es klagt hente kein Pflanzer, der seine Schwarzen 
ut bezahlt und ordentlich behandelt, über Ardeilermangei Die 
Zefeitigung des Systems VDechenberg würde ein großes Unglück fü— 
—B gen (Beifall im Zentrum.! 
Ahg. Dr. Arendt: Meine Angriffe richteten sich nicht gegen Hrru 
Rechenberg, sondern gegen sein ghem. Nicht den Schußg der 
Fingebornen, sondern die gegnerische Haltumnggegen die 
bflanzer und Kultivation maäche ich diesem System zum 
ßorwurs. Es wird vom Gouvernement den Pflanzern das Leben 
erschwert. Die deutschen Pflanzer haben mir, wiederholt versichert 
»aß, solange dies System dauert, sie sich in der Kolonie nicht be 
ätigen können. Deshalb wirkt dies System Ar für dit 
dolonie. Der Schutz der Eingeborenen dagegen ist die Pflicht nich 
uur d eere jedes Gouverneurs, denn die Eingehoprenen sini 
vas Kostbarste einer Kolonie. 
Staatssekretär v. Lindequist: Der Abg. Arendt behauptet, 
derr v. Rechenberg wäre ansiedlungs- und deutschfeindlich. Die Tat— 
achen echen doch dagegen, denn während seiner Zeit hat, sich 
er 8 antagenbau ganz ausgezeichnet entwickelt 
in der Ulsambara-Bahn und auch an der Zentralbahn. 
Abg. Noske Sozu: Herr p. Rechenberg wird, deshalb 
o orf angefaßt, weil er die Eingeborenen als Menschen be— 
jandelt. 
—⏑——— (Btr.): Die Vorwürfe gegen den 
Zouverneur sind gJicht berechtigt, audererseits belegen die Sozial⸗ 
»emokraten ihre Behauptungen auch nicht mit Beweisen. 
Abg. Dr. Paasche (natlib): Es ist Pflicht des Staatssekre⸗ 
ärs 9 seiner Beamten anzunehmen, ich möchte mich aber den 
lusführungen des Abg. Arendt anschließen. Es ist mir mitge⸗ 
eilt worden, daß der Gouverneur einem Herrn, der dort ein 
nternehmen grunden wollte, sbesgat hat, er wolle keine In— 
ustrie, sie mache ja doch nur pleite. So etwas sollte der Gou— 
erneur nicht sagen. Große Kapitalien sind in der Baum,⸗ 
vollkultur dort investiert. Die Herren haben immer gesagt, 
ie Poben jetzt alle Lust verloren, weil ihnen das Leben erschwert 
vird. Ich könnte Ihnen noch eine Reihe anderer Tatsachen an— 
ühren. Man müßte doch versuchen, gesunde Unternehmungen 
u unterstützen und sie nicht zurückhalten. Die Verdienste der 
jeuen Arbeitsordnung erkennen wir vollständig an, aber ein 
nem welches unserer Ansicht nach den Interessen der Kolonie 
nicht entspricht, müssen wir hier doch kritifieren können. 
Abß Noske: Mit Rücksicht auf die knappe Zeit des Hauses 
ann ich Herrn Schwarze zur Widerlegung feiner Behguptung, 
V— eeeee vorgebracht hätte, meine gestrige Rede, die 
diese Beweise enthielt, nicht wiederholen. 
Abg. Dr. Stresemann (natlib.): Die Schwierigkeiten, die in 
Ostafrika denjenigen gemacht werden, die Tand erwerben wollen 
and Plantagenbau treiben, um das Land vorwärts zu bringen, 
zemmen tatsfächlich den Fortschritt der Kolonie. Es ist vor allem 
as langsame Tem Po, das wir bekämpfen müssen, die Ver— 
ögerung in der Ausstellung von Besitztiteln; es scheint dem 
Bouvernement eben gar nichts daran zu liegen, ob sich die Enk— 
wicklung langsamer oder rascher vollzieht. Diese Behauptung 
vird durch das Zeugnis ganz einwandfreier Gewaͤhrsmänner wie 
des Herrn Schanz, welche direkt die Iubt In p ιιαιαιιι 
ergriffen haben, gestützt. 
Abg. Erzberger: Herr Arendt hat noch immer nn 
Tatsachen aufgewärtet, sondern sich, nur in allgemeinen Betrach⸗ 
ungen ergangen; den Beweis, daß das Goubernement Schwie⸗ 
rigkeiten mache, ist er schuldig geblieben. Das Grundbuch fur 
as weite Ostafrika ist ja noch lange nicht sertig. 
Uso geht es ßusswh so xasch mit der Aussertigung der 
Besicztitel. Daß der Gouberneur kapitalschwache Leute vor 
invorsichtigen Unternehmungen warnt, ist nicht nur sein gutes 
RKecht, sondern sogar seine e Sind denn überhaupt Be⸗— 
chwerden derart beim Stagtssekretär ee Als der 
rühere Staatssekretär nach seiner gfrikanischen Reise die Policik 
des Schutzes der Eingeboxenen proklamierte, waren es auch Herr 
Arendt und Herr Paasche, die scharf dagegen angingen; heute 
un sie das wieder, offenbar, um den jetzigen Staatsfekretär zu 
ziner Aenderung der Eingeborenen-Politik anzuspornen. Ein 
watzes Proletariat in den Kolonien ist hundertmal schlimmer 
als ein weißes Proletariat in Berlin. 
Staatssekretär v. Lindequist: Ich erkenne sehr wohl an, was 
Zrrr Schanz namentlich auch inbezüg auf die Baumwollfrage aetan 
jat; aber in seinem Vortrage hat er auch nur allgemeine Anklagen 
hne Substantfierung vorgebracht. Wena der GBouverneur einem 
apitalschwachen Manne sagt, er solle seine Hände lieber von einem 
Unternehmen lassen, so ist das, allgemein gesprochen, jedenfölls ein 
Verdienst des Gouverneurs. Was die Besitztite! angeht, so 
verden oft sehr beträchtliche Flächen verlangt; die liegen doch nicht 
o glatt da, sondern sie müssen ausgesucht, die Eingeborenen müssen 
»nderswo angesiedelt werden, das Land muß als herrenlos erklöri 
verden, und dann muß erst die Landkommission in Tätigkeit treten. 
das alles erfordert Zeit, während dessen sich die Interessenten nicht 
veiter um die Sache kümmern. Den Vorwurf, daß diesen Leuten 
richt genügend entgegengekommen würde, kann ich also nicht gelten 
assen. Daß der Gouverneur Leuten Schwierigkeiten macht, die nach 
einer Annahme mit ihren Unternehmungen vorankommen werden, ist 
richt bewiesen worden. 
Abg. Schwarze-Lippstadt verweist erneut auf die Erfolge. die 
das System des Schutzes der Einaeborenen fkür die Kolo—⸗ 
nie gehabt habe. 
Aba. Dr. Semler (natl.): Irgend welche persönlichen Angriffe 
sengen den Gouverneur zu richten, liegt uns absolut fern. 
Damit schließt die Debatte. Der Etat für das ostafrikanische 
Schutzgebiet wird nach den Anträgen der Budgetkommission bewilligt, 
ind die von ihr vorgeschlagene Resolution: Den Herrn Reichskanzlei 
u ersuchen, darauf hinzuwirken. daß für die sub ventihon ierten 
Dampferlinien nach Möglichkeit bestimmte einheitliche Tarif— 
ätze für Aus- und Heimfahrt festgesetzt werden“ angenommen. Es 
'olgt der Etat für Kamerun. Hierzu liegen einige Anträge der 
Freifinnigen vor, darunter soll der Betrag für Bekämpfung 
»er Lepra und Schlafkrankheit um 15000 M er 
zjöht, beim Ausgleichssfonds 15000 Al und beim Bau 
von Erschließungswegen 100 000 M abgesetzt werden 
Bei den Einnahmen des außerordentlichen Etats sollen aleichfalls 
100 000 .A abgesetzt werden. 
Abg. Noske (Soz.): In Kamerun haben sich die Unternehmen 
jgegen die Eingeborenen zusammengetan, um die Löhne möglichsl 
niedrig zu halten. Aus Anlaß der Expedition nach Ermordung 
des Händlers Bretschneider haben sich die unhaltbaren Kustände 
erausgestellt, die das Kreditwesen mit sich bringt. Den 
zingeborenen wird der Kredit aufgedrängt; später werden sie zum 
RKaubhau auf Gummi genötigt gegen geringe Eutschädiguug, so⸗ 
daß oftmals Hungersnot die Folge ist Da sind derartige Mord 
älle erklärlich. 
Albag. Dr. Goller (F. Vp.) empfiehlt die Anträge seiner Var— 
ei. Erwünscht sei auch, daß in den dortigen Regierungsschulen 
zie Ueinen Negerkinder nur eine., und awar die lateinische Schrifft 
zelehrt werde. 
Der Etat wird unter Annahme der Antränge Dr, Goller nach 
den Beschliissen der Kommission angenommen. 
Der Etat für Togo wird ohne Debatte genehmiagt. 
Es folgt der Etat für das Südwestafrikanische 
—chutzagebiet. Bei den fsortdauernden NAusgaben für die 
Zivilverwaltung führt 
Abg. Baußmann-Württemberg F. V.) aus, es sei nicht zu— 
reffend, daß in der Frage der Nachverzoslung nicht ir 
in schwebendes Verfahren eingegriffen wäre. Die angewendett 
Nethode ist eine Erschütterung der Rechtssicherheit und ruft sehr 
rhebliche Bedenken hervor. Das Kaiserliche Obergericht in 
Windhitk hat entschiedent daß der Gouverneite int hereducßot was
	        
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